(Vortrag auf der Israel-Konferenz 1980 der Bibelkonferenzstätte Langensteinbacherhöhe)
Liebe Brüder, liebe Schwestern, liebe Freunde!
“Was sagt die Schrift über die Rückkehr der 10 Stämme Israels” ist unser Thema. Unsere Konferenz steht ja unter der Gesamtüberschrift “Israel und die Gemeinde”. Mein heutiges Thema gehört in dieses Gesamtthema hinein, denn die 10 Stämme machen ja einen Großteil, ja den größten Teil Israels aus.
Bei der Beantwortung dieser Frage halten wir uns streng an die Aussagen der Heiligen Schrift Alten und Neuen Testamentes. Dabei sind wir uns dessen bewußt, daß das, was die Schrift sagt, im Gegensatz steht zu dem, was die historische und die theologische Wissenschaft in der Literatur und auf den Lehrstühlen der Universitäten verkündet (von Ausnahmen, besonders in der englisch sprechenden Welt, abgesehen). Nach der Meinung unserer heutigen Wissenschaft sollen die 10 Nordstämme in der Zeit nach ihrer assyrischen Gefangenschaft endgültig verschwunden, d. h. in anderen Völkern aufgegangen sein, so daß also eine Rückkehr in das Licht der Geschichte und in das Land Israel zur Wiedervereinigung mit den 2 Südstämmen Juda und Benjamin unmöglich sei. Dabei ist es merkwürdig und sehr verwunderlich, daß sogar jüdische Gelehrte und Rabbiner der Wissenschaft recht geben und ein Wiedererscheinen der 10 Stimme für unmöglich halten. Sie treffen sich darin mit unserer liberalen Theologie. Auch das “Lexikon des Judentums” (1. Auflage 1967) schreibt: “Die 10 Stämme, seit der assyrischen Gefangenschaft verschollen, sind Gegenstand der Sage und messianischen Erwartung.” Damit werden auch die Aussagen der Schrift, d. h. der Bibel der Juden, als Sage bezeichnet und die messianische Erwartung in Zweifel gezogen. Das ist ein Beispiel dafür, wie sogar Juden, sonst gläubige Juden, den Glauben an ihre heiligen Schriften verleugnen.
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Autor: Liede, Friedrich | Kategorie(n): Das prophetische Wort, Heilsgeschichte, Israel | 6,691 x gelesen
Betrachtung über das vierte Wort Jesu am Kreuz
Das für unser Heil grundlegende Geschehen am Kreuz und die Worte, die der Herr Jesus während der entsetzlichen Todesqualen gesprochen hat, haben von jeher gläubige Herzen bewegt. Ganz besonders das Wort aus Matth. 27, 46 und Mark. 15, 34: “Mein Gott, mein Gott, warum hast Du mich verlassen?” Ist es denkbar, daß Gott Seinen Sohn im Stich gelassen hat, daß das innige Einssein mit dem Vater, das der Sohn in jedem Augenblick Seines irdischen Lebens ganz konkret in Geist und Herz erlebte, gerade in der höchsten Not unterbrochen worden ist? Hat Jesus nicht selbst vor Seinem Gang nach Gethsemane gesagt: “Ich bin nicht allein, denn der Vater ist bei mir”? (Joh. 16, 32). Diese schwierige Frage ist wirklich des Nachdenkens und der Prüfung wert.
I.
Betrachten wir den Text etwas genauer. Die vier Evangelisten überliefern uns insgesamt sieben Worte, die Jesus am Kreuz gesprochen hat, aber so, daß keiner sämtliche Worte anführt, sondern jeder ein oder mehrere Ausrufe Jesu berichtet, die der andere Evangelist nicht erwähnt. Das Wort von der Verlassenheit zeichnet sich dadurch vor den anderen Worten aus, daß es übereinstimmend von den beiden Evangelien Matthäus und Markus berichtet wird. Es besteht kein Zweifel daran, daß der Herr Jesus den ersten Vers des 22. Psalms gesprochen hat. Wahrscheinlich hat Er den ganzen Psalm während Seines Kreuzesleidens ein oder mehrere Male gebetet. Denn dieser Psalm enthält in auffallender Weise die meisten Einzelheiten, die prophetisch auf das Geschehen am Kreuz hinweisen. Der 1. Vers lautet in der hebräischen Bibel: “Eli, Eli, lamah asabthani”. Das heißt auf deutsch: “Mein Gott, mein Gott, warum hast Du mich verlassen?” Der griechische Text in den genannten Evangelien (nach Nestle) aber zitiert den Ausruf Jesu (wenn man die Anrede wegläßt) nicht in der hebräischen, sondern in der aramäischen Sprache und gibt ihn mit griechischen Buchstaben so wieder: “Lama sabachthani”. Und sowohl Matthäus als auch Markus fügen hinzu: “Das heißt: Warum hast Du mich verlassen?” Die beiden Evangelisten unterscheiden sich nur dadurch, daß Matthäus die Anrede in Hebräisch anführt: “Eli, Eli”, während Markus auch hier die aramäische Fassung hat, nämlich: “Eloi, Eloi”. Die Lösung ist die, daß eben Jesus dieses Zitat aus dem 22. Psalm sowohl im biblischen Hebräisch als auch in der Ihm geläufigen damaligen Landessprache, im Aramäischen, auswendig aussprechen konnte. Als Gekreuzigter hat Er also die aramäische Fassung bevorzugt. An der inhaltlichen Übereinstimmung beider Fassungen kann deshalb nicht gezweifelt werden. Darum muß das im Aramäischen verwendete Zeitwort “schbak” dasselbe bedeuten wie das hebräische “asab”. Das Verbum “Schbak” hat mehrere Bedeutungen. Es kann sowohl “verlassen” wie auch “aufbewahren” oder “übriglassen” heißen.
