Wenn die Schrift bezeugt, daß Gott die Welt liebt, so ist damit gar
nichts darüber ausgesagt, wie die Welt ist, sondern nur, wie Gott ist.
Das gilt es einmal ganz klar mit allen Konsequenzen zu fassen.


Adolf Heller (1895 - 1973)
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Die Urschöpfung

“Am Anfang schuf Gott die Himmel und auch die Erde” (1. Mose 1, 1).

Der Mensch hat es nie mit der Urschöpfung zu tun gehabt — er ist von seinem Anfang an in die gefallene Schöpfung eingetreten. Als der Mensch geschaffen wurde, war schon Satan, waren also schon gefallene Engel da. Als er geschaffen wurde, war schon der Tod da. Der Tod ist ja nach der Schrift nicht durch den Menschen eingeführt, sondern durch Satan. Satan hat des Todes Gewalt.

Der Mensch wurde uranfänglich in die gemischte Welt gestellt, wo Licht und Finsternis kämpfen. Er hat es von Anfang an nicht mit der Schöpfung, sondern mit der Erlösung der gefallenen Schöpfung zu tun. Darum ist auch sein Gottesbuch, das ihm als Offenbarungsbuch übergeben ist, ein Erlösungsbuch. Es ist von Anfang bis zum Schluß ein einheitliches Buch. Der Erlösungskampf ist sein Thema. Der Anfang dieses Erlösungskampfes steht 1. Mose 1, das Ende, der siegreich durchgeführte Kampf, Offb. 22.

Die Schöpfung, die eigentliche, sündlose Urschöpfung ist nur mit einem einzigen kurzen Vers in der Bibel erwähnt, in 1. Mose 1, 1. Ganz nach der von uns schon oft genannten Regel der Perspektive ist der Schöpfungsäon in gedrängtester Kürze geschrieben, ebenso der Äon des Falles der Urschöpfung und der Verderb der Erde. Erst die Neuschöpfung, der erste Erlösungsäon, ist dann eingehender berichtet; das geht uns schon näher an.

Die beiden ersten Verse der Bibel müssen von der Urschöpfung und ihrem Fall berichten, sonst wäre uns das überhaupt nirgends in der Bibel erzählt. Mit Recht werden wir fragen, wann, wo und wie sind denn die unzähligen Engelwelten geschaffen worden? Wann ist Satan gefallen? Und mit Recht könnten wir fragen, woher kommt denn eine Erde, die wüst und leer ist? Die hat Gott doch gewiß nicht so geschaffen. Woher kommt denn Finsternis? Gott wohnt doch in einem unzulänglichen Licht. Und bei Gott ist doch durchaus gar keine Finsternis (1. Joh. 1, 5). Mit Recht könnten wir fragen, woher kommt die grausige Gerichtstiefe, von der 1. Mose 1, 2 die Rede ist? Das bedeutet nämlich das Wort Tiefe: eine erstaunliche Gerichtstiefe.

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Autor: Böhmerle, Theodor | Kategorie(n): Heilsgeschichte, Unsichtbare Welt  |  1,661 x gelesen

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Die wunderbare Zentralstellung der Kinder Gottes zur gesamten Kreatur

Text: Römer 8, 18-26

Es ist nach dem ersten Kapitel des Epheserbriefes Gottes Wohlgefallen von Ewigkeiten her, daß in Seinem eingeborenen Sohn alles zusammengefaßt würde, oder besser gesagt: das All zusammengefaßt würde als unter einem Haupt, es sei das in den Himmeln oder das auf Erden. Diesem alles zusammenfassenden Haupt, welchem Gott nach demselben Epheserbrief das All unter die Füße getan hat, hat der Vater die Gemeine zum Leib gegeben (Epheser 1, 22), und dieser Leib ist nun die Fülle dessen, der alles in allen erfüllt.

