Die Erkenntnis Jesu Christi
Wenn wir Philipper 3, 8-10 lesen, so finden wir im zehnten Vers einen dreifachen Wunsch des Apostels Paulus:
- Ihn zu erkennen,
- die Kraft seiner Auferstehung,
- die Gemeinschaft seiner Leiden.
Die Erkenntnis ist etwas Offenbarungsmäßiges. Sie bedeutet nicht nur ein Wissen und wird nicht mit Hilfe einer Reihe von Schlüssen restlos klar. Man kann sie haben oder nicht (Eph. 1, 17). Nach Philipper 1, 9-11 ist Erkenntnis und Einsicht auch die Grundlage für einen unanstößigen Wandel.
Einsicht, griechisch aisthesis, unser deutsches Wort Ästhetik, heißt: das im einzelnen Erkannte und praktisch im Gebrauch Verwendete, zu einem harmonischen Ganzen Zusammengefügte, also etwas, was in seinem Zusammenhang eine Harmonie darstellt.
Erkenntnis heißt griechisch epignosis; gnosis heißt Wissen. Wir finden das Wort noch heute im Englischen als to know; gnosis hängt zusammen mit dem Wort gnâ (Sanskrit) und bedeutet so viel wie: etwas in seinen Wesenstiefen klar bekommen haben; etwas, was ich innerlich angeschaut habe, um mich mit dem Angeschauten zu verbinden, was mir also licht und klar und zum Besitz geworden ist. Das ist nicht etwas Angeeignetes, Übernommenes. Im Zusammenhang mit gnosis finden wir gnus, nus, gnomen, Namen — das ist etwas, was die Wesenstiefe in Erscheinung treten lässt. Der Nus ist die Stätte, wo etwas Wesenhaftes klar wird; da ist der Ort göttlicher Offenbarungen. Und was uns in unserem Sinn = nusmäßig vermittelt wurde, das ist zur Kenntnis, zur Klarheit gekommen. (Das Wort Nus finden wir heute in der Schrift z. B. in Kolosser 2, 18 als “Sinn” oder “Gesinnung”, oder in Offenbarung 13, 18 als “Verständnis”.) Was also bisher im Dunkel war, ist nun hell und klar geworden, und alles, was licht und klar geworden ist, das gibt mir das Bewusstsein des Dankens. Aus dem Dunkel heraus wird etwas licht und führt mich ins Danken hinein: dunkel — dünken — denken — danken; so führt jedes Denken zum Danken.
Auf dem Boden dieses Wissens erhebt sich die Epignosis. Sie besteht in der Fähigkeit, dieses Wissen praktisch zu gebrauchen. Auf dem Boden des mir innerlich klar gewordenen Grundes wird ein Weg beschritten, der zu einem mir innerlich klar gewordenen Ziele führt.
Autor: Borngräber, Walter M. | Kategorie(n): Erkenntnis & Wesen Gottes, Gemeinde, Tod & Auferstehung | 1,137 x gelesen


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