Eisen und Erz, Symbole für Sünde und Gericht
Autor: Heller, Adolf | Kategorie(n): Biblische Symbolik | 3,460 x gelesenWir wollen ein Siebenfaches betrachten:
- Eisen, ein Bild der Sünde
- Gefängnisse und Fesseln von Eisen und Erz
- Erz, das Metall des Vorhofs
- Der eiserne Schmelzofen
- Die eherne Schlange
- Der Eisenschmied
- Eisen und Erz, dem Jahweh geheiligt
1. Eisen, ein Bild der Sünde
Eisen ist unedles Metall und wird deshalb oft als Bild der Sünde und Widerspenstigkeit gebraucht. Wir begegnen ihm schon auf den ersten Blättern der Heiligen Schrift, in 1. Mose 4, 22. Dort lesen wir von Tubalkain, einem Hämmerer von erzenem und eisernem Werkzeug. Sein Name heißt auf Deutsch: Besitzer des Erdreichs. Er gehörte nicht zu der gottesfürchtigen Sethlinie, sondern stammte aus der gottlosen Kainslinie.
So können wir verstehen, dass er auf das Paradies, von dem die Überlieferung berichtete, und auf die Verheißungen, die dort seinen gefallenen Voreltern gegeben worden waren, keinen Wert legte und sein Verlangen auf diese verfluchte Erde und ihre Schätze richtete. —
In Jer. 17, 1 steht geschrieben, dass Judas Sünde mit eisernem Griffel, mit diamantener Spitze in die Tafeln ihrer Herzen und in die Hörner ihrer Altäre eingegraben ist. Dass Diamant als Bild der Härte gebraucht wird, ersehen wir aus Sach. 7, 12, wo es heißt: »Sie machten ihr Herz zu Diamant, um das Gesetz nicht zu hören.«
Gott hat doppelte Buchführung. Einmal steht Judas Sünde in ihrem eigenen Herzen, im Gewissen eingegraben, und zum andern ist sie eingeritzt in die Hörner der Altäre.
So haben auch wir ein zweifaches Zeugnis unseres Heils: ein objektives außerhalb von uns und ein subjektives in uns, das eine im Buch des Lebens (Phil. 4, 3) und das andere in unserem Gewissen (Röm. 9, 1; 2. Kor. 1, 12). Möchten wir für dieses herrliche Doppelzeugnis immer dankbar sein und bleiben! —
Jahweh bezeichnet den Propheten Jeremia als den Prüfer Israels (6, 27), während Er von Seinem Volk als von den Widerspenstigsten der Widerspenstigen spricht, die Er Verleumder, Erz und Eisen nennt (Vers 28). Hier finden wir, wie so oft in der Schrift, eine klare, unzweideutige Symbolerklärung.
Ähnliches steht in Hes. 22, 18 geschrieben, wo Jahweh das Haus Israel als Erz, Zinn, Eisen und Blei im Schmelzofen bezeichnet.
Sirach spricht in seinem apokryphen Buch (12, 10) von Feinden, die ihre Tücke nicht lassen, als von Eisen, das immer wieder rostet. Edles Metall rostet bekanntlich nicht; so wie aber das Eisen von dem in der Luft enthaltenen Sauerstoff angegriffen und zersetzt wird, so unterliegen auch die Menschen dem fortwährenden Einfluss der bösen Geister der Luft (Eph. 2, 2; 6, 12), die wohl über das Eisen der Sünde, nicht aber über das Silber der Erlösung und das Gold des Glaubens Macht und Gewalt haben.
2. Gefängnisse und Fesseln von Eisen und Erz
Auch für Gefängnis und Fessel sind Erz und Eisen oft gebrauchte Bilder. Im 10. Vers des 107. Psalms ist die Rede von Bewohnern der Finsternis und des Todesschattens, die in Elend und Eisen gefesselt sind. Wir wollen hier nicht die Ursache ihrer Gefangenschaft und Fesselung und die Methoden Gottes zu ihrer Zurechtbringung betrachten, sondern nur darauf hinweisen, dass diese in Elend und Eisen Gefesselten sich nicht aus eigener Kraft zu befreien vermochten, sondern dass Jahweh die ehernen Türen zerbrach und die eisernen Riegel zerschlug (vgl. Jes. 45, 2).
