Wenn die Schrift bezeugt, daß Gott die Welt liebt, so ist damit gar
nichts darüber ausgesagt, wie die Welt ist, sondern nur, wie Gott ist.
Das gilt es einmal ganz klar mit allen Konsequenzen zu fassen.


Adolf Heller (1895 - 1973)
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Der Prophet Haggai

(Nach einer Tonbandaufnahme)

Vorbemerkung: Unser Bruder Hanns Heck wurde, wie schon in GNADE UND HERRLICHKEIT mitgeteilt, am 10. Januar 1983 vom Herrn heimgerufen. Zwei Monate vor seinem Heimgang, vom 9. bis 11. November 1982, hat er auf einer Freizeit in Martinsmoos u. a. über den Propheten Haggai gesprochen. Die Stimme klang zuweilen etwas müde und offenbarte, daß sich hier ein fast achtzigjähriger Bruder bis zum letzten einsetzte. — Nun kann man einen solchen Dienst der mündlichen Rede nicht wörtlich abschreiben. Ich war aber bemüht, nicht nur den Sinn, sondern auch den Wortschatz von Hanns Heck so weit wie irgend möglich beizubehalten. — Dies ist keine übliche “Auslegung” des Propheten Haggai. Hanns Heck arbeitet viel mit Zahlen- und Namensymbolik und erschließt den Text auf ungewöhnliche Weise. Immer gibt er dabei auch Hilfen für die Praxis des Glaubenslebens. Persönlich darf ich sagen, daß mir Haggai nach dem Hören dieser Bänder viel lebendiger und vertrauter war als vorher, und dies ist es, was ich auch den Lesern wünsche!
Heinz Schumacher


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Vor vielen Jahren habe ich einmal den Vorwurf zu hören bekommen: Du sprichst viel zu viel über das Alte Testament. Ich fragte zurück: Hast du auch etwas dagegen, wenn ich über die Psalmen spreche? Ich bekam keine Antwort. Die Psalmen waren ihm recht.

Vielleicht hat auch jemand von uns schon einmal gedacht: Wozu brauchen wir eigentlich das Alte Testament, wenn wir doch das Neue haben? — Ich frage: Wozu braucht der Lehrer die Wandtafel, wenn er doch im Kopf hat, was er den Schülern sagen will? Das Gesagte ist, wenn es nicht verstanden wurde, im Bruchteil einer Sekunde aus dem Raum verschwunden; das an der Wandtafel Geschriebene bleibt stehen. Das Neue Testament macht kurze, präzise Aussagen; das Alte Testament ist die Wandtafel zum Neuen. Da hat man viel Zeit zu ausführlichen Beschreibungen; auch in den Evangelien des Neuen Testaments hat man noch viel Zeit. Ganz kurz gefaßt sind dagegen die Aussagen des Apostels Paulus. Warum sind sie wohl so kurz gefaßt? Weil die Zeit gedrängt ist (1. Kor. 7, 29). In einer gedrängten, zusammengezogenen Zeit kann ich die Rede nicht ausdehnen.

Ich möchte uns in diesen Tagen eine Aussage aus dem Alten Testament vor Augen führen, die 38 Verse umfaßt. Warum ist uns die Zahl der Verse interessant? In den Urschriften der Bibel gab es ja keine Kapitel- und Verseinteilung und nicht einmal eine Interpunktion. Die Kapiteleinteilung ist etwa im 11. Jahrhundert durch den Kanzler der Universität Paris eingeführt worden, die Verseinteilung durch einen Drucker im 16. oder 17. Jahrhundert, und ich behaupte: In beiden Fällen war Gott dabei. Er will uns sogar durch diese äußeren Dinge etwas mitteilen.

Nun will ich sagen, über wen ich heute und morgen und übermorgen sprechen will: über den Propheten Haggai. Das 1. Kapitel hat 15 und das 2. Kapitel 23 Verse. Das ergibt zusammen 38 Verse: die Zahl der Krankheit. Der Kranke in Johannes 5, den niemand in den Teich Bethesda hineingetragen hatte und den der Herr Jesus fragte: “Willst du gesund werden?”, war 38 Jahre lang krank. In Jesaja 38 lesen wir, daß der König Hiskia krank geworden ist. Ihm werden 15 Jahre zu seiner Lebenszeit hinzugefügt. Wenn uns Gott im Propheten Haggai in 38 Versen etwas sagen will, so hat diese Aussage vielleicht etwas mit dem Kranksein zu tun.

