Laßt uns nie vergessen, daß immer der Fleischgeborene den
Geistgeborenen lästert und verfolgt, und nie umgekehrt (Gal. 4,29).


Adolf Heller (1895 - 1973)

Adolf Heller

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Aus dem Werden und Wirken Gottes im Leben von Adolf Heller

Von Hanns Heck

“8.49 ab Thun, Worms an 14.46″, so steht im letzten seiner seit 1921 minuziös geführten Tagebücher unter dem 5. Juni 1973 von eigener Hand geschrieben. Adolf Heller hat Worms nicht mehr erreicht, sondern wurde während der Fahrt zwischen Karlsruhe und Mannheim dem Herrn entgegengerückt. So hat ein gesegnetes Leben, das am 27. Juni 1895 in Worms begonnen hat, nach fast 78-jähriger Dauer seinen friedevollen Abschluß gefunden.

Die nachfolgenden Ausführungen sollen zur Verherrlichung Gottes im Leben unseres Bruders geschrieben werden.

Adolf Wilhelm Heller wurde als erstes von drei Kindern dem Baumeister Heinrich Heller und seiner Frau Anna, geb. Rödelsperger, geboren. Der Vater hat ein am 18. November 1936 in Worms geschriebenes handschriftliches Zeugnis “Unser gemeinsamer Lebenslauf” mit dem Untertitel “Unsere Ehe war füreinander” hinterlassen, in welchem er neben seinem beruflichen Werdegang und genauer Darlegung seiner schmalen Einkommens- und Vermögensverhältnisse u. a. mitteilt, daß er das den Brüdern bekannte Haus in Worms, Zornstraße 14, im Jahre 1901 um 20.400 Mark erworben habe. Aber “unseren größten Gewinn hatten wir im Jahre 1919 zu verzeichnen, als wir beide durch Gottes Gnade und Barmherzigkeit (durch den Dienst des Sohnes Adolf) Seine Kinder werden durften”. Des weiteren heißt es dort: “Große Freude hatten wir im September 1936, als (der Bruder Adolfs) Heinrich aus Amerika uns mitteilen konnte, daß auch er den Heiland gefunden habe”. Der Bericht schließt mit den Worten: “Nun danken wir Ihm, dem Höchsten, daß wir mitsamt unseren Kindern zu Seinen Erlösten gehören dürfen, und freuen uns auf den Tag, an dem uns der gnädige Herr heimholt und wir vom Glauben zum Schauen gelangen dürfen. Dies unseren Kindern zum Andenken von ihren treuen Eltern.”

In diesem Elternhaus unter der Zucht eines sehr strengen Vaters, wie sein wohl ältester Schulfreund und nochmaliger Bruder in Christo, Emil Breidenbach, schreibt, ist Adolf herangewachsen. Nach dem Besuch der üblichen Schulen in Worms kam Adolf im Jahr 1912 ins Lehrerseminar nach Alzey. In mehreren Schülerheften fein säuberlich eingeklebt sind wohl seine ersten abgedruckten Gedichte, die in der Donnerstagsausgabe der Wormser Zeitung “Bote aus dem Wonnegau” veröffentlicht wurden, etwa der Reihenfolge der Entstehung nach zu finden. Da lesen wir in einem Gedicht “An den Rhein” etwas von seiner Sehnsucht nach dem Heimatstrom:

Ach, wie konnt ich dich verlassen,
Dich, den hehren Vater Rhein?
Ach, ich kann es kaum mehr fassen,
Wie konnt ich so töricht sein?

Im letzten Vers heißt es dann:

Mächtiger erwacht mein Sehnen,
ich kann ihm nicht widerstehn,
In den Augen glänzen Tränen, —
Rhein, ich muß dich wiedersehn!

