Gott hat es gegeben
A. E. Knochs Lebenswerk — zusammengestellt von Hermann Rocke
Es war Anfang der neunziger Jahre des vorigen Jahrhunderts. “Von dem Wunsch getrieben, das Wort Gottes recht zu verstehen”, schrieb damals Bruder A. E. Knoch, “kam ich beim Schriftstudium zu der Erkenntnis, daß jeder wirklich wertvolle Fortschritt bei der Wiederentdeckung verschütteter Wahrheiten auf die Benutzung von Konkordanzen zurückzuführen war. Weiter stellte ich fest, daß diejenigen meiner Freunde, welche ihr Schriftstudium auf eine Konkordanz gründeten, auch die sichersten und raschesten Fortschritte in der Erkenntnis des Willens Gottes machten. Also gab ich mich daran, meine eigene Einstellung über die Bedeutung biblischer Begriffe nun gleichfalls auf diese Weise zu überprüfen und zu korrigieren. Hieraus erwuchs mir unermeßlicher Gewinn. Und die Freude darüber erweckte in mir das Verlangen, mein möglichstes zu tun, um auch anderen zu diesem sicheren und befriedigenden Weg zu verhelfen, wenn sie sich vergewissern wollten, was Gott in Seinem Wort tatsächlich geoffenbart hat.
Alsdann machte ich die Beobachtung, daß selbst geisterfüllte Schriftforscher nicht in der Lage waren, aus Konkordanzen viel Nutzen zu ziehen, wenn letztere sich auf die landläufigen Übersetzungen gründeten. Nur wer Konkordanzen in den Sprachen des Grundtextes benutzte, machte wirklich Fortschritte; dies war in der Tat konkordantes Schriftstudium. Doch leider wurde es immer wieder durch die Benutzung diskordanter Bibelübersetzungen gehemmt da diese den aus dem konkordanten Studium erwachsenen Gewinn stark beeinträchtigten. — So ging mir allmählich ein Licht darüber auf, wie wenig Sinn es hatte, neben meinem konkordanten Grundtextstudium weiterhin eine diskordante Bibelübersetzung zu benutzen, wenn ich wirklich in der Heiligen Schrift forschen und den geoffenbarten Willen Gottes kennenlernen wollte.
Anstatt also meine landläufige Bibelausgabe gelegentlich durch das Ergebnis konkordanten Grundtextstudiums zu verbessern, schien es viel sinnvoller zu sein, eine Übersetzung herzustellen, welche bereits konkordant ist, in der also jedes (englische oder deutsche) Wort bei allen seinen Vorkommen stets dasselbe Grundtextwort wiedergibt, so daß sich die Benutzung von Konkordanzen in den Sprachen des Grundtextes nahezu erübrigt. Wo der heutige Sprachgebrauch diese völlige Konsequenz nicht zuläßt, muß eine Konkordanz der Grundtextwörter (in Englisch bzw. in Deutsch) solche Abweichungen aufzeigen.”
Wie oft ist Bruder A. E. Knoch später von anderen Gläubigen angegriffen und verlästert worden, weil er alle von menschlicher Tradition gefärbten Bibelübersetzungen ablehnte und vielmehr das glaubte, was Gott Selbst in den Grundtexten gesagt hat. Dem so oft wiederholten Vorwurf, er habe die konkordanten Bibelteile seiner Lehre angepasst, ist er mit dem Bekenntnis entgegengetreten, daß er in jungen Jahren, als er die konkordante Übersetzungsmethode entwickelte, noch die Auffassung seiner Gegner teilte. Auch A. E. Knoch hatte an die ewige Qual geglaubt, weil er meinte, dies stände so in Gottes Wort, wiewohl sich Herz und Sinn dagegen sträubten. Dennoch hielt er so energisch daran fest, daß er es damals ablehnte, dem Problem der ewigen Qual überhaupt auf den Grund zu gehen. Erst als er die diesbezüglichen Schriftstellen mit Hilfe von Konkordanzen in den Sprachen des Grundtextes studierte, erkannte er seinen Irrtum. — Von da an hat Bruder A. E. Knoch volles Verständnis für alle gehabt die an ihrer Bibelübersetzung festhalten und sich nicht überzeugen lassen. Darum lautet sein Wahlspruch: Zu Gottes Wort zurück! Nämlich zu Gottes Wort, wie es das Konkordante Neue Testament nebst Stichwortkonkordanz in engster Anlehnung an den Grundtext bringt.
