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| Autor: | Wolfgang Jugel |
| Thema: | "Und sie gaben ihre Regierungsmacht dem Tier" |
Der
endzeitliche Zehnstaatenbund nach Texten aus Daniel und der Offenbarung
In
meinem Buche "Urzeit und Endzeit", aber auch in einigen Artikeln habe
ich mich über den Zehnstaatenbund in der Endzeit geäußert; da dies ohne nähere
biblische Begründung geschah, wurde ich oftmals danach befragt, aber auch hier
und da geringschätzig abgetan. Darum soll hier eine ausführliche Darstellung
meiner Schau niedergelegt werden, der allerdings sorgfältige Studien
zugrundeliegen. Ich versuche darin, eine Zusammenschau biblischer Texte,
sonderlich aus dem Propheten Daniel und der Johannes-Apokalypse, zu geben. Woher
mag der gedankliche Widerstand gegen die Schau eines endzeitlichen Staatenbundes
im europäischen Raum rühren?
Zum
einen hat man die Aussagen des Apostels Johannes über das TIER zu sehr von
seiner alttestamentlichen Grundlage, dem Propheten Daniel, losgelöst und
verselbständigt. Dann hat man - bei allen starken Gründen für eine
futurologische (zukunftsgerichtete) Auslegung der "Offenbarung" - oft
zu wenig den zeitgeschichtlichen Standort des heiligen Sehers beachtet. Auch die
Festlegung auf mögliche nahe Termine des Endzeitgeschehens ließ kaum noch Raum
zur endzeitlichen Ausformung des Zehnstaatenbundes auf dem Boden des Römischen
Weltreiches. Sodann hat man immer wieder den heutigen Ost-West-Konflikt überbewertet
und zu wenig beachtet, daß alle Endzeitpropheten von einem Nord-Süd-Konflikt
sprechen, zu dem erst jetzt die Weichen gestellt werden. Anstatt der biblischen
Darstellung der Weltreiche zu folgen, hat man, zeitgeschichtlich befangen,
moderne Nationen oder gar die UNO eingesetzt. Das gebannte Schauen auf die
Tagesereignisse brachte auch eine Überberwertung der Rolle der wiedererwachten
islamischen Staaten (bis hin zu einer angenommenen islamischen Welteroberung)
mit sich, die so im Worte der Propheten für die Endzeit nicht geschaut wird, es
sei denn in den saftig werdenden "Bäumen", die den Saft gewinnenden
"Feigenbaum" Juda umstehen. -
Als der Herr
Jesus Seine Gleichnisse zu Ende gesprochen hatte, fragte Er Seine Jünger:
"Habt ihr dieses alles verstanden?" Ihre vorschnelle Antwort "Ja,
Herr!" zeugt davon, daß sie von dem unerschöpflichen Reichtum des
siebenfach geläuterten Gotteswortes noch wenig ahnten. Darum antwortete ihnen
der Herr: "Darum ist jeder Bibelgelehrte ... gleich einem Hausherrn, der
aus seinem Schatze NEUES und ALTES hervorbringt" (Matth. 13, 51-52).
In
diesem Bemühen ist auch vorliegende Studie entstanden: Sie fühlt sich
einerseits den soliden Auslegungen älterer Bibellehrer verpflichtet (etwa: Dr.
Schaedel, Prof. Ströter, Georg Thaidigsmann, Erich Sauer u. a.), möchte aber
zugleich das, was die Erfüllung des prophetischen Wortes in unserer Zeit
bringt, mit wachen Sinnen festhalten. So möchte ich mich weder starr auf frühere
Erkenntnisse festlegen, noch auf die ständig wechselnden Zeitereignisse und die
kurzfristige Tagespolitik; dabei gilt es, grundsätzliche Weichenstellungen
heilsgeschichtlicher Art in unserer Zeit und Weit zu beachten.
Es ist ja
vielfach Mode geworden, alte bewährte Schriftdeutung durch eine unbegründete
Berufung auf Dan. 12, 4 einfach hinwegzuwischen, wozu die "Athener",
die nichts lieber tun, als "etwas Neues zu sagen oder zu hören",
nicht wenig Antrieb bieten. Schlecht aber sind Auslegungen nicht schon deshalb,
weil sie von bereits verstorbenen Brüdern stammen; und gut sind sie nicht
allein darum, weil sie sich über Bewährtes hinwegsetzen und Neues behaupten.
Sicherlich kann die größere zeitliche Nähe zu den Endzeitereignissen, in der
wir heute stehen, mehr Licht bringen; die Grundlinien können jedoch die
gleichen bleiben wie in der Generation zuvor.
Mir
sind andere Deutungen als die hier von mir vertretene durchaus bekannt; ich will
mich keineswegs in Widerspruch zu Brüdern setzen, sondern durch meinen Beitrag
zu einem neuen Bedenken einladen, wobei die endliche Erfüllung sicherlich uns
alle in manchen Punkten korrigieren wird. Doch werde ich mich bemühen, eine
Zusammenschau der besprochenen Schriftstellen zu bringen, die in Übereinstimmung
mit dem Schriftganzen stehen soll. Unser einziger Maßstab soll das prophetische
Wort der heiligen Schriften sein, wenn auch im "Umsturz der Zeiten"
zunächst manches ihren Aussagen entgegenzustehen scheint. Doch über Nacht kann
sich vieles ändern, was uns allein schon die dramatischen Ereignisse des
begonnenen Jahres (1980) zeigen mögen.
Zum Verständnis
meiner Ausführungen ist es notwendig, die Texte von Dan. 2, 32-35 / 37-45 /
Dan. 7,1-18 / 23-27 / Offb. 13 und 17 gründlich zu lesen und sie mit beigefügter
Planskizze immer wieder zu vergleichen.
In
Dan. 2 wird uns das Traumgesicht Nebukadnezars vom STANDBILD der Weltreiche
wiedergegeben, in Dan. 7 die Vision Daniels von den
"weltherrschaftlichen" TIEREN aus dem Völkermeer; im Vergleich mit
Offb. 13 und 17 sollen diese einer Deutung zugeführt werden. Dabei ist zu
bedenken, was Georg Thaidigsmann in seinem Buche "Zeitenwende"
hierzu ausführte:
"Die
Offenbarung des Johannes ist der Abschluß der ganzen biblischen Prophetie.
Darum muß sie auch im Rahmen der Gesamtprophetie verstanden werden. Das
bedeutet,
daß das Wort der alttestamentlichen Propheten nicht dabei außer acht gelassen
werden darf. Besonders stark sind die Beziehungen zum Danielbuch. Das geht
namentlich aus Offb. 13 und 17 hervor. Die Prophetie der Schrift beleuchtet
sich gegenseitig. Praktisch bedeutet das so viel, daß beispielsweise von Daniel
zu Johannes und dann wieder von Johannes zu Daniel hinübergeschaut werden muß."
Jedem
unvoreingenommenen Schriftforscher ist klar ersichtlich, daß Dan. 2
(Monarchienstandbild) und Dan. 7 (die Weltreich-Tiere) in der Abfolge
ihrer Aussagen parallel laufen und übereinstimmen; zum anderen müssen wir
als gesichert festhalten, daß Johannes sich mit seinen Aussagen über das TIER
eng an die Daniel'sche Vision vom 4. Tiere (Dan. 7) anschließt. Es ist unverständlich,
wie hierzu Ausleger behaupten konnten, das in Offb. 13 und 17 geschaute TIER
habe überhaupt nichts mit dem 4. Tiere Daniels zu tun. Freilich bestehen
zwischen Dan. 2 und Dan. 7 gewisse Unterschiede, und dies nicht nur in dem
verwendeten Bildmaterial (Körperteile hier, Raubtiere dort.)
a)
So schaut NEBUKADNEZAR in seinem Traum den äußeren Zeitablauf der
Weltreiche, mit vielen treffenden Einzelzügen, die Gott ihm offenbarte. Er
sieht die "Außenseite der Weltgeschichte ... das menschliche
Kolossalstandbild von außerordentlichem Glanze" (Sauer); es wird gezeigt,
aus welchem Material die menschlichen Weltreiche bestehen.
b)
Wozu aber offenbarte der lebendige Gott den gleichen Zeitverlauf und Sachverhalt
dem Propheten DANIEL ein zweites Mal, wenn auch in anderen Bildern? "Was
die Wiederholung des Traumes ... anbelangt, es bedeutet, daß die Sache von
Gottes Seite aus fest beschlossen ist, und daß Gott eilt, sie auszuführen"
(1. Mos. 41, 32); das gilt auch hier. Daniel als der Prophet schaut jedoch
tiefer als der babylonische König. Er schaut die "Innenseite der
Geschichte" (Sauer); ihm wird die Raubtiernatur der Weltreiche und das
Wesen der menschlichen Zeitgeschichte offenbart, wobei das Qualitative das
Quantitative (wie im Traume Nebukadnezars) überwiegt.
Wie oft
werden in der Heiligen Schrift Traumwiederholungen und prophetische Bildwechsel
verwandt, um den gleichen Tatbestand in anderem Gewande noch einmal deutlicher
aufleuchten zu lassen! Weil man dieses prophetische Gesetz nicht verstand,
deutete man vorschnell die Tiere Daniels von Wappen und volkstümlichen
Redensarten
unserer Zeit aus; der Bär wurde auf Russland gedeutet, der Löwe auf
Großbritannien,
der Panther auf die USA, das vierte Schreckenstier auf die Vereinten Nationen
(UNO) und dergleichen mehr. Dies entspricht jedoch nicht der inneren Harmonie
der heiligen Schriften, die sich gegenseitig beleuchten und ergänzen. In der
"Scofield-Bibel" wird dazu ausgeführt:
"Die
Monarchie-Vision Nebukadnezars (Kapitel 2) zeigt dieselbe Reihenfolge der
Ereignisse wie die Tier-Vision Daniels, aber mit folgendem Unterschied:
Nebukadnezar sah die eindrucksvolle äußere Macht und den Glanz der
"Zeiten der Nationen" (Luk. 21, 24), während Daniel den wahren
Charakter der heidnischen Weltmacht sah, der raubgierig und kriegerisch ist
und sich mit Gewalt durchsetzt und behauptet."
c)
Die endzeitliche Schau des Apostels Johannes gibt eine nochmalige Erweiterung
und Vertiefung im Vergleich zum letzten Tiere Daniels; dies äußert sich
beispielsweise darin, daß Daniel mehr das TIERSYSTEM und den LEIB des Tieres,
Johannes hingegen das Tier mehr als den MANN an der Spitze des Staatensystems
sieht. Oder denken wir nur daran, daß Daniel am 4. Tiere nur ein Haupt mit 10 Hörnern
schaut, Johannes aber am gleichen Tiere sieben Häupter, von denen eines die 10
Hörner trägt. Diese Unterschiede sind jedoch nur Ergänzungen, innere Weiterführungen
und Vervollständigungen dessen, was Johannes aus den heiligen Schriften kannte
und im Fortschritt der Zeiten deutete. "Altes und Neues" auch hierin.
II.
Das Monarchien-Standbild (Dan. 2)
Nebukadnezars
Traum vom Ablauf der Weltgeschichte und von der Abfolge der Weltreiche ist eine
von den 32 Traumoffenbarungen der Bibel (8 Wortträume, 16 Bildträume, 8
Nachtgesichte Sacharjas). Gerade auf dem Boden des Alten Bundes waren Träume
und Visionen oftmals Träger der göttlichen Offenbarung im Zeichen des
Neubeginns. Im Traume Nebukadnezars hat Gott gewiß an Seelenbewegungen und
Gedanken angeknüpft, die diesen Herrscher schon lange umtrieben. Ist es nicht
erstaunlich, daß er unmittelbar nach seinem Traume vom Standbild der Weltreiche
in der Ebene Dura ein goldenes Standbild errichten und dessen Anbetung
befehlen läßt (Kapitel 3)? Und dies trotz seiner voraufgehenden Huldigung
vor dem lebendigen Gott (2, 46-49)?! Die Planungen, Gedanken,
Zielvorstellungen und Festprogramme, die er mit dem Standbild seiner Eigengröße
verband, werden sein Herz schon lange zuvor bewegt haben; sie lösten dann den
Traum von Kap. 2 aus. Doch der lebendige Gott gestaltet ihn so um, daß der
Herrscher Babylons mit Unruhe und Furcht erfüllt wird: Seine Welt- und
Zukunftsschau soll sich in jenem Bilde verkörpern, das von Kopf bis Fuß aus
purem Golde besteht, da es den Menschen und seine "grandiose"
Weltherrschaft verherrlichen will; sein Traumbild jedoch unterliegt einem beständigen
Qualitätsverlust: Das HAUPT ist aus Feingold gestaltet; BRUST und
ARME bestehen aus Silber, BAUCH und LENDEN aus Kupfererz,
die SCHENKEL und BEINE aus Eisen. Die im Staube stehenden FÜSSE mit
ihren 10 ZEHEN sind aus Eisen und Töpferton gemischt. Im übrigen
erscheint
hierin auch die ungefähre Reihenfolge der Verwendung der Metalle in der
Kultur- und Münzgeschichte der Menschheit, bis hin zu jener
allesbeherrschenden Mischung aus "Eisen und Ton", die wir
"Stahlbeton" nennen.
