Wenn die Schrift bezeugt, daß Gott die Welt liebt, so ist damit gar
nichts darüber ausgesagt, wie die Welt ist, sondern nur, wie Gott ist.
Das gilt es einmal ganz klar mit allen Konsequenzen zu fassen.


Adolf Heller (1895 - 1973)
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Auserwählung

1. Eine Unterschlagung

Wir können uns gegen Mitmenschen verschulden, indem wir ihnen beglückende Wahrheiten vorenthalten. Paulus bezeugt vor den Ältesten der Gemeinde zu Ephesus (Apg. 20, 27):

“Ich bin rein von dem Blute aller; denn ich weiche nicht davon zurück, euch kundzutun den gesamten Ratschluß Gottes.” Was er diesen Gläubigen noch nicht kundgetan hatte, das schrieb er ihnen später mit deutlichen Worten in einem Rundbrief, den wir als Epheserbrief bezeichnen. Paulus weiß sich also schuldig am Blute der Gläubigen, falls er ihnen nicht den gesamten Ratschluß Gottes, “das Geheimnis Seines Willens” (Eph. 1, 9) kundtut.

Mit diesem Aufsatz möchte ich auf eine Wahrheit hinweisen, die man weitgehend unterschlagen hat und unterschlägt: das Wort von der Auserwählung. Von früher Jugend an habe ich in sieben Jahrzehnten fast jeden Sonntag und oft auch während der Woche Gottes Wort gehört. Doch besinne ich mich nicht, daß ich je irgendwo — sei es in der Sonntagsschule, in einer Bibelstunde oder in einer kirchlichen oder außerkirchlichen Versammlung — ein deutliches Wort über Auserwählung gehört hätte. Offenbar hat man sich gescheut, davon zu reden, und den billigsten Ausweg gewählt, indem man diese Wahrheit einfach umging.

Und doch steht das Wort von der Erwählung nicht nur irgendwo versteckt am Rande der biblischen Botschaft. Groß und deutlich tritt es uns im Alten und viel mehr noch im Neuen Testament entgegen.

So steht das Wort “auserwählen” (griechisch: eklegesthai) im Neuen Testament 20-mal, dreimal in den Schriften des Paulus. Nur ein einziges Mal handelt es sich dabei um rein menschliches Wählen, den fleischlichen Wünschen des Herzens entsprechend (Luk. 14, 7); einige Male wird es vom Wählen der Gläubigen, die sich bewußt unter die Leitung Gottes stellten, in den weitaus häufigsten Fällen aber vom Auserwählen Gottes gebraucht. — Den Ausdruck “Auserwählter” (griechisch eklektos) treffen wir im NT 22-mal, davon sechsmal in den Paulusbriefen. — “Auswahl” oder “Auserwählung” (eklogä) aber kommt siebenmal vor, und zwar fünfmal bei Paulus. — Im ganzen zählen wir die Worte auswählen, Auserwählter und Auswahl im Neuen Testament 49-mal, 14-mal allein in den Paulusbriefen, die uns ja ganz besonders interessieren, da sich ihr Schreiber deutlich als Apostel der Nationen bezeichnet.

Schon die Häufigkeit der Worte, die von Auserwählung reden, sollte uns eine Mahnung sein, daß wir uns gründlich damit auseinandersetzen. Zudem gibt es noch andere Ausdrücke, die indirekt die Auserwählung der Gläubigen bezeugen. Die Gemeinde wird ja durchweg bezeichnet als die Ekklesia, das heißt wörtlich übersetzt: die herausgerufene (Gemeinde). Das weist ebenfalls auf Auswahl hin. Jedes Glied dieser Gemeinde ist auch ein Berufener neben andern, die nicht berufen sind.

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Autor: Käser, Hans | Kategorie(n): Erwählung, Heilsgeschichte, Lehre  |  906 x gelesen

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