Wenn die Schrift bezeugt, daß Gott die Welt liebt, so ist damit gar
nichts darüber ausgesagt, wie die Welt ist, sondern nur, wie Gott ist.
Das gilt es einmal ganz klar mit allen Konsequenzen zu fassen.


Adolf Heller (1895 - 1973)
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In Ihm war das Leben!

Gott hat allein Unsterblichkeit (1. Tim. 6, 16). Durch die Zeugung des Sohnes entstand dieser aus dem gleichen Leben und trägt dieses in sich selbst. Der Vater hat dem Sohne gegeben, Leben zu haben in sich selbst (Joh. 5, 26). In Ihm war das Leben (Joh. 1, 4). Außer dem Vater und dem Sohne hat kein erschaffenes Wesen von sich aus dieses Leben. Dem Geschöpf kann es nur durch die Zeugung von oben vermittelt werden. Wer den Sohn aufnimmt, hat damit das Leben des Sohnes Gottes und damit auch das Leben des Vatergottes selbst empfangen (Joh. 1, 12; 1. Joh. 5, 11.12).

Alles in Ihm war Leben! Keine Sünde hemmte die Entfaltung des vollen Gotteslebens. Darum waren auch die Worte, die der Sohn redete, nicht leere Menschenworte, sondern Geist und Leben (Joh. 6, 63). Wenn Er sprach, so geschah es, und wenn Er gebot, so stand es da. Von Seinem Leibe flossen Ströme lebendigen Wassers. Redete Er nur ein Wort, so kam ein Lazarus aus dem Grabe hervor oder ein Jüngling zu Nain stieg aus dem Sarge oder ein Töchterlein des Jairus stand vom Totenbett auf oder ein kranker Mensch, der 38 Jahre gelegen hatte, nahm seine Matte, auf der er lag, und ging gesund davon. — Wind und See gehorchten Ihm, dem Gottes- und Menschensohn, und wurden stille auf Sein Wort. Durch Seinen Segensspruch mehrten sich die wenigen Brote zu reicher Speise für 5000 Männer, dazu die Frauen und Kinder.

Gott hat aber auch allen denen, die aus Ihm geboren sind (Joh. 1, 12.13), das gleiche Leben gegeben, wie dem Erstgeborenen der Brüder (1. Joh. 5, 11-13). Sie sind Teilhaber der göttlichen Natur (2. Petr. 1, 4) und damit göttlichen Geschlechts (Apg. 17, 29; wörtlich: Gottes Geschlecht). Ja, der Sohn selbst nennt sie in Joh. 10, 34-36 “Götter” (vergl. auch Joh. 17, 16).

Das ist mehr, als je ein Auge gesehen oder ein Ohr gehört hat, oder was in eines Menschen Herz gekommen ist! Der Vater hat Sein eigenes Gottesleben in uns ergossen. Er ergoß Seinen Heiligen Geist in uns. Dadurch wurden wir Teilhaber der Gottnatur.

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Autor: Geyer, Karl | Kategorie(n): Andachten, Erkenntnis & Wesen Gottes, Glaubensleben & Wandel  |  802 x gelesen

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Henoch wandelte mit Gott

(Nach einem Wortdienst in Berlin)

Wir lesen zwei Worte aus Hebräer 11 und 1. Mose 5:

“Durch Glauben ward Henoch entrückt, damit er den Tod nicht sehen sollte, und er wurde nicht gefunden, weil Gott ihn entrückt hatte; denn vor der Entrückung hat er das Zeugnis gehabt, daß er Gott wohlgefallen habe. Ohne Glauben aber ist es unmöglich, Ihm wohlzugefallen; denn wer Gott naht, muß glauben, daß Er ist und denen, die Ihn suchen, ein Belohner ist” (Hebr. 11, 5.6).

