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Autor: Wolfgang Jugel
Thema: "Und sie gaben ihre Regierungsmacht dem Tier"

Der endzeitliche Zehnstaatenbund nach Texten aus Daniel und der Offenbarung

In meinem Buche "Urzeit und Endzeit", aber auch in einigen Artikeln habe ich mich über den Zehnstaatenbund in der Endzeit geäußert; da dies ohne nähere biblische Begründung geschah, wurde ich oftmals danach befragt, aber auch hier und da geringschätzig abgetan. Darum soll hier eine ausführliche Darstellung meiner Schau niedergelegt werden, der allerdings sorgfältige Studien zugrundeliegen. Ich versuche darin, eine Zusammenschau biblischer Texte, sonderlich aus dem Propheten Daniel und der Johannes-Apokalypse, zu geben. Woher mag der gedankliche Widerstand gegen die Schau eines endzeitlichen Staatenbundes im europäischen Raum rühren?

Zum einen hat man die Aussagen des Apostels Johannes über das TIER zu sehr von seiner alttestamentlichen Grundlage, dem Propheten Daniel, losgelöst und verselbständigt. Dann hat man - bei allen starken Gründen für eine futurologische (zukunftsgerichtete) Auslegung der "Offenbarung" - oft zu wenig den zeitgeschichtlichen Standort des heiligen Sehers beachtet. Auch die Festlegung auf mögliche nahe Termine des Endzeitgeschehens ließ kaum noch Raum zur endzeitlichen Ausformung des Zehnstaatenbundes auf dem Boden des Römischen Weltreiches. Sodann hat man immer wieder den heutigen Ost-West-Konflikt überbewertet und zu wenig beachtet, daß alle Endzeitpropheten von einem Nord-Süd-Konflikt sprechen, zu dem erst jetzt die Weichen gestellt werden. Anstatt der biblischen Darstellung der Weltreiche zu folgen, hat man, zeitgeschichtlich befangen, moderne Nationen oder gar die UNO eingesetzt. Das gebannte Schauen auf die Tagesereignisse brachte auch eine Überberwertung der Rolle der wiedererwachten islamischen Staaten (bis hin zu einer angenommenen islamischen Welteroberung) mit sich, die so im Worte der Propheten für die Endzeit nicht geschaut wird, es sei denn in den saftig werdenden "Bäumen", die den Saft gewinnenden "Feigenbaum" Juda umstehen. -

Als der Herr Jesus Seine Gleichnisse zu Ende gesprochen hatte, fragte Er Seine Jünger: "Habt ihr dieses alles verstanden?" Ihre vorschnelle Antwort "Ja, Herr!" zeugt davon, daß sie von dem unerschöpflichen Reichtum des siebenfach geläuterten Gotteswortes noch wenig ahnten. Darum antwortete ihnen der Herr: "Darum ist jeder Bibelgelehrte ... gleich einem Hausherrn, der aus seinem Schatze NEUES und ALTES hervorbringt" (Matth. 13, 51-52).

In diesem Bemühen ist auch vorliegende Studie entstanden: Sie fühlt sich einerseits den soliden Auslegungen älterer Bibellehrer verpflichtet (etwa: Dr. Schaedel, Prof. Ströter, Georg Thaidigsmann, Erich Sauer u. a.), möchte aber zugleich das, was die Erfüllung des prophetischen Wortes in unserer Zeit bringt, mit wachen Sinnen festhalten. So möchte ich mich weder starr auf frühere Erkenntnisse festlegen, noch auf die ständig wechselnden Zeitereignisse und die kurzfristige Tagespolitik; dabei gilt es, grundsätzliche Weichenstellungen heilsgeschichtlicher Art in unserer Zeit und Weit zu beachten.

Es ist ja vielfach Mode geworden, alte bewährte Schriftdeutung durch eine unbegründete Berufung auf Dan. 12, 4 einfach hinwegzuwischen, wozu die "Athener", die nichts lieber tun, als "etwas Neues zu sagen oder zu hören", nicht wenig Antrieb bieten. Schlecht aber sind Auslegungen nicht schon deshalb, weil sie von bereits verstorbenen Brüdern stammen; und gut sind sie nicht allein darum, weil sie sich über Bewährtes hinwegsetzen und Neues behaupten. Sicherlich kann die größere zeitliche Nähe zu den Endzeitereignissen, in der wir heute stehen, mehr Licht bringen; die Grundlinien können jedoch die gleichen bleiben wie in der Generation zuvor.

Mir sind andere Deutungen als die hier von mir vertretene durchaus bekannt; ich will mich keineswegs in Widerspruch zu Brüdern setzen, sondern durch meinen Beitrag zu einem neuen Bedenken einladen, wobei die endliche Erfüllung sicherlich uns alle in manchen Punkten korrigieren wird. Doch werde ich mich bemühen, eine Zusammenschau der besprochenen Schriftstellen zu bringen, die in Übereinstimmung mit dem Schriftganzen stehen soll. Unser einziger Maßstab soll das prophetische Wort der heiligen Schriften sein, wenn auch im "Umsturz der Zeiten" zunächst manches ihren Aussagen entgegenzustehen scheint. Doch über Nacht kann sich vieles ändern, was uns allein schon die dramatischen Ereignisse des begonnenen Jahres (1980) zeigen mögen.

Zum Verständnis meiner Ausführungen ist es notwendig, die Texte von Dan. 2, 32-35 / 37-45 / Dan. 7,1-18 / 23-27 / Offb. 13 und 17 gründlich zu lesen und sie mit beigefügter Planskizze immer wieder zu vergleichen.

I. Daniels Schau von den Weltreichen und die "Offenbarung des Johannes"

In Dan. 2 wird uns das Traumgesicht Nebukadnezars vom STANDBILD der Weltreiche wiedergegeben, in Dan. 7 die Vision Daniels von den "weltherrschaftlichen" TIEREN aus dem Völkermeer; im Vergleich mit Offb. 13 und 17 sollen diese einer Deutung zugeführt werden. Dabei ist zu bedenken, was Georg Thaidigsmann in seinem Buche "Zeitenwende" hierzu ausführte:

"Die Offenbarung des Johannes ist der Abschluß der ganzen biblischen Prophetie. Darum muß sie auch im Rahmen der Gesamtprophetie verstanden werden. Das bedeutet, daß das Wort der alttestamentlichen Propheten nicht dabei außer acht gelassen werden darf. Besonders stark sind die Beziehungen zum Danielbuch. Das geht namentlich aus Offb. 13 und 17 hervor. Die Prophetie der Schrift beleuchtet sich gegenseitig. Praktisch bedeutet das so viel, daß beispielsweise von Daniel zu Johannes und dann wieder von Johannes zu Daniel hinübergeschaut werden muß."

Jedem unvoreingenommenen Schriftforscher ist klar ersichtlich, daß Dan. 2 (Monarchienstandbild) und Dan. 7 (die Weltreich-Tiere) in der Abfolge ihrer Aussagen parallel laufen und übereinstimmen; zum anderen müssen wir als gesichert festhalten, daß Johannes sich mit seinen Aussagen über das TIER eng an die Daniel'sche Vision vom 4. Tiere (Dan. 7) anschließt. Es ist unverständlich, wie hierzu Ausleger behaupten konnten, das in Offb. 13 und 17 geschaute TIER habe überhaupt nichts mit dem 4. Tiere Daniels zu tun. Freilich bestehen zwischen Dan. 2 und Dan. 7 gewisse Unterschiede, und dies nicht nur in dem verwendeten Bildmaterial (Körperteile hier, Raubtiere dort.)

a) So schaut NEBUKADNEZAR in seinem Traum den äußeren Zeitablauf der Weltreiche, mit vielen treffenden Einzelzügen, die Gott ihm offenbarte. Er sieht die "Außenseite der Weltgeschichte ... das menschliche Kolossalstandbild von außerordentlichem Glanze" (Sauer); es wird gezeigt, aus welchem Material die menschlichen Weltreiche bestehen.

b) Wozu aber offenbarte der lebendige Gott den gleichen Zeitverlauf und Sachverhalt dem Propheten DANIEL ein zweites Mal, wenn auch in anderen Bildern? "Was die Wiederholung des Traumes ... anbelangt, es bedeutet, daß die Sache von Gottes Seite aus fest beschlossen ist, und daß Gott eilt, sie auszuführen" (1. Mos. 41, 32); das gilt auch hier. Daniel als der Prophet schaut jedoch tiefer als der babylonische König. Er schaut die "Innenseite der Geschichte" (Sauer); ihm wird die Raubtiernatur der Weltreiche und das Wesen der menschlichen Zeitgeschichte offenbart, wobei das Qualitative das Quantitative (wie im Traume Nebukadnezars) überwiegt.

Wie oft werden in der Heiligen Schrift Traumwiederholungen und prophetische Bildwechsel verwandt, um den gleichen Tatbestand in anderem Gewande noch einmal deutlicher aufleuchten zu lassen! Weil man dieses prophetische Gesetz nicht verstand, deutete man vorschnell die Tiere Daniels von Wappen und volkstümlichen Redensarten unserer Zeit aus; der Bär wurde auf Russland gedeutet, der Löwe auf Großbritannien, der Panther auf die USA, das vierte Schreckenstier auf die Vereinten Nationen (UNO) und dergleichen mehr. Dies entspricht jedoch nicht der inneren Harmonie der heiligen Schriften, die sich gegenseitig beleuchten und ergänzen. In der "Scofield-Bibel" wird dazu ausgeführt:

"Die Monarchie-Vision Nebukadnezars (Kapitel 2) zeigt dieselbe Reihenfolge der Ereig­nisse wie die Tier-Vision Daniels, aber mit folgendem Unterschied: Nebukadnezar sah die eindrucksvolle äußere Macht und den Glanz der "Zeiten der Nationen" (Luk. 21, 24), während Daniel den wahren Charakter der heidnischen Weltmacht sah, der raubgierig und kriegerisch ist und sich mit Gewalt durchsetzt und behauptet."

c) Die endzeitliche Schau des Apostels Johannes gibt eine nochmalige Erweiterung und Vertiefung im Vergleich zum letzten Tiere Daniels; dies äußert sich beispielsweise darin, daß Daniel mehr das TIERSYSTEM und den LEIB des Tieres, Johannes hingegen das Tier mehr als den MANN an der Spitze des Staatensystems sieht. Oder denken wir nur daran, daß Daniel am 4. Tiere nur ein Haupt mit 10 Hörnern schaut, Johannes aber am gleichen Tiere sieben Häupter, von denen eines die 10 Hörner trägt. Diese Unterschiede sind jedoch nur Ergänzungen, innere Weiterführungen und Vervollständigungen dessen, was Johannes aus den heiligen Schriften kannte und im Fortschritt der Zeiten deutete. "Altes und Neues" auch hierin.

II. Das Monarchien-Standbild (Dan. 2)

Nebukadnezars Traum vom Ablauf der Weltgeschichte und von der Abfolge der Weltreiche ist eine von den 32 Traumoffenbarungen der Bibel (8 Wortträume, 16 Bildträume, 8 Nachtgesichte Sacharjas). Gerade auf dem Boden des Alten Bundes waren Träume und Visionen oftmals Träger der göttlichen Offenbarung im Zeichen des Neubeginns. Im Traume Nebukadnezars hat Gott gewiß an Seelenbewegungen und Gedanken angeknüpft, die diesen Herrscher schon lange umtrieben. Ist es nicht erstaunlich, daß er unmittelbar nach seinem Traume vom Standbild der Weltreiche in der Ebene Dura ein goldenes Standbild errichten und dessen Anbetung befehlen läßt (Kapitel 3)? Und dies trotz seiner voraufgehenden Huldigung vor dem lebendigen Gott (2, 46-49)?! Die Planungen, Gedanken, Zielvorstellungen und Festprogramme, die er mit dem Standbild seiner Eigengröße verband, werden sein Herz schon lange zuvor bewegt haben; sie lösten dann den Traum von Kap. 2 aus. Doch der lebendige Gott gestaltet ihn so um, daß der Herrscher Babylons mit Unruhe und Furcht erfüllt wird: Seine Welt- und Zukunftsschau soll sich in jenem Bilde verkörpern, das von Kopf bis Fuß aus purem Golde besteht, da es den Menschen und seine "grandiose" Weltherrschaft verherrlichen will; sein Traumbild jedoch unterliegt einem beständigen Qualitätsverlust: Das HAUPT ist aus Feingold gestaltet; BRUST und ARME bestehen aus Silber, BAUCH und LENDEN aus Kupfererz, die SCHENKEL und BEINE aus Eisen. Die im Staube stehenden FÜSSE mit ihren 10 ZEHEN sind aus Eisen und Töpferton gemischt. Im übrigen erscheint hierin auch die ungefähre Reihenfolge der Verwendung der Metalle in der Kultur- und Münzgeschichte der Menschheit, bis hin zu jener allesbeherrschenden Mischung aus "Eisen und Ton", die wir "Stahlbeton" nennen.