Hat der Herr auch in deinem und meinem Herzen die eisernen Sündenriegel zu zerschlagen vermocht, sodass es weit für Ihn geöffnet steht und Er es durch den Glauben bewohnen kann (Eph. 3, 17)?
Simson war mit eisernen Doppelfesseln gebunden (Richter 16, 21). Diese waren für ihn, der vorher sieben frische Stricke wie Werg sprengte (V. 8.9), unzerreißbar.
Der natürliche Mensch vermag die eisernen Fesseln der Sünde nicht zu sprengen. Erst wenn er gleich Simson sein Leben zu lassen bereit ist, wenn er durch den Glauben der Welt und der Sünde gestorben ist, wird er freigelassen von der Sünde (Röm. 6, 7).
Der Leidens- und Sterbensprozess, der uns von der Sünde auch praktisch löst (1. Petr. 4, 1b) und uns fähig macht, Christus immer klarer zu schauen und so in Sein Bild verwandelt zu werden (2. Kor. 3, 18), ist nicht ein einmaliger, sondern ein täglicher (1. Kor. 15, 31).
3. Erz, das Metall des Vorhofs
In der tiefen, schier unerschöpflichen Symbolik der Stiftshütte spielt das Erz eine wichtige Rolle. Dem aufmerksamen Bibelleser muss auffallen, dass weder im Heiligtum noch im Allerheiligsten Erz verwendet wird; wir finden es nur im Vorhof. Das ist weder Willkür noch Zufall, sondern, wie alles in der Schrift, von wunderbarer tiefer Bedeutung.
2. Mose 27, 1-8 und 30, 17-21 zeigen uns, dass der Brandopferaltar und seine Geräte und außerdem das Waschbecken zwischen dem Altar und dem Eingang ins Heiligtum aus Erz gebildet sind. Was will uns das sagen?
Die beiden geistlichen Prozesse, die durch die Opfergabe des Sünders und durch das Waschen des zum Dienst ins Heiligtum eintretenden Priesters vorgeschattet sind, beruhen auf Gericht bzw. Selbstgericht. Darum sind der Brandopferaltar und das Waschbecken von Erz, während der siebenarmige Leuchter, der Schaubrottisch und die Bundeslade, die andere geistliche Wahrheiten darstellen, von Gold sind (2. Mose 25, 31.23-30.10-22).
Dass übrigens das Heiligtum oder die vordere Hütte nicht nur für unser Glaubensleben persönlich-erbaulichen Charakter hat, sondern auch von heilschronologischer Bedeutung ist, geht aus Hebr. 9, 8.9 klar hervor.
Wie reich und tief ist doch die Schrift, und wie wenig haben wir bis jetzt von diesen unerschöpflichen Schätzen begriffen und ergriffen!
Erz ist das ausgesprochene Vorhofmetall und hat im Heiligtum und im Allerheiligsten keinen Platz. — Das will uns etwas sagen!
Das ureigentliche, innerste Wesen Gottes ist nicht im Vorhof, sondern im verborgenen Innersten der Hütte enthüllt, wo nicht das äußere Licht der Vernunft hinscheint, sondern Gott selber leuchtet. Damit wird jedoch der Vorhof keineswegs für schädlich oder unnütz erklärt. Er hat als notwendiger, gottverordneter Weg seine Bedeutung. Aber nur als Weg! Deshalb lesen wir auch, dass alle Wege Gottes Gericht sind (5. Mose 32, 4 wörtlich), während Sein Wesen Liebe ist (1. Joh. 4, 8).
Vielleicht verstehen wir jetzt auch den ersten Vers vom paulinischen Hohelied der Liebe (1. Kor. 13). Wer nicht Liebe hat, also das ureigene Wesen Gottes nicht kennt, der ist nur ein tönendes Erz und eine schallende Zimbel, ein beredter Gerichtsbote.
Dieser Gerichtsdienst ist nötig und unerlässlich; aber er ist Vorhofsdienst und gilt nur solchen, die noch nicht ins Heiligtum eingetreten sind. Wer aber zum Dienst im Heiligtum oder im Allerheiligsten berufen ist, der hat es nicht mehr mit Erz, sondern mit Silber und Gold zu tun.