Gleichwie die Fülle der Gottheit leibhaftig im Sohn wohnt, so wohnt die Fülle des Sohnes leibhaftig in der Gemeine; und gleichwie der Vater alles wirkt durch den Sohn, so wirkt der Sohn alles durch die geistgeborene und geistvollendete Gemeine — das ist durch Seinen Leib. Somit hat die Gemeine Christi dieselbe Stellung zur Gesamtkreatur, wie sie das Haupt Jesus Christus auch hat.

Das ist auch ausgedrückt in den Worten des Johannes, daß wir Ihm gleich sein werden, wie Er ist, oder in den Worten des Apostels Paulus, daß wir mit Ihm herrschen werden in Seinem Reich. Die Gemeine teilt die Zentralstellung, das heißt die Mittelpunktstellung des Sohnes Gottes zu aller Kreatur, mit diesem ihrem Haupt.

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Autor: Böhmerle, Theodor | Kategorie(n): Gemeinde, Heilsgeschichte  |  978 x gelesen

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Was wir werden können in Christus Jesus

Text: Epheser 2, 19-22

Die ganze Größe des Evangeliums, das uns verkündigt wird in Christus Jesus, tritt uns in diesen Versen überwältigend entgegen. Der Apostel Paulus redet hier von den Nationen. Er hat in den vorausgehenden Versen von Juden und Heiden gesprochen, wie sie in Christus Jesus, soweit sie zum Glauben kommen, in einem Leib, zu einer Gemeine zusammengefaßt werden. In den uns vorliegenden Versen redet er nun die Heiden, das heißt die Nationen, sonderlich an und zeigt, wie sie durch den Glauben aus einer tiefen Tiefe zu einer hohen Höhe geführt werden. Ja, den Gläubigen aus den Nationen ist in Christus eine ganz besondere Gnade bereitgestellt, weil sie ohne jedes Gesetz oder sonst etwas die frei angebotene Gnade in ihrer ganzen Fülle ergreifen dürfen.

Natürlich hat auch der Jude viel in der Gnade des Herrn. Er ist doch schon, ehe der Herr kam, im Besitz des Wortes Gottes, im Besitz der Verheißungen Gottes, im Besitz des Gesetzes und der Propheten, im Besitz des Bundes Gottes und der Erwählung gewesen. Er war Gott sehr nahe, weil Gott der Herr sich nahe zu ihm getan hatte. Dagegen waren die Nationen mit ihren verkehrten Eigenreligionen und Eigenphilosophien doch sehr ferne. Freilich mußte auch der Jude versöhnt und erlöst und neugeschaffen werden; denn als Übertreter des Gesetzes stand er unter der Verdammnis. Aber trotzdem war er doch näher und durch die Offenbarung auf dem Wahrheitsboden, wenn er es sein und annehmen wollte.

Durch das Kommen des Heilandes war aber nun ein neues Ewigkeitszeitalter heraufgekommen — das Zeitalter der gläubigen Gemeine. Und in sie konnten, durften und sollten auch Glieder aus den Nationen eintreten und mit den gläubig gewordenen Juden zusammen die in den Tempel gebrachte Erstlingsschar für die kommende große Ernte darstellen. Das war natürlich nun ein gewaltiger Sprung, den die Heiden tun durften und heute noch tun dürfen, aus der Fremdlingschaft und Gäste- und Beisassen-Stellung heraus bis hinan zur Behausung Gottes im Geist, wie unser Text sagt. Zwischen diesen beiden Stellungen, zwischen der Fremdlings- und Beisassen-Stellung einerseits und der Behausungs-Stellung Gottes im Geist andererseits, liegt der ganze Reichtum dessen, was gläubige Glieder der Nationen im Heiland anziehen und sich aneignen dürfen. Was können wir Armen doch werden in Christus, wenn wir Ihn annehmen und in uns wirken lassen!