Der
Grundgedanke jedoch ist der zunehmende Verfall des Wertes. Von Gott aus besehen
bietet die Menschheitsgeschichte statt einer Evolution (Höherentwicklung)
eine Degeneration - der Kultur, der Sprache, der Ideologien, der Völker
und ihrer Regierungen, ja, der biologischen Substanz dieses Planeten und des
menschlichen Zellmaterials. Jedoch in dem Maße, wie der Wert der
Metalle im Standbilde abnimmt, nimmt deren Härte (also die
Brutalität in der Weltregierung) zu! Nur in der eigenartigen Mischung der Füße
und Zehen erscheint noch einmal ein "weiches" Element in Gestalt des
bröckeligen Töpfertones. Doch welche "verborgene" Härte auch
solchen erdnahen Materialien innewohnt, vermögen Beton, Glas und die
Kunststoffe zu zeigen.
Besonders
erschreckend war für Nebukadnezar jener "Stein ohne Hände", der vom
Himmel herabstürzt, die Füße des Standbildes zertrümmert und so das Gesamtbild
zum Einsturz, bringt. Der "Stein", der "Fels der
Ewigkeiten", wird zum "Berge", der die Erde erfüllt, - Bild für die machtvolle Wiederkunft Jesu Christi und Seines messianischen
Reiches, das die Reiche dieser Welt ablöst (2, 34-35 / 44-45). Das erfüllt Nebukadnezar mit einer solchen Angst, daß er den Traum "verdrängt",
also vergißt; doch "holt Gott das Verdrängte wieder hervor" aus den
Kellern unseres Unterbewußtseins (Pred. 3, 15).
Durch den Traum soll Nebukadnezar
die Gedanken seines Herzens erfahren (2, 29);
die Offenbarung des Geheimnisses der göttlichen Weltregierung erhalten (2, 28)
und erkennen, "was am Ende der Tage geschehen soll" (V. 28). -
Dies
muß nun von Anfang an festgehalten werden: Der durch die Zeiten
"wachsende" KÖRPER des Monarchienstandbildes erstreckt sich von
Nebukadnezar aus bis in die Endzeit, ja, bis zum Kommen des Messias in Macht und
Herrlichkeit (ebenso die Tiere von Kapitel 7). Das Standbild umreißt die "Zeiten
der Nationen" und der Zertretung Jerusalems durch die Völker, deren
Ende mit der Eroberung Jerusalems durch Israel im Jahre 1967 begonnen hat. Dazu
Thaidigsmann:
"Dieses
Römische Reich (= Schenkel, Beine, Füße) ist in der Geschichtsschau Daniels
das letzte Weltreich. Nach demselben sollen die Reiche dieser Welt von
dem Reiche Gottes abgelöst werden ... Wenn also nach dem Römischen Weltreich
das Reich Gottes kommen soll, dann ist kein anderer Schluß möglich als der:
Die Dauer des Römischen Reiches muß bis ganz nahe an das Kommen des Reiches
Gottes heranreichen" ; es müsse geprüft werden, ob der tatsächliche
Geschichtsverlauf der letzten beiden Jahrtausende das prophetische Wort über
das Römische Reich bestätigt, bzw. verdeutlicht.
Während
der "Zeiten der Nationen" aber wurde Jerusalem besetzt, beherrscht und
"zertreten" von den Babyloniern, den Persern, den Griechen, den Römern,
ferner vom Islam, von den Kreuzfahrern, den Türken und den Engländern. Am
Ende der Tage wird es noch einmal von den "Völkern ringsum" (Sach.
12, 2) besetzt werden. Halten wir fest: Die 10 ZEHEN des
Monarchienstandbildes und die 10 HÖRNER des 4. Tieres sind
Endzeiterscheinungen.
Bedeutsam
ist es, daß in den einzelnen Körperteilen des Standbildes nur die Weltreiche
erwähnt werden, die, beginnend beim zeitlichen Standort Nebukadnezars,
über Israel geherrscht haben. Gott knüpft an die Gesichte seines
Hauptes und an die Gedanken seines Herzens an, wodurch der zeitliche Beginn des
Traumgesichtes klar festgelegt wird. Dies führt jedoch dazu, daß zwei Mächte
außer acht gelassen werden, die vor dem Neubabylonischen Reich über Israel
herrschten: ÄGYPTEN und ASSYRIEN. Dies ist wichtig im Blick auf die menschliche
GESAMTGESCHICHTE, die dann Johannes bei der Ausweitung des prophetischen
Bildes ins Auge faßt.
Das
Standbild zeigt uns zwar in seinen verschiedenen Metallen, wie die Weltreiche
einander ablösen; doch gehen sie ineinander über und bilden einen Körper:
Die Wesenszüge der früheren Reiche werden in den jeweils folgenden
aufbewahrt und "durch die Zeiten transportiert". Die Absichten der
umfassenden Weltherrschaft bleiben erhalten; der Sieger übernimmt oftmals
Wesen, Sprache, Recht und Kultur der Besiegten; immer wieder singt man das
alte Lied vom "Weltfrieden" und will es durch Weltherrschaft und
Weltunterdrückung verwirklichen; die alten Religionen und Ideologien erscheinen
jeweils in modischen neuen Gewändern; und auf der Wanderung der Weltherrschaft von
OST nach WEST, vom MORGENLAND zum ABENDLAND wandern die alten Götter (elohim)
mit und passen sich der jeweiligen Zivilisation und Kultur an. Sie alle wenden
sich letztlich "gegen Gott und Seinen Messias" (Ps. 2); darum werden
nicht nur die "Könige der Erde auf der Erde", sondern auch ihre
geheimen Drahtzieher, die "Heerschar der Höhe in der Höhe", von dem
lebendigen Gott gerichtet (Jes. 24,21).
Die
aufeinanderfolgenden Weltreiche werden im Bilde eines KÖRPERS geschaut; in
Dan. 2 im Bilde des menschlichen Körpers, in Dan. 7 im Bilde des Tierleibes.
Dies hat einen tiefen Sinn: Durch die Zeiten hindurch wächst der KÖRPER,
der LEIB des kommenden antichristlichen Weltherrschers.
Wer würde
hierbei nicht an den "Leib Christi" erinnert, der vom Haupte aus in
seinen Gliedern "durch die Zeiten wächst" und Christi Fülle
darstellt? Gleichlaufend zu ihm wächst während der "Zeiten der
Nationen" aus Menschen der Gesetzlosigkeit der Körper des Antichristen.
Beide wachsen bis zu ihrer Vollzahl und Vollreife. Der TIER-GEIST wirkt in
dieser Welt immer stärker als das "Geheimnis der Gesetzlosigkeit"
(2. Thess. 2), der TIER-KÖRPER ist das in den Weltreichen sich
entfaltende Weltherrschafts-SYSTEM des Tieres (Offb. 13, 1-3), an
dessen Spitze sich in der eigentlichen Endzeit der Gesetzlose, der Sohn des
Verderbens, der vollausgereifte MENSCH DER SÜNDE stellen wird. Ihm gehen die
"vielen Antichristen" (1. Joh. 2, 18), die im "Geiste des
Antichristen" wirken (1. Joh. 4, 3), als Wegbereiter voraus. Ihr
Kennzeichen ist die Leugnung der Fleischwerdung des Gottessohnes (1. Joh. 4, 2).
Immer stärker dringt das Geheimnis der Gesetzlosigkeit in unseren Tagen auf
seine Volloffenbarung in dem einen Weltführer, den alle erwarten.
Von
diesem "Leibe" mag uns Hiob 18, 13 berichten: "Der Erstgeborene
des Todes wird fressen die Glieder seines Leibes" (vgl. dazu Christi
Verhalten Seinem Leibe gegenüber nach Eph. 5, 29-30). Die Umstürze der
Weltgeschichte, die Unruhen, Revolutionen und "Freiheitsbewegungen"
erläutern dies geheimnisvolle Wort aufs klarste.
Menschenkörper
(Dan. 2) - Tierleib (Dan. 7).
Die
7 Schöpfungstage (oder Schöpfungsperioden) stellen ja, prophetisch gesehen,
die Jahrtausende des göttlichen Heilshandelns (die Gottestage) dar. Was aber
brachte der 6. Schöpfungstag, der das 6. Jahrtausend nach Adams Fall vorbildet,
dessen Ende wir nunmehr entgegengehen? Die Erschaffung der TIERE und des
MENSCHEN Adam. Dieser aber erscheint auf zweifache Weise:
Vor seinem Fall weist er als Königspriester hin auf den letzten ADAM,
den MENSCHENSOHN; dieser wird, worauf alles hinzudeuten scheint, am Ende des 6.
Jahrtausends nach Adam die Weltregierung übernehmen und die Welterneuerung
einleiten. Damit löst Er die Ihm voraufgehenden TIERE ab (man beachte in Dan. 7
die Reihenfolge: die drei ersten TIERE, sodann das 4. Tier, die BESTIE, und
hernach der mit der göttlichen Weltregierung betraute MENSCHENSOHN).
Als der Gefallene stellt Adam den auf die TIERE folgenden Sohn des
Verderbens,
den MENSCHEN DER SÜNDE dar (= das Tier, die Bestie in Menschengestalt).
So endet zunächst das 6. Jahrtausend in schrecklicher Ausreife alles
Tierwesens,
ehe es durch Christi Wiederkunft in das Sabbat-Jahrtausend Seines
Friedensreiches übergeleitet wird.
Beachtenswert ist, was hierzu Dan. 7, 11 sagt: Der "LEIB des (vierten) Tieres wird durch den Feuerstrahl vom Throne Gottes zerstört", - der Antichrist wird vernichtet durch den Hauch des Mundes Christi (2. Thess. 2, 8 / Hiob 15, 30). -
Diese
seien nun, im Vergleich von Dan. 2 und 7, in kurzem historisch dargestellt.
1.
DAS GOLDENE HAUPT stellt sowohl das NEUBABYLONISCHE WELTREICH als auch dessen
König dar, - das Regierungssystem und den Mann an seiner
Spitze. Babylon gehört als "Stadt der Bewegung" ebenfalls
dazu, wodurch eine Dreiheit gebildet wird. "Du bist das Haupt von
Gold", sagt Daniel zu Nebukadnezar (2, 32 / 37-38). Das
Neubabylonische Reich wurde von Nabopolassar gegründet; es erlebte seinen Höhepunkt
unter Nebukadnezar und seinen Verfall unter Belsazar, durch den Ansturm der
Perser unter Kores. Es währte von 625-538 und fiel zeitlich fast mit der
"Babylonischen Gefangenschaft" Israels zusammen.
Wenn
auch Nebukadnezar in seinem Größenwahn ein Typus des kommenden Antichristen,
ja, Satans ist, wird doch diesem semitischen Reich von Gott ein gewisser Wert
zugebilligt, den die folgenden Weltreiche nicht mehr besitzen; so hat ja das
HAUPT als Sitz des Gehirns und des Geistes die Aufgabe, den ganzen Leib zu
steuern und zu kontrollieren. Darum liegt der Ursprung wie das Ende der
Menschenreiche in BABYLON (Offb. 17). Allerdings sind die Geisteseinflüsse und
Steuerungsimpulse, die von diesem Haupte ausgehen, dämonischer Art. Was
Christus als Haupt des Leibes Seiner Gemeinde darstellt, ist finsternismäßig
Nebukadnezar und sein Weltreich als Haupt des zum Antichristen führenden
Monarchienleibes, - des "LEIBES DES TIERES" (Dan. 7, 11).
Den
höchsten relativen Wert drückt das HAUPT aus (in bezug auf die restlichen Körperteile),
das GOLD (im Blick, auf die anderen Metalle) und der LÖWE unter den Tieren. Löwengleiche
Herrschermacht und Majestät, aber auch raubtierhafte Gier sind Kennzeichen
dieses Reiches. Bezeichnenderweise hat das hebräische Wort "arieh" (Löwe)
den Zahlenwert 216 = 6 x 6 x 6.
Daniel
schaut in seinem prophetischen Traumgesicht von Kap. 7 das Wesen der Weltreiche
und berichtet "die Summe der Sache" (7, 1). Er sieht nacheinander 4
Tiere aus dem sturmbewegten Völkermeer heraufsteigen, die, von
unterschiedlichem Charakter, 4 Könige (und Königreiche) darstellen (7,
2-3 / 17). Daß die Juden bei dem "Völkermeer" immer an das
Mittelmeer dachten, ist für die Auslegung nicht ohne Belang!
Den
LÖWEN, also das neubabylonische Reich, schaut er mit Adlerflügeln ausgerüstet,
was wohl auf die adlergleiche Schnelligkeit des Zugriffs beim Beutefang
hinweist. Doch erlebte der größenwahnsinnige König Nebukadnezar eine Demütigung
und Beugung vor dem lebendigen Gott; darum berichtet Kapitel 7, 4 davon, daß
dem Löwen die Flügel ausgerissen wurden, er selbst aber wie ein Mensch und mit
dem Herzen eines Menschen gehen lernte. Ein erstes und einziges Mal hat ein
Weltreich
wenigstens im Ansatz "menschliche Züge". Und doch verbreitet das Löwengebrüll
auch Furcht: "Ein brüllender Löwe und ein gieriger Bär; so ist ein
gesetzloser Herrscher über ein armes Volk" (Spr. 28, 15). Ja, der brüllende
Löwe wird sogar ein Bild des Satans, der auf Erden umherstreift und sucht, wen
er verschlinge (1. Petr. 5, 8).