Die Zeitung setzt als Anmerkung unter dieses Gedicht: “Der junge Wormser Dichter, den wir mit diesem und später mit weiteren Geschöpfen seiner Muse vorstellen, ist erst 16 Jahre alt. Einige seiner Gedichte sind bewundernswert in ihrer Formschönheit und ihrem Gemütsreichtum.” Schon in einem seiner nächsten Gedichte “Das Lied von der Hängematte” zeigt sich in 13 verschiedenen Worten, die er auf das Wort “Hängematte” zu reimen versteht, seine später sprichwörtlich gewordene Reimkunst, wenn er etwa zum Abendbrot bei uns war und anfing: “Ich nehme meine Gabel und führe sie zum Schnabel” oder “Dann nehme ich mein Messer, das ist für große Esser”, wobei er im letzten Jahrzehnt seines Lebens dankbar war, wenn er ein normales Essen bekam, während er in Worms seine Mahlzeit mit “großer Abwechslung” selbst zubereitete, denn “heute gab es Kartoffeln mit Quark und morgen gibt es Quark mit Kartoffeln”. Wie hielt er sich in Zucht, wenn wir ihn, den Einsamen und Anspruchslosen, am Tisch animierten, noch etwas zu essen, und er antwortete: “Nein, jetzt höre ich auf, es wäre Völlerei, wenn ich weiteressen würde.”

Nun sind wir aber der Geschichte ein wenig vorausgeeilt.

Wir finden, z. T. unter dem Anonym “Kurt Rheinfels” Gedichte, in denen der Kampf mit den Problemen seines jugendlichen Alters zum Ausdruck kommt, wie “Schlaflos” oder “Ich und die Welt”, in dem wir den Vers finden:

Gar ernste Fragen drängen sich mir auf:
Wozu erschuf mich Gott, aus welchen Gründen?
Was wird aus mir nach meines Lebens Lauf?
Wo ist die Ewigkeit, wo Ruhe finden?

Es folgen Gedichte aus dem “Schwarmalter”, und dann gerät Adolf in den Sog der vaterländischen Begeisterung mit Liedern wie “Germania an ihre Söhne” vom 26. Juli 1914 oder “Zur Kriegserklärung Englands” vom 5. August 1914. Inzwischen war Adolf nach abgekürzter zweijähriger Seminarausbildung und vorgezogener Abschlußprüfung im August 1914 zum Heer eingerückt, und zum erstenmal findet man unter dem Titel “Das Volk ist still geworden” vom 15. August 1914 die Unterschrift “Kriegsfreiwilliger Adolf Heller”. Es folgt eine Menge von Kriegsgedichten. Dann kommt die Unterschrift “Gefreiter Adolf Heller”. In den Jahren 1914 bis 1916 wurde Adolf dreimal verwundet, und am 1. Dezember 1916 gerät er als Feldwebel in englische Gefangenschaft. Er schreibt in seinem Büchlein “In Feindesland” darüber: “Umsonst waren meine … Verwundungen …, vergebens, daß ich immer wieder freiwillig an die Front gegangen war. Zwar hatte ich mir das Eiserne Kreuz Erster Klasse erworben, aber mein jugendlicher Ehrgeiz hatte doch einen schweren Schlag erlitten. Gefangen sollte ich sein? Es war mir in den ersten Tagen und Stunden ganz unfaßbar … Aber es war Gottes Weg und Führung.” Drei Weihnachten sollte er nun fern vom Elternhaus verbringen. “Ein Liedervers aber auf meiner Tischkarte, die ich am Bescherabend erhielt, ging mir immer und immer wieder im Kopf herum. Er hieß:

Ein Vaterhaus ist immer nah,
Wie wechselnd auch die Lose;
Es ist das Kreuz von Golgatha
Heimat für Heimatlose.”

