(Nach einer Tonbandaufnahme)
Der Apostel Paulus spricht im 1. Timotheusbrief, Kap. 3, 9, von dem “Geheimnis des Glaubens”. Wenn es sich beim Glauben um ein Geheimnis handelt, ist es also nicht selbstverständlich, wenn wir im biblischen Sinne glauben. Wir bezeugen ein Geheimnis. Geheimnisse werden geoffenbart und geschenkt durch den Heiligen Geist. Möge er, der in unserer Mitte ist, vielen unter uns durch dieses Zeugnis etwas von dem Geheimnis des Glaubens offenbaren.
In dieser Welt gibt es Gläubige und Ungläubige. Ich will jetzt nicht von dem allgemeinen Glauben reden, den es in der Welt gibt — jeder Mensch hat irgendeinen “Glauben” —, sondern ich spreche vom biblischen Glauben, von dem von Gott geoffenbarten und geschenkten Glauben.
Glaube oder Unglaube — dabei geht es um Leben oder Tod. Wer glaubt, lebt; wer nicht glaubt, ist tot. In den letzten Tagen begegneten mir Menschen, von denen einer sagte: “Ich kann nicht glauben.” Ein anderer bekannte: “Ich kann nicht mehr glauben.” Wenn ein Mensch solches ausspricht, dann steht er nach meiner Erfahrung dem Glauben nicht fern. Der wirklich Ungläubige ist über seinen Unglauben nicht traurig. Alle, die mir in diesen Tagen etwas von ihrem Nichtglauben sagten, aber waren traurig. Ich konnte sie ermuntern, indem ich sie darauf hinwies: “Der Geist Gottes ist am Wirken.” Andererseits wäre es für manchen sogenannten Gläubigen nützlich, wenn er hier und da seinen Unglauben entdecken würde, um, durch die Entdeckung des Unglaubens aufgeschreckt, ganz neu zum Glauben zu kommen.
Am Ende der letzten Konferenz hier auf der Langensteinbacherhöhe sagten mir einige Teilnehmer in verschiedenen Formulierungen: “Ich bin gläubig geworden — ich kann glauben — ich kann wieder glauben.” Immer, wenn Gottes Wort gepredigt wird, hat es diese zweifache Absicht: entweder den Glauben zu erwecken oder den Glauben zu fördern, ihm Festigkeit zu verleihen.
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Autor: Lubahn, Erich, Dr. | Kategorie(n): Gemeinde, Glaubensleben & Wandel, Lehre | 611 x gelesen
Die Frage nach dem Menschen ist untrennbar verbunden mit der Frage nach Gott. Immanuel Kant (1724 - 1804) sprach von “Gott, als dem größten Rätsel des Menschen”. Carl Gustav Jung (1875 - 1961) sprach von “dem Menschen, der sich selbst das größte Rätsel” sei [1]. Das biblische Zeugnis zu den beiden Aussagen lautet: Es gibt kein wahres Gottesverständnis ohne das Selbstverständnis des Menschen. Man kann auch umgekehrt sagen: Es gibt für den Menschen kein wahres Selbstverständnis ohne Gotteserkenntnis. Dieser biblische Zusammenhang wird besonders von jüdischen Schriftforschern vertreten [2]. Wer nach Gott und dem Menschen fragt bzw. nach dem Menschen und Gott, findet in der Bibel klare Antworten.
