Laßt uns nie vergessen, daß immer der Fleischgeborene den
Geistgeborenen lästert und verfolgt, und nie umgekehrt (Gal. 4,29).


Adolf Heller (1895 - 1973)
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Biblische Beweisführung über das Ende der “Hölle”

Autor: Ströter, Ernst F., Prof.  |  Kategorie(n): Allversöhnung, Gerichte Gottes, Heilsgeschichte  |  919 x gelesen

Vorbemerkung von Heinz Schumacher:

Nachdem in jüngster Zeit in christlichen Publikationen mehrfach von der »Hölle« die Rede war, wollen auch wir uns des Themas annehmen. Vorab sei angemerkt, dass das Wort »Hölle« in der Bibel überhaupt nicht vorkommt, wohl aber ist die Rede von der Gehenna (u. a. in Matth. 5, 22.29; 10, 28; 23, 33; Mark. 9, 43.45.47), vom »äonischen Feuer« (u. a. in Matth. 25, 41; Jud. 7) und vom Feuersee (Offb. 19, 20; 20, 10.14.15; 21, 8). — In der ihm eigenen Gründlichkeit hat Professor E. F. Ströter 1915 das Aufhören der Feuersee-Pein (»Höllenpein«) biblisch bewiesen*. Im Folgenden können Sie diesen Text lesen, leicht gekürzt und mit Zwischenüberschriften versehen. Gewaltige Gedanken in gewaltiger Sprache!

(* In seinem Buch »Das Evangelium Gottes von der Allversöhnung in Christus«, S. 288-307 in der verlinkten PDF-Datei.)


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Als letzter Feind wird der Tod abgetan (1. Kor. 15, 26)

Ein kurzes, knappes, aber ungemein inhaltreiches Wort. Zunächst ist zu bemerken, dass dasselbe in erfrischender Deutlichkeit aufräumt mit der philosophischen Lüge, dass der Tod ein wahrer Freund der armen Menschheit sei, daher der Name »Freund Hein«.

Dass der leibliche Tod unter gewissen Umständen als eine Art Befreiung oder Erleichterung eines schweren, schier unerträglichen Loses voll furchtbarer Schmerzen, Gebundenheiten und dergleichen angesehen werden kann, ist zuzugeben. Aber das gilt auch nur unter gewissen Voraussetzungen, z. B. wenn Christus unser Leben geworden, dann ist Sterben Gewinn (Phil. 1, 21). Gewiss aber nicht in dem Sinne, dass es uns wirkliche Erlösung brächte, sondern nur so, dass wir durch den Triumph dessen, der dem Tode die Macht genommen hat, auch imstande sind, über ihn zu triumphieren, insofern, als er uns nur in die innigere, ungetrübte Gemeinschaft mit seinem Besieger bringen muss.

Dabei steht die Erlösung unsres Leibes aus seinen Banden durch Auferstehung noch aus. Daher betont auch derselbe Paulus, der Sterben als einen Gewinn bezeichnen durfte, mit großer Bestimmtheit: Lieber nicht Entkleidetwerden, d. h. leiblich Sterben, sondern Überkleidetwerden, damit das Sterbliche verschlungen werde von dem Leben (2. Kor. 5, 4).

Nein, die Schrift behält unter allen Umständen Recht gegen allen Betrug der Finsternis und Philosophie. Der Tod ist ein Feind des Lebens. Daher ist von einem völligen Triumph des Lebensfürsten in der ganzen weiten Schöpfung nur dann erst die Rede, wenn der letzte Feind, der Tod, ganz aufgehoben sein wird. Und das ist es, was uns dieses Wort in bestimmte Aussicht stellt. Was will es uns sagen?

Man mag sich den Inhalt dieser Verheißung (1. Kor. 15, 26) ausdenken, wie man will, eins ist ganz unabweislich: Sie kann niemals als erfüllt gelten, solange noch irgendwo im ganzen weiten Bereich der Herrschaft des Herrn Jesus irgendein anderer Feind als solcher existiert und sein Wesen hat.

Das bedarf auch bei dem einfältigsten Schriftleser keines besonderen Beweises. Es ist selbstverständlich, dass alle und jede andere Feindschaft im Himmel und auf Erden oder unter der Erde, sei’s bei Engeln, Menschen oder Dämonen oder irgendwelchen andern Geschöpfen, sichtbaren oder unsichtbaren, zuerst beseitigt sein muss, ehe diese Zusage als erfüllt angesehen werden kann.

Es steht also ganz fest, nach diesem einzigen Worte schon, dass alle und jede Feindschaft gegen den Herrn und Seinen Gesalbten endgültig aus der Welt entfernt werden wird, das heißt, es wird die Zeit kommen, wann es weder einen Teufel, Widersacher, Satan, Drachen als solchen mehr geben wird noch irgendein anderes Wesen, in welchem irgendeine Spur von Feindseligkeit gegen Gott und Christus übriggeblieben wäre. Anders kann es nie heißen, der Tod sei der letzte Feind, der aufgehoben werde.

Das letzte Gericht über Satan

Das wird auch auf das Bestimmteste erhärtet durch jenes deutliche letzte Wort der Schrift, das uns Bescheid gibt über das Geschick und Gericht Satans: »Und der Teufel, der sie verführte, ward in den Feuer- und Schwefelsee geworfen, wo das Tier ist und der falsche Prophet, und sie werden gepeinigt werden Tag und Nacht von Ewigkeit zu Ewigkeit« (Offb. 20, 10).

Das ist die letzte Auskunft, die uns in der Schrift gegeben wird über das Verbleiben des Teufels nach seiner letzten Verführungstat unter den Menschen des nächsten, tausendjährigen Äons. Da finden wir ihn ganz deutlich in der Gewalt des Todes, dessen Gewalt er bisher gehabt hatte. Denn es wird von dem Feuer- und Schwefelsee ausdrücklich gesagt, das sei der zweite Tod (Offb. 20, 14).

Damit hat das gerechte Gericht Gottes ihn erreicht: Er selbst, der Mörder von Anfang (Joh. 8, 44), nun eine Beute des Todes, der ehedem in seiner Gewalt war (Hebr. 2, 14), durch den er in der weiten Schöpfung Gottes ungemessenes Weh, Jammer und Herzeleid angerichtet. Den muss er nun auskosten, und zwar in seiner bittersten, schärfsten Gestalt, der des zweiten Todes.

Was immer man sich unter dem zweiten Tod zu denken haben mag, soviel ist sicher, er bedeutet für Satan zum mindesten die furchtbarste Demütigung und Zerschmetterung, die ihm widerfahren konnte. Es wird damit unzweifelhaft sein völliger Bankrott, die ganze Hohlheit seines wahnsinnigen Dünkels und Stolzes gegen den allmächtigen Gott und Seinen Christus samt Seinen Heiligen offenbar.

Damit ist selbstverständlich alle und jede Möglichkeit eines Fortbestandes seines auf Lüge und Verfinsterung beruhenden Regimentes über andere Geister, hohe und niedere, für immer abgetan. Es ist offenbar geworden vor allen Intelligenzen aller Stufen und Grade, dass es mit der Herrschaft der Lüge und Finsternis nun für immer ein Ende hat, sie ist gerichtet, ihre innere Nichtigkeit ist schonungslos bloßgelegt und ins Licht gestellt worden.

