Laßt uns nie vergessen, daß immer der Fleischgeborene den
Geistgeborenen lästert und verfolgt, und nie umgekehrt (Gal. 4,29).


Adolf Heller (1895 - 1973)
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Maria, die Mutter Jesu

Was sagt die Schrift über sie?

Wir hören zunächst ein Wort aus Lukas 1, 26-38:

»Im sechsten Monat (nämlich der Schwangerschaft der Elisabeth) wurde der Engel Gabriel von Gott gesandt in eine Stadt in Galiläa, die Nazareth heißt, zu einer Jungfrau, die vertraut war einem Mann mit Namen Josef vom Hause David; und die Jungfrau hieß Maria. Und der Engel kam zu ihr hinein und sprach: Gegrüßet seist du, Holdselige (oder: Begnadete)! Der Herr ist mit dir, du Gebenedeite (oder: Gesegnete) unter den Frauen. Da sie aber ihn sah, erschrak sie über seine Rede und dachte: Welch ein Gruß ist das? Und der Engel sprach zu ihr: Fürchte dich nicht, Maria, du hast Gnade bei Gott gefunden. Siehe, du wirst schwanger werden und einen Sohn gebären, des Namen sollst du Jesus heißen. Der wird groß sein und ein Sohn des Höchsten genannt werden, und Gott der Herr wird Ihm den Thron Seines Vaters David geben, und Er wird König sein über das Haus Jakob ewiglich und Seines Königreichs wird kein Ende sein. — Da sprach Maria zu dem Engel: Wie soll das zugehen, da ich doch von keinem Mann weiß? Der Engel antwortete und sprach zu ihr: Heiliger Geist wird über dich kommen und Kraft des Höchsten wird dich überschatten; darum wird auch das Heilige, das von dir geboren wird, Gottes Sohn genannt werden. Und siehe, Elisabeth, deine Verwandte, ist auch schwanger mit einem Sohn in ihrem Alter und ist jetzt im sechsten Monat, von der man sagt, dass sie unfruchtbar sei. Denn bei Gott ist kein Ding unmöglich. Maria aber sprach: Siehe, ich bin des Herrn Magd; mir geschehe, wie du gesagt hast. Und der Engel schied von ihr.«

Was hat man doch im Lauf der Geschichte alles aus der Maria gemacht! Ich will jetzt nur einiges erwähnen. Man nennt sie die »Madonna« — das heißt auf Deutsch »meine Herrin«. Im Evangelium hören wir aber nichts davon; vielmehr lautet das Ur-Glaubensbekenntnis der ersten Christen: »Herr ist Jesus Christus!« (vgl. Röm. 5, 1; 10, 9; 1. Kor. 12, 3; Phil. 2, 11 u. a.). — Oder man nennt sie die »Himmelskönigin«. Davon sagt die Bibel auch nichts. Der Herr Jesus ist es, der sich zur Rechten Gottes gesetzt hat im Himmel; Er ist »König der Könige und Herr der Herren« (Hebr. 1, 13; 10, 12; Offb. 19, 16). — Auch wird sie die »Fürsprecherin« genannt. Gottes Wort aber sagt: »Wir haben einen Fürsprecher bei dem Vater: Jesus Christus, den Gerechten« (1. Joh. 2, 1). — Auch wird sie als die »Schlangenzertreterin« bezeichnet und auf Medaillons dargestellt. Man sagt, im Jahr 1830 habe eine Katharina eine Marienvision gehabt, in der sie die Maria auf der Weltkugel habe stehen sehen, mit dem Fuß auf die Schlange tretend. Danach hat man dann Medaillons angefertigt und gesagt, wer ein solches glaubend bei sich trage, werde ganz besondere Segnungen empfangen. Nach der Heiligen Schrift aber sagt Gott in 1. Mose 3, 15: Der von der Frau gekommen ist, Jesus Christus, Er wird der Schlange den Kopf zermalmen.

Aber genug davon; diese Maria soll uns heute nicht beschäftigen, sondern die Maria, die uns die Heilige Schrift vor Augen stellt. Wir betrachten:

  1. Maria von Nazareth, die Begnadete
  2. Maria, die Angefochtene
  3. Maria, die glaubende Bibelleserin
  4. Maria, die Familienmutter
  5. Maria, die Ratgeberin
  6. Maria, die Lernende in der Erziehungsschule Gottes
  7. Maria, Glied der betenden Gemeinde

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Autor: Schard, Joachim | Kategorie(n): Hingabe, Lehre  |  751 x gelesen

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Verherrlicht nun Gott in eurem Leibe!

