Laßt uns nie vergessen, daß immer der Fleischgeborene den
Geistgeborenen lästert und verfolgt, und nie umgekehrt (Gal. 4,29).


Adolf Heller (1895 - 1973)
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Die Wiederherstellung Israels nach Hesekiel

Vorbemerkung von Heinz Schumacher: Heinrich Langenberg war ein im Wort gegründeter Ausleger ganz eigener Prägung. Seine Auslegungen zeichnen sich durch große Worttreue und Wortnähe, durch gleichmäßiges Behandeln aller Sätze und Abschnitte, durch das Aufspüren der durchgehenden “geraden Linien” des Wortes und durch “prophetischen Realismus” aus. Schrift wird durch Schrift erklärt, und die Zusammenhänge werden beachtet.

Seine Schau weicht vielfach von der anderer gläubiger Ausleger ab. Das hat Vor- und Nachteile. Von Vorteil ist es zweifellos, daß man neue Anregungen bekommt und erkennt, daß ein Text vielleicht auch ganz anders aufgefaßt werden kann, als man es gewohnt war. Nachteilig ist — wenn man es so nennen will —, daß man Heinrich Langenberg nicht immer in seinen Gedankengängen zu folgen vermag. Aber ist das nicht im Grunde bei allen Auslegungen so — es sei denn, man wäre nur ein unmündiger, kritikloser Anhänger eines geistlichen Führers?

Das Folgende können wir herzlich empfehlen, es enthält köstliche Einblicke und Durchblicke bezüglich des göttlichen Planes mit Israel und den Völkern.

Die Hesekiel-Auslegung Langenbergs ist nicht im Druck erschienen. Seine (auch schon hochbetagten) Kinder haben so mancherlei aus dem Nachlaß des Vaters nach und nach auf Matrizen vervielfältigt, so auch Teile seiner Hesekiel-Auslegung. Wir entnehmen daraus einiges.

Die folgenden Ausführungen machen auch deutlich, wie weit das heutige Israel noch vom Zustand seiner Vollendung entfernt ist! Noch vieles wird Jehovah, der Unwandelbare, zu richten haben, ehe Israel Sein volles Heil erfährt. Doch, wie Langenberg mit Recht im Sinne der Propheten betont: Kein Gericht ohne Heil und kein Heil ohne Gericht!


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Autor: Langenberg, Heinrich | Kategorie(n): Das prophetische Wort, Heilsgeschichte, Israel, Wort Gottes (Bibel)  |  1,102 x gelesen

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»In diesem allen sind wir Übersieger«

Die zentrale Frage im Römerbrief: »Wie werde ich ein Überwinder?« wird von Paulus bis in die äußersten Konsequenzen hinein total beantwortet. Er fasst seine Belehrung über den Heilsweg der Gläubigen (Röm. 6-8) zusammen zu einem triumphierenden Zeugnis von der Gewissheit des Heils, das durch keine Macht der Welt mehr erschüttert werden kann. Diese Heilsgewissheit ist nicht nur objektiv als geschichtliche Heilstatsache zu verstehen, sondern soll auch subjektiv als Aneignung der Heilsgewissheit erfasst werden, gleichsam als Krönung der ganzen Entwicklung des persönlichen Glaubenslebens. Der Schwerpunkt aber im persönlichen Werden liegt in dem, was Gott an und in uns wirkt. Dieser Ton beherrscht nun auch das Schlusswort zu diesem Herzstück des Römerbriefes. Es ist alles Gottes bedingungslose Gnade, trotzdem es so aussieht, als sei es das Resultat unserer eigenen Anstrengungen im Heiligungsleben.