Damit ist fernerhin alle Lüge, die in ihm ihren Ursprung hatte, für immer schadlos gemacht — der Vater der Lüge eine Beute des zweiten Todes! Der die Menschheit einst verführte mit der Lüge: »Ihr werdet mitnichten des Todes sterben!« (1. Mose 3, 4) — nun selbst ein Opfer des grimmigen, unerbittlichen letzten Feindes, der unter dem unbeschreiblichen Triumph aller Wahrheitsmächte, aller Lichtkräfte sich auf den stürzen und den für immer unschädlich machen wird, der sich seiner in unbegrenzter, nie zu sättigender Mordlust durch Äonen hin bedient hatte, um Gottes Geschöpfe zu verderben. Das ist göttliche, heilige Gerechtigkeit, ob der der Himmel jauchzen und die ganze Erde frohlocken wird.

Was bedeutet das aber nun? Kann jetzt auch noch die Rede sein von einer fortdauernden Herrschaft der Finsternis, der Lüge, des Hasses, der wahnwitzigen, rasenden Auflehnung gegen Gott und Seinen Christus? Ist es denkbar, nachdem die Lüge, die Feindschaft in ihrem höchsten, ursächlichen Träger und Vertreter so entscheidend und durchschlagend gerichtet ist, dass sie irgendwo noch irgendwelchen Halt oder Bestand haben könnte? Ist es biblisch gedacht und geredet, wenn man jetzt noch von einem organisierten, festgefügten, unvergänglichen, unerschütterlichen Höllen- und Finsternisreich redet, das niemals untergehen, sondern endlos fortbestehen soll, und in welchem alle unverbesserlichen Gottlosen, Menschen und Engel, ohne Ende unter der Tyrannei und der grausamen Herrschaft des Satans stehen sollen?

Nein, es ist nun für immer zu Ende mit Satans List und Lüge, seinen tückischen Anschlägen, er ist ein Sterblicher, ein Gestorbener, ein ganz Ohnmächtiger und Hilfloser geworden.

Bedeutet der »zweite Tod« Vernichtung?

Mag aber nicht, so fragen viele in unsern Tagen, der zweite Tod, der Feuer- und Schwefelsee, in den der Teufel geworfen wird, seine und seiner unverbesserlichen Genossen und Kinder endgültige Vernichtung bedeuten? Wir können gut verstehen, wie man eher einer solchen Auffassung Raum geben mag als der ganz unerträglichen, weil absolut unbegründeten, auf Grundirrtum aufgebauten Theorie von einem endlosen Höllenreich der Finsternis unter Satans Zepter, in nie endender offener Rebellion gegen das Reich des Lichtes.

Auch darf zugegeben werden, dass mit der endgültigen Vernichtung jedenfalls der Weg weiter offen stände für eine wenn auch nur begrenzte Versöhnung des ganzen noch übrigen Alls, als das möglich ist bei der herrschenden Kirchenlehre von dem endlosen Höllenreich.

Wir können aber diese Annahme nicht für eine solche erkennen, die der ganzen Schrift volle Gerechtigkeit widerfahren lässt. Sie bringt unlösbare Schwierigkeiten mit sich und bedeutet letzten Endes ein bedenkliches Versagen entweder der göttlichen Allweisheit oder der göttlichen Allmacht oder des heiligen Liebeswillens Gottes gegen alle Seine Werke. Sie setzt einen ganz unerträglichen Dualismus, einen unlöslichen inneren Gegensatz in dem Wesen Gottes selbst voraus.

Denn die Schrift bezeugt, dass Gott alle Seine Werke bewusst sind von Anbeginn; also muss Gott mit allen Möglichkeiten gerechnet haben, die sich aus der Entstehung und Entwicklung des Bösen in Seiner Welt herausstellen würden.

Ferner bezeugt sie, dass alles im Himmel und auf Erden, Sichtbares und Unsichtbares, Throne, Fürstentümer, Herrschaften oder Gewalten nicht nur in dem Sohn geschaffen seien, sondern auch durch Ihn und für Ihn (Kol. 1, 16). Gelingt es nun der Allmacht und Liebe Gottes nicht, alles Geschaffene restlos und völlig wirklich dem Sohne auszuliefern, dann ist ein Fehlschlagen des göttlichen Urgedankens, alles für den Sohn zu bestimmen, nicht zu umgehen.

Das ist unerträglich und mit einer harmonischen Vorstellung von dem Gott der Schrift unverträglich. Dabei ist es, genau besehen, durchaus einerlei, ob das göttliche Unternehmen darin misslingt, dass die große Menge am Ende eine Beute des Teufels und der endlosen Hölle wird oder eine Beute der endgültigen Vernichtung. Das Fiasko Gottes, Seinen vor den Ewigkeiten gefassten Plan (Eph. 3, 11) auszuführen, bleibt in beiden Fällen das gleiche.

Das Evangelium von der endlichen, restlosen Allversöhnung bietet den einzigen Ausweg aus all diesen Schwierigkeiten, wobei alle Schrift, auch die ernsteste, von Tod, Verderben, Hölle und Verdammnis zu ihrem ganzen, vollen Recht kommt, sodass Gottes Heiligkeit und strafende Gerechtigkeit im ganzen Umfang der biblischen Aussagen unangetastet bleibt und dennoch — oder besser gesagt gerade dadurch — die allgewaltige Liebe Gottes ihre vollkommenen Triumphe feiert über alle Feindschaft, Lüge, Tod und Finsternis.

Wenn aber der zweite Tod nicht Vernichtung bedeutet, was bedeutet er dann wohl?

Wir begegnen dem Ausdruck nur in der Offenbarung an Johannes, und zwar ohne dass dort eine Definition oder Erklärung auch nur versucht würde, außer der Vergleichung mit dem Feuersee (20, 14). Zuerst in dem Sendschreiben an die Gemeinde zu Smyrna (Kap. 2, 11): »Wer überwindet, dem soll kein Leid geschehen von dem zweiten Tod.« Damit ist ausgesagt, dass derselbe Leid bringt oder bedeutet. Angedeutet ist in dem Ausdruck, wiewohl nicht offen ausgesprochen, dass dieses Leid schwerer sein dürfte als das des ersten Todes. Doch ist das nur eine erlaubte Folgerung, keine direkte Aussage.

Dann begegnet uns der Ausdruck wieder in Kap. 20, 6: »Über diese (die Teil haben an der ersten Auferstehung) hat der zweite Tod keine Macht, sondern sie werden Priester Gottes und Christi sein und mit Ihm regieren tausend Jahre.« Daraus scheint hervorzugehen, dass der zweite Tod wohl Macht hat oder drohen mag denen, die nicht an der ersten, wohl aber an den späteren Auferstehungen teilhaben werden, wie sie in der Schrift in Aussicht genommen sind.

Wiederkehr ins irdische Leben durch Totenauferweckung

So wird z. B. den Sodomitern deutlich verheißen, sie sollen wieder in ihren vorigen Stand zurückkehren; ebenso den Bewohnern von Samaria, wie denen von Jerusalem (Hes. 16, 55). Wenn diese Worte in ihrem einfachen Sinn zu nehmen sind, können sie nur eine Wiederkehr in das natürliche, irdische Leben bedeuten, wie sie z. B. ja auch einem Lazarus, einem Jüngling zu Nain und der Tochter des Jairus widerfuhr. Diese sind unzweifelhaft wieder, d. h. zum zweiten Mal gestorben. Damit soll aber nicht solches zweite Sterben als gleichbedeutend gesetzt sein mit dem, was die Schrift den zweiten Tod nennt, obgleich eine gewisse Übereinstimmung wohl nicht zu leugnen sein wird.