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Autor: Böhmerle, Theodor | Kategorie(n): Gemeinde, Heilsgeschichte  |  824 x gelesen

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Wahrhaftig gestorben und wahrhaftig auferstanden

Text: Markus 16, 1-8

Beides bezeugt uns unser Text: daß der Herr Jesus Christus wahrhaftig gestorben und daß Er wahrhaftig auferstanden sei. Beides ist für uns von gleicher Wichtigkeit. Beides ist auch ein gleich großes Wunder. Es wird sehr oft nur das Auferstandensein als ein Wunder betrachtet. Aber wahrlich, für den menschgewordenen Sohn Gottes war das Sterben noch ein größeres Wunder als das Auferstehen, und das Sterben war auch ein größeres Werk als das Auferstehen.

Für den Sohn Gottes war das Sterben nicht das Natürliche, sondern ein durch und durch Widernatürliches. Der Sohn Gottes hat das Leben in sich selber. “In Ihm war das Leben.” Göttliches, ewiges Leben ist Seine Natur. In Ihm ist durchaus gar keine Finsternis, darum auch kein Sterben und kein Tod. Von Ihm ist von allen Äonen her nur Leben und Licht ausgegangen. Darum konnte Er auch alle Dinge tragen mit Seinem kräftigen Wort.

Nun hatte Er ja wohl in Seiner Menschwerdung den Sündenleib angezogen, und dieser Sündenleib war dem Tod unterworfen. Der Heiland ist mit Seiner Menschwerdung in das Sünden- und Todeswesen eingetreten. Aber indem der Sohn Gottes in das sündliche Fleisch eintrat, wurde in diesem auch das Sündenprinzip aufgehoben. Das Lebensprinzip wartete in Ihm im Sündenfleisch. Und dieses Lebensprinzip durchwaltete während des Erdenlebens des Herrn den Sündenleib von Tag zu Tag mehr. Je mehr der Herr, von allen Seiten versucht, jegliche Versuchung abwies, um so mehr wurde der angenommene Sündenleib wahrhaft verklärungsreif und verklärt.

Bei Jesus konnte das Licht und die Klarheit jeden Augenblick durchbrechen. Wir sehen das auf dem Verklärungsberg; wir sehen das, wenn Er je und je mitten durch Seine Verfolger hinwegging. An Jesus hatte der Feind, der des Todes Gewalt hat, kein Recht und kein Teil. Wenn Jesus starb, war es ganze, volle und freie Hingabe. Wie wesensfremd Ihm, dem Heiland, der Tod war, sehen wir eben in Gethsemane, wo Er mit dem Tode rang. Daß Er aber dennoch frei sich in diesen hineingab, sehen wir wieder in Gethsemane, wo Er Seinem Lebenswillen starb und nach bitterem Kampf sich dem Tod und seiner Macht übergab.

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Autor: Böhmerle, Theodor | Kategorie(n): Tod & Auferstehung  |  961 x gelesen

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Die überlegene Torheit des Wortes vom Kreuz

Text: 1. Korinther 1, 18-25

Der ganze Ratschluß Gottes ist zusammengefaßt im Kreuz auf Golgatha. Das Sterben des eingeborenen Sohnes und Sein Auferstehen ist der innerste Gedanke aller Wege Gottes und enthält in Einem vereinigt alle Kräfte Gottes. Darum ist auch die Verkündigung des Evangeliums ihrem innersten Kern und Wesen nach Predigt vom Kreuz, Wort vom Kreuz. Dieses Wort vom Kreuz ist aber etwas ungeheuer Einfaches und Einfältiges. Der Beschränkteste kann das ganz gut und leicht fassen; der Klügste und Gescheiteste zappelt sich daran ab und versteht es nicht. Das ist eben das Zeichen der Wahrheit. Die Wahrheit muß jedem zugänglich sein. Eine Weisheit, die nur gehobenen Geistern dient und verständlich ist, ist nicht die Wahrheit. Der Wahrheit Siegel ist ihre Kindlichkeit. Ein Tor und Blöder muß sie ganz fassen und sich aneignen können.