(1. Kor. 6, 20)

Alles Geistige drängt danach, Gestalt anzunehmen. An und für sich ist der Geist unsichtbar. Darum wird auch Gott, der Geist ist, der unsichtbare Gott genannt (Kol. 1, 15; 1. Tim. 1, 17; Hebr. 11, 27; Röm. 1, 20; 1. Tim. 6, 16; Joh. 1, 14-18; 14, 8-11 u.a.). — Um sichtbar zu werden, mußte Er leibhaftig werden, d. h. in einem Leibe erscheinen, sichtbare Gestalt annehmen. Nur in dieser Form und Wesenheit ist die Liebes-Einheit zwischen Gott und Menschen restlos vollziehbar. Bis dahin ist sie nur geist- und glaubensmäßig wirksam. — In der Vollendung, wenn wir Ihn sehen, wie Er ist, wird die Liebes-Einung in der neuen Geistleiblichkeit schaubar vollzogen. Im Blick auf diesen Zukunftsstand sagt Oetinger mit vollem Recht: “Geistleiblichkeit ist das Endziel der Wege Gottes.”

Als Gott im Sohne ins Fleisch kam, so daß wir Seine Herrlichkeit in leibhaftiger Gestalt sehen konnten, jauchzte der Sohn in glückseliger Freude Seines gottseligen Herzens: “Schlachtopfer und Brandopfer hast Du nicht gewollt; aber einen Leib hast Du Mir bereitet!” (Hebr. 10, 5).

Sein Kommen in diese Welt diente also zunächst nicht der Befriedigung der Bedürfnisse der Menschen, sondern der Stillung des Liebesverlangens und des innersten Geistesdranges des Vaters, der sich im Sohne offenbaren und sichtbar darstellen wollte, und zwar so, daß der Sohn bekennen konnte: “Wer mich sieht, der sieht den Vater!” (Joh. 14, 8-11).

Darum sang auch die alte Gemeinde, die Ekklesia Gottes, die Er in 1. Tim. 3, 15 den Pfeiler und die Grundfeste der Wahrheit nennt: “Anerkannt groß ist das Geheimnis der Gottseligkeit: Gott ist geoffenbart worden im Fleische, gerechtfertigt im Geiste, gesehen von den Engeln, gepredigt unter den Nationen, geglaubt in der Welt, aufgenommen in Herrlichkeit” (1. Tim. 3, 16).

Im Sohn der Liebe wohnte nicht nur so ein Stück göttlichen Wesens, sondern die ganze Fülle der Gottheit leibhaftig (Kol. 2, 9). Im gleichen Brief bezeugt uns der Heilige Geist durch den Apostel Paulus, daß dieses Wohnen der ganzen Fülle im Sohne seinen Ursprung hatte in dem Wohlgefallen des Vaters (Kol. 1, 19). Es war des Vaters Wonne, Seine Lust, Sein Wohlgefallen, Seine Eudokia, das ist die Höchstlust der Wonne Seiner Liebe, im Sohne zu wohnen. Hier waren wirklich Gottheit und Menschheit in Einem vereint, so daß in Ihm, dem Gottessohn Christus Jesus, alle vollkommene Fülle erscheinet. Der Sohn der Liebe ist der Mittler zwischen Gott und Menschen, der in der Mitte zwischen beiden Stehende und Vermittelnde, der aus beiden eines macht, der Mensch Christus Jesus, der wahre und wesenhafte Gottmensch (1. Tim. 2, 5).

An diesem Punkte scheiden sich daher auch die Geister. Wer da bekennet, daß der Sohn Gottes ins Fleisch kam, der ist aus Gott. Ein jeder Geist, der das nicht bekennet, ist nicht aus Gott. Dies ist der Geist des Antichrists (1. Joh. 4, 1-3).

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Autor: Geyer, Karl | Kategorie(n): Gemeinde, Glaubensleben & Wandel, Heiligung, Hingabe, Versuchung & Verführung  |  377 x gelesen

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Freude in den Leiden

“Nun freue ich mich in den Leiden …” (Kol. 1, 24)

Der Glaubende kann zum Leiden eine dreifache Stellung einnehmen, je nach dem Grad seines Wachstums und seiner geistlichen Reife:

  1. die Stellung der Leidensscheu (fleischlich-widerstrebend),
  2. die Stellung des passiven Erduldens (seelisch-erleidend),
  3. die Stellung des positiven Leidensbegehrens (geistlich-bejahend).