In jedem Fall dürfen wir wohl versichert sein, dass große Mengen der Menschen, ganz ähnlich wie Sodom und Gomorra, aus dem ersten Tode zu einem zweiten, fortgesetzten Leben im Fleisch werden auferweckt werden; denn jene Totenauferweckungen durch den Herrn und Seine Jünger haben gewiss messianische Vorbedeutung, sind Proben und Musterexemplare von dem, was im großartigen Maßstab geschehen wird bei und nach der Wiederkunft des Herrn.

Da liegt es denn ganz nahe, dass ein zweites Sterben als Verschärfung der Strafe wohl zur Anwendung kommen mag bei solchen, auf welche auch ihre Wiederherstellung aus dem ersten Tod nicht die erhoffte Wirkung gehabt haben wird. Dadurch wäre z. B. auch leichter erklärlich, was der Herr meinte, als Er zu den Städten am See Genezareth sprach: Es wird Sodom und Gomorra, Tyrus und Sidon erträglicher ergehen am Jüngsten Tage als euch (Matth. 11, 22.24).

Volle Gerechtigkeit würde ja auch verlangen, dass alle jene ungezählten Geschlechter, welchen bei Leibesleben, d. h. vor ihrem ersten Tode, Gott Sein Heil nie gezeigt oder zeigen ließ, durch Totenauferweckung dennoch in die gleiche Lage und Möglichkeit versetzt würden, sich im Leibe für oder wider Christus zu entscheiden wie alle andern Sterblichen.

Die nächste Erwähnung des zweiten Todes geschieht in Kap. 20, 10, wo zwar der Ausdruck nicht gebraucht wird, aber die Sache unter einem andern Namen erscheint: Der Teufel ward in den Feuer- und Schwefelsee geworfen, wo das Tier ist und der falsche Prophet, und sie werden gepeinigt Tag und Nacht, von Ewigkeit zu Ewigkeit.

Da in der nun folgenden Stelle der zweite Tod zugleich auch der Feuersee genannt wird (V. 14), so ist es am besten, wir fassen die beiden Worte hier zusammen ins Auge.

Da erkennen wir zunächst, dass der zweite Tod, der Feuersee, nicht als Vernichtung anzusehen ist; denn nach tausendjährigem Aufenthalt im Feuersee sind das Tier und der falsche Prophet noch in ihm und werden samt dem Teufel, der ihnen nun beigesellt ist, dem Gericht furchtbarer Pein unterworfen durch Ewigkeiten hin.

Zugleich leuchtet sofort ein, dass wir es hier zu tun haben mit dem Feuer, von dem Jesus in Matth. 25, 41 redet: Geht hin von mir, ihr Verfluchten, in das ewige (d. h. äonenlange) Feuer, das bereitet ist dem Teufel und seinen Engeln.

Daneben stellen wir noch die apostolischen Aussagen von des »ewigen Feuers« Pein, die in Jud. 7 und 2. Petr. 2, 6 vorkommen und in welchen das Feuergericht, das Sodom und Gomorra traf, als biblisches Exempel festgestellt wird für das, was wir unter diesem Feuer zu verstehen haben.

Welchen Charakter hat »des ewigen Feuers Pein«?

Aus dieser Zusammenstellung, die auf innerer Übereinstimmung der in Frage stehenden Bezeichnungen beruht, ergibt sich zwanglos Folgendes:

1. Aus der Vergleichung von Jud. 7 und 2. Petr. 2, 6 mit Hes. 16, 55 geht deutlich hervor, dass des ewigen Feuers Pein keineswegs als endlos zu denken ist. Denn Sodom und Gomorra sollen aus ihm wiederhergestellt werden in ihren früheren Stand. Kann das mit ihnen geschehen, dann kann es auch mit andern Geschöpfen Gottes, die in das gleiche Gericht des »ewigen Feuers« geraten sind, geschehen, zumal bestimmt erklärt wird, jene Städte seien ein Exempel (ein Beispiel) für andere.

2. Aus Matth. 25, 46 geht ebenso deutlich hervor, dass das dem Teufel und seinen Engeln bereitete Feuer, die »ewige Pein«, keineswegs ein zweck- und zielloses, frucht- und ergebnisloses bloßes Quälen und Peinigen bedeuten kann; denn das dort mit »Pein« übersetzte Wort bedeutet in Wirklichkeit scharfe, schwere, schmerzliche, aber zweckmäßige und auf Erfolg berechnete Züchtigung (kolasis). In dem Wort liegt weder der Begriff der Vernichtung noch der der Hoffnungslosigkeit, sondern offenkundig der der schließlichen, wenn auch ungemein schmerzlichen Zurechtbringung.

Somit sind alle herkömmlichen Vorstellungen über den Charakter und die Bedeutung des ewigen Feuers, und damit des zweiten Todes, der diesem gleichgestellt ist, als haltlos abzulehnen, so bestimmt wie die Vorstellung von letztendlicher Vernichtung der Gottlosen, des Teufels und seiner Engel.

Es bleibt noch die Stelle zu betrachten, in welcher von dem Feuersee etwas sehr Merkwürdiges ausgesagt ist, die wir oben bereits genannt haben, weil in ihr der Feuersee als der zweite Tod bezeichnet wird. Wir meinen das Wort Offb. 20, 14: »Und der Tod und das Totenreich wurden in den Feuersee geworfen. Das ist der zweite Tod, der Feuersee.« Unmittelbar vorher war gesagt worden: »Und das Meer gab die Toten, die darinnen waren, und der Tod und das Totenreich gaben die Toten, die darinnen waren; und sie wurden gerichtet, ein jeder nach seinen Werken« (V. 13).

Alle Toten werden auferweckt werden

Da findet also eine, wie es scheint, vollständige Entleerung aller Behältnisse des Todes, des Meeres und der Unterwelt, d. h. des eigentlichen biblischen Hades (hebr. Scheol) statt. Mit andern Worten: Alle Gräber werden aufgetan, alle Toten werden aus ihnen gerufen, und alsdann werden alle, die des Eingangs zum Leben nicht würdig erfunden werden, dem zweiten Tod, dem Feuersee, überantwortet.

Das ist der im Ganzen einfache, anschaulich geschilderte Sachverhalt. Der ganze Vorgang ist wohl nichts anderes, als was der Herr in Joh. 5, 28.29 geweissagt hat: »Denn es kommt die Stunde, in welcher alle, die in den Gräbern sind, Seine Stimme hören werden, und es werden hervorgehen, die das Gute getan haben, zur Auferstehung des Lebens, die aber das Böse getan haben, zur Auferstehung des Gerichts

So ist es wohl auch dasselbe, was Paulus im Auge hatte, als er vor dem Landpfleger Felix bezeugte: »… und habe die Hoffnung zu Gott, auf welche auch sie selbst (seine Ankläger) warten, dass zukünftig sei die Auferstehung der Toten, sowohl der Gerechten als der Ungerechten« (Apg. 24, 15). Bei diesem apostolischen Wort ist beachtenswert, dass nicht nur die Auferstehung der Gerechten, sondern auch die der Ungerechten für den Apostel Hoffnung zu Gott bedeutet, während nach der herkömmlichen Auffassung und Lehre die Auferstehung der Ungerechten eitel Hoffnungslosigkeit bedeuten müsste. Wie es denn ja auch gar nicht einleuchten will, weshalb Gott überhaupt die Gottlosen auferwecken sollte, wenn sie doch schon gleich mit ihrem Tode in der endlosen Feuerhölle wären.

