Wenn die Schrift bezeugt, daß Gott die Welt liebt, so ist damit gar
nichts darüber ausgesagt, wie die Welt ist, sondern nur, wie Gott ist.
Das gilt es einmal ganz klar mit allen Konsequenzen zu fassen.


Adolf Heller (1895 - 1973)
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Der hohe Wert der Weissagung

Referat an der ersten deutschen Prophetischen Konferenz, Berlin, 03. - 05. November 1919

Es darf mit Dank gegen das herrliche Haupt der gläubigen Gemeinde festgestellt werden, dass mit dem Herannahen des Endes dieser Weltzeit das Interesse und die Freude am Wort der Weissagung bedeutend zugenommen hat. Gleichwohl muss gesagt werden, dass noch in sehr vielen Kreisen und Gemeinschaften entschieden bibelgläubiger Christen ein eingehendes und gründliches Studium und Vertiefen in die biblische Prophetie für etwas gehalten wird, das man nicht grade ganz von der Hand weisen möchte, namentlich nicht, um denkenden Menschen an der unbezweifelten Erfüllung so mancher Weissagung die Wahrheit der biblischen Offenbarung zu erhärten. Dabei wird natürlich die geschichtlich gewordene Erfüllung besonders betont und der Weissagung mehr ein rein apologetischer Wert zugeschrieben. Für die schon gläubig Gewordenen aber, die das in Christo Jesu dargebotene Heil Gottes erfahrungsmäßig ergriffen haben, kommt die Weissagung als solche, d. h. als noch ganz oder größtenteils unerfüllte Zusage Gottes viel weniger, wenn überhaupt in Betracht, höchstens dass man sich an Verheißungen Gottes stärkt und aufrichtet, die man ins persönliche Heilsleben umsetzen und also praktisch verwerten kann zur eigenen Erbauung im Glauben. Was aber namentlich die großen Zusagen Gottes hinsichtlich Seiner eigenen Pläne, Gedanken, Absichten und Ziele mit seinem Volke Israel, mit der Völkerwelt, der seufzenden Kreatur, der Engelwelt usw. anbetrifft, so steht man denselben vielfach noch sehr neutral gegenüber. Man ist sogar stark versucht, die sorgfältige und tiefgehende Beschäftigung damit für eine Art nicht immer unbedenklicher oder gar direkt gefährlicher Liebhaberei zu halten, wobei für das eigentlich praktische persönliche Heilsleben wenig oder gar nichts herauskomme. Man gerate da leicht in dunkle Untiefen, wobei man den Boden unter den Füssen verlieren und in Verwirrung kommen könne. Es sei eben doch ein gar dunkles und rätselvolles Gebiet und im allgemeinen habe ein ernstes Kind Gottes sich mit viel wichtigeren Dingen abzugeben, die direkt zur Förderung seines eigenen inneren Lebens und zur eigentlichen Erbauung der Gemeine dienten. Dem gegenüber soll es die Aufgabe dieser Darstellung sein, den unvergleichlichen und durch nichts anderes zu ersetzenden hohen praktischen Wert der biblischen Weissagung für die Ausreife und Vollendung der gläubigen Gemeine Christi darzutun. Er aber, der herrliche Herr, von dem geschrieben steht: “Das Zeugnis Jesu ist der Geist der Weissagung” — erleuchte Herzen und Sinne des Schreibers und der Leser zur völligen und fruchtbaren Erkenntnis Seines Willens und Wohlgefallens auch in diesem Stücke.

1. Wenden uns zunächst einem Worte Gottes zu aus dem Propheten Jesaja, das uns deutlich enthüllt, was Gottes eigenes Urteil ist über den Wert seines alleinigen Vermögens zu weissagen gegenüber den vermessenen Ansprüchen derer, die doch nicht Götter sind, aber göttliche Verehrung fordern von den Menschen. Der Prophet erhebt im Namen des allein wahren Gottes Israels seine Stimme und fordert jene dämonischen Wesen, die gefallenen Engel und Geister, heraus, es darin doch Gott gleich zu tun, dass sie auch Zukünftiges vorherverkündigen:

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Autor: Ströter, Ernst F., Prof. | Kategorie(n): Das prophetische Wort  |  374 x gelesen

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Der Tod verschlungen in den Sieg

(1. Korinther 15)

Inhalt:

01. Das Evangelium des Paulus an die Nationen
02. Christus gestorben, begraben, auferstanden
03. Die Erscheinungen des auferstandenen Herrn
04. Gottes Gnadenwirken an Paulus
05. Ohne Totenauferstehung kein Heil, keine Hoffnung!
06. Christus der Erstling der Entschlafenen
07. Ordnung und Ziel der Lebendigmachung aller
     a) Die Lebendigmachung aller
     b) Die Ordnung dieser Lebendigmachung
     c) Hernach das Ende
     d) Alle Feinde Christi überwunden
     e) Der letzte Feind, der Tod, abgetan
     f) Alles Ihm unterworfen
     g) Gott alles in allen
08. Taufe für die Toten und stündliche Gefährdung ohne Totenauferweckung sinnlos
09. Mit was für einem Leibe kommen die Toten?
10. Verwesliche und unverwesliche Leiblichkeit
11. Der erste Mensch und der zweite Mensch
12. Die Verwandlung der Heiligen
13. Schlußermahnung

Dem aufmerksamen Bibelleser wird es kaum entgehen, daß in dem ersten Brief an die Korinthergemeinde höchst bedenkliche Zustände aufgedeckt und gerügt werden. Das Bild geistlichen Tiefstandes, das der Apostel entwirft, wird wohl in keinem anderen Brief erreicht oder gar übertroffen, wenn man absieht von dem letzten der sieben Sendschreiben im Buch der Offenbarung, gerichtet an die Gemeinde zu Laodicäa.

Wie verhält sich der Apostel gegenüber solch traurigen Verhältnissen einer Gemeinde, die durch Spaltungen zerrissen, durch gefährliche Irrlehren und Leugnung göttlicher Offenbarungswahrheiten schwer geschädigt und von unerhörter Unsittlichkeit angefressen war? Gewiß, er schont die Korinther nicht. Der herbste Tadel, die schärfste Rüge, die ernsteste Zucht kommt zur Anwendung, wie sich’s gebührt. Was aber sehr in die Augen fällt, ist der Umstand, daß der Heilige Geist durch die Feder des Apostels gerade dieser so fleischlichen Gemeinde ein wahres Füllhorn der allerköstlichsten Erkenntnisse und Geheimnisse in den Schoß schütten läßt. Das entspricht gar nicht menschlichem Denken oder Handeln. Wir wären weit eher geneigt, einer solchen Gemeinde den Brotkorb mit geistlicher Speise etwas höher zu hängen, ihr nur die elementarste Nahrung, das Allernotwendigste darzureichen und ihr auf diese Weise zu verstehen zu geben, sie könne erst nach eingetretener Besserung in die Tiefen Gottes in Christo weiter eingeführt werden.

Dagegen finden wir in diesem Brief reiche Mitteilungen über die verborgene Weisheit Gottes; es wird hingewiesen auf die unbeschreiblich hohe Berufung der Gläubigen, Gericht zu halten über die Welt und die Engel; auf die wahre Würde der menschlichen Leiblichkeit als Tempel des Heiligen Geistes; auf die verschiedenen geistlichen Gaben und die wunderbare Einheit und organische Geschlossenheit des ganzen Leibes Christi; der Brief enthält das unübertroffene Hohelied der Liebe und die reiche Belehrung über geistliche Gaben in Kapitel 14.

Daran reiht sich das Kapitel, das uns zur Betrachtung vorliegt, würdig an. Es handelt von der Auferstehung der Toten und gestattet uns einen Ausblick in die allerweitesten und umfassendsten Ziele Gottes mit Seiner ganzen dem Tode verfallenen Schöpfung.

Fürwahr, ein solches Verfahren unseres Gottes und Heilandes nötigt uns die tiefste Bewunderung und Danksagung ab! Es unterliegt auch keinem Zweifel, daß sich dieses Verfahren als durchaus praktisch und wirksam bewährt hat, wie aus dem zweiten Brief deutlich hervorgeht. Wenden wir uns nun dem Inhalt unseres Kapitels zu!

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Autor: Ströter, Ernst F., Prof. | Kategorie(n): Allversöhnung, Das prophetische Wort, Heilsgeschichte, Lehre, Paulusbriefe, Tod & Auferstehung  |  705 x gelesen

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Die Vollendung der Gemeinde des Herrn

Hinweis des Schriftleiters (Heinz Schumacher): Hier kommt Professor Ströter — den Lesern bekannt durch seine Daniel-Auslegung, die in dieser Zeitschrift (Gnade & Herrlichkeit) seit einigen Jahren fortlaufend wieder abgedruckt wird — einmal in mündlicher Rede zu Wort. Diese Ausführungen über die Entrückung und Vollendung der Gemeinde sind eine Wiedergabe nach Stenogrammen von Vorträgen, die E. F. Ströter in Berlin (und an anderen Orten) über dieses wichtige Thema gehalten hat. Sie erschienen 1915 in der Zeitschrift “Das Prophetische Wort”.