Bei der sich über ein halbes Jahrhundert erstreckenden Forschungsarbeit hat Bruder A. E. Knoch jedoch nie den Kontakt mit den schlichten Glaubensgeschwistern verloren; gerade ihnen wollte er ja dienen. Bis in sein achtes Lebensjahrzehnt hat er jeden Sonntag zur konkordanten Versammlung in Los Angeles gesprochen und Christus als das Erwartungsgut der Herrlichkeit verkündigt, jener Herrlichkeit nämlich, in welcher Er dem Saulus auf dem Weg nach Damaskus begegnete; nicht als der Sohn Davids auf Israels Thron, sondern als der Sohn Gottes in überhimmlischer Herrlichkeit, vom Vater dazu bestimmt, Sich das gesamte Weltall unterzuordnen. A. E. Knoch hat gelehrt, daß die gesamte Heilige Schrift (vom 1. Buch Mose bis zur Offenbarung) ein Ganzes bildet, worin man die späteren Paulusbriefe nur verstehen kann, wenn man zuvor die früheren beherzigt hat; und ihrer aller Tragweite wird uns erst dann recht verständlich, wenn wir uns auch den Rest des Neuen Testaments zu eigen gemacht haben; und dies wiederum kann nicht ohne die Kenntnis der prophetischen und der übrigen Bücher des Alten Testaments geschehen. — Diesen Dienst als Lehrer hat Bruder A. E. Knoch nicht nur an dem Hörerkreis in Kalifornien ausgeübt, sondern zugleich an dem Leserkreis der Zeitschrift “Unausforschlicher Reichtum“, welche in englischer und deutscher Sprache erscheint, aber an keine Organisation gebunden ist. Hierzu schreibt Bruder A. E. Knoch folgendes:
“In unserer Zeitschrift (Unausforschlicher Reichtum) versuchen wir, die Wahrheit so, wie Gott sie uns hat erkennen lassen, darzubieten — und zwar, ohne dabei die Gefühle von Glaubensgeschwistern zu verletzen, die in manchen Punkten anderer Meinung sein mögen. Gott hat uns gelehrt (wie einst den Petrus — Ap. 10:15), keinen Menschen für unheilig oder unrein zu halten, den Er gerechtfertigt hat. Durch Seinen Geist sind auch die geheiligt, welche die Erleuchtung durch Sein Wort nicht in allen Punkten würdigen mögen. So wollen wir uns immer wieder mahnen lassen (2. Tim. 2:22): ‘Jage vielmehr der Gerechtigkeit nach, dem Glauben, der Liebe und dem Frieden mit allen, die den Herrn aus reinem Herzen anrufen!’
Wir haben es uns zur Aufgabe gesetzt, den so lange außer acht gelassenen besonderen Dienstauftrag Christi an den Apostel Paulus wieder auf den Leuchter zu stellen. Einiges davon ist besser bekannt geworden, anderes wurde falsch gedeutet; aber weithin ist noch vieles unter theologischer und volkstümlicher Tradition verschüttet geblieben.
Wir sind zutiefst dankbar für des Herrn Gnade, welche es uns seit dem Jahr 1909 ermöglicht hat, an diesem Dienst teilzuhaben. Wir hoffen, daß er unter Seiner segnenden Hand fortgesetzt werden kann, bis wir durch die Entrückung zum Dienst an den Überhimmlischen berufen werden. Bis dahin bleibt es unser aller Aufgabe, vollends der Lehre zu folgen (wie es 1. Tim. 4:6 und 2. Tim. 3:10 wörtlich lautet), welche der auferstandene Christus in überhimmlischer Herrlichkeit den Paulus durch Wort und Schrift verkünden ließ. Das Ziel des Apostels ist auch das unsere, nämlich jeden Menschen in Christus Jesus gereift darzustellen (Kol. 1:28). Dazu mühen auch wir uns und ringen in unseren Gebeten wie Epaphras (Kol. 4:12), daß unsere Leser gereift und vollgewiß in allem Willen Gottes werden mögen.
Wenn diese Bitte damals für die Kolosser nötig war, wieviel mehr heute! Im Unterbewußtsein sind sich die meisten Gläubigen ihrer Unreife bewußt und bekennen dies durch Hinweis auf Luthers Formulierung (1. Kor. 13:13): ‘Wir sehen jetzt nur undeutlich wie in einem trüben Spiegel; dann aber von Angesicht zu Angesicht.’ — Daher erwarten sie von der Zukunft: ‘Dann aber werde ich erkennen, wie ich erkannt bin.’” —
Ganz gewiß können wir die geistlichen Zusammenhänge nicht so gründlich erkennen, wie Gott uns erkannt hat. Aber 1. Korinther 13:12 geht es nicht um den Umfang, nicht um die Menge der Erkenntnis, sondern vielmehr darum, welcher Art sie ist. Und bei dem Wörtchen “dann” dachte Paulus an den Zeitpunkt der Vervollständigung des Wortes Gottes (Kol. 1:25), wenn das Vollkommene kommt (1. Kor. 13:10).
