Wenn die Schrift bezeugt, daß Gott die Welt liebt, so ist damit gar
nichts darüber ausgesagt, wie die Welt ist, sondern nur, wie Gott ist.
Das gilt es einmal ganz klar mit allen Konsequenzen zu fassen.


Adolf Heller (1895 - 1973)
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Triumph der Gnade

(Apostelgeschichte 9, 9-29)

In den Briefanfängen der Paulus-Briefe können wir immer den Zuspruch lesen: “Gnade und Friede von Gott, unserem Vater, und von Jesus Christus, unserem Herrn.” Das ist keine fromme Rede, keine Formsache (wie förmlich sind wir in unseren Briefen), sondern innerste Regung des Herzens. Seine ganze Freude und Glückseligkeit, seine tiefempfundene Dankbarkeit und sein überströmender Lobpreis kommen in dieser Zusage zum Ausdruck. So darf er es an die Gemeinden weitergeben, daß ihn die Gnade ergriffen hat, und daß er in Jesus Christus zum Frieden mit Gott gekommen ist. Gnade und Frieden hatte ihm keiner aufgeschwatzt, er hatte beides durchlebt und durchlitten. Das war das Ergebnis des Damaskusgeschehens.

Paulus hat jenes Ereignis nicht einfach “automatisch” über sich ergehen lassen. Der Apostel ist — wie in allem — ein Typus dafür, daß bei den Wirkungen des Heiligen Geistes die menschliche Persönlichkeit nicht ausgeschaltet wird. Hier geschieht nichts im Unterbewußtsein, in einem Trancezustand, sondern in völligem Bewußtsein, unter Beteiligung der persönlichen Verantwortlichkeit. Ganz bewußt ordnet er sein neues Werden, sein gesamtes Denkvermögen, dem Gehorsam Jesu Christi unter (2. Kor. 10, 5). Die drei Tage der Einkehr sind für seine Zukunft von entscheidender Bedeutung.

“Siehe, er betet!”

Unter Beten und Fasten verarbeitet er alles, was mit ihm geschehen war, und bespricht in der Einsamkeit seine neue Lage mit Jesus. So wird die stille Gebetszeit sein erstes Erkennungsmerkmal für das total veränderte Sein in Christus. In der Zwiesprache mit dem Herrn fleht er zu IHM. Dabei darf er seine Berufung empfangen, als auserwähltes Werkzeug den Retternamen Jesu Christi in die Welt zu tragen. Er weiß sich von jetzt an als Sklave seines neuen Dienstherren, der nun das Kommando seines Lebens übernommen hat. Er weiß sich als Gesandter des Herrn, “nicht von Menschen und durch Menschen, sondern durch Jesus Christus” (Gal. 1, 1), “durch den Willen Gottes” (2. Kor. 1, 1), “nach der Anordnung Gottes” (1. Tim. 1, 1).

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Autor: Bayer, Rupprecht | Kategorie(n): Glaubensleben & Wandel, Paulus  |  625 x gelesen

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“HERR, wer bist Du? — HERR, was willst Du?”

(Apostelgeschichte 9, 1-8)

In der ganzen Bibel wird uns keine Bekehrungsgeschichte so ausführlich geschildert wie die des Paulus. Sie hat seinen Glauben und sein Leben so fundamental geändert, daß er später in seiner Verkündigung von diesem Eingriff in sein Leben wiederholt berichtet (Apg. 22, 6-16; 26, 12-18) und in seinen Briefen ihn immer wieder erwähnt (1. Kor. 9, 1; 1. Kor. 15, 9-10; Gal. 1, 13; 1. Tim. 1, 13).

Bei Paulus ereignet sich in seiner Bekehrung nicht eine allmähliche Veränderung. Wenn auch manche von uns Zeit und Stunde ihrer Umkehr genau angeben können, so verläuft dennoch unser Ablegen des alten Adam und das Anziehen des Neuen Menschen durchweg in einem großen Bogen, und nicht in einer augenblicklichen Kehrtwendung. Bei unserem Apostel findet eine plötzliche Wandlung statt, und das ohne jede Mitwirkung von Menschen. Es ist ganz allein die Macht der Wirkung Jesu Christi, Sein Werk.