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(1. Thess. 4, 13-18)

“Das sagen wir euch im Wort des Herrn, daß wir, die wir leben und übrigbleiben zur Zukunft (Ankunft) des Herrn, den Entschlafenen nicht zuvorkommen werden.” Diese Gläubigen in Thessalonich waren in der irrtümlichen Auffassung befangen, die im Glauben an den Herrn Heimgegangenen würden zu kurz kommen, wenn Er wiederkommt, sie wären dann nicht mit dabei. In diesem Punkt korrigiert sie der Apostel. Das gibt uns Gelegenheit zu sehen, ob der Apostel nicht noch etwas anderes zu korrigieren hatte. In vielen gläubigen Kreisen kann man heute hören: “Aber Sie denken doch nicht, daß wir es möglicherweise erleben, daß der Herr kommt? Da muß doch zuvor der Antichrist kommen!” Wenn Paulus die Gläubigen in Thessalonich selbst über einen verhältnismäßig nebensächlichen Gegenstand wie den: “Wer kommt zuerst an die Reihe?” nicht im Zweifel läßt, so hätte er, falls in diesem so wichtigen Punkt ein Irrtum vorgelegen hätte, diesen unbedingt auch korrigieren müssen. Diese lieben Gläubigen in Thessalonich haben damals so gestanden, daß sie mit der gegenwärtigen Möglichkeit rechneten: Der Herr kommt wieder aus dem Himmel. Wäre das Schwärmerei gewesen und der Apostel hätte sie darüber nicht zurechtgewiesen, was wäre da noch für ein Verlaß auf einen Apostel Jesu Christi!

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Autor: Ströter, Ernst F., Prof. | Kategorie(n): Das prophetische Wort, Entrückung, Gemeinde, Lehre  |  584 x gelesen

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Der prophetische Inhalt des Vaterunsers

Wir schicken der hier versuchten Auslegung des Gebetes, das Jesus seine Jünger lehrte, die Bemerkung voraus, daß wir uns der bedeutenden Abweichung dieser Auffassung desselben von der seit Jahrhunderten herkömmlichen wohl bewußt sind. Wir können aber darin keinen genügenden Grund erblicken, mit derselben zurückzuhalten. Umsomehr, da es unsere tiefe Überzeugung ist, daß die herkömmliche Lesung des Vaterunsers im engsten Zusammenhang steht mit, ja hervorgewachsen ist aus der ebenfalls seit Jahrhunderten beliebten Art, die Schrift unter falschen Voraussetzungen zu lesen, speziell alles, was in der Schrift auf Israel geredet ist, ohne weiteres auf die Gemeinde aus den Völkern, den Leib Christi zu übertragen.

Es muß dem vorurteilslosen Leser der Schrift von vornherein klar sein, daß ein Gebet, das Jesus seine Jünger, und zwar bereits in der Bergpredigt, d. h bald nach seinem ersten öffentlichen Auftreten lehrte, mit Fug und Recht ebenso wenig auf die spätere Gemeindezeit und -haushaltung bezogen werden kann, wie jener deutliche Befehl an dieselben Jünger: “Gehet nicht auf die Straßen der Heiden, und betretet keine Stadt der Samariter.” Es macht uns gar keine Schwierigkeiten, uns von der heutigen Ausführung eines solchen Befehles loszusprechen. Oder wiederum, was hat der Leib Christi, sofern er sich aus den Völkern bildet, und gar nicht unter dem Gesetz, sondern nur unter der Gnade steht, mit jenem andern Wort der Bergpredigt zu schaffen, das vom “Tun und Lehren eines dieser kleinsten Gebote” im Gesetz Moses handelt, obwohl ihm dieselben überhaupt nie gegeben sind noch gelten, sondern nur Israel?

Daß weitaus der größte Teil der Christenheit, auch der wahrhaft Gläubigen das Vaterunser unbedenklich zum eigentlichen Gemeindegebet gemacht hat, schließt den Irrtum nicht aus. Ebenso wenig ist eine Rechtfertigung einer solchen Übertragung desselben auf die Gemeinde darin zu finden, daß man sagt, sein Wortlaut vertrage dieselbe aber sehr gut. Der Wortlaut jenes andern Befehles des Herrn an die Zwölfe: “Nehmet weder Gold noch Silber, noch Erz in eure Gürtel, keine Tasche auf den Weg, auch nicht zwei Röcke …” (Matth. 10, 9.10). könnte eine solche Übertragung bis in die Gegenwart schließlich auch ganz gut vertragen, hat sie aber aus guten Gründen nicht gefunden.

Am lautesten aber redet der Umstand hier, daß dieselbe Christenheit, die sich mit so großer Vorliebe des Vaterunsers für ihre Liturgie bemächtigt hat, an den Gebeten, die der Heilige Geist dem Apostel des Leibes Christi gerade für die gläubige Gemeinde des gegenwärtigen Zeitalters gegeben hat, vorübergeht, und eine kultische und liturgische Verwendung derselben fast nicht kennt. Wir meinen die herrlichen Gebete in Eph. 1, 15-21; 3, 14-19 und Kol. 1, 9-15. Uns ist wenigstens in Europa und Amerika keine Kirchengemeinschaft bekannt, welche in ihrem öffentlichen Gottesdienst auch nur annähernd mit derselben Häufigkeit jene apostolischen Bitten vor die Gläubigen bringt, mit der sie sich des Vaterunsers bedient.

