Wenn die Schrift bezeugt, daß Gott die Welt liebt, so ist damit gar
nichts darüber ausgesagt, wie die Welt ist, sondern nur, wie Gott ist.
Das gilt es einmal ganz klar mit allen Konsequenzen zu fassen.


Adolf Heller (1895 - 1973)
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Die alles überragende Hoheit der Kinder Gottes

Text: 1. Korinther 3, 18-23

In allen Himmeln und auf Erden gibt es nichts Höheres, nichts Wunderbareres, nichts Überragenderes als ein aus dem Geist geborenes Kind Gottes. In machtvollen Strichen zeichnet das der Apostel Paulus heute vor unsere Augen hin. Vielen Gläubigen ist diese einzigartige Größe des Gottlebens in Menschenherzen nicht klar. Weithin meint man, das Glaubensleben mit irdisch-menschlichen Weisheitsherrlichkeiten schützen, stützen und ausstaffieren zu müssen. Das ist eine arge Täuschung. Das Glaubensleben braucht nichts zu seiner Ausschmückung; es schmückt selbst alles aus. Es ist die Zierde und Krone aller Dinge — es ist Gottherrlichkeit, jede Menschenherrlichkeit weit überstrahlend. Wir dürfen uns da nicht selber täuschen. Weil die Weltweisheit und Erdenklugheit so hoch einhergeht, gespreizt und in die Augen fallend auftritt — weil dagegen die Gotteskindschaft so niedrig einhergeht, sterbend nach dem natürlichen ich, niedrig und sich erniedrigend, so könnte man sich wohl täuschen.

Ein Gotteskind hält sich im Geist für den größten Sünder der Erde, ein jegliches in seiner Art. Darum hält auch ein Kind Gottes die andern höher als sich selbst. Der Heilige Geist führt einwärts. Der Heilige Geist öffnet uns die Augen über uns selbst. Von Stufe zu Stufe sieht ein Gläubiger in die furchtbare Macht der Sünde — dieses Ich-Wesens — und in sein Verderben hinein. Der Gläubige weiß, daß in ihm die Anlagen und Möglichkeiten zu allem Bösen liegen. Der Gläubige sieht auch in die Gewalt und Macht der Todesauswirkung der Sünde hinein. Darum ist er auch gestorben dem Ich-Wesen und stirbt ihm täglich in Christus.

Mit solcher Sünden- und Todes-Selbsterkenntnis steht das Gotteskind in sich selbst gar elend und unscheinbar da. Alle äußere Herrlich­keit ist ihm wie seinem Herrn und Heiland vergangen. Da heißt es: “Wir sahen Ihn, aber da war keine Gestalt, die uns gefallen hätte.” Die Ich-Welt mag ein solches Glaubens-Geschöpf nicht. Dadurch wird es noch niedriger. Der Selbstgerechte, der Gesetzesmensch, ist der angesehene Mann; der Selbstzerbrochene ist der verachtete Mann. Ein Gotteskind kann gar nicht niedrig genug von sich halten.

Aus diesem Stand kann nun leicht eine Selbsttäuschung hervorgehen, nämlich die, als seien wir überhaupt nichts. Wir sind aber nur nichts in uns selbst. Das haben wir erkannt und erkennen es immer tiefer: eine Kreatur, in sich selbst stehend, ist das vollendete Nichts, ja das Todesverderben. Aber wir stehen auch noch in Christus. Und in diesem unserem Glaubensleben in Ihm, da fahren wir nun in die Höhe — und werden in Christus das Herrlichste, was gedacht mag werden in den Himmeln und auf Erden. Der Gläubige trägt in seinem irdischen Gefäß einen Gottschatz, der über alles geht. Davon müssen wir auch ein lebendiges, klares Bewußtsein haben.

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Autor: Böhmerle, Theodor | Kategorie(n): Gemeinde  |  375 x gelesen

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Die Himmelfahrt Christi in ihrer allumfassenden Bedeutung

Text: Markus 16,19

Der Sohn Gottes geht nach dem ewigen Ratschluß Gottes das All an. In Ihm sollte alles zusammengefaßt werden als in einem Haupt, was in den Himmeln und auf Erden ist. Darum geht auch alles, was am Sohn Gottes oder durch den Sohn Gottes geschieht, das All an. So hat denn auch die Himmelfahrt eine allumfassende Bedeutung. Je nach den Kreisen, welche die Himmelfahrt angeht, ist ihre Bedeutung eine verschiedene. Es erhöht Jesus in unserem Herzen, in diese unterschiedliche Macht und Kraft der Himmelfahrt einen Blick zu tun.