I. Der biblische Schöpfungsbericht als Grundlage des Selbstverständnisses
Der erste Satz der Bibel ist nach jüdischem Verständnis nicht nur eine Überschrift, sondern eine Grundaussage der ganzen Bibel: “Am Anfang schuf Gott die Himmel und die Erde” (1. Mo. 1, 1). Im Urtext ist vom Himmel im Plural die Rede. Gemeint sind die unsichtbaren Sphären der Schöpfung Gottes. Die (für uns) unsichtbare und die sichtbare Schöpfung Gottes sind nach hebräischem Verständnis in einer Entsprechung aufeinander bezogen. Das verdeutlicht Martin Buber mit dem ersten Buchstaben der Bibel, das Beit von 1. Mo. 1, 1: Bereschit (am Anfang), welches als Zahl zugleich zwei bedeutet. Beit hat im hebräischen Schriftzeichen zwei übereinander liegende horizontale Linien, die mit einer vertikalen Linie verbunden sind. Die zwei horizontalen Linien wollen die Zweidimensionalität des biblischen Zeugnisses von den Himmeln und der Erde veranschaulichen. Der Mensch ist nach Gottes Schöpfungsordnung “Bürger beider Welten der einen Schöpfung Gottes” [3]. Es sei noch besonders vermerkt, dass Martin Buber gemäß der hebräischen Tradition unter Himmel in der Schöpfungsgeschichte “die unsichtbare Schöpfung in mehrfachen Dimensionen” sieht. Darum ist auch vom Himmel im Plural/Dual “die Himmel”, die Rede. Aus dieser Sicht ist Paulus als Hebräer zu verstehen, wenn er vom “dritten Himmel” (2. Kor. 12, 2) spricht. Exegetisch ist es von besonderer Bedeutung, ob die Bibel vom Himmel im Singular oder Plural spricht (z. B. 1. Könige 8, 27: “Der Himmel und aller Himmel Himmel können dich nicht fassen”). Jesus, “der hinuntergefahren ist ins Totenreich … ist derselbe, der aufgefahren ist über alle Himmel” (Eph. 4) zur Rechten Gottes, “in den überhimmlischen Bereich” (griech.: ta epourania, Eph. 1, 2). Man kann in diesem Zusammenhang von einer Dreidimensionalität sprechen: 1. Die Erde als die sichtbare Schöpfung, 2. die Himmel als die unsichtbare Schöpfung und 3. der Himmel Gottes, von dem Jesus kam, bevor er Mensch wurde (Phil. 2, 5-11), und zu dem Jesus nach seiner Himmelfahrt zum Thron Gottes zurückkehrte (”in den Himmel”, Apg. 1, 11).
Der Gipfel der Aufklärung ist dagegen die Hypothese: Es gibt nur die Welt, in der wir physisch leben, und die wir erforschen können (Hegel, Feuerbach und Nietzsche). Karl Marx (1818 - 1893) hat diese Weltanschauung zur Grundlage des Sozialismus und Kommunismus gemacht [4]. Besonders tragisch ist dabei, dass die Eltern von Karl Marx aus rabbinischen Traditionen kommen. Obwohl seine Eltern eine Beziehung zu Jesus ohne konfessionelle Bindung (im hebr. Sinn: Jeschua ha Maschiach) aufnahmen und ihren Sohn mit sechs Jahren taufen ließen, wurde er in der Tradition der “Orthodoxie” erzogen. In seinen Ausführungen finden sich viele Parallelen zum messianischen “tausendjährigen Reich”. Das, was Israel und auch die Christenheit, für die Zukunft betend erwarten, wollte Karl Marx für die Gegenwart ohne jegliche religiöse Abhängigkeit realisieren. So wurde aus dem Juden ein Atheist. Die deutschen Philosophen der Aufklärung sind oft auch in frommer Tradition erzogen worden. So z. B. F. W. Nietzsche (1844 - 1900), der — seiner christlichen Tradition gemäß — als junger Mensch christologische Gedichte schrieb [5]. Die sog. Existenzphilosophie hat sich über Martin Heidegger (1889 - 1976) in die evangelische Theologie eingeschlichen. Rudolf Bultmann (1884 - 1976) machte aus der Philosophie eine entmythologisierende Theologie. Für ihm nahestehende Theologen sind die biblischen Zeugnisse vom Himmel (ob im Plural oder Singular) Mythen, die im aufgeklärten Sinn neu (existential) interpretiert werden müssen. Die Auswirkung dieser “aufgeklärten Theologie” ist heute noch mehr oder weniger bei Theologen und Pfarrern spürbar [6].
