Göttliche Unmöglichkeiten
Autor: Heller, Adolf | Kategorie(n): Erkenntnis & Wesen Gottes, Glaubensleben & Wandel, Lehre | 528 x gelesenGott vermag alles; ist Er doch der Allmächtige und der Allwissende, der Allgegenwärtige und der All-Liebende. Aber nicht nur Ihm, auch den Glaubenden sind alle Dinge möglich (Mark. 9, 23).
Hierbei wollen wir jedoch bedenken, daß der Glaube nicht eine Sache unsrer zügellosen Fantasie oder unsres hochmütigen und gierigen Eigenwillens ist, sondern im eigentlichen Sinn immer Gehorsam des Glaubens bedeutet.
In Matth. 17, 20 bezeugt der Herr seinen Jüngern: “Nichts wird euch unmöglich sein” und fügt die überaus wichtige, leider so wenig beachtete Ergänzung hinzu: “Diese Art aber fährt nicht aus, als nur durch Gebet und Fasten.” Es handelt sich im Zusammenhang um Vollmacht über Finsternisgewalten. Die Schrift kennt nämlich verschiedene Arten von Dämonen. Die einen müssen schon einem Gebetswort weichen, während andre nur durch Gebet und Fasten ausfahren.
Es gibt viele treue Brüder, die über solche Worte die Achsel zucken und meinen: “Das geht uns nichts an, das gilt für Israel, das ist Königreichslinie! Wir aber als der Körper Christi haben damit nichts zu tun.”
So richtig und wichtig auf der einen Seite die klare Unterscheidung zwischen den Israel gegebenen, klaren Verheißungen und den Zusagen für die Gemeinde des Leibes Christi sind, so wollen wir doch andererseits nicht vergessen, daß “alles unser ist” (1. Kor. 3, 21-23), und wir so, wenn auch vorerst nur geistlicherweise, auch das besitzen und genießen dürfen, was im Vollumfang später einmal Israel für seine Herrschaft über die Erde gehört. —
Obgleich nun Gott alle Dinge möglich sind, so gibt es doch auch für Ihn gewisse Unmöglichkeiten. Die Schrift nennt ihrer nicht weniger als 84. Davon finden wir 14 in den Paulusbriefen, 3 in dem Schreiben an die Hebräer und 2 in den Episteln des Petrus. Wir wollen, sonderlich aus den Evangelien, eine Reihe wichtiger Schriftzusammenhänge betrachten, die solche Unmöglichkeiten nennen, die für unser persönliches Glaubensleben und für unsern Dienst in Lehre und Ermunterung wichtig und köstlich sind.
Der eine Unmöglichkeit bezeichnende Ausdruck “ou mä” ist eigentlich eine doppelte, also eine verstärkte Verneinung und bedeutet soviel wie “niemals”, “auf keinen Fall” oder “überhaupt nicht”. Das will sagen, daß es von der vorliegenden Aussage keine Ausnahme gibt. Wenn wir ein verstärktes und bekräftigtes Zeugnis eines ehrlichen Menschen glauben, wieviel mehr sollten wir dann auf das achten und mit dem rechnen, was Gott um Seiner Wichtigkeit willen betont uns ernstlich darlegt und als Zeugnis anvertraut! —
Die Unverbrüchlichkeit des Gesetzes und des Wortes Gottes
In Matth. 5, 18 und 24, 35 bezeugt der Herr: “Wahrlich, ich sage euch, bis der Himmel und die Erde vergehen, soll auch nicht ein Jota oder ein Strichlein von dem Gesetz vergehen, bis alles geschehen ist … Der Himmel und die Erde werden vergehen, Meine Worte aber sollen nicht vergehen.” Mit dem Eidschwur wahrlich oder amen erhärtet Jesus Seine Aussage, daß auf keinen Fall ein Jota, der kleinste Buchstabe der hebräischen Quadratschrift, oder ein Strichlein (keraia = Häkchen) vergehen soll, ehe nicht auch der Himmel und die Erde vergehen. In dem zweiten Zeugnis sagt der Herr, daß Seine Worte keineswegs vergehen, auch dann nicht, wenn Himmel und Erde aufhören zu sein.
Haben wir es hier nicht wieder mit einem der berühmten “Widersprüche der Bibel” zu tun, die der Unglaube und Halbglaube uns so überlegen und eilfertig unter die Nase reiben? Wer Gottes Wort nur oberflächlich und mit dem trüben Licht seiner Vernunft liest, der wird über solche Dinge stolpern und sich über manche Ecken und Kanten der heiligen Schriften ärgern.
So auch hier. Im ersten Zusammenhang (5, 18) ist die Rede vom Gesetz. Nomos bezeichnet gesetzlich verankerte Regeln und Rechtsordnungen und bezieht sich auf das mosaische Gesetz und auf das Füllegesetz im messianischen Reich. Wenn Himmel und Erde vergehen, dann wird auch das den Bestand der jetzigen Erde und der jetzigen Himmel sichernde Gesetz keine Gültigkeit mehr haben. Es gehört ja zu den Dingen, die hinweggetan werden sollen (2. Kor. 3, 11)!
Ganz anders ist es mit dem zweiten Zeugnis! Da ist nicht von dem nomos die Rede, sondern von dem logos. Im tiefsten und eigentlichen Grunde ist aber der logos der Herr selbst. Auf den nomos trifft das jedoch nicht zu!
Logos kommt von lego. Das aber bedeutet: etwas Zerstreutes und schwer Faßbares so ordnen und harmonisch zusammenfügen, daß man es ergreifen und begreifen kann. So ist der Herr als der logos der große Sinngeber und Zurechtbringer einer sich in Disharmonie und Unordnung befindlichen Schöpfung.
Das Gesetz wird in der Zeit, für die es Gültigkeit hat, keineswegs vergehen. Der große, wunderbare logos Gottes jedoch, Christus wird nie und nimmer ein Ende haben, auch dann nicht, wenn Himmel und Erde von den Feuergluten der Gerichte verzehrt sein werden. —
Was Gott zusagt, das hält Er gewiß. Er, der alles vermag, kann im letzten und tiefsten Grunde nur eines nicht: Er kann nicht lügen. “Es ist unmöglich, daß Gott lügen sollte” (Hebr. 6, 18). “Der Gott, der nicht lügen kann”, hat das ewige Leben verheißen (Tit. 1, 2). Und dazu hat der Vater dem Sohne alles gegeben, damit dieser allem ewiges Leben verleihe (Joh. 17, 2).
Möchten wir doch lernen, gleich Abraham Gott dadurch zu verherrlichen, daß wir die volle Gewißheit haben, daß Er das, was Er verheißen hat, auch wirklich zu tun vermag (Röm. 4, 20b.21)!
Wer zu Jesus kommt …
Wenn wir von Herzen glauben, daß Gott nicht lügen kann und daß Sein Sohn der große Ja und Amen, der fleischgewordene und verherrlichte Eidschwur aller Seiner Verheißungen und Zusagen ist, dann leuchtet uns auch ein schlichtes, aber wunderbares Wort auf, das schon ungezählten Menschen zur festen, frohen Gewißheit ihres Heils verholfen hat. Es steht in Joh. 6, 37 und lautet: “Alles, was Mir der Vater gibt, wird zu Mir kommen, und wer zu Mir kommt, den werde Ich auf keinen Fall hinausstoßen.”