Wenn wir das Gesicht eines Menschen im Spiegel betrachten, mögen wir genausoviel sehen, als wenn wir ihm direkt ins Antlitz schauen. Es geht nicht um die Menge des Erblickten, sondern um die Art und Weise, wie es erblickt wird, nämlich spiegelbildlich verkehrt, überdies verdunkelt und verzerrt, wenn wir einen primitiven Metallspiegel aus jener Zeit benutzen.
“Stückweise” bleibt alle Erkenntnis, verdunkelt und verzerrt bleibt ihr Bild, wenn man die Paulusbriefe ignoriert und sich dafür hauptsächlich auf die früheren Enthüllungen beschränkt, welche Gott zu dem Zweck gab, daß man zwar Seinen Willen, aber noch nicht Seine Absicht erkennen sollte. Dieses Verfahren war zum Wohl der Menschen ebenso erforderlich wie zu Gottes Verherrlichung. Was der erhöhte Christus den Paulus für uns niederschreiben ließ, ist ganz anderer Art als alles vorher Offenbarte. Es ist, als wenn nun niemand mehr dazwischensteht, der die Dinge wie durch einen Spiegel zur Dunkeldeutung werden läßt; es ist jetzt vielmehr so, als wenn wir dem erhöhten Christus bereits von Angesicht zu Angesicht gegenüberstünden, so daß wir die großen geistlichen Zusammenhänge ohne jede Entstellung erkennen, also in derselben Art, wie Er uns erkannt hat. An diese Art der Erkenntnis möchte der “Unausforschliche Reichtum” heranführen.
Zu Bruder A. E. Knochs neunzigstem Geburtstag im Dezember 1964 erschien in dieser Zeitschrift der nachfolgende Überblick über seine Forschungsarbeit:
Gott hat es gegeben!
Eigentlich begann Bruder Knochs Forschungsarbeit bereits in der Mitte der neunziger Jahre des vorigen Jahrhunderts, als er seine täglichen Studien im griechischen Neuen Testament und in griechischen Grammatiken auf die griechisch-englische Wigram-Konkordanz ausdehnte, welche sämtliche im Neuen Testament vorkommenden Grundtextwörter in alphabetischer Reihenfolge bringt, zusammen mit Stellenangaben sämtlicher Vorkommen und den entsprechenden Schriftzitaten in Englisch. Es handelt sich hierbei also um eine Textzeilen-Konkordanz, ähnlich wie die große Calwer Bibelkonkordanz, nur daß letztere die Stichwörter so gruppiert, wie sie in der Lutherbibel lauten. Die Calwer und die meisten sonstigen Konkordanzen eignen sich ausgezeichnet zum Auffinden von allen Schriftstellen gemäß dem Wortlaut der entsprechenden Bibel, für die sie zusammengestellt worden sind. Damit spiegeln sie jedoch nur den Wortschatz wieder, welchen Luther im Deutschen gebrauchte (bzw. die Elberfelder Übersetzer in ihrer Bibel). Aber die üblichen Konkordanzen zeigen uns nicht, welche Grundtextwörter hinter den deutschen Stichwörtern stecken. Man kann sie also nicht für das Studium wichtiger biblischer Begriffe verwenden, weil sie nicht zeigen, welches ein und dieselben Ausdrücke in den Ursprachen sind.
Geläutert ist Dein Wort — überaus!
Dieses Psalmwort (119:140) hat Bruder Knoch oft benutzt, um auszudrücken, wie gründlich Gott die Ursprachen der Heiligen Schrift geläutert hat, um durch sie Seine Botschaft an uns in unmißverständliche Worte zu kleiden und zu übermitteln. Aber dann kann das hebräische Wort nephesh und das griechische psuchê nicht so viele unterschiedliche Bedeutungen haben, wie es in den herkömmlichen Bibelübersetzungen der Fall ist. Bruder A. E. Knoch behauptet, Gott hat auch diese Begriffe geläutert und jedesmal “Seele” damit gemeint.
