Wenn die Schrift bezeugt, daß Gott die Welt liebt, so ist damit gar
nichts darüber ausgesagt, wie die Welt ist, sondern nur, wie Gott ist.
Das gilt es einmal ganz klar mit allen Konsequenzen zu fassen.


Adolf Heller (1895 - 1973)
Beitrag per E-Mail weiterempfehlen   Beitrag drucken   1

In Ihm war das Leben!

Gott hat allein Unsterblichkeit (1. Tim. 6, 16). Durch die Zeugung des Sohnes entstand dieser aus dem gleichen Leben und trägt dieses in sich selbst. Der Vater hat dem Sohne gegeben, Leben zu haben in sich selbst (Joh. 5, 26). In Ihm war das Leben (Joh. 1, 4). Außer dem Vater und dem Sohne hat kein erschaffenes Wesen von sich aus dieses Leben. Dem Geschöpf kann es nur durch die Zeugung von oben vermittelt werden. Wer den Sohn aufnimmt, hat damit das Leben des Sohnes Gottes und damit auch das Leben des Vatergottes selbst empfangen (Joh. 1, 12; 1. Joh. 5, 11.12).

Alles in Ihm war Leben! Keine Sünde hemmte die Entfaltung des vollen Gotteslebens. Darum waren auch die Worte, die der Sohn redete, nicht leere Menschenworte, sondern Geist und Leben (Joh. 6, 63). Wenn Er sprach, so geschah es, und wenn Er gebot, so stand es da. Von Seinem Leibe flossen Ströme lebendigen Wassers. Redete Er nur ein Wort, so kam ein Lazarus aus dem Grabe hervor oder ein Jüngling zu Nain stieg aus dem Sarge oder ein Töchterlein des Jairus stand vom Totenbett auf oder ein kranker Mensch, der 38 Jahre gelegen hatte, nahm seine Matte, auf der er lag, und ging gesund davon. — Wind und See gehorchten Ihm, dem Gottes- und Menschensohn, und wurden stille auf Sein Wort. Durch Seinen Segensspruch mehrten sich die wenigen Brote zu reicher Speise für 5000 Männer, dazu die Frauen und Kinder.

Gott hat aber auch allen denen, die aus Ihm geboren sind (Joh. 1, 12.13), das gleiche Leben gegeben, wie dem Erstgeborenen der Brüder (1. Joh. 5, 11-13). Sie sind Teilhaber der göttlichen Natur (2. Petr. 1, 4) und damit göttlichen Geschlechts (Apg. 17, 29; wörtlich: Gottes Geschlecht). Ja, der Sohn selbst nennt sie in Joh. 10, 34-36 “Götter” (vergl. auch Joh. 17, 16).

Das ist mehr, als je ein Auge gesehen oder ein Ohr gehört hat, oder was in eines Menschen Herz gekommen ist! Der Vater hat Sein eigenes Gottesleben in uns ergossen. Er ergoß Seinen Heiligen Geist in uns. Dadurch wurden wir Teilhaber der Gottnatur.

[weiterlesen ...]

Autor: Geyer, Karl | Kategorie(n): Andachten, Erkenntnis & Wesen Gottes, Glaubensleben & Wandel  |  1,245 x gelesen

Beitrag per E-Mail weiterempfehlen   Beitrag drucken   0

Das All dient Ihm und uns!

“Alle Dinge dienen Dir (eigentlich: Dir dient das All, das Ganze, das ganze Weltall; vergl. Fußnote in der Elberfelder Übersetzung)!” (Psalm 119, 91).

“Wir wissen aber, daß denen, die Gott lieben, alle Dinge zusammenwirken zum Guten, denen, die nach Vorsatz berufen sind” (Röm. 8, 28).

Die kürzeste Weltgeschichte ließ der Heilige Geist durch den Apostel Paulus schreiben. Sie umfaßt nur einen Satz und lautet: “Aus Ihm und durch Ihn und zu Ihm hin ist das All” (Röm. 11, 36; man vergl. hierzu auch 1. Kor. 8, 6; Kol. 1, 16 u. a.).