Alles, was der Vater dem Sohn gibt, wird einmal zu Ihm kommen. Was aber gibt der Vater dem Sohn? Statt vieler direkter biblischer Antworten und ungezählter prophetischer und symbolischer Hinweise möge uns nur ein kurzes Wort lebendig werden: Matth. 11, 27a. Dort frohlockt (vgl. Vers 23) der Herr: “Alles ist Mir übergeben (oder ausgeliefert) von Meinem Vater.” Wer das nicht glauben kann oder will, der macht den Sohn Gottes zum Lügner. Gewaltige, köstliche Zeugnisse aus den paulinischen Füllebriefen bestätigen und erhärten diese Aussage. Wir erinnern nur an den Schluß von Eph. 1 oder an Kol. 1, 16-20.
Nun sagt Jesus, daß alles, was Ihm der Vater gibt, zu Ihm kommen wird. Wann das geschieht, ob in diesem oder den kommenden Ewigkeiten (Äonen), und wie sich das vollzieht, ob durch Gnade oder Gericht, davon ist hier keine Rede. Es gibt ja nicht nur einen, sondern viele “Ausgänge vom Tode” (Ps. 68, 20), wie es ja auch verschiedene Tode gibt (den geistlichen, leiblichen und äonischen oder ewigen Tod). Wer seine Bibel wirklich liest, weiß das.
Wer aber trotzdem meint, es werden nicht alle zum Herrn kommen, sondern entweder endlos und ziellos gequält oder in nichts aufgelöst und somit völlig ausgelöscht werden, der möge doch einmal solche Worte wie das obige bedenken! Wenn der Vater dem Sohn alles übergeben hat, und wenn dann zuletzt doch nicht alle, und sei es auch erst nach Zeitaltern (Äonen oder Ewigkeiten) der Pein und Qual, zum Herrn Jesus kommen, dann hat sich der Herr getäuscht oder ist — ich wage kaum, das niederzuschreiben! — ein Betrüger und Meineidiger! —
Der erste Teil des Verses 37 von Joh. 6 ist ein gewaltiges Lehrwort. Die zweite Hälfte dagegen ist ein köstliches Werbewort der Gnade: “Wer zu Mir kommt, den werde Ich keineswegs hinausstoßen!” Wieviele Menschen, zerrissene, verbitterte, von Welt und Sünde und dem eigenen Ich enttäuschte Geplagte und Gequälte, haben es schon gewagt, auf Grund dieser Zusage ihr Leben voll Schuld und Grauen, Fluch und Not dem Herrn zu übergeben und durften das Wunder völliger Erlösung erfahren!
Wer die selige Wahrheit dieser Christusverheißung erlebt hat, wird nicht versuchen, Sünder mit Drohungen endloser Höllenqualen in die Gnadenarme Gottes zu peitschen. Die Erfahrung lehrt, daß solche seelischen Angstbekehrungen nicht nur keine wirkliche Geistesfrucht erzielen, sondern, psychologisch gesehen, mehr schaden als nützen. Daß Gott auch daraus zu Seiner Zeit und auf Seine Weise etwas Echtes und Bleibendes gestalten kann und wird, ist eine andere Frage, die hier nicht erörtert werden soll.
Die Verkündigung der Liebe Gottes in Christo Jesu überwindet uns viel stärker und tiefer als alles Ausmalen von Feuergluten, die uns immerdar peinigen sollen wenn wir uns nicht bekehren.
Die bewußte Lebenshingabe an den Herrn ist ganz gewiß mit inneren Zerbrüchen, Ängsten und Demütigungen verbunden. Aber zuletzt und zutiefst ist sie doch etwas Seliges, Lösendes und unsagbar Beglückendes. “Keineswegs” wird der Herr irgendjemanden hinausstoßen, der zu Ihm kommt. Der da lockt und wirbt: “Kommet her zu Mir alle, die ihr mühselig und beladen seid, Ich will euch erquicken!”, wird “auf keinen Fall” einen Sünder zurückweisen, sondern ihn voll Freude auf- und annehmen. Denken wir nur an den verlorenen Sohn, das verlorene Schaf und den verlorenen Groschen, um zu ahnen, daß sich das Heil Gottes auf alle Verlorenen und alles Verlorene bezieht.
Welch eine Botschaft! Welch ein wunderbares “unmöglich” hinsichtlich einer vielleicht befürchteten Abweisung eines Sünders, der zu Jesus kommt! Wie sollte da unser Herz nicht brennen in heiliger Freude und Weihe, um vielen Menschen zu diesem wichtigen Schritt zu verhelfen? Möge der Herr uns hierzu ausrüsten und segnen, dich und mich und alle, die in Wahrheit Sein Eigentum sind!
Vom Nichtzurechnen der Sünde
Betrachten wir ein drittes Unmöglich! Wir lesen es in 4, 8: “Glückselig der Mann, dem der Herr Sünde ganz gewiß nicht zurechnet!” Hier haben wir es mit einer Seligpreisung aus dem 32. Psalm zu tun, die dort, genau übersetzt, so lautet: “O der großen Glückseligkeit (oder: O der Glückseligkeiten) des Mannes (eigentlich: Adams), dem Jehova die Ungerechtigkeit nicht zurechnet!”
Wer sich im Glauben, d. h. ohne Falsch im Geiste (vgl. Ps. 32, 2b) auf das Erlösungswerk Christi stützt, dem rechnet Gott seine Sünde “auf keinen Fall” oder “ganz gewiß nicht” zu. Das sagt klar der 5. Vers in unserm Römerkapitel: “Dem, der nicht Werke tut, sondern an den glaubt, der den Gottlosen rechtfertigt, wird sein Glaube zur Gerechtigkeit gerechnet.” Die gleiche Glückseligkeit ob der Tatsache, daß Gott den Glaubenden ihre Sünde keineswegs zurechnet, war schon der Gegenstand der Freude Davids. Lesen wir in Römer 4 die Verse 3-8, die diese alleinige Grundlage unsres Heils unabdingbar darlegen.
Die Botschaft des Kreuzes kann nur den mit überströmender Kraft und Freude erfüllen, der unter der Tiefe seines völligen Verderbens gelitten und die erschütternde Tatsache eingesehen hat, daß ihn nichts und niemand, am wenigsten aber er sich selber, retten kann. Weil aber das Wesen der Sünde meist so oberflächlich und kulturselig geschaut und das Übertreten des heiligen Gotteswillens so verharmlost wird, darum gibt es so selten wirklich durchschlagende Bekehrungen, die zu einer unumstößlichen Gewißheit und unüberbietbaren Freude des Heiles führen.
David war ein Mörder und Ehebrecher, und Paulus war nach seinem eignen Zeugnis der “erstrangigste Sünder”. Und wie waren diese beiden Männer durch ihren Glauben überglücklich geworden! David wurde, als er in heiliger Freude vor der Bundeslade tanzte, von seiner eignen Frau für unnüchtern gehalten und geschmäht, und Paulus mußte sich sagen lassen, er “rase”, sei verrückt oder wahnsinnig (2. Sam. 6, 14-22; Apg. 26, 24). Würden David und Paulus in der heutigen “Christenheit” aller Prägungen ihr Zeugnis ablegen, sie wären als Schwärmer völlig unmöglich und in kürzester Zeit zum Schweigen gebracht. Daran besteht für jeden, der nur ein wenig die Kirchengeschichte der Vergangenheit und Gegenwart geistlich zu beurteilen versteht, nicht der leiseste Zweifel.
