Die Gaben des Geistes
“Über die geistlichen Gaben will ich euch, liebe Brüder, nicht ohne Erkenntnis lassen” (1. Kor. 12, 1).
Daß es in einem Gottesdienst der ersten Christen ganz anders zuging als in einer streng orthodoxen, abendländischen Kirche oder in einer tumultartigen schwarmgeistigen Versammlung, steht fest. Die ganze Gemeinde und jedes Glied beteiligte sich an dem Gottesdienst, und wenn alles schriftgemäß zuging, war eine vom Geist Gottes durch die Ehrfurcht gewirkte Ordnung da. Der eine hatte ein Gebet, der andere eine Danksagung, der dritte einen Lobgesang, der vierte eine Offenbarung. Und wo der eine den anderen höher achtete als sich selbst, war ein wunderbares Zusammenwirken da zur Ehre Gottes und zur Erbauung der Gemeinde. Die Wortverkündigung oder die Schriftauslegung waren die Hauptsache, und das Wachstum der Gemeinde ein Bedürfnis.
Daß es aber nicht immer so gut ging und auch Überheblichkeit unter den Dienern vorkam, wie auch Überbewertung der geistlichen Gaben über das Wort, beweisen uns die paulinischen Briefe. Es ist im Grunde einer dieser ungesunden Gemeindezustände gewesen, der die Ursache war, daß der Apostel Paulus den ersten Korintherbrief schrieb an die an Gaben und Kräften reiche Gemeinde.
Und wir sehen, daß es auch heute wie damals in Korinth nicht der böse Wille ist, das Wirken des Geistes zum Eigennutz anzuwenden, sondern vielmehr die Unkenntnis. Darum bemüht sich auch der Apostel in den drei wunderbar aufeinanderfolgenden Kapiteln 12, 13 und 14 des 1. Korintherbriefes, hierauf hinzuweisen; ja, er will nichts zurückhalten, was einigermaßen von allgemeinem Nutzen sein kann.
Er zeigt uns, daß das geistliche Material in Kap. 12 in den Schmelzofen von Kap. 13 muß, auf daß es an den Werten von Kap. 14 geprüft werden kann.
Was sind nun geistliche oder Geistesgaben?
Das ist eine sehr wichtige und grundlegende Frage. Denn es gibt noch immer Bibelausleger, die “Geistesgaben” ansehen als Gaben des menschlichen Geistes. So etwas wie eine bei der Geburt mitgegebene Begabung für etwas Besonderes. Sie vergessen, daß Geistesgaben nur da sind für die Kinder Gottes, die Jesus Christus als ihren Herrn angenommen haben (1. Kor. 12, 2.3).
Geistesgaben haben nichts zu tun mit einer natürlichen Begabung. Ein “Hellseher” ist etwas ganz anderes als ein Prophet. — Geistesgaben haben auch nichts zu tun mit der gepflegten Erziehung unseres Geistes. Durch Übung und Anstrengung kann jeder Mensch sich in einer besonderen Linie entfalten, dies hat aber nichts mit dem Charisma des Geistes zu tun.
Autor: Thiessen, John, Dr. | Kategorie(n): Gemeinde, Heiliger Geist, Lehre | 1,187 x gelesen


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