“Henoch lebte 65 Jahre und zeugte Methusalah. Und Henoch wandelte mit Gott, nachdem er Methusalah gezeugt hatte, 300 Jahre und zeugte Söhne und Töchter. Und alle Tage Henochs waren 365 Jahre. Und Henoch wandelte mit Gott; und er war nicht mehr, denn Gott nahm ihn hinweg” (1. Mose 5, 21-24).

Henoch lebte inmitten einer Zeit des Abfalls. Sein Name bedeutet “Dargebracht” oder “Geweiht”. In jener Zeit rapiden Abfalls — viermal steht ja in 1. Mose 6, 11.12, daß es eine gottlose Zeit war — müssen die Eltern dieses Henoch etwas davon gewußt und empfunden haben, daß Gott da ist und die Menschen haben möchte. Und daher haben sie ihren Sohn Gott geweiht. Inmitten eines untergehenden Zeitalters war er der einzige Zeuge des lebendigen Gottes. — Wir stellen fünf Punkte heraus:

  1. Die Zeit, in der er lebte;
  2. seinen Glauben;
  3. seinen Wandel;
  4. seine Botschaft;
  5. seine Belohnung.

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Autor: Schadt, Robert | Kategorie(n): Andachten, Das prophetische Wort, Glaubensleben & Wandel  |  662 x gelesen

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Vom Reden mit Gott zur Anbetung

Ein Gottesmann hat einmal folgenden Satz ausgesprochen: “Am Gebet müssen wir das Beten lernen, so wie einer am ABC das Lesen lernt. Wir zwingen uns zum Gebet, damit es uns zwinge, und lassen nicht von ihm, bis es uns segnet und der Erhörung gewiß macht.” Das ist eine kräftige Sprache, und wir müssen dieses “Zwingen” vom inneren Menschen her auffassen. Spurgeon hat es einmal ähnlich ausgedrückt. Er meinte, daß es nichts Besonderes ist, mit Gott zu sprechen, wenn wir in Gebetsstimmung sind; wenn wir aber nicht in der inneren Verfassung sind, dann sei es gefährlich, in einem so ungesunden Zustand zu verharren. Gerade dann dürfen wir uns im Gebet mit dem HERRN vereinen.

Diese Feststellung hat etwas mit der Aufforderung des Apostels Paulus zu tun: “Übe dich selbst in der Gottseligkeit” (1. Tim. 4, 7). Darin sei jeder Tag dem Herrn geweiht. Das ist die Voraussetzung, daß wir auch bei schweren Führungen die erfahrbare Kraft Gottes als Realität erleben. Die innige Lebensgemeinschaft, die alles mit IHM bespricht, trägt hindurch. Da dürfen wir in den kleinsten Dingen des Alltags gespannt sein, wie wir von der Größe Gottes getragen werden. Beschämt können wir dann feststellen, wie klein wir oft von dem großen Gott denken! In der beständigen Gebetsverbindung mit IHM als Lebenshaltung ist unser Christsein durchaus keine langweilige Angelegenheit, sondern hochinteressante Führung und göttliche Leitung.

Unser Reden mit Gott ist Gespräch auf höchster Ebene

Beginnt und endet bei uns jeder Tag mit der Lagebesprechung vor Gott, der in Jesus Christus unser himmlischer Vater ist?

Das überwältigt mich stets neu: Wir haben im Glauben Zugang zur höchsten “Weltraumbehörde”, zur höchsten Autorität, zum Herrn aller Herren (Hebr. 4, 16). Tag und Nacht haben wir jederzeit Audienz bei DEM, der alles in Seinen Händen hat. Wenn wir davon Gebrauch machen, verläuft unser Leben in Bahnen göttlicher Dimensionen. Das ist unser Lebenselement: Im Geist und in der Wahrheit vor Gott zu stehen (Joh. 4, 24), im Dialog mit IHM Seinen Willen zu erfragen und auf Seine Antwort zu lauschen.