Die Weltgeschichte der erneuerten und vollendeten Schöpfung ist ebenso kurz und lautet: “Gott wird sein alles in allem” (1. Kor. 15, 28). Auch diese ungeheure Zusammenballung aller zukünftigen Zustände in der vollendeten und verherrlichten Schöpfung durfte der Apostel der Leibesgemeinde schreiben, Paulus, dem Gott das offenbarte, was Er in den vorhergehenden Generationen (= Geschlechtern) den Söhnen der Menschen nicht kundgetan hatte.

Das All verdankt seine Existenz dem Willen Gottes. Ehe es Welten und Geschöpfe gab, faßte ER in sich selbst den Entschluß, das All ins Dasein zu rufen. Niemand war dabei Sein Mitberater (Röm. 11, 34). Außer Ihm war keiner da. Nichts existierte außer Ihm, was Ihm hätte eine Veranlassung geben können zu Seinem Entschluß, die Welt zu erschaffen. Sein eignes Inneres, Sein Gotteswesen, Sein Höchstadel des Geistes und der Liebe drängten Ihn dazu, sich zu entfalten in heiligem Liebestrieb, und in göttlich vollkommenem Vorsatz den Weltplan der Äonen festzustellen und Sein machtvolles schöpferisches Werde-Wort auszusprechen.

Darum huldigen Ihm auch in ehrfürchtiger Anerkennung dieser gewaltigen Wahrheiten und Gotteswirklichkeiten die Herrlichkeiten des Himmels (Neh. 9, 6) und werfen ihre Kronen vor Ihm nieder und bezeugen: “Du bist würdig, o unser Herr und unser Gott, zu nehmen die Herrlichkeit und die Ehre und die Macht; denn Du hast alle Dinge (wörtlich: ta panta = das All) erschaffen, und Deines Willens wegen waren sie und sind sie erschaffen worden” (Off. 4, 11).

Auf die Frage der Geschöpfe: Warum existiert diese Welt und wir in ihr? gibt es nur eine völlig richtige Antwort, nämlich die: Weil Gott es so wollte!

[weiterlesen ...]

Autor: Geyer, Karl | Kategorie(n): Erkenntnis & Wesen Gottes, Erwählung, Gemeinde, Lehre  |  1,354 x gelesen

Beitrag per E-Mail weiterempfehlen   Beitrag drucken   0

Verherrlicht nun Gott in eurem Leibe!

(1. Kor. 6, 20)

Alles Geistige drängt danach, Gestalt anzunehmen. An und für sich ist der Geist unsichtbar. Darum wird auch Gott, der Geist ist, der unsichtbare Gott genannt (Kol. 1, 15; 1. Tim. 1, 17; Hebr. 11, 27; Röm. 1, 20; 1. Tim. 6, 16; Joh. 1, 14-18; 14, 8-11 u.a.). — Um sichtbar zu werden, mußte Er leibhaftig werden, d. h. in einem Leibe erscheinen, sichtbare Gestalt annehmen. Nur in dieser Form und Wesenheit ist die Liebes-Einheit zwischen Gott und Menschen restlos vollziehbar. Bis dahin ist sie nur geist- und glaubensmäßig wirksam. — In der Vollendung, wenn wir Ihn sehen, wie Er ist, wird die Liebes-Einung in der neuen Geistleiblichkeit schaubar vollzogen. Im Blick auf diesen Zukunftsstand sagt Oetinger mit vollem Recht: “Geistleiblichkeit ist das Endziel der Wege Gottes.”

Als Gott im Sohne ins Fleisch kam, so daß wir Seine Herrlichkeit in leibhaftiger Gestalt sehen konnten, jauchzte der Sohn in glückseliger Freude Seines gottseligen Herzens: “Schlachtopfer und Brandopfer hast Du nicht gewollt; aber einen Leib hast Du Mir bereitet!” (Hebr. 10, 5).