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Autor: Lubahn, Erich, Dr. | Kategorie(n): Lehre, Unsichtbare Welt | 923 x gelesen
In diesem Zusammenhang wird im kirchlichen Raum über Allversöhnung und Wiederbringung gesprochen. Leider wird dazu seit dem Kirchenvater Origenes (185 - 254), der diese Lehre positiv vertrat, viel gestritten. Auf dem Konzil 553 n.Chr. ist jegliche Lehre, dass Gott mit allen Menschen das Ziel des Heils erreicht, zur Häresie (Ketzerei) erklärt worden. Seitdem ist in der christlichen Kirche “die Ewigkeit der Höllenstrafe” ein festes Dogma. Auch das Augsburgische Bekenntnis (1530) hält an der “ewigen Verdammnis” fest. [1]
Ich will erzählen, wie ich das erste Mal mit diesem Thema konfrontiert wurde. Als ich am Anfang meines Theologiestudiums in einem Seminar über das Thema “Apokatastasis ton panton” (das griechische Wort der Bibel für “Wiederbringung des Alls”) eine Arbeit zu schreiben hatte, war ich überrascht, dass es zum Thema viel Streit in der Kirche (kath. u. evang.) gab. Im protestantischen Pietismus standen viele der geistlichen Väter auf dem Boden der Allversöhnung. Zu ihnen zählen: Ph. M. Hahn, Fr. Chr. Oetinger, J. M. Hahn. Albrecht Bengel war von dieser Lehre überzeugt, vertrat aber entschieden, dass man über dieses Thema öffentlich auf keinen Fall streiten sollte. In dem erwähnten Seminar wurde in der Diskussion der Studenten energisch gestritten. Der Leiter des Seminars, mein geschätzter Lehrer Prof. Karl Köberle, sagte überzeugend für alle: “Die Allversöhnung ist am Kreuz auf Golgatha durch Jesus Christus eine geschehene Tatsache, die kein überzeugter Christ in Frage stellen sollte. Dies sei die Grundlage für jeglichen missionarischen Auftrag der Kirche. Wer darüber streitet — auf welcher Seite auch immer — hat nicht wirklich begriffen, worum es geht.”
Als neutestamentliche Belegstellen für die Allversöhnung, bzw. Wiederbringung seien einige Bibelstellen genannt: Röm. 11, 32; 1. Kor. 15, 22-28; 2. Kor. 5, 17ff.; Eph. 1, 10; Kol. 1, 19-22.
Angesichts dieser klaren Zeugnisse der Bibel könnten erlöste Christen ihres Heils nicht wirklich froh werden, solange es noch eine ewige Verdammnis gäbe, in der die Verdammten wegen zeitlicher Vergehen und Fehlentscheidungen ohne Ende bestraft würden. Ich persönlich könnte meines Heils, welches mir aus der Gnade Gottes zuteil wurde, nicht glückselig sein, wenn die am Kreuz geschehene Tat Jesus nicht für alle Menschen zur Vollendung führen würde. Dass es Christen gibt, die die Allversöhnung verdammen, ist für mich eine traurige Tatsache.
