Wenn die Schrift bezeugt, daß Gott die Welt liebt, so ist damit gar
nichts darüber ausgesagt, wie die Welt ist, sondern nur, wie Gott ist.
Das gilt es einmal ganz klar mit allen Konsequenzen zu fassen.


Adolf Heller (1895 - 1973)
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Der verkürzte Blick

Im Sommer vorigen Jahres war ich in den Berner Alpen. Da machte ich mit einigen Gästen des Erholungsheimes, in dem ich auch Gast war, an einem schönen Julitag eine mehrstündige Tour von unserem Heim aus durch das Aaretal nach dem schönen breiten Roselauigletscher, der so majestätisch zwischen den himmelanstrebenden Wetterhörnern liegt. Dort unten im Aaretal war es in der Mittagssonne fast glühend heiß, und wie engbegrenzt war die Aussicht und der Rundblick! Schier erdrückend wirkten die steilen Felswände der nahen Berge auf Auge und Gemüt; und wie frei und wunderbar, wie wohltuend und erhebend war die Aussicht und der Weit- und Rundblick dort oben auf der Höhe, und wie kostbar war die staubfreie, kühle Luft dort oben!

Genau so ist’s in bezug auf das Schauen und Erkennen Gottes und Seiner Liebesabsichten.

Es gibt Gläubige — im Verhältnis sind sie immer in der Mehrzahl — die haben in bezug auf die Gotteserkenntnis immer den Stand “unten im Tal” mit dem verkürzten Blick.

Fing das nicht schon gleich nach dem Sündenfall an? Warum versteckten sich Adam und Eva im Garten? Wir wollen sie deswegen nicht tadeln; aber ihr Verstecken war die Folge des nun getrübten und verkürzten Blickes. Sie sahen Gott und Sein Verhalten jetzt von ihrem Standpunkt aus an.

Und so ging es dann weiter. Warum sagt Kain später: “Meine Sünde ist größer, als daß sie mir vergeben werden könnte”? Antwort: der verkürzte Blick veranlaßte ihn dazu.

Aller Unglaube, wo immer er sich in der Geschichte der Menschen zeigte und festsetzte, ist im Grunde nichts anderes als der “verkürzte Blick”. Wie ist doch die Geschichte des Volkes Israel hierfür so reich an Beispielen! Nehmen wir aus ihrer Fülle nur eine typische heraus.

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Autor: Czerwinski, Carl | Kategorie(n): Allversöhnung, Erkenntnis & Wesen Gottes  |  681 x gelesen

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Prophetisches Licht für das Dunkel unserer Tage

Das ist der große Vorzug, den die Gemeinde Jesu hat, dass sie eine Lichtsgemeinde ist. Wohl ist sie jetzt nicht “das Licht der Welt” und “die Stadt auf dem Berge”, wie dies später das errettete und gesegnete Volk Israel für die Welt sein wird, denn sie ist ja eine Gemeine in Niedrigkeit und Leiden ohne Fleischesruhm (1. Kor. 1, 26-28). Von ihren Gliedern heißt es: Es glänzet der Christen inwendiges Leben”. Und nach der göttliche Bestimmung und Berufung nach oben (Phil. 3, 14) hat diese Gemeine ihr Bürgertum in den Himmeln. Aber eine Lichtsgemeinde ist die dennoch. Paulus verknüpft sie viel mit dem Licht Gottes, denn ihre Glieder sind errettet von der Obrigkeit der Finsternis, ihren Herzen leuchtet der Lichtglanz der Herrlichkeit Gottes im Angesicht Christi. Da sie Kinder des Tages und nicht der Nacht sind, werden sie auch ermahnt, allezeit als Kinder des Lichts zu wandeln, bei denen die Frucht des Lichtes vorhanden ist. Das ist ihr großer Vorzug in Bezug auf ihr Wesen im Gegensatz zu denen, die jetzt noch unter der Obrigkeit der Finsternis (Kol. 1, 13) sind.

Aber diese Gemeine hat noch einen andern Vorzug, den, Gottes Licht aus seinem Wort über den Charakter des gegenwärtigen Äons zu haben. Dieses Licht ist ihr eine sehr große Hilfe. Wie könnte sie sonst den rechten Weg finden, das rechte Urteil und das richtige Verständnis dafür bekommen, was ihre Aufgabe ist? Wie sollte sie bewahrt werden in den tausend Gefahren, die ihr auf ihrem Gang auf Schritt und Tritt drohen?

