Wenn die Schrift bezeugt, daß Gott die Welt liebt, so ist damit gar
nichts darüber ausgesagt, wie die Welt ist, sondern nur, wie Gott ist.
Das gilt es einmal ganz klar mit allen Konsequenzen zu fassen.


Adolf Heller (1895 - 1973)
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Jesus und die Ehebrecherin

»Und sie gingen ein jeder in sein Haus. Jesus aber ging auf den Ölberg. Am frühen Morgen aber kam Er wieder in den Tempel, und alles Volk kam zu Ihm; und Er setzte sich und lehrte sie.
Die Schriftgelehrten und die Pharisäer aber bringen eine Frau herbei, beim Ehebruch ergriffen, und stellen sie in die Mitte und sagen zu Ihm: Lehrer, diese Frau ist auf frischer Tat ergriffen worden, Ehebruch treibend; im Gesetz aber hat uns Moses befohlen, eine solche zu steinigen; Du nun, was sagst Du? Dies aber sagten sie, um Ihn auf die Probe zu stellen, damit sie etwas hätten, Ihn anzuklagen. Jesus aber bückte sich nieder und schrieb mit dem Finger auf die Erde.
Als sie aber fortfuhren, Ihn zu fragen, richtete Er sich auf und sagte zu ihnen: ›Der Sündlose unter euch soll als erster den Stein auf sie werfen!‹ Und noch einmal bückte Er sich und schrieb auf die Erde.
Als sie aber dies gehört hatten, gingen sie hinaus — einer nach dem anderen — angefangen von den Ältesten, und Er blieb allein mit der Frau, die in der Mitte dastand.
Jesus aber richtete sich auf und sprach zu ihr: ›Frau, wo sind diese? Hat niemand dich verurteilt?‹ Sie aber sprach: ›Keiner, HERR!‹ Da sprach Jesus: ›Auch ich verurteile dich nicht! Gehe hin, und von nun an sündige nicht mehr!‹«
(Joh. 7, 53 - 8, 11)

Die griechischen Handschriften lassen erkennen, daß dieser Bericht wohl nicht von Johannes selbst geschrieben, sondern offensichtlich später in sein Evangelium eingefügt wurde. Man kann annehmen, daß dies durch die beiden Augenzeugen und Mitapostel geschah, die in Joh. 21, 24.25 die Verfasserschaft des Apostels Johannes verbürgen. Aber »die innere Echtheit und Überzeugungskraft« des Berichts »ist unbezweifelbar. Sie zeigt uns Jesus in unvergleichlicher Weise« (Dr. Werner de Boor, Wuppertaler Studienbibel).

Der Bericht steht auch am rechten Ort. Er ist eingefügt in den Rahmen des Laubhüttenfestes (Sukkoth; ab K. 7, 1); dieses erinnerte Israel an die Wundertaten Gottes in der Wüste und galt als »Fest der Gottes-Epiphanie« — also der göttlichen Offenbarung und Erscheinung — und zugleich als ein prophetisches Modell für die endzeitliche Erfüllung im Reich des Messias (s. Sach. 14, 16-19!). Nicht von ungefähr wurde in der jüdischen Festliturgie die Umschreibung des hochheiligen JAHWEH-Namens mit »Ich bin ER« besonders häufig gebraucht. So sagte Rabbi Hillel über das Fest Laubhütten: »Wenn das göttliche ICH BIN (hebr.: ani hu) hier ist, dann ist alles hier!« Ein levitischer Doppelchor aber sang sich zu: (I) »Ich bin ER« … (II) »So hilf doch! (hoshianna)«.

Das Fest der Gottesepiphanie bewegte die Brüder Jesu zu einer dringenden Bitte: Er möge doch, wenn Er nun wirklich der Messias sei, Sein Wirken »in der Verborgenheit« aufgeben, und, wenn Er nun einmal solche Machttaten wirke, sich »der Welt zeigen« und sich als Messias offenbaren. Jesus antwortete ihnen, daß Sein Offenbarungstermin noch nicht gekommen sei, und ließ sie zunächst allein zum Sukkothfest nach Jerusalem gehen. Er selbst aber ging, entgegen Seiner ursprünglichen Absicht, später hinauf — allerdings »nicht öffentlich, sondern gleichsam wie im Verborgenen« (d. h. nach Bornhäuser, ohne sich als Messias in der Öffentlichkeit zu proklamieren; Joh. 7, 1-11).

