Wenn die Schrift bezeugt, daß Gott die Welt liebt, so ist damit gar
nichts darüber ausgesagt, wie die Welt ist, sondern nur, wie Gott ist.
Das gilt es einmal ganz klar mit allen Konsequenzen zu fassen.


Adolf Heller (1895 - 1973)
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Zweierlei Erwartungsgut

Die Zukunftserwartung der Gemeinde Jesu Christi geht himmelwärts.
Die Zukunftserwartung des Volkes Israel ist erdbezogen.

»Denn unser Bürgertum ist in den Himmeln, von wo wir auch den Herrn Jesus Christus als Retter erwarten, der unseren Leib der Niedrigkeit umgestalten wird zur Gleichförmigkeit mit Seinem Leibe der Herrlichkeit« (Phil. 3, 20.21).

»Siehe, Ich werde die Kinder Israel aus den Nationen herausholen … Ich werde sie von ringsumher sammeln und sie in ihr Land bringen. Und Ich werde sie zu einer Nation machen im Lande auf den Bergen Israels …, und sie werden wohnen in dem Lande …, worin eure Väter gewohnt haben …, sie und ihre Kinder und Kindeskinder, bis in Ewigkeit« (Hes. 37, 21.22.25).

Aus den vorangestellten Schriftzeugnissen ersehen wir, daß beide Heilskörperschaften eines in ihren Erwartungszielen gemeinsam haben: Beide sehnen sich danach, aus der Fremdlingschaft in die Heimat zurückzukehren. Der Unterschied besteht nur darin, daß sich die Heimat der Gemeinde in den Himmeln befindet (Phil. 3, 20), während Israels Heimat das verheißene Land Kanaan (Erez Israel) auf dieser Erde ist (Hes. 37, 25). So liegt die Zukunftserwartung der Gemeinde auf geistlicher Ebene und zielt himmelwärts, die des Volkes Israel auf irdischer Ebene.

Wenn die Staatsbürgerschaft der Glieder des Leibes Christi »in den Himmeln« ist, dann beschreibt dies nicht nur unser Erwartungsziel, sondern zunächst einmal unsere himmlische Herkunft: »Auserwählt in Ihm vor Grundlegung der Welt, zuvorbestimmt zur Sohnschaft durch Jesus Christus« (Eph. 1, 4.5), durch den Heiligen Geist zu einer neuen Schöpfung gezeugt (Röm. 8, 16; 2. Kor. 5, 17). Darum hat Gott uns auch gesegnet mit jeder geistlichen Segnung in den himmlischen Örtern in Christus (Eph. 1, 3). Die Dinge dieser Erde sind für die Gemeinde zweitrangig. Wir sollen sie zwar beachten, ihnen aber den richtigen Stellenwert einräumen, denn in Kol. 3, 1-4 fordert uns Paulus auf, das zu suchen, was droben ist, wo der Christus ist, und auf das zu sinnen, was droben ist, nicht auf das, was auf der Erde ist.

Gott hat Seinem Sohn Jesus Christus alles unterworfen und Ihn als Haupt über alles der Gemeinde gegeben, die Sein Leib ist, die Vervollständigung dessen, der alles in allen erfüllt (Eph. 1, 22.23). Christus wartet auf die Vervollständigung des Körpers durch Seine Glieder. Die Gemeinde sehnt sich nach der Vereinigung mit ihrem Haupt. So sind beide Seiten von einer großen Sehnsucht zueinander erfüllt. Erst nach der Vereinigung mit Seinen Gliedern kann Christus die großen Vollendungsaufgaben erfüllen. Er will, daß wir diese Aufgaben zusammen mit Ihm ausführen. Er hat verheißen, daß wir allezeit bei Ihm sein werden (1. Thess. 4, 17). Zu diesen Aufgaben gehört nach 1. Kor. 6, 2.3, daß wir die Welt und die Engel richten, d. h. zurechtbringen werden. Mit unserem irdischen Leib sind wir nicht in der Lage, diese Aufgaben, die sich bis in den Kosmos erstrecken, auszuführen. Darum warten wir nach unserm Eingangswort und nach 1. Thess. 4, 13-17 darauf, daß unser Herr Jesus Christus am Tage der Entrückung unseren Leib der Niedrigkeit umgestalten wird zur Gleichförmigkeit mit Seinem Leibe der Herrlichkeit, der nicht mehr an Raum und Zeit gebunden ist. Zur Entrückung kommt Christus Seinen Gliedern bis in den Lufthimmel entgegen. Die Vereinigung des Hauptes mit Seinen Gliedern findet in dem Bereich statt, in dem Satan heute noch die Herrschaft hat (Eph. 2, 2). Welch ein Triumph!