Der Grundgedanke jedoch ist der zunehmende Verfall des Wertes. Von Gott aus besehen bietet die Menschheitsgeschichte statt einer Evolution (Höherentwicklung) eine Degeneration - der Kultur, der Sprache, der Ideologien, der Völker und ihrer Regierungen, ja, der biologischen Substanz dieses Planeten und des menschlichen Zellmaterials. Jedoch in dem Maße, wie der Wert der Metalle im Standbilde abnimmt, nimmt deren Härte (also die Brutalität in der Weltregierung) zu! Nur in der eigenartigen Mischung der Füße und Zehen erscheint noch einmal ein "weiches" Element in Gestalt des bröckeligen Töpfertones. Doch welche "verborgene" Härte auch solchen erdnahen Materialien innewohnt, vermögen Beton, Glas und die Kunststoffe zu zeigen.

Besonders erschreckend war für Nebukadnezar jener "Stein ohne Hände", der vom Himmel herabstürzt, die Füße des Standbildes zertrümmert und so das Gesamtbild zum Einsturz, bringt. Der "Stein", der "Fels der Ewigkeiten", wird zum "Berge", der die Erde erfüllt, - Bild für die machtvolle Wiederkunft Jesu Christi und Seines messianischen Reiches, das die Reiche dieser Welt ablöst (2, 34-35 / 44-45). Das erfüllt Nebukadnezar mit einer solchen Angst, daß er den Traum "verdrängt", also vergißt; doch "holt Gott das Verdrängte wieder hervor" aus den Kellern unseres Unterbewußtseins (Pred. 3, 15).

Durch den Traum soll Nebukadnezar

Dies muß nun von Anfang an festgehalten werden: Der durch die Zeiten "wachsende" KÖRPER des Monarchienstandbildes erstreckt sich von Nebukadnezar aus bis in die Endzeit, ja, bis zum Kommen des Messias in Macht und Herrlichkeit (ebenso die Tiere von Kapitel 7). Das Standbild umreißt die "Zeiten der Nationen" und der Zertretung Jerusalems durch die Völker, deren Ende mit der Eroberung Jerusalems durch Israel im Jahre 1967 begonnen hat. Dazu Thaidigsmann:

"Dieses Römische Reich (= Schenkel, Beine, Füße) ist in der Geschichtsschau Daniels das letzte Weltreich. Nach demselben sollen die Reiche dieser Welt von dem Reiche Gottes abgelöst werden ... Wenn also nach dem Römischen Weltreich das Reich Gottes kommen soll, dann ist kein anderer Schluß möglich als der: Die Dauer des Römischen Reiches muß bis ganz nahe an das Kommen des Reiches Gottes heranreichen" ; es müsse geprüft werden, ob der tatsächliche Geschichtsverlauf der letzten beiden Jahrtausende das prophetische Wort über das Römische Reich bestätigt, bzw. verdeutlicht.

Während der "Zeiten der Nationen" aber wurde Jerusalem besetzt, beherrscht und "zertreten" von den Babyloniern, den Persern, den Griechen, den Römern, ferner vom Islam, von den Kreuzfahrern, den Türken und den Engländern. Am Ende der Tage wird es noch einmal von den "Völkern ringsum" (Sach. 12, 2) besetzt werden. Halten wir fest: Die 10 ZEHEN des Monarchienstandbildes und die 10 HÖRNER des 4. Tieres sind Endzeiterscheinungen.

Bedeutsam ist es, daß in den einzelnen Körperteilen des Standbildes nur die Weltreiche erwähnt werden, die, beginnend beim zeitlichen Standort Nebukadnezars, über Israel geherrscht haben. Gott knüpft an die Gesichte seines Hauptes und an die Gedanken seines Herzens an, wodurch der zeitliche Beginn des Traumgesichtes klar festgelegt wird. Dies führt jedoch dazu, daß zwei Mächte außer acht gelassen werden, die vor dem Neubabylonischen Reich über Israel herrschten: ÄGYPTEN und ASSYRIEN. Dies ist wichtig im Blick auf die menschliche GESAMT­GESCHICHTE, die dann Johannes bei der Ausweitung des prophetischen Bildes ins Auge faßt.

Das Standbild zeigt uns zwar in seinen verschiedenen Metallen, wie die Weltreiche einander ablösen; doch gehen sie ineinander über und bilden einen Körper: Die Wesenszüge der früheren Reiche werden in den jeweils folgenden aufbewahrt und "durch die Zeiten transportiert". Die Absichten der umfassenden Weltherrschaft bleiben erhalten; der Sieger übernimmt oftmals Wesen, Sprache, Recht und Kultur der Besiegten; immer wieder singt man das alte Lied vom "Weltfrieden" und will es durch Weltherrschaft und Weltunterdrückung verwirklichen; die alten Religionen und Ideologien erscheinen jeweils in modischen neuen Gewändern; und auf der Wanderung der Weltherrschaft von OST nach WEST, vom MORGENLAND zum ABENDLAND wandern die alten Götter (elohim) mit und passen sich der jeweiligen Zivilisation und Kultur an. Sie alle wenden sich letztlich "gegen Gott und Seinen Messias" (Ps. 2); darum werden nicht nur die "Könige der Erde auf der Erde", sondern auch ihre geheimen Drahtzieher, die "Heerschar der Höhe in der Höhe", von dem lebendigen Gott gerichtet (Jes. 24,21).

Die aufeinanderfolgenden Weltreiche werden im Bilde eines KÖRPERS geschaut; in Dan. 2 im Bilde des menschlichen Körpers, in Dan. 7 im Bilde des Tierleibes. Dies hat einen tiefen Sinn: Durch die Zeiten hindurch wächst der KÖRPER, der LEIB des kommenden antichristlichen Weltherrschers.

Wer würde hierbei nicht an den "Leib Christi" erinnert, der vom Haupte aus in seinen Gliedern "durch die Zeiten wächst" und Christi Fülle darstellt? Gleichlaufend zu ihm wächst während der "Zeiten der Nationen" aus Menschen der Gesetzlosigkeit der Körper des Antichristen. Beide wachsen bis zu ihrer Vollzahl und Vollreife. Der TIER-GEIST wirkt in dieser Welt immer stärker als das "Geheimnis der Gesetzlosigkeit" (2. Thess. 2), der TIER-KÖRPER ist das in den Weltreichen sich entfaltende Weltherrschafts-SYSTEM des Tieres (Offb. 13, 1-3), an dessen Spitze sich in der eigentlichen Endzeit der Gesetzlose, der Sohn des Verderbens, der vollausgereifte MENSCH DER SÜNDE stellen wird. Ihm gehen die "vielen Antichristen" (1. Joh. 2, 18), die im "Geiste des Antichristen" wirken (1. Joh. 4, 3), als Wegbereiter voraus. Ihr Kennzeichen ist die Leugnung der Fleischwerdung des Gottessohnes (1. Joh. 4, 2). Immer stärker dringt das Geheimnis der Gesetzlosigkeit in unseren Tagen auf seine Volloffenbarung in dem einen Weltführer, den alle erwarten.

Von diesem "Leibe" mag uns Hiob 18, 13 berichten: "Der Erstgeborene des Todes wird fressen die Glieder seines Leibes" (vgl. dazu Christi Verhalten Seinem Leibe gegenüber nach Eph. 5, 29-30). Die Umstürze der Weltgeschichte, die Unruhen, Revolutionen und "Freiheitsbewegungen" erläutern dies geheimnisvolle Wort aufs klarste.

Menschenkörper (Dan. 2) - Tierleib (Dan. 7).

Die 7 Schöpfungstage (oder Schöpfungsperioden) stellen ja, prophetisch gesehen, die Jahrtausende des göttlichen Heilshandelns (die Gottestage) dar. Was aber brachte der 6. Schöpfungstag, der das 6. Jahrtausend nach Adams Fall vorbildet, dessen Ende wir nunmehr entgegengehen? Die Erschaffung der TIERE und des MENSCHEN Adam. Dieser aber erscheint auf zweifache Weise:

  1. Vor seinem Fall weist er als Königspriester hin auf den letzten ADAM, den MENSCHENSOHN; dieser wird, worauf alles hinzudeuten scheint, am Ende des 6. Jahrtausends nach Adam die Weltregierung übernehmen und die Welterneuerung einleiten. Damit löst Er die Ihm voraufgehenden TIERE ab (man beachte in Dan. 7 die Reihenfolge: die drei ersten TIERE, sodann das 4. Tier, die BESTIE, und hernach der mit der göttlichen Weltregierung betraute MENSCHENSOHN).

  2. Als der Gefallene stellt Adam den auf die TIERE folgenden Sohn des Verderbens, den MENSCHEN DER SÜNDE dar (= das Tier, die Bestie in Menschengestalt). So endet zunächst das 6. Jahrtausend in schrecklicher Ausreife alles Tierwesens, ehe es durch Christi Wiederkunft in das Sabbat-Jahrtausend Seines Friedensreiches übergeleitet wird.

Beachtenswert ist, was hierzu Dan. 7, 11 sagt: Der "LEIB des (vierten) Tieres wird durch den Feuerstrahl vom Throne Gottes zerstört", - der Antichrist wird vernichtet durch den Hauch des Mundes Christi (2. Thess. 2, 8 / Hiob 15, 30). -

III. Die vier Weltreiche bis zur Machtergreifung Christi nach Dan. 2 und 7

Diese seien nun, im Vergleich von Dan. 2 und 7, in kurzem historisch dargestellt.

1. DAS GOLDENE HAUPT stellt sowohl das NEUBABYLONISCHE WELTREICH als auch dessen König dar, - das Regierungssystem und den Mann an seiner Spitze. Babylon gehört als "Stadt der Bewegung" ebenfalls dazu, wodurch eine Dreiheit gebildet wird. "Du bist das Haupt von Gold", sagt Daniel zu Nebukadnezar (2, 32 / 37-38). Das Neubabylonische Reich wurde von Nabopolassar gegründet; es erlebte seinen Höhepunkt unter Nebukadnezar und seinen Verfall unter Belsazar, durch den Ansturm der Perser unter Kores. Es währte von 625-538 und fiel zeitlich fast mit der "Babylonischen Gefangenschaft" Israels zusammen.

Wenn auch Nebukadnezar in seinem Größenwahn ein Typus des kommenden Antichristen, ja, Satans ist, wird doch diesem semitischen Reich von Gott ein gewisser Wert zugebilligt, den die folgenden Weltreiche nicht mehr besitzen; so hat ja das HAUPT als Sitz des Gehirns und des Geistes die Aufgabe, den ganzen Leib zu steuern und zu kontrollieren. Darum liegt der Ursprung wie das Ende der Menschenreiche in BABYLON (Offb. 17). Allerdings sind die Geisteseinflüsse und Steuerungsimpulse, die von diesem Haupte ausgehen, dämonischer Art. Was Christus als Haupt des Leibes Seiner Gemeinde darstellt, ist finsternismäßig Nebukadnezar und sein Weltreich als Haupt des zum Antichristen führenden Monarchienleibes, - des "LEIBES DES TIERES" (Dan. 7, 11).

Den höchsten relativen Wert drückt das HAUPT aus (in bezug auf die restlichen Körperteile), das GOLD (im Blick, auf die anderen Metalle) und der LÖWE unter den Tieren. Löwengleiche Herrschermacht und Majestät, aber auch raubtierhafte Gier sind Kennzeichen dieses Reiches. Bezeichnenderweise hat das hebräische Wort "arieh" (Löwe) den Zahlenwert 216 = 6 x 6 x 6.