Ebenfalls ist nicht zu erkennen, wieso es den Bewohnern von Tyrus und Sidon, von Sodom und Gomorra, wie wir schon oben andeuteten, an jenem Tage, dem Tage des Menschensohnes, dem der Vater alles Gericht übergeben hat, solle erträglicher ergehen können als denen von Chorazin, Bethsaida und Kapernaum (Matth. 11, 22.24), wenn das Los aller im Unglauben und in der Gottlosigkeit Verstorbenen die endlose Höllenpein wäre.

Ganz Israel wird gerettet werden

Dabei bleiben wir eingedenk, dass alle jene Städte Israels samt ihren ungläubigen Bewohnern, die vergeblich das Heil Gottes unter sich hatten erscheinen sehen, nur einen Teil eben des Volkes ausmachen, das von den Propheten wiederholt mit Sodom und Gomorra verglichen wird (Jes. 1, 10; Jer. 23, 14; Klagel. 4, 6; Offb. 11, 8), dem aber die göttliche Verheißung feststeht: Ganz Israel wird gerettet werden; denn Gott hat sie alle eingeschlossen in den Ungehorsam, auf dass Er sich aller erbarme (Röm. 11, 26.32).

Auch Israels größter Prophet, Jesus Christus, stellt den Töchtern Jerusalems, über die Er weinte und klagte, in sichere Aussicht: »Ihr werdet mich hinfort nicht sehen, bis dass ihr sagen werdet: Gelobt sei, der da kommt in dem Namen des Herrn« (Matth. 23, 39).

Das bestätigt auch das letzte Buch des Neuen Testaments, wo wir lesen: »Es werden Ihn sehen aller Augen, auch die Ihn durchstochen haben, und werden sich Seinetwegen an die Brust schlagen alle Stämme des Landes« (Offb. 1, 7).

Das können sie aber nur, wenn sie, wie wir oben sahen, nach dem Wort des Herrn Jesus aus ihren Gräbern gekommen sein und Ihn anschauen werden, nach Sach. 12, 10-14.

Aus diesem letzteren prophetischen Wort, das offenbar in Offb. 1, 7 kurz zusammengefasst ist, geht zur Genüge hervor, dass die in Aussicht gestellte Wehklage nicht etwa die der Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit ist, sondern sie geschieht infolge der Ausgießung des Geistes der Gnade und des Gebets über das Haus Davids und die Bürger zu Jerusalem.

Die Auferweckung aus dem ersten Tod bedeutet noch nicht die Aufhebung des Todes als des »letzten Feindes«

Greifen wir nun noch einmal auf die bereits oben kurz besprochene Schriftaussage zurück, nach welcher als letzter Feind der Tod aufgehoben und beseitigt werden soll, so ergibt sich, dass alle andre Feindschaft im ganzen weiten All, bei sichtbaren und unsichtbaren Geschöpfen und Wesen, bei Thronen, Herrschaften, Fürstentümern und Gewalten zuvor beseitigt, aufgehoben worden sein muss, ehe der Tod an die Reihe kommen kann.

Nun ist aber klar erwiesen, dass die Häupter aller Feindseligkeit, die Anführer aller Rebellion und Empörung gegen Gott und Christus ihr Gericht gefunden haben im andern Tod, im Feuersee. Dieser Feuersee trägt aber in ganz unverkennbarer Weise das Prädikat »Tod«, der »zweite Tod«.

Noch dazu ist uns klar geworden, dass alle menschlichen Gräber ihre vollständige Entleerung gefunden haben nach dem Wort des Herrn und dass dann keine anderen Toten mehr vorhanden sind als diejenigen, welche eben in den »zweiten Tod«, welches ist der Feuersee, geworfen wurden. Sie alle traf die letzte in der Schrift erwähnte und schärfste Form des Gerichts, gleich dem Teufel und seinen Engeln, für die ja dieses Feuer bereitet ward.

Jene Entleerung des Totenreichs, des Meeres und der Gräber, deren Inhalt zum (vielleicht größten) Teil dem Feuersee, dem zweiten Tod anheim fiel, kann unmöglich als Aufhebung des Todes, der von der Schrift der »letzte Feind« genannt wird, angesehen werden. Denn die Wirksamkeit eben dieses zweiten Todes erfährt erst durch die Entleerung der Gräber (durch Auferweckung, wie wir sahen) eine bedeutende Erweiterung und Ausdehnung.

Ebenso wenig kann davon die Rede sein, dass bei allen, die dem zweiten Tod, dem Feuersee, verfallen, die feindselige Gesinnung und Stellungnahme gegen Gott bereits durch ihren Eintritt in den Zustand des andern Todes aufgehoben oder beseitigt worden wäre. In dem Falle des Tieres und des falschen Propheten, die bereits tausend Jahre im Feuersee waren, als Satan zu ihnen dahinein geworfen wurde (Offb. 19, 20; 20, 10), ist wohl dargetan, dass eine solche Annahme irrig wäre.

Auch wird von Satan (und seinen Engeln) deutlich ausgesagt, dass sie Tag und Nacht gepeinigt werden von Ewigkeit zu Ewigkeit, also unzweifelhaft durch mehrere Äonen hin.

(Allerdings ist hier darauf zu achten, dass in der Schrift der Ausdruck »Äon« mitunter von verhältnismäßig kurzen Zeiträumen gebraucht wird. So betet z. B. Jona aus dem Bauch des Seeungetüms: »Zu den Gründen der Berge sank ich hinunter, die Erde war auf ewig (hier steht das hebräische Wort für Äon = olam) verriegelt hinter mir« (Jona 2, 7). In Wirklichkeit dauerte seine Todesgefangenschaft nur drei Tage und Nächte. Und will man geltend machen, dass er an seinen endgültigen Ausgang aus diesem Leben gedacht habe, dann bleibt immer noch bestehen, dass der gläubige Prophet nicht weiter als bis zur Auferweckung aus den Toten gedacht haben kann. — Die Grundvorstellung bei dem hier gebrauchten Wort (Äon, olam) scheint eben die des Unabsehbaren zu sein, einerlei, wie lang oder kurz der wirkliche Zeitraum ist, der damit umschrieben wird.)

Somit steht fest, dass die Unterwerfung Satans und seiner Engel, d. h. die endgültige Aufhebung seines feindseligen, rebellischen Regiments im Himmel und auf Erden, unter Engeln und Menschen, dadurch eine vollendete Tatsache ist, dass er mit all seinem Anhang in den zweiten Tod kommt, als ein vollständig Gerichteter, Abgetaner, Überwundener, hinfort durchaus Unschädlicher, eine ohnmächtige Beute des Todes. Damit ist allerdings noch nichts festgestellt über seine innere Umwandlung aus einem Feinde Gottes und Christi in einen willigen Anbeter und wiederhergestellten »Sohn Gottes«, wie er es im Anfang war (Hes. 28, 12-14).