Und doch muß sie wieder so tief, so hoch, so weit und breit sein, daß der gewaltigste und rissigste Geist nicht mit ihr fertig wird. Die Wahrheit ist das Kleinste und Größte zugleich. Sie ist das Einfachste und das Schwierigste in einem. Sie ist das Niedrigste und das Höchste zusammen. Sie hat alles in einem und führt in dem einen in alles: und das ist das Kreuz und das Wort vom Kreuz. Es ist die vollendetste Torheit und die überlegenste Weisheit zugleich. Es ist ein Anstoß zur Hölle, und doch der Grundstein zum Himmel. Es ist das Verächtlichste von allem Wort, das ergeht, und doch erhaben über aller Menschen Weisheit und Kraft. Darum haben wir das Wort vom Kreuz eine überlegene Torheit genannt — so führt es uns auch Paulus heute vor Augen, und so wollen wir es neu kennen- und liebenlernen.

Ja, das Wort vom Kreuz ist etwas sehr Einfältiges und Törichtes. Was sagen wir denn von diesem Kreuz von Golgatha und in diesem Kreuz von Golgatha? Wir sagen, die ganze Welt, alles, alles, was vom Fleisch geboren ist, hoch und nieder, weise und töricht, gewaltig und schwach, wie es auch genannt werden mag — sei verloren. Wir sagen, alles liege unter dem Gesetz der Sünde und des Todes. Und wir bezeugen, das komme von der Sünde, der Loslösung von Gott und vom Sohn Gottes. Alle Welt ist gottlos, lebt ohne und wider Gott von sich aus, und darum fehlt ihr Friede, Liebe, Leben. Und aus diesem Jammer, so zeugen wir, kann sich die Welt selber nicht helfen noch retten. Ihre hohe Vernunft und Kraft reicht hier nicht zu. Statt sich herauszuziehen, macht sie das Elend größer von Jahrhundert zu Jahrhundert.

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Autor: Böhmerle, Theodor | Kategorie(n): Erkenntnis & Wesen Gottes, Lehre  |  842 x gelesen

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Der Tod ist verschlungen in den Sieg

Text: 1. Korinther 15, 12-28

Der Tod ist aufgehoben; der Tod hat keine Herrschaft mehr! Das ist die gewaltige Osterbotschaft unseres Textes. Höret, ihr Himmel, horche auf, totverfallene Erde. Der Tod ist aufgefressen vom Leben; die furchtbare Todesniederlage der Menschheit ist hinausgeführt zu einem Lebenssieg! Und Jesus Christus, der Auferstandene, ist der Sieger. Warum strömst du nicht in hellen Haufen dem Todesüberwinder zu, o Menschheit? Willst du denn sterben und im Tod bleiben? Nein, du willst leben, heiß schlägt dein ganzes Herz darnach. So komm und nimm! Oder zweifelst du? Ist dir die Botschaft zu unglaublich, zu groß, sie zu fassen? Du darfst sie fassen! Oder bist du schon so Gewohnheitssklave des Todes geworden, daß du sein Elend nicht mehr spürst? Ich denke doch nicht! Oder traust du es Jesus nicht zu, daß Er wahrhaftig dem Tod ein Ende gemacht hat? Du sagst, schon die ersten Christen in Korinth haben ja gezweifelt, wie unser Text zeigt, wieviel mehr müssen wir nach zweitausend Jahren stutzig werden, wo wir doch sehen, wie trotz Jesus Christus der Tod noch herrscht. Wohlan, hast du den Zweifel unseres Textes aufgefaßt, so fasse auch die herrliche Auflösung des Zweifels durch Paulus. Siegesgewaltig und gottmächtig zeigt er uns, wie in der Tat dem Tod die Macht genommen ist in Christo Jesu, unserm HErrn.