Ich möchte nun zuerst hinweisen auf das, was das prophetische Wort uns sagt in Bezug auf das Dunkel unserer Zeit.

Nach der Schrift ist Licht das Wesen Gottes. Sein Charakter, sein Weg, sein Tun, sein Wort sind Licht. Darum werden auch die Menschen, die durch seine Gnade mit ihm in Lebensgemeinschaft kommen, Lichtesmenschen. Das Finsterniswesen des Unglaubens, der Unwissenheit (Eph. 4, 18), des Hochmuts und der bösen Werke legen sie ab und ziehen göttlichen Lichtscharakter an. Aber solche Gottesmenschen sind im gegenwärtigen Äon eine Ausnahme in den Massen der Menschen. Die große Mehrheit der Menschheit — auch in den christlichen Völkern — wird jetzt nicht eine neue Schöpfung, sie behält ihr herkömmliches Wesen, und dies ist Finsternis. So bezeugt es das Wort Gottes, und dies Zeugnis ist für uns bindend. Wegen der Unwissenheit und der Verfinsterung am Verstand (Eph. 4, 18) weiß das die große Masse der Menschheit nicht, und wenn wir es ihr sagen würden, so würde sie das wohl als schweren Vorwurf auffassen. Aber es ist weder unsere Aufgabe, sie deswegen zu richten, noch uns über sie zu erheben, sondern es gilt lediglich, uns an Hand des Schriftzeugnisses zu orientieren, damit wir nicht als Unweise, sondern als von Gott Erleuchtete unsern gottwohlgefälligen Weg finden.

Nach der göttlichen Ordnung bedarf unser großer, herrlicher Rettergott der Finsternis für den Sieg seines Lichts. Sie gehört nicht zu seinem Wesen, denn in ihm ist keine Finsternis (1. Joh. 1, 5); aber er selbst bezeugt Jes. 45, 7, dass er die Finsternis schafft. Wie merkwürdig! Gott schafft die Finsternis? Ja, weil er ihrer bedarf. Als Gott sprach: Es werde Licht!, da entstand in der Finsternis und aus der Finsternis das Licht. Es steht nicht geschrieben, dass er von sich aus Licht in die Finsternis hineinfluten ließ, damit diese verdrängt würde, sondern vielmehr steht geschrieben: Gott, der da spricht: Aus der Finsternis soll das Licht scheinen, der hat in unsre Herzen geleuchtet (2. Kor. 4, 6).

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Autor: Czerwinski, Carl | Kategorie(n): Das prophetische Wort  |  524 x gelesen

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Von den Haushaltungen Gottes

Vom Kind zum Mann in Christus

In den Briefen des Apostel Paulus, besonders in seinen Gefangenschaftsbriefen (Epheser, Philipper, Kolosser) ist immer wieder die Rede von einem Stand der Vollkommenheit im Sinn der Mündigkeit, der Reife und des Mannesalters in Christo (1. Kor. 2, 6; 3, 1.2; 13, 8 ff; Gal. 4, 1-7; Eph. 4, 11-15; Phil. 3, 15; Kol. 1, 28; 4, 12; 2. Tim. 3, 17). Auch Hebr. 6, 1 und 2 gehört hierher. Das griechische Wort, welches er an diesen Stellen gebraucht für Vollkommenheit (Teleios), bedeutet fertig oder zur Reife gebracht.

Was hat der Apostel in diesen Stellen wohl im Auge; meint er die sittliche Vollkommenheit im Leben und Wandel des einzelnen Gläubigen im Sinn von makel- und fehlerfrei, sittlich vollkommen ohne Lüge und Mangel? Sicher arbeitete er mit allem Ernst auf dieses Ziel hin, dass die Glieder Christi in der Siegeskraft der ihnen geschenkten Gnade und des Lebens aus Gott im Heiligen Geist auch im praktischen Leben sich als Gottesmenschen in einem Lichtwandel makellos erweisen möchten (Eph. 5 und Phil. 2, 14-16 u. a.). Aber in den oben angeführten Schriftstellen von der Vollkommenheit oder Reife in Christo hat er doch etwas anderes im Auge.

Was er damit meint, das wird uns erst klar, wenn wir durch seine Briefe seinen Auftrag, seine “Verwaltung” des ihm von dem erhöhten, verherrlichten Herrn Christus Jesus (dieses ist in seinen Briefen immer die Herrlichkeitsbezeichnung für den Herrn im Unterschied zu Jesus Christus, der Benennung des Herrn in Israel im Stande der Niedrigkeit und für die Offenbarungslinie des verheißenen messianischen Königreichs) anvertrauten Haushalts erkennen und diesen mit den bis dahin laufenden Haushaltungen der Königreichslinie mit der jüdischen Nation im Mittelpunkt vergleichen.