Gefallene Engelmächte können wie Menschen sterben

Ehe wir uns weiter mit dieser Frage beschäftigen, sei hier kurz hingewiesen auf ein prophetisches Wort im Psalmbuch, in dem wir höchst wichtige Züge göttlicher Gerichts- und Gnadengedanken zu erkennen glauben, die hier zur Anwendung kämen. Wir meinen Ps. 82, 6.7, das Urteil Gottes über die, zu welchen jenes Wort geschah: »Ich habe gesagt: Ihr seid Götter (Elohim) und allzumal Kinder des Höchsten. Aber ihr werdet sterben wie Menschen und wie einer von den Fürsten fallen.«

Die Hauptfrage, welche hier zu entscheiden ist, ist die, wer unter den als »Elohim« Angeredeten zu verstehen sei, ob bloße Menschen oder höhere, d. h. Engelwesen, oder, wie es uns scheinen will, beide.

Mit andern Worten: Ist es statthaft, hinter den in diesem Psalm von Gott so ernst bedrohten menschlichen Richtern, die unrecht richteten und die Person des Schuldigen ansahen, sodass die Grundfesten des Landes (oder der Erde) ins Wanken gerieten, andere Wesen zu erblicken, denen in Weltangelegenheiten eine hohe obrigkeitliche Gewalt und Verantwortung von Gott selbst zugewiesen ist und die auch dafür vor Gott Rechenschaft abzulegen haben?

Beispiele dafür, dass in der Schrift hinter menschlichen Persönlichkeiten höhere und höchste Wesen aus der Engelwelt geschaut und verstanden werden, lassen sich in genügender Zahl finden, um eine solche Auffassung zu rechtfertigen. Wir weisen z. B. hin auf Jes. 14, 3ff., wo im prophetischen Gesichtsfeld hinter dem König von Babel unzweifelhaft die Gestalt des vom Himmel gefallenen Luzifer zu erkennen ist; denn was von ihm in V. 12-14 ausgesagt ist, will auf keinen bloß menschlichen Monarchen passen.

Dasselbe gilt von der Schilderung, die in Hes. 28, 12ff. gegeben ist über den Sturz des gesalbten, schirmenden Cherub, unter dem wohl auch nicht bloß der König von Tyrus gemeint sein kann, sondern der, welchen die Schrift an andern Orten den Fürsten und Gott dieser Welt nennt (Joh. 14, 30; 2. Kor. 4, 4).

Ein ganz ähnliches Verfahren beobachtet ja auch der Geist der Weissagung bei einer Reihe von typischen Persönlichkeiten, die sowohl auf Christus als aufden Antichristus hinweisen. Somit hat die auch für dieses Psalmwort angenommene Doppeldeutigkeit guten biblischen Grund.

Ebenfalls fällt Licht auf diese Auffassung aus Dan. 10, wo uns sehr anschaulich dargestellt wird, wie Engelfürsten hervorragenden Anteil haben an der Verwaltung der Weltpolitik.

Darf man also dieses Psalmwort auch so lesen, dass sich Gott damit nicht nur an menschliche Richter wendet, sondern zugleich an die höheren Gewalten, denen nach Eph. 2, 2 das Getriebe des gegenwärtigen Weltsystems untersteht, dann bekommen Seine Worte, namentlich Sein Urteilsspruch, eine sehr merkwürdige Bedeutung, die wir hier nicht außer Acht lassen dürfen, zumal das Ergebnis sich wieder deckt mit der Sprache der Propheten Jesaja und Hesekiel in den beiden oben angeführten Stellen.

Dieses Urteil lautet: »Ich habe gesagt: Ihr seid Götter und allzumal Söhne des Höchsten; dennoch sollt ihr sterben wie Menschen und wie einer von den Fürsten fallen!« Ein solcher Spruch, über bloße Menschen gefällt, will nicht besonders viel sagen. Richtet er sich aber gegen den, der die Gewalt des Todes gehabt und von ihr durch Jahrtausende mörderischen Gebrauch gemacht hat, also gegen Satan, dann bekommt er ein ganz anderes Gesicht und Gewicht.

Nun wendet sich aber auch bei dem Propheten Jesaja das Wort des Herrn mit Spott und Hohn an den vermessenen Morgenstern (d. h. Engelfürsten), der sich vorgenommen hatte: »Ich will zum Himmel emporsteigen und meinen Thron über die Sterne Gottes erhöhen … dem Allerhöchsten gleich!« — und spricht zu ihm: »Ja, zum Scheol (Totenreich) fährst du hinab, in die tiefste Grube!« (Jes. 14, 15ff.).

Und bei Hesekiel geht der Spruch an den König von Tyrus: »Ich habe dich auf die Erde geworfen (vgl. Offb. 12, 9) und dich vor den Königen zum Schauspiel gemacht … Ich ließ Feuer von dir ausgehen, welches dich verzehrte, und ich habe dich auf Erden zu Asche gemacht vor den Augen aller derer, die dich sehen« (Hes. 28, 17.18).

Unsre dogmatischen Schwierigkeiten, die aus philosophischen Folgerungen entstehen, als ob Satan doch nie sterben könne, haben angesichts solcher bestimmten Erklärungen der Schrift nichts zu bedeuten. Sie wägen weniger als nichts, so viele ihrer sind. Wenn das Wort Gottes erklärt, dass auch der Mörder von Anfang eine Beute des Todes und zu Asche werden soll, dann wird er’s, mögen die Menschen sagen, was sie wollen.

Und warum sollte er’s nicht können? Hat er doch unzweifelhaft nach der Schrift nicht nur das Vermögen, sich der Leiblichkeit und Gestalt eines niederen Geschöpfes Gottes, der Schlange, zu bedienen zu seinen Verführungszwecken, sondern es steht von ihm geschrieben, dass er leibhaftig Besitz ergriffen habe auch von der Person des Verräters Judas, des Kindes des Verderbens: Da fuhr der Satan — nicht ein untergeordneter Engel oder Dämon — in ihn (Joh. 13, 27).

Es wird eine offene Frage bleiben müssen, ob er wieder aus Judas ausgefahren sei, ehe dieser hinging und sich selbst erhängte. Geschah das nicht, dann hat Satan damals schon etwas von des Todes Bitterkeit zu schmecken bekommen, den er selbst verursacht und verschuldet.

Dazu lässt uns die Schrift bestimmt erwarten, dass später noch ein anderer »Sohn des Verderbens« kommen wird, welchem Satan seine Kraft und seinen Thron und große Macht geben wird (Offb. 13, 2). Und mit diesem wird er dasselbe Los zu teilen haben, nämlich in den Feuersee, den zweiten Tod, geworfen zu werden.

Kann aber Satan (und seine Engel mit ihm) sterben wie Menschen, dann können sie auch aus dem Tode auferweckt werden wie Menschen. Gegen eine solche Folgerung wird sich aus der Schrift wohl kein stichhaltiger Einwand erheben lassen.

Dienst und Bedeutung des Todes

Doch nun die wichtige Frage: Wozu dient im göttlichen Verfahren dieser zweite Tod, der Feuersee?

Denn das steht von vornherein fest: Zweck- und bedeutungslos ist er ebenso wenig wie der erste, d. h. wie der Tod überhaupt. Das geht allein schon aus der Tatsache hervor, dass er eben der zweite Tod heißt, d. h. dass ihm das Wort Gottes dasselbe Prädikat beilegt wie dem, womit der Sünde Lohn bezeichnet ist (Röm. 6, 23).

Die Schrift aber ist im Geben von Namen keuscher und zutreffender als wir Menschen. In ihr bedeutet der Name stets das wahre Wesen. Wollen wir also aus dem Namen auf das wahre Wesen und die gottgewollte Bedeutung des zweiten Todes schließen, dann bleibt uns kein besserer Weg übrig, als zu erwägen, welchen Dienst der Tod überhaupt im göttlichen Walten mit der Menschheit zu leisten hat.