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Autor: Liede, Friedrich | Kategorie(n): Erkenntnis & Wesen Gottes, Gerichte Gottes, Tod & Auferstehung | 1,923 x gelesen
Gebetserfahrungen in schwerer Krankheitsnot
Jeder Gläubige kann unerwartet und plötzlich in ernste, seine ganzen Verhältnisse bedrohende Notlagen kommen. Das können unvorhergesehene Erschütterungen im Berufsleben, Enttäuschungen in Freundschaft, Liebe und Ehe, es können aber auch schwere Erkrankungen sein, die die Frage aufkommen lassen, ob damit der letzte Abschnitt des Lebens gekommen sei. Eine solche Situation bedeutet eine klare Bewährungsprobe des Glaubens. Der Glaubens-Anfänger wird, von menschlicher Todesfurcht erfüllt, flehentliche Gebete um baldige Wiederherstellung der Gesundheit zum Himmel senden. Der Erwachsenen-Stand im Glauben wird den fleischlichen Lebenswillen auch empfinden, aber die Glaubensprobe erkennen und sich im Gebet die völlige Ergebung in Gottes Willen schenken lassen auch für den Fall, daß Gott als der Herr über das Leben Seiner Kinder beschlossen habe, ihn aus diesem Leben abzuberufen. Indem er dieser Möglichkeit klar ins Auge schaut, wird er nicht ruhen, bis er die völlige Ergebung in Gottes Willen erreicht hat. Muß man sich nicht eingestehen, daß man oft mit dem Dichter gesungen hat:
“Deiner Führung folg ich still;
wie Du willst, nicht wie ich will”?
Hat man nicht geglaubt oder sogar verkündet, daß wir durch Leiden in die himmlische Heimat, in die ewige Herrlichkeit eingehen? Hat der Glaube nicht die Verheißung, daß Christus dem Tod die Macht genommen hat? Hat man in der Zeit des Wohlergehens diesen Glauben betont und sollte man in der Bewährungsprobe versagen? — Wo noch Anwandlungen des natürlichen Menschen sich bemerkbar machen, wird dem Gebet um völlige Ergebung in den göttlichen Willen die Gnade der Erhörung nicht versagt bleiben.
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Autor: Liede, Friedrich | Kategorie(n): Anbetung, Hingabe | 1,617 x gelesen
“Werdet zur Fülle gebracht im Geiste, dadurch dass ihr zu euch selbst redet in Psalmen und Lobliedern und geistlichen Liedern, dadurch dass ihr singet und spielet dem Herrn in euren Herzen, dadurch dass ihr danksaget allezeit für alles dem Gott und Vater im Namen unseres Herrn Jesus Christus, dadurch dass ihr einander Untertan seid in der Furcht Christi” (Eph. 5, 18-21; wörtlich).