Wer nie für einen überspannten Menschen, für einen Schwärmer oder Fanatiker gehalten wurde, wem es gelang, ohne Anstoß zu erregen, sich nach allen Seiten zu sichern und bei den Frommen, Halbfrommen und Gottlosen als ordentlicher, braver Zeitgenosse und Staatsbürger zu gelten, dem gelten ganz gewiß die ernsten Herrenworte: “Wehe, wenn alle Menschen wohl von euch reden! Desgleichen taten ihre Väter den falschen Propheten! … Ach, daß du kalt oder warm wärest! Weil du lau bist und weder kalt noch warm, so werde Ich dich ausspeien aus Meinem Munde!” (Luk. 6, 26; Offbg. 3, 15b.16).
Die Botschaft, daß wir, um errettet zu sein, nichts zu tun haben, als das vollbrachte Opfer am Kreuze glaubend zu ergreifen, ist jedem nur moralischen Menschen ein Dorn im Auge. Er haßt diese Freudenkunde und pocht auf seine Frömmigkeit. Eine christliche Frau meines Bekanntenkreises, die einmal etwas läuten hörte, Gott werde dereinst mit allen Sündern zu Seinem Heilsziel kommen, regte sich darüber furchtbar auf und zeterte: “Nein, das gibt es nicht! Ich habe Jahrzehnte hindurch weder getanzt noch geraucht, bin weder ins Theater noch ins Kino gegangen, sondern habe immer treu die Stunden besucht und auch daheim in der Bibel gelesen, und nun sollen solche, die das alles nicht getan, sondern das Leben genossen haben, auch in den Himmel kommen? Nein, das gibt es nicht, das darf nicht sein!”
Hier erkennen wir die Hauptwurzel der Ablehnung des Fülleheils, das einmal allen gegeben werden wird: man hat nie die ganze Tiefe des eignen Verlorenseins erkannt und nur eine moralische Bekehrung erlebt, die als Eintrittskarte für “den Himmel” ausreicht. Von der Glückseligkeit, wie sie ein David erlebte und wie sie einen Paulus erfüllte, weiß man nichts und will man nichts wissen, weil ja dann die eigne Frömmigkeit nicht mehr im Mittelpunkt steht und anerkannt und belohnt wird!
Das Nichtzurechnen der Sünde und das Zurechnen der Gerechtigkeit Gottes und Christi, wie sie Römer 4 darlegt, sollte von solchen lieben Erweckten gründlich studiert und durchbetet werden. Dann würde ihnen geholfen werden und sie brauchten nicht mehr wie der brave, daheimgebliebene ältere Bruder von Lukas 15 gekränkt zu sein, daß wegen eines heimgekehrten “Lumpen vom Träbertrog der Säue” soviel Aufhebens und Wesens gemacht wird. — Weißt du etwas von dieser tiefen, dich durch dein ganzes Leben begleitenden, alle Not überleuchtenden, dein Herz immer wieder mit Freude füllenden Glückseligkeit von Römer 4, 8?
Wieviel ungezählte Male habe ich es erleben dürfen, daß Menschen den doppelten Christusschwur von Joh. 5, 24 faßten: “Wahrlich, wahrlich, Ich sage euch: Wer Mein Wort hört und glaubt dem, der Mich gesandt hat, hat das ewige Leben und kommt nicht ins Gericht, sondern er ist aus dem Tode ins Leben übergegangen.”
Wie oft fragte ich Heilssuchende in der Sprechstunde: “Haben Sie das Wort Gottes gehört? Glauben Sie dem Vater, der Seinen Sohn für uns gesandt hat?” Und wenn ich dann eine aufrichtige bejahende Antwort bekam, fragte ich weiter: “Kommen Sie ins Gericht?” Die wenigsten wagten es, beim erstenmal gleich ein freudiges “Nein” zu sagen, sondern zögerten und erschraken ob der Kühnheit einer solchen Fragestellung. Wenn wir dann aber Joh. 5, 24 zwei-, drei-, viermal miteinander gelesen und durchgesprochen hatten, dann brach es, bei den einen zweifelnd und langsam, bei den andern plötzlich und überwältigend durch: “Ja, weil Christus für mich im Gericht war, weil Er die Sünde der Welt, also auch meine Sünde getragen hat, darum komme ich nicht mehr ins Gericht!”
Aber wehe uns, wenn wir Suchenden, Erweckten oder nur religiös Interessierten, solche Erkenntnisse (die ja für sie nur Dogmen und tote Katechismuslehren sind!) suggerieren — auf gut deutsch: aufschwätzen — wollen! Wir würden damit sie und uns betrügen.
Wo aber Gott die Dynamik Seines Wortes durch Seinen Geist wirken läßt, da bricht die Herrlichkeit des Wortes: “O der Glückseligkeiten dessen, dem der Herr die Sünde keinesfalls zurechnet!” erneuernd und beseligend in ein Menschenleben.
Welch eine wunderbare göttliche Unmöglichkeit, einem Menschen, der an Jesus glaubt, seine Sünde zuzurechnen! —
Sichere Rettung vor dem Gericht
Es gibt verschiedene Gerichte Gottes. Für die, die glauben, d. h. die im Sinne der Schrift in Christo Jesu sind, gibt es kein Verdammungsgericht. Das lesen wir in Rö. 8, 1. Das Verdammungsurteil trug der Herr für uns und alle, als Er zur Sünde gemacht und vom Vater verlassen wurde. Zugerechnet wird dieses stellvertretende Gericht aber nur denen, die da glauben, d. h. sich selbst verurteilen, Christus im Gehorsam als Retter und Herrn ergreifen und sich Ihm willig weihen.
Etwas anderes ist es um das Enthüllungs- oder Offenbarungsgericht, durch das jeder Mensch, zu welcher Heilskörperschaft er auch gehören mag, hindurch muß. Schreibt doch Paulus in 2. Kor. 5, 10: “Wir müssen alle vor der Preisrichterbühne des Christus enthüllt werden, auf daß ein jeder empfange, was er im Leibe getan hat, es sei gut oder böse.” Daß das eine überaus ernste Angelegenheit ist, die zwar nicht in Tod und Verdammnis führen kann, es aber doch mit Scham, Furcht und Schrecken zu tun hat, ersehen wir aus dem nächsten, dem 11. Vers.
Die Errettung der Gläubigen, auch der fruchtleer gebliebenen Gläubigen, deren Lebenswerk verbrennt, kann nicht angetastet werden, auch wenn sie durchs Feuer errettet werden (1. Kor. 3, 15). Das bedeutet zwar nicht Tod und Verdammnis, aber “Schaden”, wie unser Wort sagt.
Dieses Offenbarungsgericht vor dem Richtstuhl Christi ist ein Lohngericht (1. Kor. 3, 8) oder Lobgericht (1. Kor. 4, 5) oder Kronengericht (1. Kor. 9, 24-27). Vor dem bäma Christi werden nur Gläubige stehen, deren Lebenswerk und Glaubensfrucht enthüllt werden. Der Lohn wird sehr verschieden sein, aber verdammt wird dort niemand.