Es ist ganz überflüssig und nutzlos, uns darüber aus irgendeiner andern Quelle des Erkennens oder Wissens, wenn es eine gäbe, Rat holen zu wollen. Denn was weiß die ganze menschliche Wissenschaft oder Philosophie bis auf diesen Tag über Wesen und Bedeutung des Todes? Er ist und bleibt dem erschaffenen Geist ein undurchdringliches Geheimnis. Allein der Geist der Wahrheit kann uns aus der untrüglichen Offenbarung des geschriebenen Wortes darüber Bescheid geben.

Da stehen denn vor unserm erleuchteten Auge zwei unwidersprechliche Tatsachen, welche uns die Schrift erhärtet:

1. Dass Tod und Sünde unzertrennlich zusammengehören, wie Ursache und Wirkung. Nur durch die Sünde ist der Tod in die Welt gekommen (Röm. 5, 12). Die Sünde aber ist, auch das bezeugt die Schrift, unzweifelhaft Satans Werk. Er ist der Lügner von Anfang und damit der Mörder von Anfang (Joh. 8, 44).

2. Dass der Sohn Gottes gekommen ist, die Werke des Teufels zu zerstören (1. Joh. 3, 8). Das wird dadurch bekräftigt und erklärt, dass Er von Gott zur Sünde gemacht wurde und also durch Seinen Tod, den Er für die Sünde der ganzen Welt gestorben ist, den zunichte gemacht hat, der des Todes Gewalt hat, den Teufel (Hebr. 2, 14). Er ist die Sühne, das Sühnopfer für unsre Sünden, nicht allein aber für die unsren, sondern für die der ganzen Welt (1. Joh. 2, 2), d. h. für alle Sünden aller, die je gesündigt haben, ohne irgendeine Ausnahme. Wie denn geschrieben steht: Es war das Wohlgefallen, dass in Ihm alle Fülle wohnen sollte und dass alles durch Ihn versöhnt würde zu Ihm selbst, dadurch dass Er zum Frieden brächte durch das Blut, durch Sein Kreuz, sowohl was im Himmel als auch was auf Erden ist (Kol. 1, 20).

Daneben aber steht die andere biblische Tatsache, dass die Schrift (will sagen Gott) alles beschlossen hat unter die Sünde, und damit unter den Tod (Gal. 3, 22; Röm. 11, 32). Denn dadurch allein ist es nun möglich geworden, dass der Sohn Gottes durch Seinen Tod, den Er gestorben ist um der Sünde willen, den völlig zunichte machen konnte, der des Todes Gewalt hat, den Teufel; oder, wie es Paulus sehr drastisch und anschaulich darstellt, dass Er die Herrschaften, die Gewalten öffentlich an den Pranger stellte und über sie am Kreuz triumphierte (Kol. 2, 15). Dem gemäß erklärt auch der Hebräerbrief, dass Christus aus Gottes Gnaden für alle (oder für alles) den Tod geschmeckt habe und eben wegen Seines Todesleidens mit Preis und Ehre gekrönt sei (Hebr. 2, 9).

Nun aber ist es ganz offenkundig, dass trotzdem selbst Seinen Gläubigen und Heiligen das Sterben nicht nur nicht erspart ist, sondern die Schrift redet deutlich von einer Gemeinschaft Seiner Leiden, von einem Ähnlichwerden Seinem Tode für die Auserwählten. Und Paulus redet in Phil. 1, 21 ebenso deutlich davon, dass demjenigen, dem Christus das Leben geworden, der Tod Gewinn bedeute.

Es kann also keinem Zweifel unterliegen, dass in der Pädagogik Gottes unter gewissen Umständen sogar der Tod, dieser ausgesprochene, erklärte Feind, sehr wichtige und wertvolle Dienste zu leisten berufen ist. Und zwar nicht nur auf mild pädagogischem, sondern auch auf sehr streng richterlichem Gebiet.

Wir erinnern nur an das erschütternde Gericht über Ananias und Saphirs (Apg. 5) sowie über das vom Apostel im Namen und in der Kraft des Herrn Jesus verhängte scharfe Gericht über jenen Bruder in Korinth: ihn dem Satan zu übergeben zum Verderben des Fleisches, auf dass der Geist gerettet werde am Tage des Herrn Jesus (1. Kor. 5, 5). Ähnlich wohl auch das Gericht über Hymenäus und Alexander, die er dem Satan übergab, damit sie gezüchtigt würden, nicht mehr zu lästern (1. Tim. 1, 20).

Ist es ganz unberechtigt und unbegründet, hieraus den Schluss zu ziehen, dass in unsres Gottes Erziehungsweise auch dem zweiten Tode eine ähnliche züchtigende und zurechtbringende Bedeutung zugesprochen werden dürfe? Wir meinen nicht. Denn vom Gegenteil kann aus der Schrift selbst kein Beweis erbracht werden.

Alles, was man von der entweder vernichtenden oder endgültig hoffnungslos quälenden, rein zwecklos strafenden Bedeutung des zweiten Todes lehrt, beruht auf vorgefassten dogmatischen Meinungen, die man aus der Schrift mit nichts belegen kann. Es ist nichts als dogmatische Behauptung, dass der zweite Tod niemals aufgehoben werden könne, dass es aus ihm niemals eine Errettung geben könne.

Demgegenüber halten wir uns für durchaus berechtigt zu der bestimmten Annahme, dass auch der zweite Tod keine Ausnahme bilde von irgendwelchem andern Straf- und Züchtigungsmittel Gottes, sondern dass auch er den Heils- und Wiederherstellungsgedanken Gottes dienen muss, niemals aber das unübersteigliche Hindernis bedeuten kann für Gottes ewige Liebesgedanken.

Dabei wird jedermann erkennen, dass dadurch den Schrecken dieses zweiten Todes an sich nichts genommen ist, als nur die erst von Menschen ihm angedichtete und angeheftete Unendlichkeit, die ihn zu einer Höhe der Macht und Bedeutung erhebt, die sogar dem heiligen und vollkommenen Liebeswillen Gottes in Christus Jesus wirksam sich entgegenstellt und die ausgesprochene Absicht, dass alle Menschen gerettet werden sollen, endgültig hintertreibt.

Es ist und bleibt schrecklich, in die Hände des lebendigen Gottes zu fallen; denn weil Gott die Liebe ist, ist Er auch ein verzehrendes Feuer (Hebr. 10, 31; 12, 29). Darum auch ist die Feuerhölle der letzte und sprechende Beweis der unergründlichen Liebe Gottes, die eher bis an die äußersten Grenzen von Tod, Verderben und Verdammnis geht mit Seinen Geschöpfen, als dass Er sie in Sünde, Feindschaft und Gottes-ferne bleiben ließe.

Gott selbst hat das »ewige Feuer« bereitet — aus welchen Motiven und zu welchem Zweck?

Man erwäge doch ruhig und nüchtern: Nach der Schrift hat der Teufel des Todes Gewalt. Aber dieselbe Schrift zeigt unzweideutig, dass es auch für ihn einen Tod geben wird, der aller seiner gerühmten, falschen Hoheit und angemaßten Herrschermacht ein Ziel setzen wird, wie wir oben anhand der Propheten Jesaja und Hesekiel ausgeführt haben.