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Autor: Ströter, Ernst F., Prof. | Kategorie(n): Anbetung, Das prophetische Wort, Lehre, Schriftteilung  |  704 x gelesen

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Tauffreiheit oder Taufbefehl?

Die Stellung einer solchen Frage mag auffallen und befremden. Man wird fragen: Steht denn nicht deutlich zu lesen Math. 28, 19.20: “Gehet hin (in alle Welt) und machet zu Jüngern alle Völker, indem ihr sie taufet auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes, und lehret sie halten alles, was ich euch befohlen habe. Und siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an das Ende der Weltzeit.” Und abermals, Mark. 10, 15.16: “Gehet hin in alle Welt und predigt das Evangelium der ganzen Schöpfung. Wer glaubt und getauft wird, soll errettet werden, wer aber nicht glaubt, der wird verdammt werden!” Dazu kommt die Tatsache, dass die gesamte Christenheit, griechisch, römisch und evangelisch, daheim und draußen (mit sehr geringen Ausnahmen, wie Quäker, Heilsarmee und einige andere) nach diesem so deutlichen Taufbefehl handelt. Wie kann man da die Frage nach einem Taufbefehl überhaupt aufwerfen? Sie erscheint so überflüssig.

Und doch ist sie der Beachtung wert. Der Schreiber ist sogar der Überzeugung, dass viele in dieser Frage beunruhigte Kinder Gottes ihm danken werden, dass er sie aufgeworfen und zur ruhigen Prüfung im Lichte der Schrift empfohlen hat. Er ist ferner überzeugt, dass auf der Linie des Ergebnisses, zu dem ihn seine Forschung geführt hat — und vielleicht nur auf dieser Linie — die Möglichkeit einer Verständigung liegt in einer Frage, die für die Bewahrung und Pflege der Gemeinschaft zwischen allen Kindern Gottes sich als nicht wenig bedrohlich und beunruhigend gezeigt hat.

Was zunächst den Einwand betrifft, der Taufbefehl des Herrn sei doch deutlich genug gefasst für jeden, der ihn befolgen wolle, so genügt vorerst der Hinweis, dass im Neuen Testament noch andere nicht minder deutliche Anweisungen Jesu an seine Jünger stehen, an welche sich die Christenheit dieses Zeitalters nicht bindet, und das mit Recht. So z. B. wenn der Herr Matth.10, 5 die Zwölfe hinaussendet mit der sehr bestimmten Weisung: Gehet nicht auf die Straße der Heiden und betretet keine Stadt der Samariter. Allein betrachtet sieht man es diesem Wort des Herrn auch nicht an, dass es nicht für alle Zeiten, sondern nur für eine bestimmte Zeit geredet war. Wir beanspruchen vorläufig nichts weiter, als das gute Recht, auch den Taufbefehl von Matth. 28 in die gleiche Beleuchtung stellen und fragen zu dürfen, ob derselbe wirklich für die gegenwärtige Heilszeit oder für eine andere geredet sei.

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Autor: Ströter, Ernst F., Prof. | Kategorie(n): Gemeinde, Kirchentum, Lehre  |  1,188 x gelesen

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Die Judenfrage nach Römer 11

1. Der Kern der Judenfrage

“Ich sage nun: Hat Gott etwa Sein Volk verstoßen?” (Vers 1).

Unter den vielen brennenden Fragen, an denen unsere Zeit so reich ist, nimmt die Judenfrage mit Recht einen hervorragenden Platz ein. Wohl handelt es sich hier nicht um ein Volk, das sich an Zahl etwa mit den Indern oder Chinesen messen könnte. Die Bedeutung eines Volkes liegt aber nicht in seiner Zahl. So sind es auch nicht in erster Linie politische Probleme, die sich an die Judenfrage und ihre Lösung knüpfen. Auch die politischen Interessen sind nicht die höchsten in der Welt. Israel ist ein ganz eigenartiges Volk. Seine bisherige Geschichte spottet aller Versuche, sie nach den Gesetzen des gewöhnlichen Geschehens auf Erden zu erklären.