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Autor: Herbst, Gerhard | Kategorie(n): Gemeinde, Heilsgeschichte, Israel, Schriftteilung  |  789 x gelesen

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Der prophetische Inhalt des Vaterunsers

Wir schicken der hier versuchten Auslegung des Gebetes, das Jesus seine Jünger lehrte, die Bemerkung voraus, daß wir uns der bedeutenden Abweichung dieser Auffassung desselben von der seit Jahrhunderten herkömmlichen wohl bewußt sind. Wir können aber darin keinen genügenden Grund erblicken, mit derselben zurückzuhalten. Umsomehr, da es unsere tiefe Überzeugung ist, daß die herkömmliche Lesung des Vaterunsers im engsten Zusammenhang steht mit, ja hervorgewachsen ist aus der ebenfalls seit Jahrhunderten beliebten Art, die Schrift unter falschen Voraussetzungen zu lesen, speziell alles, was in der Schrift auf Israel geredet ist, ohne weiteres auf die Gemeinde aus den Völkern, den Leib Christi zu übertragen.

Es muß dem vorurteilslosen Leser der Schrift von vornherein klar sein, daß ein Gebet, das Jesus seine Jünger, und zwar bereits in der Bergpredigt, d. h bald nach seinem ersten öffentlichen Auftreten lehrte, mit Fug und Recht ebenso wenig auf die spätere Gemeindezeit und -haushaltung bezogen werden kann, wie jener deutliche Befehl an dieselben Jünger: “Gehet nicht auf die Straßen der Heiden, und betretet keine Stadt der Samariter.” Es macht uns gar keine Schwierigkeiten, uns von der heutigen Ausführung eines solchen Befehles loszusprechen. Oder wiederum, was hat der Leib Christi, sofern er sich aus den Völkern bildet, und gar nicht unter dem Gesetz, sondern nur unter der Gnade steht, mit jenem andern Wort der Bergpredigt zu schaffen, das vom “Tun und Lehren eines dieser kleinsten Gebote” im Gesetz Moses handelt, obwohl ihm dieselben überhaupt nie gegeben sind noch gelten, sondern nur Israel?

Daß weitaus der größte Teil der Christenheit, auch der wahrhaft Gläubigen das Vaterunser unbedenklich zum eigentlichen Gemeindegebet gemacht hat, schließt den Irrtum nicht aus. Ebenso wenig ist eine Rechtfertigung einer solchen Übertragung desselben auf die Gemeinde darin zu finden, daß man sagt, sein Wortlaut vertrage dieselbe aber sehr gut. Der Wortlaut jenes andern Befehles des Herrn an die Zwölfe: “Nehmet weder Gold noch Silber, noch Erz in eure Gürtel, keine Tasche auf den Weg, auch nicht zwei Röcke …” (Matth. 10, 9.10). könnte eine solche Übertragung bis in die Gegenwart schließlich auch ganz gut vertragen, hat sie aber aus guten Gründen nicht gefunden.

Am lautesten aber redet der Umstand hier, daß dieselbe Christenheit, die sich mit so großer Vorliebe des Vaterunsers für ihre Liturgie bemächtigt hat, an den Gebeten, die der Heilige Geist dem Apostel des Leibes Christi gerade für die gläubige Gemeinde des gegenwärtigen Zeitalters gegeben hat, vorübergeht, und eine kultische und liturgische Verwendung derselben fast nicht kennt. Wir meinen die herrlichen Gebete in Eph. 1, 15-21; 3, 14-19 und Kol. 1, 9-15. Uns ist wenigstens in Europa und Amerika keine Kirchengemeinschaft bekannt, welche in ihrem öffentlichen Gottesdienst auch nur annähernd mit derselben Häufigkeit jene apostolischen Bitten vor die Gläubigen bringt, mit der sie sich des Vaterunsers bedient.

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Autor: Ströter, Ernst F., Prof. | Kategorie(n): Anbetung, Das prophetische Wort, Lehre, Schriftteilung  |  702 x gelesen

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Paulus und Jakobus in ihrer gegensätzlichen Heilslehre

(Nachschrift eines Vortrags)

Die menschliche Logik hat, liebe Geschwister, keine befriedigende Erklärung für die hier vorhandenen Widersprüche. Umso wunderbarer ist deren Lösung in göttlicher “Überlogik”.

Da unsere Bibel Gottes Wort ist und Gottes Wort die Wahrheit ist, muß diese Wahrheit in sich selbst klar, ja für jede geistliche Beurteilung völlig durchsichtig und licht sein.