Gebete sind Zwiegespräche mit dem lebendigen Gott und keine frommen Selbstgespräche, keine Autosuggestion, keine fromme Leistung, kein religiöses Gehabe, kein egozentrisches Wünschen, kein Selbsteinreden von Mut! In den Evangelien erkennen wir ergreifend, wie das Leben Jesu eine beständige Zwiesprache mit dem himmlischen Vater war (Joh. 5, 19; 8, 29). Als der Sohn des Vaters war ER sich stets gewiß, daß Sein Beten erhört wird. Als Söhne des Vaters — die Glieder des Leibes sind zur Sohnschaft berufen — dürfen wir uns ebenso der Erhörungsgewißheit erfreuen.

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Autor: Bayer, Rupprecht | Kategorie(n): Anbetung, Andachten, Glaubensleben & Wandel  |  758 x gelesen

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“Ihr seid der Leib des Christus”

(1. Kor. 12, 27)

Vor dieser Aussage der Heiligen Schrift können wir nur immer wieder in staunender Demut und dankbarer Anbetung stille werden. Sind wir von dieser Feststellung lebensmäßig total durchdrungen? Sie ist das Ende aller Privatfrömmigkeit. Religion mag Privatsache sein, aber nicht die Zugehörigkeit zum Leibe des Christus. Da gibt es kein Einzelgängertum und kein unverbindliches Nebeneinanderher. Leider lassen auch wir uns immer wieder von unserem Ich-Glauben leiten; wir beharren fest auf unserem Verständnis einer Bibelstelle; denn das hat uns ja, wie wir behaupten, der Heilige Geist so geoffenbart. Es geht aber im Glauben nicht um das Ich, sondern um das Wir, um den Leib des Christus. Der Gläubige sollte klar in diesem Gliedschaftsbewußtsein stehen und im Wesen und Wandel diese Gliedschaft des Leibes darstellen.

Der Leib des Christus

Unser Menschenleib ist ein einzigartiger, wunderbarer Organismus. Das Haupt unseres Körpers ist die Kommandozentrale für alle Glieder, für alles, was an diesem Leib und mit dem Leib geschieht. Genauso wirkt das Haupt der Gemeinde, die da ist Sein Leib (Kol. 1, 18; Röm. 12, 4.5), Christus Jesus. Das bedeutet, daß die einzelnen Glieder Seines Leibes lebendig und untrennbar mit ihrem Haupt verbunden sind. “Ich in ihnen und sie in Mir”, sagt der Herr (Joh. 17, 22.23; siehe auch Joh. 15, 4.5). Das bedeutet wiederum, daß die Glieder unter dem ständigen Einfluß ihres Hauptes stehen und mit Seinem Geist erfüllt und belebt werden. Die Glieder sind lebendige Organe dieses Organismus und erhalten ihre Lebensorientierung vom Haupt.

Dadurch wird aber auch deutlich, daß die Glieder dieses einen Leibes untereinander zusammengehören und aufeinander angewiesen sind. In dieser Wesenheit werden wir geprägt und zu christozentrischem Denken (Röm. 12, 2) geführt. 1. Kor. 12, 12 gibt uns eine klare “Definition” dieser “Gesamtperson” des Christus: “Gleichwie der Leib (unser Körper) einer ist und hat doch viele Glieder, alle Glieder aber zu dem einen Leib gehören, obwohl es viele Glieder sind: genauso auch der Christus”. So stehen die Glieder in inniger Lebensgemeinschaft mit ihrem Haupt und bilden gemäß der Aussage dieses Verses den Christus. Im Theologischen Begriffslexikon zum NT wird dazu auf Seite 216 folgendes gesagt: “Die Vielheit der Glieder kann ohne das Haupt nicht leben. Ohne den Einen Herrn, ohne das Eine Haupt, wären die Glieder ebensowenig eins wie amputierte Gliedmaßen, die zufällig zusammengeworfen sind.” In unserem Körper hat keine Zelle, kein Organ für sich allein einen Sinn, sondern erst die Verbindung und das Zusammenwirken aller untereinander bewirken das harmonische Leben des Ganzen. Wenn sich nur eine Zelle “selbständig” macht und nach “eigenem Ermessen” Zellen produziert, dann entsteht Krebs. Genauso verhält es sich im Organismus des Leibes Christi. Unser Ich will sich immer wieder groß machen, und die frommen Verführungen sind heute so enorm, daß wir uns immer wieder prüfen müssen (2. Kor. 13, 5): Sind wir lebendige Zellen am Leibe des Christus oder gleichen wir Krebszellen oder amputierten Gliedern? Produzieren wir Eigenes, oder lassen wir uns durch unser Haupt leiten (Röm. 8, 12-14)? Ohne die ständige lebensvolle Verbindung von Haupt und Gliedern ist Gemeinde nicht mehr Gemeinde, sondern Welt; vielleicht sehr religiöse und sehr fromme Welt, aber Welt!