Römer 8, 31: »Was sollen wir nun noch sagen zu diesem? Wenn Gott für uns (zu unseren Gunsten), wer wider uns?«

Der Gläubige, der seines Heils gewiss ist, hat nichts zu fürchten. Sein Heil ist gesichert. Diese Heilsgewissheit beruht also nicht auf einer gesteigerten Frömmigkeitsstufe, sondern ist in der ewigen Liebe Gottes verankert. Die Garantie liegt in Gott allein. Seine Liebe ist der einzige, unerschütterliche Heilsgrund. Es klingt wie eine Herausforderung an alle feindlichen Mächte im All, wenn Paulus ausruft: »Wenn Gott für uns, wer wider uns?« Hat denn der Gläubige, der so zum Siegesleben durchgedrungen ist, gar keine Widerwärtigkeiten mehr? Gibt es für ihn keine Todesmächte mehr wie Krankheit, Alter, Schwäche, Unfall, Sterben, die mit seinem noch sterblichen Leibe zusammenhängen? Sind für ihn alle Hemmungen des äußeren Lebens wie Armut, Unglück, Misserfolg, Feindschaft der Menschen, aufgehoben? Existieren für ihn auch keine Hemmungen des Geisteslebens mehr wie Nichtwissen und Gebetsschwäche? Ist Satan mit seiner Höllenmacht für ihn kein Begriff mehr? Hat er mit den bösgeistigen Mächten in den Himmlischen nichts mehr zu tun? Alle diese Tatsachen sind doch nicht einfach zu verneinen in der Meinung, das sei der rechte Glaubensstand. Das Geheimnis des triumphierenden Siegeslebens über alle Widerwärtigkeiten liegt in der positiven Einstellung des Glaubens, dem alles dienstbar sein und so zum Guten mitwirken muss (vgl. V. 28). Wohl werden wir nicht aus den widerwärtigen Verhältnissen herausgenommen, aber wir dürfen in den Verhältnissen über den Verhältnissen stehen. Dann steht über unserm ganzen Leben mit seinen Kämpfen und Schwierigkeiten das Motto: »Wenn Gott für uns, wer wider uns?« Der Gegensatz von für (hyper = zugunsten) und wider (kata = zuungunsten) ist hier besonders markant. »Für« zeigt nach oben (hyper bedeutet eigentlich: über) und »wider« zeigt nach unten (kata heißt: von herab). Dieser triumphierende Grundton der Heilsgewissheit hat seinen guten Grund, wie Paulus im Folgenden ausführt.

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Autor: Langenberg, Heinrich | Kategorie(n): Andachten, Gemeinde, Paulusbriefe  |  457 x gelesen

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Vom Schneiden des Wortes der Wahrheit (2. Tim. 2, 15)

Frage: Welchen Sinn hat die Aufforderung des Paulus an Timotheus, »das Wort der Wahrheit in gerader Richtung zu schneiden (oder: darzubieten, auszuteilen, zu teilen — 2. Tim. 2, 15)«?

Sehr beachtenswert ist, wie Timotheus das Wort der Wahrheit gebrauchen soll. Er soll es nicht als Streitwaffe gebrauchen, sondern es so darbieten, dass es in seinen großen Zusammenhängen verstanden und genossen werden kann. Er soll es »gerade schneiden« (orthotomein). Wir wissen nicht, an welchen Vorgang Paulus bei diesem bildlichen Ausdruck gedacht hat. Von jeher hat man über diesen Ausdruck viel gestritten. Es würde zu weit führen, alle die verschiedenen Meinungen aufzuzählen, die zum Teil recht willkürlich und irreleitend sind. Ablehnen müssen wir alle Deutungsversuche, die den Zusammenhang nicht berücksichtigen oder gar das Wort orthotomein falsch übersetzen. Es kann sich nicht um ein Zurechtschneiden des Wortes der Wahrheit handeln; denn das widerspricht dem Wesen dieses Wortes, das keines Zurechtschneidens bedarf. Aber auch alle Erklärungen, die auf ein Zerteilen oder Zerschneiden hinauslaufen, müssen abgewiesen werden, da es sich um ein Geradeschneiden und nicht um ein Teilen handelt. Die Ansicht vom Teilen des Wortes hat in weiten Kreisen Fuß gefasst, nachdem vor etwa einem halben Jahrhundert die Parole von Amerika zu uns herüberkam: »Teile das Wort der Wahrheit recht« (rightly dividing the word of the truth, engl. revidierter Text). Die Elberfelder Übersetzung hat im Text auch noch die ungenaue Wiedergabe: »der da recht teilt«, aber in der Fußnote heißt es: »eigentlich: in gerader Richtung schneidet.« (In der revidierten Elberfelder Bibel von 1985 heißt es nunmehr im Haupttext: »der das Wort der Wahrheit in gerader Richtung schneidet«; so entspricht es auch den Wörterbüchern von W. Bauer und Menge-Güthling — Anmerkung: Heinz Schumacher.)

