Wenn die Schrift bezeugt, daß Gott die Welt liebt, so ist damit gar
nichts darüber ausgesagt, wie die Welt ist, sondern nur, wie Gott ist.
Das gilt es einmal ganz klar mit allen Konsequenzen zu fassen.


Adolf Heller (1895 - 1973)

E. F. Ströter (2)

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Aus dem Leben von Professor E. F. Ströter

Auszüge aus dem von Heinrich Schaedel verfaßten Lebensbild

Ernst Ferdinand Ströter wurde am 31. Mai 1846 in Wuppertal-Barmen geboren. Seine Eltern waren gläubige Menschen, die in den Wegen des Herrn wandelten, und seine früh verstorbene Mutter hatte ihren Ernst dem Dienst des Herrn geweiht.

In seiner Vaterstadt besuchte er zuerst die Realschule und dann das Gymnasium in Elberfeld. Vom Herbst 1865 bis Herbst 1868 studierte er Theologie an den Universitäten Bonn, Tübingen und Berlin. Die Professoren J. P. Lange, Dorner, Steinmeyer und Tobias Beck waren unter seinen Lehrern. Besonders der letzte übte einen bedeutenden Einfluß auf den jungen Studenten aus. Professor Beck warnte die jungen Theologen, in das Pfarramt einzutreten, wenn sie nicht eine klare Heilserfahrung gemacht hätten.

Innere Zweifel hielten Ströter zurück vom Eintritt in den Dienst der preußischen Landeskirche. So nahm er die Stelle eines Hauslehrers bei einer in Europa reisenden amerikanischen Familie an, mit der er dann auch Paris besuchte. Mit den ihm anvertrauten Kindern nahm er an einem amerikanischen presbyterischen Gottesdienst und der Sonntagsschule teil. Der gläubige Pastor machte einen tiefen Eindruck auf ihn. Er wurde dann mit dem Methodistenprediger W. Schwarz bekannt und fand bald, was ihm bisher gefehlt hatte: die Heilsgewißheit in dem gekreuzigten und auferstandenen Herrn. Er studierte die Kirchenordnung der Methodistenkirche und glaubte, daß er in dieser Gemeinschaft mit Freudigkeit für den Herrn zeugen und arbeiten könne.

Im Herbst 1869 zog er dann nach Amerika und schloß sich dort einer deutschen Methodistengemeinde an, wo er reichlich Gelegenheit zur Mitarbeit fand. Zu Anfang des Jahres 1870 wurde er als Hilfsprediger nach Philadelphia gesandt und im April desselben Jahres als Prediger in die östliche deutsche Konferenz aufgenommen und an eine Gemeinde in Baltimore entsandt.

Hier schenkte ihm der Herr seine treue und bewährte Lebensgefährtin Caroline Doelfeld, mit welcher er am 26. Dezember 1871 in den Ehestand trat. Am gleichen Tage trat das junge Paar die Reise nach Texas an, wohin sich Bruder Ströter auf Aufforderung von Bischof Simpson hin freiwillig als Pionierprediger gemeldet hatte. Vor seiner Abreise war er in Baltimore ordiniert worden. Acht Jahre diente er dann in Texas, und zwar in Industry, Austin und Brenham. Es waren schwere Jahre, aber der Herr hatte weise Absichten dabei. Er hatte Pferd und Kuh zu halten und ohne Hilfe zu verpflegen und besuchte besonders auf dem ersten Platz im Sattel die deutschen Farmer in der Umgebung. Die junge Predigersfrau hat unter diesen primitiven Verhältnissen viel geweint und geseufzt. Dazu kam, daß der Herr ihnen in diesen Jahren mehrere Kinder, an denen die Eltern große Freude hatten, wieder nahm. So wurden sie beide im Feuer der Trübsal geläutert und tüchtig gemacht für große Aufgaben der Zukunft.

Im Winter 1879 wurde Br. Ströter als Prediger an eine große und einflußreiche Gemeinde in St. Paul, Minnesota, berufen. Man hatte die hohe Begabung des jungen Predigers erkannt, der auch bereits in den Spalten des “Christlichen Apologeten” mit hervorragenden literarischen Erzeugnissen vor die Öffentlichkeit getreten war.

