Wenn die Schrift bezeugt, daß Gott die Welt liebt, so ist damit gar
nichts darüber ausgesagt, wie die Welt ist, sondern nur, wie Gott ist.
Das gilt es einmal ganz klar mit allen Konsequenzen zu fassen.


Adolf Heller (1895 - 1973)
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Ewige Strafe — ewiges Leben / Gericht / Versöhnung der Welt

Ewige Strafe — ewiges Leben (Matth. 25, 46)

Wie der Abschnitt Mark. 9, 43ff. in 9, 48 in dem Zitat aus Jes. 66, 24 seinen Abschluß findet, so endet der in Matth. 25, 31 beginnende Abschnitt in 25, 46 mit einer deutlichen Bezugnahme auf Dan. 12, 2. Es heißt in Matth. 25, 46: “Und so werden sie dahingehen, diese in die ewige Strafe, die Gerechten aber in das ewige Leben.” Dan. 12, 2 aber lautet: “Und viele von denen, die schlafen im Erdstaub, werden erwachen, die einen zum ewigen Leben, die andern zu Schmach, zu ewigem Abscheu.” Die Übereinstimmung ist also nicht vollständig; trotzdem wird nicht zweifelhaft sein, daß in Matth. 25, 46 an Dan. 12, 2 angeknüpft wird.

Allerdings ist nicht zu übersehen, daß der Wortschatz von Matth. 25, 46 sich vom Vorangehenden abhebt. Was in 25, 46 “ewiges Leben” heißt, das entspricht dem, was in 25, 34 als das “Reich” bezeichnet ist, und was in 25, 46 “ewige Strafe” heißt, das entspricht dem, was in 25, 41 das “ewige Feuer” genannt wird. Ein Grund jedoch zur Vermutung, daß der Schlußsatz in 25, 46 ursprünglich anders gelautet haben könnte, wird um so weniger vorliegen, als “ewiges Leben” und “Reich (Gottes)” auch sonst in den Evangelien als Parallelbegriffe begegnen.

Wie ist Matth. 25, 46 nun zu verstehen? Wenn es von den Gerechten heißt, daß sie “in das ewige Leben” dahingehen werden, so ist damit der Eingang in das Reich Gottes gemeint (vgl. 25, 34). Ganz ohne Zweifel ist gemeint, daß sie aus diesem Reich nicht wieder vertrieben werden sol­len bzw. daß ihrem Besitz des “Lebens” keinerlei Grenzen gesetzt seien. Jedoch: daß dieses Leben als ein “ewiges Leben” mit unbegrenzter Dauer aufzufassen ist, das liegt nicht an der Bezeichnung dieses Lebens als aionios, sondern daran, daß es sich um “Leben” handelt, und zwar um eschatologisch verliehenes und eschatologisch gefälltes, um himmlisches Leben (im Sinne von Luk. 20, 36). Andererseits ist zu sagen, daß auch der Begriff “ewige Strafe” (kolasis aionios) durch aionios nicht im Sinne von “endlose, unbegrenzt anhaltende Strafe” festgelegt ist. Gemeint ist, daß es sich um eine eschatologisch verhängte und auch eschatologisch abzubüßende Strafe handelt. Über ihre Dauer ist mit ihrer Bezeichnung als aionios nichts ausgesagt.

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Autor: Michaelis, D. Wilhelm, Prof. | Kategorie(n): Allversöhnung, Erkenntnis & Wesen Gottes, Gerichte Gottes, Heilsgeschichte  |  2,100 x gelesen

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Der Glaube ist nicht jedermanns Ding

(Nach einer Predigt, gehalten am 10.01.1960 in der Luth. Gemeinde Bern)

2. Thess. 3, 1-5: “Weiter, liebe Brüder, betet für uns, daß das Wort des Herrn laufe und gepriesen werde wie bei euch, und daß wir erlöst werden von den verkehrten und argen Menschen. Denn der Glaube ist nicht jedermanns Ding. Aber der Herr ist treu; der wird euch stärken und bewahren vor dem Argen. Wir versehen uns aber zu euch in dem Herrn, daß ihr tut und tun werdet, was wir euch gebieten. Der Herr aber richte eure Herzen zu der Liebe Gottes und zu der Geduld Christi.”

Liebe Gemeinde! Wir kennen alle das Wort des Apostels Paulus: “Nun aber bleibet Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei; aber die Liebe ist die größte unter ihnen” (1. Kor. 13, 13). Der Apostel meint jedoch nicht, daß, wenn die Liebe so groß sei, es dann unter Umständen auch die Liebe allein tue. Vielmehr: an Liebe ohne Glauben denkt er nicht. Freilich: er denkt auch nicht an Glauben ohne Liebe. Erst die Liebe macht den Glauben zum echten, vollen Glauben. Auch deswegen wird die Liebe als so groß bezeichnet sein. Es ist also nicht irgendeine Liebe gemeint, sondern die Liebe, die aus dem Glauben erwächst, die Liebe, durch die der Glaube tätig ist (Gal. 5, 6). Wie groß auch immer die Liebe einzuschätzen sei, ihre Voraussetzung, ihre unerläßliche Voraussetzung, ist der Glaube, der Glaube als unsere Antwort auf Gottes Liebe zu uns. Ohne Glauben auch keine Liebe — wir können beifügen: ohne Glauben auch keine Hoffnung.

Wenn somit die allerwichtigste Voraussetzung die ist, daß der Glaube in Ordnung ist, wenn alles andere — ob die Liebe regieren darf oder die Lieblosigkeit herrscht, ob Hoffnung vorhanden ist oder Hoffnungslosigkeit sich ausbreitet — davon abhängt, ob Glaube vorhanden ist, dann ist nun aber die Tatsache um so beunruhigender, daß es in der Welt so sehr an Glauben fehlt. Zwar, wenn dem so ist, wundert uns ja nicht, daß es auch an der rechten Liebe fehlt und daß so wenig Hoffnung zu finden ist. Das kann nicht anders sein, wenn nun einmal der Glaube fehlt. Aber, so müssen wir fragen, warum ist das so? Warum gibt es so viele Menschen, die nicht glauben, die nicht zum Glauben kommen, will sagen: zu einem ganz persönlichen Verhältnis zu ihrem Gott, zu einer ganz persönlichen Verbundenheit mit Christus? Und dies trotz aller Bemühungen, sie einzuladen zum Glauben, sie hinzuführen zum Glauben! Wie viele Anstrengungen werden in dieser Hinsicht doch unternommen, Anstrengungen ganzer Bataillone und Regimenter von Pfarrern, Predigern, Evangelisten und Missionaren! Wieviel — scheinbar erfolglose — Fürsorge von ungezählten Eltern, Lehrern, Paten! Wieviel Tränen und Gebete von Frauen und Müttern zumal!

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Autor: Michaelis, D. Wilhelm, Prof. | Kategorie(n): Glaubensleben & Wandel, Paulusbriefe  |  1,038 x gelesen

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