Das Fleisch ist leidensscheu. Der noch fleischlich gesinnte Gläubige (und das sind wir am Anfang alle!) geht dem Leiden aus dem Wege, und wo er das nicht kann, sucht er es auf die schnellste Weise wieder loszuwerden. Die Gesundbeterbewegungen aller Erdteile, vom heidnischen Zauberer bis zur Christlichen Wissenschaft, sind Beweis genug dafür.

Die Leidensscheu des Fleisches hat einen doppelten Grund. Zunächst einmal einen äußeren. Das Fleisch ist ja schwach und kann daher wenig ertragen. Jeder Schmerz und jedes Leid hemmen das Fleisch in seiner Daseinsfreude. Denn das Fleisch wird von der Lust gehetzt und getrieben und sucht immerdar einen Lustgewinn auf irgendeinem Lebensgebiet und geht allem aus dem Wege, was ihm diesen Lustgewinn verkürzen könnte. Darum ist dem Fleisch das Leiden unangenehm, ja widernatürlich, denn es entspricht nicht seiner Gesinnung und Denkweise. Es geht ihm gegen die Natur, gegen seine ichsüchtigen Interessen. — Dann aber wohnt im Fleische die Sünde. Jede Hemmung des Fleisches durch das Leiden entzieht der Sünde ein Stück ihres Nährbodens. Denn das Fleisch ist der Nährboden der Sünde. Leiden aber tötet das Fleisch ab. Wenn man Milch kocht, tötet man die Gärungsbakterien; und wenn man Fleisch kocht oder brät, tötet man die Fäulnisbakterien. Und wer im Fleische leidet, steht ab von der Sünde (1. Petr. 4, 1). Die Sünde braucht das Fleisch als Nährboden. Ohne Fleisch hat sie keine Existenzgrundlage mehr im Menschen. Sie kämpft daher um ihre eigene Entfaltungsmöglichkeit, wenn sie das Fleisch anreizt, allem Leiden aus dem Wege zu gehen.

Das Fleisch aber, das von sich aus leidensscheu ist, hört es nur allzugern, daß ihm jemand in diesem Verhalten recht gibt. Dieser Jemand ist die Sünde. Ihre Interessengemeinschaft geht beiderseits eindeutig gegen die Verkürzung ihrer Lebensmöglichkeiten durch das Leid. Darum ist der Fleischesmensch immer ein Feind der Leiden, und auch der fleischlich gesinnte Gläubige ist es im Anfang seines Glaubenslebens immer noch. Er trägt ja das leidensscheue Fleisch noch an sich. Wohl hat er die Erneuerung im Geiste erfahren. Der Leib aber ist noch tot der Sünde wegen (Röm. 8, 10). Als Kindlein in Christo, denen die Sünden vergeben sind, können wir trotz aller Gnadengaben (1. Kor. 1, 4-7) noch sehr fleischlich sein (1. Kor. 3, 1-3). Da behauptet man sich und sein Recht und sucht jede Einengung und Verkürzung seiner Interessen abzuschütteln (vergl. 1. Kor. 1, 11; 3, 3.4; 6, 1-8 u. a.).

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Autor: Geyer, Karl | Kategorie(n): Gemeinde, Heiligung, Hingabe, Lehre  |  250 x gelesen

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Verblendete Sinne

Ist aber auch wirklich unsere Heilsverkündigung verhüllt, so ist sie bei denen, die verloren gehen, verhüllt, bei denen der Gott dieser Weltzeit die Sinne (Gedanken) der Ungläubigen geblendet hat, auf dass ihnen nicht erstrahle der Lichtglanz der Heilsbotschaft von der Herrlichkeit des Christus, der da ist das Bild Gottes (2. Kor. 4, 3.4).

Da haben wir die wahre Ursache des Unglaubens aller Weltkinder, nämlich vom Satan geblendete Sinne, die unfähig machen, Christus zu erkennen. Und diese verblendeten Sinne sind zugleich das sichere Kennzeichen derer, die verloren gehen.

Dass aber auf diese letzte Ursache allen Unglaubens und auf dies schauerliche Kennzeichen des Verderbens nicht mit ernstlicherer Entschiedenheit hingewiesen wird, gehört selbst wiederum mit zu Satans Blendwerk, womit er die Heilsverkündigung zu verhüllen sucht.