Gott ist in allen Dingen groß und weit zu fassen. Bei Gott ist nichts Enges. Bei Gott geht alles auf das Ganze. Auch alles einzelne, was Gott unternimmt, hat stets das Ganze im Auge. Bei Gott hängt alles zusammen. Die Sünde nur reißt alles auseinander. Die Gnade bringt alles wieder in eins. Darum muß sie in alles hineingehen. Darum umfaßt auch die Himmelfahrt alles.

Wo Gott handelt, da ist Gericht und Gnade. Ja, in allem göttlichen Handeln ist im Grunde die alles Gericht aufhebende Gnade. Darum erscheint in allen göttlichen Taten Gericht und Gnade und ist in ihnen wirksam. Die Gläubigen wissen das wohl, sie werden durch alles gerichtet und durch alles gesegnet. So ist auch in der Himmelfahrt Gericht und Gnade. Je nach dem Kreis und seiner Stellung herrscht das Gericht vor oder die Gnade. So ist die Auffahrt des Herrn eine Gerichts- und Gnadenfahrt, die sich nach beiden Seiten hin kräftig ausweist.

Vor allen Dingen und auf den Herrn selbst gesehen ist Himmelfahrt eine Herrlichkeitsfahrt und eine Erhöhungsfahrt. Das war eine schwere Zeit, als der Sohn Gottes nicht mehr in den Himmeln war und nicht mehr beim Vater. Das war Passion, als der Sohn Gottes im Fleischesleib pilgerte, eingegangen in das Gesetz der Sünde und des Todes. Welche Leere in der Herrlichkeit ohne den Sohn! Es ist, wenn man solches sagen darf, wie ein Heimwehschrei Gottes, des Vaters, wenn Er zweimal aus der großen Herrlichkeit heraus bezeugt: “Dies ist Mein lieber Sohn, an dem Ich Wohlgefallen habe.”

Und der Sohn ist im Erdental voller Heimweh nach dem Vater. Vor Seinem Hingehen in Tod und Grab bricht dieses Heimweh in mächtigem Gebetsruf aus. Der Sohn ruft: “Vater, verkläre Mich bei Dir selber mit der Klarheit, die Ich bei Dir hatte, ehe die Welt war.”

Und nun Himmelfahrt — das ist die Heimkehr. Auf schwingt Er sich und darf Er sich schwingen bis zur Rechten des Vaters. Wie kehrt Er auch heim! In den tiefsten Leidenstiefen ist Er gehorsam gewesen. Er hat den Vater verklärt in Wort und Werk, in Leiden und Sterben. Und der Schöpfer ist für die Geschöpfe gestorben. Der Vater hat Ihn erweckt. Und nun zieht Er Ihn an mit aller Macht im Himmel und auf Erden. Nun gibt Er Ihm einen Namen, der über alle Namen ist. Der ganze Himmel ist neu verklärt. Die Liebe Gottes hat ihren Triumph gefeiert. Der geistleiblich verklärte Sohn mit den lichtverherrlichten Wundmalen ist die Krone der Ehren in der himmlischen Herrlichkeit.

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Autor: Böhmerle, Theodor | Kategorie(n): Heilsgeschichte  |  371 x gelesen

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Von der Herrlichkeit und Größe der Erkenntnis des lebendigen Gottes

Text: Römer 11, 33-36

Es gibt nichts Herrlicheres und Größeres im Himmel und auf Erden als Erkenntnis des lebendigen Gottes! Wie stolz ist die Menschheit auf ihre Kenntnisse und Erkenntnisse! Wie findet sie es so herrlich und so groß, wieder irgendeine Entdeckung gemacht zu haben. Und doch für gewöhnlich beziehen sich alle ihre Entdeckungen und Erkenntnisse auf die Geschöpfe. Ist aber Geschöpf-Erkenntnis schon so groß und wird einer in Denkmalen und ehernen Säulen gewissermaßen festgehalten, wenn ihm reichere Erkenntnisse in der Kreaturenwelt und aus ihr beschieden waren, wie groß muß dann die Erkenntnis des Schöpfers und HErrn aller Kreaturen selbst sein! Ja, es geht nichts über die Erkenntnis des lebendigen Gottes! Und es ist das allergrößte Vorrecht des Menschen, das Gottes Liebe ihm eröffnet hat, in die Erkenntnis des lebendigen Gottes selbst eindringen zu dürfen. Kein Wunder, daß die Kirche in ihrer Freude und in ihrer Dankbarkeit, Trägerin der Offenbarungserkenntnis des lebendigen Gottes sein zu dürfen, ein besonderes Fest errichtet hat, an welchem sie das, was sie von ihrem Gott erkannt hat, in ein Bekenntnis zu Ihm zusammenfaßt.