Was braucht es bei uns oft an Seelsorge, an geistlicher Betreuung, an Aussprachen, bis es endlich soweit ist, daß die Gnade in uns siegt. Der HERR gibt uns bei Paulus einen wunderbaren Anschauungsunterricht von dem überwältigenden Triumph der Gnade. Der Apostel bekennt immer wieder in seinen Briefen unter Danksagung, wie die Gnade unseres Herrn über die Maßen in ihn überströmte (1. Tim. 1, 12-16).

Der erbittertste Feind soll zum Heilsträger der weltweiten Evangeliumsbewegung werden. Sicherlich waren die meisten von uns ehemals keine Verfolger der Gemeinde, aber dennoch müssen wir uns bewußt sein, daß wir von Natur aus alle Rebellen gegen Gott sind. Wir müssen uns von dem Wort treffen lassen: “Die ihr einstmals entfremdet und Feinde gewesen seid in der Denkart und in den bösen Werken” (Kol. 1, 21).

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Autor: Bayer, Rupprecht | Kategorie(n): Glaubensleben & Wandel, Paulus  |  975 x gelesen

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Das Wunder der Gnade bei Paulus

(Nachschrift eines Wortdienstes auf der Langensteinbacherhöhe)

Aus 1. Timotheus 1 lese ich die Verse 12-17: »Ich danke unserem Herrn Christus Jesus, der mich stark gemacht und treu geachtet hat und gesetzt in das Amt, der ich zuvor war ein Lästerer und ein Verfolger und ein Schmäher. Aber mir ist Barmherzigkeit widerfahren, denn ich habe es unwissend getan im Unglauben. Es ist aber desto reicher gewesen die Gnade unseres Herrn samt dem Glauben und der Liebe, die in Christus Jesus ist. Das ist gewißlich wahr und ein teuer wertes Wort, daß Christus Jesus gekommen ist in die Welt, die Sünder selig zu machen, unter welchen ich der vornehmste bin. Aber darum ist mir Barmherzigkeit widerfahren, auf daß an mir vornehmlich Jesus Christus erzeigte alle Geduld, zum Vorbild denen, die an Ihn glauben sollten zum ewigen Leben. Aber Gott, dem ewigen König, dem Unvergänglichen und Unsichtbaren und allein Weisen, sei Ehre und Preis in Ewigkeit! Amen.

Der bekannte Bibelübersetzer Hans Bruns hat einmal gesagt: »Wahrer Christenglaube ist in Deutschland nahezu unbekannt.« Das ist ja nun schon eine schockierende Behauptung! Er hat nicht gesagt: In Deutschland gibt es keine Religion, oder: In Deutschland ist das Christentum unbekannt, nein, er hat gesagt: In Deutschland ist wahrer Christenglaube nahezu unbekannt. Er hat damit nicht zum Ausdruck bringen wollen, daß Deutschland nachgerade ein Missionsland sei, wo viele Leute nichts mehr wissen von biblischen Gedanken und Gesichtspunkten, sondern er wollte sagen, daß gerade unter denen, die sich für Christen halten, große Unklarheit darüber besteht, was denn tatsächlich wahrer Christenglaube ist.

Wenn man mit Menschen ins Gespräch kommt, stellt sich sehr schnell heraus, was für Vorstellungen sie diesbezüglich haben. Oft geht es ihnen nur darum, daß Jesus die Liebe propagiert habe, daß Er den Menschen das Gebot der Nächstenliebe gebracht habe. Dieses Gebot aber hat nicht erst Jesus gebracht, es findet sich schon mitten in den Büchern Mose (3. Mose 19, 18)! Oder es wird gesagt, Jesus habe die Gerechtigkeit verfochten, die Solidarität mit den Entrechteten und die Gleichheit aller Menschen. In all diesen Dingen mag ja ein Körnchen Wahrheit liegen — nur wenn man meint, das sei die Mitte des Evangeliums und des Christenglaubens, dann hat man tatsächlich vom Christenglauben so gut wie nichts verstanden.