Bei seinem Studium stellte Bruder Knoch fest, daß Gott die Grundtextwörter oulm (hebräisch) und aion (griechisch) so überaus geläutert hat daß sie in der Tat an allen Vorkommen stets dieselbe Bedeutung haben, nämlich Äon. Weitere Wortstudien führten ihn zu der Erkenntnis, daß vor den äonischen Zeiten alles in Gott war und daß in den nachäonischen Zeiten Gott alles in allen sein wird. Beides können wir Menschen uns heute noch nicht vorstellen. Aber Gott spricht zu uns auch nicht über Dinge, welche über unser Begriffsvermögen gehen, sondern beschränkt Sich in Seinem Wort fast ausschließlich auf den gewaltigen Zeitraum der Äonen. Dies ist einer der Gründe, daß Er für uns der äonische Gott ist; nur als solcher ist Er heute für uns faßbar, selbst wenn wir Ihn um den Geist der Weisheit und der Enthüllung bitten.
Vom Herrn befehligt
“Es war im Oktober 1909″, schreibt A. E. Knoch, “daß mir mein Freund Vladimir Gelesnoff das erste Exemplar eines Blattes zusandte, das den Titel “Unsearchable Riches” (Unausforschlicher Reichtum) trug. Zu meinem Erstaunen stand mein Name neben dem seinigen als Herausgeber auf dem Umschlag. Man hatte mich weder zu Rate gezogen noch mich gefragt. Nachdem ich dies unter viel Gebet geprüft hatte, kam ich zu der Überzeugung, daß es vom Herrn sei und daß ich diese Schriftleitung aus Seiner Hand nehmen solle. Viele, viele Male habe ich Ihm seitdem dafür gedankt, daß Er dieses gute Werk offenbar für mich vorherbereitet hatte (Eph. 2:10), ganz ohne mein eigenes Planen. Dies hat mir die stille und ermutigende Überzeugung verliehen, auf dem von Ihm gewollten Weg zu sein, und mir den Mut gegeben, für die Wahrheit einzustehen, wiewohl dies viel Widerstand hervorrief und den Verlust von alten Freunden und deren Unterstützung mit sich brachte, ja gelegentlich das Weitererscheinen unserer kleinen Zeitschrift in Frage stellte. Es ist gut, von Gott erwählt, von Christus errettet und vom Herrn befehligt zu sein — und nicht von uns selbst.”
Bruder Knochs Arbeit in jenem Jahrzehnt fand ihren Niederschlag nicht nur in den Artikelserien des Unausforschlichen Reichtum, sondern besonders auch in den umfangreichen Vorarbeiten für eine nahezu wortgetreue Übersetzung des griechischen Grundtextes, wobei jedes griechische Wort, soweit wie irgend möglich, immer wieder durch ein und denselben englischen Ausdruck wiedergegeben werden sollte.
Das Jahr 1920 brachte die Drucklegung der ersten Lieferung der englischen konkordanten Übersetzung des Neuen Testaments mit dem zugehörigen konkordanten griechischen Text. — 1926 veröffentlichte A. E. Knoch einen großen Band in Lexikonformat (etwa 1970 Seiten), der 1930 in zweiter Auflage erschien. Dieses grundlegende Werk enthält den griechischen Text des Neuen Testaments in den ursprünglichen Unzialbuchstaben nebst Lesarten, dazu die konkordante Übersetzung in geläufigem Englisch, ein Verzeichnis der griechischen Wortelemente, eine griechische Grammatik und ein grundlegendes griechisch-englisches Konkordanzlexikon (378 Seiten in Großformat), sowie einen Konkordanten Kommentar zu nahezu allen Versabschnitten des Neuen Testaments (404 Seiten Großformat mit kleinem Druck).
Gott hat es gegeben
Die zahlreichen Spenden der Freunde konkordanter Wortverkündigung in der englischsprechenden Welt würden nie ausgereicht haben, die Herstellungskosten für ein so umfangreiches Werk (darunter 704 Seiten griechischer Text) aufzubringen, hätte der treue Herr unseren Bruder Knoch nicht zuvor durch den Beruf eines Setzers und Druckereileiters geführt, so daß er nicht nur die technische Planung seiner Druckvorhaben selbst durchführen konnte, sondern darüber hinaus noch einen Großteil schwierigster Setzarbeit. Wenn wir ihn fragten, wie er all dies bei einem Minimum an Schlaf neben seiner eigentlichen, nie endenden Forschungsarbeit und neben der Schriftleitung des englischen U. R. bewerkstelligen konnte, so lautete seine lächelnde Antwort: “2. Korinther 9:9 — Gott hat es gegeben!”