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Autor: Bayer, Rupprecht | Kategorie(n): Andachten, Gemeinde  |  635 x gelesen

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Der Gott des Maßes

Jeder Name Gottes ist eine Offenbarung seines Wesens. Wenn wir bei den verschiedenen Gottesnamen des Alten Testamentes beachten, in welchen Zusammenhängen sie gebraucht werden, oder wenn wir die vielen Bezeichnungen unseres Vaters im Neuen Testament, sonderlich im paulinischen Schrifttum ansehen, so finden wir eine solche Fülle köstlicher Wahrheiten, dass unser Herz weit und froh wird ob dem überschwenglichen Reichtum, der dadurch geoffenbart wird.

Einer der Namen, die am wenigsten bekannt sind, lautet: “Gott des Maßes”. Wir finden ihn im zweiten Korintherbrief, wo der Apostel im Zusammenhang schreibt: “Wir wagen nicht, uns etlichen derer beizuzählen oder zu vergleichen, die sich selbst empfehlen; sie aber, indem sie sich an sich selbst messen und sich mit sich selbst vergleichen, sind unverständig. Wir aber wollen uns nicht ins Maßlose rühmen, sondern nach dem Maße des Wirkungskreises, den der Gott des Maßes uns zugeteilt hat” (2. Kor. 10, 12.15; Elberf. Übers.).

Paulus warnt vor falschen Maßstäben, die unverständige Diener am Evangelium gebrauchen. Übertreibungen und Maßlosigkeit führen zuletzt immer in Vermessenheit. Denn wer kein rechtes Maß hat, der vermisst sich. Um die anvertrauten Gemeinden davor zu bewahren, spricht Paulus von dem “Gott des Maßes”, der auch den Wirkungskreis jedes Einzelnen zuteilt oder mit der Messschnur abmisst.

Betrachten wir das Wirken des Gottes des Maßes in vierfacher Beziehung:

  1. in der Schöpfung;
  2. in seiner Regierung;
  3. in Gericht und Leid;
  4. in dem Erweis seiner Gnade.

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Autor: Heller, Adolf | Kategorie(n): Andachten, Erkenntnis & Wesen Gottes  |  588 x gelesen

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Die Dimensionen der Liebe Gottes

In Eph. 3, 14-21 lesen wir ein paulinisches Gemeindegebet. Wie groß und gewaltig ist doch das, was Paulus für uns von Gott erfleht! Und wenn er wirklich Muster und Norm für uns ist und kein Schwärmer, der Unmögliches von Gott verlangt, dann wollen wir uns doch im Glaubensgehorsam an ihm orientieren und entsprechend seiner Aufforderung auch in diesem Stück seine Nachahmer werden!

