Laßt uns nie vergessen, daß immer der Fleischgeborene den
Geistgeborenen lästert und verfolgt, und nie umgekehrt (Gal. 4,29).


Adolf Heller (1895 - 1973)
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Was ist Heiligung?

“Ihr aber habt den Christus nicht also gelernt, wenn ihr anders Ihn gehört habt und in Ihm gelehrt worden seid, wie die Wahrheit in dem Jesus ist: daß ihr, was den früheren Lebenswandel betrifft, abgelegt habt den alten Menschen, der nach den betrügerischen Lüsten verdorben wird, aber erneuert werdet in dem Geiste eurer Gesinnung und angezogen habt den neuen Menschen, der nach Gott (oder: gottgemäß) geschaffen ist in wahrhaftiger Gerechtigkeit und Heiligkeit” (Eph. 4, 20-24).

Kind Gottes ist, wer aus Gott geboren ist, d. h. wer auf dem Wege einer Neuzeugung und Neugeburt (Joh. 3, 5; Tit. 3, 5 u. v. a.) — dadurch, daß der menschliche Geist und Gottes Geist in gegenseitiger Hingabe eins wurden (1. Kor. 6, 17) — ein neues Leben empfing, das “ewige Leben”, das “Leben Gottes” (Eph. 4, 18), also Gottes ureigenes Leben im Gegensatz zu unserem menschlich-natürlichen Leben. Fortan darf er sich seiner Gotteskindschaft bewußt sein, die ihm der nun innewohnende Heilige Geist auch fortwährend bezeugt (Röm. 8, 16); er ist teilhaftig geworden der göttlichen Natur (2. Petr. 1, 4). Weil aber auch seine alte natürlich-fleischliche Natur noch vorhanden ist, solange sie nicht sterbensmäßig abgetan wurde, ist er nun gleichsam ein Doppelwesen, eine Doppelnatur, die zweierlei Leben in sich birgt.

Das natürliche Leben und das Leben Gottes, die menschliche Natur und die göttliche Natur oder, wie es unsere vorangestellte Epheserstelle ausdrückt, der alte Mensch und der neue Mensch — sie sind beide vorhanden und schaffen dadurch für den Glaubenden ein fortwährendes inneres Spannungsfeld.

Der alte Mensch ist Fleisch, vom Fleisch geboren, und bleibt es auch. Er kann nicht nur hin und wieder, sondern er muß sündigen, so oft man ihm die Zügel überläßt, weil dies nun einmal seiner durch und durch sündenvergifteten Natur entspricht. Daher ist er auch keiner Umwandlung oder “Reparatur” fähig, und daher finden wir auch keine einzige Aufforderung im Worte Gottes, den alten Menschen zu verbessern oder zu erneuern. Im Gegenteil wird immer bezeugt: “Ziehet aus, leget ab, haltet euch für gestorben, tötet …!” (Eph. 4, 22; Kol. 3, 5; Röm. 6, 11 u. a.)

Der neue Mensch hingegen ist vollkommen wie Gott selbst. Er kann nicht sündigen (1. Joh. 3, 9)! Und wenn der alte Mensch keiner Reparatur fähig war, so ist der neue keiner solchen bedürftig. Er ist ja das Leben Gottes selbst (Eph. 4, 18), das uns in Ihm geschenkt ist, und alle Aussagen der Schrift über das Wesen Gottes gelten daher im Vollumfang auch für den uns geschenkten neuen Menschen. Er ist unsterblich (1. Tim. 6, 16), vollkommen (Matth. 5, 48), glückselig (1. Tim. 1, 11), Licht ohne Beimischung irgendwelchen Finsterniswesens (1. Joh. 1, 5), Liebe, wie Gott Liebe ist (1. Joh. 4, 8.16). Er ist, mit einem Wort: gottgemäß (Eph. 4, 24).

Was aber ist nun Heiligung?

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Autor: Schumacher, Heinz | Kategorie(n): Glaubensleben & Wandel, Heiligung  |  440 x gelesen

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Verherrlicht nun Gott in eurem Leibe!