Israel hat eine Berufung und Erwählung unter den Völkern wie nie ein anderes Volk vor oder nach ihm. Wohl haben andere Völker nach Gott gefragt und gesucht, und Er hat sich ihnen nicht unbezeugt gelassen (Apg. 14, 17). Aber nur in Israel und durch Israel hat sich der Ewige und Wahrhaftige als solcher geoffenbart. Hohe Worte menschlicher Weisheit sind auf uns gekommen von Ägypten, Chaldäa, Indien, Griechenland und Rom. Aber das Heil — die endgültige Lösung aller Menschheitsfragen für Zeit und Ewigkeit — kommt allein von den Juden. “Ihnen ist anvertraut, was Gott geredet hat” (Röm. 3, 2). Andere Völker sind je und dann in den Bereich göttlichen Offenbarungswaltens hineingezogen worden, — Israel allein hat als Volk die Auszeichnung, der eigentliche Träger und Vermittler aller Gottesmitteilung an die übrige Menschheit zu sein. Das gibt der Judenfrage eine Bedeutung und Tragweite, wie sie keiner anderen eigen ist noch sein kann.

Was man heute in politischen und soziologischen Blättern gewöhnlich als Judenfrage darstellt, ist in Wirklichkeit nur ein kleiner Ausschnitt dieser Frage und betrifft meist Dinge, die am Rande liegen. Es ist zwar nicht zu verkennen, daß das Problem für die Völker weder einfach noch leicht ist, was sie denn eigentlich mit den Söhnen Jakobs in ihrer Mitte anfangen sollen, wie sie sich ihrer entweder erwehren oder aber sie wirtschaftlich und politisch verwerten und einsetzen sollen. Aber das alles ist letztlich von zweitrangiger Bedeutung. Nicht das ist die Frage, wie sich die Völker, ob einzeln oder in ihrer Gesamtheit, zu Israel stellen; sondern das ist die Frage, wie sich der Herr, der allerhöchste Gott, der Israel erwählt hat zu dem Volk Seiner Wahl verhalte. Ob in Osteuropa der Antisemitismus im Sinken oder ob er im Westen im Zunehmen begriffen ist, nicht das macht letztlich die Judenfrage aus. Ihr Kern und Mittelpunkt ist: Hat denn Gott Sein Volk verstoßen?

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Autor: Ströter, Ernst F., Prof. | Kategorie(n): Das prophetische Wort, Heilsgeschichte, Israel, Lehre, Paulusbriefe  |  586 x gelesen

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Paulus — Sein Leben und seine Briefe

1. Saulus, der Pharisäer

Zur Gewinnung eines richtigen Bildes vom Vorleben des großen Apostels der Heiden sind wir erfreulicherweise nicht auf die Tradition angewiesen, sondern in der Apostelgeschichte sowie in den Briefen des Paulus ist uns reiches Quellenmaterial dafür geboten. Phil. 3, 5 redet er von sich als beschnitten am achten Tage, aus dem Geschlechte Israels, vom Stamme Benjamin, einem Hebräer aus Hebräern. Apg. 21, 39 nennt er sich einen jüdischen Mann, aber einen römischen Bürger von Tarsus, einer nicht unbedeutenden Stadt in Cilicien (22, 3), erzogen in Jerusalem zu den Füßen Gamaliels, nach Apg. 5, 34 eines hoch angesehenen Gesetzeslehrers, mit allem Fleiß unterrichtet im väterlichen Gesetz und ein Eiferer für Gott. Vor Agrippas führt er aus (Apg. 26, 4-5): Was meinen Lebenswandel von Jugend auf betrifft, den ich von Anfang unter meinem Volk zu Jerusalem führte, so kennen mich alle Juden, da sie wissen, dass ich früher nach der strengen Sekte unserer Religion gelebt habe, als Pharisäer. Und vor der Menge des Volkes bekennt er frei (Apg. 22, 20): Auch ich stand dabei, als das Blut des Stephanus vergossen ward und verwahrte die Kleider derer, die ihn töteten.

Über seinen hervorragenden Anteil an der Verfolgung, die sich nach dem Tode des ersten Blutzeugen des Evangeliums von Christus wider die junge Muttergemeinde in Judäa erhob, erfahren wir folgendes: Saulus aber verwüstete die Gemeine, indem er in die Häuser eindrang, Männer und Weiber fortschleppte und sie ins Gefängnis überlieferte (Apg. 8, 3).

Er selbst legt gegen sich immer wieder klares Zeugnis ab, wenn er schreibt: Ihr habt von meinem früheren Wandel im Judentum gehört, dass ich die Gemeine Gottes über die Maßen verfolgte und sie zerstörte und übertraf im Judentum viele meiner Altersgenossen in meinem Geschlecht durch übermäßigen Eifer um meine väterlichen Überlieferungen (Gal. 1, 13). Nach dem Eifer ein Verfolger der Gemeine, nach der Gerechtigkeit im Gesetz unsträflich gewesen (Phil. 3, 6). Ich habe gemeint, ich müsste viel zuwider tun dem Namen Jesu von Nazareth, was ich auch zu Jerusalem tat, und viele der Heiligen schloß ich ins Gefängnis, wozu ich von den Hohenpriestern die Vollmacht empfangen hatte, und wenn sie getötet wurden, gab ich die Stimme dazu. Und in allen Synagogen strafte ich sie oft und zwang sie zu lästern, und über die Maßen wütend über sie verfolgte ich sie auch bis in die auswärtigen Städte (Apg. 26, 9-11).