Man
muß einmal Ps. 137 lesen, um zu erfahren, wie es dem "armen Volk" der
in Babylon gefangenen Juden zumute war, und wie es unter der Machtgier des brüllenden
Löwen litt. Heimkehrend kannten sie nur noch ein Ziel: Nie wieder Götzendienst!
Rigorose Erfüllung des Gesetzes! Und sie brachten das Schriftgelehrtentum, das
Lehrhaus (die Synagoge) und die chaldäische Quadratschrift mit, die ihnen in
der Gefangenschaft zugewachsen waren.
2.
SILBER ist das zweite Metall, das mit seinem geringeren Wert in BRUST und ARMEN
das Medo-Persische Weltreich darstellt. Eine Brust, zwei Arme:
Die Zweiheit von Medern und Persern wuchs zur Einheit heran. Die Brust ist der
Sitz der edlen Organe Herz und Lunge; sie birgt den Odem des Lebens und den
Schlag des Herzens und stellt die Lebensstätte der Seele dar. Die Arme jedoch
deuten auf Wirken und Handeln des Menschen hin (Kapitel 2, 32.39).
In
Dan. 7 wird Medopersien von einem BÄREN verkörpert, der sich auf der einen
Seite aufrichtet, wodurch die andere Seite nach unten zu liegen kommt. So war
tatsächlich der Verlauf der Geschichte: Während die Perser zunächst unter der
Führung der Meder standen, vollzog sich unter dem persischen Prinzen KORES
(Cyrus, Kurusch oder Kuras) um 559 ein Wandel; das persische Element gewann die
Oberhand und wurde von nun an die bestimmende Macht. Wie Gott selbst diesen
Kores
als Seinen "Hirten" und "Gesalbten" beurteilt, mag man in
Jes. 44, 28 und 45, 1-4 nachlesen. Die positive göttliche Stellungnahme
wird damit zusammenhängen, daß dieser Herrscher die Heimkehr Israels aus der
Gefangenschaft auslöste.
Gierig,
zäh und machthungrig tritt der persische Bär mit der Parole an: "Stehe
auf, friß viel Fleisch!" In Kürze trägt er 3 Rippen zwischen den Zähnen
seines Maules: Bei seinen Eroberungszügen verschlang er im Norden, Süden und
Westen Land um Land, bis er es auf 127 Provinzen brachte (Esth. 1, 1); die 3
"Rippen" und Hauptteile seines Reiches waren die lydische, die ägyptische
und babylonische Provinz (letztere zunächst von Darius verwaltet, Dan. 6).
Das medopersische Reich währte von 538-333 (330) v. Chr.
"Nur
gegen Griechenland waren seine Unternehmungen erfolglos, und gerade hierin lag
der Keim seines späteren Untergangs" (Erich Sauer: "Morgenrot der
Welterlösung").
3.
Der BAUCH mit den LENDEN vertritt im Körpergeschehen die Ernährung, die
Verdauung des "Verschlungenen" und die Zeugung oder Arterhaltung.
Wieder erscheint ein wertloseres, aber zugleich härteres,
"brutaleres" Material, das KUPFERERZ. Dieses allein war aber für
Waffen und Werkzeug nicht hart genug; erst nachdem der Mensch es mit Zinn zu
BRONZE verschmelzen lernte, wurde es zu einem Metall, das zugleich Härte
aufwies und sich doch gut formen ließ; ein Metall eroberte die Welt! Dies war
nicht nur waffentechnisch, sondern auch kulturgeschichtlich bedeutsam; erst die
Eisengewinnung (die bei den Kelten begann) brachte einen weiteren
"Fortschritt" und damit die Eisenzeit. Die eisernen Waffen aber waren
es, die hernach dem Römischen Imperium zum Siege verhalfen.
Im
kupfernen (oder bronzenen) Bauch wird das Griechenland Alexanders
des Großen mitsamt den Diadochenreichen nach seinem Tode geschaut. Der
Makedonier Alexander sollte über die ganze (damals bekannte, bewohnte und
kulturell erschlossene) Erde herrschen (2, 32.39). Sauer sagt hierzu: "Der
Siegeszug Alexanders ist das gewaltigste Schauspiel des Altertums." Wie
im "Fluge" erobert der schnelle PANTHER, mit 4 Vogelflügeln
und 4 Köpfen ausgerüstet, Reich um Reich, schließlich sogar das
Perserreich, das schon auf eine 200-jährige Geschichte zurückschauen
konnte; wie schnell vollzogen sich seine Überfälle und Kriegszüge! (vgl. Dan.
7, 6). "Nach knapp dreijährigem Kampfe war der 25-jährige Jüngling
der Herr des 2000-jährigen Orients" (Erich Sauer). Bis Babylon und
Ninive, ja bis Indien marschierten seine Armeen; diesmal aber führten die
Eroberungen in west-östlicher Richtung (siehe Dan. 8, wo die Siegeszüge
Alexanders im Bilde des griechischen Ziegenbockes und des persischen Widders
abgebildet werden, - als Vorlage für eine globale west-östliche
Auseinandersetzung in der Endzeit). Doch im Jahre 323 stirbt der junge
Welteroberer in Babylon am Fieber.
Beachtenswert
sind die 4 Vogelflügel und die 4 Köpfe des Panthers; sie zeigen unter
anderem, daß die Einteilungen und Zahlen aus Dan. 2 und 7 allesamt buchstäblichen
Sinn haben; wie sollte es dann bei den 10 Zehen des endzeitlichen
Staatenbundes (bzw. im anderen Bilde bei den 10 Hörnern der Bestie) anders
sein? Die 4 "Vogelflügel" stellen Alexanders Generäle dar, die
seine Blitzkriege durchführten: Seleukos, Ptolemäus, Kassander und
Lysimachos. Diese wurden nach Alexanders plötzlichem Tod zu Nachlaßverwaltern
seines riesigen Reiches, zu "4 Häuptern" (oder Königen) über die
Reichsteile (den gleichen Tatbestand wollen die 4 Hörner darstellen, die in
Kapitel 8 aus dem einen zerbrochenen Horn des Ziegenbockes erwachsen). So
entstanden die "Diadochenreiche":
Das Syrisch-babylonische Reich des Seleukos;
das Ägyptische Reich des Ptolemäus;
das Makedonisch-griechische Reich des Kassander und
das Thrazisch-bithynische Reich des Lysimachos.
Während
Alexanders Herrschaft von 336-323 v. Chr. währte, erstreckte sich die
Herrschaft seiner Nachfolger, der Diadochen, bis etwa 125 v. Chr. "Mit
sprachlosem Staunen haben die Völker des Ostens dem blitzartigen Vormarsch
Alexanders des Großen zugeschaut. Übermenschlich schien ihnen dieser
20-jährige Mazedonier, der quer durch die Länder der altehrwürdigen
Kulturen von Sieg zu Sieg eilte und dabei eine meisterhafte Beherrschung der
praktischen Kriegskunst mit den weltweiten Plänen eines großen Geistes
verband" (Bildatlas zur Bibel). Die Flut griechischen Geistes und
griechischer Kultur, der "Hellenismus", überschwemmte die Völker
und wirkte über die Römer bis in die Apostelzeit, ja, bis in die europäische
Kultur unserer Tage hinein. Sogar zum Gott hatte Alexander sich ausrufen lassen.
4.
In der Zählung der Visionen Nebukadnezars (Kapitel 2) und Daniels (Kapitel 7)
erscheint nun ein 4. Weltimperium. Nun marschieren die eisengepanzerten und
waffenstarrenden Legionen Roms, um die "Ökumene" (die bewohnte
Kulturwelt) zu erobern. "Es war, als wenn der Kriegsgott mit eisernen
Füßen (!) über den Erdkreis dahinging und bei jedem Schritt Ströme
Blutes hervorquellen ließ", sagte Herder. Aus den Lenden (der
hellenistischen Ideologie und dem griechischen Kulturerbe) wachsen die beiden
SCHENKEL hervor; während die Beine nun aus EISEN gebildet sind, zeigen die Füße
eine seltsame Verfallsmischung, teils von Eisen, teils von Töpferton. In den 10
ZEHEN findet das Reich sein Ende (2, 33). "Und ein 4. Königreich wird
stark wie EISEN sein; ebenso, wie Eisen alles zermalmt und zerschlägt, wird es,
wie zerschmetterndes Eisen, alle jene (vorigen Reiche) zerschmettern und
zertrümmern"
(Dan. 2, 40).
Während
das griechische Reich eine starke künstlerische, philosophische, religiöse
und kulturelle Prägung hatte, lag die "Stärke Roms vornehmlich im Militärischen
und Staatlich-Juristischen. In Manneszucht und Hingabe an den Staat
leisteten sie Unvergleichliches; aber selbst in den Zeiten ihrer höchsten
Machtfülle blieben sie innerlich Halb-Barbaren" (Erich Sauer). Die
Römische Militärdiktatur fand ihren Höhepunkt im Kaisertum der Cäsaren; die
BEINE des Monarchienbildes weisen hin auf Fortbewegung, Expansion,
"Stehvermögen", Kolonisation und auf das Niedertrampeln alles dessen,
was im Wege stand.
300 v. Chr. ist Rom die italische Großmacht;
201 v.Chr. wird als gefährlichster Gegner Karthago niedergerungen; damit wird ROM die Vormacht des WESTLICHEN MITTELMEERES; doch nun greift es nach dem Osten: Die beiden Reichsteile bilden sich, deren spätere Trennung in den beiden Beinen von allem Anfang an vorgebildet ist;
197 v. Chr. unterliegt Mazedonien;
146 v. Chr. wird Nordafrika römische Provinz, aber auch Griechenland;
133 v. Chr. wird Spanien erobert und
129 v. Chr. das westliche Kleinasien.
Nunmehr
herrscht die Römische Militärmacht (noch als Republik) über den ganzen
Mittelmeerraum. Dieser aber ist ebenso das Verbreitungsgebiet des Ölbaumes
wie des durch ihn dargestellten Volkes Israel in seiner Zerstreuung.
Durch
Bürgerkriege hindurch, im Niedergang des bäuerlichen Elementes, in einem
beispiellosen Verfall der Moral, der von sinnlosem Luxus begleitet ist, entsteht
in der Zeit von 133-31 v. Chr. die "Welt-Militär-Monarchie"
der Cäsaren; dies aber ist das sechste (!) Stadium in der römischen
Reichsgeschichte. Man beachte die unserer Zeichnung beigegebene
Karte, welche
die größte Ausdehnung des Römischen Weltreiches zeigt.
Im
7. Kapitel schaut Daniel das RÖMISCHE IMPERIUM als ein "4. Tier".
Dieses ist verschieden von den vorhergehenden drei Tieren (= Weltreichen)
und offensichtlich mit keinem von ihnen restlos vergleichbar (7, 23). Und doch
sind alle Wesenszüge des Babylonischen, des Persischen und des Griechischen
Weltreiches (ja, wie wir noch sehen werden, sogar Assyriens und Ägyptens)
vereinigt. Darum legt der Apostel Johannes ihm in Offb. 13, 1-3 die
Merkmale der Vorläufertiere bei: den KÖRPER eines weiblichen Panthers,
die FÜSSE des Bären und das MAUL eines Löwen. Es ist
nicht von ungefähr, daß selbst die 7 Häupter des vierten Tieres und seine
10 Hörner die Summe bilden aus dem einen Haupt des babylonischen Löwen, dem
einen Haupt des persischen Bären, den vier Häuptern des griechischen Panthers
und dem einen Haupt des Daniel'schen vierten Tieres, das allein (10) Hörner
trug. "Die Bildersprache der Offenbarung schildert die Weltlage der Endzeit
als die Zusammenfassung und Gipfelung aller Weltreiche der Vorzeit, als das
Endergebnis aller gottfernen Weltarbeit der Jahrtausende alten Menschheit, als
die Generalsumme aller Tierreiche" (Erich Sauer in "Triumph des
Gekreuzigten"). Das vierte Tier ist d a s Tier schlechthin, die
Vollendung
und Summe der Raubtiernatur, die BESTIE. "Es ist schrecklich und
furchtbar und sehr mächtig; es hat große eiserne Zähne; es frißt
und zermalmt, und was übrigbleibt, zertritt es mit seinen FÜSSEN, die Krallen
von ERZ tragen" (siehe das, was über die Füße des Standbildes
gleichlaufend
gesagt wird). Wie das Monarchienstandbild aber 10 Zehen aufweist, trägt das
Haupt des vierten Tieres 10 Hörner (7, 7.19).