(1. Kor. 6, 20)

Alles Geistige drängt danach, Gestalt anzunehmen. An und für sich ist der Geist unsichtbar. Darum wird auch Gott, der Geist ist, der unsichtbare Gott genannt (Kol. 1, 15; 1. Tim. 1, 17; Hebr. 11, 27; Röm. 1, 20; 1. Tim. 6, 16; Joh. 1, 14-18; 14, 8-11 u.a.). — Um sichtbar zu werden, mußte Er leibhaftig werden, d. h. in einem Leibe erscheinen, sichtbare Gestalt annehmen. Nur in dieser Form und Wesenheit ist die Liebes-Einheit zwischen Gott und Menschen restlos vollziehbar. Bis dahin ist sie nur geist- und glaubensmäßig wirksam. — In der Vollendung, wenn wir Ihn sehen, wie Er ist, wird die Liebes-Einung in der neuen Geistleiblichkeit schaubar vollzogen. Im Blick auf diesen Zukunftsstand sagt Oetinger mit vollem Recht: “Geistleiblichkeit ist das Endziel der Wege Gottes.”

Als Gott im Sohne ins Fleisch kam, so daß wir Seine Herrlichkeit in leibhaftiger Gestalt sehen konnten, jauchzte der Sohn in glückseliger Freude Seines gottseligen Herzens: “Schlachtopfer und Brandopfer hast Du nicht gewollt; aber einen Leib hast Du Mir bereitet!” (Hebr. 10, 5).

Sein Kommen in diese Welt diente also zunächst nicht der Befriedigung der Bedürfnisse der Menschen, sondern der Stillung des Liebesverlangens und des innersten Geistesdranges des Vaters, der sich im Sohne offenbaren und sichtbar darstellen wollte, und zwar so, daß der Sohn bekennen konnte: “Wer mich sieht, der sieht den Vater!” (Joh. 14, 8-11).

Darum sang auch die alte Gemeinde, die Ekklesia Gottes, die Er in 1. Tim. 3, 15 den Pfeiler und die Grundfeste der Wahrheit nennt: “Anerkannt groß ist das Geheimnis der Gottseligkeit: Gott ist geoffenbart worden im Fleische, gerechtfertigt im Geiste, gesehen von den Engeln, gepredigt unter den Nationen, geglaubt in der Welt, aufgenommen in Herrlichkeit” (1. Tim. 3, 16).

Im Sohn der Liebe wohnte nicht nur so ein Stück göttlichen Wesens, sondern die ganze Fülle der Gottheit leibhaftig (Kol. 2, 9). Im gleichen Brief bezeugt uns der Heilige Geist durch den Apostel Paulus, daß dieses Wohnen der ganzen Fülle im Sohne seinen Ursprung hatte in dem Wohlgefallen des Vaters (Kol. 1, 19). Es war des Vaters Wonne, Seine Lust, Sein Wohlgefallen, Seine Eudokia, das ist die Höchstlust der Wonne Seiner Liebe, im Sohne zu wohnen. Hier waren wirklich Gottheit und Menschheit in Einem vereint, so daß in Ihm, dem Gottessohn Christus Jesus, alle vollkommene Fülle erscheinet. Der Sohn der Liebe ist der Mittler zwischen Gott und Menschen, der in der Mitte zwischen beiden Stehende und Vermittelnde, der aus beiden eines macht, der Mensch Christus Jesus, der wahre und wesenhafte Gottmensch (1. Tim. 2, 5).

An diesem Punkte scheiden sich daher auch die Geister. Wer da bekennet, daß der Sohn Gottes ins Fleisch kam, der ist aus Gott. Ein jeder Geist, der das nicht bekennet, ist nicht aus Gott. Dies ist der Geist des Antichrists (1. Joh. 4, 1-3).

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Autor: Geyer, Karl | Kategorie(n): Gemeinde, Glaubensleben & Wandel, Heiligung, Hingabe, Versuchung & Verführung  |  586 x gelesen

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Freude in den Leiden

“Nun freue ich mich in den Leiden …” (Kol. 1, 24)

Der Glaubende kann zum Leiden eine dreifache Stellung einnehmen, je nach dem Grad seines Wachstums und seiner geistlichen Reife:

  1. die Stellung der Leidensscheu (fleischlich-widerstrebend),
  2. die Stellung des passiven Erduldens (seelisch-erleidend),
  3. die Stellung des positiven Leidensbegehrens (geistlich-bejahend).