Das Trinitatisfest ist das Bekenntnisfest der Erkenntnis des lebendigen Gottes! Die Kirche will ihren HErrn dadurch ehren, daß sie Ihm sagt, als was für einen herrlichen HErrn und Gott sie Ihn erkannt hat. Du bist der dreieinige Gott, ruft sie Ihm zu; so hast Du Dich kundgetan, so haben wir Dich erfaßt, so leben wir von Dir und in Dir. Mit Dankbarkeit preisen wir den HErrn als den Dreieinigen. Die sündige Menschheit ist überall an der herrlichen Wahrheitserkenntnis Gottes vorbeigeschossen. Entweder reißt sie die Gottheit in viele verschiedene Einzelgötter auseinander oder sie macht sie zu einer leblosen Einheit, dabei sich noch groß und fortgeschritten denkend. Das Leben liegt im dreieinigen Gott. Er allein hat Leben in sich, einen Sohn und den Heiligen Geist. Er allein setzt Leben aus sich heraus im offenbarenden Sohn und Geist. In Ihm allein kann die Kreatur leben, weil Er ebenso göttlich-majestätisch, ewig-unveränderlich ist als beweglich und eingehend in den Geschichtsverlauf der Kreatur, ja in den Lebenslauf des einzelnen Menschen. Ja, das ist das ewige Leben, daß sie Dich, der Du allein wahrer Gott bist, und den Du gesandt hast, Jesus Christus, erkennen, und beides geschieht durch den Geist der Offenbarung. In Ihm, dem Geist der Selbstoffenbarung Gottes, der verkörpert ist im Wort Gottes, hat der ewige Gott Seiner gläubigen Gemeine die Türe geöffnet in Sein Allerheiligstes, nachdem Er diese Gemeine gereinigt hatte im Blut des Gottessohnes, und nun darf sie eindringen in die Geheimnisse des lebendigen Gottes und sie als Predigerin und Zeugin der armen Welt zu ihrer Heilung und Erlösung kundtun. Als Jubel und Dank für diese unaussprechliche Gnade feiert sie das Trinitatisfest und bekennt sich zu ihm, wie sie Ihn erkannt, als zum Dreieinigen. Die Größe und Herrlichkeit der Gnade, Gott erkennen zu dürfen und in Seiner Erkenntnis wachstümlich leben zu dürfen, will die Gemeine dadurch zum Ausdruck bringen.

Dasselbe, was die Gemeine am Dreieinigkeitsfest tut, das tut Paulus in unserem Text. Er betet an, lobt und preist Gott über der herrlichen Größe und über der großen Herrlichkeit Seiner Erkenntnis.

So ist sein Lobpreis ein echter Trinitatistext. Der Apostel Paulus will mit seinem anbetenden Worte: “O welch eine Tiefe des Reichtums, beides, der Weisheit und der Erkenntnis Gottes”, mit seinen erstaunten Ausrufen: “wie unerforschlich!, wie unbegreiflich!” durchaus nicht sagen, daß man Gott nicht erforschen und begreifen könne, als wenn Er bloß ein tiefer Abgrund wäre, in welchen der Mensch als in eine bodenlose, gähnende Tiefe hinabblicke. Damit würde er sich ja selbst widersprechen, denn er schreibt an anderer Stelle: “Der Geist erforscht alle Dinge, auch die Tiefen der Gottheit.” Nicht ein Wort zum trägen Liegenlassen der Erforschung Gottes und Seines heiligen Wesens, nicht ein Wort zum oberflächlichen Sich-genügen-Lassen in allgemeinen Wahrheiten über Gott will dies herrliche Anbetungswort sein! Im Gegenteil, ein Wort des Lobens und Dankens über den herrlichen Reichtum der Erkenntnis Gottes, der uns armen Sündern geoffenbart ist, und ein Wort der betenden Ermunterung, weiter hineinzudringen in diese beglückende Reichtumstiefe.