Unter »recht teilen« versteht man wohl eine klare Unterscheidung z. B. der verschiedenen Haushaltungen, der verschiedenen Berufungen, das Auseinanderhalten von dem, was nur Israel, und dem, was nur die Gemeinde angeht. So wertvoll auch diese berechtigte Arbeitsmethode des klaren Unterscheidens ist, so spricht Paulus doch an dieser Stelle von etwas anderem. Man hat bei dem Bild des Geradeschneidens wohl an den pflügenden Ackersmann gedacht oder auch an die Arbeit des Zimmermanns oder eines Zeltmachers. In der Septuaginta, der griechischen Übersetzung des Alten Testaments, finden wir das Wort orthotomein nur an zwei Stellen, und zwar mit »Weg« verbunden, wo es übersetzt werden muss: »gerade schneiden deine Wege« (Spr. 3, 6; 11, 5). Das Bild ist also vom Hauen einer Waldschneise hergenommen. Durch das Wort der Wahrheit sollen also gerade Linien gezogen werden, sodass keine Umwege zum Ziel nötig sind. Diese Auffassung passt auch in den Zusammenhang hinein. Die Wortgefechte führen aus der rechten Bahn heraus und verlieren sich in Menschenfündlein. Timotheus soll sich an die geraden, zum Ziel führenden Linien halten. Das Ziehen gerader Linien darf aber ebensowenig zu einer geistlichen Spielerei ausarten wie das Teilen des Wortes. Aus Teilen und Unterscheiden darf kein Zerreißen werden und aus dem Geradeschneiden kein gekünsteltes Konstruieren. Die geraden Wege durchs Wort müssen so sein, dass jeder sie sehen und gehen und auf ihnen zum Ziel gelangen kann. Paulus gibt dem Timotheus ein Musterbeispiel im Geradeschneiden des Wortes der Wahrheit, indem er die große gerade Linie »durch Mitsterben zum Mitleben« markiert, und zwar sowohl für die Gemeinde als auch im besonderen für Israel. So finden wir es in allen seinen Briefen. Er vermengt nie etwas, was auseinandergehalten und klar unterschieden werden muss, aber er reißt auch nie etwas auseinander, was zusammengehört. Er zieht wunderbar klare Linien durch die ganze Schrift, sodass unsere Aufgabe lediglich darin besteht, diese Linien wieder aufzufinden und klar herauszustellen.


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Nach dem Wörterbuch von Walter Bauer bedeutet orthotomeoo in Spr. 3, 6; 11, 5 in Verbindung mit »Wege« offenbar »… den Weg in das (bewaldete oder sonst mit Hindernissen überzogene) Gelände in gerader Richtung einschneiden, sodass keine Umwege zum Ziel nötig sind«, und so bedeute 2. Tim. 2, 15 etwa: »das Wort der Wahrheit in gerader Richtung führen (wie einen zielstrebigen Weg), ohne sich durch Wortgefechte oder gottlose Redensarten aus der direkten Bahn drängen zu lassen«.

