Wenn die Schrift bezeugt, daß Gott die Welt liebt, so ist damit gar
nichts darüber ausgesagt, wie die Welt ist, sondern nur, wie Gott ist.
Das gilt es einmal ganz klar mit allen Konsequenzen zu fassen.


Adolf Heller (1895 - 1973)
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Paulus und Jakobus

(Bearbeitet nach “Unsearchable Riches” für das “Prophetische Wort”, 1923)

Jeder Kenner des Neuen Testamentes weiß, dass hinsichtlich des Heils und der Rechtfertigung, bzw. der Frage, ob die Errettung zu erreichen sei durch Werke oder durch Werke und Glauben oder durch Glauben allein, ein Widerstreit ist zwischen der Lehre des Jakobus und der des Paulus. Man beachte nur die Nebeneinanderstellung folgender Aussprüche.

Jakobus sagt: “Also auch der Glaube, wenn er keine Werke hat, so ist er tot in sich selbst” (Jak. 2, 17); “Denn gleich wie der Leib ohne Geist tot ist, also ist auch der Glaube ohne Werke tot” (Jak. 2, 26); “Was hilft es, meine Brüder, wenn jemand sagt, er habe Glauben, dabei aber keine Werke hat? Kann ihn denn der Glaube retten?” (Jak. 2, 14); “Ward nicht Abraham, unser Vater, durch Werke gerechtfertigt, als er seinen Sohn Isaak auf dem Altar opferte?” (Jak. 2, 21); “Ihr seht nun, dass der Mensch aus Werken gerechtfertigt wird und nicht allein aus dem Glauben” (Jak. 2, 24).

Paulus dagegen sagt: “Da wir denn durch Glauben gerechtfertigt sind, so haben wir Frieden mit Gott durch unsern Herrn Jesus Christus” (Röm. 5, 1); “So halten wir nun dafür, dass der Mensch durch den Glauben gerechtfertigt wird ohne Gesetzeswerke” (Röm. 3, 28); “Wer aber mit Werken umgeht, dem wird der Lohn nicht aus Gnaden angerechnet, sondern aus Schuldigkeit; wer dagegen keine Werke verrichtet, sondern an den glaubt, der den Gottlosen rechtfertigt, dem wird sein Glaube als Gerechtigkeit angerechnet” (Röm. 4, 4.5); “Denn durch die Gnade seid ihr errettet, mittelst des Glaubens, und das nicht aus euch, Gottes Gabe ist es, nicht aus Werken, damit niemand sich rühme.” (Eph. 2, 8.9); “Nicht um der Werke willen, die wir in Gerechtigkeit getan hätten, sondern nach seiner Barmherzigkeit hat er uns errettet” (Tit. 3, 5); “Denn was sagt die Schrift? Abram hat Gott geglaubt, und das ist ihm zur Gerechtigkeit gerechnet” (Röm. 4, 3); “Wir sagen, dass der Glaube dem Abraham zur Gerechtigkeit gerechnet worden ist, nicht im beschnittenen, sondern im unbeschnittenen Zustand! Und er empfing das Zeichen der Beschneidung als Siegel der Gerechtigkeit des Glaubens, welchen er schon im unbeschnittenen Zustande hatte, auf dass er ein Vater aller wäre, die in der Vorhaut glauben, damit auch ihnen die Gerechtigkeit zugerechnet würde, und Vater der Beschneidung, die auch wandeln in den Fußtapfen des Glaubens” (Röm. 4, 9-11); “Denn nicht durch das Gesetz erhielt Abraham … die Verheißung, sondern durch die Glaubensgerechtigkeit” (Röm. 4, 13).

Wenn diese beiden Reihen von Schriftaussagen einander nicht völlig widersprechen, und wenn sie nicht schlechthin sich weigern, sich so auslegen zu lassen, als ob beide Reihen dasselbe sagen wollten, so entschwindet uns die Möglichkeit, je zu einem klaren Verständnis und Gebrauch der Sprache zu gelangen. — Wir gehen nicht etwa darauf aus, einen Gegensatz zwischen Paulus und Jakobus auffinden zu wollen. Der Gegensatz liegt ohnehin schon in den beiden genannten Reihen von Schriftaussagen klar zutage. Uns liegt vielmehr daran, die rechte Auslegung beider Aussagenreihen zu suchen, denn beide sind göttlich eingegeben und unter der Leitung des Heiligen Geistes niedergeschrieben worden. Beide sind wahr; daran ist nicht zu zweifeln. Wozu aber dieser große Unterschied bei dem, was zum Heile notwendig ist?