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Autor: Lubahn, Erich, Dr. | Kategorie(n): Allversöhnung, Erkenntnis & Wesen Gottes, Kirchentum | 1,256 x gelesen
(Predigt von Pastor Dr. Erich Lubahn anläßlich der Israel-Konferenz 1982 auf der Bibelkonferenzstätte Langensteinbacherhöhe; überarbeitete Tonbandaufnahme)
“Wahrlich ja, sie haben sich versammelt in dieser Stadt wider Deinen heiligen Knecht Jesus, welchen Du gesalbt hast, Herodes und Pilatus mit den Heiden und den Völkern von Israel, zu tun, was Deine Hand und Dein Rat zuvor bedacht hat, daß es geschehen sollte.” Apg. 4, 27-28
“Gott aber hat so erfüllt, was Er durch den Mund aller Seiner Propheten zuvor verkündigt hat, daß Sein Christus leiden sollte.” Apg. 3, 18
Bei der Frage nach der Schuld am Kreuzestod Jesu denken viele unwillkürlich an das Volk der Juden, ja, man hat sogar von einer “Alleinschuld” Israels gesprochen. Es ist nicht verwunderlich, daß diese Frage im jüdisch-christlichen Gespräch immer wieder erörtert wird. Wir wollen heute die Heilige Schrift darüber befragen.
Im Blick auf die Juden kann man zwei extreme Standpunkte einnehmen, die durch zwei Worte zu kennzeichnen sind: Antisemitismus — Philosemitismus. Auf die grausame Welle des deutschen Antisemitismus unter Hitler folgte nach dem verlorenen Krieg ab 1945 eine Welle des Philosemitismus. In der Gegenwart befinden wir uns nach Meinung des Vorsitzenden des Zentralrates der Juden in Deutschland, Werner Nachmann, Karlsruhe, in einer Welle der “Wiederbelebung des Antisemitismus”. Sie hängt mit der Ölkrise und mit der “Freundschaft” der Industrieländer zu den arabischen Staaten und der PLO zusammen. Im gleichen Maße ist die Freundschaft mit Israel im Abnehmen begriffen. Die gegenwärtige Politik Amerikas gleicht einer Gratwanderung, wobei man sich bemüht, sowohl die Freundschaft Israels als auch die der Ölländer nicht zu verlieren. Eine solche Gratwanderung geschieht aber in der Regel auf Kosten Israels. Im Grunde genommen besitzt Israel in unserer Welt nur einen zuverlässigen Freund: die Gemeinde Jesu.
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Autor: Lubahn, Erich, Dr. | Kategorie(n): Gerichte Gottes, Lehre | 1,526 x gelesen
Viele Menschen fragen angesichts von Ungerechtigkeiten und Nöten: Warum lässt Gott das zu? Die Bibel sucht Antworten und Erklärungen zu vermitteln. Das zu verdeutlichen ist das Anliegen dieses Beitrags.
Der Psalmist Asaph fragte im 73. Psalm auch nach der Gerechtigkeit Gottes angesichts des Wohlergehens der Gottlosen und der Trübsal der Gottesfürchtigen. Dies wurde ihm zur Anfechtung in seinem Glauben. Obwohl er viel darüber nachdachte, fand er keine Lösung. Dann breitete Asaph sein Problem mit ehrlichem und suchendem Herzen vor Gott aus. Ihm wurde das Ziel aller irdischen Wege geoffenbart. Von daher bekam er Zuversicht und bezeugte für fragende und suchende Menschen: »Dennoch bleibe ich stets an Dir; denn Du hältst mich bei meiner rechten Hand, Du leitest mich nach Deinem Rat und nimmst mich endlich in Ehren an (oder: in Herrlichkeit auf). Wenn ich nur Dich habe, so frage ich nichts nach Himmel und Erde. Wenn mir gleich Leib und Seele verschmachtet, so bist Du doch, Gott, allezeit meines Herzens Trost und mein Teil.« Solchen Trost und solche Hilfe sucht Gott durch Sein Wort und Seinen Geist Menschen in Not zu vermitteln!
Das versuche ich in vier Punkten zu verdeutlichen:
- Was denkt der Mensch über Leid und Unrecht?
- Das Wissen, dass es eine unsichtbare Wirklichkeit gibt, hilft Antwort zu finden.
- Gott benutzt das Böse zum Guten.
- Was bedeutet »an Gott glauben« angesichts von Leid und Unrecht?