Daniel schaut in seinem prophetischen Traumgesicht von Kap. 7 das Wesen der Weltreiche und berichtet "die Summe der Sache" (7, 1). Er sieht nacheinander 4 Tiere aus dem sturmbewegten Völkermeer heraufsteigen, die, von unterschiedlichem Charakter, 4 Könige (und Königreiche) darstellen (7, 2-3 / 17). Daß die Juden bei dem "Völkermeer" immer an das Mittelmeer dachten, ist für die Auslegung nicht ohne Belang!

Den LÖWEN, also das neubabylonische Reich, schaut er mit Adlerflügeln ausgerüstet, was wohl auf die adlergleiche Schnelligkeit des Zugriffs beim Beutefang hinweist. Doch erlebte der größenwahnsinnige König Nebukadnezar eine Demütigung und Beugung vor dem lebendigen Gott; darum berichtet Kapitel 7, 4 davon, daß dem Löwen die Flügel ausgerissen wurden, er selbst aber wie ein Mensch und mit dem Herzen eines Menschen gehen lernte. Ein erstes und einziges Mal hat ein Weltreich wenigstens im Ansatz "menschliche Züge". Und doch verbreitet das Löwengebrüll auch Furcht: "Ein brüllender Löwe und ein gieriger Bär; so ist ein gesetzloser Herrscher über ein armes Volk" (Spr. 28, 15). Ja, der brüllende Löwe wird sogar ein Bild des Satans, der auf Erden umherstreift und sucht, wen er verschlinge (1. Petr. 5, 8).

Man muß einmal Ps. 137 lesen, um zu erfahren, wie es dem "armen Volk" der in Babylon gefangenen Juden zumute war, und wie es unter der Machtgier des brüllenden Löwen litt. Heimkehrend kannten sie nur noch ein Ziel: Nie wieder Götzendienst! Rigorose Erfüllung des Gesetzes! Und sie brachten das Schriftgelehrtentum, das Lehrhaus (die Synagoge) und die chaldäische Quadratschrift mit, die ihnen in der Gefangenschaft zugewachsen waren.

2. SILBER ist das zweite Metall, das mit seinem geringeren Wert in BRUST und ARMEN das Medo-Persische Weltreich darstellt. Eine Brust, zwei Arme: Die Zweiheit von Medern und Persern wuchs zur Einheit heran. Die Brust ist der Sitz der edlen Organe Herz und Lunge; sie birgt den Odem des Lebens und den Schlag des Herzens und stellt die Lebensstätte der Seele dar. Die Arme jedoch deuten auf Wirken und Handeln des Menschen hin (Kapitel 2, 32.39).

In Dan. 7 wird Medopersien von einem BÄREN verkörpert, der sich auf der einen Seite aufrichtet, wodurch die andere Seite nach unten zu liegen kommt. So war tatsächlich der Verlauf der Geschichte: Während die Perser zunächst unter der Führung der Meder standen, vollzog sich unter dem persischen Prinzen KORES (Cyrus, Kurusch oder Kuras) um 559 ein Wandel; das persische Element gewann die Oberhand und wurde von nun an die bestimmende Macht. Wie Gott selbst diesen Kores als Seinen "Hirten" und "Gesalbten" beurteilt, mag man in Jes. 44, 28 und 45, 1-4 nachlesen. Die positive göttliche Stellungnahme wird damit zusammenhängen, daß dieser Herrscher die Heimkehr Israels aus der Gefangenschaft auslöste.

Gierig, zäh und machthungrig tritt der persische Bär mit der Parole an: "Stehe auf, friß viel Fleisch!" In Kürze trägt er 3 Rippen zwischen den Zähnen seines Maules: Bei seinen Eroberungszügen verschlang er im Norden, Süden und Westen Land um Land, bis er es auf 127 Provinzen brachte (Esth. 1, 1); die 3 "Rippen" und Hauptteile seines Reiches waren die lydische, die ägyptische und babylonische Provinz (letztere zunächst von Darius verwaltet, Dan. 6). Das medopersische Reich währte von 538-333 (330) v. Chr.

"Nur gegen Griechenland waren seine Unternehmungen erfolglos, und gerade hierin lag der Keim seines späteren Untergangs" (Erich Sauer: "Morgenrot der Welterlösung").

3. Der BAUCH mit den LENDEN vertritt im Körpergeschehen die Ernährung, die Verdauung des "Verschlungenen" und die Zeugung oder Arterhaltung. Wieder erscheint ein wertloseres, aber zugleich härteres, "brutaleres" Material, das KUPFERERZ. Dieses allein war aber für Waffen und Werkzeug nicht hart genug; erst nachdem der Mensch es mit Zinn zu BRONZE verschmelzen lernte, wurde es zu einem Metall, das zugleich Härte aufwies und sich doch gut formen ließ; ein Metall eroberte die Welt! Dies war nicht nur waffentechnisch, sondern auch kulturgeschichtlich bedeutsam; erst die Eisengewinnung (die bei den Kelten begann) brachte einen weiteren "Fortschritt" und damit die Eisenzeit. Die eisernen Waffen aber waren es, die hernach dem Römischen Imperium zum Siege verhalfen.

Im kupfernen (oder bronzenen) Bauch wird das Griechenland Alexanders des Großen mitsamt den Diadochenreichen nach seinem Tode geschaut. Der Makedonier Alexander sollte über die ganze (damals bekannte, bewohnte und kulturell erschlossene) Erde herrschen (2, 32.39). Sauer sagt hierzu: "Der Siegeszug Alexanders ist das gewaltigste Schauspiel des Altertums." Wie im "Fluge" erobert der schnelle PANTHER, mit 4 Vogelflügeln und 4 Köpfen ausgerüstet, Reich um Reich, schließlich sogar das Perserreich, das schon auf eine 200-jährige Geschichte zurückschauen konnte; wie schnell vollzogen sich seine Überfälle und Kriegszüge! (vgl. Dan. 7, 6). "Nach knapp dreijährigem Kampfe war der 25-jährige Jüngling der Herr des 2000-jährigen Orients" (Erich Sauer). Bis Babylon und Ninive, ja bis Indien marschierten seine Armeen; diesmal aber führten die Eroberungen in west-östlicher Richtung (siehe Dan. 8, wo die Siegeszüge Alexanders im Bilde des griechischen Ziegenbockes und des persischen Widders abgebildet werden, - als Vorlage für eine globale west-östliche Auseinandersetzung in der Endzeit). Doch im Jahre 323 stirbt der junge Welteroberer in Babylon am Fieber.

Beachtenswert sind die 4 Vogelflügel und die 4 Köpfe des Panthers; sie zeigen unter anderem, daß die Einteilungen und Zahlen aus Dan. 2 und 7 allesamt buchstäblichen Sinn haben; wie sollte es dann bei den 10 Zehen des endzeitlichen Staatenbundes (bzw. im anderen Bilde bei den 10 Hörnern der Bestie) anders sein? Die 4 "Vogelflügel" stellen Alexanders Generäle dar, die seine Blitzkriege durchführten: Seleukos, Ptolemäus, Kassander und Lysimachos. Diese wurden nach Alexanders plötzlichem Tod zu Nachlaßverwaltern seines riesigen Reiches, zu "4 Häuptern" (oder Königen) über die Reichsteile (den gleichen Tatbestand wollen die 4 Hörner darstellen, die in Kapitel 8 aus dem einen zerbrochenen Horn des Ziegenbockes erwachsen). So entstanden die "Diadochenreiche":

  1. Das Syrisch-babylonische Reich des Seleukos;

  2. das Ägyptische Reich des Ptolemäus;

  3. das Makedonisch-griechische Reich des Kassander und

  4. das Thrazisch-bithynische Reich des Lysimachos.

Während Alexanders Herrschaft von 336-323 v. Chr. währte, erstreckte sich die Herrschaft seiner Nachfolger, der Diadochen, bis etwa 125 v. Chr. "Mit sprachlosem Staunen haben die Völker des Ostens dem blitzartigen Vormarsch Alexanders des Großen zugeschaut. Übermenschlich schien ihnen dieser 20-jährige Mazedonier, der quer durch die Länder der altehrwürdigen Kulturen von Sieg zu Sieg eilte und dabei eine meisterhafte Beherrschung der praktischen Kriegskunst mit den weltweiten Plänen eines großen Geistes verband" (Bildatlas zur Bibel). Die Flut griechischen Geistes und griechischer Kultur, der "Hellenismus", überschwemmte die Völker und wirkte über die Römer bis in die Apostelzeit, ja, bis in die europäische Kultur unserer Tage hinein. Sogar zum Gott hatte Alexander sich ausrufen lassen.

4. In der Zählung der Visionen Nebukadnezars (Kapitel 2) und Daniels (Kapitel 7) erscheint nun ein 4. Weltimperium. Nun marschieren die eisengepanzerten und waffenstarrenden Legionen Roms, um die "Ökumene" (die bewohnte Kulturwelt) zu erobern. "Es war, als wenn der Kriegsgott mit eisernen Füßen (!) über den Erdkreis dahinging und bei jedem Schritt Ströme Blutes hervorquellen ließ", sagte Herder. Aus den Lenden (der hellenistischen Ideologie und dem griechischen Kulturerbe) wachsen die beiden SCHENKEL hervor; während die Beine nun aus EISEN gebildet sind, zeigen die Füße eine seltsame Verfallsmischung, teils von Eisen, teils von Töpferton. In den 10 ZEHEN findet das Reich sein Ende (2, 33). "Und ein 4. Königreich wird stark wie EISEN sein; ebenso, wie Eisen alles zermalmt und zerschlägt, wird es, wie zerschmetterndes Eisen, alle jene (vorigen Reiche) zerschmettern und zertrümmern" (Dan. 2, 40).

Während das griechische Reich eine starke künstlerische, philosophische, religiöse und kulturelle Prägung hatte, lag die "Stärke Roms vornehmlich im Militärischen und Staatlich-Juristischen. In Manneszucht und Hingabe an den Staat leisteten sie Unvergleichliches; aber selbst in den Zeiten ihrer höchsten Machtfülle blieben sie innerlich Halb-Barbaren" (Erich Sauer). Die Römische Militärdiktatur fand ihren Höhepunkt im Kaisertum der Cäsaren; die BEINE des Monarchienbildes weisen hin auf Fortbewegung, Expansion, "Stehvermögen", Kolonisation und auf das Niedertrampeln alles dessen, was im Wege stand.

Nunmehr herrscht die Römische Militärmacht (noch als Republik) über den ganzen Mittelmeerraum. Dieser aber ist ebenso das Verbreitungsgebiet des Ölbaumes wie des durch ihn dargestellten Volkes Israel in seiner Zerstreuung.

Durch Bürgerkriege hindurch, im Niedergang des bäuerlichen Elementes, in einem beispiellosen Verfall der Moral, der von sinnlosem Luxus begleitet ist, entsteht in der Zeit von 133-31 v. Chr. die "Welt-Militär-Monarchie" der Cäsaren; dies aber ist das sechste (!) Stadium in der römischen Reichsgeschichte. Man beachte die unserer Zeichnung beigegebene Karte, welche die größte Ausdehnung des Römischen Weltreiches zeigt.

Im 7. Kapitel schaut Daniel das RÖMISCHE IMPERIUM als ein "4. Tier". Dieses ist verschieden von den vorhergehenden drei Tieren (= Weltreichen) und offensichtlich mit keinem von ihnen restlos vergleichbar (7, 23). Und doch sind alle Wesenszüge des Babylonischen, des Persischen und des Griechischen Weltreiches (ja, wie wir noch sehen werden, sogar Assyriens und Ägyptens) vereinigt. Darum legt der Apostel Johannes ihm in Offb. 13, 1-3 die Merkmale der Vorläufertiere bei: den KÖRPER eines weiblichen Panthers, die FÜSSE des Bären und das MAUL eines Löwen. Es ist nicht von ungefähr, daß selbst die 7 Häupter des vierten Tieres und seine 10 Hörner die Summe bilden aus dem einen Haupt des babylonischen Löwen, dem einen Haupt des persischen Bären, den vier Häuptern des griechischen Panthers und dem einen Haupt des Daniel'schen vierten Tieres, das allein (10) Hörner trug. "Die Bildersprache der Offenbarung schildert die Weltlage der Endzeit als die Zusammenfassung und Gipfelung aller Weltreiche der Vorzeit, als das Endergebnis aller gottfernen Weltarbeit der Jahrtausende alten Menschheit, als die Generalsumme aller Tierreiche" (Erich Sauer in "Triumph des Gekreuzigten"). Das vierte Tier ist d a s Tier schlechthin, die Vollendung und Summe der Raubtiernatur, die BESTIE. "Es ist schrecklich und furchtbar und sehr mächtig; es hat große eiserne Zähne; es frißt und zermalmt, und was übrigbleibt, zertritt es mit seinen FÜSSEN, die Krallen von ERZ tragen" (siehe das, was über die Füße des Standbildes gleichlaufend gesagt wird). Wie das Monarchienstandbild aber 10 Zehen aufweist, trägt das Haupt des vierten Tieres 10 Hörner (7, 7.19).

