Prophetie für Israel
Autor: Malessa, Friedrich | Kategorie(n): Das prophetische Wort, Heilsgeschichte, Israel | 766 x gelesenIsrael ist nach der Gemeinde, dem “Leib Christi”, der zweite Heilskörper. Diesem Israel ist “Blindheit widerfahren solange, bis das Vollmaß aus den Nationen (= Leibesgemeinde) eingegangen ist” (Röm. 11, 25.26). Alsdann wird der Heilskörper erneut eingesetzt, damit er in vollkommener Weise seine Aufgaben erfülle.
Der grundsätzliche Unterschied der beiden Heilskörper besteht darin, daß der “Leib Christi” seine Begründung in den himmlischen Regionen hat (Eph. 1, 4) und deshalb auch seine Dienste zur Hauptsache im Himmlischen erhält (1. Kor. 6, 2.3). Der Leib Christi hat, wie sein Haupt, vorgeschichtliche, übergeschichtliche und überdimensionale Verhältnisse. Dagegen ist der zweite Körper das “Weib Christi”, das nach der Brautzeit dem Manne zugeführt und angetraut wird. Israel geht seit seinem Bestehen nach dem göttlichen Vorsatz: “Ich will mich mit dir verloben in Ewigkeit; ich will mich mit dir vertrauen in Gerechtigkeit und Gericht, in Gnade und Barmherzigkeit. Ja, im Glauben will ich mich mit dir verloben und du wirst den Herrn erkennen” (Hosea 2, 21.22). Diese Braut wird dem Bräutigam in der “Reifezeit” zugeführt und wird nach der “Hochzeit” als das Weib Christi seine Dienste in der irdischen Sphäre übernehmen. Darum hat dieser Heilskörper eine irdische Begründung und eine irdische Existenz. Seine Anfänge liegen in der Unheilszeit, in der das Heil Gottes zur Ausführung gelangen soll. Der göttliche Heils-Haushalt erhält eine “Gehilfin”. Der zweite Heilskörper ist in der erfüllten Zeit dem “Manne” angetraut und behält darum die weibliche Art und den Wirkungsplatz, der dem Weibe gebührt.
Wichtig ist es, den Anfang dieses Heilskörpers festzustellen. Er liegt nicht wie bei der Leibesgemeinde “vor Grundlegung der Welt”. Darum hat er mit den “Grundlegungen” nichts zu tun. Der Anfang des zweiten Heilskörpers liegt in der Zeit des ausgereiften Unheils und der Heilsvollführungen. Es ist die Zeit, in der das Heil Gottes in der Welt des Unheils “irdisch ausgeboren” werden muß. Darum hat dieser Körper von Anfang an mit den “Geburten” zu tun und hat darum weibliche und mütterliche Bestimmung. Die Geburtsstunde dieses Körpers liegt in jener göttlichen Beurkundung: “Durch deinen Samen sollen alle Völker auf Erden gesegnet werden” (1. Mos. 22, 18).
Mit Abraham ist Israel gezeugt, und mit Isaak und Jakob geboren (lies alle Schriftstellen, die in Abraham, Isaak und Jakob Israel begründet sehen). Dieses Israel hat als das weibliche Wesen auch den “Messias nach dem Fleisch geboren” (Sach. 9, 9). Und in der Fülle der Zeiten wird dieses Weib, das dann dem Manne angetraut sein wird, die “messianischen Erfüllungen” gebären (Offbg. 12, 5; Sach. 8, 20-23). — Von diesen Heilsvollführungen durch Israel spricht das gesamte prophetische Wort.
Alle Prophezeihungen, die im weltumfassenden Sinne den irdischen Haushalt angehen, meinen Israel. Im Gegensatz zum “Leibe Christi”, der im irdischen Heilshaushalt nur für seine eigene Auferbauung Sorge zu tragen hat (Eph. 4, 11.12), ist das “Weib Christi” mit den irdischen Heilsaufgaben betraut, in die alle Nationen, d. h. alle Menschen einbezogen werden. “Alle Heiden (= Nationen) werden kommen und anbeten vor Dir” (Offbg. 15, 4).
Allerdings beginnt diese umfassende Heilsvollführung durch Israel erst nach der Hochzeit. Genau vor der Hochzeit ist die “bräutliche Besinnung und Buße”, die da eingeleitet wird durch die zwei Zeugen, die 144.000 Versiegelten und das Sonnenweib. Darauf kommen wir noch zu sprechen.