Wie
genau das prophetische Wort die geschichtliche Entwicklung schildert, zeigt
Dan. 2 in den beiden BEINEN des "vierten Königreiches", des Römischen
Imperiums. Schon um 395 n. Chr. beginnt es in ein WESTRÖMISCHES und OSTRÖMISCHES
REICH auseinanderzubrechen. Schließlich fällt das Weströmische Reich 476 n.
Chr. unter den Stürmen der Völkerwanderung, während das Ende des Oströmischen
Reiches erst 1453 gekommen ist. Ob die KNIE als "Scharniere" und
Wendepunkte auf diese Entwicklung hinweisen?
Nun
aber scheint sich ein echter Widerspruch zwischen dem prophetischen Wort und
dem tatsächlichen Geschichtsverlauf aufzutun.
1.
Wir haben schon darauf hingewiesen, daß die Beine des Monarchienstandbildes
über die Schenkel bis zu den Füßen mit ihren 10 Zehen kontinuierlich bis in
die eigentliche Endzeit reichen. Erich Sauer gibt darum in "Morgenrot
der Welterlösung" den Zeitraum des RÖMISCHEN REICHES kühn mit "201
(bzw. 133) v. Chr. bis zur Wiederkunft Christi" an. Tatsächlich bereitet
erst der vom Himmel "ohne Hände" (d. h. ohne menschliches Zutun)
herabstürzende Stein dem Römischen Imperium, und damit allen Weltreichen,
das Ende. Er zerschlägt die Füße, bringt damit den ganzen Koloß der
zeitenumfassenden Menschenherrschaft zum Einsturz und wird selbst "zum
Berge, der die Erde erfüllt" - das messianische Reich Christi bricht
an (Dan. 2, 44). Übereinstimmend damit bleibt auch das 4. Tier mit seinen 10 Hörnern
"bis zum Ende" (Dan. 7, 27). Dann aber werden Throne
aufgestellt, der "Alte an Tagen" erscheint, das Gericht wird eröffnet,
und ein vernichtender Feuerstrahl geht vom Throne aus. "Ich schaute, bis
das TIER getötet und sein LEIB zerstört und dem Feuerbrand übergeben
ward" (Dan. 7, 11). In den Versen 13-14 aber erscheint der
MENSCHENSOHN, um als der wahre ADAM nach den TIEREN und ihrem Wirken die
Herrschaft zu übernehmen, eine Herrschaft, an der auch die Heiligen des Höchsten
beteiligt werden (Dan. 7,18).
Die 10 ZEHEN
aber wie die 10 HÖRNER scheinen eine gewisse Eigenständigkeit zu besitzen, die
Zehen auch im Material: Eisen mit Ton gemischt.
Dennoch
bleibt die Frage: Wann war denn nun das Ende des vierten Tieres, des RÖMISCHEN
REICHES? Wenn wir in Übereinstimmung mit Daniel seinen Abschluß in die
Endzeit setzen und die Zeitproportionen auf unsere
Zeichnungübertrügen,
müßten wir die BEINE des Standbildes "gummiartig verlängert"
zeichnen, was zu einer grotesken Figur führen würde. Diese ZEITDEHNUNG aber
wird durch den EINSCHUB der Gemeinde aus den Nationen bewirkt, die als
Inhalt des geheimen Willens Gottes von den Propheten des Alten Bundes nicht
geschaut wurde. Man könnte die Zeichnung auch so gestalten, daß in den Beinen
eine Lücke entstünde, so daß die Füße in der Endzeit gesondert
erschienen; wir haben dies durch eine schraffierte Linie angedeutet, die allerdings den zeitlichen Proportionen nicht gerecht wird.
Ebenso
verhält es sich ja mit den Daniel'schen Jahrwochen (Dan. 9): Nach dem Ablauf
von 69 Jahrwochen mit dem Tode des Messias folgt nicht sofort die 70.
Jahrwoche, wie man zunächst glauben könnte; diese wird vielmehr wegen der
Verstockung Israels und des Einschubs des Gemeindehaushaltes bis zur
eigentlichen Endzeit "aufgeschoben" (man vergleiche hierzu die leider
vergriffene Studie von Heinz Schumacher: "Die 70 Jahrwochen und die
kommende Endzeit").
Auch
die Scofield-Bibel nimmt zu dieser Frage sehr fein Stellung:
"Der
vernichtende Stein zerstört das System der heidnischen Weltmacht (in seiner
letzten Form) durch einen plötzlichen und unabwendbaren Schlag - also
nicht durch allmähliche Prozesse der Umkehr oder der Angleichung ... Eine
solche Zerstörung des monarchischen Systems heidnischer Macht geschah nicht bei
dem ersten Kommen Christi. Im Gegenteil, Christus wurde aufgrund des Urteils
eines Beamten des vierten Reiches getötet, das damals auf der Höhe seiner
Macht war. Nach dem Tod Christi zerfiel der westliche Teil des Römischen
Reiches im Jahre 476 n. Chr. und der östliche Teil im Jahre 1453. Aber es
folgte auf Rom kein anderes WELTREICH, denn es werden nur diese 4 Reiche dem
Wiederkommen und der Herrschaft Christi auf Erden vorangehen. Die
ZWISCHENZEIT, d. h. das Zeitalter der Gemeinde zwischen dem 1. und 2. Kommen
Christi, wird uns im Neuen Testament offenbart und ist nicht ein Teil dieser
Vision (Daniels). Die tödliche Wunde, die das 4. Reich erleidet, wird geheilt
werden durch die WIEDERHERSTELLUNG dieses Reiches, das aufkommen wird, wenn das
Zeitalter der Gemeinde ... erfüllt sein wird" (S. 871).
Wir
stimmen dem im wesentlichen bei und fügen hinzu: ... wenn Israel wieder im
Lande der Väter wohnt, und wenn sich mit der Wiedereinnahme Jerusalems (1967)
die Zeiten der Nationen ihrem Ende zuneigen.
2.
Versuche der Wiederherstellung des RÖMISCHEN REICHES.
Die
ZWISCHENZEIT ist erfüllt mit Versuchen der Wiederherstellung des Römischen
Reiches, die aber immer wieder
scheiterten, weil die Zeit noch nicht erfüllt war. Freilich legen Folgestaaten
und Staatenbünde die Römische Religion, die Römische Militärverwaltung, das
Römische Recht, die "Abendländische" Kultur und Geistesgeschichte
ihren Bestrebungen zugrunde. Immer wieder verfallen abendländische Herrscher
dem Zauber der römischen Reichsidee und damit dem Willen zur Europäischen
Einigung; doch erst seit der Heimkehr Israels ins Land der Väter, seit dem
Saftigwerden des Feigenbaumes Juda also, sind solche Bestrebungen von Erfolg
gekrönt und können ihrer endzeitlichen Verwirklichung entgegenreifen. Aber
die Folgereiche des Römischen Imperiums samt allen Versuchen, die Reichsidee
wiederzubeleben, garantieren den "Transport" der Wesenszüge des
4. Tieres, des IMPERIUM ROMANUM, durch die "eingeschobene"
Zwischenzeit der Christusgemeinde. "KAISER" und "ZAR"
sind nur die deutschen und russischen Formen des alten Wortes "CÄSAR".
Unter dem Ansturm der Germanen und später des Islam brach das Römerreich
zusammen; doch war dieser Zusammenbruch kein vollständiger. "Denn im
Zusammenbruch hat das alte römische Reich gesiegt, wenigstens im Abendland;
denn es hat die germanische Welt in seinen Bann gezogen, ja, sich eingegliedert.
Es hat sich entfaltet zu einem größeren Ganzen, dem man den Namen EUROPA
gegeben hat" (vom hebr./phön. "erev" = Abend?). "Das
Kaisertum des Mittelalters war nicht nur der Idee nach, sondern tatsächlich
eine Erneuerung und Fortsetzung des altrömischen Kaisertums" (Georg
Thaidigsmann: "Zeitenwende"). Bezeichnenderweise hatten Kaisertum
wie Papsttum ROM zum tatsächlichen und ideellen Mittelpunkt. Doch wenden wir
uns den Wiederherstellungsversuchen im einzelnen zu:
Da wäre THEODERICH DER GROSSE zu nennen, der von Ravenna aus als Führer der Ostgoten über das Weströmische Reich herrschte (493-526).
Im Ostteil des Imperiums lebt die Idee eines universellen römischen Reiches weiter. Aus der Verbindung von römischer Tradition, griechischer Kultur und christlicher Religion entstand das unumschränkte byzantinische Kaisertum. JUSTINIAN verfolgte das Ziel, das Römische Imperium wiederherzustellen. Trotz bedeutender Anfangserfolge erreichte er dieses Ziel nicht (527-565).
KARL DER GROSSE wird der Kaiser des Abendlandes. Mit den Worten "Karl, dem AUGUSTUS, dem von Gott gekrönten, großen und friedebringenden KAISER DER RÖMER, Leben und Sieg!" krönt Papst Leo III. ihn am 25. Dez. 800 in der Peterskirche zu Rom. 803 läßt Karl auf sein Siegel die Worte prägen: "Renovatio Romani Imperii" = Erneuerung des Römischen Imperiums. "Das Reich Karls des Großen hat die christlichen Völker des Abendlandes, Germanen wie Romanen, unter fränkischer Führung zusammengefaßt. Dadurch wuchs diesem das Bewußtsein seiner politischen und geistigen Einheit zu, das ihm bis in die Gegenwart blieb" (Hartmann). Bei Karls Tod schrieb sein Biograph: "In ihm starb der VATER DER WELT! "
Im Febr. 962 wurde OTTO DER GROSSE von Papst Johannes XII. in Rom zum Kaiser gesalbt und gekrönt - zum "HERRN DES ABENDLANDES UND SCHUTZHERRN DER RÖMISCHEN CHRISTENHEIT". Von nun an spricht man vom HEILIGEN RÖMISCHEN REICH DEUTSCHER NATION (936-973). Seine größte Ausdehnung erreichte es unter HEINRICH II. (1002-1024). Doch bestimmen immer stärkere Auseinandersetzungen zwischen Kaiser und Papst die Geschichte des Mittelalters.
Ein weiterer Glanz- und Höhepunkt in der Verwaltung der Römischen Reichsidee wurde mit dem Stauffer FRIEDRICH I. (Barbarossa / 1152-1190) erreicht. Doch mit seinem Tode endete das universalistische abendländische Kaisertum.
Das Kaisertum der HABSBURGER führte die Idee des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation fort. Besonders beachtenswert ist KARL V., der in der Auseinandersetzung mit Frankreich um die europäische Vorherrschaft kämpfte. Erst unter dem Ansturm NAPOLEONS (1806) legte FRANZ II. von Österreich die Römische Kaiserwürde nieder, womit sich das Ende des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation besiegelte.
Doch auch der französische KAISER NAPOLEON griff nach der Herrschaft über ganz EUROPA. Auch er "steht ganz unter dem Zauber der römischen Reichsidee" (Erich Sauer). Sein Sohn erhielt sogar den Titel "KAISER VON ROM". Aber auch er scheiterte, weil die Zeit noch nicht erfüllt war, in seinem Versuch, Europa politisch und militärisch zu einigen.
Nicht zu vergessen sei ein "Achter" (Offb. 17, 11), der
verbrecherische und dämonische "Führer des Großdeutschen Reiches"
ADOLF HITLER, dem für die Zeit nach seinem erträumten Sieg die Einigung
Europas unter der germanischen Ideologie vorschwebte. Ein 1000-jähriges Reich
sollte - von Dämonen ihm vorgegaukelt - unter dem Baalszeichen des
Hakenkreuzes als Zerrbild des Messiasreiches erstehen.
V.
Zehn ZEHEN - zehn HÖRNER: Der endzeitliche Staatenbund
Wo
haben wir nun diese Übergangszeit mit ihren Wiederherstellungsversuchen im
Bilde des Monarchienstandbildes zu suchen? Gewiß in den Beinen, genauer in
deren "Unterschenkeln" bis zum Fußgelenk. Wie aber in den alten
Zeiten die Entfaltung des Römischen Imperiums von West nach Ost verlief, so
gingen auch die nachfolgenden Erneuerungsversuche immer von Westeuropa aus und
hatten ihren Schwerpunkt in Frankreich und Deutschland. Ist dies nicht
auch im heute werdenden EUROPA so? Überziehen wir das Bild aus Dan. 2, wenn wir
darauf hinweisen, daß es "große" und "kleine",
bedeutende und unbedeutende Zehen gibt?