Sein Kommen in diese Welt diente also zunächst nicht der Befriedigung der Bedürfnisse der Menschen, sondern der Stillung des Liebesverlangens und des innersten Geistesdranges des Vaters, der sich im Sohne offenbaren und sichtbar darstellen wollte, und zwar so, daß der Sohn bekennen konnte: “Wer mich sieht, der sieht den Vater!” (Joh. 14, 8-11).

Darum sang auch die alte Gemeinde, die Ekklesia Gottes, die Er in 1. Tim. 3, 15 den Pfeiler und die Grundfeste der Wahrheit nennt: “Anerkannt groß ist das Geheimnis der Gottseligkeit: Gott ist geoffenbart worden im Fleische, gerechtfertigt im Geiste, gesehen von den Engeln, gepredigt unter den Nationen, geglaubt in der Welt, aufgenommen in Herrlichkeit” (1. Tim. 3, 16).

Im Sohn der Liebe wohnte nicht nur so ein Stück göttlichen Wesens, sondern die ganze Fülle der Gottheit leibhaftig (Kol. 2, 9). Im gleichen Brief bezeugt uns der Heilige Geist durch den Apostel Paulus, daß dieses Wohnen der ganzen Fülle im Sohne seinen Ursprung hatte in dem Wohlgefallen des Vaters (Kol. 1, 19). Es war des Vaters Wonne, Seine Lust, Sein Wohlgefallen, Seine Eudokia, das ist die Höchstlust der Wonne Seiner Liebe, im Sohne zu wohnen. Hier waren wirklich Gottheit und Menschheit in Einem vereint, so daß in Ihm, dem Gottessohn Christus Jesus, alle vollkommene Fülle erscheinet. Der Sohn der Liebe ist der Mittler zwischen Gott und Menschen, der in der Mitte zwischen beiden Stehende und Vermittelnde, der aus beiden eines macht, der Mensch Christus Jesus, der wahre und wesenhafte Gottmensch (1. Tim. 2, 5).

An diesem Punkte scheiden sich daher auch die Geister. Wer da bekennet, daß der Sohn Gottes ins Fleisch kam, der ist aus Gott. Ein jeder Geist, der das nicht bekennet, ist nicht aus Gott. Dies ist der Geist des Antichrists (1. Joh. 4, 1-3).

[weiterlesen ...]

Autor: Geyer, Karl | Kategorie(n): Gemeinde, Glaubensleben & Wandel, Heiligung, Hingabe, Versuchung & Verführung  |  1,561 x gelesen

Beitrag per E-Mail weiterempfehlen   Beitrag drucken   0

Gedanken aus dem Buch Josua

(Nach einer Tonbandaufnahme der Untertürkheimer Konferenz am 24.04.1955)

Die Schrift ist in allen ihren Teilen siebenfach geläutert (Ps. 12, 6). So wie der Geist, der sie heiligen Menschen Gottes eingab, ein siebenfacher ist (Jes. 11, 2; Offb. 3, 1), so hat auch sie eine siebenfältige Bedeutung. Und nur, wenn wir uns das Wort in dieser ganzen siebenfältigen Fülle dienen lassen, können wir einen vollen Ertrag davon haben.

So dürfen wir auch das Buch Josua zunächst einmal geschichtlich betrachten. Dabei erkennen wir aber immer nur die Außenseite der Dinge und sehen: dies oder jenes hat sich damals und dort ereignet, oder so und so hat Gott in einer bestimmten Lage zu Josua geredet.

Um aber einen unmittelbaren Glaubensertrag für unser geistliches Leben zu haben, dürfen wir weitergehen zur praktisch-erbaulichen Betrachtungsweise. Da sehen wir dann alle Geschehnisse als Vorbilder für unseren Glaubenslauf an, und die Ermahnungen und Ermunterungen Gottes an Josua als Ermahnungen und Ermunterungen für uns.

