Jesus und die Ehebrecherin
»Und sie gingen ein jeder in sein Haus. Jesus aber ging auf den Ölberg. Am frühen Morgen aber kam Er wieder in den Tempel, und alles Volk kam zu Ihm; und Er setzte sich und lehrte sie.
Die Schriftgelehrten und die Pharisäer aber bringen eine Frau herbei, beim Ehebruch ergriffen, und stellen sie in die Mitte und sagen zu Ihm: Lehrer, diese Frau ist auf frischer Tat ergriffen worden, Ehebruch treibend; im Gesetz aber hat uns Moses befohlen, eine solche zu steinigen; Du nun, was sagst Du? Dies aber sagten sie, um Ihn auf die Probe zu stellen, damit sie etwas hätten, Ihn anzuklagen. Jesus aber bückte sich nieder und schrieb mit dem Finger auf die Erde.
Als sie aber fortfuhren, Ihn zu fragen, richtete Er sich auf und sagte zu ihnen: ›Der Sündlose unter euch soll als erster den Stein auf sie werfen!‹ Und noch einmal bückte Er sich und schrieb auf die Erde.
Als sie aber dies gehört hatten, gingen sie hinaus — einer nach dem anderen — angefangen von den Ältesten, und Er blieb allein mit der Frau, die in der Mitte dastand.
Jesus aber richtete sich auf und sprach zu ihr: ›Frau, wo sind diese? Hat niemand dich verurteilt?‹ Sie aber sprach: ›Keiner, HERR!‹ Da sprach Jesus: ›Auch ich verurteile dich nicht! Gehe hin, und von nun an sündige nicht mehr!‹« (Joh. 7, 53 - 8, 11)
Die griechischen Handschriften lassen erkennen, daß dieser Bericht wohl nicht von Johannes selbst geschrieben, sondern offensichtlich später in sein Evangelium eingefügt wurde. Man kann annehmen, daß dies durch die beiden Augenzeugen und Mitapostel geschah, die in Joh. 21, 24.25 die Verfasserschaft des Apostels Johannes verbürgen. Aber »die innere Echtheit und Überzeugungskraft« des Berichts »ist unbezweifelbar. Sie zeigt uns Jesus in unvergleichlicher Weise« (Dr. Werner de Boor, Wuppertaler Studienbibel).
Der Bericht steht auch am rechten Ort. Er ist eingefügt in den Rahmen des Laubhüttenfestes (Sukkoth; ab K. 7, 1); dieses erinnerte Israel an die Wundertaten Gottes in der Wüste und galt als »Fest der Gottes-Epiphanie« — also der göttlichen Offenbarung und Erscheinung — und zugleich als ein prophetisches Modell für die endzeitliche Erfüllung im Reich des Messias (s. Sach. 14, 16-19!). Nicht von ungefähr wurde in der jüdischen Festliturgie die Umschreibung des hochheiligen JAHWEH-Namens mit »Ich bin ER« besonders häufig gebraucht. So sagte Rabbi Hillel über das Fest Laubhütten: »Wenn das göttliche ICH BIN (hebr.: ani hu) hier ist, dann ist alles hier!« Ein levitischer Doppelchor aber sang sich zu: (I) »Ich bin ER« … (II) »So hilf doch! (hoshianna)«.
Das Fest der Gottesepiphanie bewegte die Brüder Jesu zu einer dringenden Bitte: Er möge doch, wenn Er nun wirklich der Messias sei, Sein Wirken »in der Verborgenheit« aufgeben, und, wenn Er nun einmal solche Machttaten wirke, sich »der Welt zeigen« und sich als Messias offenbaren. Jesus antwortete ihnen, daß Sein Offenbarungstermin noch nicht gekommen sei, und ließ sie zunächst allein zum Sukkothfest nach Jerusalem gehen. Er selbst aber ging, entgegen Seiner ursprünglichen Absicht, später hinauf — allerdings »nicht öffentlich, sondern gleichsam wie im Verborgenen« (d. h. nach Bornhäuser, ohne sich als Messias in der Öffentlichkeit zu proklamieren; Joh. 7, 1-11).
Autor: Jugel, Wolfgang | Kategorie(n): Das prophetische Wort, Erkenntnis & Wesen Gottes, Israel, Lehre | 1,832 x gelesen


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