(Quelle: Auslegung der Timotheus-Briefe von Heinrich Langenberg)

Autor: Langenberg, Heinrich | Kategorie(n): Lehre, Paulusbriefe, Schriftteilung, Wort Gottes (Bibel)  |  457 x gelesen

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Das heilsgeschichtliche Rätsel Israel

Das Volk Israel ist nach Gottes Plan das Zentralvolk der Menschheit und Israels Geschichte ist der Anschauungsunterricht für die Nationenwelt. »Als der Allerhöchste die Völker zerteilte (den Nationen das Erbe austeilte), als Er voneinander schied die Menschenkinder, da stellte Er fest die Grenzen der Völker mit Bezug auf die Zahl der Kinder Israels; denn Jehovahs Teil ist Sein Volk, Jakob ist die Schnur (das Zugemessene) Seines Erbbesitzes« (5. Mose 32, 8f.). »Nun aber, wenn ihr völlig meiner Stimme gehorcht und meinen Bund bewahrt, so sollt ihr mein Eigentum sein vor allen Völkern; denn mein ist die ganze Erde. Und ihr sollt mir sein ein Königreich von Priestern und ein heiliges Volk« (2. Mose 19, 5f.). Welch ein herrlicher Beruf und welch ein klarer, idealer Weg zu seiner Erfüllung! Aber, und da fängt das Rätsel an, Israel als Volk war alles andere als ein Vorbild und Muster, an dem sich die Nationen (Heidenvölker) orientieren konnten. Es war ein verkehrtes und verdrehtes Geschlecht (vgl. Phil. 2, 15), unbelehrbar und halsstarrig, um dessen Bekehrung die Propheten, die von Gott gesandten Sonderbeauftragten, einen verzweifelten Kampf führten. Und gerade dieses Volk hatte Gott ausersehen als Muster, um an ihm für die Nationenwelt Seine Regierungs- und Heilswege zu demonstrieren.

Das Heil Israels war von vornherein unerschütterliche Glaubensüberzeugung der Propheten. In Hosea 14 wird die Bekehrung des Volkes aufgrund der bedingungslosen Liebe Jehovahs als sicher in Aussicht gestellt. »Kehre um, Israel, bis hin zu Jehovah, deinem Gott; denn du bist gefallen durch deine Schuld (V 2). Ich will ihre Abtrünnigkeit heilen, gerne will ich sie lieben, denn mein Zorn hat sich von ihm abgewandt« (V 5). Aber wie soll das möglich sein? Das war das quälende, große Rätsel. Dass Israel sich bekehren muss, um der Reichsherrlichkeit teilhaftig zu werden, stand auch dem Propheten Jesaja außer aller Frage. Es handelte sich aber um ein Problem, nachdem die Unverbesserlichkeit des Volkes nachgewiesen war. Mit diesem Problem haben sich alle Propheten beschäftigt. Jeremia musste feststellen: Sie wollen sich nicht bekehren (Jer. 5, 3; 8, 5). Die Bekehrung Einzelner hat die Propheten niemals befriedigt. Ihr Ringen und Hoffen war eine Volksbekehrung. Diese war ebenso unmöglich, wie dass ein Mohr seine Haut oder ein Pardel seine Flecken wandeln kann (Jer. 13, 23). Da muss schon ein Wunder geschehen. Und dieses Wunder wird geschehen, wie der Prophet Sacharja weissagt (Sach. 8). Die Initiative geht allein von Jehovah aus, und zwar durch das Gerichtsfeuer, das mit der Wiederkunft Christi in Verbindung steht. Gerichtsfeuer, Zorn Gottes ist eifernde Liebe, und Bekehrung ist Unterwerfung unter das Zorngericht Gottes. So schildert Sacharja die Erweckung Israels aus großer Drangsal als den Auftakt zur Volksbekehrung (Sach. 12, 5). Dann wird Jehovah über das Haus Davids und über die Bewohner von Jerusalem ausgießen den Geist der Gnade und des Flehens und sie werden hinblicken auf den, den sie durchstochen haben (Sach. 12, 10), und alle Stämme Israels werden Buße tun und sich ihrem Messias Christus unterwerfen. Ein gewaltiger Zusammenbruch in erschütternd tiefem Bußschmerz eines ganzen Volkes wird das sein. So etwas hat die Welt noch nie gesehen. So weit hatten sich die Propheten schon hin­durchgerungen. Sie wussten, dass eine Bekehrung des Volkes von sich aus unmöglich ist. Wir hören deshalb die dringende Bitte: »Bekehre Du mich, dass ich mich bekehre!« (Jer. 31, 18; Klagel. 5, 21). Doch bleibt das eigentliche Rätsel in der Heilsgeschichte immer noch ungelöst.