Was wird heute nicht alles empfohlen, um das Evangelium von der Erlösung der Menschen in Christus annehmbarer zu machen. Alles der Vernunft Anstößige müsse entfernt werden, man müsse auf die gedanklichen Schwierigkeiten der Gebildeten mehr Rücksicht nehmen, man dürfe nur noch auf wissenschaftlicher Grundlage vorgehen und nach psychologischer Methode verfahren, das kultivierte, humanistische Empfinden des modernen Menschen müsse geschont werden usw. — also nur ja nichts von Satan, Gericht und Verdammnis reden! — Was für ein Betrug!

Denn das Ergebnis dieser Bemühungen bedeutet Verfälschung des Wortes Gottes, Entkräftung der Heilsbotschaft, Betörung der Seelen, Verwirrung der Gewissen, Verirrung des Lebens und bleibende Verblendung zum ewigen Verderben.

Wahre Knechte Jesu können und wollen sich und ihre Botschaft nicht anders empfehlen, als durch die Kundmachung der Wahrheit an jedes Gewissen vor den Augen Gottes (Vers 3). Und da gilt: “Ist und bleibt unsere Heilsverkündigung verhüllt, so ist sie bei denen verhüllt, die verloren gehen.”

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Autor: Binde, Fritz | Kategorie(n): Erkenntnis & Wesen Gottes, Hingabe, Versuchung & Verführung, Zeitgeist  |  467 x gelesen

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Die größte Revolution

Vorbemerkung:

Der nachfolgende Text ist die erste von zwölf Reden von Fritz Binde, die vom Verlag Gottlob Koezle (Wernigerode) im Todesjahr Bindes, 1921, in dem Buch “Neue Herzen” herausgegeben wurden. Die restlichen elf Reden werden im Verlauf der nächsten Wochen ebenfalls an dieser Stelle leicht bearbeitet neu veröffentlicht.

Bei dem aktuell vorliegenden Text ist zu beachten, dass Fritz Binde ihn unter dem Eindruck der sich in Deutschland zum Ende des ersten Weltkrieges und innerhalb der frühen Jahre der Weimarer Republik abspielenden politischen und sozialen Unruhen, Umbrüche und Reformen schrieb. Am 9. November 1918 wurde Kaiser Wilhelm II. unter anderem aufgrund des Drucks aus den USA durch Reichskanzler Prinz Max von Baden eigenmächtig und verfassungswidrig abgesetzt, um den Weg für günstige Friedensverhandlungen mit den alliierten Siegermächten freizumachen. Es gab sowohl vor als auch nach der Entmachtung des Monarchen Aufstände, Putsche, Revolten und politische Morde durch unterschiedlichste politische Kräfte und Bewegungen. Zahlreiche Reformen traten in Kraft, u. a. führte man das Frauenwahlrecht und den achtstündigen Arbeitstag ein. Großen Zulauf fanden neben nationalistischen auch sozialistisch und kommunistisch geprägte Bewegungen und Parteien mit ihren teilweise extrem radikalen Revolutionsbestrebungen. Im Januar 1919 wurde der Spartakusaufstand von monarchistischen und rechtskonservativen Freikorps niedergeschlagen und die kommunistischen Anführer Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht dabei ermordet. Bis Mitte 1919 schlugen Reichswehr- und Freikorpsverbände auch alle weiteren Versuche, sozialistische Räterepubliken nach Vorbild der Russischen Sowjetrepublik in Deutschland zu etablieren, gewaltsam nieder, zuletzt am 2. Mai 1919 die Münchner Räterepublik. Später erfolgte u. a. der Kapp-Putsch (März 1920) und fast gleichzeitig mit diesem erschütterte ein kommunistischer Aufstandsversuch das Ruhrgebiet, der wiederum von Reichswehr und Freikorps blutig niedergeschlagen wurde. Weitere Aufstände fanden in Mitteldeutschland, Thüringen und Hamburg statt. (Viele andere Aufstände, Putsch- und Umsturzversuche seit der Novemberrevolution 1918 können in den einschlägigen Geschichtsbüchern nachgelesen werden.) Erst 1924, also ca. drei Jahre nach Veröffentlichung des Textes von Fritz Binde, begann eine Phase der relativen Ruhe und Stabilität. Trotz aller Konflikte schien sich die Demokratie durchzusetzen, die allerdings schon wenige Jahre später der Steigbügelhalter für die schrecklichste deutsche Diktatur werden sollte.