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Autor: Schäfer, Kurt | Kategorie(n): Erkenntnis & Wesen Gottes, Gemeinde, Paulus  |  657 x gelesen

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Fördernde Umstände für das Evangelium

“Ich will aber, dass ihr wisset, Brüder, dass meine Umstände mehr zur Förderung des Evangeliums geraten sind, so dass meine Bande in Christo offenbar geworden sind in dem ganzen Prätorium und allen anderen, und dass die meisten der Brüder, indem sie im Herrn Vertrauen gewonnen haben durch meine Bande, viel mehr sich erkühnen, das Wort Gottes zu reden ohne Furcht” (Phil. 1, 12-14).

Von der Seite des Menschen aus gesehen, schien der Lauf der Frohbotschaft nie so sehr gehemmt, als durch die Gefangennahme des Apostels der Nationen. In der Prätorianerkaserne zu Rom an einen Kriegsknecht gekettet, konnte er nicht weit gehen und hatte keine Gelegenheit mehr, Reisen in heidnische Länder zu machen. Gott hatte seinen treuen Knecht abgeschnitten von der äusseren Freiheit und damit scheinbar dem Siegeslauf des Evangeliums selbst ein vorläufiges Ende gesetzt.

Hätte ein Mensch so gehandelt, seinen treuesten Diener und besten Mitarbeiter vom Arbeitsfeld hinwegzunehmen, man müsste ihn töricht heißen. Das Törichte Gottes aber ist weiser, als die Weisheit der Menschen (1. Kor. 1, 18-31). Je schwächer das Werkzeug ist und je geringer die Betätigungsmöglichkeiten, um so herrlicher ist der Erfolg, um so reifer und köstlicher die Frucht.

Paulus sitzt im Herzen der antichristlichen Weltmacht seiner Zeit. Ihr stehen alle äusseren Machtmittel zur Verfügung. Er ist scheinbar hilflos in ihre Hand gegeben.

Das aber will Gott gerade! Nicht durch Heer oder Kraft soll der volle Sieg errungen werden, sondern durch sein Wort und seinen Geist. Er lässt seine Ehre keinem andern, auch nicht einem Paulus. Äusserlich ist die Lage des Apostels hoffnungslos, — innerlich ist sein Glaube nie hoffnungsvoller gewesen! Er sieht, dass die zusammengeballte Macht des christusfeindlichen Weltstaates Rom überwunden werden wird durch das in Kerker und Banden in aller Schwachheit von ihm bezeugte Evangelium.

Der Gesandte Christi Jesu ist bereit zu sterben. Der Tod schreckt ihn nicht mehr. Sterben ist ihm gar Gewinn (Phil. 1, 21). Er hat Lust, abzuscheiden und bei Christo zu sein, denn es ist ihm besser (Phil. 1, 23). Er ist aber auch bereit, um ihretwillen zu bleiben. Nichts bindet ihn mehr. Er ist frei in Ketten.

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Autor: Geyer, Karl | Kategorie(n): Glaubensleben & Wandel, Hingabe, Paulus  |  643 x gelesen

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Bannfluch zu Gunsten Israels?

(Röm. 9, 1-5)

Die Mutter sitzt am Krankenbett der kleinen Susanne und kann das Leid kaum mehr ertragen. Mehr im Fieberwahn als mit Bewusstsein eilt ihre 9-jährige Tochter unter qualvollen Schmerzen dem Tode entgegen. Gerne würde sie mit ihrer Tochter tauschen und für sie sterben, damit Susanne an ihrer Stelle weiterleben kann. Die Mutter denkt nicht so, weil sie den Tod sucht, sondern weil sie ihre Tochter von Herzen liebt. Wenn es eine Möglichkeit gäbe, die todbringende Krankheit von ihrer Tochter auf sich zu übertragen, wäre sie dazu bereit. Oft hat sie in den letzten Wochen davon gesprochen: “Ich wünschte, ich wäre an Susannes Stelle!” Aber dies ist nicht möglich. So bleibt es beim Herzenswunsch.