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Autor: Ludwig, Rudolf | Kategorie(n): Paulus, Paulusbriefe, Schriftteilung, Wort Gottes (Bibel)  |  786 x gelesen

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Hebräisches Denken — Eine Hilfe zum Verständnis der Bibel

Jeder bewusste Christ strebt danach, die Bibel mit ihrem Eigenverständnis richtig zu verstehen. Dazu möchte das hebräische Denken, welches ich von meinem geschätzten Lehrer, Professor Otto Michel, lernen durfte, eine Hilfe sein. Otto Michel (1903-1993) unterschied das abstrakte Denken von Gott, so besonders in der griechischen Philosophie, von dem lebensnahen Denken der Bibel, welches er als »hebräisches Denken« zu verdeutlichen suchte. Die Bibel bezeugt in vielen Zusammenhängen, dass Offenbarungen, die vom Empfänger im Glauben angenommen werden, das Leben des Betroffenen verändern. Der hebräisch denkende Christ ist an Gottes Handeln in der Geschichte und seiner Offenbarung orientiert. Bei jedem Text der Bibel ist zu fragen: »Was ist damals geschehen?« und »Was will Gott uns heute für unser Leben damit sagen?« Dazu möchte ich in den folgenden Abschnitten ein Fünffaches verdeutlichen:

  1. Wir lernen Gott in Seinen Taten kennen.
  2. Gott sucht den Menschen.
  3. Glauben an Gott — hebräisch verstanden.
  4. Wir denken daran, was Gott in der Vergangenheit tat, und was Er in der Zukunft tun wird.
  5. Die Verbundenheit der sichtbaren und unsichtbaren Schöpfung.

A. Wir lernen Gott in Seinen Taten kennen

Der jüdische Philosoph Martin Buber (1878-1965) wurde nicht müde, immer wieder auf Gottes Tat Seiner Schöpfung (1. Mose 1) hinzuweisen. Wer angesichts der Schöpfung einen Schöpfer leugnet oder ignoriert, kann dies nur auf Kosten der Vernunft vollziehen. Paulus bezeugt, dass Gott an den Werken Seiner Schöpfung erkannt werden sollte (Röm. 1, 20). Gott will sich aber nicht nur in Seinen Schöpfungswerken kundmachen. Darum sagt Jesus: »Glaubt ihr nicht, wenn ich euch von irdischen Dingen sage, wie würdet ihr glauben, wenn ich euch von himmlischen Dingen sagen würde?« (Joh. 3, 12), Mit der Bibel sucht Gott uns Seine Taten in der Geschichte zu vermitteln. Gottes Handeln in der Geschichte ist situations- und zeitbezogen. Weil aber konkrete Situationen und bestimmte Zeiten einem beständigen Wechsel unterliegen, ist es uns verwehrt, von ihnen ein religiöses Schema von Gottes Handeln abzuleiten. Dieses lehrt uns lediglich gewisse, menschlich formulierte Attribute Gottes, wie Zorn und Liebe, Gerechtigkeit und Wahrheit; aber Sicherheit darüber, wie Sein Handeln im Einzelfall in Zukunft aussehen werde, können wir nicht gewinnen, obwohl der natürliche Mensch nach solcher Sicherheit verlangt. Die Bibel bietet uns kein Schema, was Gott im Einzelnen zu jeder Zeit gleichermaßen tut. Wer zu dem Gott der Bibel ein Vertrauensverhältnis aufbaut, verlässt sich auf das »Dass« Seines Handelns, nicht auf das »Was« und »Wie«. So entsteht das »Dennoch des Glaubens« (Ps. 73). Die­ser Glaube entspricht dem hebräischen Denken. Vergleiche dazu das schöne Wortspiel Jes. 7, 9: »Glaubt ihr nicht, so bleibt ihr nicht.« (Für Glauben und Bleiben ist im Hebräischen die gleiche Wurzel aman benutzt.) Der Glaubende hat auf Überraschungen gefasst zu sein (z. B. 1. Mose 15, 6; 22, 1.2.11-18).