Das Fleisch ist leidensscheu. Der noch fleischlich gesinnte Gläubige (und das sind wir am Anfang alle!) geht dem Leiden aus dem Wege, und wo er das nicht kann, sucht er es auf die schnellste Weise wieder loszuwerden. Die Gesundbeterbewegungen aller Erdteile, vom heidnischen Zauberer bis zur Christlichen Wissenschaft, sind Beweis genug dafür.

Die Leidensscheu des Fleisches hat einen doppelten Grund. Zunächst einmal einen äußeren. Das Fleisch ist ja schwach und kann daher wenig ertragen. Jeder Schmerz und jedes Leid hemmen das Fleisch in seiner Daseinsfreude. Denn das Fleisch wird von der Lust gehetzt und getrieben und sucht immerdar einen Lustgewinn auf irgendeinem Lebensgebiet und geht allem aus dem Wege, was ihm diesen Lustgewinn verkürzen könnte. Darum ist dem Fleisch das Leiden unangenehm, ja widernatürlich, denn es entspricht nicht seiner Gesinnung und Denkweise. Es geht ihm gegen die Natur, gegen seine ichsüchtigen Interessen. — Dann aber wohnt im Fleische die Sünde. Jede Hemmung des Fleisches durch das Leiden entzieht der Sünde ein Stück ihres Nährbodens. Denn das Fleisch ist der Nährboden der Sünde. Leiden aber tötet das Fleisch ab. Wenn man Milch kocht, tötet man die Gärungsbakterien; und wenn man Fleisch kocht oder brät, tötet man die Fäulnisbakterien. Und wer im Fleische leidet, steht ab von der Sünde (1. Petr. 4, 1). Die Sünde braucht das Fleisch als Nährboden. Ohne Fleisch hat sie keine Existenzgrundlage mehr im Menschen. Sie kämpft daher um ihre eigene Entfaltungsmöglichkeit, wenn sie das Fleisch anreizt, allem Leiden aus dem Wege zu gehen.

Das Fleisch aber, das von sich aus leidensscheu ist, hört es nur allzugern, daß ihm jemand in diesem Verhalten recht gibt. Dieser Jemand ist die Sünde. Ihre Interessengemeinschaft geht beiderseits eindeutig gegen die Verkürzung ihrer Lebensmöglichkeiten durch das Leid. Darum ist der Fleischesmensch immer ein Feind der Leiden, und auch der fleischlich gesinnte Gläubige ist es im Anfang seines Glaubenslebens immer noch. Er trägt ja das leidensscheue Fleisch noch an sich. Wohl hat er die Erneuerung im Geiste erfahren. Der Leib aber ist noch tot der Sünde wegen (Röm. 8, 10). Als Kindlein in Christo, denen die Sünden vergeben sind, können wir trotz aller Gnadengaben (1. Kor. 1, 4-7) noch sehr fleischlich sein (1. Kor. 3, 1-3). Da behauptet man sich und sein Recht und sucht jede Einengung und Verkürzung seiner Interessen abzuschütteln (vergl. 1. Kor. 1, 11; 3, 3.4; 6, 1-8 u. a.).

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Autor: Geyer, Karl | Kategorie(n): Gemeinde, Heiligung, Hingabe, Lehre  |  416 x gelesen

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Im Geiste wandelt!

Jedes Kind Gottes hat ständig die Erfahrung eines inneren Streites oder Kampfes. Das wird ihm immer wieder eine Quelle von Unruhe, Zweifel und Entmutigung — solange ihm die biblische Lehre hierüber nicht bekannt, im Glauben von ihm angenommen, verwirklicht und festgehalten wird. Wie der Verfasser aus Gesprächen und Briefen schließen muss, werden manche Gläubige mit solchen Zweifeln beschwert und innerlich angefochten. Aus dieser Wahrnehmung und selbstgemachter Erfahrung heraus ist der vorliegende Artikel entstanden, der den in solchen Anfechtungen stehenden Gläubigen helfen und sie zurechtbringen will, damit ihr Friede im Herzen immer völliger werde. —

In Gal. 5, 17 belehrt uns der Apostel der Gemeinde zunächst über die Tatsache dieses inneren Widerstreites: “Das Fleisch streitet gegen den Geist, der Geist aber gegen das Fleisch; denn diese widerstehen einander.”