Der Vater der Herrlichkeit gebe uns den Geist der Weisheit und Offenbarung, damit wir aus dem Vorhof unseres Glaubens durch das Heiligtum des Dienstes in das Allerheiligste der Anbetung einzutreten vermögen, um Ihn selbst zu erkennen (Eph. 1, 17)!
4. Der eiserne Schmelzofen
Die Gerichte, die über Israel ergehen, werden vielfach mit eisernen Werkzeugen verglichen. Denken wir nur an Ägypten, das oft als eiserner Schmelzofen bezeichnet wird (1. Kön. 8, 51; Jer. 11, 4; 5. Mose 4, 20 u. a.)!
Die Schrift redet da und dort von Gott als dem Schmelzer (Jer. 9, 7; Hes. 22, 20; Mal. 3, 3), der auf Gerichts- und Gnadenwegen das Ziel des Läuterns erreicht.
Möchten wir alle, die wir ausnahmslos auf irgendeine Weise und auf irgendeiner Stufe in diesem dem Fleisch schmerzlichen Prozess stehen, all das, was an göttlichen Beweggründen und Herrlichkeitsabsichten darüber gesagt ist, fassen und glauben! Wie viel getrösteter und entspannter könnten wir dann unseren gottverordneten Weg gehen!
Nicht nur vom eisernen Schmelzofen redet Gottes Wort, sondern auch von einem eisernen Joch, das auf Israels Hals gelegt wird. In 5. Mose 28, jenem gewaltigen prophetischen Segens- und Flucheskapitel, lesen wir im 47. und 48. Vers: »Dafür, dass du Jahweh, deinem Gott, nicht mit Freude und mit fröhlichem Herzen gedient hast wegen des Überflusses an allem, wirst du deinen Feinden dienen, die Jahweh wider dich senden wird, in Hunger und in Durst und in Mangel und in Blöße an allem; und Er wird ein eisernes Joch auf deinen Hals legen, bis Er dich vertilgt hat.«
Dass diese Vertilgung nicht Aufhören bedeutet, sondern im Gegenteil Gerechtigkeit bringt, ersehen wir z. B. aus Jes. 10, 22, wo geschrieben steht: »Vertilgung ist fest beschlossen, sie bringt einherflutend Gerechtigkeit.«
Wer die Geschichte Israels seit seiner Zerstreuung verfolgt, merkt etwas von dem eisernen Gerichtsjoch, das je und je auf ihm lag. Auch von den Nationen, für die ja Israel erstgeborener Bruder und Vorbild ist (2. Mose 4, 22; 1. Kor. 10, 11), heißt es, dass ihnen ein eisernes Joch aufgelegt ist (Jer. 28, 14; 27, 8; Nahum 13, 1).
Wenn wir in Ps. 2, 9 und Offb. 2, 27 lesen, dass der Herr und die Seinen die Feinde Gottes mit eisernem Zepter (oder Gerichtsrute) weiden werden, so soll das das Gericht bezeichnen, womit die Gottesfürchtigen die Gottlosen richten werden, wie auch in Ps. 149, 7-9 und 1. Kor. 6, 2 geschrieben steht.
In Dan. 2, 40 wird über Zweck und Dienst des Eisens gesagt, dass es zum Zermalmen, Zerschlagen und Zertrümmern dient. Das sind Ausdrücke, die uns die Wirkung der Sünde und des Gerichts so recht vor Augen stellen.
Es ist darum auch nicht verwunderlich, dass bei der Aufzählung der Waffen des Goliath, der ein Vorbild und Typ auf den Tod ist, Erz und Eisen eine wichtige Rolle spielen. So lesen wir in 1. Sam. 17, 5-7: »Und er hatte einen ehernen Helm auf seinem Haupt und war mit einem Schuppenpanzer bekleidet, und das Gewicht des Panzers war 5000 Schekel Erz. Und er hatte eherne Schienen an seinen Beinen und einen ehernen Wurfspieß zwischen seinen Schultern, und der Schaft seines Speeres war wie ein Weberbaum, und die Spitze seines Speeres war 600 Schekel Eisen.«
Christus ist der Erfüller aller und jeder Verheißung, der Schöpfung zum Heil und Gott zur Verherrlichung. In alle Tiefen des Todes steigt Er hinab und zerbricht die erzenen Tore und die eisernen Riegel der Macht der Finsternis (Ps. 107, 16). Darum zeugt auch die ganze Schrift von Ihm, und Josua der Hohepriester und seine Genossen werden in Sach. 3, 8 »Männer des Wunders (oder des Vorbildes!)« genannt.