In der gesamten Zeit vor der Hochzeit ist Israel im Brautverhältnis. Die ganze Brautzeit ist freilich sehr bunt. Ungeheure Irrungen und Verwirrungen hat sich die Braut zuschulden kommen lassen. Der Verlobte hat das Verlöbnis, wie Hosea weissagt, mit viel Gnade und Barmherzigkeit halten müssen. Die Verlobte dagegen ist unzählige Male untreu geworden. Paulus sagt: “Blindheit ist Israel widerfahren” (Röm. 11, 25).
Nicht nur Blindheit kennzeichnet ihre Brautzeit, sondern auch, wie das ganze prophetische Wort offen bekundet, eine entsetzliche Hurerei (Offbg. 17)! Dieses entartete Wesen geht soweit, daß das prophetische Wort ganz unverblümt feststellen muß: “Die Hure reitet auf dem Tier”. Damit ist die Tatsache angezeigt, daß Israel in dem Hurenwesen der aktive Partner ist. — Welche Geduld der Bräutigam hier hatte und noch haben muß, ist nicht auszudenken. Wahrhaftig, solche Geduld bringt nur der himmlische Bräutigam auf.
Tatsache ist, daß die Braut nur in der ersten Zeit sich keusch gehalten hat. Und selbst da ließ ihre Haltung zu wünschen übrig. Bald aber fing sie an zu “buhlen mit dem Tier”. Man denke an die Ägyptenzeit. Und als am heiligen Berge Sinai der Braut die “Ehevorschriften” ausgehändigt wurden, da hat sie in erschreckender Weise die Neigung zum Tier gezeigt, indem sie um das goldene Kalb tanzte. Der Hang zum Tier ging soweit, daß der Bräutigam seine Braut förmlich aufgeben mußte. — Man denke an die unzähligen Aussagen des prophetischen Wortes über die schamlose Untreue des Volkes Israel (Jer. 31, 21.22; Amos 5, 2; Hes. 16, 35; Hos. 2, 6-9; 5, 3). — Diese Braut, die immer wieder gemahnt und an ihre Treue erinnert wurde, vergißt sich soweit, daß sie nach Daniel 9, 27 mit dem Tier einen “festen Bund”, d. h. einen Huren-Ehe-Bund schließt. — Die Verirrung der Braut kann nicht mehr überboten werden.
Aber der Bräutigam bleibt Seinem Vorsatz treu. “Gottes Gaben und Berufung können Ihn nicht gereuen” (Röm. 11, 29). Er bringt Seine Braut zurecht. Für die Zurechtbringung wendet Er allerdings Methoden an, die uns staunen lassen. Gerichtsmethoden sind es, die Hosea schon angedeutet hat mit den Worten: “Ich will Mich mit dir vertrauen in Gerechtigkeit und Gericht.” Diese Gerichtsmethoden sind nicht im Sinne des Hinrichtens, sondern des Herrichtens. Diese Tatsache wird vom prophetischen Wort immer wieder bezeugt, z. B.: “Dies Volk habe Ich Mir zugerichtet; es soll Meinen Ruhm erzählen” (Jes. 43, 21). “Fürchte dich nicht, Mein Knecht Jakob, und du Jesurun, den Ich erwählt habe. Denn Ich will Wasser gießen auf das Durstige und Ströme auf das Dürre; Ich will Meinen Geist auf deinen Samen gießen und Meinen Segen auf deine Nachkommen” (Jes. 44, 2.3).
In der Zeit des Richtens wird dieses entartete Israel, das sein Wesen unter allen Nationen hat, zum Teil gesammelt sein. Diese Sammlung im gelobten Lande hat zunächst nur anbahnende Bedeutung. Aber diese Anbahnung ist notwendig. Israel muß für die letzte Zurechtbringung mit dem bußfähigen Teil an Ort und Stelle sein. Und dann kann die Neuordnung des Brautverhältnisses beginnen.
Wie geht das vor sich? In der Zeit der höchsten Verirrung, d. h. am Anfang der “Huren-Ehe” (Dan. 9, 27) treten zwei Zeugen auf, die in einzigartiger und wunderbarer Weise Zeugnis ablegen werden von dem treuen und unabänderlichen Willen des Bräutigams. Dieses Zeugnis wird gleichzeitig die Braut zur Buße aufrufen (Offbg. 11, 3ff.).
Das legitimierte Zeugnis wird gewaltige Erfolge haben. Die Versiegelung der 144.000 gehört sehr wahrscheinlich dazu. Ein weiterer Erfolg wird das “Sonnenweib” sein, das nach der Geburt des Knäbleins an die Bewahrungsstätte in die Wüste fliehen muß (Offbg. 12, 1-6).