Unser Thema hat mich schon vor Jahrzehnten im Glauben hin- und hergeworfen. Weshalb? Weil ich diejenigen Aussagen des Apostels Paulus, die denen des Apostels Jakobus genau widersprechen, nicht dadurch als vollgültig nehmen konnte, daß ich mit Martin Luther den Jakobusbrief einfach als eine “stroherne Epistel” ansah. Wir können den Jakobusbrief nicht einfach in den Papierkorb tun!

Wir lassen uns nun zunächst mit den vorhandenen Widersprüchen konfrontieren, es sind Widersprüche nach menschlicher Logik. Und wir dürfen dann in genauem Hinhören erleben, wie sich diese vorerst unlöslich erscheinenden Widersprüche in einer herrlichen Gottesweisheit auflösen. Ich gebe zunächst eine

Gegenüberstellung der hauptsächlichen Lehrunterschiede in der Frage der rettenden Rechtfertigung und zugerechneten Gerechtigkeit:

Paulus: Jakobus:
Eph. 2, 8-9:
Durch Gnade seid ihr errettet, mittels des Glaubens und nicht aus Werken.
Jak. 2, 14:
Was nützt es, meine Brüder, wenn jemand sagt, er habe Glauben, hat aber nicht Werke? Kann etwa der Glaube ihn erretten?
Röm. 3, 24-25:
Wir werden geschenkterweise gerechtfertigt, durch Seine Gnade … durch den Glauben in Seinem Blute, zur Erweisung Seiner Gerechtigkeit.
Jak. 2, 17:
Also ist auch der Glaube, wenn er nicht Werke hat, an und für sich tot.
Röm. 3, 28:
Wir urteilen, daß ein Mensch durch Glauben gerechtfertigt wird, ohne Gesetzeswerke.
Jak. 2, 18:
Es wird aber jemand sagen: Du hast Glauben und ich habe Werke; zeige mir deinen Glauben ohne Werke, und ich werde dir meinen Glauben aus meinen Werken zeigen!
Röm. 4, 2-3:
Wenn Abraham aus Werken gerechtfertigt worden ist, so hat er etwas zum Rühmen; aber nicht vor Gott … Abraham aber glaubte Gott, und es wurde ihm zur Gerechtigkeit gerechnet.
Jak. 2, 20-21:
Willst du aber wissen, daß der Glaube ohne Werke tot ist? Ist nicht Abraham, unser Vater, aus Werken gerechtfertigt worden, da er Isaak, seinen Sohn, auf dem Altar opferte?
Röm. 4, 5-6:
Wer nicht mit Werken umgeht, sondern dem glaubt, der den Gesetzlosen rechtfertigt, dem wird sein Glaube zur Gerechtigkeit gerechnet. Wie auch David die Glückseligkeit des Menschen ausspricht, dem Gott Gerechtigkeit ohne Werke zurechnet.
Jak. 2, 24:
Ihr seht also, daß ein Mensch aus Werken gerechtfertigt wird und nicht aus Glauben allein.
Hebr. 11, 31:
Durch Glauben kam Rahab, die Hure, nicht mit den Ungläubigen um.
Jak. 2, 25:
Ist nicht Rahab, die Hure, aus Werken gerechtfertigt worden, da sie die Boten aufnahm?

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Autor: Muhl, Arthur | Kategorie(n): Lehre, Paulus, Paulusbriefe, Schriftteilung  |  781 x gelesen

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Offenbarungsstufen des Heiligen Geistes

(Nach einem Referat auf der Brüderkonferenz 1986 der Langensteinbacherhöhe)

Es ist ja sicher allen Bibellesern klar, dass Gott Geschichte macht, eine Offenbarungsgeschichte. Das bedeutet: Er sagt am Anfang nicht alles, sondern Er enthüllt es in bestimmten Stufen. Es geht weiter in heilsgeschichtlichen Schüben. So offenbart sich Gott auch heute unter uns — es geht weiter und weiter. Gott ist nie Stagnation, nie Statik allein, sondern immer Dynamik, immer Bewegung, die weiterführt.