Diese
Zehen aber stehen nebeneinander, sind also zeitlich simultan zu sehen und
dem Ende der Zeiten zuzuordnen: Sie versinnbildlichen ebenso wie die 10 Hörner
(= Könige des vierten Tieres; Dan. 7) einen Staatenbund des Endes, der erst
durch die Wiederkehr des Messias (des Menschensohnes) sein Ende findet. Dieser
Staatenbund aber ist Nährboden und Fundament des letzten WELTHERRSCHERS dieser
Weltzeit. Als das "kleine Horn" unbedeutender Anfänge und
Herkunft wird er sich an seine Spitze setzen, die Regierungsvollmacht der
"ZEHN" auf sich vereinigen und von Europa aus die Welteinigung
betreiben. Daß dieses Bestreben immer mehr zu einem Kampf gegen Gott und Seinen
Messias wird, werden nur die "Heiligen des Höchsten" erkennen. So
ist das TIER das System des endzeitlichen Staatenbundes, zugleich aber
dessen führender Mann; und die "Stadt der
Bewegung", die "Megalopolis" des Endes ist BABYLON = ROM (zur näheren
Begründung lese man in meinem Buche "Urzeit und Endzeit" den
Abschnitt "Metropole Babylon"). Wir hatten dies alles schon einmal
unter dem wohl typischsten Vorläufer des Antichristen: das SYSTEM der NSDAP;
die STADT der Bewegung; den FÜHRER Adolf Hitler.
Mit
dem Wiedererstehen Israels und der Rückeroberung Jerusalems beginnt das Ende
der "Zeiten der Nationen"; nunmehr dürfen und müssen wir mit einem
EUROPÄISCHEN STAATENBUND auf dem Boden des Römischen Imperiums und mit einer
Wiederbelebung des RÖMISCHEN KAISERTUMS rechnen, diesmal von Erfolg gekrönt.
Schritt um Schritt (vielleicht aber auch über Nacht) werden sich die ersten
kümmerlichen
Anfänge ausgestalten: unter dem Druck der Zeitverhältnisse und Weltprobleme,
vielleicht auch (nach der Schau von Arthur Muhl) nach einem Schlagabtausch
zwischen den USA (Ziegenbock) und der Sowjetmacht (Widder), der zur Entmachtung
der letzteren führen dürfte. Wirtschaftlich, kulturell und finanziell, dann
aber auch politisch, militärisch und religiös wird sich die Einigung des
Abendlandes vollziehen. Die zunehmende Macht des Islam, der zunehmende
Nord-Süd-Konflikt, die Ölfelder des Mittleren Ostens wie überhaupt
die Rohstofffrage, aber auch das "Weltproblem Israel" werden diese
beschleunigen. Einige Daten mögen den bisherigen Weg zur Einigung
verdeutlichen:
Historische
Ansätze zu einem Europäischen Staatenbund in unserer Generation:
19. 9. 1946: Der britische Premierminister Winston Churchill schlägt in seiner berühmten Rede die Gründung der VEREINIGTEN STAATEN VON EUROPA vor.
5. 5. 1949: Zehn europäische Staaten gründen den EUROPARAT mit Sitz in Straßburg. Wegen der Bedenken Großbritanniens, das seine politische Zukunft noch immer im Commonwealth sieht, scheitern die Hoffnungen, der Europarat könne zum Kern eines Vereinten Europas werden.
9. 5. 1950: Der französische Außenminister Robert Schuman fordert die Gründung einer EUROPÄISCHEN GEMEINSCHAFT FÜR KOHLE UND STAHL (Montanunion), - vorerst zwischen Deutschland und Frankreich. Jean Monnet wird deren Schöpfer und erster Präsident.
18. 4. 1951: Sechs Länder treten der MONTANUNION bei: Belgien, Bundesrepublik Deutschland, Frankreich, Italien, Luxemburg und die Niederlande.
27. 5. 1952: Unterzeichnung eines Vertrages über die Bildung einer EUROPÄISCHEN VERTEIDIGUNGSGEMEINSCHAFT (EVG). Doch scheitert dieses Projekt am Einspruch Frankreichs gegen eine deutsche Truppenbeteiligung (zwei Jahre später tritt die BRD der NATO bei).
1957 gründen die Länder der Montanunion in ROM die EUROPÄISCHE WIRTSCHAFTSGEMEINSCHAFT und die EUROPÄISCHE ATOMGEMEINSCHAFT. Die RÖMISCHEN VERTRAGE schaffen die Grundlagen für die Beseitigung der Zölle innerhalb der Gemeinschaft, für einen gemeinsamen Agrar- und Handelsmarkt und für gemeinschaftliches Handeln auf vielen Gebieten.
1968 ist die ZOLLUNION zwischen den Partnerstaaten verwirklicht, auch deren gemeinsamer AGRARMARKT.
21. 10. 1972: Die Pariser Gipfelkonferenz beschließt den Ausbau der Gemeinschaft zu einer EUROPÄISCHEN UNION bis 1980.
1. 1. 1973: Durch den Beitritt Großbritanniens, Dänemarks und Irlands
zur EUROPÄISCHEN GEMEINSCHAFT (EG) wird aus der Gemeinschaft der Sechs die
Staatengemeinschaft der Neun. Wenn Norwegen nicht ausgetreten wäre, hätte
damals
schon die Zehn erreicht werden können. Zum Abstimmungsergebnis in Norwegen
trugen viele fromme Wähler bei, die darauf hinwiesen, daß man die Entwicklung
zum antichristlichen Staatenbund bremsen müsse. - In der Europäischen
Gemeinschaft sieht man
- einen Vorteil für den Verbraucher: das Warenangebot wird
international;
- einen Vorteil für den Urlauber: die Grenzen werden offener;
- einen Vorteil für den Arbeitnehmer: der gemeinsame Arbeitsmarkt
bringt jedem das Recht, überall im Europa der Neun zu leben und zu arbeiten;
- einen Vorteil für die Wirtschaft: die Absatzmärkte werden größer
und sicherer, die Zollschranken sind abgebaut;
- einen Vorteil für die Politik: Wenn Europa "mit einer Stimme
spricht", gewinnt diese ein größeres Weltgewicht.
19. 3. 1973: Die EG-Staaten (außer Großbritannien, Italien und Irland) bilden einen gemeinsamen WÄHRUNGSVERBUND ("Währungsschlange").
6. 7.1978: Der europäische Rat beschließt in Bremen, ein EUROPÄISCHES WÄHRUNGSSYSTEM zu schaffen.
10. 6. 1979: Zum ersten Male wählen die Bürger Europas ein gemeinsames PARLAMENT. "Europa wird volljährig", lautet die Parole. 180 Millionen Menschen stellen 410 Abgeordnete, davon 81 aus der BRD, welche die größte Einwohnerzahl in der Europäischen Gemeinschaft aufweist. Die Mehrheit erhält ein Block aus christlichen und konservativen Parteien.
28. 5.1979: Die AUFNAHME GRIECHENLANDS (des "Mutterlandes" der
Europäischen Demokratien) wird beurkundet; zum 1. 1. 80 soll der Beitritt in
Kraft treten; bis 1988 soll die volle Freizügigkeit in der Ansiedlung und
Arbeitsplatzwahl für Griechen gewährt werden. Bei der Unterzeichnung erklärte
der griechische Premier Karamanlis, die Europäische Gemeinschaft sei die
Synthese HELLENISCHEN, RÖMISCHEN und CHRISTLICHEN Geistes und könne als das
"wichtigste Ereignis in der Menschheitsgeschichte" angesehen werden!
Nun
ist wieder die biblische ZEHN erreicht, die vor dem Ausscheiden Norwegens schon
einmal kurze Zeit bestanden hatte. Ich schrieb 1972 (im Konzept zu "Urzeit
und Endzeit"): "Nun warten wir voller Spannung darauf, wer wohl als
Ersatzstaat an die Stelle Norwegens rücken wird - vielleicht eines der
klassischen Länder der biblischen Prophetie, Spanien oder gar Griechenland"
(S. 99). Noch liegen Aufnahmeanträge Spaniens und Portugals vor; ob es dadurch
zur ZWÖLF der 12 goldenen Sterne in der blauen Europaflagge kommen wird? Oder
ob die zeitliche Abwicklung und Probezeit sich so hinauszögern wird (siehe
Griechenland), daß es in der noch zur Verfügung stehenden End-Zeit gar
nicht mehr zu deren voller Aufnahme kommen wird? Doch neige ich zur buchstäblichen
Auffassung der 10 (Zehen, bzw. Hörner) im endzeitlichen Staatenbund, - dem vielleicht auch noch einmal ein Austritt und Neueintritt vorausgehen mag.
Jedenfalls ist es abzulehnen, die ZEHN nur zahlensymbolisch als "Völkerfülle"
aufzufassen, da ja alle anderen Zahlenangaben sowohl im Monarchienstandbild wie
in Daniels Tiervision buchstäbliche Bedeutung haben, wie ich oben schon
nachgewiesen habe.
Immer
wieder wird von Kritikern dieser Schau auf die Schwankungen und Verzögerungen
im Werden der Einheit Europas und eines Europäischen Staatenbundes
hingewiesen; dem ist zu entgegnen, daß Verwirklichungen der Prophetie niemals
"perfekt vom Himmel fallen", sondern in "Geburtswehen"
angebahnt und herausgeboren werden. In einem dynamischen Geschehen, in immer
neuen "Wehen" und Schüben werden die endzeitlichen Konstellationen
hervorgebracht. Man denke nur an das Werden Israels im Lande der Väter und die
verschiedenen Phasen seiner endgeschichtlichen Wiederherstellung!
Nun
gibt es auch Gegner der Einigung Europas. So hat der frühere französische
Premierminister Michèl Debré 1979 eine Revision der Europäischen Verträge
verlangt, um die Entwicklung eines von den Gaullisten gefürchteten übernationalen
EUROPAS zu verhindern. Er führte auf einer Pressekonferenz des von ihm gegründeten
"Komitees für die Unabhängigkeit und die Einheit Frankreichs" aus:
"Die SUPRANATIONALITÄT ist ein TIER, das vernichtet werden muß!"
Bezeichnenderweise werden Politiker, die vom prophetischen Wort der Bibel wohl
nichts wissen, wie der Hohepriester Kaiphas zu "Propheten wider
Willen"!
Vom
Eisen-Tongemisch in den Zehen
Die
FÜSSE und ZEHEN des Monarchienstandbildes bestehen aus einer eigenartigen,
eigentlich unmöglichen Mischung (Legierung) aus TÖPFERTON und EISEN. Daniel
deutet dies auf eine dreifache Weise:
a) "Es wird ein geteiltes Königreich sein; aber von der Festigkeit des Eisens wird in ihm bleiben" (2, 41); dieses Wort spricht nicht von einer äußerlich-politischen Spaltung, sondern von einer inneren Wesens-Zerrissenheit. Darauf weist auch Kapitel 2, 42 hin:
b)
"... zum Teil (einerseits) wird das Königreich stark sein,
zum Teil (andererseits) wird es zerbrechlich sein".
In der
bleibenden Härte des EISENS haben wir die brutale Härte des Römerreiches zu
sehen; diese wurde durch die Zeiten hindurch in der Nationalstaatlichkeit
Europas aufbewahrt und ersteht in endzeitlicher Härte wieder: Römische
Verwaltung, Römisches Recht, Römische Militärdiktatur, Römische Religion,
Römischer Welthandel werden den Prozeß der Verhärtung beschleunigen.
TON
ist bröckelig und weich, aber auch biegsam, formbar, dehnbar und anpassungsfähig.
Die Starrheit Roms wird durch diese Beifügung modellierbar. In dem Töpferton dürfen
wir aber auch das weiche und verweichlichende Wesen des kapitalistischen Luxus
und einer innerlich zerbröckelnden "hurerischen" Demokratie sehen,
die nur ein Ziel kennt: die unbeschränkte "Freiheit der
Selbstverwirklichung" des endzeitlichen Menschen, wie sie heute schon die
"Reformpädagogik" fast der ganzen westlichen Welt auf ihre Fahnen
geschrieben hat. Unbeschränkte Meinungsfreiheit, Pressefreiheit und sexuelle
"Freiheit" sind Mittel zur Durchsetzung dieser Ziele. Der
Schwangerschaftsabbruch mit jährlich 140 000 "legalen" Morden am
ungeborenen Leben läuft unter der "freiheitlichen Devise":
"Mein Bauch gehört mir."
Zwischen
der Weichheit des TONES und der Härte des EISENS scheint ein unüberwindbarer
Widerspruch zu bestehen; aber gerade die Ablehnung aller Autorität durch den
demokratischen Ichmenschen fordert - gleichsam im Pendelschlag - die brutale Autorität des TIERES und des Mannes an der Spitze des Tiersystems
heraus. Der weltweite Schrei nach ihm wird immer lauter.
Auch
im Kaisertum Roms nach der Zeitenwende mischte sich immer mehr die Härte der
Cäsarenherrschaft und ihres unerhörten Weltherrschaftsstrebens und
expansiven Militarismus mit der Verweichlichung eines unermeßlichen
Luxus und einer weltweiten moralischen Degeneration. Dies aber führte zum
"Zerbröckeln" des Imperium Romanum unter dem Ansturm der Barbaren.
c)
Was aber will das rätselhafte
Wort aus Dan. 2, 43 besagen? "Daß du das EISEN mit lehmigem TON vermischt
gesehen hast - sie (wer?) werden sich vermischen durch (im Hebräischen:
b' = "mit") Menschensamen; aber sie werden nicht aneinanderhaften,
gleichwie Eisen mit Ton sich nicht (dauerhaft) vermischen läßt".