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Autor: Lubahn, Erich, Dr. | Kategorie(n): Lehre, Wort Gottes (Bibel)  |  2,393 x gelesen

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Die Wiederherstellung Israels nach Hesekiel

Vorbemerkung von Heinz Schumacher: Heinrich Langenberg war ein im Wort gegründeter Ausleger ganz eigener Prägung. Seine Auslegungen zeichnen sich durch große Worttreue und Wortnähe, durch gleichmäßiges Behandeln aller Sätze und Abschnitte, durch das Aufspüren der durchgehenden “geraden Linien” des Wortes und durch “prophetischen Realismus” aus. Schrift wird durch Schrift erklärt, und die Zusammenhänge werden beachtet.

Seine Schau weicht vielfach von der anderer gläubiger Ausleger ab. Das hat Vor- und Nachteile. Von Vorteil ist es zweifellos, daß man neue Anregungen bekommt und erkennt, daß ein Text vielleicht auch ganz anders aufgefaßt werden kann, als man es gewohnt war. Nachteilig ist — wenn man es so nennen will —, daß man Heinrich Langenberg nicht immer in seinen Gedankengängen zu folgen vermag. Aber ist das nicht im Grunde bei allen Auslegungen so — es sei denn, man wäre nur ein unmündiger, kritikloser Anhänger eines geistlichen Führers?

Das Folgende können wir herzlich empfehlen, es enthält köstliche Einblicke und Durchblicke bezüglich des göttlichen Planes mit Israel und den Völkern.

Die Hesekiel-Auslegung Langenbergs ist nicht im Druck erschienen. Seine (auch schon hochbetagten) Kinder haben so mancherlei aus dem Nachlaß des Vaters nach und nach auf Matrizen vervielfältigt, so auch Teile seiner Hesekiel-Auslegung. Wir entnehmen daraus einiges.

Die folgenden Ausführungen machen auch deutlich, wie weit das heutige Israel noch vom Zustand seiner Vollendung entfernt ist! Noch vieles wird Jehovah, der Unwandelbare, zu richten haben, ehe Israel Sein volles Heil erfährt. Doch, wie Langenberg mit Recht im Sinne der Propheten betont: Kein Gericht ohne Heil und kein Heil ohne Gericht!


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Autor: Langenberg, Heinrich | Kategorie(n): Das prophetische Wort, Heilsgeschichte, Israel, Wort Gottes (Bibel)  |  1,674 x gelesen

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Vom Schneiden des Wortes der Wahrheit (2. Tim. 2, 15)

Frage: Welchen Sinn hat die Aufforderung des Paulus an Timotheus, »das Wort der Wahrheit in gerader Richtung zu schneiden (oder: darzubieten, auszuteilen, zu teilen — 2. Tim. 2, 15)«?