Weihnachten 1917 bezeichnet er als das trübste und ärmste Christfest seines Lebens. Adolf mußte die “Festrede” halten, in welcher er von Christus als Gottes Sohn sprach, “so wie wir ja alle Kinder Gottes seien. Er habe uns … zwei Dinge lehren wollen: Pflichterfüllung und Nächstenliebe. Ohne es zu wissen und zu wollen, predigte ich liberale Theologie … 1918 begriff ich dann zum erstenmal in meinem Leben den wahren Sinn des Weihnachtsfestes, denn am 6. Juni 1918, abends kurz vor 11 Uhr, knieten wir in einer schmutzigen, dunklen Badezelle nieder. Und zum erstenmal in meinem Leben rief ich als verlorener Sünder die Gnade Gottes an. Als ich mich von den Knien wieder erhob, wußte ich, daß mein Leben jetzt dem Herrn gehörte.” Diese Badezelle, in der er mit seinem früheren Freund Fritz Spörel, der ihm den Weg weisen durfte, gekniet hatte, sollte fortan das Gebetskämmerlein für ihn bleiben. Abends um 10 Uhr schlich er aus der Hütte voll Flüchen und schmutzigen, gemeinen Reden in die stille Badezelle, und wenn morgens der Tag kaum graute, hüllte er sich in seinen Mantel und entwich “an den heiligen Ort, wo ich mit meinem Herrn reden konnte”. Als starker Zigarettenraucher kann er mit einemmal auf diesen Genuß verzichten und wird dadurch der Anstoß, daß ein Kamerad als erste Frucht seiner eigenen Bekehrung zum lebendigen Glauben kommt. Bald entsteht im Gefangenenlager eine Erweckung. Der “Himmelstoßtrupp”, wie die kleine Schar der gefangenen Gotteskinder genannt wurde, gab nicht nur den Gefangenen im Lager, sondern den Posten, die außerhalb am Stacheldraht standen, Zeugnisse der Errettung, so daß Adolf in seinem Büchlein “Der Knechtschaft entronnen” schreiben konnte: “Gefangene verkündigten Freien die Befreiung aus der Gefangenschaft.”

Der Tag der Entlassung aus der irdischen Gefangenschaft kam nun auch, und am 22. November 1919 kam Adolf in Wilhelmshaven an. Zu Hause ergänzte er die bei Kriegsausbruch vorverlegte Lehrerabschlußprüfung noch durch ein formelles Endexamen mit der Note 1 und beginn am 1. April 1920 seinen Dienst als Lehrer in Pfiffligheim bei Worms. Da seine Eltern in Worms wohnten, wurde Adolf meist in der Umgegend von Worms oder in der Stadt selber als Lehrer, später ausschließlich an Realschulen als Gymnasiallehrer, verwendet. Als Reallehrerprüfungsarbeit verfertigte Adolf eine Buchbesprechung über ein Buch des Kieler Professors Bohne mit dem Titel: “Die Grundlagen der Erziehung, die Pädagogik in der Verantwortung vor Gott.” Hierüber schreibt Regierungsdirektor Dr. von den Driesch bei der Landesregierung und dem Ministerium für Unterricht und Kultus an Adolfs Rektor unter dem 30. April 1954: “Sie haben mir die Beurteilung des Buches von Gerhard Bohne durch Herrn Heller übermittelt … Ganz besonders bitte ich Sie, Herrn Heller meinen Dank und aufrichtige Anerkennung auszusprechen … Er hat ein Urteil erstellt, das mir auf weite Strecken hin das Verständnis für dieses Buch noch viel weiter und tiefer ermöglicht hat als bisher. Viele Stellen dieser Beurteilung habe ich mit wahrer Ergriffenheit und innerer Erschütterung gelesen.”

Die Beurteilung dieses Buches durch Adolf Heller stellt ein klares Zeugnis für Christus dar. Doch blättern wir noch ein wenig in der Lebensgeschichte unseres Bruders zurück. Wahrscheinlich durch Fritz Spürel wurde Adolf in den Kreis des General v. Viebahn-Schülers Walter Martin Borngraeber eingeladen, der durch Jahre hindurch auf den von ihm begründeten “Akademiker- und Lehrerkonferenzen” viel Segen gestiftet und auch eine ganze Anzahl der älteren, z. T. heute noch dienenden Brüder geistlich geprägt, in die Teilung der Schrift (2. Tim. 1, 15) und in die gewaltige Zusammenschau des ganzen Wortes hineingeführt hat. Adolf wurde auf vielen Konferenzen Borngraebers Mitarbeiter. Im Jahre 1920 kam Adolf mit Bruder Karl Geyer in Verbindung und es entstand eine Dienstgemeinschaft, die sich durch Jahre und Jahrzehnte hindurch fruchtbar auswirkte: Beide standen im selben Lehrberuf und beide lebten in denselben Erkenntnissen. Vom 1. September 1924 bis 1. September 1925 ließ Adolf sich zum “Dienst in der Inneren Mission” von der Schule beurlauben. Damals entstanden wohl in der Umgebung von Worms durch seine Initiative eine Menge von Kreisen und Versammlungen.