Befassen wir uns zuerst mit den sich gegenüberstehenden beiden Polen: Fleisch — Geist.

Das Fleisch

“Fleisch” ist im biblischen Sinne, also von Gott aus gesehen, der Ausdruck für den natürlichen Zustand, in den der Mensch hineingeboren worden ist. Es ist die überkommene sündige Bestimmheit, die in ihrer Betätigung und Auswirkung in Erscheinung tritt, in Wahrheit aber gottfeindlich und ein Zustand der Sünde ist.

Als solche Auswirkungen oder Früchte des Fleisches sind zunächst die verschiedenen Sünden zu nennen, feine und grobe, wie wir sie in den sog. Lasterkatalogen der Schrift aufgezeichnet finden, so z. B. Gal. 5, 19f.; 1. Kor. 6, 9f.; Eph. 5, 5; Kol. 3, 5; 1. Tim. 1, 9.10. Weitere Worte über diese einzelnen Sünden dürften sich hier erübrigen.

Aber die volle Würdigung des bei Paulus vielfach vorkommenden und für das Verständnis seiner Lehre so wichtigen Wortes “Fleisch” (oder “fleischlich”) und des in ihm liegenden Gegensatzes zu “Geist” (oder “geistlich”) zeigt, dass sich Paulus des Wortes Fleisch besonders gern bedient zur Bezeichnung eines bestimmten Ausflusses der adamitischen Natur, nämlich die Betätigung in gesetzlichen, religiösen oder frommen Werken. Der Charakter des Fleisches nach dieser Richtung ist dann, dass es nicht Gott allein die Ehre geben möchte, sondern menschliche Werke das Mittel oder wenigstens Ergänzungsmittel sein sollen zur Erlangung der Gerechtigkeit oder Heiligung vor Gott: Selbstverherrlichung, Selbstruhm! Das Fleisch möchte sich durch fromm erscheinende Werke das Heil selbst oder wenigstens mitverdient haben, mit solchen Werken äusserlich glänzen und sich hervorheben. Das war zunächst die Natur des israelitischen Religionsdienstes, wie er in dem fleischlichen Werke des Talmud bis ins Kleinste festgelegt worden war. Der Kampf, den der Herr ausfechten musste, richtete sich weniger gegen die groben und gemeinen Sünder, sondern vielmehr gegen die äusserlich sehr frommen Pharisäer und Schriftgelehrten, also gegen das fromm gemachte Fleisch.

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Autor: Ludwig, Rudolf | Kategorie(n): Gemeinde, Glaubensleben & Wandel, Heiliger Geist, Heiligung, Lehre  |  477 x gelesen

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Heiligung

“Ich ermahne euch nun, Brüder, durch die Erbarmungen Gottes, darzustellen eure Leiber als ein Opfer, lebendig, heilig, Gott wohlgefällig — euer vernunftgemäßer Gottesdienst” (Röm. 12, 1).

Es scheint kaum etwas über das Heiligungsleben des Christen in diesen Worten zu stehen. Und doch enthält der obige einzige Satz im Grunde alles, was über Heiligung gesagt werden kann, und dieses, trotz seiner Kürze, so vollständig, klar und gut, daß man nur staunen kann.