Fritz Bindes heiliger Zorn, der in dem nachfolgenden Text immer wieder deutlich zu spüren ist, ruht daher, dass er vor seiner bewussten Hinwendung zu Gott selbst glühender Sozialist und später Anarchist und deshalb mit dem wahren Wesen dieser Ideologien bestens vertraut war. An manchen Stellen schimmert seine Sympathie für einen sog. “christlichen Sozialismus”, vermutlich inspiriert von Apg. 4, 32-37, durch und zeigt, dass er auch als Kind Gottes einer gewissen sozialistischen Idee nicht grundsätzlich abgeneigt schien — wenn die Vorzeichen und Grundlagen dafür stimmten. Man möge davon halten, was man will. — Es gibt darüberhinaus in dem Text so manche Aussagen Bindes, die für heutige Ohren sehr ungewöhnlich sind und nur richtig eingeordnet und verstanden werden können, wenn man eben berücksichtigt, zu welcher Zeit und unter welch gewaltigen Eindrücken sie verfasst wurden und dass das wahre geistliche Leben damals, wie auch zu anderen Krisenzeiten, unter gewaltigem Druck von sich physisch und ideell in Deutschland manifestierter widergöttlicher geistiger Kräfte und Mächte stand.

Die nachfolgende Rede ist keine gewöhnliche, schon gar keine leichte Kost. Auch mag oder kann man möglicherweise nicht allem zustimmen, was Fritz Binde schrieb, oder wünschte sich mehr Differenziertheit, mehr biblischen Bezug etc., aber dennoch handelt es sich hierbei um ein — wie ich finde — sehr spannendes, interessantes, in die Auseinandersetzung eines großartigen Gottesmannes mit einer äußerst schwierige Phase der damaligen deutschen Geschichte Einblick gebendes Dokument und Zeugnis, das deshalb allemal der erneuten Veröffentlichung wert ist.

J. Krafzik


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Ungeheure Umwälzungen haben das Leben einer Reihe von Völkern bewegt und bewegen es noch. Tatsächlich ist das Oberste nach unten und das Unterste nach oben gekehrt worden. Gekrönte Machthaber sind gestürzt, getötet oder verjagt worden. Machtlüsterne sind mehr oder weniger gewalttätig nach oben gekommen und wollen nach ganz neuen Ordnungen den Völkern Heil und Gedeihen bringen. Eine neue Zeit sei angebrochen, heißt es, ein neuer Weltenmärz habe begonnen. Der Sinn des Weltkrieges sei die Offenbarwerdung alles Veralteten, Verrotteten und Unhaltbaren gewesen, dessen Zusammensturz habe erfolgen müssen. Mit der überlebten Machtstellung und Gewaltherrschaft bevorrechtet gewesener einzelner Häupter oder der oberen Zehntausend sei es nun vorbei. Durch die ungeheure Kraftaufrüttelung im Weltenkrieg sei das Volk unter schmerzlichen Opfern klug und reif geworden zur Selbstregierung. Nun nehme es sein Geschick endlich frei, sicher und bewusst in die eigenen Hände. An Stelle der persönlichen Willkürherrschaft trete nun die allein gerechte Volksherrschaft, an Stelle der unheilvollen Machtpolitik die heilsame Friedenspolitik. Und nun breche auch das Zeitalter der sozialen Gerechtigkeit endlich an. Der grelle Flammenbrand des Krieges habe den Arbeiter sehend gemacht. Die privatkapitalistische Wirtschaftsordnung sei als die Ursache des Völkermordens erkannt worden. Deshalb müsse der Demokratisierung der Politik die Sozialisierung der wirtschaftlichen Produktion und des Konsumes folgen. Nur in der sozialen Demokratie liege das Heil der Zukunft. Aber während die einen eine allmähliche Vergesellschaftung der Gütererzeugung und des Güterverbrauches, sowie aller Arbeit anstreben, wollen die anderen den gewaltsamen Abbruch jeder Privatwirtschaft und die sofortige Gültigkeit einer kommunistischen Wirtschaftsweise. So brennt das Völkerleben gegenwärtig im Feuer einer tatsächlich nie dagewesenen Umwandlung. Nichts scheint mehr fest zu stehen, alles scheint sich neu gestalten zu wollen. Wahrlich, wir leben in einer Zeit großer Umwälzungen!

