Wenn die Schrift bezeugt, daß Gott die Welt liebt, so ist damit gar
nichts darüber ausgesagt, wie die Welt ist, sondern nur, wie Gott ist.
Das gilt es einmal ganz klar mit allen Konsequenzen zu fassen.


Adolf Heller (1895 - 1973)
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Die Auferstehung Jesu als kosmisches Ereignis

DIE WELTWIRKLICHKEIT OHNE OSTERN

Eine letzte Perspektive, die sich aus der dimensionalen Wirklichkeit der Auferstehung Jesu erschließt, dokumentiert in scharfer Zuspitzung den kosmischen Charakter dieses Ereignisses.

Die Tiefensicht

Wenn im Ostergeschehen tatsächlich eine neue Dimension aufbricht, dann muß sich in diesem Ereignis eine Tiefensicht enthüllen, welche das Weltganze in einen völlig neuen Aspekt hineinrückt. Wiederum wird deutlich, daß es sich bei der Auferstehung Jesu nicht um einen partiellen, nur individuell bedeutsamen Vorgang handelt, sondern weit darüber hinausgreifend um ein universales Elementargeschehen. In diesem Sinn darf die Auferstehung Jesu als kosmisches Ereignis bezeichnet werden. Dieser Begriff muß freilich gesichert werden gegen das Mißverständnis, als hätten wir es mit einem Geschehen innerhalb des kosmischen Raumes oder mit einer Deduktion aus diesem zu tun. Diese Aussage will vielmehr als Gegensatz zu einer bloßen personellen Deutung der Auferstehung Jesu als ein die kosmische Wirklichkeit betreffendes Ereignis begriffen werden. Die Auferstehung Jesu als kosmisches Ereignis behauptet demnach die weltumspannende, weltüberwindende und weltverwandelnde Mächtigkeit dessen, was an Ostern als Offenbarungstat Gottes in Erscheinung trat.

Sobald man es wagt, von diesem Universalgeschehen aus theologisch konsequent zu denken, wird die Erkenntnis unausweichlich, daß mit dem Osterereignis ein neues, spezifisches Weltverständnis gesetzt ist. Es ist daher überaus charakteristisch, daß vom ersten Augenblick an das apostolische Auferstehungszeugnis den Rahmen des geschichtlich-regional Begrenzten einer zeitgeschichtlich bedingten Berichterstattung sprengte, vielmehr die Signatur einer kosmischen Universalität besaß. Die Auferweckung des gekreuzigten Jesus Christus ist identisch mit der Einleitung einer totalen Weltverwandlung. Die Selbstbezeugung des lebendigen Herrn intendiert eine bis dahin unbekannte Tiefensicht, welche die Weltwirklichkeit bis in ihre letzten Hintergründe durchleuchtet, ihr unerbittliches Todesschicksal aufzeigt und ihre neue Lebenswirklichkeit begründet.

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Autor: Künneth, Walter, Prof. | Kategorie(n): Heilsgeschichte  |  1,048 x gelesen

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