Zuerst aber lerne die Zweifel der Korinther richtig verstehen. Das sind keine modernen Unglaubenszweifel, aus religiöser Hohlheit und Eigenüberhebung geboren, das sind tief innerliche Glaubenszweifel, das sind Anfechtungen, welche aus tiefstem Glaubensgrund stammen. Es ist ein großer Unterschied zwischen Zweifel und Zweifel. Die einen sind aus der selbstherrlichen Vernunft oder gar aus dem Sünde und Welt liebenden Willen geboren; die anderen sind tiefe Beugungen gläubiger Seelen, die etwas nicht fassen, vor allen Dingen für sich nicht fassen können. Die ersteren können nur durch Bekehrung des Gesamtmenschen, der sie hat, gelöst werden, die letzteren durch Zeugnis der Wahrheit von seiten der Gläubigen.

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Autor: Böhmerle, Theodor | Kategorie(n): Heilsgeschichte  |  889 x gelesen

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Die Sünde wider den Heiligen Geist

Immer wieder stößt man darauf, dass die Gläubigen sich bekümmern über die Sünde wider den Heiligen Geist. Wir hatten früher des öfteren Frageabende. Es konnte nicht einer sein, an welchem nicht nach der Sünde wider den Heiligen Geist gefragt wurde. Aber nicht nur fragend und Klarheit begehrend stehen viele der Sünde wider den Heiligen Geist gegenüber, sondern auch tief zagend und verzagend — in Nacht gehüllt. Es wird wohl kein Seelsorger sein, der nicht des öfteren auch mit dieser Frage zu tun gehabt hätte. Dabei tritt einem bei Fragenden und Zagenden eine furchtbare Unwissenheit und Unklarheit über das in der Bibel in betreff dieser Sünde Gesagte entgegen. Es wird aber jeder Gläubige bekennen müssen, dass er in dieser Sache durch falsche oder schiefe Auffassungen hat hindurchgehen müssen — oder dass er sie hat eben liegen lassen, weil er nicht Klarheit hatte. Es ist auch dem Schreiber dieses Aufsatzes nicht anders gegangen. Er wäre auch jetzt dieser Auslegung nicht nahegetreten, wenn nicht viele Anfragen gedrängt hätten. Der Mangelhaftigkeit unserer Erkenntnis wohl bewusst — und doch auch wieder in manchem Stücke klarer geworden, treten wir an die schwere Aufgabe heran. Es gilt hier, in Bescheidenheit und Demut, das bis heute gegebene Licht kundzugeben.

Schriftworte über die Lästerung des Heiligen Geistes

Wenn wir unser Augenmerk zuerst auf die drei Stellen in den drei ersten Evangelien richten, welche von dieser Sünde reden und in den Evangelien ganz allein von ihr reden, so tritt uns eine auffallende Sache entgegen. Es ist in allen drei Stellen nicht von der Sünde wider den Heiligen Geist die Rede, sondern von der Lästerung des Heiligen Geistes. Matthäus sagt Kap. 12, 31: “Die Lästerung des Geistes wird nicht vergeben.” Wohl sagt er (Vers 32): “Wenn jemand redet wider den Heiligen Geist”, aber dieses “Reden wider” ist offenbar gleichbedeutend mit Lästern. Markus sagt (Kap. 3, 29): “Wer wider den Heiligen Geist lästert …”. Bei Lukas aber lesen wir (Kap. 12, 10): “Dem aber, welcher wider den Heiligen Geist lästert, wird nicht vergeben werden.”

Worin besteht das Lästern des Geistes?

