Wenn die Schrift bezeugt, daß Gott die Welt liebt, so ist damit gar
nichts darüber ausgesagt, wie die Welt ist, sondern nur, wie Gott ist.
Das gilt es einmal ganz klar mit allen Konsequenzen zu fassen.


Adolf Heller (1895 - 1973)
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Das Vermächtnis des Apostels Paulus

Eine Auslegung von 2. Timotheus 1, 9.10

Die Verse 2. Tim. 1, 9.10 gewähren uns einen überaus kostbaren Einblick in das ganz heilsgeschichtlich orientierte Denken des Apostels Paulus, in dessen Mittelpunkt Gottes Heilswerk in Christus und die Berufung der Gemeinde steht.

»Gott, der uns rettet und beruft mit heiliger Berufung, nicht nach unseren Werken, sondern nach Seinem eigenen Vorsatz und der Gnade, die uns in Christus Jesus vor äonischen Zeiten gegeben ist, jetzt aber geoffenbart durch die Erscheinung unseres Retters, Christus Jesus, der den Tod zunichte macht, aber Leben und Unverderblichkeit ans Licht bringt durch das Evangelium.«

Von den 27 Schriften, die das Neue Testament bewahrt, legitimieren sich 13 durch ihre namentliche Absenderangabe als Paulusbriefe. Der zeitlich gesehen letzte Brief gilt als das Testament des Apostels, weil er kurz vor seinem Märtyrertod in Rom geschrieben wurde. Letzten Worten eines Menschen wird besonderes Gewicht beigemessen, weshalb man bereits daraus schließen darf, dass dieser letzte Brief des Apostels — der 2. Timotheusbrief — ein Brief von ganz besonderer Bedeutung ist. In der Tat wird man darin das geistliche Vermächtnis des großen Apostels an seinen Schüler Timotheus und damit an die Gemeinde aller späteren Zeiten erkennen dürfen. Paulus war Gefangener Roms. Ein solcher war er wiederholt in seinem Leben des Dienstes für Christus. Seit seiner ersten römischen Gefangenschaft, aus der er wohl im Jahr 63 wieder freigekommen sein mag, sind bereits vier Jahre vergangen. Diesmal besteht keine Aussicht auf Freilassung, weil er, als Staatsfeind angeklagt, sein Todesurteil zu erwarten hat. Der Apostel weiß dies.

Dazu kam, dass das Evangelium in eine Phase ernstester Bewährung eingetreten war. Das Bekenntnis zu Christus bedeutete eine nicht geringe Lebensgefahr. Bei der als sorgfältig bekannten Gerichtspraxis der Römer wird man Menschen aus dem Wirkungsbereich des Apostels — Christen, mit denen er Umgang hatte — im Prozess gegen Paulus als Zeugen geladen haben. Doch hatte man es seitens dieser Geladenen vorgezogen, wie Andeutungen des Briefes erkennen lassen, sich mit einem entlastenden Wort zurückzuhalten, um sich nicht selbst in Lebensgefahr zu bringen. Denn von einem als Unruhestifter Angeklagten sich zurückzuziehen scheint geraten. Die Christenverfolgung unter Nero hatte ihre Spuren hinterlassen; deren Schrecken steckt allen noch in den Gliedern und jeder bangt um sein eigenes Leben.

Zu diesen äußeren Umständen kommen innere Nöte. Der Abfall macht sich in der Gemeinde mehr und mehr breit. Fast überall greifen Verweltlichung, Hang zu Neuerungssüchten, Abneigung gegen die gesunde Lehre und religiöses Gauklertum um sich. Kein Wunder, dass die Zeugniskraft der ersten Begeisterung allmählich schwindet und stattdessen Wortstreitereien wie Verkennung der Autorität der Schrift sich in geistlicher Mutlosigkeit und Verzagtheit dartun. Statt besser ist es schlechter geworden. Schon gibt es mehr Abtrünnige als Getreue.

