Laßt uns nie vergessen, daß immer der Fleischgeborene den
Geistgeborenen lästert und verfolgt, und nie umgekehrt (Gal. 4,29).


Adolf Heller (1895 - 1973)
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Die Selbstrechtfertigung Gottes in der Heilsgeschichte

Ich gebe gerne zu, dass dies ein eigenartiges Thema ist. Es weckt sofort viele Fragen, von denen manche geradezu zum Protest werden können: »Hat denn Gott eine Selbstrechtfertigung nötig? Ist es nicht anmaßend, wenn das Geschöpf den Schöpfer mit der Warumfrage bis zum Letzten herausfordert? Fährt uns da nicht der Apostel Paulus in die Parade: Ja, lieber Mensch, wer bist du denn, dass du mit Gott rechten willst?« (Röm. 9, 20). Nun — wir haben nicht vor, Gott zur Rechenschaft zu ziehen. Aber das Ganze bekommt doch eine neue Sicht, wenn sich Gott selbst einem Rechtsprozess stellt. Er tut dies in der Tat!

Der Prophet Jesaja z. B. bringt seine Botschaft vom geschichtsmächtigen Gott in Form von Gerichtsverhandlungen, die in mehreren Prozessen ablaufen (Kapitel 41-44).

Der Apostel Paulus zitiert im Römerbrief ein Wort aus Ps. 51, 6, das das Rechten mit Gott zum Inhalt hat: »Damit Du Recht behältst in Deinen Worten und siegst, wenn man mit Dir rechtet« (Röm. 3, 4).

Der Begriff »Selbstrechtfertigung Gottes« ist also berechtigt. Er ist keine Erfindung von mir. Ich habe ihn bei Erich Sauer in seinem Buch »Das Morgenrot der Welterlösung« gefunden: »Damit (mit Seinem Heilsplan) steht Gott vor Seiner ganzen Schöpfung im Himmel und auf Erden als gerechtfertigt da, dass Er gerade diesen Heilsweg bestimmte. Die Heilsgeschichte wird somit zu einer geschichtlichen Selbstrechtfertigung Gottes« (Fußnote: zu einer »historischen Theodizee«). Die Theodizee ist die Frage nach der Rechtfertigung Gottes: Wie lässt sich angesichts des Bösen in der Welt an die Güte und Allmacht Gottes glauben? Wir sind also mit unserem Thema durchaus am Lebensnerv unseres Christseins. Dabei geht es um zwei zentrale biblische Begriffe. Es sind dies »Sünde« und »Gnade«. Bei beiden beweist Gott, dass »Er Recht hat«. Er tut dies um uns Menschen willen, die wir gerade an diesen zwei Stellen unsere Einwände haben: Sünde wird entweder geleugnet, verharmlost oder als selbst zu reparierendes Delikt angesehen, und Gnade wird als nicht zumutbare Sklavenmoral abgelehnt. Es sind dies zwei entscheidende Kristallisationspunkte im Erlösungsplan Gottes. Deshalb ist Ihm der selbstrechtfertigende Nachweis ein Anliegen: Wir Menschen sollen von der Rich­tigkeit und Notwendigkeit gerade dieses Erlösungsweges überzeugt werden.

Wie geschieht nun die Selbstrechtfertigung Gottes?

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Autor: Layer, Karl | Kategorie(n): Erkenntnis & Wesen Gottes, Heilsgeschichte  |  374 x gelesen

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Was meint die Kennzeichnung »Das prophetische Wort«?

1. Was ist das prophetische Wort?

Wenn wir mit der Klärung des Begriffes beginnen, werden wir auf die klassische Belegstelle 2. Petr. 1, 16-21 geführt. Hier fällt auf, dass prophetisches Wort und Weissagung dasselbe meinen. Deutlich wird auch der göttliche, durch den Heiligen Geist gewirkte Ursprung dieses Wortes bezeugt. Fragt man: Wie kam es dazu?, so antworten wir: durch eine Offenbarung Gottes. Der Prophet hat als Sprecher Gottes eine Botschaft empfangen, die oft genug im Alten Testament so eingeleitet wird: »Das Wort des Herrn geschah zu mir.« Fragen wir: Wie kam dieses Wort zu uns?, so werden wir auf den Vorgang der schriftlichen Fixierung gewiesen, der dem Offenbarungsempfang folgte. In Jer. 36, 1.2 wird dem Propheten von Gott selbst der Auftrag dazu erteilt. Das Aufschreiben des prophetischen Wortes bekundete bereits damals, dass sei­ne Botschaft unbedingt zuverlässig ist, weil von göttlicher Autorität getragen. Gerade diese Zuverlässigkeit des geschriebenen prophetischen Wortes betont Petrus und bringt sie mit seinem subjektiven Erleben als Augen- und Ohrenzeuge in Verbindung. Sein Erleben mit Jesus — das Erleben der Apostel überhaupt — stimmt überein mit dem prophetischen Wort. Diese Übereinstimmung zu bezeugen, gehörte zum grundlegenden Dienst der Apostel. Der zu weckende Glaube in den Hörern der Apostelbotschaft sollte seinen Grund im geschriebenen Wort haben. Es ist wichtig, dass wir den Begriff »prophetisches Wort« nicht verengt sehen. Es ist all das Wort in unserer Bibel, das auf der Linie von Verheißung und Erfüllung liegt. Dies bezieht sich nicht nur auf den »Brückenbau« zwischen Altem und Neuem Testament, den die Apostel vornahmen. Bereits im Alten Testament lassen sich solche Linienführungen feststellen, d. h. prophetische Ankündigungen können an ihrer Erfüllung nachgeprüft werden (vgl. 1. Kor. 21, 17-19 mit 22, 38; Josua 6, 26 mit 1. Kön. 16, 34). Dabei geht es nicht einfach nur um den Aspekt des Zukünftigen — dies wäre eine Verengung —, sondern um eine Botschaft in die Gegenwart hinein. Das prophetische Wort will jetzt treffen und zu Konsequenzen bewegen. Wenn der Apostel Paulus in 1. Thess. 4, 13-18 ein prophetisches Wort über das Zukünftige sagt, ist es ganz handfest gegenwartsbezogen: »So tröstet euch mit diesen Worten untereinander.« Allerdings kann ich auch nicht einverstanden sein mit denen, die dem prophetischen Wort die Dimension des Zukünftigen überhaupt absprechen und alles in das Jetzt und Heute hineinlegen. Aussagen, die das Zukünftige betreffen, dürfen nicht als »Apokalyptik« abqualifiziert werden. Zum prophetischen Wort gehört auch Apokalyptisches in dem Sinn, dass es letzte Geheimnisse enthüllt, die ihren Anknüpfungspunkt nicht unbedingt im Gegenwärtigen haben. Auch der Begriff »Eschatologie« gehört zum prophetischen Wort, wobei er im zeitlichen Sinn als Endzeit oder letzte Zeit zu verstehen ist. Wichtig ist mir die Feststellung, dass das prophetische Wort uns berechtigt, von einer Heilsgeschichte Gottes zu sprechen. Es ist das Instrument, durch das Gott vergangene, gegenwärtige und zukünftige Ereignisse deutet bzw. deuten lässt und sie — auch wenn sie mit Gericht verbunden sind — als Heilsgeschichte ausweist.

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Autor: Layer, Karl | Kategorie(n): Das prophetische Wort, Heilsgeschichte  |  361 x gelesen

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