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Autor: Jugel, Wolfgang | Kategorie(n): Das prophetische Wort, Erkenntnis & Wesen Gottes, Israel, Lehre  |  1,832 x gelesen

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Apostolische Schlüsselgewalt

Welche Bedeutung haben die Schriftworte Matth. 16, 19; 18, 18; Joh. 20, 23 (Apostolische Schlüsselgewalt, Vollmacht des Bindens und Lösens) für die Gemeinde heute?

Nach dem Sinn dieser Bibelstellen wird immer wieder gefragt. Auf Anregung eines Lesers von GNADE UND HERRLICHKEIT soll nachstehend eine Antwort gegeben werden. Wir entnehmen sie der Zeitschrift DAS PROPHETISCHE WORT (Jg. 1918 und 1922), wo zweimal darauf eingegangen wurde. (Die damals im FRAGEKASTEN gegebenen Antworten sind nicht mit Namen gekennzeichnet; sie dürften vom Herausgeber, Professor E. F. Ströter, stammen.) Diese Antworten sind biblisch-heilsgeschichtlich einleuchtend; uns sind keine besseren bekannt. Zunächst die 1918 gegebene Antwort:

Die »Schlüsselgewalt« des Petrus

»[...] Wir bleiben eingedenk, daß wir uns mit jenen Vollmachten des Herrn an Seine zwölf israelitischen Jünger ganz auf national-jüdischem Reichsboden befinden. Die heutige Gemeinde, ja selbst die jüdische Muttergemeinde in Jerusalem bestand noch gar nicht. Es war noch nicht Pfingsten gewesen. Jesus sagt dem Petrus deutlich, daß Er auf ihn, den (zukünftigen) Felsenmann, Seine Gemeinde bauen wolle, die von den Pforten des Hades nicht solle überwältigt werden. Also alles geht auf die Zukunft.

Wie geschah nun die Erfüllung?

Darüber gibt uns die Apostelgeschichte deutlichen und genügenden Aufschluß. Sie berichtet uns zunächst (Kap. 2), wie Petrus am Tage der Pfingsten in Jerusalem voll Heiligen Geistes den Angehörigen seines Volkes Israel die Tür des Himmelsreiches auftut, d. h. ein für allemal die Bedingungen festlegt, unter denen sich die dem Volke Israel gegebenen Reichsverheißungen erfüllen werden. Sie lauten: Buße für die offizielle Verwerfung des ihnen gesandten Gesalbten Gottes (des MESSIAS) und Glaube an den Namen des Gekreuzigten und Auferstandenen [...]

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Autor: Ströter, Ernst F., Prof. | Kategorie(n): Heilsgeschichte, Lehre  |  696 x gelesen

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Friede auf Erden?

Nach dem Verlust des Paradieses erlebt die unter dem Fluch der Sünde stehende Menschheit alles andere als wirkliche Friedenszustände. Im persönlichen Bereich sind Mißgunst, Neid, Zwietracht, Haß, Auseinandersetzungen, Streit und Aggressionen immer wieder die bemerkenswertesten Störfaktoren friedlichen Zusammenlebens. Auf der gesellschaftlich-politischen Ebene versuchen die verschiedensten Interessengruppen ihre Ziele oft mit gewalttätigen Mitteln zu erreichen. Verbale Drohungen, Streiks als Mittel der Tarifkonflikt-Lösungen bei den Gewerkschaften, Terrorakte fanatischer Extremisten (auch in religiösen Bewegungen) und bewaffnete Auseinandersetzungen rivalisierender Parteien sind in der Gegenwart weltweit an der Tagesordnung. Zur Zeit (1996/1997; Anm.) weist die Statistik etwa 70 Krisengebiete mit kriegerischen Auseinandersetzungen auf unserem Planeten aus. Und man gewinnt nicht den Eindruck, daß die vielseitigen Friedensbemühungen auf verschiedenen Ebenen — selbst durch UNO-Vermittlung — einen positiven Erfolg garantieren könnten.