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Autor: Heinisch, Herbert | Kategorie(n): Gemeinde, Heilsgeschichte, Paulus, Paulusbriefe  |  750 x gelesen

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Das Christusbild des Paulus im Philipperbrief (Phil. 2, 5-11)

Denn dies sinnet in euch, was auch in Christus Jesus, welcher in Gestalt Gottes war, das Gleichsein mit Gott nicht als einen Raub ansah, sondern Sich Selbst entäußerte, Sklavengestalt annahm, in Gleichheit der Menschen wurde und in Seiner leiblichen Beschaffenheit als Mensch erfunden wurde. Er erniedrigte Sich Selbst und wurde gehorsam bis zum Tode, zum Tode aber des Kreuzes. Darum hat Ihn Gott auch über die Maßen erhöht und Ihn mit dem Namen begnadet, der über jeden Namen ist, auf dass in dem Namen Jesu jedes Knie sich beuge all derer, die im Himmel, auf der Erde und unter der Erde sind und jede Zunge herausbekenne: »Herr Jesus Christus« — zur Herrlichkeit Gottes des Vaters. (Philipper 2, 5-11)

Die kürzeste und zugleich umfassendste biblische Darstellung dessen, wer Jesus in Wahrheit ist, hat der Apostel Paulus geschrieben. In dem Christusbild, welches er im Brief an die Christen von Philippi vor seine Leser stellt, hat man in der Theologie den großen Text gesehen, der die Person, das Wesen, das Werk und den Weg Jesu beschreibt. Zugleich hat man in diesen sieben Versen des Philipperbriefes (2, 5-11) das Leitbild erkannt, aus welchem echtes Christsein seine unverwechselbare Prägung emp­fängt.

1. Die Zuverlässigkeit der Darstellung des Christusbildes (2, 5-11)

Wenn mir daran gelegen ist, aus einer Schrift die Wahrheit über jemand zu erfahren, wird mich vorab dreierlei interessieren. Erstens die Quellen, die für die Zuverlässigkeit der Darstellung Gewähr bieten. Zweitens der Verfasser der Darstellung und drittens, welchem Zweck die Darstellung dienen soll.

In der Theologie der Neuzeit nimmt die Christusfrage den breitesten Raum ein, sodass die Auseinandersetzungen um deren Lösung einem »Kampf um Christus« gleichkommen. Der Ansatz dazu reicht bis in die Anfänge der Aufklärungszeit zurück, als, ausgelöst durch das posthum veröffentlichte Manuskript einer Schmähschrift, die ein Hamburger Professor verfasste (Reimarus), eine Bewegung in Gang kam, welche als die sogenannte »Leben Jesu Forschung« theologiegeschichtliche Bedeutung erlangte und die es sich zur Aufgabe machte, ein geschichtliches Bild Jesu zu entwerfen. Was wollte man damit? Man war bewegt von der Frage, wer Jesus wirklich gewesen sei, aber man ging dabei von einem vorgefassten Gesichtspunkt aus, dem der herrschenden Meinung der damaligen Zeit. Man sagte sich, Geschichtsforschung dürfe zu keiner Gestalt führen, die übernatürliche Züge an sich trage, weshalb man die Gottnatur Jesu, wie sie in den vier Evangelien bezeugt wird, als störend empfinden musste. Man arbeitete mit großem Fleiß und staunenswerter Zähigkeit, natürlich stets darauf bedacht, alles aus dem Leben Jesu auszuscheiden, was Seine Übernatur — Seine ewige Gottheit — dokumentiert: Seine jungfräuliche Empfängnis und Geburt, Seine Wunder, den Heilswert Seines Todes, Seine Auferstehung, Seine Himmelfahrt usw.

Welche Ergebnisse zeitigte dieses Unterfangen? Einer der profiliertesten Vertreter dieses Unternehmens, Professor Adolf von Harnack, bekannte schließlich: »Wir sind gespalten, so viele Köpfe, so viele Sinne.« — In seinem Buch »Geschichte der Leben Jesu Forschung« schrieb Albert Schweitzer (damals als Theologe): »Es gibt nichts Negativeres als das Ergebnis der Leben Jesu Forschung«, und er kommt schließlich zu dem zusammenfassenden Urteil: »Der Jesus, wie ihn der Rationalismus entworfen, der Liberalismus belebt und die moderne Theologie mit geschichtlicher Wissenschaft überkleidet hat, diese Gestalt hat nie existiert.« Anzumerken bleibt, dass noch vor dem ersten Weltkrieg die »Leben Jesu Forschung« zusammengebrochen ist. So lehrt ihr Beispiel, dass das Unterfangen, einen bloßen historischen Jesus konstruieren zu wollen — einen Jesus, bei dem Seine Gottnatur ausgeklammert wird —, je und je zum Scheitern verurteilt ist. Dies, weil die geschichtliche Persönlichkeit Jesu nur auf dem übergeschichtlichen Hintergrund als Der, der Er in Wirklichkeit ist, zur Geltung kommen kann. Zum andern, weil die Norm der Erkenntnis dessen, wer Er wirklich ist, sich in Seiner gottmenschlichen Doppelnatur bekundet. Um diese Gestalt des Gottmenschen geht es im Christusbild des Paulus im Philipperbrief.