Was nun lästern wider den Heiligen Geist sei, sagt uns besonders deutlich Markus. Er schreibt: “Denn sie sagten: Er hat einen unreinen Geist.” Bei Matthäus aber knüpft die Rede des Herrn über die Sünde wider den Heiligen Geist an die Geschichte an, wo die Pharisäer den Herrn beschuldigen, Er treibe die Teufel aus durch der Teufel Obersten. Darauf nimmt ganz offenbar der Evangelist Markus Bezug, denn damit sagen die Juden, der im Herrn und aus dem Herrn wirkende Geist sei ein Geist von unten. Darinnen besteht also die Sünde wider den Heiligen Geist, dass man den Heiligen Geist einen unreinen, höllischen, teuflischen Geist heißt. Vergegenwärtigen wir uns die Lage! Der Herr hat Sich in Wort und Werk vor Seinem Volke und auch vor den Pharisäern und Schriftgelehrten geoffenbart. Jedermann hatte den Eindruck in Herz und Gewissen, dass ein hoher, heiliger, göttlicher Geist sich im Herrn offenbarte. Der Heiland hat Sich an Herz und Gewissen Seiner Juden wohl bezeugt. Die allerniedrigsten Geister, mussten sich Seiner Hoheit beugen. Ja, selbst die Teufel mussten Seine Gottessohnschaft stehen lassen. Es ist kein Zweifel, dass die Obersten und Pharisäer wohl wussten durch den in ihnen zeugenden Geist, wer in Jesus vor ihnen stand. Nikodemus verrät es ja, wenn er im Namen aller Obersten sagt (Joh. 3, 2): “Meister, wir wissen, dass Du von Gott gekommen bist; denn niemand kann die Zeichen tun, die Du tust, es sei denn Gott mit ihm.” Aber sie wollten sich diesem Heiligen Gottesgeist nicht beugen, weil sie hohe Herren in sich selbst bleiben wollten, und darum schmähten und lästerten sie den in ihnen zeugenden Heiligen Geist und nannten Ihn offensichtlich einen unreinen, unteren, teuflischen Geist. Sie redeten und lästerten wider Ihn.

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Autor: Böhmerle, Theodor | Kategorie(n): Lehre  |  1,457 x gelesen

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Eine herrliche Selbstoffenbarung Jesu

Text: Johannes 4, 4-30

Davor stehen wir in unserem vorliegenden Text: vor einer der herrlichsten Selbstoffenbarungen Jesu. Wer zu Luthers ewig wahrer Auslegung des zweiten Artikels des Glaubensbekenntnisses, nämlich zu den Worten “wahrhaftiger Gott, vom Vater in Ewigkeit geboren, und auch wahrhaftiger Mensch, von der Jungfrau Maria geboren”, eine völlig erklärende biblische Geschichte suchte, der müßte die Geschichte vom Jakobsbrunnen nehmen. Da steht der Heiland vor uns in wunderbarer Selbstoffenbarung vom müden, matten, durstigen Menschenkind bis hin zum ewigen Gottessohn und heilschaffenden Messias. Und Er läßt ein armes, rettungsbedürftiges Menschenkind einen Einblick tun in diese Seine Wunderpersönlichkeit, macht es dadurch selig und glücklich und zieht es heraus aus tiefer Umnachtung. Eine solche Offenbarungs- und Rettungsgeschichte kann heute noch kraft des Heiligen Geistes offenbaren und retten — folgen wir ihr nur mit heilsbegierigem Herzen!

An eine Offenbarungsstätte sonderlicher Art von alters her führt uns unsere Schriftstelle: an den Jakobsbrunnen bei Sichem in Samaria. Da finden wir Jesus, müde und durstig von der Reise. Selten nur sind die Einblicke, die wir im Wort Gottes in die ganze, volle Menschenniedrigkeit des Herrn tun dürfen; um so begieriger erfaßt sie die gläubige Seele. Wie rückt Er neben uns; wie ist Er so völlig, so ganz unser: müde, matt, elendig, durstig. Und damit das Bild ganz ausgezeichnet wäre, beschreibt Ihn uns die Samariterin als einen echten Juden: “Wie bittest Du von mir zu trinken, der Du ein Jude bist, und ich eine samaritische Frau?” Also nach dem Fleisch national und völkisch beschränkt gleichwie wir, und noch dazu dem Volk zugehörig, das für viele ein Volk des Widerwillens ist — den Juden.