Ende 1937 übergab Direktor Heinrich Schaedel, Klosterlausnitz, die von Prof. Ströter 1907 begründete Zeitschrift “Das Prophetische Wort”, deren Herausgabe er altershalber aufgeben wollte, den beiden Brüdern. Seit 1938 kam diese Zeitschrift dann unter dem Titel “Wort und Geist” heraus.

Es kam der zweite Weltkrieg. Adolf wurde 1944 zum Volkssturm eingezogen. Inzwischen hatte ihm Gott seine Lebensgefährtin Frida, geb. Eisele, zugeführt, mit der er am 16. September 1926 die Ehe schloß. Den beiden wurden zwei Töchter, geb. 1927 und 1929, geschenkt. Während der Vater beim Volkssturm war, zog die Mutter mit den beiden Kindern in ihre Heimat Stuttgart-Zuffenhausen, und die Familie hörte lange nichts mehr von dem Vater. Es liegen eine Anzahl von Briefen von Adolf vor, aus denen die innige Liebe zu seiner Frau hervorgeht. Ein Brief vom 21. Juli 1932 beginnt mit der Anrede “Meine Herzallerliebste”. Im Lauf der Jahre aber bahnte sich eine Veränderung im Wesen seiner Frau an, die 1937 zum offenen Ausbruch einer schweren Krankheit führte, derzufolge die Mutter in die Anstalt Wiesloch bei Heidelberg und die Nervenheilanstalt Hohemark mußte. Bis zum Tode der Mutter am 21. August 1963 in der psychiatrischen Abteilung des Bürgerhospitals Stuttgart lag ein tiefes Weh über dem Leben unseres Bruders, das er aber in aller Stille getragen hat. In der Zelle des Friedhofs von Zuffenhausen durfte er segnend die Hand über das Haupt der Entschlafenen breiten. Die beiden Töchter hatten sich inzwischen verheiratet, so daß der Vater allein in der Wohnung Zornstraße 14 in Worms wohnte. Dort war er zu Hause inmitten seiner Arbeit, und in immer kürzeren Abständen besuchte er die Familie seiner ältesten Tochter in Aldingen bei Ludwigsburg. Die jüngere Tochter Elfriede, in Kornwestheim bei Stuttgart verheiratet und Mutter von zwei Kindern, hat der Herr am 17. März 1965 nach sehr schwerer Krankheit heimgerufen. Aus dieser Zeit, in der Adolf, zu dem Weh um seine Frau, viel gelitten hat, stammt das nachfolgende Gedicht:

“Vater, weine nicht!”
Am Sterbelager meiner Tochter
Meine Jüngste sah ich sterben.
Ach, ich dacht, mein Herz ging mit!
O du armer, kranker Scherben,
Der so schwer und lange litt!
Weinend stand ich in dem Zimmer;
Tod, noch hast du deine Macht! –
Welch ein trauter Freudenschimmer
Plötzlich aus ihr strahlt und lacht!
Und mein Kind sieht nicht mehr müde,
Nicht mehr krank und elend aus.
Wieviel Freude, welcher Friede
Trägt es heim ins Vaterhaus!
Ihre Kinder, ihren Gatten
Legte sie in Gottes Hand,
Heller Lichtglanz ohne Schatten
Schien jetzt über uns gespannt.
Vater, wie kannst du denn weinen?
Ich darf ja zu Jesus gehn!
Ich bin glücklich, daß ich meinen
HErrn und Heiland bald darf sehn.
Vater, du sollst jetzt dich freuen;
Bitte, freue dich mit mir!
Nichts mehr brauche ich zu scheuen;
Jesus, bald bin ich bei Dir!
Und ein Widerschein des Reinen,
Schönen streifte ihr Gesicht; —
Vater, bitte nicht mehr weinen
Lieber Vater, wein doch nicht!
Freu dich doch mit mir, ich gehe
Ja ins Licht zu Jesus ein,
Wo ich bald dich wiedersehe, —
O wie herrlich wird das sein!