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Autor: Heinisch, Herbert | Kategorie(n): Erkenntnis & Wesen Gottes, Lehre, Paulus, Paulusbriefe  |  1,002 x gelesen

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Was Paulus unter Christsein versteht (Kol. 2, 6-7)

»Wie ihr nun annahmt den Christus Jesus, den Herrn, wandelt in Ihm, gewurzelt und auferbaut in Ihm, befestigtwerdend im Glauben, so wie ihr gelehrt wurdet, überfließend in Danksagung« (Kol. 2, 6-7).

Einführung

Von Kolossä, einer am Lykosfluss gelegenen Stadt in Kleinasien, existieren heute nur noch Spuren. Die Stadt wurde bereits im Jahre 60 (n. Chr.) durch ein Erdbeben in Trümmer gelegt, wovon sie sich nur schwer wieder erholte. Der Brief an die Kolosser, den uns das Neue Testament bewahrt, wird so zeitlich vor diesem Ereignis anzusetzen sein. Nach Plinius dem Jüngeren war Kolossä im Altertum eine »berühmte Stadt« — wohl wegen ihrer günstigen Lage an der Handelsstraße, die von Ephesus nach Persien führte. Sie hatte allerdings zur Zeit, als Paulus den Kolosserbrief schrieb, bereits viel von ihrem einstigen Glanz verloren und war nahezu unbedeutend geworden. Dort also fasste das Evangelium Fuß. Paulus ist nie persönlich in Kolossä gewesen, vielmehr geht die Gründung der dortigen Christengemeinde auf Epaphras, einen Schüler des Apostels, zurück.

Was Paulus veranlasste, sich brieflich an diese ihm persönlich unbekannten Christen in Kleinasien zu wenden, wird von daher verständlich, dass er während seiner ersten römischen Gefangenschaft den Besuch des Epaphras erhielt, wobei dieser ihm über den Stand der von ihm betreuten Gemeinde Besorgniserregendes zu berichten hatte. Eine Geheimlehre stiftete Verwirrung. Es handelte sich um eine Lehre, die christlich gefärbtes Gedankengut, gesetzlich-asketische Vorschriften jüdischer Prägung und Transzendenz heidnischen Mysterienwesens in sich vereinigte. Bezeichnend für diese »Philosophie« (Kol. 2, 8), wie sie Paulus nennt, war ihr Mischcharakter aus Falschem und Richtigem, was sie umso schwerer durchschaubar machte. Dazu kam, dass deren Vertreter — Christen, die zugleich hochgebildet waren — zu beeindrucken verstanden, wenn sie vorgaben, die Sicherung persönlichen Heils sei von der Annahme ihrer Lehre und der Befolgung ihrer Forderungen abhängig. Dieser Verdrehung des Evangeliums tritt Paulus mit seinem Brief entgegen. Der Apostel tut dies in der Weise, dass er zuerst klarstellt, wer Jesus Christus in Wahrheit ist, um von daher die Unhaltbarkeit der gegnerischen Argumente einsichtig zu machen. Diesen steht die Lebenseinheit mit dem auferweckten Christus gegenüber, die sich in Gesinnung, Wort und Tun derer, die Ihm angehören, bekunden soll.

Aufs Ganze gesehen, geht es im Kolosserbrief um das Zeugnis von der Größe und Herrlichkeit des Christus in seiner lebensmäßigen Konsequenz. Weil »in Ihm die ganze Fülle der Gottheit leibhaftig wohnt« ist Er das Ende aller geheimen und offenbaren Kulte der Menschheit und so auch aller Religionssysteme. Er ist der Herr (Kol. 1, 2; 1, 10; 2, 6; 3, 17; 3, 22; 3, 23; 4, 1) und so allein Inhalt und Ausdruck echten Glaubens, wahren Gottesdienstes und gottgemäßen Wandels. Worauf es allein ankommt ist, mit Ihm Lebensgemeinschaft zu haben. Dieses will der Kolosserbrief deutlich machen.

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Autor: Heinisch, Herbert | Kategorie(n): Gemeinde, Glaubensleben & Wandel, Paulus  |  678 x gelesen

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