Der zweite Tod ist ganz offensichtlich nicht nur nicht in des Teufels Gewalt, sondern wir finden ihn in dessen Gewalt, von ihm überwunden, in ihn geworfen, von ihm gepeinigt. Wer hat denn nun des zweiten Todes Gewalt? Wer verfügt, bestimmt über ihn, wer bedient sich seiner?

Ist es denn auch möglich, daran zu denken, dass der zweite Tod aus sich selber oder in sich selber eine gottfeindliche Macht bedeuten könnte, der gegenüber Gottes eigene Liebesgedanken sich als unausführbar erwiesen? Ist es denkbar, dass irgendein Wesen, das Gott in Seiner heiligen Liebe den Schrecken und Qualen des zweiten Todes überantworten muss, damit ganz und für immer aus Seinem Bereich käme? Und dass der allmächtige Gott einem solchen Wesen niemals mehr beikommen könnte?

Gott selbst hat, nach der Aussage Seines geliebten Sohnes, dieses Feuer bereitet dem Teufel und seinen Engeln (Matth. 25, 41). Diese Vor-und Zubereitung sollte jemals aus andern Motiven entstanden sein als aus denen vollkommener Weisheit, gepaart mit heiliger Liebe und makelloser Gerechtigkeit? Sie sollte bedeuten, dass Gott mit Bewusstsein Seinem Heils- und Liebeswirken eine ganz und für immer unübersteigliche Schranke gesetzt habe? Gott, der da will, dass alle Menschen gerettet werden und zur Erkenntnis der Wahrheit kommen (1. Tim. 2, 4), soll gewollt haben, dass die Ausführung eben dieses Seines eigenen, unbeweglichen, wohlbedachten Liebeswillens für große Mengen von Geschöpfen niemals möglich sein sollte?! Kann Gott auch zwei einander so entgegengesetzte Willen haben? Was würde aus dem einigen, heiligen und wahrhaftigen Gott?!

Man rede nicht davon, dass das nicht Gottes Schuld sei, sondern nur die Seiner unwilligen, widerspenstigen, unverbesserlichen Geschöpfe, die die Ausführung des heiligen Liebeswillens Gottes wirksam hinderten. Das ändert nichts an dem ganzen furchtbaren Dilemma, hebt den unerträglichen, zerreißenden Dualismus — diesen Zwiespalt im Wesen Gottes nie auf. Denn wenn Gott mit Vorbedacht Geschöpfe hervorrief, die das vermochten, und zuvor sah, dass diese Geschöpfe das auch tatsächlich fertigbringen würden, wovon wir die Möglichkeit selbstverständlich einräumen, dann war es immerhin unmöglich, dass Gott zu gleicher Zeit wollen konnte und es offen und mit der deutlichsten Rede erhärten konnte, dass alle Menschen gerettet werden sollten. Dann hat der starrste, schauderhafteste Kalvinismus Recht, dass Gott von aller Ewigkeit her den größten Teil Seiner gefallenen Schöpfung zur unabänderlichen endlosen Verdammnis und Qual zuvorbestimmt habe. Dann ist es durchaus konsequent, zu lehren, dass es in der Hölle kleine Kindlein gebe eine Spanne lang!

Dann sei man aber auch konsequent und ganz ehrlich, wie es der starre Kalvinismus früher war, und höre auf, die Universalität der göttlichen Liebesabsichten mit einer verlorenen Welt zu verkündigen. Denn beides zugleich kann niemals wahr, niemals möglich sein.

Dahingegen bedeutet das von uns vertretene Evangelium Gottes von der endlichen Versöhnung des gesamten Alls unter dem einen Haupt, Christus, zugleich die Versöhnung der beiden großen Hauptschulen der gläubigen evangelischen Theologie. Wir halten mit dem Kalvinismus die Lehre von der gratia irresistibilis (der unwiderstehlichen Gnade) fest. Nur dehnen wir auf alle aus, was er inkonsequenterweise auf die Auserwählten beschränkt. Und auf der andern Seite halten wir es ebenso aufrichtig mit der gratia universalis, die wir aber nicht dem Kalvinismus feindselig entgegenhalten, sondern die wir mit der kalvinistischen gratia irresistibilis glücklich vermählen zu einem harmonischen, fruchtbaren Bunde, zur Ehre Gottes des Vaters.

Dem großen Weltenbrand folgt die Neuschöpfung

Noch sei hingewiesen auf das Wort des Petrus von dem Feuergericht, das an jenem Tage die ganze gegenwärtige Erde und den gegenwärtigen Himmel ergreifen wird, sodass die Himmelskörper mit Krachen zergehen, die Elemente von der Hitze aufgelöst und die Erde und die Werke darauf verbrennen werden (2. Petr. 3, 10).

Das ist, soweit wir die Schrift kennen, der ausgedehnteste und großartigste Gebrauch, den Gott am Tage des Menschensohnes von Seinem »verzehrenden Feuer« machen wird. Kein wahrhaft Bibelgläubiger wird sich auch nur einen Augenblick bedenken, wenn ihm die Frage vorgelegt wird: Welchem Zweck dient dieser kolossale Weltenbrand? Er wird sofort die biblische Antwort desselben Petrus bereit haben: Wir erwarten daraus und danach einen neuen Himmel und eine neue Erde, nach Seiner Verheißung, in welchen Gerechtigkeit wohnen wird (2. Petr. 3, 13).

Dass dieses verzehrende Feuer erneuernden, wiederherstellenden göttlichen Zwecken dient, wird niemand in Abrede stellen, dem das Worte der Wahrheit und nicht Fantastereien sind.

Kann und wird aber Gott ein so umfassendes, furchtbares Feuergericht Seinen erlösenden, befreienden, verklärenden Liebesabsichten mit einer durch Sünde, Tod und Finsternis spruchreifen Schöpfung dienstbar machen, sodass als Endergebnis ein neuer Himmel und eine neue Erde daraus hervorgehen, was steht dann noch im Wege zu glauben, dass Gott in derselben großartigen, umfassenden Weise auch das dem Teufel und seinen Engeln bereitete Feuer ebenfalls mit demselben durchgreifenden Erfolg Seinen großen Wiederherstellungszwecken dienstbar machen wird?

Der Tod wird verschlungen in den Sieg

Aber noch haben wir nicht die letzte Antwort gegeben auf die uns so tief bewegende Frage: Wie und wodurch wird der letzte Feind, der Tod, aufgehoben, beseitigt? Andeutungen und Winke, auf welcher Linie das liegt, haben wir bereits nicht wenige bekommen.

Eins trat uns ganz klar entgegen, dass nicht mehr der Teufel, der Mörder von Anfang, des Todes Gewalt haben wird, da er ja selbst das hilflose Opfer, die willkommene Beute des zweiten Todes sein wird. Es bleibt somit nur noch der lebendige Gott selbst übrig, der dann zu fürchten ist, weil Er Leib und Seele zu verderben vermag in der Hölle (Gehenna) (Matth. 10, 28).

Ist aber der zweite Tod, der Feuersee, nicht eine selbstständige, ganz unabhängige Macht, die zu beherrschen oder einzuschränken oder völlig aufzuheben auch der allmächtige Herr keine Möglichkeit sähe, dann wird es eben doch bei dem verbleiben, was bereits frühe geschrieben steht: Er führt in die Hölle (das Totenreich) und wieder heraus (1. Sam. 2, 6), und wiederum: Du wandelst den Sterblichen in Staub und sprichst: Kehrt wieder, ihr Menschenkinder (Ps. 90, 3).