Aber trotz ihrer erlangten Gewalt und Größe sagen uns diese Umwälzungen eigentlich nichts Neues. Sie sind nur die über Nacht reifgewordene Wirklichkeitsernte einer jahrzehntelangen wohlbekannten Gedankenaussaat. Längst hielt man die monarchische Regierungsform für veraltet und betrachtete ihren Zusammenbruch nur noch als eine Frage der Zeit, obgleich ihr Ende jetzt unerwartet schnell kam. Und längst erwartete man bis hoch ins Bürgertum hinauf eine vermehrte Teilnahme des Volkes an der Gesetzgebung und den politischen Regierungsgeschäften, obgleich man sich die Verwirklichung dieser Erwartung ganz anders gedacht hatte. Ebenso hatte man sich angesichts des Wachstums der sozialdemokratischen Partei ja längst mit dem kommenden Umsturz vertraut gemacht, und doch hatte ihn niemand in so schnellreifer Plötzlichkeit und in so unheimlich glattem Verlauf erwartet. Also bedeuten die eingetretenen großen Umwälzungen eigentlich nur die überraschend schnell gekommene Verwirklichung längst bekannter Gedankengänge und längst gehegter Erwartungen, die durch die Gluthitze des unseligen Krieges zur jähen Tatsache gebracht worden sind. Man erntete jetzt geschichtlich, was man seit Jahrzehnten in Leichtfertigkeit oder Trotz gedanklich gesät hat.

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Autor: Binde, Fritz | Kategorie(n): Hingabe, Zeitgeist, Zeitgeschichte & Politik  |  329 x gelesen

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Fördernde Umstände für das Evangelium

“Ich will aber, dass ihr wisset, Brüder, dass meine Umstände mehr zur Förderung des Evangeliums geraten sind, so dass meine Bande in Christo offenbar geworden sind in dem ganzen Prätorium und allen anderen, und dass die meisten der Brüder, indem sie im Herrn Vertrauen gewonnen haben durch meine Bande, viel mehr sich erkühnen, das Wort Gottes zu reden ohne Furcht” (Phil. 1, 12-14).

Von der Seite des Menschen aus gesehen, schien der Lauf der Frohbotschaft nie so sehr gehemmt, als durch die Gefangennahme des Apostels der Nationen. In der Prätorianerkaserne zu Rom an einen Kriegsknecht gekettet, konnte er nicht weit gehen und hatte keine Gelegenheit mehr, Reisen in heidnische Länder zu machen. Gott hatte seinen treuen Knecht abgeschnitten von der äusseren Freiheit und damit scheinbar dem Siegeslauf des Evangeliums selbst ein vorläufiges Ende gesetzt.

Hätte ein Mensch so gehandelt, seinen treuesten Diener und besten Mitarbeiter vom Arbeitsfeld hinwegzunehmen, man müsste ihn töricht heißen. Das Törichte Gottes aber ist weiser, als die Weisheit der Menschen (1. Kor. 1, 18-31). Je schwächer das Werkzeug ist und je geringer die Betätigungsmöglichkeiten, um so herrlicher ist der Erfolg, um so reifer und köstlicher die Frucht.

Paulus sitzt im Herzen der antichristlichen Weltmacht seiner Zeit. Ihr stehen alle äusseren Machtmittel zur Verfügung. Er ist scheinbar hilflos in ihre Hand gegeben.

Das aber will Gott gerade! Nicht durch Heer oder Kraft soll der volle Sieg errungen werden, sondern durch sein Wort und seinen Geist. Er lässt seine Ehre keinem andern, auch nicht einem Paulus. Äusserlich ist die Lage des Apostels hoffnungslos, — innerlich ist sein Glaube nie hoffnungsvoller gewesen! Er sieht, dass die zusammengeballte Macht des christusfeindlichen Weltstaates Rom überwunden werden wird durch das in Kerker und Banden in aller Schwachheit von ihm bezeugte Evangelium.

Der Gesandte Christi Jesu ist bereit zu sterben. Der Tod schreckt ihn nicht mehr. Sterben ist ihm gar Gewinn (Phil. 1, 21). Er hat Lust, abzuscheiden und bei Christo zu sein, denn es ist ihm besser (Phil. 1, 23). Er ist aber auch bereit, um ihretwillen zu bleiben. Nichts bindet ihn mehr. Er ist frei in Ketten.

