Prophetie für die Gemeinde Jesu Christi
Autor: Malessa, Friedrich | Kategorie(n): Das prophetische Wort, Endzeit, Gemeinde, Kirchentum, Versuchung & Verführung, Zeitgeist | 707 x gelesenSoll das etwa heißen, daß die Gemeinde Jesu Christi eine eigene, d. h. eine Spezialprophetie hat? Gewiß! Wer das nicht weiß, ist zu bedauern. Spricht doch die Heilige Schrift unverkennbar von den getrennten Körperschaften: Gemeinde Jesu Christi als sein Leib, und Israel als sein Weib. Beide Körperschaften werden nicht nur getrennt gesehen, sondern es werden auch ihre getrennten Wirkungszeiten genauestens aufgewiesen. Wenn die Bibel diese Heilskörperschaften ganz korrekt getrennt sieht, warum vermengt man sie? Ist das notwendig? Kann durch das “Gemenge” Klarheit erstehen?
Über allen Zweifel erhaben ist die Tatsache, daß nur Paulus die Gnade hat, “zu enthüllen das Geheimnis, das vor Grundlegung der Welt verborgen gewesen ist” (Eph. 3, 1-11). Wenn Paulus allein den göttlichen Auftrag hat, das umfassende Wesen der Gemeinde darzustellen, dann hat er auch die Aufgabe, ihre Wirkungsverhältnisse mit ihren eigenen Zeiten aufzuweisen. Und das ist nichts anderes als exakte Prophetie! Darum ist allein Paulus für die Gemeinde Jesu Christi der Prophet! — Wer die Prophetie für die Gemeinde anderweitig sucht, der sucht sie an verkehrter Stelle.
Leider haben viele Gemeindeglieder von dieser Tatsache wenig Kenntnis. Sie operieren mit prophetischen Dingen, die meist Israel und die Nationen angehen und für die Gemeinde nur am Rande liegen. Verwirrend wird es dann, wenn sie diese Prophetie auf die Gemeinde anwenden. — Es wirkt wahrhaftig sonderbar, wenn man einen Körper mit einem wesensfremden Anzug bekleidet. Solches Handeln ist nicht nur unsachlich, sondern auch nachteilig. Die Gemeinde Jesu Christi hat nun einmal ihr Sonderwesen und ihre Sonderzeit und hat darum auch ihre besondere prophetische Weisung. Daß man das im allgemeinen nicht sieht, gibt zu denken. Wer verursacht diese Verdunkelung?
Doch nun die wichtige Frage: Kann man die paulinische Gemeindedarstellung als Prophetie ansehen? Ganz gewiß! Beachte man bitte folgende Tatsachen: Paulus sieht nach Epheser 1, 4 die Begründung der Gemeinde “vor Grundlegung der Welt”. Man überdenke diese äonenumfassende Rückschau. Und dann sieht Paulus nach 1. Kor. 15, 28 das wunderbare Vollendungsverhältnis: “Der Vater alles in allen”. Das ist wiederum eine äonenumfassende Vorschau! Paulus hat eine Schau (= Prophetie), die uns nur staunen läßt. Paulus hat wahrhaftig einen Universalblick! Soll das nicht Prophetie sein? Die paulinische Prophetie ist dem Wesen und der Weite nach einmalig! — Demgegenüber erscheinen alle anderen Propheten mit ihrem Spezialblick als Zwerge.
Man bedenke die weitere Tatsache: Paulus hat den allerwichtigsten und allerhöchsten Heilsgegenstand zu behandeln. Denn was ist die Gemeinde Jesu Christi? Sie ist nicht nur eine “Versammlung” — diese Bezeichnung ist gut gemeint, aber lange nicht hinreichend —, sondern sie ist “das Vollmaß und die ausgewachsene Mannesgestalt des Christus” (Eph. 1, 22.23)! Außer Gott, dem Vater, ist nichts mehr und nichts höher als der Vollmaßchristus (= Haupt, Leib, Glieder). Die Gemeinde Jesu Christi ist in dem Christus “des göttlichen Wesens teilhaftig geworden”.