Es ist schier unbegreiflich, wie in der Vorstellung wirklich schriftgläubiger Menschen der Gedanke eine solche Herrschaft gewinnen konnte, dass es eine Form des Todes geben könne, gegen die auch der Fürst des Lebens durchaus machtlos sei; dass Gott ein Feuer bereitet habe, das Er selbst niemals zu löschen vermöge. Denn eine Berufung darauf, dass die Schrift selber jenes höllische Feuer als »unauslöschlich« bezeichne, hat ebenso wenig Sinn und Halt, als wenn man sich auf die Schrift berufen wollte, die sagt, dass die Sterne am Himmel und der Sand am Meer unzählig seien, um damit zu beweisen, Gott selbst könne die Sterne oder den Sand nicht zählen (Ps. 147, 4)! Oder Er selbst vermöchte Seine Gedanken, Gerichte und Wege nicht zu verstehen, weil die Schrift sie unausforschlich und unergründlich nennt (Röm. 11, 33)!

Die Lösung der ganzen Frage ist von solcher Einfachheit und Selbstverständlichkeit, dass man fast versucht sein könnte, vom Ei des Kolumbus zu reden. Denn es ist anhand der göttlichen Offenbarung an eine andere Methode zur endgültigen Aufhebung des letzten Feindes, des Todes, auch in seiner ärgsten, schlimmsten Gestalt, nicht zu denken, als durch die große Zentraltat des herrlichen Gottes: durch Auferweckung aller Toten. Wie denn geschrieben steht (1. Kor. 15, 54.55): »Wenn aber dies Verwesliche wird anziehen Unverweslichkeit und dies Sterbliche wird anziehen Unsterblichkeit, dann wird erfüllt werden das Wort, das geschrieben steht: Der Tod ist verschlungen vom Sieg! Tod, wo ist dein Stachel? Totenreich (Hades, Hölle, zweiter Tod), wo ist dein Sieg?«

Gewiss wird man hier den Einwand versuchen, dass wir ohne weiteres Hades und Hölle (Feuersee) auf dieselbe Stufe gestellt hätten, während die kirchliche Dogmatik sehr bestimmt und deutlich zwischen den beiden unterscheide. Das geben wir natürlich gerne zu, können aber nicht erkennen, dass zwischen beiden ein anderer als nur ein gradmäßiger Unterschied festgestellt werden könne, niemals aber ein wesenhafter, als ob der zweite Tod nicht auch das Wesen des Todes teile, so er doch seinen Namen trägt in der Schrift.

Man mag sich den zweiten Tod noch so gewaltig, gefährlich, verderblich, feindselig, furchtbar, schreckhaft oder scheußlich vorstellen, man wird ihm nie einen anderen Charakter dadurch verleihen, als den ihm die Schrift gibt, wenn sie ihn ruhig als »Tod« bezeichnet. Darin liegt für immer klar ausgesprochen, dass sein Grundwesen den direkten Gegensatz bildet zum Leben. Und damit ist ebenso unwiderleglich festgestellt, dass, wenn er überhaupt als Feind aufgehoben werden kann, dann nur dadurch, dass er verschlungen wird von dem Sieg des unvergänglichen Lebens in Christus Jesus, dem Erstgeborenen aller Kreatur, dem Erstgeborenen aus den Toten (Kol. 1, 15.18).

Nun haben wir erkannt, dass der zweite Tod keineswegs Vernichtung bedeuten kann. Ebenso haben wir gezeigt, dass alle andern Feinde Gottes und Seines Christus vor ihm müssen aufgehoben worden sein, weil er sonst natürlich nicht als letzter Feind dastehen könne, der aufgehoben werden soll.

Somit bleibt alsdann im ganzen weiten All unsres Gottes nur dieser letzte Feind, der Feuersee, der zweite Tod, zu beseitigen. Nun hat aber Gott alle Seine Feinde, also auch diesen letzten, dem herrlichen Sohn unter die Füße getan, der bis dahin mit allen übrigen Feinden vollständig fertig geworden ist, indem Er sogar den Satan, den Mörder von Anfang, den Gewalthaber des Todes, in den Feuersee werfen ließ. Damit hat Er aller organisierten, seit Jahrtausenden wütenden Feindschaft im ganzen Weltall das satanische Drachenhaupt endgültig zertreten.

Alle bisherige Möglichkeit der Verblendung, der Verführung, der Verfinsterung ist dann vollständig und für immer beseitigt, weil ja der Teufel selbst im Feuersee ist, ein ohnmächtiger, entthronter, geschändeter und völlig zunichte gemachter Tyrann, offenbar geworden, gerichtet, unschädlich gemacht, entkräftet in dem ihm bereiteten Feuer.

So gewiss er aber eine Beute des Todes werden konnte, aller philosophischen Dogmatik ungeachtet, so gewiss kann er auch, nach äonenlangem Feuergericht gedemütigt, zermürbt und vollständig zerschlagen, eine Beute des unvergänglichen, unzerstörbaren Lebens werden, das an das Licht gebracht worden ist im Evangelium. Gottes. Denn das Leben ist erschienen. Und das Leben ist mächtiger als der Tod. Jesus ist Sieger, denn Er gebietet und verfügt auch über den zweiten Tod, den Feuersee. Auch dieses Werkzeug muss Ihm und Seinen großen erneuernden, befreienden Zwecken dienen. Ihn werden alle Engel Gottes anbeten. Denn der Tod wird verschlungen in den Sieg!


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Nachwort von H. Schumacher

Diese gewaltige Botschaft ist nicht zur bloßen Kenntnisnahme da. Sie sollte auch nicht Anlass bieten für Hochmut oder Rechthaberei. Es gilt vielmehr für die Gegenwart praktische Konsequenzen zu ziehen, für unseren Alltag heute. Diese Botschaft muss sich auswirken in Erkenntnis und Wandel. Wie aber könnte das aussehen?

  • Ich weiß: Jesus ist Sieger!
  • Ich weiß: Der Satan ist ein besiegter Feind, auch heute schon, vor seiner endgültigen Zerschmetterung. Die Finsternis wird nicht das letzte Wort behalten — auch in unserem Leben nicht.
  • Auch der Tod ist nur ein Werkzeug in Gottes Hand und dient in allen Fällen Seinen Liebes- und Erneuerungsabsichten. Darum muss ich mich nicht fürchten.
  • Die zurechtbringende Liebe Gottes sollte uns abzuspüren sein.
  • Versöhnung sollte schon heute geschehen — im kleinsten Kreis beginnend.
  • Gewiss dürfen wir im Wissen um Gottes herrliche Endziele in Seiner Liebe geborgen ruhen — von Dank und Anbetung, Frieden und Freude erfüllt. Dieses Zur-Ruhe-Kommen ist in unserer hektischen Zeit sehr wichtig. Gleichzeitig aber sollten wir wissen: Es gibt viel zu tun! Gott hat ein unfassbar großes und herrliches Programm und Er will jeden Einzelnen Seiner Gläubigen gebrauchen bei der Hinausführung Seiner Liebesgedanken mit einer Welt, die von Gottes Endziel noch so entsetzlich weit entfernt ist. Lassen wir uns gebrauchen — jeder nach den ihm gegebenen Möglichkeiten — dienend und wartend (1. Thess. 1,9.10)!

(Quelle: “Das Evangelium Gottes von der Allversöhnung in Christus”, Chemnitz 1915; “Gnade und Herrlichkeit”, 3/2006;Paulus-Verlag, Heilbronn)

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