Wird
in diesem Text wirklich auf eine kosmische Vermischung zwischen
Götterwelt und Menschenwelt im Sinne von 1. Mos. 6 / Offb. 12 / 2. Petr. 2, 4 /
Jud. 5-8 hingewiesen, wie es der Wortlaut der Elberfelder Übersetzung
nahelegt? Die Schrift bezeugt diesen Tatbestand ja. Aber ist er hier
angesprochen? Ich habe dies selbst lange Zeit so gesehen.
Dagegen
aber sprechen die Verse 41-42, die ja doch ganz nüchterne, realpolitische
Tatsachen umschreiben! Nach vielen anderen Übersetzungen (Tur-Sinai /
Kautzsch-Weizsäcker / Schmoller / Menge) bezieht sich das "sie"
auf die "Zehen". Trotz einer geplanten und teilweise auch durchgeführten
Vermischung von Menschensamen (Menschenrassen) wird doch die Einheit nicht von
Dauer sein. Modern gesprochen: Die Freizügigkeit in der Wahl des Wohnortes
und des Arbeitsplatzes soll die Union im endzeitlichen Staatenbund auch wesensmäßig
"kitten"; dennoch wird dies zu keiner bleibenden Überwindung der
nationalen Interessen und Egoismen führen. Es entsteht zwar eine
"Supranationalität", jedoch ohne dauernde Überwindung der
Nationalinteressen. Auch die völkischen Eigenarten werden sich, trotz aller
Vermischung, bewahren.
In
den Zehen wird also ein kurzfristiges Unternehmen dargestellt: eine UNION
von Staaten, die das Fundament für die Geschehnisse der letzten Jahrwoche und für
das Auftreten des antichristlichen Weltherrschers bildet.
So
sieht es auch Dan. 7, 8 und 23-27: Die 10 HÖRNER sind 10 KÖNIGE (Präsidenten,
Diktatoren) des letzten Staatenbundes; zeitlich "nach ihnen"
wird ein "andersartiger" (ein "kleines Horn") aus ihrer
Mitte aufstehen und überraschend groß werden. Er unterscheidet sich deutlich
von seinen Vorgängern und wird 3 Könige des Staatenbundes erniedrigen. Er ist
der eigentliche Mann des Endes, der Weltherrscher, der sich an die Spitze des
Staatenbundes setzt, "Vermessenes redet" und sich zum Messias und
zum Gott ausrufen läßt. Ob der "Antichrist" (das "Tier aus dem
Lande") mit ihm identisch ist, oder nur des "Tieres" Prophet
und Propagandaminister (wie ein Goebbels im Hitlerreich), sei hier nicht
untersucht; es spricht jedoch vieles dafür.
Das
"kleine HORN" wird in der Offenbarung des Johannes überhaupt nicht
unter diesem Namen erwähnt; dort wird der Name DAS TIER einfach vom
endzeitlichen STAATENSYSTEM auf dessen Repräsentanten, also auf den MANN, übertragen
und im Wechsel der Bedeutung verwendet. Dazu führte Thaidigsmann
("Zeitenwende") aus:
"Man
kann sagen: Die REICHE und ihre HERRSCHER sind Wechselbegriffe, d. h.
Begriffe, die gegeneinander ausgetauscht werden können. Denn das Reich wird
repräsentiert durch seinen König (Führer, Kanzler, Staatspräsidenten) und
umgekehrt. In dieser Hinsicht hat Alexander der Große das griechische Reich
repräsentiert, Nebukadnezar das babylonische und später die römischen Cäsaren
die römische Vorherrschaft."
Vl. Der
zeitliche und heilsgeschichtliche Standort des Apostels Johannes
1. Das
Stellenmaterial der Offenbarung Johannis
Während Daniel
in Kapitel 7 die Weltreiche noch in der zukünftigen Abfolge sieht, also: Löwe
(Babylonien), Bär (Medopersien), Panther (Griechenland) und (endzeitliches)
TIER (Bestie), schaut Johannes diese Reiche in ihrer geschichtlichen
Vergangenheit; er schildert die Wesenszüge - von seinem geschichtlichen
Standort aus - rückwärtsgewandt: ein TIER mit den Charaktermerkmalen der
Pantherin, des Bären, des Löwen. Der "Film läuft rückwärts".
"Und ich
sah aus dem (Völker)-Meer ein TIER aufsteigen, welches 10 HÖRNER und 7 KÖPFE
hatte. Auf seinen Hörnern trug es 10 Diademe, und auf seinen Köpfen Namen
der Lästerung. - Und das TIER, das ich erblickte, war einer PANTHERIN
gleich, und seine Füße waren wie die eines BÄREN und sein Maul wie ein LÖWENmaul.
Und der Drache (Satan) gab ihm Macht und seinen eigenen Thron und große Autorität.
- Und einer von seinen (7) KÖPFEN war gleichsam wie zum
Tode geschlachtet, wurde aber von seinem Todesstreich (tödliche Plage) geheilt.
Und die ganze Erde staunte hinter dem TIERE her" (Offb. 13,1-3).
In Kapitel 13,
12.14 wird uns sodann berichtet, wie das TIER AUS DEM LANDE (in dem wir mit
vielen den eigentlichen Antichristen sehen) dafür sorgt, daß
alle Erdenbewohner "das erste TIER anbeten, dessen tödlicher
Schwertstreich geheilt wurde", und daß es sie auffordert "ein Bild
dem TIERE anzufertigen, das die Schwertwunde erhielt und wieder
auflebte".
In Kapitel 17,
3 lesen wir: "Und ich sah ein WEIB auf einem scharlachroten TIER sitzen,
das 7 KÖPFE und 10 HÖRNER hatte."
In Kapitel 17,
8 deutet der gottgesandte Engel das "Geheimnis des WEIBES und des
TIERES" folgendermaßen: "Das TIER, welches du sahest, WAR und IST
NICHT und WIRD aus dem Abgrund (dem Abyssos als dem Ort der Dämonen und nicht
der Toten) heraufsteigen und wieder zum Untergang gehen. Und die Erdenbewohner
... werden staunen, wenn sie DAS TIER sehen (als ein solches), das war und
nicht ist und wieder sein wird."
Kapitel 17,
9-11 aber fügt scheinbar verwirrende Einzelheiten hinzu:
"Hier ist
ein Denken, verbunden mit Weisheit, erforderlich: Die 7 KÖPFE sind 7 BERGE, auf
denen das Weib sitzt, und sind (zugleich) 7 KÖNIGE (bzw. Königreiche, die von
ihnen repräsentiert werden). Fünf sind bereits gefallen, der eine ist (zur
Zeit) noch, der andere (der Siebente!) ist noch nicht gekommen; wenn er aber
kommt, muß er eine kurze Zeit bleiben. Und das TIER, welches war und
nicht ist, er ist (was sein zukünftiges Wiedererstehen anbetrifft) auch ein
achter (König); er ist aber (wesensmäßig) aus den Sieben und geht ins
Verderben."
Das kommende
Tier - System oder Mann - muß nicht notwendigerweise einer von
den Sieben (Vorgängern) sein, wohl aber ist er "aus" ihnen (ek), d.
h. wesensmäßig von ihrer Art. Wer nachprüfen möchte, wie oft das Wörtlein
"ek" nicht nur biologische, sondern auch geistiggeistliche
Verwandtschaft und Art anzeigt, möge dies anhand von Matth. 1, 5.20 / 21, 25 /
Joh. 3, 31 / 4, 22 / 6, 65 / 12, 49 / 8, 23.42.44 / 18, 37 / 1. Kor. 1, 30 / 15,
45 / 2. Kor. 13, 4 / Eph. 2, 8 / 3, 15 / Hebr. 2, 11 / 1. Joh. 2, 16.19.21 / 3,
8.19 u. a. nachprüfen. -
2. Die ursprüngliche
Naherwartung des Reiches Christi durch die Apostel
Thaidigsmann
erwähnt in seinem Buche "Zeitenwende" vier Auslegungsweisen der
Offenbarung:
Die reichsgeschichtliche Deutung; diese sieht in der Offenbarung des Johannes den großen Kampf zwischen Gottesreich und Weltreich, zwischen den Mächten des Lichtes und der Macht der Finsternis bis zu seinem siegreichen Ausgang.
Die zeitgeschichtliche Deutung sucht das Buch "durch die Brille" seiner ersten Leser, also aus den historischen Verhältnissen der Urgemeinde heraus zu verstehen; allerdings sieht auch sie als Zielpunkt das kommende Gottesreich.
Die kirchengeschichtliche Auffassung will die Ereignisse der letzten beiden Jahrtausende Stück für Stück in den Johannes-Weissagungen wiederfinden. Sie betrachtet auch die 7 Sendschreiben (wohl nicht zu Unrecht) als eine Vorausdarstellung kirchengeschichtlicher Zeiträume.
Die endgeschichtliche (eschatologische) Auffassung meint, daß der
Blick des Sehers Johannes wenigstens vom 6. Kapitel an auf das Ende des gegenwärtigen
Äons gerichtet sei, auf die Ereignisse der letzten Daniel'schen Jahrwoche,
die mit ihren 7 Jahren unmittelbar dem Kommen Christi vorausgeht.
Es ist bekannt,
daß wir im allgemeinen der endgeschichtlichen Auslegung zuneigen (wie sie von
Bullinger ausgehend, zuletzt August Fuhr, Karl Merz und auch Heinz Schumacher in
"Durch Gottesgerichte zum Gottesreich" vertraten); doch ist es
keineswegs ohne Wert für die Auslegung, auch die zeitgeschichtlichen Umstände
zu beachten, sonderlich den historischen und heilsgeschichtlichen Standort
des Verfassers. Dies kann uns einer Lösung durchaus näher führen. Es ist
ja ohnehin so, daß sich die Prophezeiungen oft mehrfach, in immer präziseren
Verwirklichungen erfüllen.
Eine
Verwurzelung in der Zeitgeschichte sahen wir auch bei Daniel. Er erhielt seine
Visionen einer zukünftigen Zeit, nachdem ihn die zeitgeschichtliche
Gefangenschaft Israels in Babel bewegt hatte; von seinem historischen Standpunkt
aus schaute er nicht die bereits vergangenen Weltreiche ÄGYPTEN und ASSYRIEN,
sondern als erstes das babylonische Weltreich Nebukadnezars, in dem er selbst
lebte. Doch erschöpfte sich seine Schau nicht in den zeitgeschichtlichen
Tagesereignissen seiner Umwelt, sondern er schaute bis ans Ende der Zeiten, bis
zum Kommen des messianischen Reiches. -
Nun gab es
wirklich unter den Aposteln Jesu Christi eine Naherwartung des Reiches
Christi und Seiner Wiederkunft. Diese teilten sie mit dem Volke Israel. So lesen
wir in Joh. 6, 15, daß die Volksmenge den Herrn nach der Speisung der 5000 zum
König Israels proklamieren wollte. Luk. 24, 21 läßt uns hineinschauen in die
Hoffnung der Frommen Israels und auch der Jünger, Jesus werde als der Messias
in ihrer Zeit Israel erlösen (was Seine Machtergreifung in Herrlichkeit
voraussetzt). Und nach Luk. 19, 11 schlossen die Jünger aus der Tatsache, daß
Jesus nach Jerusalem wanderte, "das Königreich Gottes werde sofort
sichtbar in Erscheinung treten". Seine leiblichen Brüder erwarteten
und forderten nach Joh. 7, 3-4 die sichtbare Messiasproklamation Jesu auf
dem bevorstehenden Laubhüttenfest. Diese hochgespannten Hoffnungen entsprangen
nicht nur einer nationalen Illusion, sondern wurden genährt durch die Propheten
Israels, wenn auch übersehen wurde, daß zunächst die Frage der Versöhnung
geregelt werden mußte.
Auch nach der
Auferstehung Christi von den Toten blieb die Frage offen (die der Herr im übrigen
keinesfalls zurückwies): "Herr, stellst Du zu dieser Zeit dem
Israel die Königsherrschaft (Gottes) wieder her?" (Apg. 1, 6).
Wenn auch nach
Jesu Antwort die Zeiten und Heilstermine in der alleinigen Verfügungsgewalt
des Vaters stehen, so bestand doch nach Pfingsten - im Falle der Generalbuße
Israels - tatsächlich die Möglichkeit der Errichtung des Messiasreiches
in Macht und Herrlichkeit. Der Einschub der Haushaltung, der Erstlingsgemeinde
war noch Geheimnis Gottes.
3. Erfüllte
Zeit: Aufgebaute Kulissen der Endzeitszenerie
Wie in Apg. 2,
17-20 berichtet wird, sah Petrus in der Ausgießung des Heiligen Geistes
den Auftakt der Endzeit; die von ihm zitierte Joel-Weissagung hätte er, bei
rechter Schriftteilung, nach V. 18 (= Joel 2, 29) abbrechen müssen (man beachte
das Verfahren Jesu in Nazareth: Luk. 4, 18-20). Doch läßt er Joel
weiterhin zu Wort kommen, wenn er von den endzeitlichen Wunderzeichen im Kosmos
und auf Erden, von Blut, Feuer und Rauchsäulen, von der Verfinsterung der Sonne
und dem Erröten des Mondes "unmittelbar vor dem Tag des HERRN"
spricht (Apg. 2, 19-21 / Joel 2, 30-32). Er rechnet mit dem Vollzug
dieser Ereignisse, nicht aus einem Irrtum heraus, sondern deshalb, weil damals
"die Zeiten der Erquickung", die Wiederkunft des Messias und die
Neuordnung
aller Dinge noch offenstanden (Apg. 3, 19-21). Die zunehmende
Verstockung Israels vereitelte diesen Gang der Ereignisse. Auch Hebr. 1, 1
spricht davon, daß Gott "in dieser Endzeit" zu Israel "in einem,
der Sohn ist" geredet habe.