Dieser Buß- und Bekehrungserfolg der Braut wird allerdings noch eine erschreckende Kehrseite haben. Das Tier, das mit dem Hurenweib den (Ehe)Bund geschlossen hat, wird sich betrogen sehen. Mitten in der Jahrwoche wird der hurerische Ehepartner das Weib insgesamt zur Rechenschaft ziehen. Mörderische Schläge werden ausgeteilt. Die Hauptverantwortlichen beziehen die Schläge selbstverständlich zuerst. Die zwei Zeugen werden getötet. Sie werden jedoch schon am dritten Tage auferstehen und werden dann erst recht Zeugen sein! Die nächsten sind die “Erstlinge, die erkauft sind aus den Menschen”. Einbegriffen ist auch das Sonnenweib, das zufolge des erbarmungslosen und unmenschlichen Zupackens in die Wüste flieht, um dort in den 1260 Drangsalstagen bewahrt zu bleiben. Die “übrigen desselben Geschlechts” werden “gefressen und verbrannt”. Über alle Juden werden nie dagewesenen Trübsale hereinbrechen. — Das sind die Trübsale über Israel, wie sie ausgiebig von allen Propheten beschrieben werden und auch Jesus auf dieselben hinweist (Matth. 24, 15).
Nachdem aber das bußfertige Weib — soweit es in den ungeheuren Trübsalen bußfertig geworden ist — sich auf den eigentlichen Brautstand besonnen hat, wird es in heißer Sehnsucht dem Bräutigam entgegengehen, der nunmehr zur Hochzeit erscheint (Offbg. 19, 6.7). — Siehe auch das Gleichnis von den 10 Jungfrauen.
Die Erscheinung (= Epiphanie, Luther: Wiederkunft) des Bräutigams ist die sichtbare Erscheinung, da “Seine Füße werden stehen auf dem Ölberg” (Sach. 14, 4 usw.). Sie hat es mit der Hochzeit des Weibes, also mit Israel zu tun. Anders ist es mit der Parusie (Luther: Zukunft Jesu Christi), die nur für den “Leib Christi” in Frage kommt. In der Parusie kommt das Haupt dem Leibe entgegen und holt ihn durch den “Posaunenruf Ihm entgegen in die Luft” (1. Thess. 4, 13-17). Zeitlich gesehen liegt die Parusie genau vor der “Hurenehe”. Dagegen die Epiphanie ist zur “Abrechnung der Hurenehe”. Beide Ereignisse haben einen zeitlichen Unterschied von einer Jahrwoche. — Das ist die Jahrwoche des von der Hure berittenen Tieres, d. h. des Antichristen.
Nach der Hochzeit beginnt der eintausendjährige Heils-Haushalt, der den ganzen Kosmos neu gestalten wird (lies Jesaja 11). Offensichtlich wird in dem erneuerten irdischen Haushalt für die Ordnungsdienste das Weib bestellt sein. Es ist auf Erden die Heilsträgerin. Alle “Kinder” des Weibes werden ihm behilflich sein. Aber das Weib ist und bleibt in diesem Haushalt die verantwortliche und maßgebende Person. — Das ganze prophetische Wort sieht im Wirkungszentrum des Heilszeitalters nur Israel!
Weil das Weib in dem erneuerten Haushalt die ausschlaggebende Person ist, darum wird sich am Ende dieses Äons der dann losgelassene Widersacher sofort auf sie stürzen (Offbg. 20). Mit den irdischen Werkzeugen Gog und Magog wird er das Weib endgültig zu vernichten suchen. Dieses Weib, das ihm vor 1000 Jahren in der Hurenehe untreu geworden und damit seine Existenz untergraben hat, soll ihm nunmehr alles verantworten, was es in der Zwischenzeit gegen ihn unternommen hat. Wie schwer das Weib da noch betroffen wird, ist nicht gesagt. Erwähnt wird aber ein erneuter ungeheurer Abfall, “welcher ist wie der Sand am Meer”. Daß dieses rätselhafte Geschehen auch die für diesen Äon verantwortliche Person irgendwie berühren wird, kann man sich denken. Doch der “Mann” kommt ihm zur Hilfe und gibt dem alten Widersacher den Todesstoß.