Zu diesen familiären Belastungen, einem schweren Unfall 1949 im Auto eines Bruders kam noch das Nachlassen seiner eigenen Gesundheit: Eine schwere Krebserkrankung, derer er sich vorher nicht bewußt war, verbunden mit einem angegriffenen Herzen, legte ihn 1957 auf das Krankenlager. Das EKG gab bei der Untersuchung einen derartigen Ausschlag, daß die amtierende Ärztin den Ausspruch tat: “Dieser Mann kann gar nicht mehr leben.” Durch den Dienst einiger Brüder durfte Adolf durch Handauflegung wieder so gesunden, daß er in einem ergreifenden Gebet unter vier Augen den Herrn um Verlängerung seines Lebens bat, um IHM noch dienen zu können. Später sagte er einmal, daß er den Herrn um Verlängerung von 15 Jahren, wie Hiskia (Jes. 38, 5), gebeten habe und daß danach seine Zeit wohl bald abgelaufen sei. Im Sommer 1957 hörte er dann auch mit dem Schuldienst auf. Ergreifend war seine Entlassung in Verbindung mit der Abschlußprüfung seiner Klasse, bestehend aus etwa 15-jährigen Mädchen, von denen 6 zu lebendigem Glauben durchgedrungen waren. Bei dieser Feier war der gesamte Schulvorstand von Worms und Mainz zugegen. Nach der Prüfung hielt eine der Schülerinnen eine Abschiedsrede, eine andere betete zum Schluß in Gegenwart aller Anwesenden so herzinnig, daß eine ganze Anzahl von Personen des Schulvorstandes sich der Tränen nicht erwehren konnte. Sie bekannten, etwas Derartiges noch nicht erlebt zu haben, und das Wort aus Dan. 12, 3 erfüllte sich: “Die Lehrer aber werden leuchten wie der Glanz des Himmels, und die, welche die Vielen zur Gerechtigkeit weisen, wie die Sterne immer und ewiglich.”

Am 20. März 1963 zog Adolf Heller von Worms nach der Langensteinbacherhöhe um, die am 7. April eingeweiht wurde. Neben vielen Wortdiensten wurde er dort vor allem auch durch Einzelseelsorge beansprucht. Ein körperlicher Zusammenbruch infolge Vergiftung in Arosa im August 1966 trug dazu bei, daß er sich entschloß, am 21. April 1967 wieder nach Worms in die Stille seiner Wohnung zurückzukehren. Auf mehrfachen Wunsch gab Adolf einmal seinen Arbeitsplan bekannt, wobei er (in der Zeit vom 23. August bis 31. Dezember) 32 verschiedene Dienstorte nennt. Er schreibt dazu folgendes:

“Wenn ich, einer Reihe von Wünschen entsprechend, auch einmal ein wenig von meinem Arbeitsplan berichten will, so tue ich das mit gewissen Hemmungen. Denn das Wesentliche, das Geistgewirkte und Gottbeglaubigte unsres Dienstes kann man einfach nicht sagen. Oft ist in einem Bibelkurs eine einzige seelsorgerliche Beratung, eine Handauflegung zur Dienstgnade, zur Lösung von Bindungen oder zur körperlichen Heilung wichtiger und wesentlicher als alle noch so befreiende und befruchtende Wortverkündigung. Dazu kommt, daß immer unvorhergesehene Dienste, z. B. Trauungen, Beerdigungen usw., dazwischenkommen und so unser Programm bereichern oder ändern. Wie oft ist mir eine Unterhaltung im Zug oder Bus, ein Zeugnis an Einzelne oder an eine Gruppe von Menschen von einer Wochenendreise das Kostbarste gewesen! Und immer wieder wird mir die Festfeier des Brotbrechens im Kreise von dreien oder vieren zur heiligen Segensvermittlung.