Ich verfolgte diesen Weg bis auf den Tod, indem ich Männer und Weiber band und ins Gefängnis überlieferte, wie auch der Hohepriester und der ganze Rat der Ältesten mit Zeugnis gibt, von welchen ich sogar Briefe an die Brüder empfing und gen Damaskus zog, um auch die, welche daselbst waren, gebunden gen Jerusalem zu führen, auf dass sie gestraft würden (Apg. 22, 4.5).

Aber so darf er später seinem geistlichen Sohne Timotheus schreiben: Mir ist Erbarmung widerfahren, weil ich es unwissend, im Unglauben getan habe (1. Tim. 1, 13). Und der Gemeine zu Korinth bekennt er in tiefer Beugung: Ich bin der geringste von allen Aposteln, nicht wert, ein Apostel zu heißen, weil ich die Gemeine Gottes verfolgt habe (1. Kor. 15, 9).

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Autor: Ströter, Ernst F., Prof. | Kategorie(n): Paulus, Paulusbriefe  |  593 x gelesen

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Offene Briefe an Modersohn und Nagel

1. An Herrn Pastor Ernst Modersohn, Bad Blankenburg
2. An Herrn Prediger Gustav Nagel, bzgl. “Die Wiederbringung aller Dinge”, 1921
3. An Herrn Prediger Gustav Nagel, bzgl. “Der Zusammenbruch gegen die Wahrheit der Allversöhnung”, 1921

1. Offener Brief an Pastor Ernst Modersohn:

Teurer Bruder!

Ein Freund sandte mir die Nr. 16 Ihres Blattes “Heilig dem Herrn”, in welcher Sie nachzuweisen versuchen, dass die Ihnen “in verschiedenen Briefen entgegengehaltenen Schriftstellen”, wie Eph. 1, 10; 1. Kor. 15, 22; Kol. 1, 19.20 u. a. m. nicht nur der Lehre von der endlosen Verdammnis nicht widersprechen, sondern dass keine einzige von ihnen die Wiederbringungslehre ergebe.

Wenn ich hier diese Ihre Stellungnahme zu den betreffenden Schriftworten auf ihre Stichhaltigkeit untersuche, so geschieht das, weil ich glaube, das der von mir vertretenen herrlichen Wahrheit, dann aber auch Ihnen und Ihren Lesern vor dem Herrn schuldig zu sein.

Zum ersten ziehen Sie aus Eph. 1, 10 die Folgerung: “Weil alles in Christo zusammengefasst wird, beides, das im Himmel und auf Erden ist, eben deshalb muss diese Zusammenfassung unter sein Haupt, unter seine Herrschaft für die entschiedenen Gottlosen ewige Qual bedeuten.” Ist diese Deutung und Folgerung der Analogie der Schrift gemäß? Dieselbe redet öfters von dem “Haupt” in einem allen ganz verständlichen Bilde. Wird ein einfacher Mensch, der die gottgewollten Beziehungen seines Hauptes zum eigenen Gesamtorganismus begreift, je auf den Gedanken geraten, in seinem Organismus gäbe es Teile oder Gliedmaßen, die dem Haupt widerwillig unterworfen seien? Wo die Schrift den Mann das Haupt des Weibes nennt, ist da Raum für die Vorstellung qualvoller Unterwürfigkeit? Wo sie Christum als Haupt seines Leibes, seiner “Fülle” darstellt, ist da nicht die einzig mögliche Vorstellung die einer vollkommenen, organischen Harmonie und eines unlöslichen Zusammenschlusses? Mit welchem exegetischen Recht missachten Sie diese lückenlose Analogie der Schrift im Gebrauch des Begriffes “Haupt” da, wo dieser so einfache und fassliche Begriff auf “alles im Himmel und auf Erden” angewendet wird? Sie vollziehen damit eine Zerstörung dieses kostbaren biblischen Symbols und setzen eine Hauptschaft Christi über das All, die das Gegenteil dessen wäre, was in dem übrigen Schriftgebrauch darunter verstanden sein will und kann.

Zugleich geraten Sie in unlöslichen Widerspruch mit einer der hellsten biblischen Darlegungen, wie diese Hauptschaft Christi über das All zu denken sei, nämlich mit Phil. 2, 11, wo Paulus erklärt, dass alle Zungen (im Himmel, auf Erden und unter der Erde) bekennen werden, dass Jesus Christus der Herr sei, zur Ehre Gottes, des Vaters. Auch hier ist die exegetische Lage überaus einfach. Das vom Apostel gebrauchte, durch “ex” verstärkte “homologein” kommt (verstärkt und einfach) im Neuen Testament, außer hier, noch 36-mal vor. Das ist häufig genug, um mit großer Sicherheit feststellen zu können, in welchem Sinn das Zeitwort vom Heiligen Geist gebraucht wird. An der Hand einer griechischen Konkordanz können Sie sich bald überzeugen, dass in keinem einzigen Fall diesem Wort die Vorstellung eines widerwilligen, gar erzwungenen Bekennens eignet. Diese Vorstellung muss, entgegen der geradezu zwingenden Analogie, in Phil. 2, 11 erst hineingetragen werden.