Damit haben wir bereits ein überaus wichtiges prophetisches Merkmal der Gemeinde Jesu Christi festgestellt, nämlich, daß sie nur “Glieder” hat, die dem Wesen des Christus in absoluter Weise entsprechen. Menschen, die diese begnadete Christuswesenhaftigkeit nicht persönlich erlebt haben, sind keineswegs Mitglieder am Leibe Jesu Christi, auch wenn sie sogar formvollendet einer glanzvollen christlichen Organisation angehören. Diese organisatorische Zugehörigkeit hat mit der Zugehörigkeit zum Leibe Jesu Christi nichts zu tun, weil ihr das “Hineingeborensein”, d. h. die organische Lebensgemeinschaft fehlt. Christliche Organisationen sind bestenfalls religiöse Interessengemeinschaften, geformt vom menschlichen Willen und menschlichen Geist. Paulus stellt fest, daß die Ekklesia nicht nur eine Christengemeinschaft, sondern eine Christuseinheit ist. Sie ist ein realer Organismus, denn “sie ist sein Leib”. Diese paulinische Christusdarstellung ist keine Floskel. Die Gemeinde Jesu Christi ist der Vollmaß-Christus! — Religionsgemeinschaften mögen auch ihre Bedeutung haben, aber es kann das bestenfalls nur eine vorlaufende, eine zutragende Bedeutung sein. — Das ist die grundlegende prophetische Charakteristik der Gemeinde Jesu Christi, daß sie nicht nur ein Faktor der Heilsgeschichte ist, sondern der Hauptfaktor des “göttlichen Vorsatzes in Christus” (Eph. 1, 9-11). Nur was dem Vorsatz Gottes entspricht, ist Ekklesia! Was im Vorfeld liegt, ist höchstens ekklesiale Anbahnung. Beachten wir die unumstößliche Tatsache: Die Ekklesia hat es nie mit der Masse, sondern mit der Herauswahl zu tun.
Damit kommen wir zu einer weiteren Feststellung: Die organische Gemeinde Jesu Christi, als die höchste Heilskörperschaft, wird “auferbaut”, und zwar in dieser Welt und in dieser Zeit. Da wird ihre Wesenhaftigkeit und Wirksamkeit prophetisch dargestellt und beleuchtet. Der Gemeindeprophet Paulus darf diese Verhältnisse klären mit folgenden Worten: “Denn das Geheimnis der Gesetzlosigkeit wirket schon, nur bis der, welcher jetzt aufhält, aus der Mitte genommen werde. Und alsdann wird enthüllt werden der Gesetzlose, den der Herr Jesus erledigen wird mit dem Geist seines Mundes” (2. Thess. 2, 7.8). Nach dieser prophetischen Darstellung liegen vier Merkmale in der Zeit und Welt:
- Das Geheimnis der Gesetzlosigkeit wirket schon und wirket noch bis zu einem von Gott gesetzten Zeitpunkt, indem es zum endgültigen Abschluß kommt.
- In der verborgenen Mitte dieser gesetzlosen Welt wirkt die Gemeinde Jesu Christi als das “Aufhaltende”. Das Aufhaltewesen ist ihr Grundwesen.
- Wenn “das Aufhaltende aus der Mitte genommen wird”, kann sich der Gesetzlose in seiner ganzen Boshaftigkeit enthüllen. Seine Enthüllung ist das von ihm lange ersehnte Ziel.
- Nach der Enthüllung des Boshaftigen (= Antichrist) wird “der Christus” — auf den wir noch näher zu sprechen kommen — ihn erledigen mit dem Geist seines Mundes.
Im Blick auf diese Welt besagt das angeführte prophetische Wort, daß sie in der eiligen und scharfen Ausreife zum Gericht ist. Alles in ihr Vorhandene nimmt zunehmende Gerichtsfähigkeit an. Alle Verhältnisse in ihr entwickeln sich zur krassen Herausforderung des Gerichts.
Aber die “göttliche Mitte” in diesem Geschehen ist das “Aufhaltende”, das im klaren Aufhaltewesen sich bekundet, bis der Augenblick der “Hinwegnahme” da ist und dann die letzte Enthüllung des Boshaftigen stattfinden kann. Damit ist der ganze Auftrag der Gemeinde Jesu Christi angezeigt. Er gipfelt in dem Begriff: “Aufhalten”!
Bei dieser Feststellung ist die immer wieder bekundete Meinung, daß durch die Gemeinde die ganze Welt verchristlicht werden soll, abwegig. Altbekannt ist die Meinung: “Wenn die ganze Welt christlich ist, dann ist das Reich Gottes da”. So sieht Paulus die Dinge nicht. Im Gegenteil: Das Gericht über den Antichristen mit seinem ganzen Anhang kommt! Einmal muß ja auch mit der Sündenwelt abgerechnet werden. Aber wohlgemerkt: Mitten in der Ausreife zum Gericht ist das “Aufhaltende” tätig!