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Autor: Langenberg, Heinrich | Kategorie(n): Heilsgeschichte, Israel  |  425 x gelesen

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Das neue Jerusalem

Jerusalem ist von jeher die erwählte Gottesstadt gewesen. Schon Melchisedek der König von Salem, wie die Stadt früher hieß, spielt in der heiligen Geschichte eine bedeutende Rolle, Abraham gab diesem König den Zehnten seiner Kriegsbeute und wurde von ihm gesegnet, denn Melchisedek war auch ein Priester und zwar des EI-Elyon d.h. des höchsten Gottes (1. Mose 14, 18-22; Hebr. 7, 1f). Hier finden wir also noch eine Spur von dem ursprünglichen unverfälschten Gottesdienst, den Abraham feierlich anerkannt. Salem oder Jerusalem (= Gründung des Friedens) ist von Urbeginn an eine Offenbarungsstätte des reinen Gottesdienstes. Durch David, der diese Stadt später von den Jebusitern eroberte, ist sie zur Hauptstadt seines Königreiche gemacht worden (2. Sam. 5, 6-9). Der Zionshügel wurde zur Königsburg und der Hügel Morija zur Stätte des Heiligtums (Psalm 76, 2).

Zion Jerusalem wurde somit der Mittelpunkt der Theokratie (Gottesherrschaft) und die Stätte der Offenbarung Gottes für die ganze Welt. Durch die Gerichte Gottes ist Jerusalem mit seinem Tempel verschiedene Male zerstört, aber danach immer wieder aufgebaut worden. Das messianische Heil der Endzeit ist untrennbar verbunden mit Jerusalem. Das alte Jerusalem muss jedoch erst untergehen, damit ein ganz neues Jerusalem entstehen kann. Eine geradlinige Entwicklung vom Status quo aus, wie die falschen Propheten lehrten, indem sie die Unantastbarkeit das alten Jerusalem als Hauptdogma verkündigten, kennt die wahre Prophetie nicht. Es gibt kein Heil ohne Gericht. Das Jerusalem der Endzeit, als Zentrum der Gottesherrschaft auf Erden, ist deshalb ein ganz und gar Neues, nachdem das alte in den endgeschichtlichen Gottesgerichten völlig beseitigt sein wird. “Aber am Ende der Tage wird es geschehen, da wird der Berg des Hauses Jehovas gestellt sein zum Haupt der Berge und erhaben über die Hügel. Und zu ihm werden Völker strömen und Heiden in Menge ziehen und sprechen: Auf lasst uns auf den Berg Jehovas hinaufziehen und zum Hause des Gottes Jakobs, dass er uns belehre aus seinen Wegen, und wir wandeln in seinen Pfaden” (Micha 4, 1-2). Die universale Bedeutung des neuen Jerusalems liegt darin, dass von hier das messianische Heil für die ganze Völkerwelt ausgehen soll. “Denn von Zion wird Weisung ausgehen und Jehovas Wort von Jerusalem, und er wird Richter sein zwischen vielen Nationen und Bescheid sprechen gewaltigen Völkern weithin“ (Micha 4, 2.3). Zu diesem Zweck muss also ein ganz neues Jerusalem gebaut werden, wie es in Micha 7, 11 heißt: “Ein Tag zu bauen deine Mauern, ist jener Tag. Entfernt ist die Schranke an jenem Tage”. Mit jenem Tage ist der Tag Jehovas gemeint. Keine Schranke soll dann mehr die gottsuchenden Heiden vom Heiligtum trennen.

