Wenn die Schrift bezeugt, daß Gott die Welt liebt, so ist damit gar
nichts darüber ausgesagt, wie die Welt ist, sondern nur, wie Gott ist.
Das gilt es einmal ganz klar mit allen Konsequenzen zu fassen.


Adolf Heller (1895 - 1973)
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Möglichkeiten und Grenzen prophetischer Schriftauslegung

(Vortrag auf der Langensteinbacherhöhe, gehalten auf der Brüderkonferenz am 10. Oktober 1977)

“Strebet nach der Liebe; doch eifert auch nach den Geistesgaben, am meisten aber, daß ihr weissagen (prophezeien) könnt!” (1. Kor. 14, 1; lies auch 2. Petr. 1, 16-21!)

Wer die Bibel studiert, bekommt bald Prophetie zu Gesicht. Wer in der Erkenntnis wächst, wird eines Tages die anfängliche historische und die erbauliche Betrachtungsweise hinter sich lassen. Prophetie in ihren mannigfaltigen Spiegelungen ist hochinteressant. Gewöhnlich aber wird sie nur als Endzeitprophetie gesehen. Sie umfaßt jedoch viel mehr, als nur die kommenden Dinge.

Was ist prophetische Schriftauslegung?

Was ist Auslegung überhaupt? Der im biblischen Text enthaltene Inhalt wird “herausgelegt”, geordnet und dargestellt. Wir mögen dabei an eine geschmackvolle Schaufensterauslage denken. Der Hintergrund einer Schriftauslegung muß immer das Schriftganze sein. Nichts wird aus dem Zusammenhang gerissen. Auslassungen, Abstriche und Lücken dürfen nicht geduldet werden.

Das Gesamtbild der Heiligen Schrift, die wir vom ersten bis zum letzten Wort als “von Gott eingegeben” betrachten, gipfelt im Kreuzesgeschehen von Golgatha. In der Bibel laufen alle Linien weissagend auf das Kreuz zu. In der Verwirklichung und Erfüllung kommen alle Linien vom Kreuz her. So sind im gekreuzigten und im auferstandenen Herrn Jesus Christus der Anfang, die Mitte und das Ziel des Heiles zusammengefaßt. Es ist wie mit den Ringen auf einer Teichoberfläche, die dadurch entstehen, daß man einen Stein in die Mitte wirft. Die dadurch entstehenden Ringe weiten sich solange stetig aus, bis sie das äußerste Ufer erreicht haben. Der äußerste Rand in der Heiligen Schrift aber wäre dann das von Gott gesteckte Ziel. So etwa in 1. Korinther 15, 28, in Römer 11, 36 u. a.

Die Ausdeutung des gesamten Heilsgeschehens erfolgt in erster Linie durch den Geist der Weissagung, die Prophetie. (Offb. 19, 10: “denn das Zeugnis Jesu ist der Geist der Weissagung”.) Diese ist eine Fernschau auf Gottes endgültiges Vollendungsziel.

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Autor: Würfel, Georg | Kategorie(n): Das prophetische Wort, Lehre  |  579 x gelesen

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