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Autor: Geyer, Karl | Kategorie(n): Glaubensleben & Wandel, Hingabe, Paulus  |  265 x gelesen

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Das Gebet des Gerechten vermag viel, wenn es ernstlich ist

Gebetserfahrungen in schwerer Krankheitsnot

Jeder Gläubige kann unerwartet und plötzlich in ernste, seine ganzen Verhältnisse bedrohende Notlagen kommen. Das können unvorhergesehene Erschütterungen im Berufsleben, Enttäuschungen in Freundschaft, Liebe und Ehe, es können aber auch schwere Erkrankungen sein, die die Frage aufkommen lassen, ob damit der letzte Abschnitt des Lebens gekommen sei. Eine solche Situation bedeutet eine klare Bewährungsprobe des Glaubens. Der Glaubens-Anfänger wird, von menschlicher Todesfurcht erfüllt, flehentliche Gebete um baldige Wiederherstellung der Gesundheit zum Himmel senden. Der Erwachsenen-Stand im Glauben wird den fleischlichen Lebenswillen auch empfinden, aber die Glaubensprobe erkennen und sich im Gebet die völlige Ergebung in Gottes Willen schenken lassen auch für den Fall, daß Gott als der Herr über das Leben Seiner Kinder beschlossen habe, ihn aus diesem Leben abzuberufen. Indem er dieser Möglichkeit klar ins Auge schaut, wird er nicht ruhen, bis er die völlige Ergebung in Gottes Willen erreicht hat. Muß man sich nicht eingestehen, daß man oft mit dem Dichter gesungen hat:

    “Deiner Führung folg ich still;
    wie Du willst, nicht wie ich will”?

Hat man nicht geglaubt oder sogar verkündet, daß wir durch Leiden in die himmlische Heimat, in die ewige Herrlichkeit eingehen? Hat der Glaube nicht die Verheißung, daß Christus dem Tod die Macht genommen hat? Hat man in der Zeit des Wohlergehens diesen Glauben betont und sollte man in der Bewährungsprobe versagen? — Wo noch Anwandlungen des natürlichen Menschen sich bemerkbar machen, wird dem Gebet um völlige Ergebung in den göttlichen Willen die Gnade der Erhörung nicht versagt bleiben.

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Autor: Liede, Friedrich | Kategorie(n): Anbetung, Hingabe  |  272 x gelesen

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Die Leiden dieser Zeit im Licht der Ewigkeit (1)

“Denn ich halte dafür, daß die Leiden der Jetztzeit nicht wert sind, verglichen zu werden mit der zukünftigen Herrlichkeit, die an uns geoffenbart werden soll. Denn das sehnsüchtige Harren der Schöpfung wartet auf die Offenbarung der Söhne Gottes. Denn die Schöpfung ist der Nichtigkeit unterworfen worden, (nicht mit Willen, sondern um deswillen, der sie unterworfen hat), auf Hoffnung, daß auch selbst die Schöpfung freigemacht werden wird, von der Knechtschaft der Vergänglichkeit zu der Freiheit der Herrlichkeit der Kinder Gottes” (Röm. 8, 18-21).

“Denn das schnell vorübergehende Leichte unserer Drangsal bewirkt uns ein über die Maßen überschwengliches, ewiges Gewicht von Herrlichkeit” (2. Kor. 4, 17).

“… die ihr jetzt eine kleine Zeit, wenn es nötig ist, betrübt seid durch mancherlei Versuchungen; auf daß die Bewährung eures Glaubens viel köstlicher als die des Goldes, das vergeht, aber durch Feuer erprobt wird, erfunden werde zu Lob und Herrlichkeit und Ehre in der Offenbarung Jesu Christi” (1. Petr. 1, 6.7).

“Wenn der Christus, unser Leben, geoffenbart werden wird, dann werdet auch ihr mit ihm geoffenbart werden in Herrlichkeit” (Kol. 3, 4).

“Es ist noch nicht offenbar geworden, was wir sein werden; wir wissen, daß, wenn Er offenbar werden wird, wir Ihm gleich sein werden” (1. Joh. 3, 2).

Alles Lebendige sehnt sich nach Lebenserfüllung. Diese Sehnsucht ist eine echte, von Gott selbst in das Geschöpf gelegte Anlage der Seele.

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Autor: Geyer, Karl | Kategorie(n): Gemeinde, Glaubensleben & Wandel, Heiligung, Hingabe  |  223 x gelesen

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Sklave Christi Jesu

Paulus nennt sich in seinen Briefen fünfmal einen Sklaven (doulos), und zwar an folgenden Stellen: Römer 1, 1; 2. Kor. 4, 3; Gal. 1, 10; Phil. 1, 1 und Tit. 1, 1.

Warum wählt er diese Bezeichnung? — Will er damit etwa seine Unterwürfigkeit zum Ausdruck bringen? — Oder will er sich den Schein besonderer Demut geben?

Der Grund liegt viel tiefer!

