Die Decke auf dem Angesichte Moses
Diesem Thema liegt mit 2. Kor. 3 und 4 einer der schwierigsten Texte des Neuen Testamentes zugrunde. Dies kann man schon daran erkennen, daß die meisten Übersetzer ihn recht schlecht verdeutscht haben, weil ihnen offenbar der Schlüssel zum rechten Verständnis fehlte. Da aber Gottes guter Geist “in das Ganze der Wahrheit leiten” will und es offenbar für nötig befunden hat, auch solch schwierige Zusammenhänge in Sein wunderbares Wort zu bauen, sollten auch wir versuchen “ein Verständnis vom Wesenhaften” zu erlangen (1. Joh. 5, 20).
Wir werden dabei erleben, wie Paulus als messiasgläubiger Rabbiner Israels seine Bibel (und das war für Jesus und Seine Apostel das Alte Testament!) “auf Christum hin” gelesen hat. Darum verstanden ja auch die Apostel ihre Briefe als seelsorgerliche Schreiben an ihre Missionsgemeinden und als prophetische Schriften zur Deutung des im Alten Testament aufgezeichneten Heilsweges (Röm. 16, 25-27). So wie es gewiß wahr ist, daß wir das Alte Testament nur im Lichte des Neuen verstehen können, so gilt doch ebenso, daß wir die Schriften des Neuen Gottesbundes nur vom Alten Testament her recht verstehen. Die Mißachtung der Bibel Israels, Jesu und Seiner Apostel hat sich bitter gerächt: Die verwirrende Auslegungs- und Dogmengeschichte der christlichen Kirche ist (bis heute!) dafür ein Zeugnis. Statt die Quelle zu ergründen, vermengte man die Apostelschriften mit griechischer Weltweisheit und schleppte dieses schreckliche Gemisch aus Christusoffenbarung und Philosophie durch die Zeiten! Erst in unserer letzten Zeit beginnen die Dinge sich zu wenden — allerdings auch nur im wortgläubigen Teil der Gemeinde.
Aus zwei Quellen bezog Paulus seine Lehre, seine Ermahnungsbotschaft und seine geistgeleitete Deutung des göttlichen Heilsplanes: aus seinen Erlebnissen an der missionarischen Front und aus der genauen Kenntnis des alttestamentlichen Offenbarungsgutes (wobei wir natürlich die göttliche Seite der unmittelbaren Gottes- und Christusoffenbarung keineswegs übersehen wollen!). Was er in Vollmacht lehrte und schrieb, war keine “Schreibtischtheologie”, es wuchs vielmehr organisch aus seinen Christuserlebnissen und Missionserfahrungen, aus seinem Kampfe mit Feinden der Frohen Botschaft und seinem Ringen um die Christusgemeinde. Die Erlebnisse an der heißumkämpften missionarischen Front bildeten die Gefäße für den Offenbarungsgehalt göttlicher Geheimnisse.
Wenn wir einmal die Apostelgeschichte so lesen, daß die Aussagen der Apostelbriefe hindurchleuchten, werden wir erstaunt bemerken, wie stark gerade die Aussagen der späteren Paulusbriefe aus seinen Erlebnissen mit dem verblendeten Israel und der Missionierung der Weltvölker schöpfen!
Autor: Jugel, Wolfgang | Kategorie(n): Lehre, Paulusbriefe | 756 x gelesen


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