Ganz anderer Art sind die Gerichte, die Israel, die Nationen und die Lichts- und Finsterniswelten betreffen. Wir wollen sie hier nicht im einzelnen aufzählen. Nur eine allgemein gültige, wichtige Wahrheit soll hier bezeugt werden: die Menschen werden mit dem Gericht gerichtet werden, mit dem sie andere richteten. Die Maßstäbe, die wir an andre legten, werden auch an uns gelegt werden.
So lesen wir z. B. in Luk. 6, 37: Richtet nicht, und ihr werdet unter keinen Umständen gerichtet werden; verurteilet nicht, und ihr werdet unter keinen Umständen verurteilt werden. Sprechet frei, und ihr werdet selber freigesprochen werden.” Hier wird ein ganz einfacher, allen verständlicher Weg gezeigt, wie ein Geschöpf dem Gericht Gottes zu entrinnen vermag.
Aber nichts liegt dem natürlichen Menschen so sehr, als über andre zu reden und zu richten, sie zu schmähen und zu verwerfen. Nur wer sich selbst im untrüglichen Lichte Gottes kennen und verabscheuen lernte, hört auf, andre abzulehnen und zu verurteilen. Dadurch aber wird er selber aufnahmefähig für das Evangelium.
Worin man einen andern richtet, verdammt man sich selbst (Röm. 2, 1). Denn genau die gleichen Anlagen, Neigungen und Fähigkeiten zum Bösen sind ja auch in uns. Daß sie bei uns nicht oder nicht in dem Maße wie bei andern ausbrechen und bittere, ekelhafte Früchte tragen wie etwa bei einem Mörder oder Sittlichkeitsverbrecher, das liegt wirklich nicht an uns, sondern ist unverdiente Gnade und Güte Gottes. Wer das nicht erkennt, täuscht sich sehr!
Wer um Christi willen gehaßt und hinausgetan, geschmäht und verworfen wird, ist höchster Glückseligkeit teilhaftig. Sein Lohn wird groß sein in den Himmeln. Das lesen wir in Luk. 6, 22.23a, wo der Herr sagt: “Glückselig seid ihr, wenn die Menschen euch hassen werden und wenn sie euch absondern und schmähen und euern Namen als böse verwerfen werden um des Sohnes des Menschen willen; freuet euch …, denn euer Lohn ist groß in den Himmeln!”
So bedeutet also das Richten andrer eine ungeheure Gefahr: man wird dereinst mit den gleichen Maßstäben und in derselben Strenge gerichtet, mit der man über andre geurteilt und sie verdammt hat. Andrerseits wirkt es heilige Glückseligkeit aus, wenn man schweigend, liebend und segnend das Verurteilt- und Verfolgtwerden durch seine Feinde in Christi Kraft zur Ehre Gottes ertragen lernt.
Laßt uns nie vergessen, daß immer der Fleischgeborene den Geistgeborenen lästert und verfolgt, und nie umgekehrt (Gal. 4, 29). Und möchten wir zum andern immer wieder bedenken, daß wer sich selbst richtet, nicht gerichtet wird (1. Kor. 11, 31). Wenn du den heiligen Mut zur Demut hast, das Todesurteil über dich selbst zu fällen, dann spricht dich Gott um Christi willen frei! Ist das nicht anbetungswürdig?
Wohl uns, wenn wir dem Herrn völlig glauben und vertrauen lernen, der gesagt hat: “Richtet nicht, und ihr werdet keineswegs gerichtet werden; verurteilet nicht, und ihr werdet auf keinen Fall verurteilt werden!” —
Sieg über die Lust des Fleisches
Unser Fleisch als Gegensatz zum Geist ist unser gesamter gottfeindlicher Naturbestand und der Sitz und die Quelle der Sünde. Seinen Begierden, die sich meist in höchst zivilisierter und kultivierter Maske offenbaren, kann kein Mensch widerstehen. Dabei ist es nach den klaren Worten des Herrn jedoch so, daß Zöllner und Huren eher ins Reich Gottes einzugehen vermögen als selbstgerechte religiöse Führer des Volkes (vgl. Matth. 21, 23-31!).
Ein fleischlicher Mensch ist also nicht nur einer, der in offenbaren, groben Sünden lebt und seine tierischen Triebe brutal austobt. Die gefährlichere Form des Fleisches sind der fromm getarnte Eigenwille und die ungebrochene Selbstgerechtigkeit.
Nun schreibt Paulus in Gal. 5, 16 ein sieghaftes und gewaltiges Wort, das ein unerneuerter Mensch unmöglich in seinem Vollumfang zu fassen vermag. Er sagt: “Wandelt im (oder: dem) Geiste, und ihr werdet die Lust des Fleisches auf keinen Fall vollbringen (befriedigen oder vollenden).” Hier ist von der epithymia, der Begierde oder Leidenschaft, der bösen Lust oder dem sinnlichen Trieb die Rede. In irgendeiner, wenn auch maskierter Form sind wir alle von Natur dieser Lust des Fleisches verfallen. Nur haben wir die verhängnisvolle Fähigkeit, von einem Gebiet der Lust des Fleisches auf eine andre, weniger anstößige, umzuschalten. Das ist aber nichts anderes als sittlicher oder religiöser Fluchtversuch und Selbstbetrug.
Ein praktisches Beispiel: Ein lieber, gutmütiger Familienvater war leidenschaftlicher Raucher. Er erkannte, daß er Sklave des Tabaks war und erreichte es durch Willensanstrengung, das Rauchen völlig zu lassen. Dabei wurde er aber allmählich so nörgelig und rechthaberisch, daß ihm seine Frau und seine Kinder nichts mehr recht machen konnten. Dauernd hatte er an ihnen etwas auszusetzen und hielt ihnen bei jeder Gelegenheit seine Selbstbeherrschung und Sparsamkeit vor, die er ja durch sein Nichtrauchen täglich beweise. Da sagte eines Abends seine Jüngste zu ihm: “Vater, als du noch rauchtest, warst du so ein lieber, gemütlicher Mann, und es war immer so schön bei uns. Aber seit du nicht mehr rauchst, bist du dauernd brummig und unzufrieden. Vater, bitte, rauche doch wieder!”
So findet man häufig, daß Menschen in dem Maße, wie sie von ihrer grobsinnlichen Fleischeslust freiwerden, der noch widerlicheren Sünde der Habgier und des Geizes verfallen. Auch dafür ein praktisches Beispiel: In einer westdeutschen Großstadt kam vor einiger Zeit zu einem meiner Freunde, einem gesegneten Verkündiger des Evangeliums, ein wohlhabender Herr und sagte zu ihm: “Früher habe ich für meine Lüste und Leidenschaften monatlich mehr als 200 Mark ausgegeben. Seit ich in Ihre Versammlungen komme, bin ich völlig davon frei geworden und brauche das nicht mehr. Als Dankopfer gebe ich Ihnen dafür von nun an monatlich 2 Mark für Ihre Arbeit, der ich ja mein Heil verdanke.” Das war kein Hilfsarbeiter oder Volksschullehrer, sondern ein sehr gut situierter Geschäftsmann. Er gab also 1 % von dem, was er früher dem Teufel hatte opfern müssen, dem Herrn! Und dabei war er noch stolz auf diese religiöse Leistung!
