Die Inspiration der Heiligen Schrift
Die Inspiration der Bibel ist ein Geheimnis, das der menschliche Verstand im irdischen Leben wohl nie restlos ergründen kann. Man hat wohl Theorien darüber aufgestellt, die aber keine allgemeine Anerkennung und Zustimmung gefunden haben. So hat man in der nachreformatorischen Zeit die Inspiration in pietistischen Kreisen so mechanisch aufgefaßt, daß man annahm, der Heilige Geist habe den Verstand des heiligen Schreibers vollständig ausgeschaltet und den Schreiber als tote Schreibmaschine benutzt. Ist man damals zu weit gegangen, obwohl das jedenfalls gut gemeint war, denn es zeigt uns die heilige Ehrfurcht vor der Bibel, so scheint es aber, daß man heute im entgegengesetzten Extrem sich gefällt, indem man die Inspiration vielfach sehr geringschätzend beurteilt. Zwar ist offenbar der Tiefstand dieser theologischen Beurteilung überwunden, die die Inspiration der Bibel auf die gleiche Stufe stellte, wie die Anregung, die jeder bessere Romanschriftsteller als Inspiration empfindet. Aber die Gegnerschaft ist auch heute vorhanden, und die dämonische Inspiration hat viele Kreise des Volkes gegen die göttliche Eingebung der Bibel erfüllt. Das ist aber noch nicht das Gefährliche. Viel ernster ist es zu nehmen, wenn in gläubigen Kreisen die geringschätzige Beurteilung liberaler Theologen der Bibel gegenüber Eingang findet. In einfachen Arbeiterkreisen herrscht vielfach die Ansicht, daß ja die Theologen selbst die Autorität der Bibel vernichtet hätten. Wir wissen ja nur zu gut, was für Zerstörungen die Bibelkritik vergangener Tage angerichtet hatte. Die leeren Kirchen der letzten Jahrzehnte, der Hohn und Spott seitens der breiten Masse, die Gewissenlosigkeit und Gesetzlosigkeit sind das erschreckende Ergebnis gewesen. “Man richtet sich darauf ein, mit dem von der Wissenschaft übrig gelassenen Rest von Bibel und Bibelwahrheiten zu erbauen: man lehrt eine Bibel ohne das Alte Testament, ein Neues Testament ohne den Gottmenschen Jesus Christus, eine Auferstehung des Herrn ohne Belebung des Leibes, einen Christus ohne die Wiederkunft, einen Glauben ohne die Hoffnung, ein Gebet ohne den Glauben an seine Erhörung, eine innere Erfahrung ohne die Wahrheit der geschichtlichen Tatsachen, von denen dieselbe ausgeht: so soll das moderne Christentum aussehen, um es der Wissenschaft und ihren fortschreitenden Ergebnissen anzupassen” (M. v. Nathusius). Es ist darum nur zu verständlich, wenn ernste gläubige Kreise einer scharfen Ablehnung der gesamten Wissenschaft das Wort reden und an der Bibel, wie sie nun einmal ist, als Gottes Wort festhalten.
Autor: Schaedel, Heinrich, Dr. | Kategorie(n): Lehre, Wort Gottes (Bibel) | 1,121 x gelesen


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