Gotteserkenntnis zu mühevoller Arbeit
Den aus der Forschungsarbeit erwachsenen Segen hat Bruder Knoch auf zweierlei zurückgeführt, einmal auf das tägliche Gebet um Weisheit und Enthüllung in der Erkenntnis Gottes (Eph. 1:17-19; Kol. 1:9-12), zum anderen auf die Verheißung in Psalm 112:9: “Er gibt den [für] dürftigen [Lohn sich Mühenden].” — Für diesen etwas umständlichen deutschen Satz gebraucht das Hebräische praktisch nur zwei Wörter (nathan l-abiunim), das Griechische nur drei (edoke tois penêsin), das Englische nur fünf (He gives to the drudges).
Ein Dürftiger im Sinne des Wortes Gottes ist also niemals ein armer Faulenzer oder Zeitvergeuder, sondern ein für dürftigen Lohn schwer Arbeitender. — In beiden Grundtextsprachen gibt es noch einen besonderen Ausdruck für “arm”. Der Begriff dürftig besagt aber weit mehr: in Psalm 112:9 liegt bei dem Grundtextwort noch die Grundbedeutung willens sein vor (wie in dem zugehörigen Zeitwort abah, Jesaja 1:19 — “Wenn ihr willig seid …”); in 2. Korinther 9:9 haben wir bei unserem Stichwort im Griechischen dieselbe Grundbedeutung wie bei dem zugehörigen Zeitwort penomai.
Bruder A. E. Knoch hat nicht nur die Gebetsanliegen des Paulus zu den seinigen gemacht, wenn er jahraus, jahrein um Weisheit und Gotteserkenntnis flehte; er hat auch darin dem Apostel nachgeeifert, daß er sich selbst mühte; und Gott gab ihm gutes Gelingen, tägliche Nahrung und Wetterschutz (1. Tim. 6:8), dazu Ausdauer bei zarter Gesundheit. Lange Zeit hatte er schon die hebräische Wigram-Konkordanz für die Arbeit am Alten Testament benutzt. Mit Beginn der dreißiger Jahre begann er, mehr Zeit auf diese Arbeit zu verwenden.
Über Europa nach Palästina
Im Jahr 1931 wurde von Freunden des konkordanten Werkes eine größere Summe gespendet, um A. E. Knoch einen längeren Aufenthalt in Palästina zu ermöglichen. Zum einen sollte er auf Anraten befreundeter Ärzte etwas für seine angegriffene Gesundheit tun und sich einmal gründlich ausruhen. Zum andern hatte er bei seiner Übersetzungsarbeit aus den Grundtexten selbst gespürt, wie schwierig es oft für einen Abendländer ist, sich in den orientalischen Hintergrund der biblischen Berichte hineinzuversetzen. Wohl kaum ein moderner Bibelübersetzer hat lange genug in Palästina gelebt, um mit dem landschaftlichen Hintergrund sowie den Sitten und Gebräuchen der biblischen Gestalten vertraut zu werden.
Um ein Beispiel zu nennen: Wer noch nie ein Flußbett gesehen hat, das im Sommer eine völlig trockene, sandige und steinige Wildnis ist, im Winter hingegen zu einem reißenden Strom wird, der dürfte kaum in der Lage sein, das entsprechende Grundtextwort hierfür richtig zu übersetzen, zumal die deutsche Sprache keinen Ausdruck für etwas hat, was es in Europa so gut wie gar nicht gibt; und der Begriff “Wadi” dürfte nicht überall verstanden werden. So hat A. E. Knoch viele Terrainbeschreibungen im Alten Testament an Ort und Stelle in Palästina übersetzt, wo er sich vergewissern konnte, was mit der hebräischen Formulierung im einzelnen gemeint ist. Auf diese Weise erzielte er Übereinstimmung mit den tatsächlichen geographischen Verhältnissen, weil er selbst sah, was die hebräischen Schreiber vor Augen hatten, als sie ihre Berichte abfaßten.
Doch auf dem Weg nach Palästina hielt Bruder Knoch sich für einige Wochen u. a. in der Schweiz und in Deutschland auf, wo er im Juli 1931 zunächst einige Verwandte aufsuchte, darunter seine älteste Schwester, die er noch nie gesehen hatte; sie war bei der Auswanderung der Eltern nach den USA in Deutschland zurückgeblieben.