Schon damals hatte Br. Ströter den Heilsplan Gottes mit der Menschheit in den wesentlichen Zügen erkannt (besonders durch die köstliche Schrift des Methodistenpredigers Blackstone “Der Herr kommt”) und scheute sich nicht, öffentlich davon zu reden.

Sein damaliger Gegner und späterer intimer Freund Dr. G. E. Hiller schreibt über jene Zeit u. a.: “In den Achtziger Jahren, als ich noch der Nördlichen Konferenz angehörte, kam Br. Ströter von Texas und wurde Prediger unserer Ersten Gemeinde in St. Paul, welche damals eine hervorragende Stellung im deutschamerikanischen Methodismus einnahm. Nun hätte er ja sein Wissen und seine Rednergabe, womit er uns alle überragte, benutzen können, um sich Popularität und hohe Stellungen zu verschaffen. Er tat dies aber nicht, sondern betrat einen Weg, der ihm Kreuz und Leiden bringen mußte. Br. Ströter predigte das Wort Gottes - und nur das Wort Gottes - und stellte dabei namentlich die so lange vernachlässigte Hoffnungslehre der Bibel in den Vordergrund, weil er glaubte (was er bis ans Ende geglaubt hat), daß allein das rechte Warten auf das Kommen Christi uns in die richtige Stellung zu Welt und Himmel bringt und den besten Ansporn bildet zu einem geheiligten Leben und zu fleißiger Arbeit fürs Reich Gottes. Die Lehre, daß Christus wiederkommen wird, um Seine eigentliche Herrschaft auf Erden erst aufzurichten, wie Br. Ströter sie vortrug, war uns Nördlichen aber damals etwas Neues, wie sie ja auch jetzt noch von vielen kirchlichen Männern verworfen wird. Wir waren in der Meinung erzogen, daß Christus nicht eher kommen werde, bis wir die ganze verwirrte, im Argen liegende Welt in Ordnung gebracht hätten. Darum ärgerten wir uns an Br. Ströter. Ich schrieb damals Erwiderungen gegen seine Artikel und wurde dafür von vielen Brüdern gelobt, nicht aber von Dr. Wilhelm Nast, dem damaligen Editor, denn er glaubte kindlich an die Schrift und war bereits von der Richtigkeit der Ströterschen Auffassung mehr als halb überzeugt. Ich will aber auch bekennen, daß von dem, was ich in Ströters Artikeln las, ein Stachel in meinem Herzen steckenblieb, wodurch ich bewogen wurde, alle Vorurteile beiseite zu legen und selbständig die Schrift über diese Frage zu erforschen. Die Folge war, daß mir nach und nach meine frühere Ansicht wie Schuppen von den Augen wegfiel und ich nicht nur erkannte, daß Br. Ströter mit seiner Hoffnungslehre auf biblischem Boden stand, sondern daß ich dies auch öffentlich bezeugte. Wir wurden damals intime Freunde und sind es geblieben bis ans Ende, wenn wir auch in bezug auf unwesentliche Dinge nicht immer dieselbe Meinung hatten.”

Nachdem Br. Ströter noch für zwei Jahre eine weitere Gemeinde im Norden als Prediger bedient hatte, folgte er dem ehrenvollen Ruf als Professor der historischen und praktischen Theologie an das “Central Wesleyan College” in Warrenton, Missouri, wo er sechs Jahre wirkte, um dann einem weiteren Ruf an die Universität Denver, Colorado, zu folgen, wozu ihn besonders die gefährdete Gesundheit seiner Gattin bewog, und dieser vorzügliche Klimawechsel hatte auch die besten Erfolge.

Im Jahre 1894 aber rief ihn der Herr in den Missionsdienst unter dem Volk Israel. Er wirkte in Verbindung mit dem Judenmissionar Gäbelein in New York. Damit begann seine eigentliche Reisetätigkeit. Wir finden ihn dann auf hervorragenden Konferenzen als gern gehörten Redner in deutscher und englischer Sprache. Er reiste nach Europa, nach Polen und Rußland und siedelte 1899 ganz nach Europa über. Einen früher an ihn ergangenen Ruf Prof. Christliebs, das ins Auge gefaßte Johanneum mit begründen zu helfen und zu leiten, glaubte er ablehnen zu müssen. Er wohnte dann in Leipzig, Berlin und Wernigerode, weilte aber auch vorübergehend monatelang bei seiner Tochter in Amerika. Er war dreizehnmal in Rußland, dreimal in Palästina und einmal in Südafrika, und überall machte er mit seinen biblischen Vorträgen tiefen Eindruck. Als im Jahre 1912 sein Schwiegersohn, Bischof Dr. J. L. Nuelsen, nach Europa versetzt wurde und seinen Wohnsitz in der Schweiz aufschlug, da gaben die nun betagten Eltern ihren eigenen Haushalt auf und zogen zu den Kindern und Enkelkindern.

