Gedenken an Bischof Heubach
Wenn wir die Frage nach dem Volk, nach unserem eigenen Volk-Sein in den thematischen Mittelpunkt dieser ersten Versammlung unseres theologischen Konvents im neuen Jahrtausend gestellt haben, so ist es uns durchaus bewußt, daß wir damit ein Wagnis eingegangen sind. Denn der Begriff des Volkes ist sowohl in politischer, kultureller und auch theologischer Beziehung ein problematischer geworden. Ist er doch in unserem Jahrhundert durch zwei ideologische Diktaturen überstrapaziert und verfremdend mißbraucht worden. In der NS-Zeit wurde er zum Inbegriff einer rassistischen Pseudo-Religion, in deren Namen viele Millionen Menschenleben gewissenlos aufgeopfert wurden nach dem zynischen Motto “Du bist nichts, Dein Volk ist alles!” — In der Ära des etablierten Sozialismus bekam das Wort eine klassenkämpferische Bedeutung. Es stand für den Anspruch, daß in jenem östlichen Machtbereich die Herrschaft tatsächlich an die arbeitende Klasse als deren rechtmäßigen Inhaber übergegangen sei. Dabei war sie aber in Wirklichkeit bevormundet von einer privilegierten Oligarchie von Parteifunktionären usurpiert, — unter Mißachtung der vitalen Wünsche und Rechte der Mehrheit der Bevölkerung. Der Protestruf in den Großstädten der DDR im Oktober 1999 “Wir sind das Volk!” ließ die heuchlerischen Fassaden endgültig einstürzen. Dabei wurde allerdings weder damals noch später recht deutlich, auf welchen geistigen und ethischen Fundamenten das aus vierzigjähriger Tyrannei befreite und mit seinen Stammesverwandten auf der westlichen Seite wieder vereinte Volk sein Leben in echter Freiheit, Würde und kultureller Entfaltung gestalten wolle. So stellt sich uns zehn Jahre danach tatsächlich die selbstkritische Frage, die wir als Leitmotiv dieser Konventstagung formuliert haben: “Sind wir noch ein Volk?” Diese Frage bewegt uns aus vielen Gründen:
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Autor: Beyerhaus, Peter, Prof. Dr. | Kategorie(n): Heilsgeschichte, Völkerschaften | 900 x gelesen
Die schwarmgeistige Gefährdung der Gemeinde heute
I. Das neue Fragen nach dem Heiligen Geist
In den letzten Jahren ist weltweit in der Christenheit ein ganz neues Fragen nach dem Wesen und dem Wirken des Heiligen Geistes aufgebrochen. Das beobachten wir auf verschiedenen Ebenen:
1. In der Theologie sind gerade in den letzten Jahren eine ganze Reihe von neuen Büchern erschienen, die die Person und das Werk des Heiligen Geistes behandeln. Noch vor etwa 10 oder 20 Jahren konnte man sagen: Die Lehre vom Heiligen Geiste ist das unterentwickelte Lehrstück der christlichen Theologie. Auch in den einschlägigen dogmatischen Lehrbüchern fand man über ihn eigentlich nur sehr wenig. Diese Lücke ist in den letzten Jahren ausgefüllt worden. Es gibt mehrere Untersuchungen. So hat der Berliner Systematiker Dillschneider 1969 im Verlag Rolf Brockhaus ein Buch veröffentlicht “Ich glaube an den Heiligen Geist” und der Holländer H. Berkhof 1968 ein Buch geschrieben “Die Theologie des Heiligen Geistes” (Neukirchen). Der katholische Systematiker in Paderborn, Heribert Mühlen, hat ein zweibändiges umfangreiches Buch über die Lehre vom Heiligen Geist verfaßt, und so könnte ich eine ganze Reihe von anderen Erscheinungen hier nennen. Es ist symptomatisch, daß die Theologie jetzt die Herausforderung spürt, gerade zu diesem bis dahin unterentwickelten Gebiet etwas zu sagen.
2. Ebenfalls kann man feststellen, daß in der jungen Generation ein großes Interesse gerade für diese Fragen aufgebrochen ist. Mir fiel dies erstmalig auf, als ich im Jahre 1972 an einer großen christlichen Jugend- und Studentenkonferenz in Uppsala teilnahm, auf der mehrere Hundert Jugendlicher aus allen fünf skandinavischen Ländern zusammengekommen waren. Die Konferenz war aufgeteilt in 14 verschiedene Seminare. Keins war so stark besucht wie das, welches sich mit dem Wirken des Heiligen Geistes heute befaßte. Mir fiel auf, daß der ganze Büchertisch direkt übersät war mit Büchern, die kürzlich auf diesem Gebiete erschienen waren.
3. Ähnlich sieht es in der Mission aus. In den letzten Jahren habe ich eine Reihe von Reisen in die Länder Asiens, Afrikas, Lateinamerikas und Ozeaniens unternommen. Dort habe ich an vielen Stellen reden müssen, auf theologischen Seminaren, Mitarbeiterkonferenzen und Missionarskursen. Immer wieder wurden Themen wie “geistliches Leben” oder auch “Geistesprüfung” bevorzugt. Oft war die erste Frage, die man mir stellte, die: “Was halten Sie eigentlich von der charismatischen Erneuerungsbewegung?”
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Autor: Beyerhaus, Peter, Prof. Dr. | Kategorie(n): Gemeinde, Heiliger Geist, Hingabe, Schwarmgeist | 1,410 x gelesen