Wieviel Arbeit und Mühe hat doch der Heilige Geist, bis Er in die letzten Tiefen und hintersten Ecken unsres verderbten Herzens hineingeleuchtet und uns überführt und gestraft hat! Wieviel religiöse Betriebsamkeit ist mehr oder weniger durchsetzt von Wichtigtuerei, Ehrsucht und Mammonsdienst! Nur wer den Mut hat, sich in Gottes heiligem Licht völlig zu offenbaren und sich notfalls auch vor einem treuen Menschen schonungslos darüber auszusprechen und zu beugen, der erfährt eine völlige Erlösung und die beseligende Freiheit der Kinder Gottes.
“Wandelt durch den Geist (im oder dem Geist), und ihr werdet die Begierden des Fleisches keinesfalls vollbringen!” Der Geist aber hat als erste Aufgabe immer die, aufzudecken und bloßzulegen und nicht religiös zu verkleistern. Erst wenn wir wirklich vor Gott ins Licht getreten sind, und das wird in sehr vielen Fällen mit einem Sündenbekenntnis vor einem von Gott bevollmächtigten Seelsorger verbunden sein, sonderlich wenn es sich um Zauberei, Unzuchtsünden und dergl. handelt, können wir selber durch und durch Licht werden.
Dann verliert das Fleisch seine Vollmacht über uns, und der Geist, welcher der Herr ist (2. Kor. 3, 17), gibt uns völligen Sieg. Wohl lebt die Möglichkeit zur Sünde weiter in uns und ist die Gegenwart der Sünde keineswegs für uns aus der Welt geschafft — aber wir brauchen die Begierden des Fleisches, in welcher Form es auch sei, nicht mehr zu befriedigen, nicht mehr zu vollenden, d. h. zum vollen Ende führen, sondern lernen die Anfänge in der Seele durch den Glaubensgehorsam im Geist sofort zu überwinden und — in der modernen Sprache der Psychologie ausgedrückt — zu sublimieren, d. h. in die höhere Sphäre des Geistig-Geistlichen zu heben. Das ist eine kostbare Botschaft für verzweifelte Menschen. Und derer gibt es in allen Schichten und Ständen unsres Volkes weit mehr als wir ahnen. Kürzlich saß ich im Speisewagen bei einem Arzt und dem Direktor eines großen Unternehmens. Beide erzählten, wie sie ihren Tagesablauf auf dem Gebiet vernünftiger Ernährung und gewissenhafter Zeiteinteilung wertvoll und fruchtbringend gestalteten. Nur von den “verfluchten Stäbchen” könnten sie unmöglich loskommen. Das Rauchen sei ihre einzige Sucht, die sie nicht zu überwinden vermöchten. Als ich dann ein Zeugnis ablegte, daß allein Christus auch davon völlig frei machen kann, schauten sie mich verwundert und fast neidvoll an. Sie spotteten keineswegs, sondern nahmen mein Zeugnis durchaus ernst.
Wie reich sind wir doch, daß wir glauben, erfahren und bezeugen dürfen, daß wir die Lust des Fleisches auf keinen Fall, unter keinen Umständen zu vollbringen brauchen, wenn wir im Geiste wandeln, d. h. uns von ihm strafen, zurechtbringen und erfüllen lassen! —
Völlige Bewahrung
Wenn ein Mensch mit seiner Schuld und Angst zu Christus kommt und eine wirkliche Errettung und Befreiung erfährt, so ist das ein Wunder der Gnade. Die Bewahrung aber, das Bleiben in Christo und das Hineinwachsen in die ganze Gottesfülle (Eph. 3, 19), ist ein noch größeres Wunder. Wieviele Menschen, die sich für gläubig halten, sind in der Erweckungsstufe stecken geblieben!
Und doch gibt es schon auf dem Boden der Königreichsgemeinde die Verheißung völliger Bewahrung nach Geist, Seele und Leib. Denken wir nur an drei Zusagen Gottes hinsichtlich der Behütung der Seinen: Luk. 21, 18; Hebr. 13, 5 und 2. Petr. 1, 10. Wenn diese Worte dem Bundesvolk irdischer Wahl gelten, wieviel mehr uns, die wir “zur Fülle gebracht” sind in dem, der nicht nur Herr über die Erde, sondern Haupt über jedes Fürstentum und jede Gewalt in den Himmelsregionen ist (Kol. 2, 10)!
Der Herr zeigt in Luk. 21 von Vers 5 ab seinen Jüngern ein Bild der Endzeit. In jener Zeit werden die christusgläubigen Juden an die Synagogen und in die Gefängnisse ausgeliefert werden und sich vor Königen und Statthaltern um des Namens Jesu willen verantworten müssen. In diesem Zusammenhang sagt Jesus die überaus tröstlichen und köstlichen Worte: “Setzet es nun fest in euren Herzen, nicht darauf zu sinnen, wie ihr euch verantworten sollt; denn ich werde euch Mund und Weisheit geben, welcher alle eure Widersacher nicht werden widersprechen oder widerstehen können. Ihr werdet aber sogar von Eltern und Brüdern und Verwandten und Freunden überliefert werden, und sie werden etliche von euch zum Tode bringen; und ihr werdet von allen gehaßt werden um meines Namens willen. Und nicht ein Haar von eurem Haupte wird verloren gehen!” (Vers 14-18).
Wenn der Herr verheißt, daß “auf keinen Fall auch nur ein Haar vom Haupte” der Seinen verloren gehen wird, so bedeutet das eine Zusage, wie sie eigentlich stärker und vertrauenerweckender aus dem Munde der ewigen Wahrheit nicht gegeben werden kann. Dürfen wir sie nicht auch für uns, die Glieder seines Körpers, dankbar und glaubend in Anspruch nehmen? Doch, das dürfen wir! Denn der Apostel Paulus ruft uns im Namen und Auftrag des Erhöhten und Verklärten ermunternd zu: “Alles ist euer!”
In 13, 5 ermahnt und belehrt der Schreiber des Hebräerbriefes seine Leser mit einem Worte, das auch für uns und unsere Zeit von Wert und Wichtigkeit ist. Er sagt: “Der Wandel sei ohne Geldliebe; begnüget euch mit dem, was vorhanden ist, denn er hat gesagt: Ich will dich nicht versäumen, dich nicht verlassen.” Im Zusammenhang spricht der Schreiber von Bruderliebe und Gastfreundschaft, von Fürbitte und Fürsorge für Gefangene und Leidende, von Ehe und Ehebruch und zuletzt von Geiz und Begierde.
Eines der Kennzeichen der Endzeit, deren Anfänge sich wie Schatten über die Völker legen und selbst in die Kreise der Gläubigen eindringen, ist dieses letztgenannte Stück, die Dämonie des Mammons, die sich nicht begnügen will mit dem, was Gott in seiner Weisheit und Liebe jedem Einzelnen an Nahrung, Kleidung und Wohnung zuteilt, sondern der Raff- und Besitzgier verfällt.