Von solcher Liebe war das Herz des Apostels Paulus bewegt, als er wünschte, vom Leben, dem Christus, getrennt zu werden, damit seine Brüder dem Fleische nach die Rettung in Christus erfassen können. In Röm. 9, 1-5 berichtet er von seiner Herzensnot und seinem Wunsch: “Wahrheit rede ich in Christus, ich lüge nicht, mein Gewissen bezeugt es mir in heiligem Geist: Große Betrübnis (Traurigkeit) ist in mir und unablässiger (unaufhörlicher) Schmerz in meinem Herzen — denn ich wünschte, selbst von Christus hinweg verbannt zu sein (durch einen Fluch von Christo entfernt zu sein) — für meine Brüder (zugunsten meiner Brüder), meine Stammverwandten dem Fleische nach, die Israeliten sind, denen der Sohnesstand und die Herrlichkeit gehören, die Bündnisse und die Gesetzgebung, der Gottesdienst und die Verheißungen, zu ihnen gehören die Väter und aus ihnen (ging) der Christus nach dem Fleische (hervor), der über allem Gott ist, gepriesen in die Weltzeitalter hinein! Amen!” (Konkordante Übersetzung; Vers 5 nach Schumacher).

Will Paulus sich denn wirklich vom Heil in Christus ausschließen, damit Israel an seiner Stelle Zugang bekommt? Weiß er denn nicht, dass das Heil Israels untrennbar mit der Vollendung der Gemeinde verbunden ist, so dass er nicht von Christus getrennt werden muss, sondern im Gegenteil zusammen mit den anderen Gliedern des Leibes zur Ausreife streben muss, um seinem Volk helfen zu können? — Überhaupt, kann man denn durch irgendein Opfer Heil für andere bewirken? Widerspricht dies nicht radikal der von Paulus selbst im Römerbrief dargelegten Gnade? Einer Gnade, die allein auf dem Opfer Jesu ohne irgendeine menschliche Leistung oder Ergänzung beruht? — Dies sind Fragen, die wir im folgenden versuchen, zu beantworten.

Was heißt gebannt sein?

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Autor: Wörz, Reiner | Kategorie(n): Israel, Paulus  |  718 x gelesen

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Paulus — Sein Leben und seine Briefe

1. Saulus, der Pharisäer

Zur Gewinnung eines richtigen Bildes vom Vorleben des großen Apostels der Heiden sind wir erfreulicherweise nicht auf die Tradition angewiesen, sondern in der Apostelgeschichte sowie in den Briefen des Paulus ist uns reiches Quellenmaterial dafür geboten. Phil. 3, 5 redet er von sich als beschnitten am achten Tage, aus dem Geschlechte Israels, vom Stamme Benjamin, einem Hebräer aus Hebräern. Apg. 21, 39 nennt er sich einen jüdischen Mann, aber einen römischen Bürger von Tarsus, einer nicht unbedeutenden Stadt in Cilicien (22, 3), erzogen in Jerusalem zu den Füßen Gamaliels, nach Apg. 5, 34 eines hoch angesehenen Gesetzeslehrers, mit allem Fleiß unterrichtet im väterlichen Gesetz und ein Eiferer für Gott. Vor Agrippas führt er aus (Apg. 26, 4-5): Was meinen Lebenswandel von Jugend auf betrifft, den ich von Anfang unter meinem Volk zu Jerusalem führte, so kennen mich alle Juden, da sie wissen, dass ich früher nach der strengen Sekte unserer Religion gelebt habe, als Pharisäer. Und vor der Menge des Volkes bekennt er frei (Apg. 22, 20): Auch ich stand dabei, als das Blut des Stephanus vergossen ward und verwahrte die Kleider derer, die ihn töteten.

