Die alles überragende Hoheit der Kinder Gottes
Text: 1. Korinther 3, 18-23
In allen Himmeln und auf Erden gibt es nichts Höheres, nichts Wunderbareres, nichts Überragenderes als ein aus dem Geist geborenes Kind Gottes. In machtvollen Strichen zeichnet das der Apostel Paulus heute vor unsere Augen hin. Vielen Gläubigen ist diese einzigartige Größe des Gottlebens in Menschenherzen nicht klar. Weithin meint man, das Glaubensleben mit irdisch-menschlichen Weisheitsherrlichkeiten schützen, stützen und ausstaffieren zu müssen. Das ist eine arge Täuschung. Das Glaubensleben braucht nichts zu seiner Ausschmückung; es schmückt selbst alles aus. Es ist die Zierde und Krone aller Dinge — es ist Gottherrlichkeit, jede Menschenherrlichkeit weit überstrahlend. Wir dürfen uns da nicht selber täuschen. Weil die Weltweisheit und Erdenklugheit so hoch einhergeht, gespreizt und in die Augen fallend auftritt — weil dagegen die Gotteskindschaft so niedrig einhergeht, sterbend nach dem natürlichen ich, niedrig und sich erniedrigend, so könnte man sich wohl täuschen.
Ein Gotteskind hält sich im Geist für den größten Sünder der Erde, ein jegliches in seiner Art. Darum hält auch ein Kind Gottes die andern höher als sich selbst. Der Heilige Geist führt einwärts. Der Heilige Geist öffnet uns die Augen über uns selbst. Von Stufe zu Stufe sieht ein Gläubiger in die furchtbare Macht der Sünde — dieses Ich-Wesens — und in sein Verderben hinein. Der Gläubige weiß, daß in ihm die Anlagen und Möglichkeiten zu allem Bösen liegen. Der Gläubige sieht auch in die Gewalt und Macht der Todesauswirkung der Sünde hinein. Darum ist er auch gestorben dem Ich-Wesen und stirbt ihm täglich in Christus.
Mit solcher Sünden- und Todes-Selbsterkenntnis steht das Gotteskind in sich selbst gar elend und unscheinbar da. Alle äußere Herrlichkeit ist ihm wie seinem Herrn und Heiland vergangen. Da heißt es: “Wir sahen Ihn, aber da war keine Gestalt, die uns gefallen hätte.” Die Ich-Welt mag ein solches Glaubens-Geschöpf nicht. Dadurch wird es noch niedriger. Der Selbstgerechte, der Gesetzesmensch, ist der angesehene Mann; der Selbstzerbrochene ist der verachtete Mann. Ein Gotteskind kann gar nicht niedrig genug von sich halten.
Aus diesem Stand kann nun leicht eine Selbsttäuschung hervorgehen, nämlich die, als seien wir überhaupt nichts. Wir sind aber nur nichts in uns selbst. Das haben wir erkannt und erkennen es immer tiefer: eine Kreatur, in sich selbst stehend, ist das vollendete Nichts, ja das Todesverderben. Aber wir stehen auch noch in Christus. Und in diesem unserem Glaubensleben in Ihm, da fahren wir nun in die Höhe — und werden in Christus das Herrlichste, was gedacht mag werden in den Himmeln und auf Erden. Der Gläubige trägt in seinem irdischen Gefäß einen Gottschatz, der über alles geht. Davon müssen wir auch ein lebendiges, klares Bewußtsein haben.
Autor: Böhmerle, Theodor | Kategorie(n): Gemeinde | 375 x gelesen


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