Wenn die Schrift bezeugt, daß Gott die Welt liebt, so ist damit gar
nichts darüber ausgesagt, wie die Welt ist, sondern nur, wie Gott ist.
Das gilt es einmal ganz klar mit allen Konsequenzen zu fassen.


Adolf Heller (1895 - 1973)
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Es ist doch alles nur Gnade

Auf Gnade kann man trauen!

Deshalb umgürtet die Lenden eurer Gesinnung, seid nüchtern und hofft völlig auf die Gnade, die euch gebracht wird bei der Offenbarung Jesu Christi (1. Petr. 1, 13).

In der ersten Hälfte des Kapitels hat der Apostel von der großen Errettung gesprochen, die uns durch JESUS CHRISTUS geworden ist — von jener Errettung, welche die Propheten von ferne geschaut, deren Größe und Herrlichkeit wir nicht ausschöpfen können, die nur immer unergründlicher wird, je tiefer wir sie zu erforschen suchen. Alle diese wunderbaren Dinge sind für uns, denen jetzt das Evangelium mit Bezeugung des vom Himmel gesandten Heiligen Geistes verkündigt worden ist. Einem solchen Evangelium gegenüber gilt es, sich zusammennehmen und nach der in Vers 13 enthaltenen Mahnung handeln: “Deshalb umgürtet die Lenden eurer Gesinnung!” (Luthertext: “… eures Gemütes!”) Je wichtiger ein Unterricht ist, um so mehr muß man den Kopf bei der Sache haben und sich selbst und seine Gedanken zusammennehmen. Man hält sein Gewand mit einem Gurt zusammen, damit es nicht nach allen Seiten hin flattere. “Begürtet die Lenden eures Gemütes!” — die Gewänder der Gedankenwelt, damit sie nicht irgendwo hängenbleiben. Nehmt euch in acht mit euren Phantasien und Stimmungen! Das Sich-Gehenlassen ist in der natürlichen Trägheit des menschlichen Herzens begründet. Man ist zu träge, um sich zusammenzunehmen; um Konflikte zu vermeiden, verlangt man aber, daß die andern sich zusammennehmen. So werden wir zu Leuten, die keinen Luftzug vertragen können und allen Schuld geben, nur nicht sich selbst — zu Leuten, die kein Rückgrat, keinen sittlichen Gehalt haben und blind ihren Stimmungen und Neigungen folgen müssen, weil sie an die eigene Natur verkauft sind. Wer sich nicht zusammennimmt, öffnet allen möglichen Einbildungen Tür und Tor; er glaubt sich von niemand verstanden, von niemand ge­liebt und meint, alle Ursache zu haben, sich selbst bemitleiden zu dürfen. Arme, beklagenswerte Geschöpfe! Kann man sich wundern, daß keine Geistesmacht auf dem Plan ist, wenn die Leute so heranwachsen? Jeder sucht das Seine, und schließlich klagt man Gott der Erbarmungslosigkeit an. Woher kommt das?

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Autor: Stockmayer, Otto | Kategorie(n): Andachten, Gemeinde, Lehre  |  1,159 x gelesen

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