Sehr beachtenswert ist, wie Timotheus das Wort der Wahrheit gebrauchen soll. Er soll es nicht als Streitwaffe gebrauchen, sondern es so darbieten, dass es in seinen großen Zusammenhängen verstanden und genossen werden kann. Er soll es »gerade schneiden« (orthotomein). Wir wissen nicht, an welchen Vorgang Paulus bei diesem bildlichen Ausdruck gedacht hat. Von jeher hat man über diesen Ausdruck viel gestritten. Es würde zu weit führen, alle die verschiedenen Meinungen aufzuzählen, die zum Teil recht willkürlich und irreleitend sind. Ablehnen müssen wir alle Deutungsversuche, die den Zusammenhang nicht berücksichtigen oder gar das Wort orthotomein falsch übersetzen. Es kann sich nicht um ein Zurechtschneiden des Wortes der Wahrheit handeln; denn das widerspricht dem Wesen dieses Wortes, das keines Zurechtschneidens bedarf. Aber auch alle Erklärungen, die auf ein Zerteilen oder Zerschneiden hinauslaufen, müssen abgewiesen werden, da es sich um ein Geradeschneiden und nicht um ein Teilen handelt. Die Ansicht vom Teilen des Wortes hat in weiten Kreisen Fuß gefasst, nachdem vor etwa einem halben Jahrhundert die Parole von Amerika zu uns herüberkam: »Teile das Wort der Wahrheit recht« (rightly dividing the word of the truth, engl. revidierter Text). Die Elberfelder Übersetzung hat im Text auch noch die ungenaue Wiedergabe: »der da recht teilt«, aber in der Fußnote heißt es: »eigentlich: in gerader Richtung schneidet.« (In der revidierten Elberfelder Bibel von 1985 heißt es nunmehr im Haupttext: »der das Wort der Wahrheit in gerader Richtung schneidet«; so entspricht es auch den Wörterbüchern von W. Bauer und Menge-Güthling — Anmerkung: Heinz Schumacher.)

Unter »recht teilen« versteht man wohl eine klare Unterscheidung z. B. der verschiedenen Haushaltungen, der verschiedenen Berufungen, das Auseinanderhalten von dem, was nur Israel, und dem, was nur die Gemeinde angeht. So wertvoll auch diese berechtigte Arbeitsmethode des klaren Unterscheidens ist, so spricht Paulus doch an dieser Stelle von etwas anderem. Man hat bei dem Bild des Geradeschneidens wohl an den pflügenden Ackersmann gedacht oder auch an die Arbeit des Zimmermanns oder eines Zeltmachers. In der Septuaginta, der griechischen Übersetzung des Alten Testaments, finden wir das Wort orthotomein nur an zwei Stellen, und zwar mit »Weg« verbunden, wo es übersetzt werden muss: »gerade schneiden deine Wege« (Spr. 3, 6; 11, 5). Das Bild ist also vom Hauen einer Waldschneise hergenommen. Durch das Wort der Wahrheit sollen also gerade Linien gezogen werden, sodass keine Umwege zum Ziel nötig sind. Diese Auffassung passt auch in den Zusammenhang hinein. Die Wortgefechte führen aus der rechten Bahn heraus und verlieren sich in Menschenfündlein. Timotheus soll sich an die geraden, zum Ziel führenden Linien halten. Das Ziehen gerader Linien darf aber ebensowenig zu einer geistlichen Spielerei ausarten wie das Teilen des Wortes. Aus Teilen und Unterscheiden darf kein Zerreißen werden und aus dem Geradeschneiden kein gekünsteltes Konstruieren. Die geraden Wege durchs Wort müssen so sein, dass jeder sie sehen und gehen und auf ihnen zum Ziel gelangen kann. Paulus gibt dem Timotheus ein Musterbeispiel im Geradeschneiden des Wortes der Wahrheit, indem er die große gerade Linie »durch Mitsterben zum Mitleben« markiert, und zwar sowohl für die Gemeinde als auch im besonderen für Israel. So finden wir es in allen seinen Briefen. Er vermengt nie etwas, was auseinandergehalten und klar unterschieden werden muss, aber er reißt auch nie etwas auseinander, was zusammengehört. Er zieht wunderbar klare Linien durch die ganze Schrift, sodass unsere Aufgabe lediglich darin besteht, diese Linien wieder aufzufinden und klar herauszustellen.


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Nach dem Wörterbuch von Walter Bauer bedeutet orthotomeoo in Spr. 3, 6; 11, 5 in Verbindung mit »Wege« offenbar »… den Weg in das (bewaldete oder sonst mit Hindernissen überzogene) Gelände in gerader Richtung einschneiden, sodass keine Umwege zum Ziel nötig sind«, und so bedeute 2. Tim. 2, 15 etwa: »das Wort der Wahrheit in gerader Richtung führen (wie einen zielstrebigen Weg), ohne sich durch Wortgefechte oder gottlose Redensarten aus der direkten Bahn drängen zu lassen«.