Trotzdem dürfen wir, wie das ja auch in der Apostelgeschichte geschieht, berichten und planen. Darum gebe ich die wichtigsten Dienste bekannt, damit man dafür bete und, wo es sich ermöglicht, auch einlädt. Durch das Einladen Bekannter und Verwandter zu einer Versammlung in der Schweiz oder an einem entfernten Ort habe ich schon manches Wunder der Gnade erleben dürfen. Besuche und Unterredungen in Gefängnissen und Zuchthäusern gehören mit zum Bewegendsten, was ich von Zeit zu Zeit erleben darf. Davon kann man aber nicht gut schreiben; das ist viel zu keusch und heilig, als daß man es ans Licht der Propaganda und Reklame zerren dürfte.

Wie oft werde ich zu Kranken in Krankenhäusern oder Privatwohnungen gebeten. Solche Dienste an Einsamen, Armen und Elenden sind oft köstlicher und fruchtbarer als Massenversammlungen, wenn diese zur Gewohnheit werden. Man darf da nicht fanatisch sagen: ‘Alle größeren Versammlungen sind reichsmäßig, und damit haben wir nichts zu tun; nur die kleinen Hausversammlungen sind gottgewollt.’ Es gilt das eine zu tun und das andre nicht zu lassen. Der HErr gibt Auftrag und Vollmacht, und darauf gilt es treu und keusch zu achten. Gott segnet jeden Dienst, der in selbstloser Treue geschieht. Dazu kommt mein reger Briefwechsel … Unser Tun und Erleiden, unser Tragen und Trösten, unser Schweigen und Reden wird erst vor der Preisrichterbühne Christi gewogen und gewertet. Unsre Werke, die nicht im Blick auf jenen Tag geschehen, werden sich als Heu, Holz und Stroh erweisen.

Paulus wußte nicht, wen alles und wie viele er getauft hatte. Wie genau sind dagegen die meisten Kirchenbücher aller Organisationen! Wie wohl das durchdringende Flammenauge unsres HErrn das alles einst ansieht?

Wir alle, meine geliebten Brüder und Schwestern, die wir wirklich dem HErrn dienen möchten, sollten treu füreinander beten, den andern höher achten als uns selbst und in keiner Weise uns und das Unsre suchen. Das ist das Entscheidende. Alles andre entartet so leicht in frommen Betrieb mit fleischlichen Zielen. Davor bewahre uns unser Gott und Vater in Gnaden! Er schenke uns, einem jeden nach seiner Berufung und seinen Gnadengaben, dem HErrn treu und selbstlos zu dienen, bis dass Er kommt!”

In den letzten Lebensjahren hat Gott Adolfs Dienst ganz besonders in die Innerlichkeit hineingeführt, so daß Adolf äußerlich manchmal fast unbeteiligt im Gesprächskreis saß. Es war ihm ein besonderes Anliegen, vollendet zu werden, wie er es mir so manchesmal sagte. Gott gab es ihm, die Zeit dafür auszunutzen. Über all seinem Wesen aber stand die Vollmacht und Ruhe der Überzeugung, daß Gott im eigenen Leben, wie im Geschehen der Völker und des gesamten Alls, mit allen und allem zu Seinem Ziel kommt. Um dieses Bekenntnisses willen mußte er viele Angriffe und Nichtverstehen erdulden (1.Tim. 4, 10-11)! Alle Versammlungen, die er im Umkreis von Worms gegründet hatte, wurden ihm weggenommen. In der letzten Zeit hörte Adolf, daß ein bekannter Evangelist, ein viel jüngerer Bruder, der ein erklärter Gegner der Allversöhnung ist, in einem Ort, an dem Adolf auch gerade war, spazieren ging. Adolf zog sich schnell an, um diesem Bruder auf der Straße zu begegnen, traf ihn und bat ihn in eindringlichen Liebesworten, nicht mehr in der bisherigen Weise gegen die Brüder, die an die Allversöhnung glauben, zu opponieren, gab ihm zum Schluß einen Bruderkuß und wünschte ihm Gottes Segen: der angeredete Bruder verharrte ohne ein Wort der Erwiderung in starrer Haltung. —