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Autor: Böhmerle, Theodor | Kategorie(n): Erkenntnis & Wesen Gottes  |  323 x gelesen

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Die Allversöhnung und ihr Anfang

Text: Kolosser 1, 15-23

Das ist ein gewaltiger Text, vor welchem wir heute stehen, ein Text von einer Tiefe und einem Umfang, daß ein geschaffener Geist seinen Inhalt niemals fassen noch erfassen könnte, wenn es dem ewigen Erbarmer nicht wohlgefallen hätte, durch Offenbarung diese unsagbar großen göttlichen Geheimnisse in menschliche Worte zu fassen. Es ist ein Text, vor dessen Tragweite und Umfang wir zuerst fast erschrecken, um so mehr als wir in den hergebrachten Bahnen unseres christlichen Denkens nicht gewohnt sind, diese ganze biblische Wahrheit zu erfassen. Er redet von nicht mehr und von nicht weniger als von der Allversöhnung und ihrem Anfang. Viele, festgefahren in menschlichen Anschauungsgeleisen, werden sich vielleicht sogar sträuben, das vorliegende Offenbarungswort in seiner ganzen Spannweite anzunehmen. Aber wer darf, wenn er anders ein Bibelchrist sein will, sich biblischer Offenbarung entgegenstemmen? Alle unsere frommen Meinungen und christlichen Überzeugungen, selbst wenn sie durch geheiligte Überlieferung uns geworden sind, müssen unweigerlich fallen und darangegeben werden, wenn ein klares, helles, richtig gefaßtes Bibelwort ihnen entgegensieht. Wer um frommer und liebgewonnener Eigenmeinungen willen Gottes Wort nicht folgt, der bringt sich um den Segen des inneren Wachstums. Unter diesem Gesichtspunkt gilt es, den Offenbarungen unseres vorliegenden Textes zu folgen und sie im Geist Gottes innerlich zu bewegen. Also von der Allversöhnung und ihrem Anfang!

Der Heilige Geist malt uns in herrlichen Zügen den Sohn Gottes vor Augen in unseren Versen. Er zeichnet Ihn uns als den, der in allen Stufen des Offenbarungsganzen die grundlegende Stellung zum All der Kreaturen hat. Eine alle Kreaturen überragende Stellung ist Ihm wesenhaft von allen Ewigkeiten her eigen. Er ist das Ebenbild des unsichtbaren, des nie gesehenen Gottes. Gott selbst sieht keine Kreatur. Er wohnt in einem Licht, da niemand zukommen kann. Nur in Seinem eingeborenen Sohn wird Er sichtbar und sehbar. Wer Ihn sieht, der sieht den Vater. Er ist das Ebenbild des unsichtbaren Gottes (V. 15). Wie niemand die Sonne selbst sehen kann, sondern nur ihre Ausstrahlungen, so kann niemand Gott selbst sehen, sondern nur Sein Ebenbild, Seine Ausstrahlung, den Sohn. Und wie wir von den Ausstrahlungen der Sonne auf ihr Wesen selbst Schlüsse machen können, so wird uns auch im Sohn und auf keinem andern Weg das Wesen des dreieinigen Gottes offenbar. Auch die Sterne sehen wir ja nicht an ihnen selber, sondern nur ihr in ihren Ausstrahlungen enthaltenes, oft schon Jahrtausende altes Bild. Das sind lauter in die gegenwärtigen Welten hineingelegte Gleichnisse.

So hat also der Sohn Gottes Seinem ewigen Wesen nach eine einzigartige Stellung zu aller Kreatur, zu allem, was genannt mag werden im Himmel und auf Erden und unter der Erde. Er ist der einzige Offenbarungsquell und Mittler des lebendigen Gottes. Er ist das, weil Er zu Gott eine ganz andere Stellung einnimmt als alle anderen Geschöpfe. Er ist der Erstgeborene vor allen Kreaturen. Er ist allein nicht geschaffen, sondern geboren, und diese Seine Geburt aus dem ewigen Gottvater fällt vor jede Schöpfung. Es ist nicht etwa irgendein Geschöpf vor dem Sohn Gottes gewesen, sie sind alle, alle nach Ihm. So hat Er einen alles überragenden Vorzug. Er hat ein ewiges, unendliches Geburts-, also Kindes-Verhältnis. Alles andere steht im Geschöpfes-Verhältnis. Und Er war, als noch nichts von allem war. Darum ist Er der Erstgeborene vor allen Kreaturen (V. 15).

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Autor: Böhmerle, Theodor | Kategorie(n): Allversöhnung  |  340 x gelesen

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