Wie aber will Gott zu uns reden? Wir lesen in Haggai 1, 1.3: “geschah das Wort”; Kap. 2, 1: “geschah das Wort”; Kap. 2, 10: “geschah das Wort”, und Kap. 2, 20: “geschah das Wort zum zweiten Male”. Viermal ist etwas geschehen. Das hebräische Wort für “geschehen” heißt hajah. Das drückt ein Geschehen aus, aber nicht nur ein einmaliges Geschehen. Der Hebräer hat ja nicht wie wir eine Gegenwarts- und Vergangenheitsform, sondern das geht ineinander über, so daß in hajah eine dreifache Aussage enthalten ist: Haben — Werden — Sein.

  1. Ich habe eine Aussage;
  2. Ich werde mir diese Aussage zu Herzen nehmen;
  3. Ich bin in dieser Aussage drin.

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Autor: Heck, Hanns | Kategorie(n): Das prophetische Wort, Glaubensleben & Wandel, Wort Gottes (Bibel)  |  1,227 x gelesen

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Vom Verheißungsinhalt der paulinischen Lehre — Das Geheimnis des Willens Gottes

Epheser 1, 9-10

Wir wollen in der heutigen Abendversammlung über ein besonderes Geheimnis des paulinischen Zeugnisses eine erklärende Aussage machen, über die schon viel Streit, ja Abgründe zwischen Geschwistern entstanden sind. Paulus ist ja der Apostel mit dem weitesten Blick. Er bezeugt uns in 1. Kor. 15, 27-28, daß Gott einmal alles in allen sein wird. Wenn wir diese Aussage am Schluß unseres “Äonenplans” machen, dann leuchtet beim einen und anderen Teilnehmer unserer Jugendkonferenzen immer wieder einmal die Frage auf: “Ja, werden denn einmal alle Menschen selig?” Das ist dann für mich das Stichwort, ganz behutsam, aber auch ganz klar ein Ja zu sagen, zugleich aber das Gegen­teil vom Seligsein — das Verlorensein und die Gerichte Gottes — so massiv herauszustellen, daß denen, die vielleicht leichtfertig an dieses Geheimnis herangehen, die Lust vergeht, noch weiterhin hier oberflächlich zu denken.

Eine Lehrmeinung oder ein Lehrunterschied sollte niemals Bruder von Bruder trennen. Nur wenn durch eine Lehre Gott erniedrigt wird, wenn Er klein gemacht wird, könnte ich an eine Scheidung denken. Ich müßte dann einem solchen Bruder sagen: “Du schmälerst Gott, du erniedrigst Ihn. Wir sind Brüder in Christo, aber wir können keine Arbeitsgemeinschaft haben.” — Trennung soll es nur geben, wo ein Bruder oder eine Schwester unordentlich wandelt; mit einem solchen sollten wir nach 1. Kor. 5, 11 nicht einmal essen.

Warum gibt es eigentlich das große Geschrei um das verpönte Wort “Allversöhnung”? — Ich will mit zwei Schriftstellen antworten. Die eine steht in Apg. 19, 32: “Die einen nun schrieen dieses, die anderen jenes; denn die Gemeinde war in Verwirrung, und die meisten wußten nicht, weshalb sie zusammengekommen waren.” Und ich möchte auch im Blick auf unsere Frage sagen: die meisten wissen gar nicht, warum sie schreien. Dazu noch ein Beleg aus Matth. 27, 39: “Die Vorübergehenden aber lästerten Ihn, indem sie ihre Köpfe schüttelten …” Ich habe den Eindruck, daß auch in dieser Frage die lautesten Schreier diejenigen sind, die am wenigsten von der Sache wirklich Kenntnis genommen haben, die am wenigsten eingedrungen sind in das, was Gott und nicht was Menschen sagen. Auf die Aussage Gottes kommt es ja letzten Endes an. Auch hier gilt wohl Gal. 6, 12-13: “So viele im Fleische wohl angesehen sein wollen, die nötigen euch, beschnitten zu werden, nur auf dass sie nicht um des Kreuzes Christi willen verfolgt werden … sie wollen, daß ihr beschnitten werdet, auf daß sie sich eures Fleisches rühmen.” Wißt Ihr, ich gebrauche jetzt einmal ein “deutsches Fremdwort”: In dieser Frage gibt es einen Fraktionszwang. Wißt Ihr, was das ist? Wenn in einer Partei irgendeine Frage zur Diskussion steht, die im Bundestag behandelt wird, dann kann es sein, daß eine ganze Fraktion, sei es SPD oder CDU, gleich abstimmen muß, ob die einzelnen damit einverstanden sind oder nicht. Und mir scheint, daß hierin in der Gemeinde Gottes ein großer Fraktionszwang herrscht. Wenn der “Parteivorsitzende” die Richtung angibt, dann reden das alle nach, und ohne zu prüfen, wird das übernommen. Das ist eine Sünde! Das sollten wir mit der Bibel nicht machen!

