(1. Kor. 6, 20)
Alles Geistige drängt danach, Gestalt anzunehmen. An und für sich ist der Geist unsichtbar. Darum wird auch Gott, der Geist ist, der unsichtbare Gott genannt (Kol. 1, 15; 1. Tim. 1, 17; Hebr. 11, 27; Röm. 1, 20; 1. Tim. 6, 16; Joh. 1, 14-18; 14, 8-11 u.a.). — Um sichtbar zu werden, mußte Er leibhaftig werden, d. h. in einem Leibe erscheinen, sichtbare Gestalt annehmen. Nur in dieser Form und Wesenheit ist die Liebes-Einheit zwischen Gott und Menschen restlos vollziehbar. Bis dahin ist sie nur geist- und glaubensmäßig wirksam. — In der Vollendung, wenn wir Ihn sehen, wie Er ist, wird die Liebes-Einung in der neuen Geistleiblichkeit schaubar vollzogen. Im Blick auf diesen Zukunftsstand sagt Oetinger mit vollem Recht: “Geistleiblichkeit ist das Endziel der Wege Gottes.”
Als Gott im Sohne ins Fleisch kam, so daß wir Seine Herrlichkeit in leibhaftiger Gestalt sehen konnten, jauchzte der Sohn in glückseliger Freude Seines gottseligen Herzens: “Schlachtopfer und Brandopfer hast Du nicht gewollt; aber einen Leib hast Du Mir bereitet!” (Hebr. 10, 5).
Sein Kommen in diese Welt diente also zunächst nicht der Befriedigung der Bedürfnisse der Menschen, sondern der Stillung des Liebesverlangens und des innersten Geistesdranges des Vaters, der sich im Sohne offenbaren und sichtbar darstellen wollte, und zwar so, daß der Sohn bekennen konnte: “Wer mich sieht, der sieht den Vater!” (Joh. 14, 8-11).
Darum sang auch die alte Gemeinde, die Ekklesia Gottes, die Er in 1. Tim. 3, 15 den Pfeiler und die Grundfeste der Wahrheit nennt: “Anerkannt groß ist das Geheimnis der Gottseligkeit: Gott ist geoffenbart worden im Fleische, gerechtfertigt im Geiste, gesehen von den Engeln, gepredigt unter den Nationen, geglaubt in der Welt, aufgenommen in Herrlichkeit” (1. Tim. 3, 16).
Im Sohn der Liebe wohnte nicht nur so ein Stück göttlichen Wesens, sondern die ganze Fülle der Gottheit leibhaftig (Kol. 2, 9). Im gleichen Brief bezeugt uns der Heilige Geist durch den Apostel Paulus, daß dieses Wohnen der ganzen Fülle im Sohne seinen Ursprung hatte in dem Wohlgefallen des Vaters (Kol. 1, 19). Es war des Vaters Wonne, Seine Lust, Sein Wohlgefallen, Seine Eudokia, das ist die Höchstlust der Wonne Seiner Liebe, im Sohne zu wohnen. Hier waren wirklich Gottheit und Menschheit in Einem vereint, so daß in Ihm, dem Gottessohn Christus Jesus, alle vollkommene Fülle erscheinet. Der Sohn der Liebe ist der Mittler zwischen Gott und Menschen, der in der Mitte zwischen beiden Stehende und Vermittelnde, der aus beiden eines macht, der Mensch Christus Jesus, der wahre und wesenhafte Gottmensch (1. Tim. 2, 5).
An diesem Punkte scheiden sich daher auch die Geister. Wer da bekennet, daß der Sohn Gottes ins Fleisch kam, der ist aus Gott. Ein jeder Geist, der das nicht bekennet, ist nicht aus Gott. Dies ist der Geist des Antichrists (1. Joh. 4, 1-3).
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