Ich möchte hier zunächst einen kurzen Überblick geben, so wie ich das im NT sehe:

1. Wenn wir das NT aufschlagen, dann haben wir zuerst die Evangelien vor uns. Es beginnt mit Matthäus, Markus, Lukas — diese drei ersten sind die sogenannten “synoptischen Evangelien”, die in ihrer Art (wie und was sie darstellen von Christus und vom Heiligen Geist) zusammengeschaut werden können. Sie zeigen uns die messianische Zeit in Israel, denn Jesus hat gesagt: “Das Königreich Gottes ist mitten unter euch” (Luk. 17, 21), es ist angebrochen in meiner Person. Es ist also messianische Heilszeit, die in Israel mit dem Kommen Jesu, mit dem Erscheinen des Gottes- und Menschensohnes, angebrochen ist. Jesus Christus ist erschienen, das Königreich Gottes brach an. Kranke wurden geheilt, Besessene befreit und Tote auferweckt. Das Evangelium wurde gepredigt, auch als Bußruf an Israel.

2. Es gibt einen Übergang aus der messianisch-jüdischen Heilszeit heraus und hinüber in die paulinische Zeit der Gemeinde des Leibes Christi. Das Bindeglied zwischen den drei ersten Evangelien und dem Apostel Paulus scheint mir das Johannesevangelium zu sein. Ich erinnere hier an die Kapitel 14-16, die sogenannten Abschiedsreden, sowie an die Kapitel 20 und 21, wo Johannes uns als Einziger berichtet, dass Jesus Seine Jünger schon vor Pfingsten angehaucht und ihnen Geist gegeben hat. Man fragt sich natürlich, in welche Offenbarungsstufe das hineingehört. Der Heilige Geist von Pfingsten kann es noch nicht gewesen sein, denn Er war noch nicht aufgefahren, und erst nach Seiner Auffahrt kam der Geist des Vaters und des Sohnes (Joh. 7, 39; Apg. 2, 33). Das war also eine Übergangszeit.

3. Nun kommt Pfingsten selbst. Das ist noch einmal eine messianische Gabe an das Volk Israel, und damit verbunden ist die Entstehung der judenchristlichen Gemeinde. Ich werde das nachher noch mehr aufschlüsseln.

4. Jetzt kommt die Erwartung des messianischen Reiches durch Bekehrung ganz Israels. Das wird vor allem in Apg. 2-6 ganz deutlich. Die judenchristliche Gemeinde erwartet das sofortige Hereinbrechen des messianischen Reiches unter der Voraussetzung der Bekehrung ganz Israels. In diese Phase hinein gehört wohl auch der erste Teil, die erste Phase des Lebens des Paulus nach seiner Bekehrung — ich teile das Leben des Apostels in drei Teile auf —, die Missionstätigkeit in Damaskus und in Jerusalem und dann das Verschwinden für 13 Jahre.

5. Sicher ist Euch das schon aufgefallen: Mit Kapitel 12 bricht die Apostelgeschichte mit der Tätigkeit von Johannes, Jakobus und Petrus ab; sie werden dann nur noch erwähnt, insofern sie für Paulus relevant sind. Alles andere verschweigt die Apostelgeschichte. Lukas hat uns nichts mehr über die judenchristliche Gemeinde in Jerusalem oder Judäa zu sagen, sondern er berichtet jetzt weiter, was der Apostel Paulus tut. Das wäre die zweite Phase im Leben des Apostels Paulus: Israel und Jerusalem verlieren an Bedeutung, aber sehr gewichtig wird nun das, was Paulus in der Nationengemeinde, der Leibesgemeinde tut — auf seinen drei Missionsreisen und in seiner Arbeit in drei großen Missionszentren. Das ist zunächst Antiochien, dann ist es Korinth und dann ist es Ephesus. In Antiochien hielt er sich mindestens ein Jahr lang mit Barnabas auf, später noch einmal, dann war er eineinhalb Jahre in Korinth und dann drei Jahre in Ephesus. Das waren für ihn die ganz besonderen Zentren; von da aus hat er Leibesgemeinde des Christus im paulinischen Sinn der totalen Gnade aufgebaut und dargestellt. Diese zweite Phase im Leben des Apostels Paulus wird uns vor allem in Apg. 13-28 beschrieben und auch in Gal. 1-2. In dieser zweiten Phase sind seine ersten Briefe entstanden — an die Galater und Thessalonicher, Korinther und Römer. Die zweite Phase ist noch gekennzeichnet durch den Dienst zuerst an den Juden, auch noch mit Zeichen und Wundem.

6. Dann kommt die dritte Phase im Leben des Apostels Paulus: seine Gefangenschaften. Wir denken da an die Gefangenschaft in Cäsarea und dann in Rom bis zu seinem Märtyrertod. (Es könnte durchaus sein, dass Paulus auch noch in Ephesus gefangen gesetzt war, doch darüber ist man sich nicht ganz einig.) In dieser Zeit entstanden seine Gefangenschaftsbriefe.

