Wasser und Geist
Wo die Gewalt der Finsternismächte gebrochen wird, indem der Geist Gottes sie austreibt und die aus ihrer Macht Befreiten unter die Herrschaft Gottes stellt, da ist Reich Gottes (Matth. 12, 28; Luk. 11, 20). Das Mittel, durch das der Geist den Herrschaftsanspruch Gottes kundtut und dem Sklavenhalter befiehlt, sein Opfer loszulassen, ist das Wort. Der Hauch des Mundes, das an den Geist gebundene Wort, ist das Schwert, mit dem der Herr Seine Feinde schlägt. Dies muß der Antichrist beim Kommen des Herrn zunächst erfahren (2. Thess. 2, 8); dann aber auch alle Nachfolger des falschen Christus (Offb. 1, 16; 2, 16; 19, 15; vgl. auch 1. Kor. 10, 20). Das Wort Gottes ist ein wesenhaftes Wort, die Wahrheit oder Wirklichkeit und darum auch ein Schöpfungswort, durch das Er alles wirkt. “Wenn Er spricht, so geschieht’s, und wenn Er gebietet, so steht’s da” (Psalm 33, 9; 147, 18; 148, 5). Durch Sein Wort tut Er Seinen Willen kund, und dem vermag niemand zu widerstehen. Auf Sein Wort hin geben die Weltbeherrscher der Finsternis ihre Opfer frei. Die Dämonen fahren aus, sobald der Herr es ihnen befiehlt (Mark. 1, 27; Luk. 4, 36; 8, 29-33), und der Gott und Fürst dieser Welt, Satan (2. Kor. 4, 4), muß sich wegheben, wenn das Wort Gottes es gebietet (Matth. 4, 10.11; Joh. 12, 31; 14, 30; 16, 11). “Ein Wörtlein kann ihn fällen.”
Überall da, wo die Herrschaft der Zwischenmächte aufhört und Gott selbst die Herrschaft übernimmt, ist Reich Gottes. Es ist also kein äußeres Reich, das mit äußeren Gebärden kommt, d. h. so, daß man es beobachten könnte (Luk. 17, 20), sondern die Aufrichtung der Herrschaft Gottes in den Herzen. Wer diese Herrschaft Gottes anerkennt, wer Jesus als Herrn bekennt, der ist ein Glied dieses Reiches, ganz einerlei, welche Berufung ihm zuteil wurde oder zu welcher Heilskörperschaft er gehört.
Im Gegensatz zum Reiche Gottes kommt das Königreich des Sohnes äußerlich sichtbar und ist auch zeitlich begrenzt. Auf der alten Erde dauert es 1000 Jahre und auf der neuen Erde so lange, bis Er alles dem Vater zurückgebracht und untertan gemacht hat. Dann unterwirft sich der Sohn selbst dem Vater, auf daß Gott sei alles in allem.
Reich Gottes ist also überall da, wo Gott unmittelbar die Herrschaft ausübt. Wer diese Herrschaft anerkennt, gehört zu Seinem Reiche. Darum gehören die Glieder der Leibesgemeinde ebensogut zum Reiche Gottes wie die Gläubigen auf früheren oder späteren Berufungslinien. Der Unterschied in der Berufung besteht ja nicht darin, daß man zu einem anderen Reiche gehört, sondern darin, daß man in demselben Reiche verschiedene Aufgaben hat, verschiedene Dienste und Berufe ausübt, eine andere Stellung einnimmt, einer anderen Heilskörperschaft angehört. Darum predigt Paulus das Reich Gottes genausogut wie jeder andere Apostel, ja, mehr als alle (Röm. 14, 17.18; 1. Kor. 4, 20; 6, 9.10; 15, 50; Gal. 5, 21; Eph. 5, 5; Kol. 4, 11; 1. Thess. 2, 12; 2. Thess. 1, 5; 2. Tim. 4, 1.18), denn die andern Apostel erwähnen das Reich fast gar nicht, sondern nur einmal in Jak. 2, 5. Dies ist gut zu verstehen, denn in diesem Reiche, das nicht mit äußeren Gebärden kommt, ist die Leibesgemeinde die erste Heilskörperschaft, die als Organismus von innen her durch den Geist geleitet ist und nicht als Organisation mit äußeren Machtmitteln erscheint. — Das Reich Christi aber erwähnen die andern auch (vgl. Apg. 1, 6; 2. Petr. 1, 11; Offb. 11, 15; 20, 4).
Autor: Geyer, Karl | Kategorie(n): Lehre, Verwandlung & Erstattung | 1,158 x gelesen


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