Leider bleibt man bei diesen ersten beiden Betrachtungsweisen der Schrift meistens stehen, statt sich auch die prophetischen und symbolischen Bedeutungen anzueignen. Das ist ein großer Verlust. Denn das Wichtigste bei der Betrachtung der Schrift ist nicht, daß ich mich darin finde und meine Unzulänglichkeit, sondern die prophetischen Linien und vor allen Dingen: Ihn selbst!

Schon Luther hat vor mehr als 400 Jahren erkannt und gesagt: Josua bedeutet dem Namen und der Geschichte (dem Geschehen) nach: Christus! Es ist mir eine tiefe Freude zu sehen, daß der, den Gott benützte, um die Wahrheit der Rechtfertigung aus dem Glauben wieder auf den Leuchter zu setzen, nicht bei der geschichtlichen und praktisch-erbaulichen Auslegung stehenblieb. Dieser Ausspruch Luthers beweist, daß er eine Schau besaß und nicht nur eine Lehre.

[weiterlesen ...]

Autor: Geyer, Karl | Kategorie(n): Biblische Symbolik, Das prophetische Wort, Erkenntnis & Wesen Gottes, Wort Gottes (Bibel)  |  1,536 x gelesen

Beitrag per E-Mail weiterempfehlen   Beitrag drucken   0

Jesus wandelt auf dem See

Da nun Jesus erkannte, daß sie kommen und Ihn ergreifen wollten, auf daß sie Ihn zum König machten, entwich Er wieder auf den Berg, Er selbst allein. Als es aber Abend geworden war, gingen Seine Jünger hinab an den See, und sie stiegen in das Schiff und fuhren über den See nach Kapernaum. Und es war schon finster geworden, und Jesus war noch nicht zu ihnen gekommen; und der See erhob sich, indem ein starker Wind wehte. Als sie nun etwa fünfundzwanzig oder dreißig Stadien gerudert hatten, sehen sie Jesus auf dem See wandeln und nahe an das Schiff herankommen, und sie fürchteten sich. Er aber spricht zu Ihnen: Ich bin’s, fürchtet euch nicht! Sie wollten Ihn nun in das Schiff nehmen, und alsbald war das Schiff an dem Lande, zu welchem sie hinfuhren (Joh. 6, 15-21; vergl. Matth. 14, 22-33 u. Mark. 6, 45-52).

I.

Der Herr hatte die Vielen gespeist. Solch einen Brotgeber konnten sie gebrauchen. Deshalb wollten sie sich Seiner mit Gewalt bemächtigen, um Ihn zum König zu machen. Da wäre Er auf immer ihren Wünschen verpflichtet und ihren Zwecken dienstbar gewesen. Diesem Vorhaben entzieht Er Sich und geht allein auf einen Berg, um zu beten.

Dann wird es Abend, und die Jünger fahren allein über den hochgehenden See, den ein starker Wind aufwühlt. Die Dunkelheit ist bereits eingetreten, doch Jesus ist noch nicht zu ihnen gekommen. Er sieht vom Berge aus ihre Not und kommt zu ihnen. Zuerst erschrecken sie. Dann aber erkennen sie Ihn, und sogleich ist das Boot am Lande, am Ziel.

[weiterlesen ...]

Autor: Geyer, Karl | Kategorie(n): Das prophetische Wort, Glaubensleben & Wandel, Heilsgeschichte  |  1,630 x gelesen

Beitrag per E-Mail weiterempfehlen   Beitrag drucken   0

Die Berufung Abrahams (1)

Historisch, erbaulich, prophetisch und symbolisch betrachtet

Einleitung

Gott wohnt in einem unzugänglichen Licht, da niemand hinkommen kann. Ohne eine Offenbarung Seinerseits wäre die Menschheit nie zu einer Erkenntnis Seines Wesens und Seines Willens gekommen. Wir würden heute noch alle an der Stelle stehen, auf der die Heiden vor der Erscheinung des Lichtes der Welt standen. Unsere Erkenntnis wäre allein über Seine Wohnung, jenes unzugängliche Licht, geringer, als über einen der immerhin noch wahrnehmbaren Sterne der Milchstraße. Noch weniger aber wüßten wir über Ihn selbst. In Dunkel und Finsternis müßten wir tastend unseren Weg gehen, die Seele erfüllt von dem hoffnungslosesten Nichtwissen über das “Woher”, das “Wozu” und das “Wohin”. Und alle, die Ihn tastend suchen und fühlen und finden möchten, müßten über ihre Altäre schreiben: “Dem unbekannten Gott” (Apg. 17, 22-31).