Wir wollen deshalb zunächst einen Rückblick in jene früheren Haushaltungen tun.

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Autor: Czerwinski, Carl | Kategorie(n): Gemeinde, Heilsgeschichte, Lehre  |  578 x gelesen

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Die Güte und die Strenge Gottes

Römer 11:22-29

Nachdem Paulus das große Thema von der Versöhnung in den Kapiteln 5-8 des Römerbriefes im Hinblick auf den einzelnen behandelt hat, nimmt er im 11. Kapitel dasselbe Thema wieder auf, aber nunmehr im Blick auf Israel und die Nationen. Immer schon hat es in Israel einen gläubigen Überrest (11:5) gegeben; so wird es auch in der Zukunft sein. Israels Kränkung hat den Nationen der Welt den Reichtum der Versöhnung gebracht (11:12); aber trotz ihrer Verstockung bleiben die Menschen aus Gottes altem Bundesvolk «Geliebte um der Väter willen» (11:28).

Während der gegenwärtigen geheimen Verwaltung der Gnade Gottes geht von der Nation Israel kein Licht aus; im Gleichnis bleibt Israel zwar weiterhin der edle Ölbaum, aber andere Nationen werden vorübergehend als Lichtträger eingesetzt. Ihnen gilt die Mahnung von Römer 11:18: «Prahle nicht gegen die Zweige!»

Würden sie, denen er das schrieb, ihn gefragt haben: «Wieso und warum schreibst du uns solche Mahnung? Erkläre und begründe uns das doch noch näher, damit wir das besser verstehen!», so gibt er in Römer 11:22-29 die Antwort. In dieser richtet er ihren Blick wieder auf Gott und Sein Handeln mit beiden, nämlich mit Israel, Seinem erwählten Volk, und den Nationen.

Vers 22: «So nimm nun wahr die Güte und die Strenge Gottes!» Betrachte beides eingehend mit Nachdenken! Es liegt ja alles vor dir in einem freien Blickfeld. In diesem Blickfeld siehst du, was jetzt der erwählten Nation widerfährt. Du siehst, wie Gottes Strenge sich jetzt an ihr auswirkt, weil sie, diese in Gottes Gunst hineingenommene und in einem besonderen Vorzug stehende Nation, jetzt fällt. Ein Teil (Vers 25), nicht die ganze Nation, fiel jetzt schlimmer als jemals in den Unglauben (Vers 23), in die Verstockung (Vers 25), fiel hinein sogar in den Abgrund der Feindschaft (Vers 28).

Beachten wir hier die Steigerung: Unglauben, Verstockung, Feindschaft. Das sind die Kennzeichen des Fallens dieser Nation, die durch den besonderen Vorzug von seiten Gottes vor Ihm stand (denn Fallen setzt immer ein Stehen voraus):

Unglauben in bezug auf die Offenbarung der Gerechtigkeit Gottes und die Rechtfertigung des Glaubenden.

Verstockung im Pochen auf ihre Vorzüge im Fleisch (Beschneidung und Gesetz). Diese Verhärtung machte sie blind für das Werk des heiligen Geistes in ihrer Mitte.

Feindschaft gegen Gottes Werk, welches nun zu den Nationen übergriff durch Paulus und seine Mitarbeiter. Es war nicht gewollte Feindschaft gegen Gott, sondern in erster Linie Feindschaft gegen die Träger des alles Bisherige überragenden Evangeliums der Rechtfertigung durch Glauben allein und der Versöhnung der Welt (also auch der Nationen) durch Gott in Christus. (Siehe auch Apg. 7:51: «Stets prallt ihr zusammen mit dem Geist, dem heiligen». Vgl. 1. Kor. 1:18.) Das Wort vom Kreuz wurde auch den Juden zur Torheit, d. h. zur Fußangel, in welcher sie sich fingen.

Durch dieses Fallen kamen sie unter die Strenge Gottes. Die Strenge ist das Gegenteil von Güte und Freundlichkeit. Das griechische Wort für «Strenge» hat den Begriff des Schneidens in sich. Wer von Gottes Güte und Liebe durch Unglauben abgeschnitten ist, erfährt die Strenge Gottes, und das ist etwas Einschneidendes. Das bereitet viele Schmerzen und ist etwas Gerichtsmäßiges.