Wie genau das prophetische Wort die geschichtliche Entwicklung schildert, zeigt Dan. 2 in den beiden BEINEN des "vierten Königreiches", des Römischen Imperiums. Schon um 395 n. Chr. beginnt es in ein WESTRÖMISCHES und OSTRÖMISCHES REICH auseinanderzubrechen. Schließlich fällt das Weströmische Reich 476 n. Chr. unter den Stürmen der Völkerwanderung, während das Ende des Oströmischen Reiches erst 1453 gekommen ist. Ob die KNIE als "Scharniere" und Wendepunkte auf diese Entwicklung hinweisen?

Nun aber scheint sich ein echter Widerspruch zwischen dem prophetischen Wort und dem tatsächlichen Geschichtsverlauf aufzutun.

IV. Die "Zwischenzeit" bis zum Kommen Christi

1. Wir haben schon darauf hingewiesen, daß die Beine des Monarchienstandbildes über die Schenkel bis zu den Füßen mit ihren 10 Zehen kontinuierlich bis in die eigentliche Endzeit reichen. Erich Sauer gibt darum in "Morgenrot der Welterlösung" den Zeitraum des RÖMISCHEN REICHES kühn mit "201 (bzw. 133) v. Chr. bis zur Wiederkunft Christi" an. Tatsächlich bereitet erst der vom Himmel "ohne Hände" (d. h. ohne menschliches Zutun) herabstürzende Stein dem Römischen Imperium, und damit allen Weltreichen, das Ende. Er zerschlägt die Füße, bringt damit den ganzen Koloß der zeitenumfassenden Menschenherrschaft zum Einsturz und wird selbst "zum Berge, der die Erde erfüllt" - das messianische Reich Christi bricht an (Dan. 2, 44). Übereinstimmend damit bleibt auch das 4. Tier mit seinen 10 Hörnern "bis zum Ende" (Dan. 7, 27). Dann aber werden Throne aufgestellt, der "Alte an Tagen" erscheint, das Gericht wird eröffnet, und ein vernichtender Feuerstrahl geht vom Throne aus. "Ich schaute, bis das TIER getötet und sein LEIB zerstört und dem Feuerbrand übergeben ward" (Dan. 7, 11). In den Versen 13-14 aber erscheint der MENSCHENSOHN, um als der wahre ADAM nach den TIEREN und ihrem Wirken die Herrschaft zu übernehmen, eine Herrschaft, an der auch die Heiligen des Höchsten beteiligt werden (Dan. 7,18).

Die 10 ZEHEN aber wie die 10 HÖRNER scheinen eine gewisse Eigenständigkeit zu besitzen, die Zehen auch im Material: Eisen mit Ton gemischt. -

Dennoch bleibt die Frage: Wann war denn nun das Ende des vierten Tieres, des RÖMISCHEN REICHES? Wenn wir in Übereinstimmung mit Daniel seinen Abschluß in die Endzeit setzen und die Zeitproportionen auf unsere Zeichnungübertrügen, müßten wir die BEINE des Standbildes "gummiartig verlängert" zeichnen, was zu einer grotesken Figur führen würde. Diese ZEITDEHNUNG aber wird durch den EINSCHUB der Gemeinde aus den Nationen bewirkt, die als Inhalt des geheimen Willens Gottes von den Propheten des Alten Bundes nicht geschaut wurde. Man könnte die Zeichnung auch so gestalten, daß in den Beinen eine Lücke entstünde, so daß die Füße in der Endzeit gesondert erschienen; wir haben dies durch eine schraffierte Linie angedeutet, die allerdings den zeitlichen Proportionen nicht gerecht wird.

Ebenso verhält es sich ja mit den Daniel'schen Jahrwochen (Dan. 9): Nach dem Ablauf von 69 Jahrwochen mit dem Tode des Messias folgt nicht sofort die 70. Jahrwoche, wie man zunächst glauben könnte; diese wird vielmehr wegen der Verstockung Israels und des Einschubs des Gemeindehaushaltes bis zur eigentlichen Endzeit "aufgeschoben" (man vergleiche hierzu die leider vergriffene Studie von Heinz Schumacher: "Die 70 Jahrwochen und die kommende Endzeit").

Auch die Scofield-Bibel nimmt zu dieser Frage sehr fein Stellung:

"Der vernichtende Stein zerstört das System der heidnischen Weltmacht (in seiner letzten Form) durch einen plötzlichen und unabwendbaren Schlag - also nicht durch allmähliche Prozesse der Umkehr oder der Angleichung ... Eine solche Zerstörung des monarchischen Systems heidnischer Macht geschah nicht bei dem ersten Kommen Christi. Im Gegenteil, Christus wurde aufgrund des Urteils eines Beamten des vierten Reiches getötet, das damals auf der Höhe seiner Macht war. Nach dem Tod Christi zerfiel der westliche Teil des Römischen Reiches im Jahre 476 n. Chr. und der östliche Teil im Jahre 1453. Aber es folgte auf Rom kein anderes WELTREICH, denn es werden nur diese 4 Reiche dem Wiederkommen und der Herrschaft Christi auf Erden vorangehen. Die ZWISCHENZEIT, d. h. das Zeitalter der Gemeinde zwischen dem 1. und 2. Kommen Christi, wird uns im Neuen Testament offenbart und ist nicht ein Teil dieser Vision (Daniels). Die tödliche Wunde, die das 4. Reich erleidet, wird geheilt werden durch die WIEDERHERSTELLUNG dieses Reiches, das aufkommen wird, wenn das Zeitalter der Gemeinde ... erfüllt sein wird" (S. 871).

Wir stimmen dem im wesentlichen bei und fügen hinzu: ... wenn Israel wieder im Lande der Väter wohnt, und wenn sich mit der Wiedereinnahme Jerusalems (1967) die Zeiten der Nationen ihrem Ende zuneigen.

2. Versuche der Wiederherstellung des RÖMISCHEN REICHES.

Die ZWISCHENZEIT ist erfüllt mit Versuchen der Wiederherstellung des Römischen Reiches, die aber immer wieder scheiterten, weil die Zeit noch nicht erfüllt war. Freilich legen Folgestaaten und Staatenbünde die Römische Religion, die Römische Militärverwaltung, das Römische Recht, die "Abendländische" Kultur und Geistesgeschichte ihren Bestrebungen zugrunde. Immer wieder verfallen abendländische Herrscher dem Zauber der römischen Reichsidee und damit dem Willen zur Europäischen Einigung; doch erst seit der Heimkehr Israels ins Land der Väter, seit dem Saftigwerden des Feigenbaumes Juda also, sind solche Bestrebungen von Erfolg gekrönt und können ihrer endzeitlichen Verwirklichung entgegenreifen. Aber die Folgereiche des Römischen Imperiums samt allen Versuchen, die Reichsidee wiederzubeleben, garantieren den "Transport" der Wesenszüge des 4. Tieres, des IMPERIUM ROMANUM, durch die "eingeschobene" Zwischenzeit der Christusgemeinde. "KAISER" und "ZAR" sind nur die deutschen und russischen Formen des alten Wortes "CÄSAR". Unter dem Ansturm der Germanen und später des Islam brach das Römerreich zusammen; doch war dieser Zusammenbruch kein vollständiger. "Denn im Zusammenbruch hat das alte römische Reich gesiegt, wenigstens im Abendland; denn es hat die germanische Welt in seinen Bann gezogen, ja, sich eingegliedert. Es hat sich entfaltet zu einem größeren Ganzen, dem man den Namen EUROPA gegeben hat" (vom hebr./phön. "erev" = Abend?). "Das Kaisertum des Mittelalters war nicht nur der Idee nach, sondern tatsächlich eine Erneuerung und Fortsetzung des altrömischen Kaisertums" (Georg Thaidigsmann: "Zeitenwende"). Bezeichnenderweise hatten Kaisertum wie Papsttum ROM zum tatsächlichen und ideellen Mittelpunkt. Doch wenden wir uns den Wiederherstellungsversuchen im einzelnen zu:

  1. Da wäre THEODERICH DER GROSSE zu nennen, der von Ravenna aus als Führer der Ostgoten über das Weströmische Reich herrschte (493-526).

  2. Im Ostteil des Imperiums lebt die Idee eines universellen römischen Reiches weiter. Aus der Verbindung von römischer Tradition, griechischer Kultur und christlicher Religion entstand das unumschränkte byzantinische Kaisertum. JUSTINIAN verfolgte das Ziel, das Römische Imperium wiederherzustellen. Trotz bedeutender Anfangserfolge erreichte er dieses Ziel nicht (527-565).

  3. KARL DER GROSSE wird der Kaiser des Abendlandes. Mit den Worten "Karl, dem AUGUSTUS, dem von Gott gekrönten, großen und friedebringenden KAISER DER RÖMER, Leben und Sieg!" krönt Papst Leo III. ihn am 25. Dez. 800 in der Peterskirche zu Rom. 803 läßt Karl auf sein Siegel die Worte prägen: "Renovatio Romani Imperii" = Erneuerung des Römischen Imperiums. "Das Reich Karls des Großen hat die christlichen Völker des Abendlandes, Germanen wie Romanen, unter fränkischer Führung zusammengefaßt. Dadurch wuchs diesem das Bewußtsein seiner politischen und geistigen Einheit zu, das ihm bis in die Gegenwart blieb" (Hartmann). Bei Karls Tod schrieb sein Biograph: "In ihm starb der VATER DER WELT! "

  4. Im Febr. 962 wurde OTTO DER GROSSE von Papst Johannes XII. in Rom zum Kaiser gesalbt und gekrönt - zum "HERRN DES ABENDLANDES UND SCHUTZHERRN DER RÖMISCHEN CHRISTENHEIT". Von nun an spricht man vom HEILIGEN RÖMISCHEN REICH DEUTSCHER NATION (936-973). Seine größte Ausdehnung erreichte es unter HEINRICH II. (1002-1024). Doch bestimmen immer stärkere Auseinandersetzungen zwischen Kaiser und Papst die Geschichte des Mittelalters.

  5. Ein weiterer Glanz- und Höhepunkt in der Verwaltung der Römischen Reichsidee wurde mit dem Stauffer FRIEDRICH I. (Barbarossa / 1152-1190) erreicht. Doch mit seinem Tode endete das universalistische abendländische Kaisertum.

  6. Das Kaisertum der HABSBURGER führte die Idee des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation fort. Besonders beachtenswert ist KARL V., der in der Auseinandersetzung mit Frankreich um die europäische Vorherrschaft kämpfte. Erst unter dem Ansturm NAPOLEONS (1806) legte FRANZ II. von Österreich die Römische Kaiserwürde nieder, womit sich das Ende des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation besiegelte.

  7. Doch auch der französische KAISER NAPOLEON griff nach der Herrschaft über ganz EUROPA. Auch er "steht ganz unter dem Zauber der römischen Reichsidee" (Erich Sauer). Sein Sohn erhielt sogar den Titel "KAISER VON ROM". Aber auch er scheiterte, weil die Zeit noch nicht erfüllt war, in seinem Versuch, Europa politisch und militärisch zu einigen.

  8. Nicht zu vergessen sei ein "Achter" (Offb. 17, 11), der verbrecherische und dämonische "Führer des Großdeutschen Reiches" ADOLF HITLER, dem für die Zeit nach seinem erträumten Sieg die Einigung Europas unter der germanischen Ideologie vorschwebte. Ein 1000-jähriges Reich sollte - von Dämonen ihm vorgegaukelt - unter dem Baalszeichen des Hakenkreuzes als Zerrbild des Messiasreiches erstehen.