Aber Sein Wesen ist Liebe. Darum kann Er nicht verborgen bleiben. Liebe braucht einen Gegenstand, an dem sie sich auswirken kann, ohne Rücksicht auf den Wert desselben. Die Inbrunst Seiner Liebe bewog Ihn, aus Seiner Gottes-Einsamkeit herauszutreten. Er rief eine Welt ins Dasein, die Ihm in ihrer Schöpfung, Erlösung und dereinstigen Vollendung Gelegenheit gab und gibt, alles, was an Allmacht und Weisheit, an Gerechtigkeit und Heiligkeit, an Gnade und Liebe in Ihm ist, kund und offenbar zu machen.

Diese Offenbarung hat zwei Seiten, eine darstellende und eine beschreibende:

  1. Die darstellende Offenbarung Gottes ist der Sohn Gottes (Joh. 1, 18; 10, 30; 14, 9).
  2. Die beschreibende Offenbarung Gottes ist Sein Wort (Joh. 5, 39 und Apg. 10, 43 u. v. a.).

[weiterlesen ...]

Autor: Geyer, Karl | Kategorie(n): Biblische Symbolik, Das prophetische Wort, Erwählung, Glaubensleben & Wandel, Lehre  |  2,298 x gelesen

Beitrag per E-Mail weiterempfehlen   Beitrag drucken   0

Die Berufung Abrahams (2)

Die praktisch-erbauliche Bedeutung

Was hat uns die Geschichte Abrahams zu sagen? — Welchen Wert hat sie für unser praktisches Leben? — In welcher Weise dient sie zu unserer Erbauung, oder welchen moralischen Nutzen haben wir von ihrer Betrachtung?

Die Schrift gibt uns in Galater 3, 9 eine Antwort auf diese Fragen. Alle Gläubigen werden mit dem gläubigen Abraham gesegnet. Er ist das Musterbeispiel, an dem Gott Seinen Grundsatz zur Darstellung brachte: “Gerechtfertigt aus Glauben.” Wer auf die Rechtfertigung aus Glauben Anspruch erhebt, tut gut, sich die göttliche Erziehungsweise am Leben Abrahams anzusehen. In derselben Weise erzieht Gott alle Gläubigen, mögen die Umstände in ihrem Leben noch so verschieden sein. “Es ist aber nicht allein seinetwegen geschrieben, daß es ihm zugerechnet werden soll …” (Röm. 4, 23.24, siehe auch das ganze Kapitel).

So deutlich fordert uns Gott auf, das Leben Abrahams glaubend zu erforschen! Dieser Hinweis ist beschämend genug für uns, weil darin die ausgesprochene Voraussetzung liegt, daß wir von Natur aus daran gewöhnt sind, die Geschichten des Alten Testamentes rein historisch zu lesen, so, als ob sie alle nur die dort genannten Personen angingen. Und doch bekommt der Timotheus gesagt, daß in dem Wissen dieser alttestamentlichen Schriften ein großes Vermögen steckt, eine Macht, die wirksam wird zu unserem Heil, wenn sie nur glaubend erkannt und angewandt wird. Denn alle Schrift ist von Gott eingegeben und nützt uns zu mancherlei Teilzwecken, auf daß der eine große Endzweck Gottes mit uns erreicht werde, den Gottmenschen in uns vollkommen zu machen, zu jedem guten Werke völlig geschickt (2. Tim. 3, 15-17).