In Deutschland stand Prof. Ströter während seiner letzten 20 Lebensjahre in der vordersten Reihe der Führer der Gemeinschaftsbewegung. Auf großen Konferenzen und Versammlungen war er gern gesehener Gast und viel begehrter Redner. Jahrelang war er einer der Führer in Blankenburg auf der Allianzkonferenz und galt als einer der fähigsten Redner, die dort aufgetreten sind. In allerlei Strömungen und Kämpfen, von denen die Gemeinschaftsbewegung in diesen Jahren heimgesucht wurde, hat er stets einen klaren Blick gezeigt, und seinem Einfluß war es wesentlich zu danken, daß in einigen Krisen ernste Folgen vermieden wurden.

Nach jahrelangem Forschen und Beten war Ströter zu der Erkenntnis gelangt, daß die Bibel die Allversöhnung in Christo lehre. Seine Veröffentlichungen über die Bedeutung des Wortes “Ewigkeit” erregten nicht geringes Aufsehen und drohten zu schweren Kämpfen zu führen. Seine im Jahre 1907 von ihm begründete Zeitschrift “Das Prophetische Wort” gab ihm Gelegenheit, vor etwa 3000 Lesern seine Meinung zum Ausdruck zu bringen. Die Gemeinschaftskreise, durch die Pfingstbewegung ängstlich geworden, befürchteten schlimme Folgen von Ansichten, die sich nicht im herkömmlichen Geleise bewegten. So nahmen einige Führer und teure Brüder, die mit Prof. Ströter bisher eng verbunden waren, öffentlich gegen ihn Stellung. In Blankenburg kam er nicht mehr zu Wort, und man gab ihm zu verstehen, daß man es schätzen würde, wenn er die Allianzkonferenz nicht besuchen würde. Um niemand ein Ärgernis zu werden, hat er dann auch keine Besuche mehr dort gemacht. Viele andere Kreise, wo er bisher gern gesehen war, verschlossen sich gegen ihn. Am längsten blieb ihm noch sein alter Freund Seitz gewogen, der auch die Erkenntnis von der Allversöhnung hatte und vertrat, und Stockmayer, der ihm treu verbunden blieb.

Ströter mußte aber seinen Weg jetzt vielfach allein gehen, und er erkannte dieses als Weg Gottes. Das, was er als göttliche Wahrheit erkannt hatte, vertrat er auch mit der ganzen Kraft seiner Persönlichkeit, unbekümmert darum, was etwa die Folgen sein würden für ihn selber. Nach den Voruntersuchungen der ganzen Frage, die im “Prophetischen Wort” erschienen waren, gab er dann das große Buch heraus “Das Evangelium Gottes von der Allversöhnung in Christus“. An diesem Buch mußten sich die Geister scheiden. Wurden ihm auch manche Türen verschlossen, so öffneten sich ihm doch immer wieder neue. Besondere Höhepunkte waren noch die Prophetischen Konferenzen, die er drei Jahre hintereinander vor seinem Heimgang (1919 bis 1921) je drei Tage in der Stadtmissionskirche in Berlin halten durfte.

Am 29. August 1922 ist nun unser lieber Professor Ströter von uns geschieden, nachdem eine Blasenkrankheit im Mai eine Wendung zum Schlimmeren nahm. In den zwölf Wochen seiner Krankheit hatte er fast gar keine Schmerzen. Eines Tages bat er seine Tochter um Schreibpapier und Tinte, um seine Todesanzeige selbst zu schreiben. Der letzte Satz lautete: “Er hatte nur die Gnade zu rühmen, die ihn suchte, fand und überwand.” Sanft und ohne jeglichen Kampf durfte er dann von uns gehen. Auf dem lieblichen Friedhof Zürich-Fluntern ruht die Hülle des im Herrn Entschlafenen, bis Jesus kommt.

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