Der Herr hat verheißen, die Seinen weder zu versäumen noch zu verlassen. Er will immer bei ihnen sein und sie völlig bewahren. Aus dieser Gewißheit des Glaubens erwächst die Kühnheit des Zeugnisses bezüglich der Befreiung von der größten Weltmacht, nämlich der Furcht, und das heilige Erhobensein über alle Einflußbereiche der Menschen. Darum endet dieser Abschnitt mit dem trotzigen Glaubenswort in Vers 6: “Wir können kühn sagen: Der Herr ist mein Helfer, und ich will mich nicht fürchten; was kann ein Mensch mir tun?” —
“Ihr werdet niemals straucheln” ist eine köstliche Verheißung. Aber sie ist nicht bedingungslos, sondern bedingt, d. h. an gewisse vom Geschöpf zu erfüllende Voraussetzungen geknüpft. Darum gilt es, sie in ihrem Zusammenhang zu nehmen, den wir in 2. Petr. 1, 10 finden. Dort heißt es: “Bei welchem diese Dinge (Vers 4b-7: Flucht vor der Sünde, Glauben, Tugend, Erkenntnis, Enthaltsamkeit, Ausharren, Gottseligkeit, Bruderliebe, allgemeine Liebe) nicht sind, der ist blind, kurzsichtig und hat die Reinigung seiner vorigen Sünden vergessen. Darum, Brüder, befleißiget euch umsomehr, eure Berufung und Erwählung festzumachen; denn wenn ihr diese Dinge tut, so werdet ihr niemals straucheln” (Vers 8-10).
Wer aber nicht strauchelt, dem wird ein reichlicher Eingang in das äonische Königreich unsres Herrn und Retters Jesus Christus dargereicht (Vers 11). Wir wollen doch verstehen, daß solche Worte, auch wenn sie zunächst Israel und den durch Israel gesegneten Nationen gehören, auch uns gelten. Wurden doch die Empfänger gerade dieses zweiten Petrusbriefes auch von Paulus bedient (3, 15)! Möchten wir doch diese Tatsachen nüchtern sehen und uns ja nicht in ein System verrennen, das die Schrift nicht gottgewollt teilt, sondern gottwidrig zerreißt. —
Wir sehen also, daß es eine völlige Bewahrung gibt. Lassen wir uns diese Gnade Augenblick um Augenblick schenken, auf daß wir Gott durch einen ihm geziemenden Wandel ehren und verherrlichen! —
Gestillter Lebenshunger und Liebesdurst
Jeder Mensch, dessen Lebenshunger und Liebesdurst noch nicht durch Christus, das wesenhafte Gottesbrot und das göttliche Wasser des Lebens, gesättigt und gestillt ist, geht unbefriedigt von allem Sichtbaren und Geschaffenen suchend durch dieses Erdenleben. Wie zutreffend sagt der Dichter von solchen, deren brünstiges Verlangen den wahren Quell aller Freude und Seligkeit noch nicht gefunden hat:
“Sie suchen, was sie nicht finden,
In Liebe und Ehre und Glück
Und kommen belastet mit Sünden
Und unbefriedigt zurück.”
Nichts Irdisches, wie schön und groß und edel es auch scheint, vermag den für Gott und seine Herrlichkeit erschaffenen Menschen auf die Dauer zu befriedigen. Das ist eine unumstößliche Tatsache. Deshalb hat auch jedes Volk der Erde “Religion”, d. h. es versucht, mit der unsichtbaren Überwelt in Beziehung zu treten, um so seinen unbefriedigten Lebensdurst und Liebeshunger zu stillen. Menschen ohne “Religion” gibt es nicht, und wenn man nur die Lust oder das Geld oder das Ich zum Götzen macht, in dessen Dienst und Verehrung man Befriedigung und Seligkeit zu finden hofft.
Jesus, der ewige Mund der Wahrheit, der nicht lügen kann, bezeugt mit doppeltem Eidschwur (wahrlich = amen): “Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: nicht Moses hat euch das Brot aus dem Himmel gegeben, sondern mein Vater gibt euch das wahrhaftige Brot aus dem Himmel. Denn das Brot Gottes ist der, welcher aus dem Himmel herniederkommt und der Welt das Leben gibt” (Joh. 6, 32.33).
Welch ein gewaltiges Wort! Das irdische Brot, das wir täglich mit oder ohne Dank gegen Gott genießen, dient zur Nahrung des Leibes. Das Engels- oder Himmelsbrot, das “Manna, das die Seele nährt”, wird in der Schrift “Engelsspeise” oder “Brot der Starken” (d. h. der Fürsten und Gewaltigen der Himmelswelt) genannt. Es war mit kosmischen Kräften geladene “Seelenspeise”, so daß Israel 40 Jahre hindurch in der Wüste weder neue Kleider noch Schuhe brauchte, sondern in der Kraft dieses Himmelsbrotes seinen Weg zu wandern vermochte (5. Mose 8, 4; Neh. 9, 21).
Christus selbst aber ist das Brot Gottes! Der Vater empfängt, wenn wir so sagen dürfen, Freude und Lebensgenuß durch die Liebe und den Gehorsam des Sohnes, und unsere Gemeinschaft mit dem Vater besteht darin, daß wir das gleiche Gottesbrot genießen dürfen wie er selbst, denn Christi Liebe und Glaubensgehorsam ist unsre Rettung. Das ist groß und wunderbar, und der Glaube faßt das sehr wohl, wenn es auch dem Unglauben als Torheit und Schwärmerei erscheinen mag.
Nun bezeugt aber der Herr in Joh. 6, 35a: “Ich bin das Brot des Lebens! Wer zu mir kommt, wird nicht hungern, und wer an mich glaubt, wird nimmermehr dürsten.” Es ist also eine göttliche Unmöglichkeit, daß ein Mensch in Wahrheit zu Jesus kommt, d. h. ihm glaubend sein Leben weiht in heiliger Hingabe, und dennoch hungert. Er wird vielmehr gesättigt mit den reichen Gütern des Hauses Gottes, wie schon in Ps. 36, 7.8 geschrieben steht: “Wie köstlich ist deine Güte, o Gott, und Menschenkinder nehmen Zuflucht zum Schatten deiner Flügel; sie werden reichlich trinken von der Fettigkeit deines Hauses, und mit dem Strome deiner Wonnen wirst du sie tränken”, oder, wie Luther verdeutscht: “Sie werden trunken von den reichen Gütern deines Hauses.” Wer von dieser heiligen Trunkenheit nichts weiß, ist ein armer Mensch, und wenn er alle irdischen Schätze an Wissen und Können, an Ehre und Besitz hätte.
Doch nicht nur das! Wer das Gottesbrot, das Fleisch des Sohnes des Menschen, ißt und den Gottestrank seines Blutes trinkt, der hat Leben in sich selbst, wie es sonst nur Gott hat, und bleibt in Christus und Christus in ihm. Das hat der Herr verheißen und mit doppeltem Eidschwur bestätigt: “Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Es sei denn, daß ihr das Fleisch des Sohnes des Menschen esset und sein Blut trinket, so habt ihr kein Leben in euch selbst … Wer mein Fleisch ißt und mein Blut trinkt, bleibt in mir und ich in ihm” (Joh. 6, 52.56).