Schon dieser umfassende Hinweis auf sämtliche Schriften des Alten Testamentes sollte uns genügen, das Leben Abrahams nach der Seite zu betrachten, welchen Wert es für die Entwicklung des Glaubenslebens in uns hat. Wieviel mehr aber sollte uns die obengenannte Stelle in Römer 4 direkt dazu anleiten, dieses Musterbeispiel Gottes für die Erziehung des Glaubens genau zu erforschen; denn es ist ja nicht allein seinetwegen geschrieben, sondern auch unsertwegen.

[weiterlesen ...]

Autor: Geyer, Karl | Kategorie(n): Biblische Symbolik, Das prophetische Wort, Erwählung, Glaubensleben & Wandel, Lehre  |  1,347 x gelesen

Beitrag per E-Mail weiterempfehlen   Beitrag drucken   0

Wasser und Geist

Wo die Gewalt der Finsternismächte gebrochen wird, indem der Geist Gottes sie austreibt und die aus ihrer Macht Befreiten unter die Herrschaft Gottes stellt, da ist Reich Gottes (Matth. 12, 28; Luk. 11, 20). Das Mittel, durch das der Geist den Herrschaftsanspruch Gottes kundtut und dem Sklavenhalter befiehlt, sein Opfer loszulassen, ist das Wort. Der Hauch des Mundes, das an den Geist gebundene Wort, ist das Schwert, mit dem der Herr Seine Feinde schlägt. Dies muß der Antichrist beim Kommen des Herrn zunächst erfahren (2. Thess. 2, 8); dann aber auch alle Nachfolger des falschen Christus (Offb. 1, 16; 2, 16; 19, 15; vgl. auch 1. Kor. 10, 20). Das Wort Gottes ist ein wesenhaftes Wort, die Wahrheit oder Wirklichkeit und darum auch ein Schöpfungswort, durch das Er alles wirkt. “Wenn Er spricht, so geschieht’s, und wenn Er gebietet, so steht’s da” (Psalm 33, 9; 147, 18; 148, 5). Durch Sein Wort tut Er Seinen Willen kund, und dem vermag niemand zu widerstehen. Auf Sein Wort hin geben die Weltbeherrscher der Finsternis ihre Opfer frei. Die Dämonen fahren aus, sobald der Herr es ihnen befiehlt (Mark. 1, 27; Luk. 4, 36; 8, 29-33), und der Gott und Fürst dieser Welt, Satan (2. Kor. 4, 4), muß sich wegheben, wenn das Wort Gottes es gebietet (Matth. 4, 10.11; Joh. 12, 31; 14, 30; 16, 11). “Ein Wörtlein kann ihn fällen.”

Überall da, wo die Herrschaft der Zwischenmächte aufhört und Gott selbst die Herrschaft übernimmt, ist Reich Gottes. Es ist also kein äußeres Reich, das mit äußeren Gebärden kommt, d. h. so, daß man es beobachten könnte (Luk. 17, 20), sondern die Aufrichtung der Herrschaft Gottes in den Herzen. Wer diese Herrschaft Gottes anerkennt, wer Jesus als Herrn bekennt, der ist ein Glied dieses Reiches, ganz einerlei, welche Berufung ihm zuteil wurde oder zu welcher Heilskörperschaft er gehört.

Im Gegensatz zum Reiche Gottes kommt das Königreich des Sohnes äußerlich sichtbar und ist auch zeitlich begrenzt. Auf der alten Erde dauert es 1000 Jahre und auf der neuen Erde so lange, bis Er alles dem Vater zurückgebracht und untertan gemacht hat. Dann unterwirft sich der Sohn selbst dem Vater, auf daß Gott sei alles in allem.