Über seinen hervorragenden Anteil an der Verfolgung, die sich nach dem Tode des ersten Blutzeugen des Evangeliums von Christus wider die junge Muttergemeinde in Judäa erhob, erfahren wir folgendes: Saulus aber verwüstete die Gemeine, indem er in die Häuser eindrang, Männer und Weiber fortschleppte und sie ins Gefängnis überlieferte (Apg. 8, 3).

Er selbst legt gegen sich immer wieder klares Zeugnis ab, wenn er schreibt: Ihr habt von meinem früheren Wandel im Judentum gehört, dass ich die Gemeine Gottes über die Maßen verfolgte und sie zerstörte und übertraf im Judentum viele meiner Altersgenossen in meinem Geschlecht durch übermäßigen Eifer um meine väterlichen Überlieferungen (Gal. 1, 13). Nach dem Eifer ein Verfolger der Gemeine, nach der Gerechtigkeit im Gesetz unsträflich gewesen (Phil. 3, 6). Ich habe gemeint, ich müsste viel zuwider tun dem Namen Jesu von Nazareth, was ich auch zu Jerusalem tat, und viele der Heiligen schloß ich ins Gefängnis, wozu ich von den Hohenpriestern die Vollmacht empfangen hatte, und wenn sie getötet wurden, gab ich die Stimme dazu. Und in allen Synagogen strafte ich sie oft und zwang sie zu lästern, und über die Maßen wütend über sie verfolgte ich sie auch bis in die auswärtigen Städte (Apg. 26, 9-11).

Ich verfolgte diesen Weg bis auf den Tod, indem ich Männer und Weiber band und ins Gefängnis überlieferte, wie auch der Hohepriester und der ganze Rat der Ältesten mit Zeugnis gibt, von welchen ich sogar Briefe an die Brüder empfing und gen Damaskus zog, um auch die, welche daselbst waren, gebunden gen Jerusalem zu führen, auf dass sie gestraft würden (Apg. 22, 4.5).

Aber so darf er später seinem geistlichen Sohne Timotheus schreiben: Mir ist Erbarmung widerfahren, weil ich es unwissend, im Unglauben getan habe (1. Tim. 1, 13). Und der Gemeine zu Korinth bekennt er in tiefer Beugung: Ich bin der geringste von allen Aposteln, nicht wert, ein Apostel zu heißen, weil ich die Gemeine Gottes verfolgt habe (1. Kor. 15, 9).

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Autor: Ströter, Ernst F., Prof. | Kategorie(n): Paulus, Paulusbriefe  |  591 x gelesen

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Welche Stelle soll die Lehre vom Geheimnis des Leibes Christi in unserer Wortverkündigung einnehmen?

Referat während der Brieger Bibelwoche, Mai 1908, mit einigen Erweiterungen

Um auf diese Frage eine intelligente Antwort geben zu können, wird es gut sein, dass wir uns in einer Reihe von Thesen oder Sätzen klar zu werden suchen, welche Stelle diese Wahrheit in der apostolischen Wortverkündigung einnahm, und welche Bedeutung derselben dort gegeben ist:

I.

Die lehrhafte Darstellung dieses Geheimnisses ist dem Apostel Paulus durchaus eigentümlich. Sie findet sich nur in den paulinischen Briefen. So redet er z. B. Eph. 3, 3 von einer Verwaltung der Gnade Gottes, die ihm für die Nationen gegeben sei. In Vers 8 erklärt er, dass ihm, dem allergeringsten unter allen Heiligen, diese Gnade gegeben sei, unter den Heiden den unausforschlichen Reichtum des Christus zu verkündigen. Und Kol. 1, 25 sagt er von dem Leibe Christi, der Gemeine, dass er deren Diener geworden, nach dem Haushalteramt Gottes, “das mir für euch gegeben ist”. Das ist eine Sprache, die mit der Vorstellung einer bloßen Beiordnung des Paulus zu dem Dienst der Zwölfe nicht wohl zu vereinigen ist.

