Zwei Bündnisse — das zur Knechtschaft und das zur Freiheit
Die Stelle Gal. 4, 22-26 handelt von den beiden Söhnen Abrahams (Gal. 4, 24-26), von Ismael und von Isaak. Ismael war von der Hausmagd Hagar, von der Unfreien, geboren; Isaak war der Sohn göttlicher Verheißung und war von der Freien geboren. Der Apostel Paulus folgert, dass das einen bildlichen Sinn habe; beide Frauen stellten zwei Bündnisse dar: die eine das vom Berg Sinai, das zur Knechtschaft führe, und die andere das der Verheißung, das die Freiheit bedeute.
Um es gerade vorwegzunehmen: Es ist hier nicht vom Gegensatz zwischen dem alten und dem neuen Bund die Rede, der alte und der neue Bund gelten dem Volk Israel (Jer. 31, 31-34; 32, 39-41; 33, 7-9; Hes. 11, 17-20; 36, 22-27; 5. Mose 30, 1-6).
Es geht dem Apostel Paulus hier um die beiden Linien, die Gott von Abraham her durch seine ganze Heilsgeschichte gezogen hat: die geistliche und die fleischliche Linie, die Linie der natürlichen Abstammung und die Glaubenslinie, die Linie der Knechtschaft und des Gesetzes und die Linie der Freiheit und des Segens.
Gewiss hat Gott sein Heil schon vor Abraham Menschen wie Abel, Henoch und Noah erfahren lassen. Hebräer 11 bezeugt uns ihren Glauben. Und wie echt dieser war, geht ohne Zweifel aus dem Zeugnis über Henoch hervor. Er wandelte dreihundert Jahre mit Gott und “hatte das Zeugnis, dass er Gott wohlgefallen habe”. Ihn hat Gott entrückt, d. h. ohne Tod hinweggenommen (1. Mo. 5, 22-24; Hebr. 11, 5.6). Aber die Heilsgeschichte hat Gott doch erst mit Abraham (damals noch Abram) begonnen. Gott hat es für gut befunden, mit dem Anfang seiner Heilsgeschichte zuzuwarten, bis die Nachkommenschaft Noahs sich in Völkerschaften geschieden und dadurch eine entsprechende geographische Ausbreitung erfahren hatte. Darum liest man im ersten Buch Mose wörtlich erst in Kapitel 15, und zwar im Zusammenhang mit Abraham, vom Glauben eines Menschen und von der Gerechtigkeit Gottes. Auch wird erst bei Abraham deutlich, wie Gott einen Menschen den Weg des Glaubens führt und wie er ihm ganz neue Erkenntnisse schenkt.
Autor: Schacke, Martin | Kategorie(n): Das prophetische Wort, Heilsgeschichte, Lehre | 653 x gelesen


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