Ein müder, matter, durstiger Jude — das ist der erste Zug unserer Geschichte. Der Heiland war wahrhaftiger Mensch, in allen Niedrigkeiten und Elendigkeiten unseres Leibes der Nichtigkeit uns gleich — und verheißungsgemäß und gottesratsgemäß noch Glied des verachtetsten unter den Völkern. Er war gleich wie ein anderer Mensch und an Gebärden als ein Mensch erfunden. Nichts, gar nichts sah die Samariterin mit dem Auge der Natur als einen müden Juden. “Versucht allenthalben gleichwie wir!” Wir beten an. Was wären wir, wenn der ewige Herr nicht Mensch geworden wäre! Wir klammern uns an Seine wahrhaftige Menschheit noch mehr als an Seine Gottheit — wiewohl natürlich Seine Menschheitsniedrigkeit ihren Wert nur durch Seine wahrhaftige Gottessohnschaft hat. Aber eben um ihretwillen ist der Mensch Jesus uns Grund alles Heils, aller Rettung, aller Freude und alles Friedens; Grund alles kindlichen Zutrauens, alles starken Trostes und aller herzlichen Liebe und festgegründeten Hoffnung. Oh, halt Ihn fest, meine Seele, den müden Juden vom Jakobsbrunnen — müde Menschheit, dürstende Menschheit, fasse Vertrauen zum müden, zum dürstenden Heiland!

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Autor: Böhmerle, Theodor | Kategorie(n): Erkenntnis & Wesen Gottes  |  910 x gelesen

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Paulus als Vater in Christus — Das Vaterbrieflein

Brief an Philemon

Paulus schreibt einmal den Korinthern: “Ihr habt viele Zuchtmeister, aber wenig Väter.” Damit bezeichnet er sich selbst als einen Vater. Daß er einer war, zeigt in äußerst köstlicher Weise unser Philemonbrieflein, nicht nur, weil Paulus in demselben sagt, er habe Onesimus in seinen Banden gezeugt, sondern um des ganzen Inhalts des Briefleins Willen, welches in jedem Vers etwas Väterliches hat.

Paulus tritt uns heute als Vater in Christus entgegen in dem Vaterbrieflein an Philemon. Väter in Christus — das ist das höchste Wiedergeburtsziel, welches aber der Heilige Geist nur bei wenigen erreicht, um welches aber auch nur wenige in klar erkannter Weise flehen.

Die Vaterschaft ist die allerhöchste Gottebenbildlichkeit; denn Gott ist Vater. Zu dieser allerhöchsten Stufe hat der ewige Gott-Vater zuerst den Sohn geführt. Als zeugendes Urprinzip der Gemeine durch den Heiligen Geist ist der Sohn jetzt mit der Vaterschaft begabt. Darum nennt Ihn auch schon Jesaja: Ewig-Vater. Das ist der Name, der über alle Namen ist.

Die aus dem Geist geborenen Gläubigen will nun der Sohn durch den Geist auch zur Vaterschaft führen. Gottes Kind, Gottes Sohn, Mannesalter Christi und in ihm Vaterschaft: das ist der wachstümliche Weg des Geisteswesens. Natürlich können auf diesem Weg Männer wie Frauen geführt werden. Hier, das heißt in dieser Beziehung, ist nicht Mann noch Frau. Die Väter in Christus, und, wenn wir in Berücksichtigung unseres Gegenwartsstandes auch sagen wollten, die Mütter in Christus — obgleich hier in der vollendeten Männlich-Weiblichkeit beides eins ist — sind die eigentlich Zeugenden in der Gemeine; in ihnen ist der Same des Wortes lebendig.

Religiöses Leben entfachen auf verschiedenen Stufen und Graden kann man auch, ohne Kind, Sohn, Mann und Vater zu sein; aber Gotteskinder werden von Vätern geboren, wobei der Weg vom Urvater durch den Sohn-Vater und durch die Söhne-Väter in Christus geht. Gottes Plan geht auf solche Vaterschaften. Deshalb sagt auch Paulus in Epheser 3: “Der Vater unseres Herrn Jesus Christus ist der rechte Vater über alles, was Kinder heißt im Himmel und auf Erden” — oder, wie das eigentlich heißt: “der Vater, von welchem alle Vaterschaft in den Himmeln und auf Erden den Namen hat”.