Besondere Beachtung verdient hier noch, was Paulus Gal. 1, 15.16 sehr stark hervorhebt. Nachdem er dort V. 12 erklärt hatte, dass er “sein Evangelium” von keinem Menschen empfangen noch gelernt (also auch nicht von den Zwölfen, die vor ihm Apostel waren), sondern durch Offenbarung Jesu Christi, d. h. durch eine ganz neue und zusätzliche Erweisung des Auferstandenen vom Himmel her, bezeichnet er sich als von Mutterleibe an von Gott ausgesondert und berufen durch seine Gnade, seinen Sohn, (den Christus) zu offenbaren “in mir (also nicht bloß durch mich), damit ich ihn durch das Evangelium verkündige unter den Nationen”. Das bedeutet doch wohl, dass Paulus sich nicht nur als Träger und Vermittler dieser neuen Offenbarung Christi wusste, sondern als berufenen Lehrtyp dieses Geheimnisses “Christus in uns”. Das belegen uns auch die sehr häufigen Hinweise in seinen Briefen auf seine eigene mustergültige Erfahrung und Führung (Röm. 15, 18; 1. Kor. 11, 1; 2. Kor. 1, 5. 6; 2, 15; 4, 10-12; 13, 4; Gal. 6, 17; Phil. 3, 17; 4, 9; Kol. 1, 24.25). Auch in diesem Punkt steht Paulus einzig da unter den Aposteln.

(Man vergleiche hiermit auch die nachdrückliche, fast frappierende Art, mit welcher dieser Apostel Röm. 11, 1 seine durchschlagende Antwort “Das sei ferne” auf die Frage: “Hat denn Gott sein Volk verstoßen?” begründet mit dem Hinweis: “Denn ich bin ein Israelit!” Das will sagen, er darf sich und seine Erfahrung auch nach dieser Seite hin, als prophetisch und vorbildlich, als mustergültig für die zukünftige nationale Bekehrung Israels durch die Erscheinung des verherrlichten Christus vom Himmel hinstellen).

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Autor: Ströter, Ernst F., Prof. | Kategorie(n): Gemeinde, Lehre, Paulus, Paulusbriefe  |  576 x gelesen

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Dreierlei Dienst des Paulus

Vorwort des Herausgebers der deutschen Ausgabe:

Die vorliegende Übersetzung ist als Fortsetzung des Buches: “Heilsgeschichtliche Entfaltung im Neuen Testament” (pdf) von E. W. Bullinger gedacht.

Michael Penny trägt das Gedankengut seines Lehrers Bullinger weiter. Hier haben wir eine Erklärung obigen, zuerst erschienenen Buches.

Den Fortgang des Evangeliums nach Pfingsten und die weitere Entfaltung der Offenbarung Gottes kann nicht mit einer biologisch, geistigen Entwicklung des Heidenapostels Paulus eingefangen werden.

An Pfingsten und dem Zwölferkreis hat Gott nicht alles offenbart. Selbst der Apostel Paulus tat seinen Dienst am Anfang zuerst an Israel und im Sinne der Reichsaufrichtung in und durch Israel. Bekehrte Heiden sollten in den Ölbaum Israel eingepflanzt werden.

Michael Penny zeigt die Entwicklungsstufen und Phasen der Offenbarungsentfaltung auf.

Wiederum sage ich: “Prüfet alles, und das Gute behaltet” (1. Thess. 5, 21).

Manfred Mössinger, im Februar 1994

Inhalt:

    Zum Geleit
1. Einleitung
2. Was du gesehen hast
3. Was ich dir noch zeigen will
4. Die erste und zweite Art des Dienstes
5. Gottes Plan für Israel und die Nationen
6. Die dritte Art des Dienstes
7. Ein Vergleich der drei Arten des Dienstes
    a) Die Beschneidung
    b) Das Gesetz
    c) Die Nahrung
    d) Die Nähe der Wiederkunft Christi
    e) Die Heilungen
8. Zusammenfassung


.