Der Apostel erbittet in Epheser 3, dass wir entsprechend dem Reichtum Seiner Herrlichkeit (und nicht nur entsprechend unsrer Bedürfnisse!) durch Seinen Geist (nicht durch seelisch-religiöse Zeremonien!) an dem inneren Menschen gestärkt werden. Der Christus soll derart unsre Herzen bewohnen (nicht nur in einer Ecke unsrer Herzen wohnen, sondern sie ganz bewohnen!), dass wir, in der Liebe (nicht nur in der Heiligkeit und Gerechtigkeit Gottes) gewurzelt und gegründet, mit allen Heiligen (nicht nur mit denen unsrer “Richtung”) völlig zu erfassen vermögen, welches die Länge und Breite und Tiefe und Höhe sei, und zu erkennen die das Wissen übersteigende Liebe des Christus, auf dass wir erfüllt sein mögen zu der ganzen Fülle Gottes. Und nun erschrickt der Apostel nicht etwa vor der unerhörten Größe seiner Gebetsforderung, sondern steigert sie noch! Er bezeugt, dass Gott weit über alle Maßstäbe unsres Betens oder Denkens hinaus zu tun vermag und bricht in einen Lobpreis aus. Entweder ist Paulus ein zügelloser Schwärmer oder aber ist das, was man gemeinhin als Evangelium bezeichnet, ein armes Produkt des Unglaubens den gewaltigen Liebesabsichten unsres herrlichen Rettergottes gegenüber. Wem Gott sich in seiner Fülle zu offenbaren beginnt, der wird nicht stolz und hochmütig, sondern klein und arm in seinen eigenen Augen, weiß sich aber erwählt, geliebt und überreich gesegnet in Christo.

Von vier Ausdehnungen der Liebe ist hier die Rede. Alle irdischen Dinge sind nur dreidimensional, d. h. sie haben Länge, Breite und Höhe. Aber das Wesen des Allmächtigen ist nach Hiob 11, 7-9 vierdimensional. Dort ist ebenso wie in unserm Schriftwort die Rede von Länge, Breite, Tiefe und Höhe.

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Autor: Heller, Adolf | Kategorie(n): Allversöhnung, Andachten, Erkenntnis & Wesen Gottes  |  949 x gelesen

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Es ist doch alles nur Gnade

Auf Gnade kann man trauen!

Deshalb umgürtet die Lenden eurer Gesinnung, seid nüchtern und hofft völlig auf die Gnade, die euch gebracht wird bei der Offenbarung Jesu Christi (1. Petr. 1, 13).

In der ersten Hälfte des Kapitels hat der Apostel von der großen Errettung gesprochen, die uns durch JESUS CHRISTUS geworden ist — von jener Errettung, welche die Propheten von ferne geschaut, deren Größe und Herrlichkeit wir nicht ausschöpfen können, die nur immer unergründlicher wird, je tiefer wir sie zu erforschen suchen. Alle diese wunderbaren Dinge sind für uns, denen jetzt das Evangelium mit Bezeugung des vom Himmel gesandten Heiligen Geistes verkündigt worden ist. Einem solchen Evangelium gegenüber gilt es, sich zusammennehmen und nach der in Vers 13 enthaltenen Mahnung handeln: “Deshalb umgürtet die Lenden eurer Gesinnung!” (Luthertext: “… eures Gemütes!”) Je wichtiger ein Unterricht ist, um so mehr muß man den Kopf bei der Sache haben und sich selbst und seine Gedanken zusammennehmen. Man hält sein Gewand mit einem Gurt zusammen, damit es nicht nach allen Seiten hin flattere. “Begürtet die Lenden eures Gemütes!” — die Gewänder der Gedankenwelt, damit sie nicht irgendwo hängenbleiben. Nehmt euch in acht mit euren Phantasien und Stimmungen! Das Sich-Gehenlassen ist in der natürlichen Trägheit des menschlichen Herzens begründet. Man ist zu träge, um sich zusammenzunehmen; um Konflikte zu vermeiden, verlangt man aber, daß die andern sich zusammennehmen. So werden wir zu Leuten, die keinen Luftzug vertragen können und allen Schuld geben, nur nicht sich selbst — zu Leuten, die kein Rückgrat, keinen sittlichen Gehalt haben und blind ihren Stimmungen und Neigungen folgen müssen, weil sie an die eigene Natur verkauft sind. Wer sich nicht zusammennimmt, öffnet allen möglichen Einbildungen Tür und Tor; er glaubt sich von niemand verstanden, von niemand ge­liebt und meint, alle Ursache zu haben, sich selbst bemitleiden zu dürfen. Arme, beklagenswerte Geschöpfe! Kann man sich wundern, daß keine Geistesmacht auf dem Plan ist, wenn die Leute so heranwachsen? Jeder sucht das Seine, und schließlich klagt man Gott der Erbarmungslosigkeit an. Woher kommt das?