Warum, so fragen sich die meisten Menschen, gelingt es denn nicht, ein friedliches Zusammenleben aller Erdenbewohner, zumindest der Bürger von Ländern und Regionen, zu ermöglichen? Politiker, Philosophen, Theologen, Pädagogen und Psychologen mühen sich allerorts um Lösungen dieses schwierigen Problems.

Den meisten bekannt sein dürfte die Initiative des sogenannten konziliaren Prozesses mit der Forderung nach Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung. Die Absichten der Initiatoren sind gewiß lobenswert, werden aber nach der Erkenntnis bibelgläubiger Christen nicht zum gewünschten Erfolg führen. Denn hier werden nicht die biblischen Begriffe »Gerechtigkeit« und »Frieden« aufgearbeitet und verwandt, sondern lediglich der Bezug zu gesellschaftlichen Ordnungen wird hergestellt. Nicht die Gerechtigkeit Gottes und der Friede mit Gott werden angestrebt, sondern der sozial-politische Aspekt ist der beherrschende Faktor aller Bemühungen. Und die Forderung nach Bewahrung der Schöpfung läßt völlig außer acht, daß die jetzige Schöpfung vergänglich ist und erst ein neuer Himmel und eine neue Erde die endgültige Lösung aller ökologischen Probleme garantieren.

Wer erinnert sich noch an die Hippie-Bewegung, die vor ca. 30 Jahren in den USA Aufsehen erregte? Diese »Blumenkinder« mit ihrem »Flower-Power« wollten der Welt den Frieden bringen. Ein Jahr der angeblichen Liebe in der Gemeinschaft sollte viel Freundschaft mit wenig Konsum, aber gemeinsamem Teilen in allen Lebensbeziehungen bringen. Doch schon wenige Jahre später folgte die Ermordung Martin Luther Kings und J. F. Kennedys, und die US-Nationalgarde feuerte auf Studenten, die gegen den Vietnamkrieg demonstrierten. — So ließen sich aus der Geschichte und der Gegenwart zahlreiche typische Beispiele anführen, die alle ein gemeinsames Phänomen deutlich werden lassen: Die Menschen guten Willens bemühen sich, das Zusammenleben auf persönlicher, gesellschaftlicher und politischer Ebene möglichst mit friedlichen Methoden konfliktfrei zu gestalten. Aber in letzter Konsequenz gelingt das nie dauerhaft. Im Gegenteil: Oft ergeben sich aus den vordergründigen Lösungsansätzen weitere schwierige Probleme bzw. Konflikte.

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Autor: Heinemann, Karl | Kategorie(n): Heilsgeschichte, Lehre, Zeitgeschichte & Politik  |  4,384 x gelesen

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Die achtfache Hauptschaft des Christus

(Nach einem Wortdienst in Berlin, Gemeinde Hasenheide, 1961)

Meine lieben Freunde, meine Brüder und Schwestern, ihr Heiligen und Geliebten und Auserwählten Gottes!

Die Auferstehung Jesu Christi ist der Anfang einer Erhöhung, einer Entfaltung unaussprechlicher Seligkeiten, Kräfte und Herrlichkeiten Gottes, in die wir mit hineingezogen, mit hineingestellt sind durch den Glauben. Davon möchte ich heute abend ein Zeugnis geben, indem ich eine Wahrheit herauszustellen versuche, die so wesenhaft, stark und innig ist und doch so selten in ihrem Vollumfang bezeugt wird. Ich möchte heute abend etwas sagen von der achtfachen Hauptschaft oder Hauptesstellung des Sohnes Gottes. Denn der Herr Jesus ist nicht nur unser lieber persönlicher Heiland — das ist Er auch! —, aber Christus ist noch unendlich mehr! Er ist noch viel grandioser, erhabener, strahlender, herrlicher, als wir meinen. Wir dürfen bei diesem meinem Zeugnis immer wieder eine unerhörte Tatsache festhalten: Weil Christus das Haupt ist, dessen Glieder wir sind, entsteht in der Vereinigung von Haupt und Gliedern eine neue Hauptschaft für das Weltall. Bei dieser Hauptschaft über das Weltall sind wir mit Ihm das Haupt! Das ist eine überaus beglückende und weitreichende Botschaft, die unser tiefstes Sehnen zu stillen vermag. Dabei bleibt die Demutsstellung des Anfangs unseres Glaubenslebens durchaus erhalten: Du, Herr Jesus, bist mein persönlicher Heiland und Hirte! Ein Mensch, der beim Erfassen einer tieferen oder höheren Gotteswahrheit die fundamentalen Wahrheiten der Errettung und Kindschaft schmäht oder verächtlich macht, hat nicht durch den Heiligen Geist das empfangen, was er hat oder zu haben meint — er hat sich nur in religiösem Hochmut in etwas hineingesteigert. Wer durch den Heiligen Geist weiter schaut, höher kommt bzw. tiefer gegründet wird, der wird das Grundlegende, Fundamentale seines Glaubenslebens voll gelten lassen; er kann sich mit einem Erweckten, einem neugeborenen Kindlein in Christus genauso freuen wie mit einem, der bis in das Ziel der Vollendung schauen und es bezeugen darf. Ein Zeugnis höherer Art schließt ein Zeugnis niederer Art niemals aus, sondern ein.