Nach diesem kurzen Überblick sollen uns nun die Offenbarungsstufen des Heiligen Geistes im Einzelnen beschäftigen.

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Autor: Mössinger, Manfred | Kategorie(n): Das prophetische Wort, Gemeinde, Heiliger Geist, Heilsgeschichte, Israel, Lehre, Paulus, Schriftteilung  |  1,544 x gelesen

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Leib und Weib Jesu Christi

Die Namen Leib und Weib sind bildliche Bezeichnungen für die Gemeinde Jesu Christi. — So meint man.

Ist es aber nicht sonderbar, dass im allgemeinen Sprachgebrauch die Namen Leib und Weib (Bräutigam und Braut) niemals die gleiche Bedeutung haben? Lächerlich wäre es, wenn jemand sie so verwenden wollte. In keiner Sprache ist dafür auch nur die geringste Neigung vorhanden. Aber der Bibel traut man das zu. Als ob die Schreiber der biblischen Schriften so naiv waren und den Unterschied zwischen Leib (Bräutigam) und Weib (Braut) nicht kannten. Dabei steht einwandfrei fest, dass die biblische Sprache äußerst genau ist. Gerade die Bibel ist im Gebrauch der Namen, Zahlen und Begriffe derart sorgfältig, dass man nur staunen muss. Und nun nehmen wir uns — ganz gelinde gesagt — die Freiheit und werfen die biblischen Namen, somit auch die Begriffe durcheinander. Ob wir uns nicht vor der Bibel schuldig gemacht haben? Kurz wollen wir uns die beiden Namen ansehen und beginnen mit dem

LEIB JESU CHRISTI

Es sollte uns bewusst sein, dass nur Paulus den Namen »Leib« für die Gemeinde Jesu Christi verwendet. Warum nur Paulus? Weil er der Alleinige ist, der die Gemeinde als »Geheimnis vor Grundlegung der Welt« zu offen­baren hat. Man lese Eph. 3, Kol. 1, 24ff. Freilich war Paulus nicht der Einzige, dem dieses »Geheimnis« kundgetan wurde. Petrus z. B. hat mit dem Gesicht von den unsauberen Tieren schon davor dieses »Heiden-Geheimnis« angezeigt bekommen (Apg. 10, 9ff.). Sogar der alttestamentliche Daniel hat mit der »wüsten Zeit Israels« dieses geheimnisvolle Geschehen prophezeien müssen 9, 26. Aber nur Paulus hatte den göttlichen Auftrag, »zu enthüllen das Geheimnis, welches in anderen Geschlechtern den Söhnen der Menschen nicht kundgetan worden, wie es jetzt geoffenbart worden ist Seinen heiligen Aposteln und Propheten im Geiste: dass die Nationen Miterben seien und MITEINVERLEIBTE und Mitteilhaber Seiner Verheißung in Christo Jesu durch das Evangelium.« Beachten wir: Nur Paulus darf das »Geheimnis« enthüllen und gibt ihm eine klare Deutung mit dem Namen »Leib«! Damit ist die ganze Wesenhaftigkeit der Gemeinde angezeigt.

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Autor: Malessa, Friedrich | Kategorie(n): Gemeinde, Heilsgeschichte, Israel, Schriftteilung  |  735 x gelesen

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Über die Schriftteilung — Das Wort der Wahrheit recht teilen

1. Über die Schriftteilung

Paulus ist nicht etwa der 13. Apostel Jesu, auch nicht Ersatz für Judas. Der Unterschied ist der:

Wie Jesus damals nur zum Volke Israel gesandt war, wie er selbst sagt (Matth. 15, 24; 10, 5f.), so waren auch seine 12 Jünger nur zu demselben Volke gesandt, um das Evangelium vom kommenden Reich zu verkünden, d. h. das von den Propheten des alten Bundes verheißene künftige 1000-jährige Reich Christi auf Erden (Offb. 20, 4), wovon besonders die Offenbarung und die Evangelien reden. Dies Evangelium vom Reich ist irdischer Natur und betrifft die Menschen auf der Erde. Von diesem Evangelium handelt das Neue Testament — außer den Briefen des Paulus.

Paulus dagegen hatte im Gegensatz zu den zwölf Jüngern vom erhöhten Herrn den Sonderauftrag, infolge des Versagens des Volkes Israel, das nun eingeschaltete Evangelium von der Gemeinde des Christus zu verkünden; er war der Diener Christi für die Nationen. “Mir, dem allergeringsten unter den Heiligen, ward die Gnade verliehen, den Nationen den unerforschlichen Reichtum des Christus zu verkünden.” Damit stimmt auch überein, wenn Paulus sagt, dass er unter den Nationen, die Zwölf aber in Israel wirken sollten (Röm. 15, 16; Eph. 3, 8; Gal. 2, 9).