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Autor: Langenberg, Heinrich | Kategorie(n): Das prophetische Wort, Endzeit, Heilsgeschichte  |  1,748 x gelesen

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Gemeindeprophetie

Es ist eine auffallende Tatsache, dass die besondere Geistes- oder Gnadengabe der Gemeindeprophetie heute in den geschichtlich gewordenen gottesdienstlichen Erbauungs- und Missionsversammlungen kaum mehr gefunden wird, während doch gerade dieses Charisma nach der ausführlichen Darstellung des Apostels Paulus in der Urchristenheit einen hervorragenden Platz einnahm. Wie ist das zu erklären? In der kirchlichen Theologie wird in der Lehre von den Charismen die Sache vielfach so hingestellt, als ob in der Entstehungsgeschichte der christlichen Kirche die Gabe der Weissagung wohl eine gewisse Rolle gespielt habe, aber hernach seien die besonderen Dienste der Apostel und Propheten mehr und mehr zurückgetreten. Dafür sei nun das geordnete kirchliche Amt zuständig geworden. Auf evangelischer Seite gibt es keine sogenannten Apostelnachfolger mehr wie in der päpstlichen Kirche. Ebenso ist die Gemeindeprophetie durch das Lehr- oder Predigtamt verdrängt und überflüssig geworden.

Wir fragen uns: Ist das die Anschauung der Schrift?

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Autor: Langenberg, Heinrich | Kategorie(n): Das prophetische Wort, Gemeinde, Lehre, Paulus, Schwarmgeist, Versuchung & Verführung  |  525 x gelesen

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Die Errettung ganz Israels

Israel bildet immer eine solidarische Einheit, wenn es sich um seine Heilsgeschichte handelt. Gericht und Rettung ist durchweg mit ganz Israel verbunden. Die Idee der einzelnen, persönlichen Errettung durch Herausrufung aus der großen Masse gehört ihrem Wesen nach einer ganz anderen Haushaltung Gottes an, und zwar der Haushaltung Ekklesia oder Leibesgemeinde. Israel dagegen ist als nationale, unteilbare Einheit Gegenstand der Heilspläne Gottes und in dieser Beziehung Muster und Anschauungsunterricht für die endgeschichtliche Errettung der Nationen. Wie in Hosea 2, 1 und 25 (Elbf. Bibel: 1, 10/2, 23) das Heil für das ganze Volk verheißen ist, so zieht sich durch alle Propheten dieser Heilsbegriff für das Gesamtisrael wie ein roter Faden hindurch. Der Apostel Paulus, der erkenntnismäßig völlig auf den Schultern der alttestamentlichen Propheten steht, hat diese Fundamentalwahrheit konsequent festgehalten und glaubensmäßig durchgeführt, wenn er sagt: “Und also wird ganz Israel gerettet werden” (Röm. 11, 26).

Es handelt sich nun darum, festzustellen, was ganz Israel bedeutet. Wir unterscheiden dabei den qualitativen und den quantitativen Begriff. Qualitativ ist “Ganzisrael” der ideale Begriff eines lebendigen, unteilbaren Organismus, der durch die gerade lebende Generation plastisch zur Darstellung kommt. So redet Petrus Apostelgeschichte 2, 36 das ganze Haus Israel an, indem die gerade Anwesenden in solidarischer Verbundenheit mit dem Volksganzen das ganze Haus Israel repräsentieren. Ebenso machen es alle Propheten.