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Autor: Lubahn, Erich, Dr. | Kategorie(n): Erkenntnis & Wesen Gottes, Lehre | 652 x gelesen
(Predigt von Pastor Dr. Erich Lubahn auf der Langensteinbacherhöhe; nach einer Tonbandaufnahme)
Der Apostel Paulus, spricht im 1. Timotheusbrief, Kap. 3, 9, von dem “Geheimnis des Glaubens”. Wenn es sich beim Glauben um ein Geheimnis handelt, ist es also nicht selbstverständlich, wenn wir im biblischen Sinne glauben. Wir bezeugen ein Geheimnis. Geheimnisse werden geoffenbart und geschenkt durch den Heiligen Geist. Möge er, der in unserer Mitte ist, vielen unter uns durch dieses Zeugnis etwas von dem Geheimnis des Glaubens offenbaren.
In dieser Welt gibt es Gläubige und Ungläubige. Ich will jetzt nicht von dem allgemeinen Glauben reden, den es in der Welt gibt — jeder Mensch hat irgendeinen “Glauben” —, sondern ich spreche vom biblischen Glauben, von dem von Gott geoffenbarten und geschenkten Glauben.
Glaube oder Unglaube — dabei geht es um Leben oder Tod. Wer glaubt, lebt; wer nicht glaubt, ist tot. In den letzten Tagen begegneten mir Menschen, von denen einer sagte: “Ich kann nicht glauben.” Ein anderer bekannte: “Ich kann nicht mehr glauben.” Wenn ein Mensch solches ausspricht, dann steht er nach meiner Erfahrung dem Glauben nicht fern. Der wirklich Ungläubige ist über seinen Unglauben nicht traurig. Alle, die mir in diesen Tagen etwas von ihrem Nichtglauben sagten, aber waren traurig. Ich konnte sie ermuntern, indem ich sie darauf hinwies: “Der Geist Gottes ist am Wirken.” Andererseits wäre es für manchen sogenannten Gläubigen nützlich, wenn er hier und da seinen Unglauben entdecken würde, um, durch die Entdeckung des Unglaubens aufgeschreckt, ganz neu zum Glauben zu kommen.
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Autor: Lubahn, Erich, Dr. | Kategorie(n): Glaubensleben & Wandel, Lehre | 627 x gelesen
(Predigt auf der Bibelkonferenzstätte Langensteinbacherhöhe)
“… auf diesen Felsen will ich meine Gemeinde bauen, und die Pforten des Totenreiches sollen sie (die Gemeinde) nicht überwältigen” (Matthäus 16, 18).
Wir haben uns in diesen Tagen der Konferenz reichlich mit den Themen “Tod” und “ewiges Leben” beschäftigt. Es könnte sogar sein, daß der eine oder andere denkt: Es war mir zuviel vom Tod und zu wenig vom ewigen Leben die Rede.
Wer mit Jesus lebt, besitzt die Freiheit, unbekümmert über den Tod zu reden; denn durch das Evangelium von Jesus Christus werden wir einerseits lebenstüchtig und andererseits sterbenstüchtig gemacht. Das eine läßt sich vom andern bei einem nüchternen geistlichen Leben nicht trennen. Wem es also unter uns schwerpunktmäßig um das Leben geht, der sollte um sein Sterben besorgt sein; wem es unter uns schwerpunktmäßig um das Sterben geht, der soll auch für das Leben tauglich gemacht werden.
Gestern Abend fragte mich mein Jüngster: “Vati, was würdest Du heute und morgen tun, wenn Du in der nächsten Woche sterben würdest?” Da sagte ich ihm: “Genau dasselbe, was ich mir auch ohne das Sterben vorgenommen habe: nämlich mich jetzt noch für die morgige Predigt vorbereiten und dann fröhlich und dankbar schlafen gehen.”
