Der Zorn Gottes
Dieses Thema wird in der heutigen Verkündigung weithin ausgeklammert. Gott wird als der »liebe Gott«, als ein freundlicher Gott, der um unser Wohlbefinden besorgt ist, dargestellt. Das ist aber ein sehr einseitiges Bild des wahren Gottes, wie ihn die Bibel bezeugt. Darum soll hier zu diesem Thema einiges gesagt werden.
Wir fragen nach
- dem Wesen des Zornes Gottes,
- dem gegenwärtigen Zorn Gottes,
- dem kommenden Zorn Gottes,
- und der Errettung vom göttlichen Zorn.
1. Das Wesen des Zornes Gottes
Nach einem Wort des Theologen Markus Barth ist »der Zorn Gottes nicht eine mit Seiner Liebe abwechselnde Laune, sondern die Temperatur Seiner Liebe«. Das ist sehr gut gesagt. Gottes Zorn ist also keineswegs Hass. Was ist er aber dann? Ein Verkündiger nannte den Zorn Gottes einen »Gegenstoß gegen die Sünde« (zitiert nach Karl Merz). Damit ist aber mehr über die Wirkung als über das Wesen ausgesagt. Ich denke, Gottes Zorn ist zunächst einmal Sein heiliger Unwille, Sein Nein zu einem bestimmten Verhalten Seiner Geschöpfe, Sein Sich-nicht-abfinden-Wollen mit ihrer Undankbarkeit und Ehrfurchtslosigkeit, ihrer Gleichgültigkeit gegenüber Seiner Liebe, ihrem Unglauben, ihrer Widerspenstigkeit, der Übertretung Seiner Gebote bis hin zum frechen Spotten und Lästern. Er wirkt sich aus in Strafe und Gericht — jedoch immer mit der Zielsetzung der Zurechtbringung und des Heils.
Jakob Kroeker schrieb über den Zorn Gottes: »Auch der Begriff ›Zorn Gottes‹ muss im Antlitz Jesu Christi gesehen werden … Gott in Seiner Zornesoffenbarung ist ebenso Gnade, wie Gnade Zorn ist. Gott zerbricht, damit ein Neues entstehe. Er richtet, um zu erlösen … Wie Gott total, absolut, Äonen und Völker umspannend in Seiner Liebe ist, so ist Er es auch in Seiner Zornesoffenbarung … Gottes Zorn ist total, weil die Gnade in ihren Zielen total ist. Sie ist total in der Wiederherstellung der Sohnesstellung und in der Berufung zur Christusgemeinschaft … Vom Menschen und seiner Geschichte aus gesehen scheinen zwar Zorn Gottes und Gnade ein dialektisches, d. h. ein sich widersprechendes Handeln Gottes innerhalb der Heilsgeschichte zu sein. Von Gott aus gesehen, stehen jedoch beide als göttliches Handeln im Dienst der Erlösung: dem Glaubenden zum Leben, dem Widerstrebenden zum Gericht.«
Mit Bezug auf den menschlichen Zorn mahnt Paulus in Eph. 4, 26: »Wenn ihr schon zürnt, so hütet euch zu sündigen!« Dazu lesen wir im »Theologischen Wörterbuch zum NT« von Kittel/Friedrich: »Der Zorn wird zwar nicht Sünde genannt, aber der Gedanke steht dahinter: Wo einer zürnt, lauert die Sünde vor der Tür.« Ganz anders verhält es sich beim Zorn Gottes. Gottes Zorn ist niemals Sünde (Ungerechtigkeit, Zielverfehlung oder Hass). Er entspricht immer voll und ganz Seiner Wahrheit und Liebe.
Autor: Schumacher, Heinz | Kategorie(n): Erkenntnis & Wesen Gottes, Gerichte Gottes | 1,053 x gelesen


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