Mit Röm. 12, 1 beginnt ein wichtiger, dritter Teil des Römerbriefes: “Mahnungen für das Christenleben”. Er reicht bis Kap. 15, 13. Man würde aber diese eindringlichen sittlichen Erinnerungen des Apostels falsch verstehen, wenn man nicht von Kap. 1 bis 11 herkäme. Dort gibt er nämlich zuerst grundlegende Belehrungen über die Heilsbedürftigkeit der gesamten Menschheit, Heiden wie Juden, weil sie ausnahmslos, anstatt dem lebendigen Gott, der Sünde dienen. Die Folge davon kann nur ewiges Verderben sein: Kap. 1, 18 bis 3, 20. Durch Gottes Erbarmen wird jedoch eine neue Wirklichkeit hergestellt, die allen Menschen in Christus Jesus zugänglich ist: Freiheit von Sünde, Rettung aus dem verdammenden Gericht Gottes, sowie aus Gnaden geschenkte Gottesgerechtigkeit allein durch den Glauben an die Person des Heilandes Jesus Christus: Kap. 3, 21 bis 8, 39. Dann stellt der Apostel das erschütternde und ernstlich warnende Schicksal des einst bevorzugten, aber wegen seines Unglaubens an das Heil in Christus jetzt zurückgesetzten Volkes Israel in den Vordergrund der Betrachtung und verheißt schließlich durch den Geist Gottes, daß doch ganz Israel durch die Güte Gottes einmal begnadigt werden wird: Kap. 9 bis 11: Teil 2 des Römerbriefes.

Bis jetzt hat Paulus von dem Großen gesprochen, was im Leben aller Menschen durch das erbarmende Handeln Gottes grundsätzlich anders geworden ist. Wer sich dem Christus anvertraut, findet bei ihm Rettung (1. Thess. 5, 9-10), und damit Ruhe für seine Seele. Aber die gleiche Barmherzigkeit des Herrn, welche den an Christus gläubig Gewordenen zur inneren und äußeren Ruhe bringt, drängt ihn andererseits zur rastlosen Bewegung, läßt ihn nicht zur Ruhe kommen in tatenloser, frommer Beschaulichkeit, sondern leitet ihn zu Werken der Dankbarkeit für Gottes Barmherzigkeit, zu einem heiligen Leben für Gott an. Denn seine Liebe erzeugt Gegenliebe. “Wir lieben, weil er uns zuerst geliebt hat” (1. Joh. 4, 19).

Wenn Paulus den neuen großen Abschnitt seines Briefes an die Römer im 12. Kapitel mit den Worten beginnt: “Ich ermahne euch”, so hat er dabei nicht im Sinne, nunmehr seinen Lesern eine Moralpredigt zu halten. Davon ist er weit entfernt. Das besagt schon das im griechischen Grundtext von ihm verwandte Wort für Ermahnen “parakalein”, das nämlich in buchstäblicher Übertragung “herbeirufen“ heißt. “Ich rufe euch herzu”, schreibt Paulus wörtlich. Zu wem ruft er denn? Für ihn kommt niemand anders in Frage als der Herr Jesus Christus selbst. Zu ihm ruft er seine Leser, an seine Großtaten erinnert er sie auch im dritten Teil seines Römerbriefes.

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Autor: Take, Friedrich | Kategorie(n): Heiligung  |  419 x gelesen

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Der Sieg des Geistes über das Fleisch

(Nach Römer 8, 1-18)

1. Keine Verdammnis für die in Christo Jesu

“So gibt es nun keine Verdammnis für die, welche in Christo Jesu sind” (Röm. 8, 1)

Das Kapitel beginnt mit einer großartigen, königlichen Proklamation, zu welcher hinan der Geist den Apostel geführt hat durch die ernsten und ergreifenden, aber auch kostbaren Ausführungen der beiden vorhergehenden Kapitel 6 und 7. Dort sind die klaren Grundlinien gezogen, ist das feste Fundament sicher gelegt, auf dem die Gerechtigkeit Gottes eine solch wunderbare, erhebende und befreiende Proklamation in Worte fassen und in die weite Welt hinaus ergehen lassen kann. Es ist der oberste Weltenrichter selbst, über den hinaus es keine Instanz mehr gibt noch geben kann, dessen Thron in Heiligkeit und Wahrheit steht, dessen Urteil ungetrübt und makellos ist, der hier unzweideutig verkündigen läßt, es gebe nun, aufgrund des Todes und der Auferweckung Christi aus den Toten, keine Verdammnis für alle, die in Christo Jesu seien.