Mit dem Endgericht — auch “jüngster Tag” genannt, der den 1000jährigen Äon beschließt — ist des Weibes Aufgabe nicht beendet. Der Heilshaushalt geht weiter, wenn auch unter ganz neuen Verhältnissen. Die neuen Verhältnisse sind gekennzeichnet mit den Worten: Neuer Himmel und neue Erde. Der “Umzug” von der erneuerten alten Erde auf die völlig neue Erde ist inzwischen erfolgt. Doch auch dieser Tatbestand ändert an den bisherigen Heilsaufgaben und Heilsvollführungen nichts. Denn auch auf der neuen Erde wird “Israel bereitet als eine geschmückte Braut dem Mann” (Offbg. 21, 22-27). — Die Heils-Haushaltsdienste gehen weiter. “Die Heiden, die da selig werden”, erhalten dazu die Möglichkeit.
Aber auch da bleiben die Dienstobliegenheiten und die Dienstbezirke getrennt und verschieden, wie sie mit den Ausdrücken “Himmel und Erde” differenziert angedeutet sind. Der “Leib Christi” behält die himmlischen Dienste mit der Kennzeichnung: Richten (= Herrichten), und das “Weib Christi” führt die irdischen Dienste aus mit der Bezeichnung: Regieren (= Verwalten). Bestimmende (= männliche) und vollführende (= weibliche) Dienste bleiben für die weiteren Äonen gesondert bestehen.
Doch auch diese Äonen sind noch nicht das Ende, sondern gleichfalls Heils-Haushaltungen mit der Bestimmung der Heils-Vollführung bis hin zur Heils-Vollendung. Diese Heils-Vollführungen und Heils-Vollendung deutet Paulus ganz klar in 1. Kor. 15, 24-28 an. Erst nach der Heils-Vollendung, oder richtiger gesagt: in der Heils-Vollendung beginnt der “Haushalt des Vaters”.
Ob dieser unendliche Haushalt des Vaters noch graduelle Unterschiede haben wird, ist nicht gesagt und ist wohl auch nicht wahrscheinlich. Die Worte: “ER alles in allem” deuten die völlige Einheit und Gleichheit an, die wir heute noch nicht fassen können. “Meine Lieben, wir sind nun Gottes Kinder; und es ist noch nicht erschienen, was wir sein werden. Wir wissen aber, wenn es erscheinen wird, daß wir Ihm gleich sein werden; denn wir werden Ihn sehen wie Er ist” (1. Joh. 3, 2).
Bislang sind aber die Heils-Haushaltungen himmlischer und irdischer Art und werden von den himmlischen und irdischen Heilsträgern bedient und betreut. Der “Mann” hat den universalen und dimensionalen Dienstbereich und hat darum die bestimmende Dienstweise. Das “Weib” hat den lokalen Dienstbezirk und hat die ausführende Dienstweise. Mit anderen Worten: Der Mann hat die zeugende (= schöpferische), das Weib die gebärende (= darstellende) Weise. Beide Weisen sind grundverschieden und doch aufeinander angewiesen. Bei aller Verschiedenheit bilden beide Körper “ein Fleisch”! — Der natürliche Ehestand ist hierfür ein Beispiel, richtiger gesagt: Vor-Bild.
Das Weib bleibt trotz seiner Unterordnung unentbehrlich für die Fülle-Lebens-Ordnung. Auch das Weib geht unter der prophetischen Weisung: “ewig”! Israel ist “erwählt auf ewig” (lies Hesekiel 16, 60 und andere Stellen)!
Und wenn diese “ewigen Dinge” in den Heils-Äonen vollführt sein werden, dann wird bei den Vollführungsdiensten in der irdischen Sphäre das Weib am Schaffen gewesen sein. Zweifelsohne hat Israel einen gewaltigen Heilsauftrag auf der alten und auf der neuen Erde. Dieser israelitische Heilsauftrag ist gegenwärtig im Übergang von der Anbahnung zur Vollführung. Mit der Hochzeit beginnen die Heilszeitalter der Vollführung.
Zur genauen Kennzeichnung sei am Schluß nochmals gesagt, daß die Vollführung von der Vollendung unterschieden werden muß. Die Heilsvollführungen laufen, “bis daß der Sohn Selbst untertan sein wird dem, der Ihm alles untergetan hat.” Wenn aber dann der “Vater sein wird alles in allem und allen”, dann ist angebrochen — nicht mehr die “Zeit”, denn von Zeiten kann da nicht die Rede sein, — sondern es ist dann angebrochen der “Haushalt des Vaters”, der keine Veränderung mehr erfahren kann. Der Vater bleibt mit allem, was Ihm wesengleich geworden ist, unwandelbar. Zu dieser Vollendung hin eilen wir!
[Prophetie für die Gemeinde Jesu Christi | Prophetie für Israel | Prophetie für die Nationen]
(Quelle: “Gnade und Herrlichkeit”, 3/1955; Paulus-Verlag, Heilbronn)


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