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Autor: Ströter, Ernst F., Prof. | Kategorie(n): Allversöhnung, Apologetik, Lehre  |  730 x gelesen

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Ein offenes Wort zu Pastor Thimme’s Kritik meines Buches von der Allversöhnung in Christus

Zur Erklärung dieser Veröffentlichung

In Nr. 47 und 48 (1916) des Gemeinschaftsblattes “Auf der Warte” erschien eine Kritik meines Buches von der “Allversöhnung in Christus” aus der Feder von P. Thimme, Marburg, unter dem Titel “Ein neues Evangelium”. Da diese die Schranken einer sachlichen Rezension nicht beobachtete, richtete ich gleich nach Erscheinen des ersten Teils, Nr. 47, die Anfrage an die Schriftleitung, wieviel Raum man mir zu einer Antwort auf diese Angriffe gestatten werde. Darauf erhielt ich folgenden Bescheid:

    Neumünster, 23. November 1916

    “Wir danken ihnen bestens für ihre wertvolle Anfrage,
    müssen Ihnen aber zu unserm Bedauern mitteilen,
    dass es uns aus gewissen Bedenken nicht möglich ist,
    eine Entgegnung in unserm Blatt zu gestatten.”

Inzwischen schrieb ich das “Offene Wort zu P. Thimme’s Kritik”, da ich es für selbstverständlich hielt, dass “Auf der Warte” dasselbe aufnehmen werde.

Als ich aber den abschlägigen Bescheid erhalten hatte, sandte ich das Manuskript an P. Thimme, appellierte an sein Billigkeitsgefühl und bat ihn, die Redaktion zu veranlassen, mich zu Wort kommen zu lassen. Falls diese auf ihrer Weigerung beharre, würde ich einen andern Weg finden, meine Entgegnung vor das christliche Publikum zu bringen. Im gleichen Sinn benachrichtigte ich auch die Redaktion und ersuchte sie, das Manuskript an das Traktathaus, Bremen, zu befördern, von wo aus dasselbe vor die Öffentlichkeit gebracht werden würde.

Zu meinem Bedauern hat “Auf der Warte” endgültig abgelehnt, mir seine Spalten zu öffnen, und im folgenden haben die Leser genau und unverkürzt vor sich, was ich durch P. Thimme der Redaktion zur Veröffentlichung zugedacht hatte.

Ein Kommentar zu solchem Verfahren eines führenden Gemeinschaftsblattes ist überflüssig.

Kilchberg, Zürich

E. F. Ströter


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Offenes Wort

Die ziemlich umfangreiche Kritik des hochgeschätzten Bruders hat nicht nur mich enttäuscht, sie muss auch viele überzeugte Vertreter der von mir abgelehnten und bekämpften Lehre von der endlosen Höllenqual enttäuscht haben. Die von ihm selbst unbestrittene Wichtigkeit des Gegenstandes erheischte eine gründliche, sachliche Behandlung namentlich der biblischen Fragen. Statt dessen überwiegt in den Ausführungen des Bruders das formale und persönliche Moment. Die wirklich sachliche Beleuchtung steht dazu in keinem richtigen Verhältnis.

So werde ich bezichtigt, meine Arbeit sehr hoch einzuschätzen. Drei volle Spalten bringen Stichproben meiner Leidenschaftlichkeit und Schwarzfärberei in der literarischen Darstellung, meiner Unkeuschheit in der Exegese u. a. m. Es wird behauptet, das sei der allgemeine Charakter des Buches. Es sei geschrieben im hochgespannten, um nicht zu sagen im überspannten Bewusstsein einer reformatorischen Tat. Eine ganze Spalte dient trüben Voraussagen über die unheilvollen Wirkungen, die mein Buch, das Schule machen werde, wie einst Pastor Pauls Fündlein, im Gefolge haben müsse. Der Schwerpunkt christlicher Reichgottesarbeit werde von der Mission und Evangelisation auf Pflege der Erkenntnis der Gemeine Gottes verlegt. Eine Erlahmung der Evangelisation sei unausbleiblich. Ich selbst werde als Belegexempel vorgeführt, ich sei meiner eigentlichen Aufgabe verloren, vom Satan auf ein totes Geleise gelockt und unschädlich gemacht.