Als er zum erstenmal den Boden Europas betrat, nachdem ihm in einem Gesicht die Weisung hierzu gegeben worden war (Apg. 16, 6-12), machten sich alsbald auch die Dämonen auf, die durch seine Gegenwart und die Machtwirkungen des Geistes in ihrer seitherigen Tätigkeit gestört wurden. Der Wahrsagergeist (Python-Geist), der in einer gewissen Magd wohnte, schrie laut: “Diese Menschen (Paulus und Barnabas) sind Sklaven Gottes des Höchsten, die euch den Weg des Heils verkündigen” (Apg. 16, 16-18).

So gaben die Dämonen, den Aposteln Zeugnis von ihrer Stellung, wie sie ja auch einst dem Herrn selbst zur Zeit seines Erdenwandels Zeugnis gegeben hatten (vergl. Markus 3, 11: “Und wenn die unreinen Geister ihn sahen, fielen sie vor ihm nieder und riefen und sprachen: Du bist der Sohn Gottes!” Weiter: Luk. 4, 41: “Und auch Dämonen fuhren von vielen aus, indem sie schrien und sprachen: Du bist der Sohn Gottes!” — Siehe weiter noch Matth. 8, 29; Mark. 1, 23-26; 5, 7, Luk. 8, 28).

Paulus hat sich den Sklaventitel nicht selbst beigelegt. Er wurde ihm gegeben. Es geht hier also nicht um eine subjektive Einstellung, sondern um einen objektiven Vorgang.

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Autor: Geyer, Karl | Kategorie(n): Gemeinde, Glaubensleben & Wandel, Hingabe, Paulus  |  262 x gelesen

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Vom Sinn des Leidens für die Leibesgemeinde

“Nun freue ich mich in meinen Leiden für euch und erstatte in meinem Fleische das noch Mangelnde der Drangsale des Christus für Seinen Leib, das ist die Gemeinde” (Kol. 1, 24).

Der Sohn der Liebe, der Urheber unserer Errettung, wurde durch Leiden vollkommen gemacht. Die Söhne der Liebe, die Glieder der Leibesgemeinde, werden auf dem gleichen Wege vollendet und in die Fülle geführt. Sie sind ja mit Ihm einsgemacht und werden Ihm gleichgestaltet in allem, auch im Leiden. Darum ist auch der Weg zur Vollendung für die Glieder der gleiche wie für das Haupt.

Leiden ist der Wegbereiter der Frohbotschaft. Drangsale sind die förderndsten Umstände für das Evangelium.

Deshalb schreibt Paulus in seinem letzten Briefe, dem 2. Timotheusbrief, an seinen geistlichen Sohn Timotheus, der wie kein anderer seiner Mitarbeiter so ganz seines Sinnes war, als sein letztes Vermächtnis an ihn und die Leibesgemeinde: “So schäme dich nun nicht des Zeugnisses unseres Herrn, noch meiner, seines Gefangenen, sondern leide Trübsal mit dem Evangelium, nach der Kraft Gottes” (2. Tim. 1, 8). — “Um welcher Ursache willen ich dies auch leide; aber ich schäme mich nicht …” (2. Tim. 1, 12).

Weiter schreibt er in 2. Tim. 2, 3-13: Nimm teil an den Trübsalen als ein guter Kriegsmann Jesu Christi. Niemand, der Kriegsdienste tut, verwickelt sich in die Beschäftigungen des Lebens, auf daß er dem gefalle, der ihn angeworben hat. Wenn aber auch jemand kämpf t, so wird er doch nicht gekrönt, er habe denn ordnungsgemäß gekämpft. Der Ackerbauer muß, um die Früchte zu genießen, zuerst arbeiten. Bedenke, was ich sage, denn der Herr wird dir Verständnis geben in allen Dingen. Halte im Gedächtnis Jesum Christum, auferweckt aus den Toten, aus dem Samen Davids, nach meinem Evangelium, in welchem ich Trübsal leide bis zu Banden, wie ein Übeltäter; aber das Wort Gottes ist nicht gebunden. Deswegen erdulde ich alles um der Auserwählten willen, auf daß auch sie die Seligkeit erlangen, die in Christo Jesu ist, samt ewiger Herrlichkeit. Das Wort ist gewiß, denn wenn wir mitgestorben sind, so werden wir auch mitleben; wenn wir ausharren, so werden wir auch mitherrschen; wenn wir verleugnen, so wird auch Er uns verleugnen; wenn wir untreu sind — Er bleibt treu, denn Er kann Sich selbst nicht verleugnen.”

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Autor: Geyer, Karl | Kategorie(n): Gemeinde, Glaubensleben & Wandel, Heiligung, Hingabe  |  223 x gelesen

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