(Quelle: Auslegung der Timotheus-Briefe von Heinrich Langenberg)

Autor: Langenberg, Heinrich | Kategorie(n): Lehre, Paulusbriefe, Schriftteilung, Wort Gottes (Bibel)  |  800 x gelesen

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Zurück zur Symbolsprache der Bibel

Der Sinn der Symbolsprache

Das Wort Symbol kommt von dem griechischen Verbum sym-ballein und hat die Bedeutung von zusammenfügen, zusammenschließen. In der Symbolsprache werden ein geistiger Inhalt und eine sinnhafte Anschauung miteinander verbunden, wobei die Entsprechung durch die Worte “wie” oder “gleich wie” hergestellt wird. Alles Gedachte gewinnt dadurch ganz von selbst an Plastik, Farbigkeit und Tiefe. Das Gegenteil zur Symbolsprache ist die abstrakte Rede, die auf bildhafte Veranschaulichung verzichtet. Dazu einige Beispiele!

Ein ethischer Imperativ lautet: Meide das Arge, laß dich von der Macht des Bösen nicht überwältigen! Die Symbolsprache umschreibt diese Maxime mit den Worten: “Seid nüchtern und wachet, denn euer Widersacher, der Teufel, geht umher wie ein brüllender Löwe und sucht, welchen er verschlinge. Dem widersteht fest im Glauben!” Das gnadenhafte Wunder, daß Gott für uns da sein will, kann wiedergegeben werden: Gott sagt Ja zu uns, er läßt uns gelten, wir dürfen kommen, wie wir sind. Die Symbolsprache der Bibel bezeugt die Liebeszuwendung Gottes in Bild und Gleichnis: “Wie sich ein Vater über Kinder erbarmt, so erbarmt sich der Herr über die, so ihn fürchten.” — “Ich will euch trösten, wie einen seine Mutter tröstet.”

Die so schwer in Worte zu fassende Hoffnung auf eine Vollendung aller Dinge lautet in der theologischen Fachsprache: Wir dürfen mit Vertrauen in die Zukunft blicken. Die Johannesoffenbarung schildert die eschatologische Erwartung in leuchtenden Farben: “Und ich sah die heilige Stadt, das neue Jerusalem, von Gott aus dein Himmel herabfahren, bereitet wie eine geschmückte Braut ihrem Mann. Und ich hörte eine große Stimme von dem Thron, die sprach: Siehe da, die Hütte Gottes bei den Menschen” (1. Petr. 5, 8; Ps. 103, 13; Jes. 16, 13; Offb. 21, 2).

Weil Gott in einem Lichte wohnt, da niemand zukommen kann, darum wird die menschliche Sprache immer unzureichend bleiben, um das Wahrheitsgut der Ewigkeit adäquat auszudrücken. Das symbolische Wort aber, darin dem mythischen Erzählen von Gott verwandt und vergleichbar, erweckt Ahnungen von dem Unsagbaren, das alles Denken übersteigt. Was die Begriffe der reinen Vernunft nicht hergeben, das wird der Seele in sinnlich faßbarer Gestalt nahegebracht.

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Autor: Köberle, Adolf, Prof. Dr. | Kategorie(n): Biblische Symbolik, Das prophetische Wort, Wort Gottes (Bibel)  |  1,539 x gelesen

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Die biblische Schau

Gottes Plan für die Zeitalter und die Stellung und Aufgabe der Gemeinde darin im Unterschied von Israel und den Völkern

Inhalt:

Aus dem Vorwort zur ersten Auflage
Die Bibel als Buch der Heilsgeschichte
Unterschied zwischen Reich und Gemeinde
Die Reich-Gottes-Geschichte
Die Leibes-Gemeinde
Auserwählt
Ist die Gemeinde Seines Leibes die Brautgemeinde?
Das doppelte Kennzeichen unserer Zeit
Israels Stellung zu den Völkern
Die Bedeutung der Entrückung
Die Völkerlinien
Das Heil Gottes an die Heiden
Die Stellung der Gemeinde im Rat Gottes
Das Verhalten der Gemeinde
Die Aufgabe der Gemeinde
Der vierfache Dienst der Gemeinde
Das Hoffnungswort des NT
Die Kirchenfrage
Die politische Frage
Die Welt als Feuerofen und Missionsfeld