5. Die eherne Schlange
Eines der für unsern getrübten Blick am klarsten zu erkennenden Vorbilder auf Christus als Erlöser ist die eherne Schlange, die Mose in der Wüste erhöhte (4. Mose 21, 4-9; Joh. 3, 14.15).
Der herrliche, heilige Gottessohn ist vorgeschattet durch eine Schlange! Er, der am Kreuz sich bis zum Wurm erniedrigte (Ps. 22, 6), wurde von Gott nicht nur zum Sündenträger, sondern zur Sünde selbst gemacht (2. Kor. 5, 21).
Das ist eine gewaltige Botschaft, wie sie nie von einem Menschen hätte ersonnen werden können. Christus am Kreuz ist die Fleisch gewordene und darum von Gottes heiliger Gerechtigkeit gestrafte Sünde der Schöpfung. Und diese gerichtete Sünde ist unser Heil und unsere Rettung! Wer irgend glaubend zu Ihm aufblickt, erfährt völlige Vergebung und Rechtfertigung. —
Die Geschichte der ehernen Schlange hat auch eine sehr ernste Seite. Davon lesen wir in 2. Kön. 18. Dort ist die Rede von dem jüdischen König Hiskia, dem Sohn des Ahas. Er führte, kaum zur Regierung gekommen, eine sittlich-religiöse Reform in seinem Lande durch. Unter den Götzen, die damals beseitigt wurden, war auch die eherne Schlange, die Mose in der Wüste hatte anfertigen lassen. Sie hieß Nehuschtan, d. h. Eherne oder Kupferne (2. Kön. 18, 1-4). Diesem Bilde von Erz brachte man göttliche Verehrung dar, indem man ihm räucherte; aber Jahweh, der aus Liebe damals Sein Volk gerettet hatte, kannte man nicht mehr.
Ist es vielfach nicht auch heute in der »Christenheit« so? Man verehrt die Symbole geistlicher Wahrheiten, feiert christliche Feste, schmückt Kirchen und Kapellen, Gräber und Grüfte, Helden des Kampfes, der Arbeit und der Intelligenz mit Kreuzen aller Art, aber selber bewusste Kreuzesstellung einnehmen, mit Christus den Weg täglichen Verzichtens und Sterbens gehen, davon weiß man nichts und will man nichts wissen.
Wie mögen damals die frommen Juden gemurrt und gejammert haben, als der revolutionäre König die geheiligte Tradition durchbrach und nicht nur der Nehuschtan nicht mehr opferte, sondern sie sogar zertrümmerte! Am lautesten werden gewiss die geschrien haben, die irgendwelchen Vorteil von diesem Götzendienst hatten.
Form ohne Geist ist Gott ein Gräuel. Das finden wir bei Kain, der in ungöttlicher Gesinnung dem Jahweh Opfer darbrachte; das sehen wir bei Nadab und Abihu, die fremdes Feuer opferten und dafür sterben mussten (3. Mose 10, 1-3); das tadelt der Herr bei den Schriftgelehrten, die das Wichtigste beiseitesetzten, um das Nebensächliche zu tun (Matth. 23, 23); das ruft der Erhöhte und Verherrlichte der Gemeinde zu Sardes zu, die zwar den Namen hat, dass sie lebt, in Wirklichkeit aber tot ist (Offb. 3, 1).
Möchte es uns nie gehen wie einst Juda mit der Nehuschtan, dass wir eine äußere Form verehren und Gottes Werk und Wesen darüber vergessen; dass wir christliche Wahrheiten verfechten und dabei mit dem, der die Wahrheit in Person ist, die Lebens- und Liebesgemeinschaft verlieren!
6. Der Eisenschmied
Wenn Eisen und Erz Sünde und Gericht abschatten, wer mag dann wohl der Eisenschmied, der Verfertiger und Verarbeiter dieses unedlen Metalls sein? Sicherlich nicht ein Wesen, das auf Gottes Lichtsseite steht, denn »Gott ist Licht und gar keine Finsternis in Ihm« (1. Joh. 1, 5). Gott offenbart sich ja nicht im Sturm oder Feuer, sondern im sanften, leisen Säuseln (1. Kön. 19, 11-13), und Sein eigentliches Wesen ist nichts anderes als Liebe (1. Joh. 4, 8).