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Autor: Stockmayer, Otto | Kategorie(n): Andachten, Gemeinde, Lehre  |  683 x gelesen

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»In diesem allen sind wir Übersieger«

Die zentrale Frage im Römerbrief: »Wie werde ich ein Überwinder?« wird von Paulus bis in die äußersten Konsequenzen hinein total beantwortet. Er fasst seine Belehrung über den Heilsweg der Gläubigen (Röm. 6-8) zusammen zu einem triumphierenden Zeugnis von der Gewissheit des Heils, das durch keine Macht der Welt mehr erschüttert werden kann. Diese Heilsgewissheit ist nicht nur objektiv als geschichtliche Heilstatsache zu verstehen, sondern soll auch subjektiv als Aneignung der Heilsgewissheit erfasst werden, gleichsam als Krönung der ganzen Entwicklung des persönlichen Glaubenslebens. Der Schwerpunkt aber im persönlichen Werden liegt in dem, was Gott an und in uns wirkt. Dieser Ton beherrscht nun auch das Schlusswort zu diesem Herzstück des Römerbriefes. Es ist alles Gottes bedingungslose Gnade, trotzdem es so aussieht, als sei es das Resultat unserer eigenen Anstrengungen im Heiligungsleben.

Römer 8, 31: »Was sollen wir nun noch sagen zu diesem? Wenn Gott für uns (zu unseren Gunsten), wer wider uns?«

Der Gläubige, der seines Heils gewiss ist, hat nichts zu fürchten. Sein Heil ist gesichert. Diese Heilsgewissheit beruht also nicht auf einer gesteigerten Frömmigkeitsstufe, sondern ist in der ewigen Liebe Gottes verankert. Die Garantie liegt in Gott allein. Seine Liebe ist der einzige, unerschütterliche Heilsgrund. Es klingt wie eine Herausforderung an alle feindlichen Mächte im All, wenn Paulus ausruft: »Wenn Gott für uns, wer wider uns?« Hat denn der Gläubige, der so zum Siegesleben durchgedrungen ist, gar keine Widerwärtigkeiten mehr? Gibt es für ihn keine Todesmächte mehr wie Krankheit, Alter, Schwäche, Unfall, Sterben, die mit seinem noch sterblichen Leibe zusammenhängen? Sind für ihn alle Hemmungen des äußeren Lebens wie Armut, Unglück, Misserfolg, Feindschaft der Menschen, aufgehoben? Existieren für ihn auch keine Hemmungen des Geisteslebens mehr wie Nichtwissen und Gebetsschwäche? Ist Satan mit seiner Höllenmacht für ihn kein Begriff mehr? Hat er mit den bösgeistigen Mächten in den Himmlischen nichts mehr zu tun? Alle diese Tatsachen sind doch nicht einfach zu verneinen in der Meinung, das sei der rechte Glaubensstand. Das Geheimnis des triumphierenden Siegeslebens über alle Widerwärtigkeiten liegt in der positiven Einstellung des Glaubens, dem alles dienstbar sein und so zum Guten mitwirken muss (vgl. V. 28). Wohl werden wir nicht aus den widerwärtigen Verhältnissen herausgenommen, aber wir dürfen in den Verhältnissen über den Verhältnissen stehen. Dann steht über unserm ganzen Leben mit seinen Kämpfen und Schwierigkeiten das Motto: »Wenn Gott für uns, wer wider uns?« Der Gegensatz von für (hyper = zugunsten) und wider (kata = zuungunsten) ist hier besonders markant. »Für« zeigt nach oben (hyper bedeutet eigentlich: über) und »wider« zeigt nach unten (kata heißt: von herab). Dieser triumphierende Grundton der Heilsgewissheit hat seinen guten Grund, wie Paulus im Folgenden ausführt.