V. Zehn ZEHEN - zehn HÖRNER: Der endzeitliche Staatenbund

Wo haben wir nun diese Übergangszeit mit ihren Wiederherstellungsversuchen im Bilde des Monarchienstandbildes zu suchen? Gewiß in den Beinen, genauer in deren "Unterschenkeln" bis zum Fußgelenk. Wie aber in den alten Zeiten die Entfaltung des Römischen Imperiums von West nach Ost verlief, so gingen auch die nachfolgenden Erneuerungsversuche immer von Westeuropa aus und hatten ihren Schwerpunkt in Frankreich und Deutschland. Ist dies nicht auch im heute werdenden EUROPA so? Überziehen wir das Bild aus Dan. 2, wenn wir darauf hinweisen, daß es "große" und "kleine", bedeutende und unbedeutende Zehen gibt?

Diese Zehen aber stehen nebeneinander, sind also zeitlich simultan zu sehen und dem Ende der Zeiten zuzuordnen: Sie versinnbildlichen ebenso wie die 10 Hörner (= Könige des vierten Tieres; Dan. 7) einen Staatenbund des Endes, der erst durch die Wiederkehr des Messias (des Menschensohnes) sein Ende findet. Dieser Staatenbund aber ist Nährboden und Fundament des letzten WELTHERRSCHERS dieser Weltzeit. Als das "kleine Horn" unbedeutender Anfänge und Herkunft wird er sich an seine Spitze setzen, die Regierungsvollmacht der "ZEHN" auf sich vereinigen und von Europa aus die Welteinigung betreiben. Daß dieses Bestreben immer mehr zu einem Kampf gegen Gott und Seinen Messias wird, werden nur die "Heiligen des Höchsten" erkennen. So ist das TIER das System des endzeitlichen Staatenbundes, zugleich aber dessen führender Mann; und die "Stadt der Bewegung", die "Megalopolis" des Endes ist BABYLON = ROM (zur näheren Begründung lese man in meinem Buche "Urzeit und Endzeit" den Abschnitt "Metropole Babylon"). Wir hatten dies alles schon einmal unter dem wohl typischsten Vorläufer des Antichristen: das SYSTEM der NSDAP; die STADT der Bewegung; den FÜHRER Adolf Hitler.

Mit dem Wiedererstehen Israels und der Rückeroberung Jerusalems beginnt das Ende der "Zeiten der Nationen"; nunmehr dürfen und müssen wir mit einem EUROPÄISCHEN STAATENBUND auf dem Boden des Römischen Imperiums und mit einer Wiederbelebung des RÖMI­SCHEN KAISERTUMS rechnen, diesmal von Erfolg gekrönt. Schritt um Schritt (vielleicht aber auch über Nacht) werden sich die ersten kümmerlichen Anfänge ausgestalten: unter dem Druck der Zeitverhältnisse und Weltprobleme, vielleicht auch (nach der Schau von Arthur Muhl) nach einem Schlagabtausch zwischen den USA (Ziegenbock) und der Sowjetmacht (Widder), der zur Entmachtung der letzteren führen dürfte. Wirtschaftlich, kulturell und finanziell, dann aber auch politisch, militärisch und religiös wird sich die Einigung des Abendlandes vollziehen. Die zunehmende Macht des Islam, der zunehmende Nord-Süd-Konflikt, die Ölfelder des Mittleren Ostens wie überhaupt die Rohstofffrage, aber auch das "Weltproblem Israel" werden diese beschleunigen. Einige Daten mögen den bisherigen Weg zur Einigung verdeutlichen:

Historische Ansätze zu einem Europäischen Staatenbund in unserer Generation:

  1. 19. 9. 1946: Der britische Premierminister Winston Churchill schlägt in seiner berühmten Rede die Gründung der VEREINIGTEN STAATEN VON EUROPA vor.

  2. 5. 5. 1949: Zehn europäische Staaten gründen den EUROPARAT mit Sitz in Straßburg. Wegen der Bedenken Großbritanniens, das seine politische Zukunft noch immer im Commonwealth sieht, scheitern die Hoffnungen, der Europarat könne zum Kern eines Vereinten Europas werden.

  3. 9. 5. 1950: Der französische Außenminister Robert Schuman fordert die Gründung einer EUROPÄISCHEN GEMEINSCHAFT FÜR KOHLE UND STAHL (Montanunion), - vorerst zwischen Deutschland und Frankreich. Jean Monnet wird deren Schöpfer und erster Präsident.

  4. 18. 4. 1951: Sechs Länder treten der MONTANUNION bei: Belgien, Bundesrepublik Deutschland, Frankreich, Italien, Luxemburg und die Niederlande.

  5. 27. 5. 1952: Unterzeichnung eines Vertrages über die Bildung einer EUROPÄISCHEN VERTEIDIGUNGSGEMEINSCHAFT (EVG). Doch scheitert dieses Projekt am Einspruch Frankreichs gegen eine deutsche Truppenbeteiligung (zwei Jahre später tritt die BRD der NATO bei).

  6. 1957 gründen die Länder der Montanunion in ROM die EUROPÄISCHE WIRTSCHAFTSGEMEINSCHAFT und die EUROPÄISCHE ATOMGEMEINSCHAFT. Die RÖMISCHEN VERTRAGE schaffen die Grundlagen für die Beseitigung der Zölle innerhalb der Gemeinschaft, für einen gemeinsamen Agrar- und Handelsmarkt und für gemeinschaftliches Handeln auf vielen Gebieten.

  7. 1968 ist die ZOLLUNION zwischen den Partnerstaaten verwirklicht, auch deren gemeinsamer AGRARMARKT.

  8. 21. 10. 1972: Die Pariser Gipfelkonferenz beschließt den Ausbau der Gemeinschaft zu einer EUROPÄISCHEN UNION bis 1980.

  9. 1. 1. 1973: Durch den Beitritt Großbritanniens, Dänemarks und Irlands zur EUROPÄISCHEN GEMEINSCHAFT (EG) wird aus der Gemeinschaft der Sechs die Staatengemeinschaft der Neun. Wenn Norwegen nicht ausgetreten wäre, hätte damals schon die Zehn erreicht werden können. Zum Abstimmungsergebnis in Norwegen trugen viele fromme Wähler bei, die darauf hinwiesen, daß man die Entwicklung zum antichristlichen Staatenbund bremsen müsse. - In der Europäischen Gemeinschaft sieht man
    - einen Vorteil für den Verbraucher: das Warenangebot wird international;
    - einen Vorteil für den Urlauber: die Grenzen werden offener;
    - einen Vorteil für den Arbeitnehmer: der gemeinsame Arbeitsmarkt bringt jedem das Recht, überall im Europa der Neun zu leben und zu arbeiten;
    - einen Vorteil für die Wirtschaft: die Absatzmärkte werden größer und sicherer, die Zollschranken sind abgebaut;
    - einen Vorteil für die Politik: Wenn Europa "mit einer Stimme spricht", gewinnt diese ein größeres Weltgewicht.

  10. 19. 3. 1973: Die EG-Staaten (außer Großbritannien, Italien und Irland) bilden einen gemeinsamen WÄHRUNGSVERBUND ("Währungsschlange").

  11. 6. 7.1978: Der europäische Rat beschließt in Bremen, ein EUROPÄISCHES WÄHRUNGSSYSTEM zu schaffen.

  12. 10. 6. 1979: Zum ersten Male wählen die Bürger Europas ein gemeinsames PARLAMENT. "Europa wird volljährig", lautet die Parole. 180 Millionen Menschen stellen 410 Abgeordnete, davon 81 aus der BRD, welche die größte Einwohnerzahl in der Europäischen Gemeinschaft aufweist. Die Mehrheit erhält ein Block aus christlichen und konservativen Parteien.

  13. 28. 5.1979: Die AUFNAHME GRIECHENLANDS (des "Mutterlandes" der Europäischen Demokratien) wird beurkundet; zum 1. 1. 80 soll der Beitritt in Kraft treten; bis 1988 soll die volle Freizügigkeit in der Ansiedlung und Arbeitsplatzwahl für Griechen gewährt werden. Bei der Unterzeichnung erklärte der griechische Premier Karamanlis, die Europäische Gemeinschaft sei die Synthese HELLENISCHEN, RÖMISCHEN und CHRISTLICHEN Geistes und könne als das "wichtigste Ereignis in der Menschheitsgeschichte" angesehen werden!

Nun ist wieder die biblische ZEHN erreicht, die vor dem Ausscheiden Norwegens schon einmal kurze Zeit bestanden hatte. Ich schrieb 1972 (im Konzept zu "Urzeit und Endzeit"): "Nun warten wir voller Spannung darauf, wer wohl als Ersatzstaat an die Stelle Norwegens rücken wird - vielleicht eines der klassischen Länder der biblischen Prophetie, Spanien oder gar Griechenland" (S. 99). Noch liegen Aufnahmeanträge Spaniens und Portugals vor; ob es dadurch zur ZWÖLF der 12 goldenen Sterne in der blauen Europaflagge kommen wird? Oder ob die zeitliche Abwicklung und Probezeit sich so hinauszögern wird (siehe Griechenland), daß es in der noch zur Verfügung stehenden End-Zeit gar nicht mehr zu deren voller Aufnahme kommen wird? Doch neige ich zur buchstäblichen Auffassung der 10 (Zehen, bzw. Hörner) im endzeitlichen Staatenbund, - dem vielleicht auch noch einmal ein Austritt und Neueintritt vorausgehen mag. Jedenfalls ist es abzulehnen, die ZEHN nur zahlensymbolisch als "Völkerfülle" aufzufassen, da ja alle anderen Zahlenangaben sowohl im Monarchienstandbild wie in Daniels Tiervision buchstäbliche Bedeutung haben, wie ich oben schon nachgewiesen habe.

Immer wieder wird von Kritikern dieser Schau auf die Schwankungen und Verzögerungen im Werden der Einheit Europas und eines Europäischen Staatenbundes hingewiesen; dem ist zu entgegnen, daß Verwirklichungen der Prophetie niemals "perfekt vom Himmel fallen", sondern in "Geburtswehen" angebahnt und herausgeboren werden. In einem dynamischen Geschehen, in immer neuen "Wehen" und Schüben werden die endzeitlichen Konstellationen hervorgebracht. Man denke nur an das Werden Israels im Lande der Väter und die verschiedenen Phasen seiner endgeschichtlichen Wiederherstellung!

Nun gibt es auch Gegner der Einigung Europas. So hat der frühere französische Premierminister Michèl Debré 1979 eine Revision der Europäischen Verträge verlangt, um die Entwicklung eines von den Gaullisten gefürchteten übernationalen EUROPAS zu verhindern. Er führte auf einer Pressekonferenz des von ihm gegründeten "Komitees für die Unabhängigkeit und die Einheit Frankreichs" aus: "Die SUPRA­NATIONALITÄT ist ein TIER, das vernichtet werden muß!" Bezeichnenderweise werden Politiker, die vom prophetischen Wort der Bibel wohl nichts wissen, wie der Hohepriester Kaiphas zu "Propheten wider Willen"!

Vom Eisen-Tongemisch in den Zehen

Die FÜSSE und ZEHEN des Monarchienstandbildes bestehen aus einer eigenartigen, eigentlich unmöglichen Mischung (Legierung) aus TÖPFERTON und EISEN. Daniel deutet dies auf eine dreifache Weise:

a)   "Es wird ein geteiltes Königreich sein; aber von der Festigkeit des Eisens wird in ihm bleiben" (2, 41); dieses Wort spricht nicht von einer äußerlich-politischen Spaltung, sondern von einer inneren Wesens-Zerrissenheit. Darauf weist auch Kapitel 2, 42 hin:

b)   "... zum Teil (einerseits) wird das Königreich stark sein, zum Teil (andererseits) wird es zerbrechlich sein".

In der bleibenden Härte des EISENS haben wir die brutale Härte des Römerreiches zu sehen; diese wurde durch die Zeiten hindurch in der Nationalstaatlichkeit Europas aufbewahrt und ersteht in endzeitlicher Härte wieder: Römische Verwaltung, Römisches Recht, Römische Militärdiktatur, Römische Religion, Römischer Welthandel werden den Prozeß der Verhärtung beschleunigen.

