Das Wunder der Gnade bei Paulus
(Nachschrift eines Wortdienstes auf der Langensteinbacherhöhe)
Aus 1. Timotheus 1 lese ich die Verse 12-17: »Ich danke unserem Herrn Christus Jesus, der mich stark gemacht und treu geachtet hat und gesetzt in das Amt, der ich zuvor war ein Lästerer und ein Verfolger und ein Schmäher. Aber mir ist Barmherzigkeit widerfahren, denn ich habe es unwissend getan im Unglauben. Es ist aber desto reicher gewesen die Gnade unseres Herrn samt dem Glauben und der Liebe, die in Christus Jesus ist. Das ist gewißlich wahr und ein teuer wertes Wort, daß Christus Jesus gekommen ist in die Welt, die Sünder selig zu machen, unter welchen ich der vornehmste bin. Aber darum ist mir Barmherzigkeit widerfahren, auf daß an mir vornehmlich Jesus Christus erzeigte alle Geduld, zum Vorbild denen, die an Ihn glauben sollten zum ewigen Leben. Aber Gott, dem ewigen König, dem Unvergänglichen und Unsichtbaren und allein Weisen, sei Ehre und Preis in Ewigkeit! Amen.
Der bekannte Bibelübersetzer Hans Bruns hat einmal gesagt: »Wahrer Christenglaube ist in Deutschland nahezu unbekannt.« Das ist ja nun schon eine schockierende Behauptung! Er hat nicht gesagt: In Deutschland gibt es keine Religion, oder: In Deutschland ist das Christentum unbekannt, nein, er hat gesagt: In Deutschland ist wahrer Christenglaube nahezu unbekannt. Er hat damit nicht zum Ausdruck bringen wollen, daß Deutschland nachgerade ein Missionsland sei, wo viele Leute nichts mehr wissen von biblischen Gedanken und Gesichtspunkten, sondern er wollte sagen, daß gerade unter denen, die sich für Christen halten, große Unklarheit darüber besteht, was denn tatsächlich wahrer Christenglaube ist.
Wenn man mit Menschen ins Gespräch kommt, stellt sich sehr schnell heraus, was für Vorstellungen sie diesbezüglich haben. Oft geht es ihnen nur darum, daß Jesus die Liebe propagiert habe, daß Er den Menschen das Gebot der Nächstenliebe gebracht habe. Dieses Gebot aber hat nicht erst Jesus gebracht, es findet sich schon mitten in den Büchern Mose (3. Mose 19, 18)! Oder es wird gesagt, Jesus habe die Gerechtigkeit verfochten, die Solidarität mit den Entrechteten und die Gleichheit aller Menschen. In all diesen Dingen mag ja ein Körnchen Wahrheit liegen — nur wenn man meint, das sei die Mitte des Evangeliums und des Christenglaubens, dann hat man tatsächlich vom Christenglauben so gut wie nichts verstanden.
Autor: Schäfer, Kurt | Kategorie(n): Erkenntnis & Wesen Gottes, Gemeinde, Paulus | 709 x gelesen


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