War die Erschaffung des Menschen für Gott ein Wagnis?
Allgemein wird von Christen frei und offen anerkannt, daß es einen über dem Weltgeschehen stehenden Gott gibt. Aber nur wenige sind es, selbst unter den Gläubigen, welche »die Gottheit« Gottes, des »Eigners der Himmel und der Erde« (1. Mose 14:19), dankbar und klar erfassen dürfen und dem Allerhöchsten die absolute Oberhoheit zuerkennen.
Die Erfahrung zeigt immer wieder, daß gerade jene, die an der Souveränität Gottes zweifeln, das in der Heiligen Schrift bezeugte herrliche Evangelium Gottes von der Allaussöhnung in Christus ablehnen (Kol. 1:20). Sie bringen dazu verschiedene Einwände vor. Hauptsächlich meinen sie: Wenn Gott bei der Erschaffung des Menschen Sich ein Wesen gegenüberstellte, dem er einen »freien Willen« und Macht schenkte, habe Er riskiert, daß aus dem Kind ein Nebenbuhler, aus dem Geschöpf ein größenwahnsinniger Konkurrent des Schöpfers wird (Thielicke). Folglich müsse es daher unserem Gott, dessen »Göttlichkeit« in Frage gestellt wird, völlig unmöglich sein, zu garantieren, daß Er Seinen Willen (gemäß Seinem vor den Äonen gefaßten Ratschluß — nämlich einmal alles in allen Seinen Geschöpfen zu werden) verwirklichen kann.
Im Griechischen bedeutet »riskieren« (paraboleuomai) (Philipper 2:30) soviel wie »neben-werfen«. Zu glauben, Gott habe mit der Erschaffung des Menschen einen »Daneben-Wurf« getan, weil Er es übersehen haben soll, daß diese Menschen Seinen voräonischen, universellen Rettungsplan durchkreuzen und vereiteln würden, heißt aber Gott Seiner absoluten Göttlichkeit entkleiden! Ein anderer Einwand heißt dann, der Weltgrund sei eben dualistisch, also zweiheitlich. Und was das Böse in der Welt anbelangt, so gehe dasselbe nicht auf Gott, sondern auf das angeblich unableitbare Prinzip des Bösen neben Gott zurück.
Es ist nicht unsere Aufgabe und wir haben nicht das Recht auf dem Felde der streitenden Weltanschauungen zu kämpfen. Auf diesem Gebiet wollen wir nicht Angreifer sein, »denn wir lassen uns in kein Handgemenge mit Fleisch und Blut ein, sondern stehen gegen die Fürstlichkeiten, gegen die Obrigkeiten, gegen die Weltbeherrscher dieser Finsternis, gegen die geistlichen Mächte der Bosheit inmitten der Überhimmlischen« (Eph. 6:12). In den nachfolgenden Versen ermahnt uns der Apostel Paulus, die gesamte »Waffenrüstung Gottes« zu gebrauchen, um den unseren Glaube bedrohenden Mächten widerstehen zu können. Steht der in Christus Berufene und Gerechtfertigte nicht jetzt schon im Geist in Christus? Um die Bekräftigung dieses unseres Standorts soll es auch bei unseren Ausführungen gehen. Uns liegt am Herzen, angesichts der Verleugnung der Göttlichkeit Gottes in unseren Glaubensgeschwistern den Glauben an Gottes Souveränität zu festigen und zu bezeugen, wie Er ist und wie Er durch Sein Wort Seine Göttlichkeit in Gnaden offenbart. Wir möchten versuchen, in dankbarer Bejahung der konkordanten Schriftforschungsergebnisse des exaktesten Bibelübersetzers A. E. Knoch (1874-1965) die konsequente Lehre von der unbedingten Göttlichkeit Gottes darzulegen, die dieser wie kaum ein anderer auf den Leuchter setzen durfte. Möge, wie Paulus für alle Heiligen betete, der Gott unseres Herrn Jesus Christus, der Vater der Herrlichkeit, uns geistliche Weisheit und geistliche Enthüllung zur Erkenntnis Seiner Selbst geben (Eph. 1:17). Wir haben dann keinen Grund, nach unzulänglichen menschlichen Erklärungen über Gott und Seinen angeblichen Mißerfolg suchen zu müssen. Wir stehen auf dem Felsengrund der Heiligen Schrift. Diese aber konfrontiert uns mit Tatsachen:
Autor: Wolf, Ludwig | Kategorie(n): Erkenntnis & Wesen Gottes, Lehre | 1,771 x gelesen


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