Hauptsein ist im Vollsinn noch mehr als die Verbindung von Mann und Weib. Die Verbindung von Haupt und Körper ist inniger, wesenhafter, führt in eine stärkere und unteilbarere Einheit hinein als die Verbindung von Mann und Frau. Die Frau kann weglaufen, die Frau kann sterben, der Mann kann sich scheiden lassen (usw.) — aber Haupt und Körper können nie auseinandergehen, sie gehören unauflöslich zusammen und bilden eine Einheit. Und das ist die Einheit, die Christus sucht und die der Vater dem Sohne gegeben hat.

Und nun zu meinem Thema: Acht Hauptschaften. Ich lese zu jedem Punkt eine Bibelstelle und überlasse es Euch, meine Brüder und Schwestern, noch eine ganze Reihe weiterer wunderbarer, beglückender Zusammenhänge beim Lesen Eurer Bibel zu finden.

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Autor: Heller, Adolf | Kategorie(n): Erkenntnis & Wesen Gottes, Gemeinde, Lehre  |  445 x gelesen

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Schritte auf dem Weg zur endzeitlichen Erneuerung Israels

— “Blätter” und “Frühfeigen” am Feigenbaum Juda in unseren Tagen —

Zwei bedeutsame Ereignisse kennzeichneten im Jahre 1977 das Geschehen in Israel; wir dürfen in ihnen endzeitliche Weichenstellungen sehen. Zum einen wurde am 17. Mai 1977 der konservativ-orthodoxe “Likud-Block” zur Regierungsbildung verpflichtet und Menachem Begin zum Ministerpräsidenten Israels gewählt, wodurch zum ersten Male seit der Gründung Israels die sozialistisch geprägte “Mapai”-Gesellschaft abgelöst wurde; sodann ist das Treffen des neugewählten Ministerpräsidenten mit dem ägyptischen Präsidenten Sadat in Jerusalem zu erwähnen, das hier nicht einer näheren biblischen Würdigung unterzogen werden soll (es kann positive, aber auch negative Entwicklungen einleiten); doch scheint sich hiermit das Ausscheren Ägyptens aus der militärischen Phalanx der kommenden “Gog-Armee” (Hes. 38/39) anzubahnen.

Es war schon bewegend, wie bei der feierlichen Parlamentssitzung am 20.11.1977, auf der beide Präsidenten sprachen, der Vorsitzende der “Knesseth” die Sitzung mit einem Prophetenwort eröffnete, und Ministerpräsident Begin seine Rede mit einem Gebet beschloß. Wo anders in der Welt wäre solches möglich? Man stelle sich dies einmal in Bonn vor! Als am 26.12.1977 Begin von Nachfolgegesprächen mit Sadat über die Friedenspläne aus Ismaelia zurückkehrte, wurde er auf dem Flugplatz vom Oberrabbiner Israels begrüßt und mit Handauflegung gesegnet.