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Autor: Lubahn, Erich, Dr. | Kategorie(n): Gemeinde, Lehre, Tod & Auferstehung | 1,174 x gelesen
(Vortrag von Pastor Dr. Erich Lubahn zur Eröffnung der Israel-Konferenz 1980 auf der Langensteinbacherhöhe)
Nach heilsgeschichtlichem Verständnis der Heiligen Schrift haben sowohl Israel als auch die Gemeinde Jesu in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft Bedeutung. Diese beiden Heilskörperschaften, Israel und Gemeinde, müssen nach der Schrift unterschieden werden. Die Mischung beider Linien führt zu einer mißverständlichen Bibelerklärung. Es gibt nach dem Schriftzeugnis für Israel und für die Gemeinde Jesu sowohl Gemeinsames als auch Trennendes bzw. noch Trennendes. Wenn das Gemeinsame und das Trennende nicht ausgewogen gesehen wird, führt die Unausgewogenheit in die Irre und in Mißverständnisse.
Nur Gemeinsames im Blick auf Israel und die Gemeinde Jesu zu sehen, führt zum Philosemitismus und Philojudaismus. Nur Trennendes zu sehen, führt zum Antisemitismus und Antijudaismus. Jede einseitige Haltung verlässt den nüchternen biblischen Boden. Es besteht die Gefahr des Philojudaismus, wenn wir als Christen, die Gemeinde Jesu vernachlässigend, in unseren Tagen Israel an die erste Stelle setzen, d. h., wenn uns die Juden bzw. die Frage nach den Juden so wichtig werden, daß wir dabei die Sache der Gemeinde Jesu vernachlässigen. Ein christlicher Judaismus ist auf dem Weg der Irrlehre dadurch, daß er das den Juden gegebene Gesetz mit dem Evangelium der Gnade vermischt (siehe Galaterbrief). Auf dem Weg des Antijudaismus befinden wir uns, wenn wir das Volk Israel wie alle übrigen Völker der Welt betrachten und, in dem theologischen Irrtum des Mittelalters verharrend, die Kirche an die Stelle Israels setzen und damit dem Volk und Land Israel für Gegenwart und Zukunft jegliche, heilsgeschichtliche Bedeutung absprechen.
Ich möchte das Gemeinsame und Trennende von Israel und Gemeinde Jesu in 4 Punkten behandeln:
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Autor: Lubahn, Erich, Dr. | Kategorie(n): Gemeinde, Israel, Lehre | 569 x gelesen
Bei diesem Thema geht es um den gelebten Glauben. Was will ich damit sagen? Bei dem biblischen Zeugnis des Glaubens geht es nicht um ein abstraktes Fürwahrhalten biblischer Aussagen, sondern um eine ständige Veränderung im praktischen Leben. Jesus Christus als Sieger und Herr über Sünde, Tod und Teufel — gemäß dem Zeugnis der Bibel — bestimmt zunehmend einen durch den Geist Gottes wiedergeborenen Christen. Solche Menschen nehmen an dem teil, was Jesus am Kreuz für die Welt getan hat, und an dem neuen Leben durch Seine Auferstehung. Ein Christ im gelebten Glauben darf mit Paulus bekennen:
»Ist jemand in Christo, so ist er eine neue Kreatur; das Alte ist im Vergehen, siehe. Neues ist geworden« (2. Kor. 5, 17). Wer dies neue Leben begonnen hat zu begreifen, steht auf dem Boden der Gnade (sola gratia). Sie ist kein »Ruhekissen« zum Warten auf den kommenden Herrn, sondern die Voraussetzung zur biblischen Heiligung, ohne die niemand den Herrn schauen wird (Hebr. 12, 14). Die Wechselwirkung von Gnade und Heiligung suche ich im Folgenden zu verdeutlichen.