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Autor: Penny, Michael | Kategorie(n): Heilsgeschichte, Paulus  |  695 x gelesen

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Paulus und Jakobus in ihrer gegensätzlichen Heilslehre

(Nachschrift eines Vortrags)

Die menschliche Logik hat, liebe Geschwister, keine befriedigende Erklärung für die hier vorhandenen Widersprüche. Umso wunderbarer ist deren Lösung in göttlicher “Überlogik”.

Da unsere Bibel Gottes Wort ist und Gottes Wort die Wahrheit ist, muß diese Wahrheit in sich selbst klar, ja für jede geistliche Beurteilung völlig durchsichtig und licht sein.

Unser Thema hat mich schon vor Jahrzehnten im Glauben hin- und hergeworfen. Weshalb? Weil ich diejenigen Aussagen des Apostels Paulus, die denen des Apostels Jakobus genau widersprechen, nicht dadurch als vollgültig nehmen konnte, daß ich mit Martin Luther den Jakobusbrief einfach als eine “stroherne Epistel” ansah. Wir können den Jakobusbrief nicht einfach in den Papierkorb tun!

Wir lassen uns nun zunächst mit den vorhandenen Widersprüchen konfrontieren, es sind Widersprüche nach menschlicher Logik. Und wir dürfen dann in genauem Hinhören erleben, wie sich diese vorerst unlöslich erscheinenden Widersprüche in einer herrlichen Gottesweisheit auflösen. Ich gebe zunächst eine

Gegenüberstellung der hauptsächlichen Lehrunterschiede in der Frage der rettenden Rechtfertigung und zugerechneten Gerechtigkeit:

Paulus: Jakobus:
Eph. 2, 8-9:
Durch Gnade seid ihr errettet, mittels des Glaubens und nicht aus Werken.
Jak. 2, 14:
Was nützt es, meine Brüder, wenn jemand sagt, er habe Glauben, hat aber nicht Werke? Kann etwa der Glaube ihn erretten?
Röm. 3, 24-25:
Wir werden geschenkterweise gerechtfertigt, durch Seine Gnade … durch den Glauben in Seinem Blute, zur Erweisung Seiner Gerechtigkeit.
Jak. 2, 17:
Also ist auch der Glaube, wenn er nicht Werke hat, an und für sich tot.
Röm. 3, 28:
Wir urteilen, daß ein Mensch durch Glauben gerechtfertigt wird, ohne Gesetzeswerke.
Jak. 2, 18:
Es wird aber jemand sagen: Du hast Glauben und ich habe Werke; zeige mir deinen Glauben ohne Werke, und ich werde dir meinen Glauben aus meinen Werken zeigen!
Röm. 4, 2-3:
Wenn Abraham aus Werken gerechtfertigt worden ist, so hat er etwas zum Rühmen; aber nicht vor Gott … Abraham aber glaubte Gott, und es wurde ihm zur Gerechtigkeit gerechnet.
Jak. 2, 20-21:
Willst du aber wissen, daß der Glaube ohne Werke tot ist? Ist nicht Abraham, unser Vater, aus Werken gerechtfertigt worden, da er Isaak, seinen Sohn, auf dem Altar opferte?
Röm. 4, 5-6:
Wer nicht mit Werken umgeht, sondern dem glaubt, der den Gesetzlosen rechtfertigt, dem wird sein Glaube zur Gerechtigkeit gerechnet. Wie auch David die Glückseligkeit des Menschen ausspricht, dem Gott Gerechtigkeit ohne Werke zurechnet.
Jak. 2, 24:
Ihr seht also, daß ein Mensch aus Werken gerechtfertigt wird und nicht aus Glauben allein.
Hebr. 11, 31:
Durch Glauben kam Rahab, die Hure, nicht mit den Ungläubigen um.
Jak. 2, 25:
Ist nicht Rahab, die Hure, aus Werken gerechtfertigt worden, da sie die Boten aufnahm?