Über solche Zusagen soll man nicht philosophieren oder disputieren; man darf sie im Glauben verwirklichen. Alleinstehende und angefochtene Gläubige, die mit unerretteten oder gar besessenen Menschen zusammenzuwohnen und zusammenzuleben gezwungen sind, sollten so oft wie möglich im kleinen oder kleinsten Kreis, und wenn es nur Mann und Frau oder Vater und Tochter sind, das Brot brechen und den Kelch segnen.
Wenn der falsche Gebrauch des Abendmahles, bei dem man den Leib des Herrn nicht unterscheidet, d. h. keinen Unterschied macht zwischen Gläubigen und Ungläubigen, oder ohne sich wirklich in Gottes heiligem Licht gerichtet zu haben, zum Tisch des Herrn geht, Schwachheit, Krankheit und frühen Tod verursacht (1. Kor. 11, 27-31), — wieviel mehr wird der rechte Gebrauch statt Schwachheit Stärke, statt Krankheit Gesundheit und statt eines frühen Todes Lebenskraft vermitteln! Auch hier geschieht jedem nach seinem Glauben.
Halten wir fest: Jesus ist das wesenhafte Brot des Lebens. Wer es im Glauben genießt, hat Leben in sich selbst und bleibt in Christo Jesu.
Der Herr ist aber auch das Wasser des Lebens (vergl. Jes. 55, 1.2; Offbg. 22, 17 u. a. m.). Wer von diesem Wasser trinkt, wird “auf keinen Fall dürsten in Ewigkeit” (Joh. 4, 14a). Es ist schlechterdings eine göttliche Unmöglichkeit, daß ein Mensch sich von Jesus das Wasser des Lebens reichen läßt und dennoch dürstet.
Ja, noch mehr als das! Das Lebenswasser, das Gott uns in Christo Jesu schenkt, wird in uns zu einer Quelle, die ins ewige Leben quillt. Das bedeutet, daß nicht nur wir selber gesättigt sind, sondern daß wir Quellenmenschen werden dürfen, die andern in Gottes Auftrag und Vollmacht Lebenswasser darreichen und ihnen dadurch Ewigkeitskräfte, Heil und Herrlichkeit vermitteln.
Gelobt sei unser Gott und Vater, daß er in der unaussprechlichen Gabe seines Sohnes (2. Kor. 9, 15) allen Lebenshunger und Liebesdurst zu stillen vermag und daß es unmöglich ist, daß ein Mensch, der wirklich zu Jesus kommt, das nicht erfährt! —
Aus der Finsternis zum Lichtbesitz
Der natürliche Mensch lebt und wandelt nicht nur in der Finsternis, sondern er ist Finsternis. Bezeugt doch Paulus in Eph. 5, 8: “Einst waret ihr Finsternis.” Aus dieser Finsternis unsres ureigenen Wesens wurden wir durch einen Gnadenakt Gottes “erlöst und bewahrend abgeschirmt”, wie man das in Kol. 1, 13 vorkommende Wort ryomai umschreiben darf.
Nun gilt den Gläubigen das köstliche Zeugnis des Apostels: “Ihr alle seid Söhne des Lichtes und Söhne des Tages; wir sind nicht von der Nacht, noch von der Finsternis” (1. Thess. 5, 5). Dieser Vers ist in einer gewissen Beziehung besonders lehrreich, auf den hier hinzuweisen wir nicht versäumen möchten.
Es gibt unter den wirklichen, sich auf das Wort der Schrift berufenden Gläubigen solche, die behaupten: überall da, wo Paulus von “wir” und “uns” redet, ist immer nur Israel gemeint, und nur dort, wo er von “ihr” oder “euch” schreibt oder spricht, ist von Nationen bzw. der Auswahl der Nationen die Rede.
Das hört sich im ersten Augenblick ganz einleuchtend an. Wenn man diese Behauptung aber am Schriftganzen, in diesem Fall an Pauli Reden in der Apostelgeschichte und an seinen Briefen prüft, so erkennt man bald, daß das nicht stimmt. Wohl trifft es in vielen Fällen zu, wie solche Möglichkeiten ja auch in unsern Briefen und Unterhaltungen vorhanden sind. Aber in vielen Zusammenhängen ist das eben nicht der Fall. Es ergeben sich, wenn man das starr und konsequent durchführt, ungeheure und sich dauernd widersprechende Folgerungen.
Wenn das wahr wäre, was solche lieben Brüder behaupten, dann wären die “ihr alle” in 1. Thess. 5, 5a Nationen und die “wir” in der zweiten Hälfte des Verses Juden! Daß beide der gleichen Gruppe angehören, nämlich der aus Juden und Nationen zusammengesetzten Gemeinde, geht einwandfrei aus der Nebeneinanderstellung von Vers 5a und 8a hervor. Denn in Vers 5a lesen wir: “ihr seid … Söhne des Tages”, und in Vers 8a heißt es: “wir, die wir von dem Tage sind.” Man müßte schon einen sprachlichen und philosophischen Eiertanz aufführen, wenn man hier einen Unterschied konstruieren wollte.
Oder nehmen wir aus dem gleichen Zusammenhang eine andere Sache, die vielen Heiligen Not bereitet. Manche behaupten, die Entrückung, wie sie 1. Thess. 4, 13-18 lehrt, gelte nicht den Gläubigen aus den Nationen, sondern nur Israeliten. Das betonen vielfach gerade solche Brüder, die den strengen “Ihr-Wir”-Unterschied durchführen wollen.
Ist das bei Lichte besehen, haltbar? Der 17. Vers schließt mit den Worten: “Wir werden allezeit bei (wörtlich: syn = in enger Gemeinschaft und Zusammengehörigkeit!) dem Herrn sein.” Das wären also Juden. Nun fährt Paulus aber in Vers 18 fort: “Darum (deshalb oder folglich) ermuntert (ihr) nun einander mit diesen Worten!” Hier hätten wir es also mit Nationen zu tun. Die Gläubigen aus den Heiden sollen sich mit solchen Worten gegenseitig ermuntern, die gar nicht ihnen, sondern Israel gelten? Nein, hier zu streiten, wäre Zeit- und Kraftvergeudung! Wieviel Mittel und Methoden hat doch der Feind, um die Gemeinde durcheinanderzubringen und zu zerreißen! Möchte uns der Herr in der Einfalt des Glaubens und in der nüchternen Treue zu seinem Wort bewahren!
Wie oft halten wir unsre vermeintlichen Durchblicke und Erkenntnisse für Licht, während sie in Wirklichkeit vor Gottes Augen Finsternis sind! Sagt nicht der Herr in Matth. 6, 23b: “Wenn das Licht, das in dir ist, Finsternis ist, wie groß die Finsternis!”?
Ist es nicht so, daß die gleiche Sache, die nämliche Person, ja, Gott selbst, für die einen Licht und für die andern Finsternis ist? Lesen wir aufmerksam 2. Mose 14, 19.20: “Der Engel Gottes (oder: Bote Elohims), der vor dem Heere Israels herzog, brach auf und trat hinter sie; und die Wolkensäule brach auf von vorn und stellte sich hinter sie. Und sie kam zwischen das Heer der Ägypter und das Heer Israels, und sie wurde dort Wolke und Finsternis und erleuchtete hier die Nacht; und so nahte jenes diesem nicht die ganze Nacht.”