TON ist bröckelig und weich, aber auch biegsam, formbar, dehnbar und anpassungsfähig. Die Starrheit Roms wird durch diese Beifügung modellierbar. In dem Töpferton dürfen wir aber auch das weiche und verweichlichende Wesen des kapitalistischen Luxus und einer innerlich zerbröckelnden "hurerischen" Demokratie sehen, die nur ein Ziel kennt: die unbeschränkte "Freiheit der Selbstverwirklichung" des endzeitlichen Menschen, wie sie heute schon die "Reformpädagogik" fast der ganzen westlichen Welt auf ihre Fahnen geschrieben hat. Unbeschränkte Meinungsfreiheit, Pressefreiheit und sexuelle "Freiheit" sind Mittel zur Durchsetzung dieser Ziele. Der Schwangerschaftsabbruch mit jährlich 140 000 "legalen" Morden am ungeborenen Leben läuft unter der "freiheitlichen Devise": "Mein Bauch gehört mir."

Zwischen der Weichheit des TONES und der Härte des EISENS scheint ein unüberwindbarer Widerspruch zu bestehen; aber gerade die Ablehnung aller Autorität durch den demokratischen Ichmenschen fordert - gleichsam im Pendelschlag - die brutale Autorität des TIERES und des Mannes an der Spitze des Tiersystems heraus. Der weltweite Schrei nach ihm wird immer lauter.

Auch im Kaisertum Roms nach der Zeitenwende mischte sich immer mehr die Härte der Cäsarenherrschaft und ihres unerhörten Weltherrschaftsstrebens und expansiven Militarismus mit der Verweichlichung eines unermeßlichen Luxus und einer weltweiten moralischen Degeneration. Dies aber führte zum "Zerbröckeln" des Imperium Romanum unter dem Ansturm der Barbaren.

c)  Was aber will das rätselhafte Wort aus Dan. 2, 43 besagen? "Daß du das EISEN mit lehmigem TON vermischt gesehen hast - sie (wer?) werden sich vermischen durch (im Hebräischen: b' = "mit") Menschensamen; aber sie werden nicht aneinanderhaften, gleichwie Eisen mit Ton sich nicht (dauerhaft) vermischen läßt".

Wird in diesem Text wirklich auf eine kosmische Vermischung zwischen Götterwelt und Menschenwelt im Sinne von 1. Mos. 6 / Offb. 12 / 2. Petr. 2, 4 / Jud. 5-8 hingewiesen, wie es der Wortlaut der Elberfelder Übersetzung nahelegt? Die Schrift bezeugt diesen Tatbestand ja. Aber ist er hier angesprochen? Ich habe dies selbst lange Zeit so gesehen.

Dagegen aber sprechen die Verse 41-42, die ja doch ganz nüchterne, realpolitische Tatsachen umschreiben! Nach vielen anderen Übersetzungen (Tur-Sinai / Kautzsch-Weizsäcker / Schmoller / Menge) bezieht sich das "sie" auf die "Zehen". Trotz einer geplanten und teilweise auch durchgeführten Vermischung von Menschensamen (Menschenrassen) wird doch die Einheit nicht von Dauer sein. Modern gesprochen: Die Freizügigkeit in der Wahl des Wohnortes und des Arbeitsplatzes soll die Union im endzeitlichen Staatenbund auch wesensmäßig "kitten"; dennoch wird dies zu keiner bleibenden Überwindung der nationalen Interessen und Egoismen führen. Es entsteht zwar eine "Supranationalität", jedoch ohne dauernde Überwindung der Nationalinteressen. Auch die völkischen Eigenarten werden sich, trotz aller Vermischung, bewahren.

In den Zehen wird also ein kurzfristiges Unternehmen dargestellt: eine UNION von Staaten, die das Fundament für die Geschehnisse der letzten Jahrwoche und für das Auftreten des antichristlichen Weltherrschers bildet.

So sieht es auch Dan. 7, 8 und 23-27: Die 10 HÖRNER sind 10 KÖNIGE (Präsidenten, Diktatoren) des letzten Staatenbundes; zeitlich "nach ihnen" wird ein "andersartiger" (ein "kleines Horn") aus ihrer Mitte aufstehen und überraschend groß werden. Er unterscheidet sich deutlich von seinen Vorgängern und wird 3 Könige des Staatenbundes erniedrigen. Er ist der eigentliche Mann des Endes, der Weltherrscher, der sich an die Spitze des Staatenbundes setzt, "Vermessenes redet" und sich zum Messias und zum Gott ausrufen läßt. Ob der "Antichrist" (das "Tier aus dem Lande") mit ihm identisch ist, oder nur des "Tieres" Prophet und Propagandaminister (wie ein Goebbels im Hitlerreich), sei hier nicht untersucht; es spricht jedoch vieles dafür.

Das "kleine HORN" wird in der Offenbarung des Johannes überhaupt nicht unter diesem Namen erwähnt; dort wird der Name DAS TIER einfach vom endzeitlichen STAATENSYSTEM auf dessen Repräsentanten, also auf den MANN, übertragen und im Wechsel der Bedeutung verwendet. Dazu führte Thaidigsmann ("Zeitenwende") aus:

"Man kann sagen: Die REICHE und ihre HERRSCHER sind Wechselbegriffe, d. h. Begriffe, die gegeneinander ausgetauscht werden können. Denn das Reich wird repräsentiert durch seinen König (Führer, Kanzler, Staatspräsidenten) und umgekehrt. In dieser Hinsicht hat Alexander der Große das griechische Reich repräsentiert, Nebukadnezar das babylonische und später die römischen Cäsaren die römische Vorherrschaft."

Vl. Der zeitliche und heilsgeschichtliche Standort des Apostels Johannes

1. Das Stellenmaterial der Offenbarung Johannis

Während Daniel in Kapitel 7 die Weltreiche noch in der zukünftigen Abfolge sieht, also: Löwe (Babylonien), Bär (Medopersien), Panther (Griechenland) und (endzeitliches) TIER (Bestie), schaut Johannes diese Reiche in ihrer geschichtlichen Vergangenheit; er schildert die Wesenszüge - von seinem geschichtlichen Standort aus - rückwärtsgewandt: ein TIER mit den Charaktermerkmalen der Pantherin, des Bären, des Löwen. Der "Film läuft rückwärts".

"Und ich sah aus dem (Völker)-Meer ein TIER aufsteigen, welches 10 HÖRNER und 7 KÖPFE hatte. Auf seinen Hörnern trug es 10 Diademe, und auf seinen Köpfen Namen der Lästerung. - Und das TIER, das ich erblickte, war einer PANTHERIN gleich, und seine Füße waren wie die eines BÄREN und sein Maul wie ein LÖWENmaul. Und der Drache (Satan) gab ihm Macht und seinen eigenen Thron und große Autorität. - Und einer von seinen (7) KÖPFEN war gleichsam wie zum Tode geschlachtet, wurde aber von seinem Todesstreich (tödliche Plage) geheilt. Und die ganze Erde staunte hinter dem TIERE her" (Offb. 13,1-3).

In Kapitel 13, 12.14 wird uns sodann berichtet, wie das TIER AUS DEM LANDE (in dem wir mit vielen den eigentlichen Antichristen sehen) dafür sorgt, daß alle Erdenbewohner "das erste TIER anbeten, dessen tödlicher Schwertstreich geheilt wurde", und daß es sie auffordert "ein Bild dem TIERE anzufertigen, das die Schwertwunde erhielt und wieder auflebte".

In Kapitel 17, 3 lesen wir: "Und ich sah ein WEIB auf einem scharlachroten TIER sitzen, das 7 KÖPFE und 10 HÖRNER hatte."

In Kapitel 17, 8 deutet der gottgesandte Engel das "Geheimnis des WEIBES und des TIERES" folgendermaßen: "Das TIER, welches du sahest, WAR und IST NICHT und WIRD aus dem Abgrund (dem Abyssos als dem Ort der Dämonen und nicht der Toten) heraufsteigen und wieder zum Untergang gehen. Und die Erdenbewohner ... werden staunen, wenn sie DAS TIER sehen (als ein solches), das war und nicht ist und wieder sein wird."

Kapitel 17, 9-11 aber fügt scheinbar verwirrende Einzelheiten hinzu:

"Hier ist ein Denken, verbunden mit Weisheit, erforderlich: Die 7 KÖPFE sind 7 BERGE, auf denen das Weib sitzt, und sind (zugleich) 7 KÖNIGE (bzw. Königreiche, die von ihnen repräsentiert werden). Fünf sind bereits gefallen, der eine ist (zur Zeit) noch, der andere (der Siebente!) ist noch nicht gekommen; wenn er aber kommt, muß er eine kurze Zeit bleiben. Und das TIER, welches war und nicht ist, er ist (was sein zukünftiges Wiedererstehen anbetrifft) auch ein achter (König); er ist aber (wesensmäßig) aus den Sieben und geht ins Verderben."

Das kommende Tier - System oder Mann - muß nicht notwendigerweise einer von den Sieben (Vorgängern) sein, wohl aber ist er "aus" ihnen (ek), d. h. wesensmäßig von ihrer Art. Wer nachprüfen möchte, wie oft das Wörtlein "ek" nicht nur biologische, sondern auch geistig­geistliche Verwandtschaft und Art anzeigt, möge dies anhand von Matth. 1, 5.20 / 21, 25 / Joh. 3, 31 / 4, 22 / 6, 65 / 12, 49 / 8, 23.42.44 / 18, 37 / 1. Kor. 1, 30 / 15, 45 / 2. Kor. 13, 4 / Eph. 2, 8 / 3, 15 / Hebr. 2, 11 / 1. Joh. 2, 16.19.21 / 3, 8.19 u. a. nachprüfen. -

2. Die ursprüngliche Naherwartung des Reiches Christi durch die Apostel

Thaidigsmann erwähnt in seinem Buche "Zeitenwende" vier Auslegungsweisen der Offenbarung:

  1. Die reichsgeschichtliche Deutung; diese sieht in der Offenbarung des Johannes den großen Kampf zwischen Gottesreich und Weltreich, zwischen den Mächten des Lichtes und der Macht der Finsternis bis zu seinem siegreichen Ausgang.

  2. Die zeitgeschichtliche Deutung sucht das Buch "durch die Brille" seiner ersten Leser, also aus den historischen Verhältnissen der Urgemeinde heraus zu verstehen; allerdings sieht auch sie als Zielpunkt das kommende Gottesreich.

  3. Die kirchengeschichtliche Auffassung will die Ereignisse der letzten beiden Jahrtausende Stück für Stück in den Johannes-Weissagungen wiederfinden. Sie betrachtet auch die 7 Sendschreiben (wohl nicht zu Unrecht) als eine Vorausdarstellung kirchengeschichtlicher Zeiträume.

  4. Die endgeschichtliche (eschatologische) Auffassung meint, daß der Blick des Sehers Johannes wenigstens vom 6. Kapitel an auf das Ende des gegenwärtigen Äons gerichtet sei, auf die Ereignisse der letzten Daniel'schen Jahrwoche, die mit ihren 7 Jahren unmittelbar dem Kommen Christi vorausgeht.

Es ist bekannt, daß wir im allgemeinen der endgeschichtlichen Auslegung zuneigen (wie sie von Bullinger ausgehend, zuletzt August Fuhr, Karl Merz und auch Heinz Schumacher in "Durch Gottesgerichte zum Gottesreich" vertraten); doch ist es keineswegs ohne Wert für die Auslegung, auch die zeitgeschichtlichen Umstände zu beachten, sonderlich den historischen und heilsgeschichtlichen Standort des Verfassers. Dies kann uns einer Lösung durchaus näher führen. Es ist ja ohnehin so, daß sich die Prophezeiungen oft mehrfach, in immer präziseren Verwirklichungen erfüllen.

Eine Verwurzelung in der Zeitgeschichte sahen wir auch bei Daniel. Er erhielt seine Visionen einer zukünftigen Zeit, nachdem ihn die zeitgeschichtliche Gefangenschaft Israels in Babel bewegt hatte; von seinem historischen Standpunkt aus schaute er nicht die bereits vergangenen Weltreiche ÄGYPTEN und ASSYRIEN, sondern als erstes das babylonische Weltreich Nebukadnezars, in dem er selbst lebte. Doch erschöpfte sich seine Schau nicht in den zeitgeschichtlichen Tagesereignissen seiner Umwelt, sondern er schaute bis ans Ende der Zeiten, bis zum Kommen des messianischen Reiches. -

Nun gab es wirklich unter den Aposteln Jesu Christi eine Naherwartung des Reiches Christi und Seiner Wiederkunft. Diese teilten sie mit dem Volke Israel. So lesen wir in Joh. 6, 15, daß die Volksmenge den Herrn nach der Speisung der 5000 zum König Israels proklamieren wollte. Luk. 24, 21 läßt uns hineinschauen in die Hoffnung der Frommen Israels und auch der Jünger, Jesus werde als der Messias in ihrer Zeit Israel erlösen (was Seine Machtergreifung in Herrlichkeit voraussetzt). Und nach Luk. 19, 11 schlossen die Jünger aus der Tatsache, daß Jesus nach Jerusalem wanderte, "das Königreich Gottes werde sofort sichtbar in Erscheinung treten". Seine leiblichen Brüder erwarteten und forderten nach Joh. 7, 3-4 die sichtbare Messiasproklamation Jesu auf dem bevorstehenden Laubhüttenfest. Diese hochgespannten Hoffnungen entsprangen nicht nur einer nationalen Illusion, sondern wurden genährt durch die Propheten Israels, wenn auch übersehen wurde, daß zunächst die Frage der Versöhnung geregelt werden mußte.

