Fürchte dich nicht!
Die auffallendsten Kennzeichen der gegenwärtigen, ihrem Abschluß entgegentaumelnden Weltzeit sind Angst und Furcht. Sie bilden ohne Zweifel die bedrohlichste Großmacht der Erde. Wer sich selber wirklich kennt oder gar in das Herz anderer hineinschauen und hineinlauschen darf, findet das in erschreckender Weise bestätigt. Aus der allgemeinen Lebensunsicherheit wird nagende, quälende Sorge geboren, und die Sorge erzeugt die herzbeklemmende, alle Freude tötende Furcht. Und wenn die Angst einmal Dauerzustand geworden ist, so ist es nur noch ein Schritt zur Verzweiflung und zur Zerrüttung der Sinne, zum Irrenhaus und zum Selbstmord.
Die Furcht hat als Wurzel durchaus nicht immer äußere Not und Armut. Leitende Ärzte in Anstalten für Schwermütige und “Geisteskranke” (die im Sinne des Wortes Gottes oft Besessene leichterer oder schwererer Art sind), bestätigen, daß der ungebrochene Eigenwille sehr oft die Ursache ist, daß viele Patienten, die sonst wertvolle Menschen ins guten sozialen Verhältnissen sind, in Irrenhäusern betreut werden müssen. Wer dächte da nicht an das überaus ernste Gerichtswort ans 1. Sam. 15, 23, wo wir lesen: “Widerspenstigkeit ist Sünde der Wahrsagerei, und Eigenwille ist Abgötterei und Götzendienst.”
Aus dem im tiefsten Grunde dem Hochmut entspringenden Gefühl der Minderwertigkeit, ans dem fruchtlosen Kampf gegen die Sinnlosigkeit und die tagtäglichen Mühen und Plackereien entsteht die Lebensangst. Wir sind geschaffen und veranlagt, Menschen der Freude, des Lichts und der Liebe zu sein; wir sollen und dürfen in Christo durch Erkenntnis und Geständnis unsrer Schuld und Armseligkeit neue Kreaturen werden voll heilig-demütigen Selbstbewußtseins, wozu Gott uns in seinem Sohn verordnet und berufen hat. Hier liegt die eigentliche und letzte Lösung aus den quälenden Verkrampfungen und Verzerrungen, ans Hochmut und Verzweiflung, Neid und Streit, Herrschsucht und Geldgier, die, bis hinein in die gläubigen Kreise, die Menschen umklammern und sie so todunglücklich machen.
Autor: Heller, Adolf | Kategorie(n): Andachten, Glaubensleben & Wandel | 410 x gelesen


Jeden Sonntag ab 10:00 Uhr von der 