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Autor: Czerwinski, Carl | Kategorie(n): Heilsgeschichte, Israel, Völkerschaften  |  765 x gelesen

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Die prophetische Bedeutung der Bekehrung des Saulus

Paulus vermeidet das Wort Bekehrung, wenn er davon Zeugnis gibt, wie der Herr nach Seiner großen Barmherzigkeit bei ihm eine Umwandlung bewirkt habe. Er sagt nie: »Ich habe mich bekehrt«, wie das in unsrer Zeit viele vielfach mit Vorliebe sagen. Er war zu sehr von der Überzeugung durchdrungen, dass es nur Erbarmen und Gnade Gottes sei, die ihn »bekehrt« habe, als dass er sich selbst dabei irgendetwas hätte zuschreiben können. In 1. Tim. 1 sagt er zweimal: »Mir ist Barmherzigkeit widerfahren« (V. 13 und 16), und Gal. 1, 16: »Da es Gott wohlgefiel, Seinen Sohn in mir zu offenbaren«, und Eph. 1, 6: »womit Er uns begnadigt hat in dem Geliebten«, und in Vers 8 redet er von der Gnade, »die Er reichlich ausschüttete auf uns«. In Eph. 2, 4.5 unterstreicht er ganz besonders die Tatsache, dass der erbarmungsreiche Gott auch ihn vom Tode zum Leben in der Einheit mit Christus gebracht hat.

Dieses Betonen der Gnade Gottes, durch die er wurde, was er als Apostel und Zeuge Christi war, ist kennzeichnend für die ganze Bedeutung der Darstellung der überragenden Gnade Gottes im Leben und Dienst dieses größten aller Zeugen des Sohnes Gottes.

Was Gott an ihm tat durch die mächtige, reine Gnade, als Er aus diesem ärgsten aller Feinde Christi einen so treuen und vorbildlichen Genossen Christi machte — in Bezug auf dessen Leiden und verheißene Herrlichkeit —, hat auch eine große prophetische Bedeutung und ist vorbildlich für die rettende und wiederherstellende Gnade bei allen, »die nach ihm (oder künftig) glauben sollten zum ewigen (äonischen) Leben« (1. Tim. 1, 16). Was Gott also seit der Rettung des Saulus vor Damaskus an Rettung durch Gnade getan hat und noch tun wird, bis alle, die für das äonische Leben in Betracht kommen, gerettet sind, geschieht nach jenem Typus oder Vorbild, welches Gott dort grundlegend gab. Das ist die prophetische Bedeutung seiner Bekehrung.

Paulus ist der Apostel Christi zur Herausrufung und Zubereitung »der Gemeinde, die Sein (Christi) Leib ist«, und darum wollen wir jetzt sehen,

1. wie seine Bekehrung prophetisch ist für die Gnade, die in der Leibesgemeinde Christi Jesu zur Darstellung kommt.

Wir können es gar nicht zu viel betonen, dass die Gemeinde des erhöhten Herrn — die Gemeinde, die Sein herrlich gemachtes Organ für Sein Herrschen, Richten und Vollenden sein wird in den kommenden Äonen — eine Gemeinde reinster Gnade ist. Wäre dies nicht so, dann würde kein Mensch in der Zeit seit Israels Verstockung bis zur Bekehrung dieses Volkes für das kommende Königreich des Herrn zur Rettung kommen. Die Nationen, aus welchen der größte Teil der Glieder dieser Gemeinde Chri­sti Jesu herausgerettet wird, waren, ehe Paulus mit der Botschaft der mächtigen Gnade zur Rettung in sie hineinging, in einem überaus trostlosen Zu­stand, einfach dahingegeben (Röm. 1, 24.26. 28). Sie waren ohne Gott, ohne Christus, ohne Hoffnung, ohne Bund von Gott, sie waren ferne (Eph. 2, 11.12). Sie waren in der Finsternis und in der Gewalt Satans (Apg. 26, 18), tot in Sünden und Beleidigungen (Gottes) (Eph. 2, 1). Konnte es noch einen dunkleren Hintergrund, ein größeres Verderben als dieses geben? Wahrlich, hier hatten Verderben und Todesfäulnis ein gründliches Werk getan! Wären wir armen Adamskinder nicht so gewöhnt an das ganze Elend des Verderbens, wir würden jedes Mal bis ins Innerste hinein erschüttert sein und die bittersten Tränen würden über unsere Wangen rollen, sooft wir die oben erwähnte Beschreibung in der Schrift lesen.

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Autor: Czerwinski, Carl | Kategorie(n): Lehre, Paulus  |  552 x gelesen

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