Wenn man dergleichen aus Israel berichtet, muß man — nicht nur in Kreisen, die mit dem prophetischen Wort wenig vertraut sind — immer wieder damit rechnen, wie folgt abgewiesen zu werden: Dies alles habe ja noch nichts zu bedeuten; Israel sei ebensowenig wie andere Völker schon “wiedergeboren”; auch in Tel Aviv gebe es Nachtclubs und andere negative Erscheinungen; den christlichen Missionen in Israel werde viel Widerstand geboten; das orthodoxe Judentum sei immer noch eine Minderheit im Volke und huldige wie zu Zeiten Jesu dem “toten Buchstaben” — und was der Gegengründe mehr sein mögen!

Ganz gewiß ist der “Geist der Gnade und des Flehens” noch nicht über Israel ausgegossen, und man sollte auch nicht in einer falschen christlich-zionistischen Israelbegeisterung die Augen vor den Realitäten verschließen; aber es geht doch wohl zu weit, wenn kürzlich in einer christlichen Zeitschrift zu lesen stand: “Hängt wirklich die ganze Heilsgeschichte in unseren Tagen an der Existenz des Judenstaates, der trotz unserer frommen Wünsche immer noch ein ganz profaner Staat ist und nichts von der Glorie besitzt, die man ihm so gerne zulegen würde?”

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Autor: Jugel, Wolfgang | Kategorie(n): Endzeit, Heilsgeschichte, Israel, Lehre  |  862 x gelesen

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Freude in den Leiden

“Nun freue ich mich in den Leiden …” (Kol. 1, 24)

Der Glaubende kann zum Leiden eine dreifache Stellung einnehmen, je nach dem Grad seines Wachstums und seiner geistlichen Reife:

  1. die Stellung der Leidensscheu (fleischlich-widerstrebend),
  2. die Stellung des passiven Erduldens (seelisch-erleidend),
  3. die Stellung des positiven Leidensbegehrens (geistlich-bejahend).

Das Fleisch ist leidensscheu. Der noch fleischlich gesinnte Gläubige (und das sind wir am Anfang alle!) geht dem Leiden aus dem Wege, und wo er das nicht kann, sucht er es auf die schnellste Weise wieder loszuwerden. Die Gesundbeterbewegungen aller Erdteile, vom heidnischen Zauberer bis zur Christlichen Wissenschaft, sind Beweis genug dafür.

Die Leidensscheu des Fleisches hat einen doppelten Grund. Zunächst einmal einen äußeren. Das Fleisch ist ja schwach und kann daher wenig ertragen. Jeder Schmerz und jedes Leid hemmen das Fleisch in seiner Daseinsfreude. Denn das Fleisch wird von der Lust gehetzt und getrieben und sucht immerdar einen Lustgewinn auf irgendeinem Lebensgebiet und geht allem aus dem Wege, was ihm diesen Lustgewinn verkürzen könnte. Darum ist dem Fleisch das Leiden unangenehm, ja widernatürlich, denn es entspricht nicht seiner Gesinnung und Denkweise. Es geht ihm gegen die Natur, gegen seine ichsüchtigen Interessen. — Dann aber wohnt im Fleische die Sünde. Jede Hemmung des Fleisches durch das Leiden entzieht der Sünde ein Stück ihres Nährbodens. Denn das Fleisch ist der Nährboden der Sünde. Leiden aber tötet das Fleisch ab. Wenn man Milch kocht, tötet man die Gärungsbakterien; und wenn man Fleisch kocht oder brät, tötet man die Fäulnisbakterien. Und wer im Fleische leidet, steht ab von der Sünde (1. Petr. 4, 1). Die Sünde braucht das Fleisch als Nährboden. Ohne Fleisch hat sie keine Existenzgrundlage mehr im Menschen. Sie kämpft daher um ihre eigene Entfaltungsmöglichkeit, wenn sie das Fleisch anreizt, allem Leiden aus dem Wege zu gehen.