Es ist von höchster Bedeutung, daß wir uns über den wahren Wortlaut dieser göttlichen Ankündigung sorgfältig vergewissern. Darauf kommt für den ungetrübten Frieden unseres Herzens auch angesichts von Sündhaftigkeit und Fleischlichkeit alles an. Es steht nicht da, wie man es in den meisten früheren Übersetzungen — nach Luther — zu drucken pflegte, daß es “nichts Verdammliches” mehr gebe an denen, die in Christo Jesu sind. Denn das entspricht weder der Lehre der Schrift noch auch der übereinstimmenden Erfahrung aller aufrichtigen Gläubigen in Christo Jesu. Wir wissen nur zu gut, daß es an uns, d. h. an unserer natürlichen Beschaffenheit und Art noch sehr vieles gibt, das vor der heiligen und unbestechlichen Gerechtigkeit unseres Gottes niemals bestehen könnte, hätte Gott nicht einen Weg gefunden, auf dem von einer tatsächlichen Verdammnis und Verwerfung von Seinem Angesicht gleichwohl niemals mehr die Rede sein kann, so wir anders in Christo Jesu erfunden werden. Mit anderen Worten, diese Proklamation will uns gar nicht zu einer peinlich genauen Selbstuntersuchung veranlassen, zu einem strengen Selbstverhör vor Gott, ob oder was noch Verwerfliches sich an oder in uns rege oder betätige. Es geht hier nicht um meine sittliche oder religiöse Beschaffenheit, Heiligkeit oder Sündhaftigkeit. Nicht was ich bin oder gar geleistet habe in frommen Bestrebungen, in reichen, gesegneten Erfahrungen, Diensten oder Errungenschaften, steht hier im Blickfeld. — Von all diesen Dingen ist an anderen Stellen der Schrift deutlich die Rede. Etwa wenn in 2. Korinther 5, 10 gesagt ist, daß wir (Gläubigen) alle offenbar werden müssen vor dem Richtstuhl des Christus, wo ein jeglicher empfangen wird, je nachdem er im Leibe gewirkt hat, es sei gut oder böse. Bei jenem Gericht handelt es sich lediglich um die Frage nach dem gerechten Lohn für die bei Lebzeiten erwiesene Treue oder Untreue im Dienst, niemals geht es dabei um die Frage nach meiner Verdammnis oder meiner Annahme zum ewigen Leben. Es sind von vornherein nur Gerettete, zum ewigen Leben bereits Gelangte, die dort belohnt oder auch bestraft und scharf getadelt werden, ja die unter Umständen ihre ganze, als Gläubige getane Lebensarbeit im Feuer des Gerichts verzehrt sehen werden, wobei sie selbst aber gerettet werden, doch so als durch Feuer (1. Kor. 3, 12-15).

Hier in unserem Textwort jedoch haben wir es mit solchen Fragen nicht zu tun. Das muß klar verstanden und festgehalten werden, sonst geraten wir in eine gefährliche Unsicherheit und Unruhe, die gewiß der göttlichen Absicht nicht entspricht. Tatsächlich keine Verdammnis, keine Verurteilung und Verwerfung mehr von seiten Gottes, das ist das wunderbare Werk unseres Gottes in Christo Jesu. Dabei ist es ganz einerlei, wie traurig meine bisherige Vergangenheit, wie schändlich, verbrecherisch und lasterhaft mein Wandel, meine noch so tiefe Versunkenheit gewesen sein mag; ganz einerlei ist es auch, wieviel mir aus meiner furchtbaren Vergangenheit an inneren Gebundenheiten und Verkehrtheiten noch anhaften mag, wieviel mir mein alter Mensch Tag für Tag noch zu schaffen macht, wovon wir ja im weiteren Verlauf dieses Kapitels noch öfter zu reden haben.

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Autor: Ströter, Ernst F., Prof. | Kategorie(n): Gemeinde, Heiligung, Lehre, Paulusbriefe  |  354 x gelesen

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Wahrheit und Liebe in der Gemeinde

(Nach einem Wortdienst auf der Langensteinbacherhöhe)

“Die Liebe freuet sich der Wahrheit” (1. Kor. 13, 6).
“… in ungeheuchelter Liebe” (2. Kor. 6, 6).
“Lasset uns aber wahrhaftig sein in Liebe!” (Eph. 4, 15).

Eine kleine Einleitung soll zunächst aufzeigen, wie wir uns häufig von Christus und Seiner Gemeinde und von der Gemeinschaft der Heiligen falsche Vorstellungen machen.