An seinem Grabe durften wir bezeugen, daß er ein Mensch war wie wir und an der andern Leid und Freude teilnehmen konnte (1. Kor. 12, 26). Er war ein Vater seiner irdischen Familie, der mitgelitten, mitgetragen und sich am Ergehen der Seinen mitgefreut hat. Er war ein Bruder den Brüdern, der oft die Zeit des Mittagessens zwischen zwei Diensten den notwendigen Aussprachen opferte, ein Vater in Christo (1. Kor. 4, 15), dessen Herz viele Nöte priesterlich zu tragen hatte, ein Brückenbauer der Liebe nach Philemon 8-19. Er war ein Apostel Jesu Christi (2. Kor. 5, 20), der keine Gelegenheit versäumte, auf Reisen im Zug oder sonstwo Christus zu bezeugen. Adolf Heller war ein begnadeter Evangelist, der seine glänzende Rednergabe und Schlagfertigkeit in den Dienst der Werbung für Jesus stellte, er war ein Prophet, zurückhaltend in seinen Äußerungen, aber klar in seiner Sicht, er war ein Lehrer, der die höchsten Aussagen auf das Niveau auch der einfachsten Menschen herunter transformieren konnte, und er war ein begnadeter Dichter mit fast 7.000 Liedern, in denen der Geist Gottes durch ihn geredet (2. Sam. 23, 2) und die Notwendigkeit der innersten Umwandlung, aber auch das Heil und die Liebe Gottes in all ihren Auswirkungen besungen hat.

Und nun ist dieses irdische Leben in der gebrechlichen Leibeshülle erloschen, und der Geist, der uns hier unten so viel Segen spenden durfte, ist befreit zu dem Gott zurückgekehrt, dem Adolf dienen durfte. Jetzt darf er aus größerer Nähe etwas von der Herrlichkeit der Vollendung sehen, für die er gelebt, die er verkündigt hat und in der er freudigen Herzens hier unten schon zur Ruhe vor Gott und Menschen gekommen ist. Bald aber werden wir uns im Lichte des Vaters und der Herrlichkeit des Sohnes wiedersehen!

In der Brieftasche des Vaters fand die Tochter die letzten zwölf Gedichte, und ein dreizehntes, wohl allerletztes, wurde nachträglich noch entdeckt:

Wie wird es sein!
Brecht ein, ihr Himmel höchsten Lichtes,
In unsrer Erde Not und Nacht!
Wann wird nach Schrecken des Gerichtes
Uns endlich Glanz und Heil gebracht?
Sein lichtes Heil, das Er wird geben,
Führt alle erst in Schuld und Leid.
Nur aus dem Tod erwächst das Leben,
Nur aus dem Fluch die Herrlichkeit.
Wann werden wir von all den Schemen
Betrügerischer Lust befreit,
Um stumm und staunend hinzunehmen
Den Einbruch ewger Herrlichkeit?
So hat es unser HErr beschlossen,
Weil es dem Vater wohlgefiel.
Und wenn der Sonnen Zeit verflossen,
Enthüllt sich Ursprung, Weg und Ziel.
Nicht wir sind es, die Ewges schaffen,
Es ist der HErr, der Heilges wirkt!
All unser Rühmen, Rennen, Raffen
Nur Eitelkeiten in sich birgt.
Das Wunderwerk in Staub und Sternen,
In Menschheit, Engeln und Getier
Wird voll erfaßt, wenn alle lernen
Der höchsten Gnaden Huld und Zier!
Gott ist der Planer und Vollender
In Christus, dem geliebten Sohn,
Ist aller Gnaden reicher Spender
Und Seiner Welten Trost und Lohn.
Wie wird es sein, wenn der Versöhner
Nach Kreuz und Auferstehn die Welt
Unendlich reiner, selger, schöner
In Gottes ewgen Glanz gestellt!
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