Auch nach der Auferstehung Christi von den Toten blieb die Frage offen (die der Herr im übrigen keinesfalls zurückwies): "Herr, stellst Du zu dieser Zeit dem Israel die Königsherrschaft (Gottes) wieder her?" (Apg. 1, 6).

Wenn auch nach Jesu Antwort die Zeiten und Heilstermine in der alleinigen Verfügungsgewalt des Vaters stehen, so bestand doch nach Pfingsten - im Falle der Generalbuße Israels - tatsächlich die Möglichkeit der Errichtung des Messiasreiches in Macht und Herrlichkeit. Der Einschub der Haushaltung, der Erstlingsgemeinde war noch Geheimnis Gottes.

3. Erfüllte Zeit: Aufgebaute Kulissen der Endzeitszenerie

Wie in Apg. 2, 17-20 berichtet wird, sah Petrus in der Ausgießung des Heiligen Geistes den Auftakt der Endzeit; die von ihm zitierte Joel-Weissagung hätte er, bei rechter Schriftteilung, nach V. 18 (= Joel 2, 29) abbrechen müssen (man beachte das Verfahren Jesu in Nazareth: Luk. 4, 18-20). Doch läßt er Joel weiterhin zu Wort kommen, wenn er von den endzeitlichen Wunderzeichen im Kosmos und auf Erden, von Blut, Feuer und Rauchsäulen, von der Verfinsterung der Sonne und dem Erröten des Mondes "unmittelbar vor dem Tag des HERRN" spricht (Apg. 2, 19-21 / Joel 2, 30-32). Er rechnet mit dem Vollzug dieser Ereignisse, nicht aus einem Irrtum heraus, sondern deshalb, weil damals "die Zeiten der Erquickung", die Wiederkunft des Messias und die Neuordnung aller Dinge noch offenstanden (Apg. 3, 19-21). Die zunehmende Verstockung Israels vereitelte diesen Gang der Ereignisse. Auch Hebr. 1, 1 spricht davon, daß Gott "in dieser Endzeit" zu Israel "in einem, der Sohn ist" geredet habe.

So waren im Grunde die "endzeitlichen Kulissen" allesamt aufgebaut, das göttliche "Schauspiel" der messianischen Machtergreifung konnte beginnen.

Nun konnte doch die Endzeit, d. h. die 70. Jahrwoche von Dan. 9, unmittelbar nach dem "Ausgerottetwerden des Messias" abrollen, wie es der heilige Text jedem Schriftforscher nahelegte, der noch nichts von dem geheimnisvollen "Einschub" der Erstlingsgemeinde aus den Völkern wußte.

Selbst in der geschichtlichen Abfolge der römischen Kaiser (Cäsaren) wurde das zeitgeschichtlich vorgebildet, was Johannes in Offb. 17, 9-11 so rätselhaft bezeugt; auf der Grundlage einer zeitgeschichtlichen Erfüllung wächst die Schau endgeschichtlicher Ereignisse.

Die dort erwähnten 7 HÄUPTER des Tieres sind KÖNIGE, Kaiser (bei Alexander dem Großen sogar Generäle), und als solche Verwalter der Römischen Reichsidee. Während der Apostel Johannes auf Patmos in der Verbannung weilte, herrschte in Rom KAISER DOMITIAN (81-96). Er ist der 6. Kaiser nach Pfingsten, was insofern von Bedeutung für die Zählung ist, als ja die Apostel von Pfingsten an mit der Verwirklichung der Endgeschichte und der 70. Jahrwoche rechneten. Vom zeitgeschichtlichen Standort des Johannes aus ergibt sich in aller Klarheit: "5 von ihnen (den Häupter-Königen) sind gefallen"; und zwar waren dies:

  1. GAJUS CALIGULA (37-41 n. Chr.)

  2. CLAUDIUS (41-54);

  3. NERO (54-68);

  4. VESPASIAN (69-79);

  5. TITUS (79-81);
    "Einer ist noch" - (zur Zeit des Sehers auf Patmos):

  6. DOMITIAN (81-96);
    "Der andere ist noch nicht, und wenn er kommt, muß er eine kurze Zeit bleiben":

  7. NERVA (96-98 - ganze zwei Jahre!).
    Unter dem Bild des TIERES aber sieht Johannes jenen "Achten" (dies ist nicht etwa ein 8. Haupt), der "wesensmäßig aus den Sieben ist":

  8. TRAJAN (98-117) - und mit ihm die größte Ausdehnung des Römischen Reiches und dessen glanzvoller Höhepunkt.

Wie gesagt: Zeitgeschichtliche Vorschattung! In diesem historischen Rahmen, den Gott als "Kulisse" selbst gebaut hatte, hätte sich die Endzeit ereignen können, wenn sich Israel zu Pfingsten im Sinne Gottes entschieden und Jesus als den Messias angenommen hätte.

Noch aber ist Offb. 17, 9-11 - bei aller zeitgeschichtlichen Vorschattung - nicht erfüllt. In den gleichen Formulierungen wird hier Wesentliches über das Tier der Endzeit gesagt.

4. Der Aufschub des Reiches - offene Frage für den Seher auf Patmos

Auch für den Apostel Johannes "stand alles bereit". Die "Zeichen der Zeit" wiesen hin auf die baldige Wiederkunft Christi und die Errichtung Seines Reiches; allerdings stimmten manche Aussprüche des Herrn über den "Verzug" des Bräutigams und über "Zeiten und Zeitpunkte" doch nicht ganz damit überein. Doch nun vollzogen sich Ereignisse, welche die Naherwartung Christi - spätestens zu diesem Zeitpunkt - umstürzten:

Für ihn mußte sich nun die Frage erheben: Wie steht es mit der Verwirklichung der Prophetenworte für die Endzeit? Hatte etwa Daniel sich "geirrt", wenn er in Dan. 9 nach dem "Ausgerottetwerden des Messias" eine letzte, 70. Jahrwoche ankündigte? Zwar hatte sich erfüllt, daß das VOLK des kommenden Endzeitfürsten die Stadt Jerusalem und das Heiligtum zerstörte (V. 26), aber wo blieb dieser antigöttliche FÜRST selbst? Wo blieb sein Siebenjahresbund mit dem Volke Israel samt dem Greuel der Verwüstung und seine schließliche Vernichtung durch den Messias (V. 27)?

Wie stand es nun um die prophetische Verheißung der Wiedergeburt Israels und der Erneuerung seiner weltweiten Missionsaufgabe? "Wir warten Dein, o Gottessohn" - aber wie lange noch? "Wo ist denn nun die Verheißung Seiner Wiederkunft?" (2. Petr. 3, 4). Wann endlich wird "die Übertretung zum Abschluß gebracht", wann wird "den Sünden ein Ende gemacht", wann wird "alle Ungerechtigkeit gesühnt", eine "ewige Gerechtigkeit eingeführt"? Wann werden die "Gesichte der Propheten besiegelt", d. h. endgültig erfüllt? Wann wird "ein Allerheiligstes gesalbt und geweiht" (Dan. 9, 24)?

Zwar wurde durch Kreuz und Auferstehung des Messias Jesus das Fundament gelegt. Doch standen die Heilsverwirklichungen in der Weltgeschichte noch aus! So oder ähnlich mag Johannes nach der Lösung des heiligen Rätsels gefragt haben. Wir müssen immer bedenken, daß auch den Aposteln die Lösungen solcher Fragen erst zugewachsen sind, wenn auch geistgewirkt und abgesichert vor menschlichem Irrtum; denken wir nur an das Werden der paulinischen Botschaft, wie wir es in seinen Briefen erkennen können!

Hier aber setzt bei Johannes die gottgeschenkte Offenbarung ein.

VII. Die prophetische Schau des Johannes löst das endgeschichtliche Rätsel

Er schaut die Einschubzeit der Gemeinde, die ja allen heiligen Aposteln und Propheten des Leibes Christi enthüllt wurde (Eph. 3, 5). Er gewinnt Klarheit über den Aufschub des prophetischen Wortes vom "Tag JAHWEHS" bis in eine ferne Zeit. Dann aber läuft die 70. JAHRWOCHE ab, die er wiederholt und präzise ankündigt, - wenn auch in ferner Zeit für ihn "am Horizont der Weltgeschichte" (Offb. 11, 2-3 / 12, 6 / 12, 14 /13, 5).

Es gilt als völlig gesichert, daß, der Apostel Johannes den Propheten Daniel, also auch seine Weissagungen über das Standbild der Weltreiche und über das 4. TIER, kannte und darauf gründete. Folgerichtig mußte sich nun auch das 4. TIER (das RÖMISCHE IMPERIUM, das ja bis zum machtvollen Kommen des Messias währt) bis zum Ende der Tage "verschieben"; das gleiche galt dann auch für die 10 ZEHEN des Daniel'schen Standbildes und hinsichtlich der 10 HÖRNER des Tieres.

Auch Johannes "forschte" als Prophet der Gemeinde, wie die Propheten zuvor, "auf welchen Zeitpunkt" der in ihm wirkende Geist Christi hindeutete; nun wurde ihm der Schlüssel zur Lösung des heiligen Rätsels gegeben:

  1. Das TIER war, doch es empfängt "so etwas wie eine Todeswunde".

  2. Es ist (geraume Zeit) nicht.

  3. Es wird (nach dem Ausheilen der Todeswunde) wiederkommen.

So schaut der Apostel Johannes vom Schauturm des prophetischen Wortes

  1. die Vergangenheit des RÖMISCHEN WELTREICHES in seinen Cäsaren;

  2. den Untergang dieses Imperiums um 476 und um 1453 n. Chr. und seine Nichtexistenz trotz kümmerlicher Versuche der Nachfolgestaaten, die "Römische Ideologie" fortzusetzen; doch dienten diese nur dazu, das Wesen des Römerreiches durch die Zeiten aufzubewahren;

  3. Er schaut aber auch das Wiedererstehen des Römischen Imperiums im endzeitlichen Staatenbund; dieser wird zunächst von 10 Staatspräsidenten oder Ministerpräsidenten geführt (Offb. 17, 12-13: Wie Könige), dann aber in einer unerhörten Machtzusammenballung von dem "kleinen Horn", dem CÄSAR und politischen Antichristen der Endzeit. Wenn dies aber erst geschieht, wird es "keinen Zeitaufschub mehr geben" (Offb. 10, 6-7).

Mit dem Wiedererstehen des TIERES ist ein Wiederaufleben aller Vorbedingungen zum Ablauf der letzten Jahrwoche verbunden, wie sie modellhaft schon einmal zur Zeitenwende bestanden; nun aber realisiert sich alles in der höchsten Präzision der eigentlichen Erfüllung:

Erich Sauer wies darauf hin (in "Morgenrot der Welterlösung"), dass wie in der Umwelt des Urchristentums wieder 6 Wesenszüge herrschen werden:

1. Welt-Zentralisation;

4. Welt-Friede;

2. Welt-Kultureinheit;

5. Welt-Entsittlichung;

3. Welthandel und -Verkehr;

6. Welt-Religionsmischung.

Auch die SIEBENHÜGELSTADT ROM, welche die Rabbiner mit dem Decknamen BABYLON bezeichneten, nimmt teil an dem dreifachen Geschick des TIERES; ist sie doch - wie Reiterin und Pferd - eng mit diesem verbunden (Offb. 17, 3), wie das SYSTEM einer Ideologie mit der STADT der Bewegung und dem einen Mann und Führer. "Ein Volk, ein Reich, ein Führer" wird dann auf "europäisch" ausgeweitet.

