Triumph der Gnade
(Apostelgeschichte 9, 9-29)
In den Briefanfängen der Paulus-Briefe können wir immer den Zuspruch lesen: “Gnade und Friede von Gott, unserem Vater, und von Jesus Christus, unserem Herrn.” Das ist keine fromme Rede, keine Formsache (wie förmlich sind wir in unseren Briefen), sondern innerste Regung des Herzens. Seine ganze Freude und Glückseligkeit, seine tiefempfundene Dankbarkeit und sein überströmender Lobpreis kommen in dieser Zusage zum Ausdruck. So darf er es an die Gemeinden weitergeben, daß ihn die Gnade ergriffen hat, und daß er in Jesus Christus zum Frieden mit Gott gekommen ist. Gnade und Frieden hatte ihm keiner aufgeschwatzt, er hatte beides durchlebt und durchlitten. Das war das Ergebnis des Damaskusgeschehens.
Paulus hat jenes Ereignis nicht einfach “automatisch” über sich ergehen lassen. Der Apostel ist — wie in allem — ein Typus dafür, daß bei den Wirkungen des Heiligen Geistes die menschliche Persönlichkeit nicht ausgeschaltet wird. Hier geschieht nichts im Unterbewußtsein, in einem Trancezustand, sondern in völligem Bewußtsein, unter Beteiligung der persönlichen Verantwortlichkeit. Ganz bewußt ordnet er sein neues Werden, sein gesamtes Denkvermögen, dem Gehorsam Jesu Christi unter (2. Kor. 10, 5). Die drei Tage der Einkehr sind für seine Zukunft von entscheidender Bedeutung.
“Siehe, er betet!”
Unter Beten und Fasten verarbeitet er alles, was mit ihm geschehen war, und bespricht in der Einsamkeit seine neue Lage mit Jesus. So wird die stille Gebetszeit sein erstes Erkennungsmerkmal für das total veränderte Sein in Christus. In der Zwiesprache mit dem Herrn fleht er zu IHM. Dabei darf er seine Berufung empfangen, als auserwähltes Werkzeug den Retternamen Jesu Christi in die Welt zu tragen. Er weiß sich von jetzt an als Sklave seines neuen Dienstherren, der nun das Kommando seines Lebens übernommen hat. Er weiß sich als Gesandter des Herrn, “nicht von Menschen und durch Menschen, sondern durch Jesus Christus” (Gal. 1, 1), “durch den Willen Gottes” (2. Kor. 1, 1), “nach der Anordnung Gottes” (1. Tim. 1, 1).
Autor: Bayer, Rupprecht | Kategorie(n): Glaubensleben & Wandel, Paulus | 220 x gelesen



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