Wir sehen in dem Eisenschmied, der bei Kohlenglut mit Hämmern arbeitet (Jes. 44, 12), den Feind. Von ihm heißt es hier, dass er hungrig und kraftlos wird, kein Wasser getrunken hat und ermattet. Er hungert nach dem Brot des Lebens, welches Christus ist; und Wasser des Lebens, ein oft gebrauchtes Bild für die Segnungen Gottes, hat er nicht getrunken.
Dass unter dem Schmied wirklich der Verderber zu verstehen ist, geht unzweideutig aus Jes. 54, 16 hervor. Dort lesen wir: »Siehe, ich habe den Schmied geschaffen, der das Kohlenfeuer anbläst und die Waffe hervorbringt seinem Handwerk gemäß; und ich habe den Verderber geschaffen, um zu zerstören.«
Wenn davon die Rede ist, dass der Schmied die Waffe hervorbringt, die seinem Handwerk entspricht, so liegt darin eine tiefe göttliche Wahrheit verborgen. Gott lässt jedes Geschöpf sich seiner Wesensart entsprechend auswirken. Er vergewaltigt niemand. Das sehen wir z. B. in jener himmlischen Ratsversammlung in 1. Kön. 22, 19-23, wo Jahweh fragt, wer Ahab belügen will, damit er ermordet werde. Wer sollte sich da anders melden können als der, der der Lügner und Mörder von Anfang ist?
Ähnlich verhält es sich in Hiob 1, 6-12 und 2, 1-7. Dort ist Satan Antragsteller im Himmelsparlament; seine teuflischen Vorschläge werden durch Gottes Zustimmung zu Ratschlüssen erhoben. Satan darf wirken entsprechend seinem Charakter, er darf schlagen und zerstören. Dass er dabei hier wie überall sich in seinen eigenen Netzen fängt und im tiefsten Grunde doch nur Gottes Liebes- und Rettungswillen ausführt, ohne dass er es weiß, ist eine höhere Sicht der Dinge. Gott hat den Schmied, den Verderber geschaffen, damit er eine im Gesamtplan Gottes notwendige und festgelegte Zerstörungsarbeit tue.
Dass jedoch Satan nicht als Satan erschaffen wurde, geht einwandfrei daraus hervor, dass die Schrift bezeugt, dass in Gott gar keine Finsternis ist (1. Joh. 1, 5). Da aber alle Dinge aus Gott sind (Röm. 11, 36), so ist der Feind bei seiner Erschaffung keine Finsternismacht gewesen, sondern erst nach seiner Erschaffung geworden. Wäre das nicht der Fall, so wäre Gott ja ungerecht, wenn Er Satan richtet und straft (vgl. Jes. 14, 12-14).
Noch eine dritte Stelle vom Eisenschmied wollen wir uns ansehen. Sie steht in 2. Tim. 4, 14. Während im 16. Vers dieses Kapitels allen, die Paulus verließen, diese Sünde nicht zugerechnet werden soll, ist der Apostel zwei Verse vorher gewiss, dass Alexander dem Schmied nach seinen Werken vergolten werden soll.
Warum dieser Unterschied?
Äußerlich gesehen ist das einfach zu erklären. Alexander der Schmied sündigte aus vorsätzlicher Bosheit, die Freunde und Brüder des Apostels Paulus dagegen aus Schwachheit und Furcht. Schon das Gesetz macht ja einen Unterschied zwischen absichtlichen und versehentlichen Fehltritten.
Da aber die Schrift vieldeutig und ein »gefülltes Wort« ist, so ist mit dieser Erklärung die Bedeutung dieser Stelle nicht erschöpft. So wie der Schmied keine Gnade erwiesen bekam, sondern Vergeltung empfing, so muss auch der Feind alle Gerichte Gottes durchkosten, wie u. a. in Jes. 26, 10 geschrieben steht: »Wird dem Gesetzlosen Gnade erzeigt, so lernt er nicht Gerechtigkeit …«
Dieser böse Knecht wird nicht eher aus dem Gefängnis herauskommen, bis er auch den letzten Pfennig bezahlt hat (Matth. 5, 26; Luk. 12, 59).
