Vom Wesen des Antichristen
“Einst gingen die Bäume hin, einen König über sich zu salben; und sie sprachen zum Olivenbaum: Sei König über uns! Und der Olivenbaum sprach zu ihnen: Sollte ich meine Fettigkeit aufgeben, welche Götter und Menschen an mir preisen, und sollte hingehen, zu schweben über den Bäumen? Da sprachen die Bäume zum Feigenbaum: Komm du, sei König über uns! Und der Feigenbaum sprach zu ihnen: Sollte ich meine Süßigkeit aufgeben und meine gute Frucht, und sollte hingehen, zu schweben über den Bäumen? Da sprachen die Bäume zum Weinstock: Komm du, sei König über uns! Und der Weinstock sprach zu ihnen: Sollte ich meinen Most aufgeben, der Götter und Menschen erfreut, und sollte hingehen, zu schweben über den Bäumen? Da sprachen alle Bäume zum Dornstrauch: Komm du, sei König über uns! Und der Dornstrauch sprach zu den Bäumen: Wenn ihr mich in Wahrheit zum König über euch salben wollt, so kommet, vertrauet euch meinem Schatten an; wenn aber nicht, so soll Feuer von dem Dornstrauch ausgehen und die Zedern des Libanon verzehren” (Richter 9, 8-15).
In diesem Abschnitt wird uns — ganz unabhängig von den Ereignissen, in die er hineingestellt ist — erstmals Wesentliches vom Antichristen geoffenbart. Und wenn bis dahin kaum besondere Beachtung darauf gerichtet worden ist, so deshalb, weil die Lehre, welche daraus zu ziehen ist, wie so vieles andere in der Heiligen Schrift, erst unseren endzeitlichen Generationen greifbar und verständlich wird, weil auch sie, um mit denn Apostel Petrus zu reden, zu den “gegenwärtigen Wahrheiten” (2. Petr. 1, 12) gehört.
Die Bäume — die Nationen
Zunächst ist unschwer zu erkennen, dass unter den Bäumen die Nationen zu verstehen sind, so dass die Königswahl der Bäume nichts anderes bedeutet als die Wahl eines obersten Fürsten über die Nationen. Oftmals wird in der Heiligen Schrift für einzelne Menschen sowohl wie für ganze Völker Baum oder Bäume als Gleichnis gebraucht. “Ich sehe Bäume wie Menschen”, sagt der Psalmist. Das erste Wunder Gottes in der Wüste war das Süß- und Schmackhaftmachen des bitteren Wassers “Mara” durch das Süßholz, welches Mose auf das Geheilt des Allmächtigen hineinwarf (2. Mose 15, 22-23). Damit ist in wunderbar vorschattender Weise der mitfolgende Felsen Jesus, als ins Fleisch gekommener Mensch, gekennzeichnet, und gleichzeitig das Fluchholz, an welchem Er in den Opfertod ging.
Autor: Kahn, George, Dr. | Kategorie(n): Das Böse | 654 x gelesen


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