Alsdann traf sich A. E. Knoch mit der Frau von Professor Ströter, mit Direktor Schädel und Superintendent Israel vom “Prophetischen Wort”, mit den Brüdern August Dieterich und Willy Dick, den Missionaren Czerwinski und Gasser, den Predigern Grossmann und Springer, den Herausgeberinnen des “Überwinder” (v. Bissing und v. Kanitz) und vielen anderen Freunden, welche die Übersetzungen seiner Artikel in den beiden eben genannten Zeitschriften gelesen hatten. Bruder Springer arrangierte eine Vortragsreihe für A. E. Knoch, welche ihm Gelegenheit gab, die Vorzüge der konkordanten Übersetzungsmethode einem größeren Freundeskreis in Deutschland und in der Schweiz zu unterbreiten. — Bald fand sich ein Komitee zusammen, dessen freiwillige Mitglieder sich daranmachten, den gesamten Wortschatz des Neuen Testaments gründlich durchzuarbeiten und für jedes griechische Wort einen deutschen Standard herauszusuchen.
Von Deutschland aus begab sich Bruder A. E. Knoch nach Palästina, wo er im Februar 1932 brieflich berichtete: “Bei einer Besprechung in Berlin (im vorigen Jahr) hatten die deutschen Geschwister beschlossen, die Zeitschrift “Der Überwinder” mit Beginn des Jahres 1932 unter dem Namen “Unausforschlicher Reichtum” herauszugeben. Bei dieser Gelegenheit wurde mir das Amt des Herausgebers angeboten. Da ich aber vor der Abreise nach Palästina stand und überdies nur wenig Deutsch verstehe, habe ich dieses Angebot damals nicht einmal ernstlich erwogen.
Jetzt, da ich an den Ufern des Galiläischen Meeres weile, wo unser Herr einen großen Teil Seiner Dienstzeit verlebte, wird mir plötzlich mitgeteilt, ich sei der Herausgeber des deutschen “Unausforschlichen Reichtums” geworden. Geradeso wie einst im Jahre 1909 wurde ich weder befragt noch aufgefordert, sondern einfach in dieses neue Amt eingesetzt. — Ist dies auch des Herrn Fügung? — Ich hätte viele triftige Ausreden; mit Leichtigkeit könnte ich meine ganze Zeit an meine englische und hebräische Arbeit wenden; ich kann wenig Deutsch und habe nicht die Zeit, es gründlich zu lernen. Aber mein Herz zieht mich in ganz besonderer Weise nach Deutschland, dem Land meiner Väter, der Heimat meiner beiden Eltern.
Ich hoffe, daß die in Arbeit befindliche deutsche konkordante Übersetzung des Neuen Testaments den Nachweis erbringen wird, daß das konkordante Übersetzungsprinzip auch auf andere Sprachen anwendbar ist. Geplant ist außerdem die Herausgabe einer deutsch-griechischen Stichwortkonkordanz. Die verschiedenen Arbeitsgebiete sollen weitgehend aufgesplittert und einer Vielzahl freiwilliger Mitarbeiter zugewiesen werden. Sobald der konkordante Probetext des Neuen Testaments vorliegt, sollen sie ihn nach einer Reihe von Gesichtspunkten hin überprüfen und dann sprachlich ausfeilen.
Es ist mir klar geworden, daß ich um dieser Arbeit willen nach Deutschland zurückkehren sollte und dort lange genug verweilen müßte, um ihre Fertigstellung zu überwachen; das kann Jahre benötigen. Und wenn wir noch das hebräische Alte Testament ins Deutsche übersetzen wollten, würden es noch mehr Jahre werden. So werde ich auf längere Zeit mein Heim in Deutschland aufschlagen müssen.
Noch etwas anderes ist dazugekommen. Ich kann ja nicht in der deutschen Sprache schreiben und fasse daher auch diese Zeilen englisch ab. Aber der Herr hat es den Herausgeberinnen des “Überwinder” (v. Bissing und v. Kanitz) ans Herz gelegt, mich bei der Verbreitung meiner Botschaft in Mitteleuropa zu unterstützen. Er hat letztere (Sigrid v. Kanitz) überdies dazu willig gemacht, meine Gattin zu werden und damit meine engere Mitarbeiterin und Übersetzerin. So Gott will, wird Stepenitz (Ostprignitz) unser Heim und der Mittelpunkt der konkordanten Arbeit werden.
Mein Herz ist voller Dankbarkeit für Gottes offensichtliche Führung in der Vergangenheit, insbesondere aber für die klaren Anzeichen Seines Willens für die Zukunft. Ich muß ehrlich gestehen, daß Er meine eigenen Pläne beiseite geschoben hat; daher habe ich auch das bestimmte Gefühl, daß nun alles nach Seinem Willen gehen wird — dank Seiner herrlichen Gnade — zum Lobpreis und zur Verherrlichung Seines gesegneten Namens.”