Das Gemeindeevangelium, das uns gilt, ist aber nicht irdischer Natur wie das Reichsevangelium, sondern himmlischer Natur. Danach soll von Gott aus allen Völkern eine Anzahl Menschen herausgenommen werden, die Gemeinde, die zusammen mit Christus ein Leib, ein Lebewesen himmlisch-geistlicher Natur bilden sollen, nicht auf Erden, sondern im Himmel. Die Geltung dieses Evangeliums wird ihr Ende erreichen, wenn einst die Vollendung dieser Gemeinde eingetreten, d. h. sie entrückt und mit dem Herrn verbunden sein wird (Röm. 11, 25; Apg. 15, 14). Dann erst wird wieder das seit dem Auftreten des Apostels Paulus unterbrochene Evangelium vom Reich auf Erden nochmals eine kurze Zeit in der ganzen Welt verkündet werden (2 Zeugen). Erst dann wird das Ende kommen (Matth. 24, 14)! Sofort nach der Entrückung der Gemeinde tritt das Gemeindeevangelium außer Kraft; es hat dann nur noch historische Bedeutung.

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Autor: Ludwig, Rudolf | Kategorie(n): Heilsgeschichte, Paulusbriefe, Schriftteilung, Wort Gottes (Bibel)  |  934 x gelesen

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Paulus und Jakobus

(Bearbeitet nach “Unsearchable Riches” für das “Prophetische Wort”, 1923)

Jeder Kenner des Neuen Testamentes weiß, dass hinsichtlich des Heils und der Rechtfertigung, bzw. der Frage, ob die Errettung zu erreichen sei durch Werke oder durch Werke und Glauben oder durch Glauben allein, ein Widerstreit ist zwischen der Lehre des Jakobus und der des Paulus. Man beachte nur die Nebeneinanderstellung folgender Aussprüche.

Jakobus sagt: “Also auch der Glaube, wenn er keine Werke hat, so ist er tot in sich selbst” (Jak. 2, 17); “Denn gleich wie der Leib ohne Geist tot ist, also ist auch der Glaube ohne Werke tot” (Jak. 2, 26); “Was hilft es, meine Brüder, wenn jemand sagt, er habe Glauben, dabei aber keine Werke hat? Kann ihn denn der Glaube retten?” (Jak. 2, 14); “Ward nicht Abraham, unser Vater, durch Werke gerechtfertigt, als er seinen Sohn Isaak auf dem Altar opferte?” (Jak. 2, 21); “Ihr seht nun, dass der Mensch aus Werken gerechtfertigt wird und nicht allein aus dem Glauben” (Jak. 2, 24).

Paulus dagegen sagt: “Da wir denn durch Glauben gerechtfertigt sind, so haben wir Frieden mit Gott durch unsern Herrn Jesus Christus” (Röm. 5, 1); “So halten wir nun dafür, dass der Mensch durch den Glauben gerechtfertigt wird ohne Gesetzeswerke” (Röm. 3, 28); “Wer aber mit Werken umgeht, dem wird der Lohn nicht aus Gnaden angerechnet, sondern aus Schuldigkeit; wer dagegen keine Werke verrichtet, sondern an den glaubt, der den Gottlosen rechtfertigt, dem wird sein Glaube als Gerechtigkeit angerechnet” (Röm. 4, 4.5); “Denn durch die Gnade seid ihr errettet, mittelst des Glaubens, und das nicht aus euch, Gottes Gabe ist es, nicht aus Werken, damit niemand sich rühme.” (Eph. 2, 8.9); “Nicht um der Werke willen, die wir in Gerechtigkeit getan hätten, sondern nach seiner Barmherzigkeit hat er uns errettet” (Tit. 3, 5); “Denn was sagt die Schrift? Abram hat Gott geglaubt, und das ist ihm zur Gerechtigkeit gerechnet” (Röm. 4, 3); “Wir sagen, dass der Glaube dem Abraham zur Gerechtigkeit gerechnet worden ist, nicht im beschnittenen, sondern im unbeschnittenen Zustand! Und er empfing das Zeichen der Beschneidung als Siegel der Gerechtigkeit des Glaubens, welchen er schon im unbeschnittenen Zustande hatte, auf dass er ein Vater aller wäre, die in der Vorhaut glauben, damit auch ihnen die Gerechtigkeit zugerechnet würde, und Vater der Beschneidung, die auch wandeln in den Fußtapfen des Glaubens” (Röm. 4, 9-11); “Denn nicht durch das Gesetz erhielt Abraham … die Verheißung, sondern durch die Glaubensgerechtigkeit” (Röm. 4, 13).