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Autor: Langenberg, Heinrich | Kategorie(n): Andachten, Gemeinde, Paulusbriefe  |  689 x gelesen

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Vom Totalsieg des Lichtes über die Finsternis

(Abschrift einer Tonbandaufnahme eines Wortdienstes in München)

Meine lieben Freunde, meine Brüder und Schwestern,
ihr Heiligen und Geliebten Gottes!

Das Thema dieser Abendstunde lautet: »Vom Totalsieg des Lichtes über die Finsternis«, wir könnten auch sagen: »Der totale Sieg der Gnade, der Liebeszuneigung Gottes über die Bosheit der Finsternismächte.«

Ich lese dazu zwei Schriftstellen, einen Schriftzusammenhang aus dem Propheten Jesaja (Kap. 9, 1-7) und ein Epheserwort (5, 8). Zunächst Jesaja 9. Das Kapitel beginnt mit den Worten: »Nicht bleibt Finsternis …« — Das ist ein gewaltiges Wort. Es gibt Dinge, die bleiben, die unvergänglich sind und nie ihren Charakter und ihr Wesen verlieren, und es gibt andere Dinge, die bleiben nicht, die vergehen und zerfallen, zerbrechen in sich selbst, und dazu gehört auch die Finsternis; dazu gehört auch die Sünde; dazu gehört auch der Tod. »Nicht bleibt Finsternis.« Diese drei Worte können dem, der anfängt, etwas von ihrer Weite und ihrer Tiefe zu ahnen, zu einem unaussprechbaren Trost werden.

Wenn du in Finsternis steckst, Bruder und Schwester, wenn dein Herz belastet und gequält ist, dann glaube: Nicht bleibt Finsternis, oder umgestellt: Finsternis bleibt nicht! Aber es gibt Dinge, die bleiben, die hören nimmer auf. Wißt ihr etwas, das nimmer aufhört? (Zuhörer: die Liebe.) Jawohl, die Liebe Gottes höret nimmer auf! Auch Gott hört nicht auf und ändert sich nicht. Er bleibt derselbe, voll abgrundtiefen Erbarmens, voll von Inbrunst und Zuneigung, von Kräften und Segnungen, von Güte und Barmherzigkeit, die kein Menschenmund auszusprechen vermag.

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Autor: Heller, Adolf | Kategorie(n): Andachten, Erkenntnis & Wesen Gottes  |  532 x gelesen

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Diesseits und jenseits des Jordan

In 5. Mo. 12, 7-10 lesen wir: “Ihr sollt vor dem Herrn, euerm Gott, essen und euch erfreuen, ihr und eure Häuser, an allem Geschäft eurer Hand, worin der Herr, dein Gott, dich gesegnet hat. Ihr sollt nicht tun nach allem, was wir heute hier tun, ein jeder, was irgend recht ist in seinen Augen; denn ihr seid bis jetzt noch nicht zu der Ruhe und zu dem Erbteil gekommen, das der Herr, dein Gott, dir gibt. Seid ihr aber über den Jordan gezogen, und wohnet ihr in dem Lande, das der Herr, euer Gott, euch erben läßt, und er schafft euch Ruhe vor all euern Feinden ringsum, so wohnet ihr sicher.”

Wenn uns das siebenfach geläuterte Gotteswort in seiner prophetischen und symbolischen Bedeutung aufzuleuchten beginnt, dann verstehen wir, daß das Gesetz ein Schattenriß zukünftiger Wohltaten Gottes ist (Hebr. 10, 1). Die ganze Geschichte Israels ist ja nach 1. Kor. 10 ein Abbild von uns oder ein warnendes Vorbild für uns.

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Autor: Heller, Adolf | Kategorie(n): Andachten  |  588 x gelesen

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