Diejenigen Freunde des Apostels, die aus Schwachheit und Torheit sündigten, durften Gottes vergebende Gnade in Anspruch nehmen, Alexander der Schmied hingegen war ein böswilliger Gegner und Widersacher.
So ist auch der Schmied in Jes. 54, 16, der als herrlicher, gewaltiger Engelfürst geschaffen war (vgl. Hes. 28, 12-16), ein Feind Gottes und wird dafür dereinst ein furchtbares Gericht erleiden müssen (Offb. 20,10). Dass er aber trotz all seines Wütens gegen Gott dessen unbewusster Helfer ist und Ihm dienen muss (Ps. 119, 91: »Alles ist Dir dienstbar«), ist eine anbetungswürdige Wahrheit, die den Gnadenreichtum und die Liebesmacht unsres Vaters in umso hellerem Licht erstrahlen lässt. —
7. Eisen und Erz, dem Jahweh geheiligt
Eisen deutet auf Sünde und Erz auf Gericht. Das sind zwei Dinge, die dem Wesen und Charakter Gottes so fremd sind, dass es von Jahweh heißt, Er verrichte eine fremdartige, d. h. Seiner ureignen Art fremde Arbeit, wenn Er zürnt und richtet (Jes. 28, 21). Und doch sollen auch die ehernen und eisernen Geräte Jahweh heilig sein und zu den Schätzen des Hauses Gottes gebracht werden (Josua 6, 19.24).
Der wunderbare Rettergott, der alles wirkt nach dem Rat Seines Liebeswillens, benützt auch das Eisen der Sünde und das Erz des Gerichtes, um Seine Vollendungsgedanken auszuführen.
Darum lesen wir z. B., dass Christi Füße bei Seiner Wiederkunft zum Gericht glänzendem, wie im Ofen glühendem Kupfer oder Erz gleichen (Offb. 1, 15; 2, 18). Derselbe Heiland, der in Tit. 3, 4 »die Güte und Menschenliebe Gottes« genannt wird, bietet in der Offenbarung einen so gewaltigen, schrecklichen Anblick, dass Sein Lieblingsjünger Johannes wie tot zu Seinen Füßen fällt (1, 17).
Sowohl der in Niedrigkeit auf Erden wandelnde als auch der zum Gericht in Macht und Herrlichkeit wiederkommende Herr führt die mannigfachen Liebesgedanken Gottes durch. Das Eisen der Sünde und das Erz des Gerichtes stehen ebenso in Seinem Dienst wie das Silber der Erlösung und das Gold der Treue oder des Glaubens. Das werden wir einmal auch im Blick auf die Nöte und Irrungen unsres Lebens verstehen lernen.
Weil aber Gott nicht ewiglich rechtet und nicht immerdar ergrimmt sein will, weil ja der Geist und die Seelen darüber verschmachten würden (Jes. 57, 16), so erfährt auch einmal das Eisen der Sünde eine Umwandlung in Silber der Erlösung, und für das Erz des Gerichtes wird Gott das Gold des Glaubens erstatten (Jes. 60, 17).
Es ist ein köstliches, seliges Geheimnis des Glaubens, diese Wunderwege unsres Vaters fassen zu können. Da Gott sie nur offenbarungsmäßig erschließt, ist es Torheit, darüber zu streiten.
So wie der Vorhof, den keines Nichtisraeliten Fuß betreten durfte, einst den Nationen gegeben werden wird (Offb. 11, 2), so wird einmal ganz Israel, von dem ehemals nur der zwölfte Teil, der Stamm Levi, in das Heiligtum gehen und Priesterdienst tun durfte, vollzählig ein Königreich von Priestern sein (2. Mose 19, 6; Jes. 61, 6).
Dieser wunderbare Prozess, zum nächst höheren Grad göttlicher Herrlichkeit erhoben zu werden, wird erst dann ein Ende finden, wenn Gott Seine ganze Lichtes- und Liebesfülle in alle Seine Geschöpfe hineingegossen hat und alles in allen ist (1. Kor. 15, 28).
Silber statt Eisen, Gold statt Erz! Möchte sich diese Verheißung jetzt schon in unserm Leben bewahrheiten zur Ehre Gottes, unseres Vaters!
(Quelle: “Gnade und Herrlichkeit”, 4/2007; Paulus-Verlag, Heilbronn)


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