Elohim ist meist die Bezeichnung für den Sohn Gottes. Denn Elohim kommt von alah = schwören, und Christus ist der Eidschwur, der Ja und Amen Gottes. Dieser Gottesbote, der niemand anders ist als Christus selbst, der einmal dem Zug Israels nachfolgte, also gewissermaßen die bewahrende Nachhut bildete, ein andermal aber vorauszog als Anfänger und Durchbrecher aller Bande, bildete bei Israels Auszug aus Ägypten die schützende Zwischenwand zwischen Gottes Volk und dem es verfolgenden Feind. Bei letzterem war er dunkle Wolke und Finsternis, bei Israel hingegen war er Lichtwolke, Schechina, und erleuchtete die Nacht. (Öfter zog Christus auch als “Fels” mit, 1. Kor. 10, 4b.)
Mögen andre solche wunderbaren Dinge für fromme, sinnlose, “wissenschaftlich unhaltbare Märchen” halten, — uns, die wir töricht genug sind, Gottes Wort wörtlich zu nehmen, sind es gewaltige und kostbare Gottesoffenbarungen.
“Gott hat der Finsternis ein Ende gesetzt” (Hiob 28, 3), aber Satan “glaubt nicht an eine Rückkehr aus der Finsternis” (Hiob 15, 22). Wie könnte er es auch? Denn nur “dem Aufrichtigen geht Licht auf in der Finsternis” (Ps. 112, 4), weil nur er zu erkennen vermag, daß Gott gnädig und barmherzig und gerecht ist (Vers 4b), daß, mit anderen Worten, die Errettung der Gottlosen einerseits seiner Gnade und Barmherzigkeit entspricht und andererseits doch nicht seine Gerechtigkeit, die eigentlich endlose Verdammnis erforderte, verletzt. Das faßt und weiß der Glaube und betet darüber an, weil er die Vollgültigkeit des Werkes Christi begreifen und ergreifen lernt.
Dürfen wir nicht in allen Lagen unsres Lebens das erfahren, was Micha 7, 8 bezeugt: “Sitze ich im Finstern, so ist der Herr mein Licht!”? Freilich ist dazu, menschlich gesehen, notwendig, daß wir das Licht mehr lieben als die Finsternis (Joh. 3, 19), damit es uns nicht nach Joh. 1, 5 ergehe: “Das Licht scheint in der Finsternis, und die Finsternis hat es nicht erfaßt.”
Es ist unmöglich, daß wir glauben, d. h. uns völlig und bewußt mit all unserm Sein und Wesen in Christus bergen, und dennoch in der Finsternis bleiben. Sagt doch der Herr: “Ich bin als Licht in die Welt gekommen, auf daß jeder, der an mich glaubt, nicht in der Finsternis bleibe” (Joh. 12, 46). Vielmehr dürfen wir die Werke der Finsternis ablegen und die Waffen des Lichtes anziehen (Römer 13, 12).
Wenn ein Landstreicher, der in stinkende Lumpen gehüllt ist, einen neuen Anzug und Mantel geschenkt bekommt, so zieht er die neuen Kleidungsstücke nicht über seine alten Brocken an. Er legt diese vielmehr zuerst ab und wirft sie weg, und dann zieht er sein neues Gewand an. So ergeht es geistlicherweise auch uns: in dem Maße, wie wir alles Finsterniswesen hassen und lassen, nennen und bekennen, vermögen wir die Lichts- und Lebenskräfte Christi zu ergreifen und darin zu leben und selig zu sein. Gott wolle das dir und mir und all den Seinen immer völliger schenken!
Wohl uns und aller Schöpfung, daß die Finsternis nichts Wesenhaftes und Bleibendes ist, sondern zu den Dingen der Weltverwaltung und Zurechtbringungsmethoden gehört, die einmal hinweggetan werden (2. Kor. 3, 11.13; Hebr. 7, 11.12.18; 10, 9b; 1. Kor. 15, 26)! Die Liebe, die alles in allen zu sein begehrt, höret nimmer auf. Aber die Finsternis vergeht und das wahrhaftige Licht leuchtet schon (1. Joh. 2, 8).
Der Herr verheißt in Joh. 8, 12: “Ich bin das Licht der Welt; wer mir nachfolgt, wird keineswegs in der Finsternis wandeln, sondern wird das Licht des Lebens haben.” Wir werden nicht nur gewissermaßen wie ein altes Bauwerk, wie eine Burgruine dann und wann einmal angestrahlt, um eine Zeitlang in diesem Lichte fröhlich zu sein, wie einst die Zeitgenossen des Täufers (Joh. 5, 35), sondern wir werden selbst Lichtsträger.
Das ist etwas unerhört Großes, von dessen Sinn und Seligkeit nur der etwas zu ahnen beginnt, der sich selbst als Finsternisverhafteten erkannt und gerichtet hat. Nicht nur, daß wir, wie Israel, das Licht des Lebens haben, nein, unser verklärtes Haupt bezeugt uns durch den Mund unsres Bruders und Lehrers, des Apostels Paulus, daß wir ein Licht in dem Herrn sind (Eph. 5, 8)! Wenn schon Israel verheißen wurde, daß es einmal “das Licht der Nationen” sein werde (Jes. 42, 6; 49, 6), wieviel mehr gilt das uns, dem Körper Christi! Dürfen wir doch nach Phil. 2, 15.16 Himmelslichter, Leuchtfeuer oder Lichtquellen sein im Kosmos, die das Wort des Lebens, den Sohn Gottes, darstellen, innehaben, hinhalten oder darreichen, wie man das hier gebrauchte Wort epecho übersetzen darf. Das dem Kosmos gegenüber zu tun, ist etwas unerhört Großes und Wunderbares.
Möchten wir, die wir Gottes Lichtsträger sein dürfen, immer in diesem Lichte wandeln, damit wir Gemeinschaft mit ihm und allen Heiligen haben, soweit sich das irgend ermöglichen läßt (1. Joh. 1, 7), und die gottgewollte Frucht des Lichtes bringen, die in aller Gütigkeit und Gerechtigkeit und Wahrheit besteht (Eph. 5, 9)! —
Wir haben eine Reihe göttlicher Unmöglichkeiten betrachtet, die uns nicht nur etwas von unsres Vaters Gedanken und Zielen aufleuchten ließen, sondern es uns auch ermöglichen, ein wenig in den Pulsschlag seines liebenden Herzens hineinzulauschen.
Diese göttlichen Unmöglichkeiten begrenzen und beschneiden nicht etwa seine Macht und Weisheit und Liebe, sondern erweitern sie vielmehr ins Unendliche. Wir wollen nicht müde werden, auf die Hochziele der Vollendung immer wieder hinzuweisen, dabei aber in heiliger Keuschheit in der ganzen Schrift bleiben, kein Schrittlein darüber hinausgehen und immer bedenken, daß man über diese Dinge niemals Wortgezänk führen darf, weil sie nur durch Gottes Geist enthüllt und dargereicht werden können.
Gelobt und gepriesen sei unser Vater in Christo Jesu, daß er so ist, wie er ist, und nicht so, wie die Menschen ihn gerne hätten! Er ist Geist und Licht und Liebe und führet alles, aber auch wirklich alles, herrlich hinaus! Amen.
(Quelle: “Gnade und Herrlichkeit”, 3/1955; Paulus-Verlag, Heilbronn)



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