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Autor: Langenberg, Heinrich | Kategorie(n): Heilsgeschichte, Israel  |  353 x gelesen

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Der Auferstehungsleib der Christen

Der Auferstehungsleib der Christen ist nicht zu verwechseln mit dem Leib des Christus. Beim letzteren ist der Ausdruck »Leib« im übertragenen Sinn zu verstehen als einheitliches Organ, an dem Christus das Haupt ist, während die mit dem Haupt lebensmäßig verbundenen Gläubigen die Glieder oder die ausführenden Organe darstellen. Beim Auferstehungsleib der Christen aber handelt es sich um die Leiblichkeit oder körperliche Wirklichkeit, wie auch bei dem Leib Jesu, der ans Kreuz geschlagen, begraben und auferweckt wurde, der die Verwesung nicht gesehen hat, sondern unmittelbar in den Zustand der Verklärung übergegangen ist.

Welch entscheidende Rolle die Leiblichkeit im Heilsplan Gottes überhaupt spielt, wird im allgemeinen viel zu wenig beachtet. Deshalb ist die Auferstehungshoffnung der Christen bei vielen so verschwommen und so wenig lebendig. Wenn Paulus in Kol. 2, 9 schreibt, daß »in Ihm die gesamte Fülle der Gottheit leiblich (soomatikoos) wohnt«, so meint er damit, daß die Gottheit, d. h. die Wesenheit Gottes, in der Leiblichkeit Christi zur füllemäßigen Offenbarung kommt. Dadurch will Paulus im Kolosserbrief gerade die Größe Christi herausstellen und zeigen, wie die ganze Fülle (Gottes) Wohlgefallen hat, in Ihm zu wohnen (Kol. 1, 19). So soll auch in dem Auferstehungsleib der Gläubigen eine besondere Fülleoffenba­rung Gottes zur Darstellung kommen.

Es ist das große Anliegen des Apostels Paulus, die Bedeutung der Leiblichkeit in Gottes Heilsplan hervorzuheben. Deshalb schreibt er den Gläubigen in 1. Kor. 6, 19: »Wisset ihr nicht, daß euer Leib ein Tempel (naos) des Heiligen Geistes ist in euch, den ihr habt von Gott?« Im Hebräerbrief wird die Leiblichkeit Christi besonders betont in Verbindung mit Seinem Versöhnungswerk (10, 5) und unserer Heiligung (10, 10).

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Autor: Langenberg, Heinrich | Kategorie(n): Gemeinde, Tod & Auferstehung  |  995 x gelesen

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Die Versöhnung des Alls in Christum hinein

«Denn in Ihm hat die ganze Fülle Wohlgefallen, zu wohnen und durch Ihn zu versöhnen das All in Ihn hinein, indem Er Frieden macht durch das Blut Seines Kreuzes, durch Ihn, sei es das auf der Erde, sei es das in den Himmeln» (Kolosser 1, 19.20)

In Christus wohnt die ganze Fülle Gottes, in die hinein wir auch erfüllt werden sollen (Eph. 3, 19). Was diese Gottesfülle ist — in Kolosser 2, 9 heißt es: Fülle der Gottheit —, das können wir jetzt noch nicht fassen. Fülle (griechisch: plärooma) bezeichnet die reifste Frucht, das höchste Ziel einer Entwicklung, das letzte Ziel eines Werdens. Die Fülle Gottes ist nicht das, was Gott ausfüllt, nämlich der Reichtum Seines Wesens, sondern das Ziel eines Werdens in Gott. Dieses Werden kann nur die Verwirklichung Seiner Heilsgedanken, Seiner Heilsoffenbarung sein.

Diese ganze Gottesfülle wohnt in Christo. Wohnen heißt: eine Behausung haben, sich häuslich niederlassen. In Christo hat die ganze Gottesfülle, die Erfüllung aller Seiner Heilsgedanken die Behausung gefunden, sich häuslich niedergelassen, eine leibliche Gestalt angenommen (Kol. 2, 9), das heißt, sie ist in die Sichtbarkeit, in die Offenbarung eingetreten. Die Behausung ist aber nicht nur eine Stätte der Enthüllung für die Hausbewohner, sondern auch eine Stätte der Verhüllung für Draußenstehende. Die Fülle Gottes, die in Christo wohnt, wird nur der Gemeinde erkennbar.