Das Fleisch aber, das von sich aus leidensscheu ist, hört es nur allzugern, daß ihm jemand in diesem Verhalten recht gibt. Dieser Jemand ist die Sünde. Ihre Interessengemeinschaft geht beiderseits eindeutig gegen die Verkürzung ihrer Lebensmöglichkeiten durch das Leid. Darum ist der Fleischesmensch immer ein Feind der Leiden, und auch der fleischlich gesinnte Gläubige ist es im Anfang seines Glaubenslebens immer noch. Er trägt ja das leidensscheue Fleisch noch an sich. Wohl hat er die Erneuerung im Geiste erfahren. Der Leib aber ist noch tot der Sünde wegen (Röm. 8, 10). Als Kindlein in Christo, denen die Sünden vergeben sind, können wir trotz aller Gnadengaben (1. Kor. 1, 4-7) noch sehr fleischlich sein (1. Kor. 3, 1-3). Da behauptet man sich und sein Recht und sucht jede Einengung und Verkürzung seiner Interessen abzuschütteln (vergl. 1. Kor. 1, 11; 3, 3.4; 6, 1-8 u. a.).

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Autor: Geyer, Karl | Kategorie(n): Gemeinde, Heiligung, Hingabe, Lehre  |  719 x gelesen

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Die ideale Frau

In Sprüche 31, 10-31 finden wir das Loblied eines Mannes auf seine “ideale Frau”, deren Vorzüge er in prächtigen Bildern schildert. Das herabsetzende, wegwerfende Urteil mancher frommen Männer über ihre Frauen entspricht ganz und gar nicht dem biblischen Leitbild. Sollten sie doch, bewegt von Christi Verhalten zu Seinem Leibe, “sich selbst ihre Frauen verherrlicht darstellen” (Eph. 5, 27), da ja die Frau ohnehin “des Mannes Herrlichkeit” ist (1. Kor. 11, 7). Weil “weder die Frau ohne den Mann etwas ist in dem Herrn, noch der Mann etwas ohne die Frau” (1. Kor. 11, 11), kann das Hohelied Salomos sowohl Schönheit, Vorzüge und Herrlichkeit der Braut als auch des geliebten Mannes preisen.

So dürfen wir von der Geisteshaltung des Königs LEMUEL (Spr. 31, 1) nur lernen: Der “Gottgeweihte”, “auf Gott Ausgerichtete” liebt seine Frau wie sich selbst und sieht in der Einswerdung von Mann und Frau in der Ehe ein prophetisches Geheimnis aufleuchten — das innige Gemeinschaftsverhältnis zwischen dem CHRISTUS und Seiner EKKLESIA. Paulus hat dies so gedeutet, ohne eine andere grundlegende prophetische Deutung ausschließen zu wollen, die den “Ehebund” zwischen JHWH und Seinem Weibe ISRAEL in immer neuen Texten und Bildern bezeugt.

Hinter allen Aussagen des prophetischen Wortes über das “ideale Weib” steht JHWH’s Lobpreis über Seine Braut und Sein Weib Israel. Dabei verfällt Gott nicht einer romantisierenden Idealisierung, sondern sieht als “der Gott der Hoffnung” Israel bereits in der Schönheit der Vollendung und Erlösung. Ob wir Spr. 31 lesen, ob Ps. 45 oder das Hohelied, überall leuchtet die Freude Gottes über das vollendete Israel auf. Ihm will Er sich “verloben in Ewigkeit, verloben in GERECHTIGKEIT und in GERICHT”, aber hernach auch “in GÜTE und BARMHERZIGKEIT”. Er spricht: “Ich will dich mir verloben in TREUE; und du wirst JHWH erkennen” (Hosea 2).

Der Gott und Heilige Israels will sich in Seiner Liebe selbst verschenken; der Reichtum Seiner Schöpfungsfülle genügt nicht, um Seiner Liebe Ausdruck zu geben. Er selbst ist der “Mann”, den man mit Recht nur verachten würde, wenn Er allen Reichtum Seines “Hauses” als Ersatz für die Liebe geben würde (Hohesld. 8, 7).

Alles Heilsgeschehen mit Israel zielt hin auf die “Hochzeit des Lammes” (das innere Programm des Messiasreiches), wo Ihm in vielen Auferweckungs- und Neugeburtswellen Ganz-Israel in heiliger Gerechtigkeit anvermählt wird, wobei die Gerichte den Gnadenerweis vorbereiten (Matth. 19, 28; Offb. 19, 6-9). Wenn schon ihr “Wegwerfen” die Versöhnung der Welt bewirkte, was wird ihr “Annehmen” (des Messias nämlich) anderes sein als geradezu Leben aus Toten (Röm. 11, 15)?