VIII. Das TIER - sein "Tod" und seine Wiederherstellung

Ich habe in dieser Arbeit die vergangene Existenz des Tieres, sein gegenwärtiges Nicht-Sein und sein zukünftiges Wiedererstehen auf das Tier als System, also auf die Erneuerung des Römischen Reiches bezogen, an dessen Spitze sich hernach der antichristliche Cäsar setzen wird.

Doch gibt es Ausleger, die auch die Schriftzeugnisse über die Todeswunde des Tieres (Offb. 13, 3.12 / 17, 8) auf die Person des endzeitlichen Weltherrschers beziehen. Tatsächlich bereiten die Texte hier Schwierigkeiten, da sich die Aussagen der Offenbarung über das TIER überlagern und einmal mehr das TIER‑REICH und ein anderes Mal mehr dessen tierhaften FÜHRER im Auge haben, - oder aber auch beide zugleich. Beiden eignet das Tierwesen, dem Mann und dem System, das er beherrscht. Ähnlich verhält es sich ja auch in Dan. 7, 17 und 23, wo einmal die TIERE als KÖNIGE, zum anderen als KÖNIGREICHE geschaut werden. Dies ist kein Widerspruch.

Wenn man jedoch das wiedererstandene Tier als Person ansieht, dann muß man folgerichtig eine durch Satan bewirkte Auferstehung behaupten, die einem gewaltsamen Tod (Attentat) des Antichristen folge. Könnte dies nicht geradezu eine Nachäffung der Auferstehung Christi sein? Das leuchtet zunächst ein; doch sollte man folgende Tatbestände bedenken:

  1. Die "plägä täs machairas" ist eine in kriegerischer Auseinandersetzung erhaltene "Schwertwunde" und steht oftmals bildhaft für eine "Niederlage".

  2. Nirgendwo steht, daß das TIER "getötet" wird, wie es klar von den beiden endzeitlichen Zeugen berichtet wird (Offb. 11, 7b); eine "Todeswunde" (oder einen Schwerthieb) empfingt auch nicht das TIER selbst, auch nicht eines seiner HÖRNER (also ein Regent), sondern einer seiner KÖPFE, was späterhin noch untersucht werden soll.

  3. Zwar heißt es nach einigen griechischen Handschriften in Offb. 13, 14 "ein Bild dem TIER zu machen, der die Schwertwunde hat und lebendig geworden ist", was auf eine Person hinzuweisen scheint; doch wird das Tier in Offb. 13, 1.2.11.12 / 17, 3.8.11 als sächlich behandelt, so daß wir diesem "handschriftlichen Irrläufer" nicht allzugroßen Wert beimessen sollten.

  4. Im übrigen sei der genaue Wortlaut von Kapitel 13, 3 bedacht: "Ich, sah einen seiner KÖPFE gleichsam wie (hoos) zum Tode geschlachtet"; dies aber ist die Redeform des bildlichen Vergleiches, also Bildersprache und Gleichnis. Eine solche Sprachweise ist aber einem historischen Untergang (nach kriegerischen Auseinandersetzungen) und einem Wiedererstehen des Tierreiches angemessener als einem tödlich verlaufenen Attentat auf eine Person (vgl. noch einmal Offb. 11, 7b). Man prüfe die anderen Stellen in der Offenbarung, wo dieses "hoos" als "gleichsam wie, verglichen mit" gebraucht wird; überall ist es bildliche Rede, die nicht buchstäblich verstanden werden darf (Kapitel 1, 10.14.15.16.17 / 2, 24.27 / 3, 3.21 / 4, 1.7 / 5, 6 / 6, 1.11.12.13.14 / 8, 8.10 / 9, 2.3.5.7-9.17 / 10, 1.7.9.10 / 12, 15 / 13, 2.3.11 / 14, 2-3 / 15, 2 / 16, 3.15 / 17, 12 / 18, 6 / 19, 6.12 / 20, 8 / 21, 2.21 / 22, 1). Wir halten also fest: Mit dem Ausdruck "Todesstreich" wird Bild und Gleichnis eines tödlichen Niederganges gezeichnet, weshalb auch das folgende "Wiedererstehen" bildhaft im Sinne einer Erneuerung verstanden werden muß.

  5. Zwar berichtet die Heilige Schrift von Wunder-Nachäffungen durch heidnische Magier (2. Mos. 7, 11-12); doch spricht sie nirgendwo von einer magischen Totenauferweckung durch dämonischen Geist. Nur der Sohn Gottes selbst und neben Ihm Propheten und Apostel vollbrachten Totenauferweckungen. Gewiß, der Sohn des Verderbens wird in satanischer Energie gewaltige Zeichen und Wunder vollbringen (2. Thess. 2, 9), und das "Tier aus dem Lande" wird sogar (als unüberbietbare Spitze seiner Wundermacht) "Feuer vom Himmel fallen lassen" (13, 13), - aber von einer Auferweckung aus den Toten durch den Antichristen ist nichts bezeugt.

  6. Könnte nicht aber der Satan diese an "seinem Sohn" bewirken? Zwar besaß Satan bis zu Christi Auferstehung (!) die Rechtsbefugnis des Todes, doch keineswegs Vollmacht über das Leben. Da er aber kein "Leben in sich selbst" hat, kann er auch nicht aus dem Tode erwecken. Die "Schlüssel des Hades" besitzt Christus, unser Herr, und sonst keiner! Allein der Vater ist der "Wiederbringer aus Toten" (Hebr. 13,20).

  7. Dann ist zu beachten, daß das TIER nicht aus dem HADES (dem Orte der ver­storbenen Menschen, hebr. Scheol) wiederkehrt, sondern aus dem ABYSSOS, dem Gefängnisort der Geister, der Dämonen und schließlich Satans (Luk. 8, 31 / Röm. 10, 7 / Offb. 9, 1.2 / 9, 11 / 11, 7 / 20, 1.3). Johannes sieht das Römische Kaiserreich, das Weltsystem des Tieres, am Ende der Tage "aus der großen Tiefe" wiederaufsteigen, - endzeitlich ausgereift, aufgeladen mit dämonischen Kräften, überaus grausam und gottwidrig, ein Erzeugnis der Hölle und ihrer Mächte.

Die Scofield-Bibel merkt zu Offb. 13, 3 an: "Teile des alten römischen Reiches haben als einzelne Königreiche immer fortbestanden. Die Regierungsform eines Weltreiches hatte aufgehört; das eine Haupt wurde ‚tödlich wund’. Was in Vers 3 in prophetischer Weise geschrieben steht, ist die Wiederherstellung der Form des Weltreiches, wenn auch als ein vereinigtes Reich von 10 Königreichen. Das HAUPT ist ‚geheilt', d. h wiederhergestellt: es ist wieder ein KAISER da - das TIER!"

Und Heinrich Langenberg (dem wir keineswegs in seiner Auslegung der Offenbarung immer folgen können) führte aus:

"Das TIER ist hier wie in Dan. 7 ein genereller Begriff und bezeichnet ein SYSTEM, das wahrscheinlich auch eine persönliche Spitze haben wird. Aber der Nachdruck ist nicht auf die Persönlichkeit zu legen, sondern auf das System ... Der Ausdruck TIER stellt das Wesen des letzten Weltreiches als ein geistloses, von Instinkten beherrschtes System dar, das von einem dämonischen Geist gelenkt wird ... Das Bild des Tieres symbolisiert ein Kollektivsystem, in welchem der Einzelne nur noch wie ein Teil einer großen Maschine existiert und funktioniert, die von einem fremden Geist dirigiert wird" - vom Geist aus dem ABGRUND, vom Geiste des Drachen.

IX. 7 HÄUPTER - 10 HÖRNER: Versuch einer Deutung

Zuvor noch einmal die Textgrundlage aus dem Propheten Daniel: "Diese 4 großen TIERE sind 4 KÖNIGE ..." (Dan. 7, 17); zugleich aber sind sie Königreiche, die sie repräsentieren: "Das 4. TIER: ein 4. KÖNIGREICH wird auf Erden sein ..." (Dan. 7, 23). Und die 10 Hörner dieses Tieres?

"Aus jenem (vierten) Königreich werden 10 KÖNIGE aufstehen, und ein anderer (andersartiger) wird später als sie aufstehen; dieser wird sich von den vorigen unterscheiden und wird 3 Könige erniedrigen ... bis zum Ende" (Dan. 7, 23-27).

Der "andere" König aber ist das antichristliche "kleine Horn", das inmitten der 10 HÖRNER entsteht und drei von ihnen ausreißt (Dan. 7,8).

Dazu führt Offb. 17, 12-13 aus: "Die 10 HÖRNER ... sind 10 KÖNIGE, die noch kein KÖNIGREICH empfangen haben, jedoch Autorität wie Könige besitzen - eine Stunde mit dem TIER."

Die Union dieser 10 Staatenführer in einem Staatenbund aber wird so geschaut: "Diese haben ein Denken und geben ihre Macht und Rechtsbefugnis an das TIER ab; sie (d. h. die 10 Regierungsoberhäupter des endzeitlichen Staatenbundes) werden mit dem LAMME Krieg führen. "

Nach der Schrift sind wir dazu berechtigt, einen "Gottestag" mit 1000 Jahren anzusetzen; dann dürfte die erwähnte "eine Stunde" des Zehnerdirektoriums und ihres Staatenbundes etwa eine Generation betragen. Sie ist also offensichtlich nicht auf die letzte Jahrwoche beschränkt, was damit übereinstimmt, daß der ZEHNERBUND zeitlich vor dem TIER, also dem politischen Weltherrscher der Endzeit, entsteht. Nur darum können sie ja dann auch ihre Herrschaft an ihn abtreten, nachdem er drei von ihnen entmachtet hat.

Was aber ist unter den 7 KÖPFEN oder HÄUPTERN des Tieres zu verstehen, die Johannes dem Daniel'schen Bilde hinzufügt, um das Tierbild zu vervollständigen? Daniel hatte an dem vierten Tier nur ein Haupt geschaut. Ist es wirklich so, wie manche Ausleger meinen, daß es in der Endzeit neben 10 politischen Herrschern (den HÖRNERN) gleichzeitig 7 Könige (die HÄUPTER) geben wird? Wozu aber dann das Nacheinander in der historischen Werdegeschichte der Sieben, die uns in Offb. 17, 9-11 gegeben wird? Wir hatten hiervon ja schon eine zeitgeschichtliche Deutung gegeben, die den Text natürlich nicht erschöpft.

Wenn in Offb. 17, 9 gesagt wird, die 7 HÄUPTER seien 7 BERGE und zugleich 7 KÖNIGE, dann werden hiermit wieder KÖNIGREICHE (Berge, s. Dan. 2, 35) und deren Führungspersönlichkeiten (KÖNIGE) zusammengeschaut (s. auch Dan. 2, 38).

Thaidigsmann bemerkte hierzu richtig:

"Was sich nun nahelegt, das ist die Frage, ob nicht das gleiche, was Daniel unter den 4 TIEREN verstand, in der Weissagung des Johannes mit den KÖPFEN oder HÄUPTERN des einen Tieres ausgedrückt ist. Die 4 TIERE Daniels sind ja wie die KÖPFE des Tieres bei Johannes im Grund genommen nur Ausprägungen des Tierwesens überhaupt."

Dazu paßt die Beobachtung Erich Sauers, daß die SUMME der Häupter aller Tiere in Dan. 7 eben sieben ergibt (Löwe und Bär je eines; Panther: 4; das vierte Tier ebenfalls 1 Haupt - mit 10 Hörnern).

Uns erscheint nur eine Möglichkeit einer Deutung, im Sinne einer Gesamtschau der Prophetie des Alten und Neuen Bundes:

Daniel schaut vier Tiere; diese stellen die zeitliche und historische Abfolge der Weltreiche und ihrer HÄUPTER dar; diese Oberhäupter hatten geschichtliche Größe und gestalteten maßgeblich den Charakter der jeweiligen Reiche.

Für den Seher Johannes verschmelzen nun die 4 TIERE des Daniel zu einem TIER, welches das Tierwesen aller bisherigen Reiche aufnimmt und vereinigt; es stellt also deren Wesens-Summe dar. Darum stattet er es mit den Wesenszügen des LÖWEN (Maul), des BÄREN (Tatzen) und des PANTHERS (Leib) aus. Dadurch entsteht aber - jenseits aller Zoologie - ein Untier, d