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Autor: Ströter, Ernst F., Prof. | Kategorie(n): Allversöhnung, Apologetik  |  612 x gelesen

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Vom letzten Buch der Bibel

Im Lauf des letzten Jahrzehntes, seit diese Hefte (”Das prophetische Wort”, Anm.) erschienen sind, bin ich von lieben Lesern und Freunden des Wortes der Weissagung wiederholt ersucht worden, doch auch einmal eine Auslegung oder Erklärung des letzten Buches der Bibel zu schreiben. Manchen von diesen Bittstellern habe ich den scherzhaft klingenden und doch so ernst gemeinten Bescheid gegeben. vor 25 oder 30 Jahren wäre ich dazu eher geneigt und bereit gewesen, als heute. Doch glaube ich es den Lesern des “Prophetischen Worts” schuldig zu sein, es nicht bei einer solch kurzen, ablehnenden Antwort bewenden zu lassen, vielmehr diese manchen etwas befremdende Stellungnahme zu dem mir sehr köstlichen Buch der Weissagung in etwas zu begründen.

Vorab möchte ich es sehr deutlich aussprechen, dass ich mit dem, was ich hier niederschreibe, keineswegs einen Vorwurf oder Tadel an teuren Brüdern beabsichtige, die sich veranlasst gesehen haben, Auslegungen der Apokalypse zu versuchen und herauszugeben. Was ich hier gebe, ist lediglich der Niederschlag von durchaus persönlichen, unabhängigen Urteilen und Auffassungen, wie sie mir nach häufiger und eingehender Beschäftigung mit dem Schlussbuch des neutestamentlichen Kanons geworden sind. Doch will ich nicht verschweigen, dass es vielleicht kein unersetzlicher Verlust für die gläubige Gemeinde gewesen wäre, wenn manche sogenannte Auslegung der Offenbarung nie das Licht der Welt erblickt hätte. Die Seligpreisung am Anfang und abermals am Ende des wunderreichen Buches (1, 3; 22, 7) gilt eben weder den mehr oder minder geistvollen Andeutungen noch deren Lesern, sondern denen, die das Buch lesen (auch ohne es zu “verstehen”) und die behalten, was darin geschrieben steht.

1. Da wir von den Deutungen reden, — wie groß ist ihre Zahl? Wie groß auch die Verlegenheit, in die man gebracht wird, wenn man jemand eine “gute Auslegung der Offenbarung” empfehlen soll! Es gibt kein anderes Buch der Schrift, das einer solchen Menge der verschiedenartigsten Deutungsversuche gerufen hätte und noch riefe. Es hat sich im Laufe der Jahrhunderte eine beträchtliche Reihe von “Schulen” und “Richtungen” gebildet, deren jede wieder verschiedene Abarten aufzuweisen hat, deren Vertreter einander an Frömmigkeit, Gelehrsamkeit und gutem Willen nichts vorzuwerfen oder voreinander voraus haben, Männer, deren Namen überall einen guten Klang haben. Aber wie ist es mit der Übereinstimmung? Soweit mir bekannt, sind die Abweichungen und Verschiedenheiten in der Auslegung unter den entschieden bibelgläubigen Deutern bei keinem andern prophetischen Buch der Schrift, nicht einmal bei Daniel, so stark, so unvereinbar, so zahlreich - so aussichtslos, was Übereinstimmung betrifft.

Sollte das von ungefähr sein? Lassen sich aus dieser peinlich auffallenden Tatsache nicht gewisse berechtigte Folgerungen ziehen? Es wird nicht zu leugnen sein, dass aus dem Schoß der gläubigen, wartenden Gemeinde aller dieser Jahrhunderte ungezählte ernstliche, eindringliche Bitten um besondere Erleuchtung durch den Geist der Weisheit und Offenbarung aufgestiegen sind. Ebenso wenig kann von erleuchteten Kindern Gottes in Abrede gestellt werden, dass auf fast allen anderen Gebieten geistlicher Erkenntnis, besonders im Lauf der letzten Jahrzehnte, ein sehr bedeutender Fortschritt zu verzeichnen ist in der Richtung auf einerlei Glauben und Erkenntnis des Sohnes Gottes hin. Was im einzelnen die so wichtigen Unterschiede zwischen Israel und Gemeinde, zwischen Reich Gottes und Kirche, zwischen Rechtfertigung und Heiligung, zwischen dem Heimgehen der Gläubigen und der Wiederkunft Christi und so manche andre Fragen des göttlichen Reichshaushalts betrifft, so haben da ganz nennenswerte Annäherungen und gegenseitige Verständigungen Platz gegriffen, von denen man vor 40-50 Jahren kaum Ansätze spürte.

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Autor: Ströter, Ernst F., Prof. | Kategorie(n): Das prophetische Wort, Wort Gottes (Bibel)  |  541 x gelesen

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