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Autor: Langenberg, Heinrich | Kategorie(n): Allversöhnung  |  386 x gelesen

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Äonisches Leben und das wesenhafte Leben

Das äonische leben (zoä aionios) ist heilsgeschichtlich die Entwicklungsstufe des wahren, wesenhaften Lebens, wie es in dem messianischen Königreich des Christus sich entfaltet.

Die Bezeichnung “ewiges Leben” ist ungenau und irreleitend, wenn “ewig” als endlos aufgefasst wird. Wenn in der heiligen Schrift die Endlosigkeit des Lebens besonders betont werden soll, wird das in unmissverständlicher Weise zum Ausdruck gebracht, wie z. B. “unauflösliches Leben” (Hebr. 7, 16) oder “das Leben” schlechthin als das Leben Gottes. Eine Unterscheidung zwischen dem wesenhaften Leben und dem äonischen Leben kommt besonders schon im Johannesevangelium zum Ausdruck. Das äonische Leben ist das überreich gesegnete Leben im Heilsäon des Königreichs Jesu Christi, in dem Äon, der die Erfüllung der messianischen Verheißungen für Israel und durch Israel für die Nationen bringt. Das äonische Leben ist aber nicht auf das zukünftige tausendjährige Friedensreich zu beschränken, sondern hat bereits mit dem ersten Kommen Jesu einen Anfang genommen in denen, die an Jesum glauben. “Der Glaubende in den Sohn hinein hat äonisches Leben!” (Joh. 3, 36). Dieses Haben wird bei Johannes besonders betont und auch in Verbindung gebracht mit dem Besitz des wesenhaften Lebens. “Wer mein Wort hört und glaubt dem, der mich sendet, hat äonisches Leben, und ins Gericht kommt er nicht, sondern er ist hinübergegangen aus dem Tode in das Leben” (Joh. 5, 24). Das “äonische Leben” bezieht sich immer auf den messianischen Reichsäon, während “das Leben” das wesenhafte, unauflösliche, ewige Leben bezeichnet. Das äonische Leben geht jedoch ohne weiteres in das unauflösliche, ewige, d. h. endlose Leben über für die, die an Jesum glauben. Die Unterscheidung zwischen den Ausdrücken “äonisches Leben” und “das Leben” finden wir genau so bei Paulus wie bei Johannes. “Denen, die gemäß Geduld eines guten Werkes Herrlichkeit und Ehre und Unvergänglichkeit suchen, vergilt Gott äonisches Leben” (Röm. 2, 7). “Die Gnade herrscht durch Gerechtigkeit in äonisches Leben hinein durch Jesum Christum, unsern Herrn” (Röm. 5, 21). “Als Gott dienstbar Gemachte habt ihr eure Frucht zur Heiligkeit, das Ende aber äonisches Leben. Denn der Lohn der Sünde ist der Tod, die Gnadengabe Gottes ist äonisches Leben in Christo Jesu, unserm Herrn” (Röm. 6, 22.23). “Wer in den Geist sät, wird aus dem Geist äonisches Leben ernten” (Gal. 6, 8). “Das Ziel des auf Christus gestützten Glaubens ist äonisches Leben” (1. Tim. 1, 16). Den aktiven Glauben meint Paulus, wenn er 1. Timotheus 6, 12 sagt: “Ergreife das äonische Leben, in das hinein du berufen bist”, gilt also als Kampfpreis für den Sieger, als Krönung unserer Berufung. Diese unsere Berufung bezeichnet die besondere Stellung und Aufgabe im äonischen Leben in Verbindung mit dem Königreich des Christus. Das ist nach Titus 1, 2 und 3, 7 die Hoffnung äonischen Lebens.

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Autor: Langenberg, Heinrich | Kategorie(n): Lehre  |  359 x gelesen

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