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Autor: Heck, Hanns | Kategorie(n): Allversöhnung, Paulus  |  976 x gelesen

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Die Bedeutung der Auferstehung für unsere geistliche Haltung

(Nach einem Wortdienst auf der Langensteinbacherhöhe am 06.10.1969 anläßlich der 11. Brüderkonferenz; vom Verfasser überarbeitet)

Meine lieben Geschwister und Freunde!

Vielleicht könnt Ihr ein wenig mitfühlen, daß ich nicht ganz befriedigt war, als ich den Text von 1. Kor. 15, 29-34 für diesen Abenddienst vorgelegt bekam. Er erschien mir als ein etwas “dürrer Knochen” im Vergleich mit den andern Abschnitten dieses Auferstehungskapitels. Nun ist etwas Fleisch, hoffentlich aber auch Geist darum gewachsen. Die Themastellung aus diesem mittleren der 5 Abschnitte liegt mir ja, und zwar deshalb, weil ich wünsche, daß alles, was ich in der Bibel lese, sich im praktischen Alltag bei mir auswirken möchte. Das ist meine Bitte und meine Haltung.

Das Kernstück des Evangeliums

Man spricht im Alltag von dem Kernstück einer Sache. Das wäre beim Photoapparat die Linse, beim Auto der Motor und bei der Lokomotive der Dampfkessel. Was wäre das schönste Auto in Chrom und Silber ohne Motor?

Das Kernstück des Christentums ist die Auferstehung. In Apostelgeschichte 17, 18 verkündigt Paulus das Evangelium der Person Jesu und von dieser Person wiederum als wichtigste Wirkung nicht etwa die Liebe, Seine Geduld u. ä. m., sondern die Auferstehung. Durch diese Tatsache wurde Seine Person so beglaubigt (Röm. 1, 4), daß Er von sich sagen konnte: “Ich bin die Auferstehung und das Leben” (Joh. 11, 25).

Wo dieses Hauptthema verkündigt wird, gibt es Entscheidungen. Wir sehen solche Wirkungen im 32. bis 34. Vers des obengenannten Kapitels. Aufgrund der Verkündigung von der Auferstehung scheiden sich die Zuhörer in 3 Gruppen:

  1. Die Spötter. Das ist die billigste Äußerung zu einer Sache.
  2. Die Unaufrichtigen, die sich selbst betrügen, die Paulus gar nicht mehr hören wollten, obwohl sie so sagten. Sie hatten nicht den Mut zu einer Absage. Das hat der Apostel sofort durchschaut und vereinbarte deshalb mit ihnen keinen Termin, sondern ließ sie einfach stehen.
  3. Die Verlangenden, die sich ihm sofort “anklebten”, weil sie das “Heute” Gottes als ernsthaftes Angebot realisierten.

Wenn wir nicht zur dritten Gruppe der “Auferstehenden” gehören, dann kommt für uns eine dreifache Fehlanzeige in unserem Auferstehungskapitel (1. Kor. 15) in Betracht, und zwar ist unser Glaube

  1. ein Scheinglaube (Vers 2 = “vergeblich”), wenn wir in unserer Alltagspraxis an der Verwirklichung der Verkündigung der Auferweckung (Vers 4) nicht unbedingt festhalten,
  2. ein “leerer” Glaube (Vers 14 = “vergeblich”), wie eine Prunkvase ohne Blumen oder eine Rose ohne Duft, und
  3. ist unser Glaube “vergebliche Liebesmühe” (Vers 17 = “eitel”), d. h. alle Anstrengungen für das Reich Gottes, alle Konferenzen, alles Hören und Lesen des Wortes Gottes, all unser Kämpfen und Bemühen, hier unten als Gotteskinder ein entsprechendes Leben zu führen, sind fruchtlose Anstrengungen.

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Autor: Heck, Hanns | Kategorie(n): Glaubensleben & Wandel, Lehre, Tod & Auferstehung  |  1,086 x gelesen

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