Die vornehmste und wichtigste Aufgabe, die unser Herr durch Seinen Heiligen Geist in unserem jetzigen Zeitlauf durchführen lässt, ist die Zubereitung Seiner Gemeinde, die Er sich vor Grundlegung der Welt auserwählt hat (Eph. 1, 3). Es handelt sich nicht darum, dass diese Auserwählten “selig” würden, sondern dass die Sehnsucht des Herrn, als des Hauptes, erfüllt wird, durch die Vereinigung mit Seinem “Leibe” zur Fülle, zur Vollendung zu gelangen (Eph. 1, 25), damit Er dann als “der Christus” fortfahren könne, alles, d. h. das All, unter Sein Haupt und Seine Herrschaft zu bringen (Eph. 1, 10). Die Gemeinde soll also den Leib des Christus bilden und ihn zu Seiner Fülle (pleroma) bringen — gleichzeitig muss deshalb aber die Gemeinde sowohl als Ganzes wie jedes ihrer Glieder zur Fülle gebracht werden. Das durchzuführen ist die Aufgabe des Heiligen Geistes. Er will mit überströmender Wirkung jeden Einzelnen bis zur Erreichung des Vollmaßes erfüllen. Das meint Paulus mit den Worten, die wir an den Anfang unserer Betrachtung gestellt haben und die man gewöhnlich übersetzt: werdet voll Geistes (Luther), oder: werdet mit dem Geiste erfüllt (Elberf.).
Damit ist das Vollendungsziel jedes einzelnen zum Leibe des Christus gehörenden Gliedes umschrieben. Die Erreichung dieses Zieles ist vorbildlich für die Erlösung der gesamten Menschheit, ja des ganzen Kosmos. Wenn die Gemeinde bis zur Erreichung des Vollmaßes mit dem Heiligen Geiste erfüllt werden soll, bis sie das Reifestadium des erwachsenen Mannes, das Maß des vollendeten Wuchses zur Aufnahme der Fülle des Christus (Eph. 4, 15) erreicht hat, so gilt dies auch für die ganze Menschheit, ja die ganze Schöpfung, die in den kommenden Äonen freigemacht werden soll von der Knechtschaft der Vergänglichkeit zur Freiheit der Herrlichkeit der Kinder Gottes (Röm. 8, 21), und die in dasselbe Leben hineingezeugt werden soll (1. Tim. 6, 15). So ist Weg und Ziel der Heiligung der Gemeinde an den Besitz und die Wirksamkeit des Heiligen Geistes gebunden.
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Autor: Liede, Friedrich | Kategorie(n): Gemeinde, Glaubensleben & Wandel, Heiliger Geist, Heiligung | 959 x gelesen
(Nach einem Vortrag auf der Israelkonferenz 1981 der Langensteinbacherhöhe)
Im Unterschied zu früheren Jahrhunderten wird das Gesicht des öffentlichen Lebens gegenwärtig in der ganzen Welt durch die immer deutlicher werdende “Säkularisierung” (Verweltlichung) geprägt. Die Zeiten eines sog. “christlichen Abendlandes” sind längst vorüber. Der materielle und atheistische Zeitgeist hat auch das religiöse und kirchliche Leben des Westens ergriffen. Angesichts dieser Tatsache ist es verständlich, daß viele Gläubige in ihren Gebeten Gott um eine neue Erweckung bitten, damit Kirche und Gemeinde eine Neubelebung erfahren und noch recht viele Ungläubige für das Evangelium Jesu Christi gewonnen werden. Diese Frage ist auch deshalb akut, weil seit der Heimkehr von sehr vielen Angehörigen des jüdischen Volkes ins verheißene Land die Annahme bestätigt wird, daß in unserer Generation die Wiederkunft Jesu zu erwarten ist (Matth. 24, 32-34) und Sein Erscheinen eine große Scheidung der Gläubigen von den Ungläubigen hervorrufen wird, indem die ersteren eine Vereinigung mit Ihm, die anderen aber schwere Gerichte zu erwarten haben. Das bedeutet tatsächlich eine große Verantwortung der ungläubigen Welt gegenüber. Denn wir leben immer noch in der Zeit der Gnade, und der missionarische Auftrag der Gemeinde Jesu zur Verkündigung des Evangeliums in der ganzen Welt hat seine Bedeutung noch nicht verloren.
Das spornt immer wieder christliche Organisationen zu erhöhter Aktivität an mit dem Ziel, nicht nur einzelne Menschen zum Glauben aufzurufen, sondern größere Massen anzusprechen, also gleichsam große Erweckungen in Gang zu bringen, die die Erweckungsbewegungen vergangener Jahrhunderte möglichst noch übertreffen sollen. Man schließt sich mit anderen Vereinigungen zusammen, plant große Evangelisationen mit wortgewaltigen Rednern und lädt mit allen modernen Mitteln die Massen ein. Man ruft das missionarische Jahr aus, organisiert Kirchentage auf katholischer und evangelischer Grundlage und bietet den Massen unter Einschluß weltlicher Veranstaltungen einen “Jahrmarkt aller Möglichkeiten” an. Doch ist der Erfolg all dieser Bemühungen recht fraglich.
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Autor: Liede, Friedrich | Kategorie(n): Das prophetische Wort, Endzeit, Schwarmgeist | 1,129 x gelesen