So waren im
Grunde die "endzeitlichen Kulissen" allesamt aufgebaut, das göttliche
"Schauspiel" der messianischen Machtergreifung konnte beginnen.
Gekommen war zu Seinem Tempel der Herr (Mal. 3, 1).
Johannes der Täufer hatte in
Geist und Kraft des Wegbereiters Elia gewirkt; "Er ist der Elia, wenn
ihr es wollt!" (Matth.
11, 14 / Mk. 9, 13 / Luk. 1, 17).
Die Sonne hatte sich bereits beim Tode Christi verfinstert, und auch das für die Endzeit angekündigte Erdbeben hatte Jerusalem erschüttert (vgl. Offb. 11, 13 / Sach. 14, 4), wenn auch erst in modellhaftem Maßstab.
War nicht auch ein Auftakt der von Israel erwarteten endzeitlichen Totenauferweckung geschehen (Sach. 9, 11 / Dan. 12, 1-3), in der Auferweckung des Lazarus und der Leiber alttestamentlicher Heiliger beim Tode Christi?
Herodes verfolgte als der "feuerrote Drache" das Messiaskind und damit das gesetzestreue Israel.
Als das 4. TIER Daniels stellte sich das Römische Imperium mit seinem "gottgleichen" Cäsar dar, und der Todesschatten Roms fiel über Israel.
Auch die GROSSE STADT BABEL war erstanden; und die Rabbiner der Zeit Jesu, wohl auch Petrus und die Apostel, hatten mit diesem Decknamen ROM im Auge, die Riesenstadt (Megalopolis) auf 7 Hügeln (Septacollis). Vgl. 1. Petr. 5, 13.
Nun konnte doch
die Endzeit, d. h. die 70. Jahrwoche von Dan. 9, unmittelbar nach dem "Ausgerottetwerden
des Messias" abrollen, wie es der heilige Text jedem Schriftforscher
nahelegte, der noch nichts von dem geheimnisvollen "Einschub" der
Erstlingsgemeinde
aus den Völkern wußte.
Selbst in der
geschichtlichen Abfolge der römischen Kaiser (Cäsaren) wurde das
zeitgeschichtlich
vorgebildet, was Johannes in Offb. 17, 9-11 so rätselhaft bezeugt; auf
der Grundlage einer zeitgeschichtlichen Erfüllung wächst die Schau
endgeschichtlicher Ereignisse.
Die dort erwähnten
7 HÄUPTER des Tieres sind KÖNIGE, Kaiser (bei Alexander dem Großen sogar
Generäle), und als solche Verwalter der Römischen Reichsidee. Während der
Apostel Johannes auf Patmos in der Verbannung weilte, herrschte in Rom KAISER
DOMITIAN (81-96). Er ist der 6. Kaiser nach Pfingsten, was insofern
von Bedeutung für die Zählung ist, als ja die Apostel von Pfingsten an mit
der Verwirklichung der Endgeschichte und der 70. Jahrwoche rechneten. Vom
zeitgeschichtlichen Standort des Johannes aus ergibt sich in aller Klarheit:
"5 von ihnen (den Häupter-Königen) sind gefallen"; und zwar
waren dies:
GAJUS
CALIGULA (37-41 n. Chr.)
CLAUDIUS
(41-54);
NERO
(54-68);
VESPASIAN
(69-79);
TITUS (79-81);
"Einer ist noch" - (zur Zeit des Sehers auf Patmos):
DOMITIAN (81-96);
"Der andere ist noch nicht, und wenn er kommt, muß er eine kurze
Zeit bleiben":
NERVA (96-98 - ganze zwei Jahre!).
Unter dem Bild des TIERES aber sieht Johannes jenen "Achten" (dies
ist nicht etwa ein 8. Haupt), der "wesensmäßig aus den Sieben
ist":
TRAJAN (98-117) - und mit ihm die größte Ausdehnung des Römischen Reiches und dessen glanzvoller Höhepunkt.
Wie gesagt:
Zeitgeschichtliche Vorschattung! In diesem historischen Rahmen, den Gott als
"Kulisse" selbst gebaut hatte, hätte sich die Endzeit ereignen können,
wenn sich Israel zu Pfingsten im Sinne Gottes entschieden und Jesus als den
Messias angenommen hätte.
Noch aber ist
Offb. 17, 9-11 - bei aller zeitgeschichtlichen Vorschattung - nicht
erfüllt. In den gleichen Formulierungen wird hier Wesentliches über das Tier
der Endzeit gesagt.
4. Der
Aufschub des Reiches - offene Frage für den Seher auf Patmos
Auch für den
Apostel Johannes "stand alles bereit". Die "Zeichen der
Zeit" wiesen hin auf die baldige Wiederkunft Christi und die Errichtung
Seines Reiches; allerdings stimmten manche Aussprüche des Herrn über den
"Verzug" des Bräutigams und über "Zeiten und Zeitpunkte"
doch nicht ganz damit überein. Doch nun vollzogen sich Ereignisse, welche
die Naherwartung Christi - spätestens zu diesem Zeitpunkt - umstürzten:
Der Tempel und die Stadt Jerusalem wurden von den Römern zerstört, von dem "Volk des kommenden Fürsten", des endzeitlichen Weltherrschers "von Satans Gnaden" (Dan. 9,26);
Israel wurde als Volk in das Römische Exil geführt;
Statt der erwarteten geistlichen Erneuerung wurde Gottes Volk weithin verblendet und lehnte das angebotene Heil ab;
Die Völkerwelt öffnete sich, ohne den Mittlerdienst Israels, für das Evangelium; dies hatten auch die Propheten des Alten Bundes nicht geschaut; es blieb Gottes Geheimnis bis auf die Zeiten der Enthüllung;
Die jüdische Urgemeinde floh ins Ostjordanland und blieb seitdem historisch verschollen;
Die Mitapostel, auch Paulus der
Völkermissionar, starben alle dahin, Johannes bleibt als letzter von ihnen.
Für ihn mußte
sich nun die Frage erheben: Wie steht es mit der Verwirklichung der
Prophetenworte für die Endzeit? Hatte
etwa Daniel sich "geirrt", wenn er in Dan. 9 nach dem "Ausgerottetwerden
des Messias" eine letzte, 70. Jahrwoche ankündigte? Zwar hatte sich erfüllt,
daß das VOLK des kommenden Endzeitfürsten die Stadt Jerusalem und das
Heiligtum zerstörte (V. 26), aber wo blieb dieser antigöttliche FÜRST selbst?
Wo blieb sein Siebenjahresbund mit dem Volke Israel samt dem Greuel der Verwüstung
und seine schließliche Vernichtung durch den Messias (V. 27)?
Wie stand es
nun um die prophetische Verheißung der Wiedergeburt Israels und der Erneuerung
seiner weltweiten Missionsaufgabe? "Wir warten Dein, o Gottessohn" - aber wie lange noch? "Wo ist denn nun die Verheißung Seiner
Wiederkunft?" (2. Petr. 3, 4). Wann endlich wird "die Übertretung zum
Abschluß gebracht", wann wird "den Sünden ein Ende gemacht",
wann wird "alle Ungerechtigkeit gesühnt", eine "ewige
Gerechtigkeit eingeführt"? Wann werden die "Gesichte der Propheten
besiegelt", d. h. endgültig erfüllt? Wann wird "ein Allerheiligstes
gesalbt und geweiht" (Dan. 9, 24)?
Zwar wurde
durch Kreuz und Auferstehung des Messias Jesus das Fundament gelegt. Doch
standen die Heilsverwirklichungen in der Weltgeschichte noch aus! So oder ähnlich
mag Johannes nach der Lösung des heiligen Rätsels gefragt haben. Wir müssen
immer bedenken, daß auch den Aposteln die Lösungen solcher Fragen erst
zugewachsen sind, wenn auch geistgewirkt und abgesichert vor menschlichem
Irrtum; denken wir nur an das Werden der paulinischen Botschaft, wie wir es in
seinen Briefen erkennen können!
Hier aber
setzt bei Johannes die gottgeschenkte Offenbarung ein.
VII. Die
prophetische Schau des Johannes löst das endgeschichtliche Rätsel
Er schaut die
Einschubzeit der Gemeinde, die ja allen heiligen Aposteln und
Propheten des Leibes Christi enthüllt wurde (Eph. 3, 5). Er gewinnt Klarheit
über den Aufschub des prophetischen Wortes vom "Tag JAHWEHS" bis in
eine ferne Zeit. Dann aber läuft die 70. JAHRWOCHE ab, die er wiederholt
und präzise ankündigt, - wenn auch in ferner Zeit für ihn "am
Horizont der Weltgeschichte" (Offb. 11, 2-3 / 12, 6 / 12, 14 /13, 5).
Es gilt als völlig
gesichert, daß, der Apostel Johannes den Propheten Daniel, also auch seine
Weissagungen über das Standbild der Weltreiche und über das 4. TIER, kannte
und darauf gründete. Folgerichtig mußte sich nun auch das 4. TIER (das
RÖMISCHE IMPERIUM, das ja bis zum machtvollen Kommen des Messias währt) bis
zum Ende der Tage "verschieben"; das gleiche galt dann auch für
die 10 ZEHEN des Daniel'schen Standbildes und hinsichtlich der 10 HÖRNER des
Tieres.
Auch Johannes
"forschte" als Prophet der Gemeinde, wie die Propheten zuvor,
"auf welchen Zeitpunkt" der in ihm wirkende Geist Christi hindeutete;
nun wurde ihm der Schlüssel zur Lösung des heiligen Rätsels gegeben:
Das TIER war, doch es empfängt "so etwas wie eine Todeswunde".
Es ist (geraume Zeit) nicht.
Es wird (nach dem Ausheilen der Todeswunde) wiederkommen.
So schaut der
Apostel Johannes vom Schauturm des prophetischen Wortes
die Vergangenheit des RÖMISCHEN WELTREICHES in seinen Cäsaren;
den Untergang dieses Imperiums um 476 und um 1453 n. Chr. und seine Nichtexistenz trotz kümmerlicher Versuche der Nachfolgestaaten, die "Römische Ideologie" fortzusetzen; doch dienten diese nur dazu, das Wesen des Römerreiches durch die Zeiten aufzubewahren;
Er schaut aber auch das Wiedererstehen des Römischen Imperiums im
endzeitlichen Staatenbund; dieser wird zunächst von 10 Staatspräsidenten
oder Ministerpräsidenten geführt (Offb. 17, 12-13: Wie Könige), dann
aber in einer unerhörten Machtzusammenballung von dem "kleinen Horn",
dem CÄSAR und politischen Antichristen der Endzeit. Wenn dies aber erst
geschieht, wird es "keinen Zeitaufschub mehr geben" (Offb. 10,
6-7).
die Heimführung Israels ins LAND der Väter;
die Heimholung der Stadt JERUSALEM;
das Wiedererstehen einer judenchristlichen GEMEINDE in Israel; - der Wiederaufbau des TEMPELS in Jerusalem;
die endzeitliche Wiederherstellung der "ÖKUMENE" - der politischen Völkerkonstellationen rings um das Mittelmeer;
der EUROPÄISCHE STAATENBUND und seine religiöse, politische, militärische, juristische und wirtschaftliche Einheit;
das Wiedererstehen der Staaten in NAHOST und, die zunehmende Rolle der islamischen Staaten (Ismael);
das Wiederaufleben des KAISERTUMS im letzten Weltherrscher dieses Äons;
ROM wird als Megalopolis
(Hauptstadt) im Zeichen und Wesen BABYLONS wieder zum ZENTRUM DES ABENDLANDES.
Erich Sauer
wies darauf hin (in "Morgenrot der Welterlösung"), dass wie in der
Umwelt des Urchristentums wieder 6 Wesenszüge herrschen werden:
|
1. Welt-Zentralisation; |
4. Welt-Friede; |
|
2. Welt-Kultureinheit; |
5. Welt-Entsittlichung; |
|
3. Welthandel und -Verkehr; |
6. Welt-Religionsmischung. |
Auch die
SIEBENHÜGELSTADT ROM, welche die Rabbiner mit dem Decknamen BABYLON
bezeichneten, nimmt teil an dem dreifachen Geschick des TIERES; ist sie doch - wie Reiterin und Pferd
- eng mit diesem verbunden (Offb. 17, 3),
wie das SYSTEM einer Ideologie mit der STADT der Bewegung und dem einen Mann und
Führer. "Ein Volk, ein Reich, ein Führer" wird dann auf "europäisch"
ausgeweitet.
