Der verkürzte Blick
Im Sommer vorigen Jahres war ich in den Berner Alpen. Da machte ich mit einigen Gästen des Erholungsheimes, in dem ich auch Gast war, an einem schönen Julitag eine mehrstündige Tour von unserem Heim aus durch das Aaretal nach dem schönen breiten Roselauigletscher, der so majestätisch zwischen den himmelanstrebenden Wetterhörnern liegt. Dort unten im Aaretal war es in der Mittagssonne fast glühend heiß, und wie engbegrenzt war die Aussicht und der Rundblick! Schier erdrückend wirkten die steilen Felswände der nahen Berge auf Auge und Gemüt; und wie frei und wunderbar, wie wohltuend und erhebend war die Aussicht und der Weit- und Rundblick dort oben auf der Höhe, und wie kostbar war die staubfreie, kühle Luft dort oben!
Genau so ist’s in bezug auf das Schauen und Erkennen Gottes und Seiner Liebesabsichten.
Es gibt Gläubige — im Verhältnis sind sie immer in der Mehrzahl — die haben in bezug auf die Gotteserkenntnis immer den Stand “unten im Tal” mit dem verkürzten Blick.
Fing das nicht schon gleich nach dem Sündenfall an? Warum versteckten sich Adam und Eva im Garten? Wir wollen sie deswegen nicht tadeln; aber ihr Verstecken war die Folge des nun getrübten und verkürzten Blickes. Sie sahen Gott und Sein Verhalten jetzt von ihrem Standpunkt aus an.
Und so ging es dann weiter. Warum sagt Kain später: “Meine Sünde ist größer, als daß sie mir vergeben werden könnte”? Antwort: der verkürzte Blick veranlaßte ihn dazu.
Aller Unglaube, wo immer er sich in der Geschichte der Menschen zeigte und festsetzte, ist im Grunde nichts anderes als der “verkürzte Blick”. Wie ist doch die Geschichte des Volkes Israel hierfür so reich an Beispielen! Nehmen wir aus ihrer Fülle nur eine typische heraus.
Autor: Czerwinski, Carl | Kategorie(n): Allversöhnung, Erkenntnis & Wesen Gottes | 1,030 x gelesen


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