A. E. Knoch in Stepenitz
Den Niederschlag der Arbeitsleistung unseres Bruders und Lehrers während der folgenden Jahre finden wir vor allem in seinen vielen Aufsatzreihen und Einzelartikeln im amerikanischen U. R. (jährlich bis über 350 Druckseiten). Das meiste davon übersetzte Schwester Sigrid Knoch zugleich für den deutschen “Unausforschlichen Reichtum”.
Darüber hinaus setzte Bruder A. E. Knoch seine probeweise Übersetzung des Alten Testaments in die englische Sprache fort; zugleich war er um den Fortgang der deutschen Übersetzung des Neuen Testaments bemüht. Wenn wir heute auf jene arbeitsreichen Jahre zurückblicken, wird Gottes gütige Vorsorge ersichtlich, welche zur Veröffentlichung der Konkordanten Wiedergabe des N.T. nebst Stichwortkonkordanz im Jahr 1939, also kurz vor Ausbruch des zweiten Weltkriegs, führte. Denn auf Anweisung der Regierung der USA mußte Bruder A. E. Knoch damals Deutschland verlassen, zusammen mit seiner Frau Sigrid, um sich nach Los Angeles zu begeben, wo sie von da an wohnten.
A. E. Knoch in Los Angeles
Im englischen Sprachgebiet sah A. E. Knoch sich vor neue Aufgaben gestellt. Neben seinem großen griechisch-englischen Werk samt dem Konkordanten Kommentar zum Neuen Testament hatte er 1927 noch eine englische Taschenausgabe des N.T. herausgebracht, die ihrer Handlichkeit und Einfachheit wegen größte Verbreitung fand. Im Format (10,8 x 16,3 cm, 384 Seiten) glich sie der “Stuttgarter Taschenbibel”, von der man sich das Alte Testament fortdenken muß. Unsere englische konkordante Taschenausgabe des Neuen Testaments hatte einspaltig fortlaufenden Text in einheitlicher Antiquaschrift, also ohne Wechsel zwischen Fettdruck und Schwachdruck, sowie ohne Zeichen und Symbole.
Es wäre das einfachste gewesen, davon einen Nachdruck zu erstellen, um so den Bedarf zu befriedigen. Doch stand dieser einfachen Lösung ein anderer Gesichtspunkt im Wege: Die Bestände des bereits in zweiter Auflage erschienenen großen griechisch-englischen Werkes neigten sich langsam dem Ende zu. Für den darin enthaltenen konkordanten englischen Text des Neuen Testaments waren in den verflossenen Jahren zahlreiche Korrekturen angefallen. So hielt A. E. Knoch es für zweckmäßiger, eine Zwischenlösung für das englische Sprachgebiet zu suchen, wobei die deutsche Konkordante Wiedergabe als Muster diente. Das Ebenbild erschien 1944 in englischer Sprache und ist inzwischen völlig vergriffen, wurde aber in den nachfolgenden Jahrzehnten mehrfach neu aufgelegt.
Im Jahre 1947 entdeckten Beduinen die bisher ältesten hebräischen Schriftrollen, und zwar in einer der zahlreichen Höhlen am nördlichen Westufer des Toten Meeres, etwa eine halbe Meile oberhalb des Wadi Qumran. Aufmerksam verfolgte Bruder A. E. Knoch in den folgenden Jahren alle Berichte über diese alten Handschriften, welche etwa um ein Jahrtausend älter sein dürften als z. B. der Codex Leningradensis aus dem Jahr 1008, welcher die älteste datierte Handschrift der vollständigen hebräischen Bibel ist. Doch mußte A. E. Knoch sich bis 1950 gedulden, ehe er Photokopien der von den Beduinen aufgefundenen hebräischen Schriftrollen erhielt. Ihnen verdanken wir u. a. die Lesart in Jesaja 45:7:
“Der Ich bilde das Licht
und erschaffe das Finstere,
bewirke das Gute
und erschaffe das Böse,
Ich, Jewe, mache all dieses.”
1955 ließ Bruder A. E. Knoch die griechischen Textseiten aus seinem völlig vergriffenen griechisch-englischen Werk mit verkleinertem Schriftbild im Photo-Offset-Verfahren nachdrucken (inzwischen vergriffen). 1957 veröffentlichte er eine probeweise Übersetzung des Ersten Buches Mose in Englisch; 1958 folgte eine gleiche in Deutsch, und 1962 der Prophet Jesaja in beiden Sprachen.