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Aus dem Vorwort zur 1. Auflage

Den ersten Anstoß zu diesen Gedanken habe ich etwa 1927 durch Scofield »Teile das Wort der Wahrheit recht« bekommen. Die Nötigung zu ernsthafter Auseinandersetzung kam auf einer Reise nach Brasilien im Mai 1934 bei der Vorbereitung der Pfingstpredigt auf dem Schiff. Von 1936 ab habe ich dann auf den Hauptvorstandsitzungen und Mitarbeitertagungen des Deutschen Gemeinschafts- Diakonieverbandes u. a. über »Unsere Aufgabe im Plane Gottes«, »Die Gemeinde Gottes, ihre ewige Grundlage, ihr Wesen und Ziel«, »Unsere Stellung und Aufgabe gegenüber Evangelium, Christentum und Nationenwelt«, »Gottes Plan für dieses Zeitalter und die Stellung und Aufgabe der Gemeinde darin« gesprochen. Einen besonderen Dienst hat mir der Vortrag von Direktor Pfarrer Th. Krawielitzki getan, den er 1908 auf der Gnadauer Pfingstkonferenz hielt über »Die Zubereitung der Gemeinde Gottes auf den Tag Jesu und die Evangelisation der Welt«, wie ich auch den persönlichen Gesprächen mit ihm sehr viel verdanke für das Verständnis des Kreuzes und im Zusammenhang damit für die Schicksalsfrage der Kinder Gottes: »Fleisch oder Geist«.

Nun liegt hier das Ostern 1943 gehaltene Referat als mein »Glaubensbekenntnis« vor, wie es in den Bombennächten der folgenden Jahre eine wesentliche Umarbeitung erfahren hat, wobei ich einigen Brüdern für mancherlei Anregung und Ergänzung dankbar bin.

Ich habe die herzliche Bitte, dass der Leser diese Ausführungen nicht bloß durchlese, sondern durchdenke, ja durchbete und zum Anlass nehmen möchte, wirklich im Worte Gottes zu forschen. Wir wollen uns von allen Vorurteilen freimachen und täglich in der Schrift forschen, ob sich’s also verhält (Apg. 17,11), um dann die Stellung der Gemeinde im Rat Gottes immer klarer zu erfassen und unsere Aufgabe entsprechend den göttlichen Ordnungen zu erfüllen.

Marburg/Lahn, Passionszeit 1946, K. F. Hering


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Die Bibel als Buch der Heilsgeschichte

Die Bibel ist das Buch der Heilsgeschichte. In ihr wird uns von Gott und vom Glauben her eine Sinndeutung der Gesamtgeschichte gegeben. Es ist wichtig, dass wir den heilsgeschichtlichen Zusammenhang der Heiligen Schrift erkennen und dadurch das Verständnis der Schrift überhaupt wie auch die rechte Deutung für das ganze Zeitgeschehen in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft gewinnen, in das unser Einzelgeschick eingebettet ist. Es ist übereinstimmende Lehre der ganzen Heiligen Schrift, dass der lebendige Gott all Sein Walten und Tun in Schöpfung und Erlösung und Vollendung nach einem großen, weisen, von Ihm selbst vorgesehenen Plan ausführt. Es gelten da u. a. zwei unverbrüchliche Grundsätze: Er tut alles fein zu Seiner Zeit (Pred. 3, 11), und Er behandelt ein jegliches nach Seiner Art (1. Mose 1, 21). Ihm sind von Ewigkeit her alle Seine Werke bewusst und bekannt (Apg. 15, 18). Er wirkt alles nach dem Rat Seines Willens (Eph. 1, 11). Auf ewig steht Sein Wort fest im Himmel, denn es muss Ihm alles dienen (Ps. 119, 89-91).