Wenn diese beiden Reihen von Schriftaussagen einander nicht völlig widersprechen, und wenn sie nicht schlechthin sich weigern, sich so auslegen zu lassen, als ob beide Reihen dasselbe sagen wollten, so entschwindet uns die Möglichkeit, je zu einem klaren Verständnis und Gebrauch der Sprache zu gelangen. — Wir gehen nicht etwa darauf aus, einen Gegensatz zwischen Paulus und Jakobus auffinden zu wollen. Der Gegensatz liegt ohnehin schon in den beiden genannten Reihen von Schriftaussagen klar zutage. Uns liegt vielmehr daran, die rechte Auslegung beider Aussagenreihen zu suchen, denn beide sind göttlich eingegeben und unter der Leitung des Heiligen Geistes niedergeschrieben worden. Beide sind wahr; daran ist nicht zu zweifeln. Wozu aber dieser große Unterschied bei dem, was zum Heile notwendig ist?

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Autor: Ludwig, Rudolf | Kategorie(n): Paulus, Paulusbriefe, Schriftteilung, Wort Gottes (Bibel)  |  653 x gelesen

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Vom Schneiden des Wortes der Wahrheit (2. Tim. 2, 15)

Frage: Welchen Sinn hat die Aufforderung des Paulus an Timotheus, »das Wort der Wahrheit in gerader Richtung zu schneiden (oder: darzubieten, auszuteilen, zu teilen — 2. Tim. 2, 15)«?

Sehr beachtenswert ist, wie Timotheus das Wort der Wahrheit gebrauchen soll. Er soll es nicht als Streitwaffe gebrauchen, sondern es so darbieten, dass es in seinen großen Zusammenhängen verstanden und genossen werden kann. Er soll es »gerade schneiden« (orthotomein). Wir wissen nicht, an welchen Vorgang Paulus bei diesem bildlichen Ausdruck gedacht hat. Von jeher hat man über diesen Ausdruck viel gestritten. Es würde zu weit führen, alle die verschiedenen Meinungen aufzuzählen, die zum Teil recht willkürlich und irreleitend sind. Ablehnen müssen wir alle Deutungsversuche, die den Zusammenhang nicht berücksichtigen oder gar das Wort orthotomein falsch übersetzen. Es kann sich nicht um ein Zurechtschneiden des Wortes der Wahrheit handeln; denn das widerspricht dem Wesen dieses Wortes, das keines Zurechtschneidens bedarf. Aber auch alle Erklärungen, die auf ein Zerteilen oder Zerschneiden hinauslaufen, müssen abgewiesen werden, da es sich um ein Geradeschneiden und nicht um ein Teilen handelt. Die Ansicht vom Teilen des Wortes hat in weiten Kreisen Fuß gefasst, nachdem vor etwa einem halben Jahrhundert die Parole von Amerika zu uns herüberkam: »Teile das Wort der Wahrheit recht« (rightly dividing the word of the truth, engl. revidierter Text). Die Elberfelder Übersetzung hat im Text auch noch die ungenaue Wiedergabe: »der da recht teilt«, aber in der Fußnote heißt es: »eigentlich: in gerader Richtung schneidet.« (In der revidierten Elberfelder Bibel von 1985 heißt es nunmehr im Haupttext: »der das Wort der Wahrheit in gerader Richtung schneidet«; so entspricht es auch den Wörterbüchern von W. Bauer und Menge-Güthling — Anmerkung: Heinz Schumacher.)