Bei Erreichung seines 85. Geburtstags legte unser greiser Bruder und Lehrer A. E. Knoch wegen zunehmender Erblindung die Hauptverantwortung für die Fortführung seines Lebenswerks in die Hände langjähriger Mitarbeiter.
Es wäre nicht im Sinne unseres bescheidenen Bruders A. E. Knoch, wenn wir hier die unermüdliche Arbeit und die selbstlose Mühe von sechs Jahrzehnten lobend betonen wollten. Die Tatsachen zeigen, daß er ein Werk vollbracht hat dessen Tragweite wohl nur wenige Gläubige voll erfaßt haben. Es ist viel eher in seinem Sinn, wenn wir ihn hier zum Abschluß selbst zu Wort kommen lassen über
Konkordante Übersetzungen
Zu diesem Thema schreibt A. E. Knoch wie folgt: “Die Konkordanten Wiedergaben oder Übersetzungen sind nicht nur eine Übertragung aus den Ursprachen. Sie wurden auch nicht von einem Übersetzer vorgenommen, der das mit eigenen Worten ausdrückte, was seiner Meinung nach der Sinn einer jeden Schriftstelle sein müsse. Die Konkordanten Wiedergaben stellen vielmehr eine gänzlich andere Art des Übersetzens dar, weil hier eine besondere Methode zugrundeliegt — Nicht ein einzelner der Ursprachen kundiger Mann hat die Konkordanten Wiedergaben verfaßt, sondern eine Gruppe von Mitarbeitern war daran tätig, und jedem war dabei ein besonderes Arbeitsgebiet zugewiesen worden.
Unsere wichtigsten Hilfsmittel waren alphabetisch geordnete Karteien sämtlicher Vorkommen eines jeden griechischen und hebräischen Wortes. Als Grundregel wurde festgelegt, jeden Ausdruck so einheitlich zu übersetzen, wie es der moderne Sprachgebrauch nur irgend zuläßt. Der wertvollste Teil der Arbeit am Neuen Testament ist die dem konkordanten Text beigefügte Konkordanz aller Vorkommen eines jeden Grundtextwortes mit dem englischen Standard (notfalls mit Varianten). Die deutsch-griechische Kartei, aus der die Stichwortkonkordanz zum Neuen Testament entstand, enthielt auch Angaben darüber, mit welchen Ausdrücken Luther das betreffende Grundtextwort übersetzt und wie oft er jeden seiner Ausdrücke dafür verwendet hat. — Es ist daher nicht richtig zu schreiben, ‘Knoch übersetzt so und so’, wie es vielfach geschieht. Zutreffender müßte es heißen: ‘Die konkordante Methode übersetzt hier so und so!’ — Wahrlich, ich habe mich selbst am strengsten an die von mir ausgearbeitete Methode gehalten.
Viel mehr Stunden, als ein ganzes Menschenleben umfasst, haben zahlreiche Mitarbeiter und Helfer an die Übersetzungsarbeit verwendet, und noch viele, viele Stunden werden nötig sein, um die in hebräischer und chaldäischer Sprache geschriebenen Bücher der Heiligen Schrift in unsere heutige Sprache zu übertragen.
Es schmerzt mich jedesmal, wenn mein Name in einer Liste von Bibelübersetzungen erscheint und damit der Eindruck erweckt wird, als wenn die Konkordanten Wiedergaben mein eigenes Werk seien. Dies ist irreführend und zugleich ungerecht, weil manche meiner Mitarbeiter noch mehr Zeit an die Übersetzungsarbeit gewendet haben als ich selbst.
Unter diesen Umständen möge man nachsichtig mit mir sein, wenn ich hiermit alle Geschwister bitte, doch nicht meinen Namen als den des Übersetzers der Konkordanten Wiedergaben zu gebrauchen.
Ich werde vielleicht bald vor der Preisrichterbühne Christi stehen, zusammen mit meinen vielen Mitarbeitern und Helfern. Wie dürfte ich meinem Herrn und ihnen begegnen, wenn ich mir den Anschein gäbe, als hätte ich mir all die Mühe gemacht, die sie sich gegeben haben … und wenn ich so dastünde, als gebühre mir der Lohn, den der Herr denen austeilen wird, die ihn verdienen!
(gezeichnet): A. E. K.”

Jeden Sonntag ab 10:00 Uhr von der 