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Autor: Lubahn, Erich, Dr. | Kategorie(n): Gemeinde, Glaubensleben & Wandel, Heiligung | 688 x gelesen
Jeder bewusste Christ strebt danach, die Bibel mit ihrem Eigenverständnis richtig zu verstehen. Dazu möchte das hebräische Denken, welches ich von meinem geschätzten Lehrer, Professor Otto Michel, lernen durfte, eine Hilfe sein. Otto Michel (1903-1993) unterschied das abstrakte Denken von Gott, so besonders in der griechischen Philosophie, von dem lebensnahen Denken der Bibel, welches er als »hebräisches Denken« zu verdeutlichen suchte. Die Bibel bezeugt in vielen Zusammenhängen, dass Offenbarungen, die vom Empfänger im Glauben angenommen werden, das Leben des Betroffenen verändern. Der hebräisch denkende Christ ist an Gottes Handeln in der Geschichte und seiner Offenbarung orientiert. Bei jedem Text der Bibel ist zu fragen: »Was ist damals geschehen?« und »Was will Gott uns heute für unser Leben damit sagen?« Dazu möchte ich in den folgenden Abschnitten ein Fünffaches verdeutlichen:
- Wir lernen Gott in Seinen Taten kennen.
- Gott sucht den Menschen.
- Glauben an Gott — hebräisch verstanden.
- Wir denken daran, was Gott in der Vergangenheit tat, und was Er in der Zukunft tun wird.
- Die Verbundenheit der sichtbaren und unsichtbaren Schöpfung.
A. Wir lernen Gott in Seinen Taten kennen
Der jüdische Philosoph Martin Buber (1878-1965) wurde nicht müde, immer wieder auf Gottes Tat Seiner Schöpfung (1. Mose 1) hinzuweisen. Wer angesichts der Schöpfung einen Schöpfer leugnet oder ignoriert, kann dies nur auf Kosten der Vernunft vollziehen. Paulus bezeugt, dass Gott an den Werken Seiner Schöpfung erkannt werden sollte (Röm. 1, 20). Gott will sich aber nicht nur in Seinen Schöpfungswerken kundmachen. Darum sagt Jesus: »Glaubt ihr nicht, wenn ich euch von irdischen Dingen sage, wie würdet ihr glauben, wenn ich euch von himmlischen Dingen sagen würde?« (Joh. 3, 12), Mit der Bibel sucht Gott uns Seine Taten in der Geschichte zu vermitteln. Gottes Handeln in der Geschichte ist situations- und zeitbezogen. Weil aber konkrete Situationen und bestimmte Zeiten einem beständigen Wechsel unterliegen, ist es uns verwehrt, von ihnen ein religiöses Schema von Gottes Handeln abzuleiten. Dieses lehrt uns lediglich gewisse, menschlich formulierte Attribute Gottes, wie Zorn und Liebe, Gerechtigkeit und Wahrheit; aber Sicherheit darüber, wie Sein Handeln im Einzelfall in Zukunft aussehen werde, können wir nicht gewinnen, obwohl der natürliche Mensch nach solcher Sicherheit verlangt. Die Bibel bietet uns kein Schema, was Gott im Einzelnen zu jeder Zeit gleichermaßen tut. Wer zu dem Gott der Bibel ein Vertrauensverhältnis aufbaut, verlässt sich auf das »Dass« Seines Handelns, nicht auf das »Was« und »Wie«. So entsteht das »Dennoch des Glaubens« (Ps. 73). Dieser Glaube entspricht dem hebräischen Denken. Vergleiche dazu das schöne Wortspiel Jes. 7, 9: »Glaubt ihr nicht, so bleibt ihr nicht.« (Für Glauben und Bleiben ist im Hebräischen die gleiche Wurzel aman benutzt.) Der Glaubende hat auf Überraschungen gefasst zu sein (z. B. 1. Mose 15, 6; 22, 1.2.11-18).
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Autor: Lubahn, Erich, Dr. | Kategorie(n): Lehre, Wort Gottes (Bibel) | 2,203 x gelesen