Reich Gottes ist also überall da, wo Gott unmittelbar die Herrschaft ausübt. Wer diese Herrschaft anerkennt, gehört zu Seinem Reiche. Darum gehören die Glieder der Leibesgemeinde ebensogut zum Reiche Gottes wie die Gläubigen auf früheren oder späteren Berufungslinien. Der Unterschied in der Berufung besteht ja nicht darin, daß man zu einem anderen Reiche gehört, sondern darin, daß man in demselben Reiche verschiedene Aufgaben hat, verschiedene Dienste und Berufe ausübt, eine andere Stellung einnimmt, einer anderen Heilskörperschaft angehört. Darum predigt Paulus das Reich Gottes genausogut wie jeder andere Apostel, ja, mehr als alle (Röm. 14, 17.18; 1. Kor. 4, 20; 6, 9.10; 15, 50; Gal. 5, 21; Eph. 5, 5; Kol. 4, 11; 1. Thess. 2, 12; 2. Thess. 1, 5; 2. Tim. 4, 1.18), denn die andern Apostel erwähnen das Reich fast gar nicht, sondern nur einmal in Jak. 2, 5. Dies ist gut zu verstehen, denn in diesem Reiche, das nicht mit äußeren Gebärden kommt, ist die Leibesgemeinde die erste Heilskörperschaft, die als Organismus von innen her durch den Geist geleitet ist und nicht als Organisation mit äußeren Machtmitteln erscheint. — Das Reich Christi aber erwähnen die andern auch (vgl. Apg. 1, 6; 2. Petr. 1, 11; Offb. 11, 15; 20, 4).

[weiterlesen ...]

Autor: Geyer, Karl | Kategorie(n): Lehre, Verwandlung & Erstattung  |  1,167 x gelesen

Beitrag per E-Mail weiterempfehlen   Beitrag drucken   0

Weltweisheit und Gottesgeist

“Und ich, als ich zu euch kam, Brüder, kam ich nicht nach Vortrefflichkeit der Rede oder Weisheit, euch das Zeugnis Gottes verkündigend. Denn ich hielt nicht dafür, etwas unter euch zu wissen, als nur Jesum Christum, und ihn als gekreuzigt. Und ich war bei euch in Schwachheit und in Furcht und in vielem Zittern; und meine Rede und meine Predigt war nicht in überredenden Worten der Weisheit, sondern in Erweisung des Geistes und der Kraft, auf daß euer Glaube nicht beruhe auf Menschen-Weisheit, sondern auf Gottes-Kraft. Wir reden aber Weisheit unter den Vollkommenen, nicht aber Weisheit dieses Äons (Zeitlaufs), noch der Fürsten dieses Äons, die zunichte werden, sondern wir reden Gottes Weisheit in einem Geheimnis, die verborgene, welche Gott zuvorbestimmt hat, vor den Zeitaltern (= Äonen), zu unserer Herrlichkeit; welche keiner von den Fürsten dieses Zeitlaufs (= Äons) erkannt hat (denn wenn sie dieselbe erkannt hätten, so würden sie wohl den Herrn der Herrlichkeit nicht gekreuzigt haben), sondern wie geschrieben steht: ‘Was kein Auge gesehen und kein Ohr gehört hat und in keines Menschen Herz gekommen ist, was Gott bereitet hat denen, die ihn lieben.’ Uns aber hat Gott es geoffenbart durch seinen Geist, denn der Geist erforscht alles, auch die Tiefen Gottes. Denn wer von den Menschen weiß, was im Menschen ist, als nur der Geist des Menschen, der in ihm ist? Also weiß auch niemand, was in Gott ist, als nur der Geist Gottes. Wir aber haben nicht den Geist der Welt empfangen, sondern den Geist, der aus Gott ist, auf daß wir die Dinge kennen, die uns von Gott geschenkt sind; welche mir auch verkündigen, nicht in Worten, gelehrt durch menschliche Weisheit, sondern in Worten, gelehrt durch den Geist, mitteilend geistliche Dinge durch geistliche Mittel. Der natürliche Mensch aber nimmt nicht an, was des Geistes Gottes ist, denn es ist ihm eine Torheit, und er kann es nicht erkennen, weil es geistlich beurteilt wird; der geistliche aber beurteilt alles, er selbst aber wird von niemand beurteilt, denn wer hat den Sinn des Herrn erkannt, der ihn unterweise? — Wir aber haben Christi Sinn.” (1. Kor. 2, 1-16)

Gott ist Geist. Geist ist das unerschaffene Licht-Kraft-Wesen Gottes. Geist ist Wahrheit, unwandelbare Gotteswirklichkeit, ewige Wesenheit, in sich selbst seiende und bestehende Wesenhaftigkeit.