ROM "war" um 100 n. Chr. eine Millionenstadt (1 300 000 Einw.);
ROM "ist nicht" (und sank im Mittelalter zu einer Provinzstadt von etwa 25 000 Einwohnern herab);
ROM "wird
wiedererstehen"; seit 1870 zeigt die Stadt ein gewaltiges Wachstum und hat
heute schon fast 3 Millionen Einwohner. Was wird sie erst nach ihrem gewaltigen
Ausbau unter dem TIER sein, nach der mutmaßlichen Verlegung der Europäischen
Institutionen und Parlamente in die Stadt, die man die Wiege der Europäischen
Kultur nennen könnte? (s. vom gleichen Verfasser weiteres in "Urzeit und
Endzeit").
VIII.
Das TIER - sein "Tod" und seine Wiederherstellung
Ich habe in
dieser Arbeit die vergangene Existenz des Tieres, sein gegenwärtiges
Nicht-Sein und sein zukünftiges Wiedererstehen auf das Tier als System,
also auf die Erneuerung des Römischen Reiches bezogen, an dessen Spitze sich
hernach der antichristliche Cäsar setzen wird.
Doch gibt es
Ausleger, die auch die Schriftzeugnisse über die Todeswunde des Tieres (Offb.
13, 3.12 / 17, 8) auf die Person des endzeitlichen Weltherrschers
beziehen. Tatsächlich bereiten die Texte hier Schwierigkeiten, da sich die
Aussagen der Offenbarung über das TIER überlagern und einmal mehr das
TIER‑REICH und ein anderes Mal mehr dessen tierhaften FÜHRER im Auge
haben, - oder aber auch beide zugleich. Beiden eignet das Tierwesen, dem
Mann und dem System, das er beherrscht. Ähnlich verhält es sich ja auch in
Dan. 7, 17 und 23, wo einmal die TIERE als KÖNIGE, zum anderen als KÖNIGREICHE
geschaut werden. Dies ist kein Widerspruch.
Wenn man jedoch
das wiedererstandene Tier als Person ansieht, dann muß man folgerichtig eine
durch Satan bewirkte Auferstehung behaupten, die einem gewaltsamen Tod
(Attentat) des Antichristen folge. Könnte dies nicht geradezu eine Nachäffung
der Auferstehung Christi sein? Das leuchtet zunächst ein; doch sollte man
folgende Tatbestände bedenken:
Die "plägä täs machairas" ist eine in kriegerischer Auseinandersetzung erhaltene "Schwertwunde" und steht oftmals bildhaft für eine "Niederlage".
Nirgendwo steht, daß das TIER "getötet" wird, wie es klar von den beiden endzeitlichen Zeugen berichtet wird (Offb. 11, 7b); eine "Todeswunde" (oder einen Schwerthieb) empfingt auch nicht das TIER selbst, auch nicht eines seiner HÖRNER (also ein Regent), sondern einer seiner KÖPFE, was späterhin noch untersucht werden soll.
Zwar heißt es nach einigen griechischen Handschriften in Offb. 13, 14 "ein Bild dem TIER zu machen, der die Schwertwunde hat und lebendig geworden ist", was auf eine Person hinzuweisen scheint; doch wird das Tier in Offb. 13, 1.2.11.12 / 17, 3.8.11 als sächlich behandelt, so daß wir diesem "handschriftlichen Irrläufer" nicht allzugroßen Wert beimessen sollten.
Im übrigen sei der genaue Wortlaut von Kapitel 13, 3 bedacht: "Ich, sah einen seiner KÖPFE gleichsam wie (hoos) zum Tode geschlachtet"; dies aber ist die Redeform des bildlichen Vergleiches, also Bildersprache und Gleichnis. Eine solche Sprachweise ist aber einem historischen Untergang (nach kriegerischen Auseinandersetzungen) und einem Wiedererstehen des Tierreiches angemessener als einem tödlich verlaufenen Attentat auf eine Person (vgl. noch einmal Offb. 11, 7b). Man prüfe die anderen Stellen in der Offenbarung, wo dieses "hoos" als "gleichsam wie, verglichen mit" gebraucht wird; überall ist es bildliche Rede, die nicht buchstäblich verstanden werden darf (Kapitel 1, 10.14.15.16.17 / 2, 24.27 / 3, 3.21 / 4, 1.7 / 5, 6 / 6, 1.11.12.13.14 / 8, 8.10 / 9, 2.3.5.7-9.17 / 10, 1.7.9.10 / 12, 15 / 13, 2.3.11 / 14, 2-3 / 15, 2 / 16, 3.15 / 17, 12 / 18, 6 / 19, 6.12 / 20, 8 / 21, 2.21 / 22, 1). Wir halten also fest: Mit dem Ausdruck "Todesstreich" wird Bild und Gleichnis eines tödlichen Niederganges gezeichnet, weshalb auch das folgende "Wiedererstehen" bildhaft im Sinne einer Erneuerung verstanden werden muß.
Zwar berichtet die Heilige Schrift von Wunder-Nachäffungen durch heidnische Magier (2. Mos. 7, 11-12); doch spricht sie nirgendwo von einer magischen Totenauferweckung durch dämonischen Geist. Nur der Sohn Gottes selbst und neben Ihm Propheten und Apostel vollbrachten Totenauferweckungen. Gewiß, der Sohn des Verderbens wird in satanischer Energie gewaltige Zeichen und Wunder vollbringen (2. Thess. 2, 9), und das "Tier aus dem Lande" wird sogar (als unüberbietbare Spitze seiner Wundermacht) "Feuer vom Himmel fallen lassen" (13, 13), - aber von einer Auferweckung aus den Toten durch den Antichristen ist nichts bezeugt.
Könnte nicht aber der Satan diese an "seinem Sohn" bewirken? Zwar besaß Satan bis zu Christi Auferstehung (!) die Rechtsbefugnis des Todes, doch keineswegs Vollmacht über das Leben. Da er aber kein "Leben in sich selbst" hat, kann er auch nicht aus dem Tode erwecken. Die "Schlüssel des Hades" besitzt Christus, unser Herr, und sonst keiner! Allein der Vater ist der "Wiederbringer aus Toten" (Hebr. 13,20).
Dann ist zu beachten, daß das TIER nicht aus dem HADES (dem Orte der verstorbenen
Menschen, hebr. Scheol) wiederkehrt, sondern aus dem ABYSSOS, dem Gefängnisort
der Geister, der Dämonen und schließlich Satans (Luk. 8, 31 / Röm. 10, 7 /
Offb. 9, 1.2 / 9, 11 / 11, 7 / 20, 1.3). Johannes sieht das Römische
Kaiserreich,
das Weltsystem des Tieres, am Ende der Tage "aus der großen Tiefe"
wiederaufsteigen, - endzeitlich ausgereift, aufgeladen mit dämonischen
Kräften, überaus grausam und gottwidrig, ein Erzeugnis der Hölle und ihrer Mächte.
Die
Scofield-Bibel merkt zu Offb. 13, 3 an: "Teile des alten römischen Reiches
haben als einzelne Königreiche immer fortbestanden. Die Regierungsform eines
Weltreiches hatte aufgehört; das eine Haupt wurde ‚tödlich wund’. Was in
Vers 3 in prophetischer Weise geschrieben steht, ist die Wiederherstellung der
Form des Weltreiches, wenn auch als ein vereinigtes Reich von 10 Königreichen.
Das HAUPT ist ‚geheilt', d. h wiederhergestellt: es ist wieder ein KAISER da -
das TIER!"
Und Heinrich
Langenberg (dem wir keineswegs in seiner Auslegung der Offenbarung immer
folgen können) führte aus:
"Das TIER
ist hier wie in Dan. 7 ein genereller Begriff und bezeichnet ein SYSTEM, das
wahrscheinlich auch eine persönliche Spitze haben wird. Aber der Nachdruck
ist nicht auf die Persönlichkeit zu legen, sondern auf das System ... Der
Ausdruck
TIER stellt das Wesen des letzten Weltreiches als ein geistloses, von Instinkten
beherrschtes System dar, das von einem dämonischen Geist gelenkt wird ... Das
Bild des Tieres symbolisiert ein Kollektivsystem, in welchem der Einzelne nur
noch wie ein Teil einer großen Maschine existiert und funktioniert, die von
einem fremden Geist dirigiert wird" - vom Geist aus dem ABGRUND, vom
Geiste des Drachen.
Zuvor noch
einmal die Textgrundlage aus dem Propheten Daniel: "Diese 4 großen TIERE
sind 4 KÖNIGE ..." (Dan. 7, 17); zugleich aber sind sie Königreiche, die
sie repräsentieren: "Das 4. TIER: ein 4. KÖNIGREICH wird auf Erden sein
..." (Dan. 7, 23). Und die 10 Hörner dieses Tieres?
"Aus jenem
(vierten) Königreich werden 10 KÖNIGE aufstehen, und ein anderer
(andersartiger) wird später als sie aufstehen; dieser wird sich von den vorigen
unterscheiden und wird 3 Könige erniedrigen ... bis zum Ende" (Dan. 7,
23-27).
Der
"andere" König aber ist das antichristliche "kleine Horn",
das inmitten der 10 HÖRNER entsteht und drei von ihnen ausreißt (Dan. 7,8).
Dazu führt
Offb. 17, 12-13 aus: "Die 10 HÖRNER ... sind 10 KÖNIGE, die noch
kein KÖNIGREICH empfangen haben, jedoch Autorität wie Könige besitzen
- eine Stunde mit dem TIER."
Die Union
dieser 10 Staatenführer in einem Staatenbund aber wird so geschaut: "Diese
haben ein Denken und geben ihre Macht und Rechtsbefugnis an das TIER
ab; sie (d. h. die 10 Regierungsoberhäupter des endzeitlichen Staatenbundes)
werden mit dem LAMME Krieg führen. "
Nach der
Schrift sind wir dazu berechtigt, einen "Gottestag" mit 1000 Jahren
anzusetzen; dann dürfte die erwähnte "eine Stunde" des
Zehnerdirektoriums
und ihres Staatenbundes etwa eine Generation betragen. Sie ist also
offensichtlich nicht auf die letzte Jahrwoche beschränkt, was damit übereinstimmt,
daß der ZEHNERBUND zeitlich vor dem TIER, also dem politischen
Weltherrscher der Endzeit, entsteht. Nur darum können sie ja dann auch ihre
Herrschaft an ihn abtreten, nachdem er drei von ihnen entmachtet hat.
Was aber ist
unter den 7 KÖPFEN oder HÄUPTERN des Tieres zu verstehen, die Johannes dem
Daniel'schen Bilde hinzufügt, um das Tierbild zu vervollständigen?
Daniel hatte an dem vierten Tier nur ein Haupt geschaut. Ist es wirklich so, wie
manche Ausleger meinen, daß es in der Endzeit neben 10 politischen Herrschern
(den HÖRNERN) gleichzeitig 7 Könige (die HÄUPTER) geben wird? Wozu aber dann
das Nacheinander in der historischen Werdegeschichte der Sieben, die uns in
Offb. 17, 9-11 gegeben wird? Wir hatten hiervon ja schon eine
zeitgeschichtliche Deutung gegeben, die den Text natürlich nicht erschöpft.
Wenn in Offb.
17, 9 gesagt wird, die 7 HÄUPTER seien 7 BERGE und zugleich 7 KÖNIGE, dann
werden hiermit wieder KÖNIGREICHE (Berge, s. Dan. 2, 35) und deren Führungspersönlichkeiten
(KÖNIGE) zusammengeschaut (s. auch Dan. 2, 38).
Thaidigsmann
bemerkte hierzu richtig:
"Was sich
nun nahelegt, das ist die Frage, ob nicht das gleiche, was Daniel unter den 4
TIEREN verstand, in der Weissagung des Johannes mit den KÖPFEN oder HÄUPTERN
des einen Tieres ausgedrückt ist. Die 4 TIERE Daniels sind ja wie
die KÖPFE des Tieres bei Johannes im Grund genommen nur Ausprägungen des Tierwesens
überhaupt."
Dazu paßt
die Beobachtung Erich Sauers, daß die SUMME der Häupter aller Tiere in Dan.
7 eben sieben ergibt (Löwe und Bär je eines; Panther: 4; das vierte Tier
ebenfalls 1 Haupt - mit 10 Hörnern).
Uns erscheint
nur eine Möglichkeit einer Deutung, im Sinne einer Gesamtschau der Prophetie
des Alten und Neuen Bundes:
Daniel schaut vier
Tiere; diese stellen die zeitliche und historische Abfolge der Weltreiche und
ihrer HÄUPTER dar; diese Oberhäupter hatten geschichtliche Größe und
gestalteten maßgeblich den Charakter der jeweiligen Reiche.
Für den Seher Johannes verschmelzen nun die 4 TIERE des Daniel zu einem TIER, welches das Tierwesen aller bisherigen Reiche aufnimmt und vereinigt; es stellt also deren Wesens-Summe dar. Darum stattet er es mit den Wesenszügen des LÖWEN (Maul), des BÄREN (Tatzen) und des PANTHERS (Leib) aus. Dadurch entsteht aber - jenseits aller Zoologie - ein Untier, d