Unter »recht teilen« versteht man wohl eine klare Unterscheidung z. B. der verschiedenen Haushaltungen, der verschiedenen Berufungen, das Auseinanderhalten von dem, was nur Israel, und dem, was nur die Gemeinde angeht. So wertvoll auch diese berechtigte Arbeitsmethode des klaren Unterscheidens ist, so spricht Paulus doch an dieser Stelle von etwas anderem. Man hat bei dem Bild des Geradeschneidens wohl an den pflügenden Ackersmann gedacht oder auch an die Arbeit des Zimmermanns oder eines Zeltmachers. In der Septuaginta, der griechischen Übersetzung des Alten Testaments, finden wir das Wort orthotomein nur an zwei Stellen, und zwar mit »Weg« verbunden, wo es übersetzt werden muss: »gerade schneiden deine Wege« (Spr. 3, 6; 11, 5). Das Bild ist also vom Hauen einer Waldschneise hergenommen. Durch das Wort der Wahrheit sollen also gerade Linien gezogen werden, sodass keine Umwege zum Ziel nötig sind. Diese Auffassung passt auch in den Zusammenhang hinein. Die Wortgefechte führen aus der rechten Bahn heraus und verlieren sich in Menschenfündlein. Timotheus soll sich an die geraden, zum Ziel führenden Linien halten. Das Ziehen gerader Linien darf aber ebensowenig zu einer geistlichen Spielerei ausarten wie das Teilen des Wortes. Aus Teilen und Unterscheiden darf kein Zerreißen werden und aus dem Geradeschneiden kein gekünsteltes Konstruieren. Die geraden Wege durchs Wort müssen so sein, dass jeder sie sehen und gehen und auf ihnen zum Ziel gelangen kann. Paulus gibt dem Timotheus ein Musterbeispiel im Geradeschneiden des Wortes der Wahrheit, indem er die große gerade Linie »durch Mitsterben zum Mitleben« markiert, und zwar sowohl für die Gemeinde als auch im besonderen für Israel. So finden wir es in allen seinen Briefen. Er vermengt nie etwas, was auseinandergehalten und klar unterschieden werden muss, aber er reißt auch nie etwas auseinander, was zusammengehört. Er zieht wunderbar klare Linien durch die ganze Schrift, sodass unsere Aufgabe lediglich darin besteht, diese Linien wieder aufzufinden und klar herauszustellen.


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Nach dem Wörterbuch von Walter Bauer bedeutet orthotomeoo in Spr. 3, 6; 11, 5 in Verbindung mit »Wege« offenbar »… den Weg in das (bewaldete oder sonst mit Hindernissen überzogene) Gelände in gerader Richtung einschneiden, sodass keine Umwege zum Ziel nötig sind«, und so bedeute 2. Tim. 2, 15 etwa: »das Wort der Wahrheit in gerader Richtung führen (wie einen zielstrebigen Weg), ohne sich durch Wortgefechte oder gottlose Redensarten aus der direkten Bahn drängen zu lassen«.

(Quelle: Auslegung der Timotheus-Briefe von Heinrich Langenberg)

Autor: Langenberg, Heinrich | Kategorie(n): Lehre, Paulusbriefe, Schriftteilung, Wort Gottes (Bibel)  |  753 x gelesen

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Schriftteilung oder Schriftzerreißung?

Das Heil der Welt liegt in Christus. Den Sohn der Liebe hat der Vater der Welt geschenkweise in Gnaden angeboten. Einen anderen Grund kann niemand legen als den, der gelegt ist: Christus (1. Kor. 3, 11)! Es ist auch kein anderer Name unter dem Himmel den Menschen gegeben, in dem sie errettet werden, als allein der Name Jesu (Apg. 4, 12).

Es gibt nur einen Weg von Gott zu den Menschen und für die Menschen zu Gott: Christus!

Es gibt nur eine Wahrheit, d. h. einen einzigen Wesenhaften, Unwandelbaren, Bleibenden inmitten aller Vergänglichen: Christus!

Es gibt nur ein Leben, das aus Gott kam, um der Welt das gleiche Leben zu bringen, das im Vater ist: Christus!

Gott hat nur einen Sohn gezeugt und Ihm das gleiche Leben gegeben, das in Ihm ist. Deshalb gibt es keinen anderen Weg zu Gott als die gläubige Annahme des Lebens Gottes im Sohn. Wer Ihn, den Wesenhaften, hat, steht im gleichen Leben und Wesen, wie es im Vater ist.

Eine andere Heilsgrundlage gibt es nicht, auch keinen anderen Heilsweg und keine andere Heilsmethode. Gott selbst hat keinen anderen zu senden, der der Welt das Leben bringen könnte, als nur den Eingeborenen, den Sohn der Liebe.

Hinsichtlich des Heils gibt es also nur eine Grundlage: Christus. Wer etwas anderes als Heilsgrundlage anbietet, betrügt die Menschen. Weder Kirchenformen noch Gemeinschaftsgrundsätze, weder Zeremonien noch Dogmen retten den Menschen, sondern nur Christus. Wer an Ihn glaubt, ist gerechtfertigt und gerettet. Außer Ihm ist kein Heil.

Die Erziehungswege aber, die Gott mit der Menschheit geht, sind verschieden.

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Autor: Geyer, Karl | Kategorie(n): Heilsgeschichte, Schriftteilung, Wort Gottes (Bibel)  |  636 x gelesen

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