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Autor: Hering, Karl F. | Kategorie(n): Gemeinde, Heilsgeschichte, Israel, Völkerschaften, Wort Gottes (Bibel)  |  918 x gelesen

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Vom Wesen des Wortes Gottes

Alles, was Gott redet oder tut, geschieht durch “das Wort”. “Er sprach, und es war; er gebot, und es stand da” (Ps. 33, 9). Das schöpferische Wort ist etwas unvergleichlich Größeres, als wir auf den ersten Blick anzunehmen geneigt sind. Es ist nicht nur das geschriebene Wort der Bibel, nein, es ist etwas viel Wesenhafteres! Wird doch der Herr Jesus selber das fleischgewordene Wort genannt (Joh. 1, 14; Offb. 19, 13).

Doch nicht nur das. Der Apostel Paulus schreibt in Kol. 1, 25, daß er den göttlichen Auftrag erhalten hat, das Wort Gottes zu vervollständigen oder in seine Fülle zu führen.

Was will er damit sagen? Wer oder was ist das Füllewort Gottes?

Zunächst müssen wir, wie das ohne Zweifel jeder schlichte Bibelleser tut, dieses Zeugnis auf die heilige Schrift beziehen. Wenn der Apostel nicht übertreibt und wir seine Aussage wirklich als inspiriert, als gottgehaucht fassen, dann sagt er nichts Geringeres aus, als daß die paulinischen Briefe die Fülle oder das Vollmaß der Gottesoffenbarung darstellen. Wollen wir diesem Zeugnis Glauben schenken? Jedenfalls tun das längst nicht alle, die sich auf die Bibel berufen. Denn immer wieder traten im Lauf der Jahrhunderte Menschen auf, die behaupteten, daß das, was ihnen persönlich geoffenbart worden sei, zusätzlich zu dem geschriebenen Wort Gottes gegeben worden wäre und in gleichem Maße Wort Gottes sei wie die Bibel selbst.

Dem entgegen bezeugt der Apostel klar und eindeutig, daß es ihm gegeben worden ist, das Wort Gottes auf sein Vollmaß zu führen, es zu vollenden. Wem wollen wir nun glauben? Die Antwort sollte uns nicht schwer fallen.

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Autor: Heller, Adolf | Kategorie(n): Erkenntnis & Wesen Gottes, Wort Gottes (Bibel)  |  442 x gelesen

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Täler der Schrift

(Abschrift eines Vortrages)

Liebe Freunde, meine Brüder und Schwestern, ihr Heiligen und Geliebten Gottes!

Es ist mir eine herzliche Freude, in eurer Mitte sein zu dürfen. Mit großer Erwartung bin ich hierher gekommen, um mit euch vom Herrn gesegnet zu werden. Für diese Tage hat Gott mir etwas geschenkt, wodurch Er mich in den letzten Wochen tief bewegt und erquickt hat, nämlich ein Zeugnis über die Täler der Bibel. Was bedeuten diese für unser persönliches Leben, und was wollen sie uns in ihrer prophetischen Bedeutung sagen?

Zunächst lasst mich auf ein Wort des bekanntesten Philosophen, Immanuel Kant aus Königsberg, hinweisen, der einmal bezeugt hat: “In Zeiten der Not und Drangsal war mir der vierte Vers des 23. Psalms mehr wert als meine ganze Philosophie und mein gesamtes Schrifttum.” Was in jenem Vers steht, wissen wir wohl alle in- und auswendig: “Und ob ich schon wanderte im finsteren Tal, fürchte ich kein Unglück, denn Du bist bei mir, Dein Stecken und Stab trösten mich.” Als ich das zum ersten Mal las, sagte ich mir: “Wenn Kant bei seiner großen Gelehrsamkeit dies eine Wort wichtiger war als alles, was er an geistigen Erkenntnissen hatte, dann lohnt es sich gewiss, sich in dieses Wort zu versenken.”

So bin ich denn dahin geführt worden, nachzulesen, was die Bibel über die Täler sagt. Ich fand, daß Täler Bilder von Demütigungen und Sterbenswegen, von Angst und Schwermut sind. Berge dagegen sind Zeichen der Macht und Größe, eine Darstellung dessen, was an Wohlgefallen und Erquickung, an Freude und Jubel Gott den Menschen erwies.