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Autor: Muhl, Arthur | Kategorie(n): Lehre, Paulus, Paulusbriefe, Schriftteilung  |  781 x gelesen

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Paulus — Das auserwählte Rüstzeug als Typus für die Gemeinde des Leibes Christi

Wir wollen vorab die Sonderstellung des Apostels Paulus in ganz bestimmten Zusammenhängen näher ansehen, und zwar aus dem Gesamtzeugnis der Schrift Alten und Neuen Testamentes. Wie wir wissen, hatte er die gewaltige besondere Gnade und Gabe zur Verkündigung der Herrlichkeit des Evangeliums der Gnade Gottes, ausgehend von der Herrlichkeit unseres glückseligen Gottes, wie er in 1. Tim. 1, 11 schreibt, nämlich dem Evangelium, welches er persönlich empfangen hat, “welches mir, Paulus, anvertraut worden ist.”

Betrachten wir aber zuerst die fast unfassbare Aussage in Kol. 1, 24: “Jetzt freue ich mich in den Leiden für euch und ergänze in meinem Fleische, was noch rückständig ist von den Drangsalen des Christus für seinen Leib.” Da haben wir uns bestimmt alle schon gefragt: ‘Ja, Paulus, hat Jesus am Kreuz nicht gerufen: “Es ist vollbracht!” Was hast du noch zu ergänzen, abzuschließen, zu vollenden?’ Diese heikle Frage steht im Raum, denn wir haben diese Aussage schriftlich als Wort Gottes vor uns, durch den Heiligen Geist, dem Paulus gegeben. Also haben wir es anzuerkennen, dürfen aber darum bitten, das zu verstehen. Später wollen wir noch zurückgreifen auf zwei einzige Verse im Alten Testament, die uns dann kurz und bündig von den unausforschlichen Weisheiten Gottes überführen und uns diese Aussagen des Apostels Paulus erhellen werden.

Dem Paulus ist es nach Kol. 1, 25 auch gegeben, das Wort Gottes zu vollenden, also zu ergänzen, was wirklich noch mangelt. Wenn er sowohl die Leiden des Christus ergänzt als auch das Wort Gottes ergänzt, dann ist es prinzipiell wichtig, zu beachten, dass man ja nur etwas ergänzen kann, wo eine Masse schon vorhanden ist, die der Ergänzung bedarf. Was heißt das praktisch? Gott hat dem Apostel Paulus Offenbarungen gegeben, und zwar mit Vorliebe in Form von Geheimnissen Gottes, vom Geheimnis des Evangeliums, vom Geheimnis des Christus, vom Geheimnis des Leibes des Christus usw. Aus solchen gewaltigen letzten Offenbarungen besteht diese Ergänzung, die dem Apostel Paulus gegeben ist. Und die Masse, die der Ergänzung bedarf, ist das ganze übrige Wort Gottes, Altes und Neues Testament. Die Ergänzung ohne die Masse ist wie ein Schlüssel ohne Schloss; und die Masse ohne die Ergänzung ist wie ein Schloss ohne Schlüssel, denn vor Gott gilt nur das Ganze, das Vollkommene, wo nichts fehlt.

Wenn zum Beispiel tausend Gebote da sind, 999 halte ich und strauchle nur in einem, dann bin ich alle anderen 999 schuldig. Das ist die eine Seite, sehr klar steht die Gesamtforderung des Gesetzes vor uns; und ebenso vollkommen steht auf der anderen Seite das Gesamtgeschenk der Gnade vor uns, die keinen Hauch von Werken oder Leistung oder Gesetz in sich dulden kann, “sonst ist die Gnade nicht mehr Gnade”. Das sind Totalansprüche im Worte Gottes!

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Autor: Muhl, Arthur | Kategorie(n): Gemeinde, Paulus  |  611 x gelesen

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