Ganz gewiß muß das WEIB JHWH’s, das im Götzendienst zur Hure und im Gericht zur scheinbar verlassenen Witwe wurde, noch schmerzliche Wege durch die endzeitliche Drangsal Jakobs gehen — bis hin zur Zerschmetterung der Kraft des heiligen Volkes (Dan. 12, 12); doch wird JHWH, der Ehemann Israels, Sein Vollziel erreichen und “sich Sein Weib herrlich darstellen — ohne Flecken und Runzeln und dergleichen etwas” (Eph. 5). Was Er mit der Vollendung der Gemeinde beginnt, wird Er mit Ganz-Israel vollenden; die Herrschaft Davids über JUDA in Hebron (= Gemeinschaft) vollendet sich in Seiner Herrschaft über alle Stämme ISRAELS in Jerusalem (der Gründung des Friedens; s. 2. Sam. 5, 1-4). —

In 12 Punkten seien nun die 14 Ruhmestitel des Weibes aus Spr. 31 zusammengestellt und auf das “ideale Israel” gedeutet; zuvor aber sollten wir in Übereinstimmung mit dem Schriftganzen die im Text verwendeten Symbole nennen und entziffern:

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Autor: Jugel, Wolfgang | Kategorie(n): Das prophetische Wort, Israel, Lehre  |  705 x gelesen

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Über den Glauben

(Nach einer Tonbandaufnahme)

Der Apostel Paulus spricht im 1. Timotheusbrief, Kap. 3, 9, von dem “Geheimnis des Glaubens”. Wenn es sich beim Glauben um ein Geheimnis handelt, ist es also nicht selbstverständlich, wenn wir im biblischen Sinne glauben. Wir bezeugen ein Geheimnis. Geheimnisse werden geoffenbart und geschenkt durch den Heiligen Geist. Möge er, der in unserer Mitte ist, vielen unter uns durch dieses Zeugnis etwas von dem Geheimnis des Glaubens offenbaren.

In dieser Welt gibt es Gläubige und Ungläubige. Ich will jetzt nicht von dem allgemeinen Glauben reden, den es in der Welt gibt — jeder Mensch hat irgendeinen “Glauben” —, sondern ich spreche vom biblischen Glauben, von dem von Gott geoffenbarten und geschenkten Glauben.

Glaube oder Unglaube — dabei geht es um Leben oder Tod. Wer glaubt, lebt; wer nicht glaubt, ist tot. In den letzten Tagen begegneten mir Menschen, von denen einer sagte: “Ich kann nicht glauben.” Ein anderer bekannte: “Ich kann nicht mehr glauben.” Wenn ein Mensch solches ausspricht, dann steht er nach meiner Erfahrung dem Glauben nicht fern. Der wirklich Ungläubige ist über seinen Unglauben nicht traurig. Alle, die mir in diesen Tagen etwas von ihrem Nichtglauben sagten, aber waren traurig. Ich konnte sie ermuntern, indem ich sie darauf hinwies: “Der Geist Gottes ist am Wirken.” Andererseits wäre es für manchen sogenannten Gläubigen nützlich, wenn er hier und da seinen Unglauben entdecken würde, um, durch die Entdeckung des Unglaubens aufgeschreckt, ganz neu zum Glauben zu kommen.

Am Ende der letzten Konferenz hier auf der Langensteinbacherhöhe sagten mir einige Teilnehmer in verschiedenen Formulierungen: “Ich bin gläubig geworden — ich kann glauben — ich kann wieder glauben.” Immer, wenn Gottes Wort gepredigt wird, hat es diese zweifache Absicht: entweder den Glauben zu erwecken oder den Glauben zu fördern, ihm Festigkeit zu verleihen.

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Autor: Lubahn, Erich, Dr. | Kategorie(n): Gemeinde, Glaubensleben & Wandel, Lehre  |  673 x gelesen

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Gefährliche Einseitigkeiten im Glaubensleben

Biblische Wahrheiten und Lehraussagen sind stets klar und eindeutig, jedoch nie einseitig. Gottes Perspektiven weisen über menschliche Denkansätze, Horizonte und Dimensionen weit hinaus. Will der Mensch diese göttlichen Sichtweisen erahnen, erkennen und schließlich zur Korrektur seiner begrenzten Auffassungen nutzen, bedarf es der Offenbarung, der Erleuchtung durch den Heiligen Geist.

