Wie sich die Ewigkeit einschlich
Inhalt:
Vorwort
1. »Ewig« ist nicht endlos
2. Wie die lateinische Sprache die Theologie beeinflusste
3. Ewig und säkular
4. Tertullian
5. Aiōn in alten Übersetzungen
6. Zitate aus Schriften der Kirchenväter
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Die nachfolgenden Ausführungen, die etwas gekürzt schon einmal im Mai 1936 in unserer Zweimonatszeitschrift »Unausforschlicher Reichtum« erschienen sind, verdanken wir einem Mitarbeiter in Schottland, Alexander Thomson, dessen Spezialfach alte und älteste Bibelübersetzungen sind. Wir haben bei der Bearbeitung des englischen Artikels die vielfachen Bezugnahmen auf britische Bibelübersetzungen fortgelassen und dafür Verschiedenes eingefügt, was uns für deutsche Leser wichtig erscheint. In überzeugender Weise dürfte in dieser Abhandlung der Beweis erbracht sein, dass nicht nur die Übersetzung des griechischen Wortes aiōn mit Ewigkeit im Sinne von Endlosigkeit in der Bibel keine Berechtigung hat, sondern dass überhaupt dem Wort »Ewigkeit« im Deutschen wie in anderen Sprachen die ihm heute beigemessene Bedeutung ursprünglich fremd war. Das volle Verständnis für die Äonen der Bibel ist anscheinend schon bald nach den Tagen des Paulus verlorengegangen. Als es dann mit der griechischen Kirche abwärts ging und die lateinische mit einer eigenen Übersetzung der Schrift, der Vulgata des Hieronymus, in den Vordergrund trat, musste diese mit ihrer inkonsequenten Wiedergabe der griechischen Ausdrücke aiōn und aiōnios dazu beitragen, die auf den Karthager Tertullian zurückgehende lateinische Theologie zu stützen, in deren Mittelpunkt nicht mehr wie bei den griechischen Kirchenvätern, die das Neue Testament noch besser verstanden haben, Gott in Seiner Liebe zu den Menschen steht, sondern der sündige Mensch, der vor seinen Richter geladen ist und mit endlosen Höllenstrafen zu rechnen hat. In der unterschiedlichen Bedeutung, die man dem Wort aiōn beilegt, spiegelt sich im Grunde der Kampf zwischen der griechischen, d. h. hier der biblischen, und der römischen, mehr rechtlich-gesetzlichen Auffassung des Evangeliums wider. Die Reformatoren haben dann, ohne es zu wissen und zu wollen, römischen Sauerteig mit übernommen. Als eine Folge davon wird weithin in der evangelischen Christenheit die biblische Wahrheit von dem Gott, dem es wohlgefiel, alles im Himmel und auf der Erde in Christus mit Sich Selbst auszusöhnen, zu dem Ziel hin, dass Er schließlich alles in allen sei, als Irrlehre verketzert.
Möge es Gott gefallen, diesen kleinen Beitrag zu einem richtigeren Verständnis Seines Wortes zu segnen und Seine herrliche Wahrheit in hellem Licht erstrahlen zu lassen.
Autor: Petry, Paul | Kategorie(n): Allversöhnung, Kirchentum, Lehre | 1,815 x gelesen


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