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Autor: Böhmerle, Theodor | Kategorie(n): Gemeinde, Glaubensleben & Wandel, Paulus, Paulusbriefe  |  869 x gelesen

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Die Herrlichkeit der Leiden Christi

Text: 2. Timotheus 2, 8-13

Die Leiden Christi, welche wir meinen, sind die um des Namens Christi willen auf uns fallenden und von uns übernommenen Leiden. Der Name Christi geht in der Welt immer noch unter dem Kreuz. Eine äußere Herrlichkeit gibt es noch nicht. Wo man sie aufzurichten versucht, geht es nur mit starker Weltmischung und mit Einschlag des Todesgesetzes. Die äußere Herrlichkeit Christi beginnt erst nach Seiner Wiederkunft. Alles Glaubenswesen geht durchs Kreuz. Aber das Kreuz Christi und die Leiden im HErrn haben eine solche innere Herrlichkeit, daß ihre verborgene Schöne und Größe herrlicher ist als aller Welt Lustherrlichkeit. Von dieser wahrhaftigen Herrlichkeit der Leiden Christi möchte Paulus seinem schüchternen Timotheus, der es manchmal auch mit der Furcht zu tun kriegte, einen Begriff geben, und damit auch uns.

Die Leiden Christi sind herrlich, weil sie um des großen, wunderbaren HErrn willen gelitten werden. Wie haben sich schon im Irdischen oft Tausende mit Leib und Leben in Leiden und Tod begeben um eines großen Führers willen. Wie viele hat ein Alexander, ein Cäsar, ein Napoleon in Leiden und Tod geführt, und sie sind ihnen willig gefolgt. Wie viele haben schon ihr irdisches Leben nicht liebgehabt um großer wissenschaftlicher Errungenschaften willen, und ein großer Erfinderführer hat sie durch Not und Elend hindurch an sich ketten können. Wer Christus gehört, der gehört aber dem Allergrößten an, dem König aller Könige. Er gehört dem, von welchem Gerok singt: “Viel Namen glänzten in der Welt, sie funkelten am Sternenzelt, doch keiner ist geblieben! Erst prangten sie im Heldenbuch, dann sanken sie ins Leichentuch, und keiner ist geblieben. Keiner? Einer glänzet unverdunkelt durch die Zeiten, ja durch tiefe Ewigkeiten: Jesus.” Um Seinetwillen Schmach zu tragen war schon einem Mose größer als alle Ergötzlichkeit der Welt und Sünde am ägyptischen Hof.

Darum sagt auch Paulus zu Timotheus, um ihn aufzumuntern: “Gedenke an Jesus Christus, an den aus den Toten Erweckten; gedenke an den Samen Davids, welchen ich in meiner Evangeliumspredigt verkündige.” Als auferweckter Heiland ist Er der Durchbrecher von Sünde, Tod und Gericht, der wahrhaftige Retter und Seligmacher, das Haupt der herrlichen Leibes-Gemeine. Als auferweckter Christus vom Samen Davids ist Er der wahrhaftige, verheißene König der Juden, der zu Seiner Zeit die Königsherrschaft antreten und von Zion aus die Nationen unter Seine seligen Reichsgesetze bringen wird. Der auferweckte Jesus Christus vom Samen Davids ist der wahrhaftige Retter und Neuschöpfer der Erde und der Nationen in Gemeine und Königreich. Er ist das alleinige Heil der Welt. Ihm anzugehören, heißt dem Leben angehören; Ihm eigen sein, heißt dem Wahrhaftigen und Unvergänglichen dienen. Einen Größeren gibt es nirgends und nimmer als Jesus, der die Schlüssel der Hölle und des Todes hat. In Seiner Gemeinschaft leiden ist die höchste Ehre. Mit Ihm werden wir nie zu­schanden, wenn Sein Weg auch durch Tiefen geht.

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Autor: Böhmerle, Theodor | Kategorie(n): Gemeinde, Glaubensleben & Wandel, Heiligung  |  861 x gelesen

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