Ideal-Vorstellungen

Der Mensch ist von Natur auf der Suche nach dem verlorenen Paradies. Er nimmt — durch Herkunft, Umwelt und Erziehung geprägt — bestimmte Ideale in sein Herz auf und strebt sie an und jagt ihnen nach. Er erstrebt den idealen Beruf, den idealen Ehemann oder die ideale Ehefrau und will ideale Kinder erziehen. Er erstrebt die idealen Lebensbedingungen, die ideale Partei, den idealen Lebensstandard, die ideale Gesellschaftsordnung, das ideale Altersplätzchen und vielleicht sogar das ideale Sterben — schnell und schmerzlos. Auch im frommen Bereich tritt mancher, trotz Wiedergeburt, mit ganz bestimmten Ideal­Vorstellungen an eine Kirche, Gemeinschaft oder einen Hauskreis heran. Die Ursache hierfür ist häufig das Fleisch — es kam nicht zu einem bis in die letzten Tiefen vollzogenen inneren Zerbruch. Man sucht die ideale Gemeinschaft der Heiligen und ist enttäuscht, wenn sich diese Träume nicht erfüllen.

Ich muß an dieser Stelle sagen, daß uns weder der Herr noch die Bibel solche Ideale liefern. Im Gegenteil: in einer echten Bekehrung schlägt uns der Herr unsere Ideale aus der Hand. Das Wort “Ideal” (dem Geiste vorschwebendes Muster der Vollkommenheit, Wunschbild) ist verwandt mit “Idol” (Götzenbild, Abgott, Schwarm)! Der Herr nimmt uns unsere in unsrer Gefallenheit geformten und von Erbmasse, Umwelt, Fleisch und Sünde geformten Ideale und Idole und stellt uns ein ganz anderes Bild vor Augen. Das ist nach Römer 8 das Bild des Sohnes Gottes, in das wir hineingestaltet werden. Er macht unseren Idealen und Idolen ein Ende, indem Er in sämtliche Bereiche unseres Lebens und Daseins formend und bildend eingreift. Auch unsere frommen Ideale und Idole muß Er uns nehmen.

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Autor: Mössinger, Manfred | Kategorie(n): Gemeinde, Glaubensleben & Wandel, Heiligung, Lehre  |  476 x gelesen

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Die Quelle des Lebens

(Wortdienst auf der Langensteinbacherhöhe anläßlich der Brüderfreizeit 1975)

“Wenn ihr nun mit dem Christus auferweckt worden seid, so suchet, was droben ist, wo der Christus ist, sitzend zur Rechten Gottes. Sinnet auf das, was droben ist, nicht auf das, was auf der Erde ist; denn ihr seid gestorben, und euer Leben ist verborgen mit dem Christus in Gott. Wenn der Christus, unser Leben, geoffenbart werden wird, dann werdet auch ihr mit Ihm geoffenbart werden in Herrlichkeit.” (Kol. 3, 1-4)

Leben — göttliches Leben, gezeugtes Leben, gibt es nur in Jesus Christus. Jesus ist gestorben, Jesus ist auferstanden, und Jesus ist aufgefahren. — Die Frage, die uns heute morgen beschäftigen soll anhand dieses Textes, ist nicht so sehr, was dies alles bedeutet, sondern die praktische Frage: Wie bekomme ich Anteil an dieser Lebensquelle? Wie entsteht dieses neue Leben in mir? Und wie wirkt es sich aus?

Ich möchte versuchen, in 4 Punkten darauf einzugehen. Das neue Leben des auferstandenen Christus in mir — das bedeutet:

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Autor: Mössinger, Manfred | Kategorie(n): Gemeinde, Glaubensleben & Wandel, Heiligung  |  425 x gelesen

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Heiligung auf dem Boden der Gnade

Bei diesem Thema geht es um den gelebten Glauben. Was will ich damit sagen? Bei dem biblischen Zeugnis des Glaubens geht es nicht um ein abstraktes Fürwahrhalten biblischer Aussagen, sondern um eine ständige Veränderung im praktischen Leben. Jesus Christus als Sieger und Herr über Sünde, Tod und Teufel — gemäß dem Zeugnis der Bibel — bestimmt zunehmend einen durch den Geist Gottes wiedergeborenen Christen. Solche Menschen nehmen an dem teil, was Jesus am Kreuz für die Welt getan hat, und an dem neuen Leben durch Seine Auferstehung. Ein Christ im gelebten Glauben darf mit Paulus bekennen:

»Ist jemand in Christo, so ist er eine neue Kreatur; das Alte ist im Vergehen, siehe. Neues ist geworden« (2. Kor. 5, 17). Wer dies neue Leben begonnen hat zu begreifen, steht auf dem Boden der Gnade (sola gratia). Sie ist kein »Ruhekissen« zum Warten auf den kommenden Herrn, sondern die Voraussetzung zur biblischen Heiligung, ohne die niemand den Herrn schauen wird (Hebr. 12, 14). Die Wechselwirkung von Gnade und Heiligung suche ich im Folgenden zu verdeutlichen.

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Autor: Lubahn, Erich, Dr. | Kategorie(n): Gemeinde, Glaubensleben & Wandel, Heiligung  |  451 x gelesen

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Werdet zur Fülle gebracht im Geiste

“Werdet zur Fülle gebracht im Geiste, dadurch dass ihr zu euch selbst redet in Psalmen und Lobliedern und geistlichen Liedern, dadurch dass ihr singet und spielet dem Herrn in euren Herzen, dadurch dass ihr danksaget allezeit für alles dem Gott und Vater im Namen unseres Herrn Jesus Christus, dadurch dass ihr einander Untertan seid in der Furcht Christi” (Eph. 5, 18-21; wörtlich).

Die vornehmste und wichtigste Aufgabe, die unser Herr durch Seinen Heiligen Geist in unserem jetzigen Zeitlauf durchführen lässt, ist die Zubereitung Seiner Gemeinde, die Er sich vor Grundlegung der Welt auserwählt hat (Eph. 1, 3). Es handelt sich nicht darum, dass diese Auserwählten “selig” würden, sondern dass die Sehnsucht des Herrn, als des Hauptes, erfüllt wird, durch die Vereinigung mit Seinem “Leibe” zur Fülle, zur Vollendung zu gelangen (Eph. 1, 25), damit Er dann als “der Christus” fortfahren könne, alles, d. h. das All, unter Sein Haupt und Seine Herrschaft zu bringen (Eph. 1, 10). Die Gemeinde soll also den Leib des Christus bilden und ihn zu Seiner Fülle (pleroma) bringen — gleichzeitig muss deshalb aber die Gemeinde sowohl als Ganzes wie jedes ihrer Glieder zur Fülle gebracht werden. Das durchzuführen ist die Aufgabe des Heiligen Geistes. Er will mit überströmender Wirkung jeden Einzelnen bis zur Erreichung des Vollmaßes erfüllen. Das meint Paulus mit den Worten, die wir an den Anfang unserer Betrachtung gestellt haben und die man gewöhnlich übersetzt: werdet voll Geistes (Luther), oder: werdet mit dem Geiste erfüllt (Elberf.).

Damit ist das Vollendungsziel jedes einzelnen zum Leibe des Christus gehörenden Gliedes umschrieben. Die Erreichung dieses Zieles ist vorbildlich für die Erlösung der gesamten Menschheit, ja des ganzen Kosmos. Wenn die Gemeinde bis zur Erreichung des Vollmaßes mit dem Heiligen Geiste erfüllt werden soll, bis sie das Reifestadium des erwachsenen Mannes, das Maß des vollendeten Wuchses zur Aufnahme der Fülle des Christus (Eph. 4, 15) erreicht hat, so gilt dies auch für die ganze Menschheit, ja die ganze Schöpfung, die in den kommenden Äonen freigemacht werden soll von der Knechtschaft der Vergänglichkeit zur Freiheit der Herrlichkeit der Kinder Gottes (Röm. 8, 21), und die in dasselbe Leben hineingezeugt werden soll (1. Tim. 6, 15). So ist Weg und Ziel der Heiligung der Gemeinde an den Besitz und die Wirksamkeit des Heiligen Geistes gebunden.

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Autor: Liede, Friedrich | Kategorie(n): Gemeinde, Glaubensleben & Wandel, Heiliger Geist, Heiligung  |  385 x gelesen

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