Alles, was Gott tut, schafft er durch die Lichtkraftfülle des Geistes. Geist ist die Kraft, durch die er alles ins Dasein ruft und alles durch die Fehlentscheidungen der Geschöpfe Entartete wieder erneuert und verwandelt und seiner gottgemäßen Bestimmung zuführt.

Zu Beginn des Sechstagewerks brütete der Geist Gottes über den Wassern. Sein lebendiges, lebenschaffendes Wirkewort: “Es werde Licht!” genügte, um aus dem Chaos der Materie, dem Tohu-wa-bohu des Urschlamms und aus der Finsternis der Tiefe das Licht hervorstrahlen zu lassen (1. Mose 1, 2). Der Hauch des Geistes: “Die Erde bringe hervor …” ließ die Schollen des Erdkreises ergrünen und aufblühen und fruchten. Ebenso erregte sich durch den lebenwirkenden Geisthauch das Wasser vom Gewimmel lebendiger Seelen und aus der Erde kamen die lebendigen Wesen hervor, wie der Geist wollte. Den Menschen aber machte er zum Träger seines Geistes und hauchte ihm denselben ein. So entstand alles durch die lebenschaffende Kraft des Geistes.

[weiterlesen ...]

Autor: Geyer, Karl | Kategorie(n): Heiliger Geist, Lehre, Zeitgeist  |  1,055 x gelesen

Beitrag per E-Mail weiterempfehlen   Beitrag drucken   3

Eine brüderliche Aussprache über das Thema “Allversöhnung”

Um das Jahr 1925 nahm ich mit meiner Frau an einer Freizeit in einem christlichen Erholungsheim teil, in dem zu jener Zeit Pfarrer Dr. Eichhorn wohnte. Er war einer der Führer der bayerischen Gemeinschaftsbewegung.

Den zur Freizeit versammelten Geschwistern hatte ich in früheren Jahren mehrfach gedient. Für diesen Kurs aber hatte ich gebeten, nicht dienen müssen, da ich sehr übermüdet war und einmal ruhen und zuhören wollte. Das ging auch ganz gut bis zum dritten Tage. Da wurde gebeten, zu Br. Dr. Eichhorn in die Sprechstunde zu kommen. Unter den Freizeitteilnehmern waren einige ängstliche Gemüter, denen zu Ohren gekommen war, ich würde die Allversöhnung glauben. Sie fürchteten nun, ich könne schließlich an einem der folgenden Tage doch einmal reden und dann auch über dieses Thema etwas sagen. Darum hatten sie sich an den Kursleiter gewandt und ihn gebeten, er möge mich doch durch Br. Dr. Eichhorn ernstlich verwarnen lassen, damit nichts passiere.

So ging ich denn mit meiner Frau in die Sprechstunde. Der alte Bruder nahm seinen Auftrag sehr ernst. Mit heiliger Strenge wies er darauf hin, welche Verantwortung auf mir liege, wenn ich hier etwas von dieser gefährlichen Irrlehre sagen würde, die doch nur dazu diene, die Leute leichtsinnig zu machen und das Missionsinteresse und den Eifer des Evangeliums zu lähmen. Nahezu eine halbe Stunde ermahnte er mich mit allem Ernst, der ihm zu Gebote stand. Er führte mir die Stellen auf, in denen die Schrift davon redet, dass der Wurm nicht stirbt und das Feuer nicht erlischt, und dass der Herr doch ausdrücklich gesagt habe: “Ihr habt nicht gewollt!” usw.

Als er fertig war — ich hatte ihn nicht unterbrochen — fragte ich, ob ich auch einmal etwas sagen bzw. fragen dürfe. Er bejahte dies.

[weiterlesen ...]

Autor: Geyer, Karl | Kategorie(n): Allversöhnung  |  2,951 x gelesen

468 Artikel online •
3 Besucher online