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Autor: Heller, Adolf | Kategorie(n): Biblische Symbolik, Das prophetische Wort, Lehre, Wort Gottes (Bibel)  |  506 x gelesen

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Christusämter nach Jesaja und dem Buch der Sprüche

A) Christus im Deuterojesaja

Im Deuterojesaja, wie man die Kapitel 40-66 des Propheten Jesaja nennt, wird das Lied der Größe und Erhabenheit Gottes in herrlicher Sprache und mit wunderbaren Worten gesungen. So wird z. B. Gott als gewaltiger Weltenschöpfer und allmächtiger Lenker der Menschheitsgeschichte dargestellt wie sonst kaum irgendwo in den heiligen Schriften.

Immer wieder hat man gestritten, wer wohl der Knecht des Herrn sei, von dem der Prophet so oft redet. Die einen sehen in ihm eine unbekannte geschichtliche Persönlichkeit aus der Zeit der Gefangenschaft, und andere glauben den treuen Kern innerhalb des Volkes Israel darin zu erkennen. Beide Auffassungen mögen richtig sein. Aber damit ist die eigentliche zentrale prophetische Bedeutung nicht aufgehoben, von der wir in Apg. 8, 26ff. lesen.

Philippus deutet dort Jes. 53, 7.8 auf den Herrn (vgl. Vers 34.35), und Jesu eigene Worte bestätigen uns, daß alle heiligen Bücher, also auch der Deuterojesaja, zutiefst von Ihm Selber handeln. So sagt Er in Joh. 5, 39 von den Schriften, also dem ganzen Alten Testament, daß sie von Ihm zeugen. Vgl. damit Lukas 24, 27.44!

Darum sieht der christozentrische Glaube auch im schlichten Gewand biblischer Persönlichkeiten und geschichtlicher Ereignisse die erhabene Gestalt des Sohnes Gottes aufleuchten in ihren verschiedenartigen Würden und Ämtern, Aufgaben und Diensten an Israel, den Nationen und dem Weltenall.

Wir wollen im Deuterojesaja den Christus Gottes in achtfacher Hinsicht betrachten und einen Blick für Seine Niedrigkeit und Seine Herrlichkeit, für Sein Dienen und Dulden, Sein Rächen und Retten und wunderbares Vollenden gewinnen.

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Autor: Heller, Adolf | Kategorie(n): Das prophetische Wort, Erkenntnis & Wesen Gottes, Wort Gottes (Bibel)  |  389 x gelesen

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Von der Bildsprache des Wortes Gottes

Die heiligen Schriften der Gottesoffenbarung sind voller Symbole und Bilder, die das Wahrhafte und Wesenhafte auf die verschiedenste Weise abschatten. Die Wege und Methoden göttlicher Führung und Erziehung, Seine gewaltigen Endziele, die durch Gericht und Gnade erreicht werden, ja, des Vaters eignes Herz und Wesen werden dem Glauben durch die unterschiedlichsten Sinnbilder enthüllt.

Dabei gilt es ein Doppeltes zu beachten:

A) Die vorbildlichen Reden und Gestalten der Schrift erscheinen uns um so unklarer und nebelhafter, je weniger wir in der Erkenntnis und geistlichen Reife vorgeschritten sind.

B) Andererseits redet der verherrlichte Christus zur Rechten Gottes, wenn Er durch Paulus, den Apostel der Fülle, das Letzte und Höchste mitzuteilen hat, nicht in Bildern und Gleichnissen, sondern unverhüllt.

Weil wegen der Unzulänglichkeit seelischer und geistig-geistlicher Funk­tionen die Gefahr einer Fehldeutung prophetischer und symbolischer Bilder vorhanden ist, ist es wichtig, daß nur unverhüllte Schriftstellen Grundlage jeder biblischen Lehre sein können. Natürlich ist außerdem jede Wahrheit in vielen Bildern und Gleichnissen vorgeschattet, die das, was die Lehrstelle in wenigen knappen Worten ausdrückt, vorbildmäßig und schattenhaft in ausführlicher Breite darstellen.

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Autor: Heller, Adolf | Kategorie(n): Biblische Symbolik, Wort Gottes (Bibel)  |  386 x gelesen

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