Ohne diese göttliche Offenbarung wird die Ausdeutung biblischer Aussagen nie den Wahrheitsgehalt erfassen, sondern nur vordergründig, einseitig und somit irreführend sein müssen.

Nicht nur der natürliche Mensch, auch der bereits glaubende Christ steht in der Gefahr, die tradierten Denk- und Sichtweisen bei der Beurteilung biblischer Sachverhalte zum gültigen Kriterium zu erheben.

In der Regel haben zentrale biblische Gehalte mindestens zwei Wahrheitsaspekte, die unauflöslich zusammengehören. Schon im natürlichen Lebensbereich finden wir diese Zusammenfügungen: Eine Medaille hat zwei Seiten, ein Weg wird von zwei Seiten begrenzt, und eine Außen- und Innenschau ergeben erst das Gesamtbild.

Anhand einiger ausgewählter Beispiele sollen jeweils zwei zugehörige Begriffe, die einander zugeordnet sind, aufgezeigt werden. Es sollen dann die Gefahren bei nur einseitiger Betrachtungsweise bzw. praktischer Anwendung dieses biblischen Gehaltes erörtert werden.

Folgende Beispiele, die m. E. bedeutsam und somit exemplarisch für andere biblische Sachverhalte sind, werden ausgewählt:

Stellung — Zustand
Glaube — Werke
Gnade — Gericht
Liebe — Wahrheit
Ziele — Weg
Ruhe — Dienst
Frucht — Gaben

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Autor: Heinemann, Karl | Kategorie(n): Glaubensleben & Wandel, Lehre  |  623 x gelesen

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“Der ich das Licht bilde und die Finsternis schaffe”

Dieses Zeugnis des Herrn, das uns Jesaja in Kap. 45, 7 mitteilt, und das bei der Prüfung der Frage über den Ursprung des Bösen nicht außer acht gelassen werden darf, wollen wir einmal von einer ungewohnten Seite her näher zu verstehen suchen.

Wir lassen jenen Schöpfungsteil zu uns reden, den Gott dazu gesetzt hat, zwischen Licht und Finsternis zu scheiden und beide zu beherrschen. Es sind dies Sonne, Mond und Sterne, die als wunderbare Gotteszeichen “die Herrlichkeit Gottes erzählen und Seiner Hände Werk verkünden”, und zwar “als Gottes Wort, das über die ganze Erde und bis zu den Grenzen der Wohnwelt erschallt” (Ps. 19, 4 verglichen mit Röm. 19, 17.18).

Aus meiner ausführlichen, in Arbeit befindlichen Schrift “Und auch die Sterne“, lassen wir hier einen Abschnitt daraus folgen, der die erwähnten Fragen berührt:

Das Erste, was Gott in den Himmelslichtern zur Darstellung bringt, ist die Scheidung zwischen Licht und Finsternis, Tag und Nacht, Leben und Tod, Gut und Böse. Es handelt sich demnach um eine klare Scheidung der Gegensatzkräfte (1. Mos. 1, 14).

Diese von Gott als erste Zweckbestimmung gesetzte Scheidung wird von ihm in der letzten Zweckbestimmung so vollzogen, dass der Sonnenball der alleinige Beherrscher des Lichtes ist, während die Mondkugel und alle Sterne das darstellen, was finsternismäßig ist und geschieht. Die Sterne geben höchstens etwas Licht in der Finsternis und über die Dinge der Finsternis, die Sonne allein aber vertreibt die Finsternis (1. Mos. 1, 16).

Dem einen Lichtquell gegenüber steht demnach eine Riesenmenge von Finsternisbeherrschern. Die Sonne ist das getreue Zeichen für Christus, der wirklich die Herrschaft des Lichtes ausübt. Die übrigen Himmelslichter weisen auf andere Geisteswesen hin, die wohl herrlich sind, aber “des Ruhmes mangeln”, den sie vor Gott haben sollten (Hiob 38, 7; Offbg. 1, 20; Ps. 82).

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Autor: Muhl, Arthur | Kategorie(n): Das Böse, Erkenntnis & Wesen Gottes, Lehre  |  1,233 x gelesen

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