Welche Aufgabe hat aber das Aufhaltende, wenn es die Welt vom Gericht nicht aufhalten kann und nicht aufhalten wird? Ihre Aufgabe in dieser Zeit ist nicht die Welterlösung und Weltbewahrung, sondern “die Auferbauung der Gemeinde Jesu Christi”! Paulus schreibt: “Und er hat die einen gegeben als Apostel und andere als Propheten und andere als Evangelisten und andere als Hirten und Lehrer, zur Vollendung der Heiligen, für das Werk des Dienstes, für die Auferbauung des Leibes Christi, bis wir alle hingelangen zu der Einheit des Glaubens und zur Erkenntnis des Sohnes Gottes, zu dem erwachsenen Manne, zu dem Maße des vollen Wuchses der Fülle des Christus” (Eph. 4, 11-13). Es geht also um die Auferbauung und Vollendung des Leibes Jesu Christi und des Christus. Das Aufhaltewesen hat in erster Linie den Zweck der “Herausrufung” aus der gerichtsreifen Welt. Die sich “aufhalten” lassen, gelangen zu den “Aufhaltenden” (= Ekklesia). Diese Aufhalte-Dienste haben darum den Zweck der “Leibesauferbauung”!
Was bedeutet das “Aufhalten” mitten in der zum Gericht ausreifenden Bosheitswelt? Diese Frage können wir ganz schlicht so beantworten: Das “Aufhalten” ist die radikale Verneinung der Weltmeinung und Welthaltung. Die Gemeinde Jesu Christi sagt NEIN zum JA der Menschen dieser Welt.
Was wird von der Gemeinde verneint? Das dürfte keine Frage sein. Alles von der Sünde durchsetzte, oder auch nur von der Sünde infizierte Wesen der Welt — und das auf allen Lebensgebieten — wird restlos abgelehnt. Das Wort des Paulus hierfür lautet: “Und seid nicht gleichförmig dieser Welt, sondern werdet verwandelt durch die Erneuerung eures Sinnes” (Röm. 12, 2). “Von mir aber sei es ferne, mich zu rühmen, als nur des Kreuzes unseres Herrn Jesus Christus, durch welchen mir die Welt gekreuzigt ist, und ich der Welt” (Gal. 6, 14). Die Mitglieder am Leibe Jesu Christi sind für diese Welt tot!
Das ist aber lange nicht alles. Denn die “Weltbosheit”, die schließlich in dem “Boshaftigen” verkörpert sein wird, wird nicht so teuflisch aussehen wie der nackte Teufel. Paulus sagt, daß der Boshaftige sogar nach seiner “Enthüllung” sich an den Ort des Gottesdienstes und der Anbetung setzt, Gottesverehrung fordert und Gottesverehrung annimmt, Prophetie betreibt, transzendente Dinge vorexerziert usw. In klarster Weise beschreibt Paulus den Boshaftigen in der faszinierenden Maskierung des Christentums und der berückenden Darstellung des Welt-Kirchentums.
In diesem ungeheuer verführerischen Form- und Scheinchristentum ist das “Aufhaltende” unverrückbar wirksam. Da, d. h. im Weltchristentum und im Weltkirchentum, sagen die “Aufhaltenden” zu dem feingeistigen und von aller Welt anerkannten Gebahren NEIN!
So gilt das NEIN nicht nur zur nackten Bosheit, sondern auch zu der weit böseren Bosheit in Engelsgestalt. Was sind das für Dinge, die die Christen in der “christlichen Welt” verneinen? Des Raumes wegen sei hier nur einiges angedeutet. Die “Aufhaltenden” sagen ganz bewußt und unentwegt:
NEIN zum Form- und Massenchristentum, das alle Menschen eint und selig preist,
NEIN zu den falsch verstandenen Sakramenten, die die Wiedergeburt begründen und ersetzen sollen, z. B. Taufwiedergeburt,
NEIN zur Hierarchie, die jedes ekklesiale Opfer- und Dienewesen außer acht läßt.
NEIN zu jeder Menschenverehrung, sobald sie sakrale und kultische Formen annimmt,
NEIN zur “christlichen Politik”, die die Welt unter die “christliche Herrschaft” führt,
NEIN zu jedem Liberalismus auf biblischem, sittlichem und moralischem Gebiet,
NEIN zu jedem Laster, jeder Sucht, jeder Leidenschaft, jedem Hang, jeder Weltbindung.
Daß dieses totale Aufhaltewesen der Gemeinde Jesu Christi von der christlichen Welt nicht ohne Verdruß und Bitterkeit hingenommen wird, ist selbstverständlich. Daß dann auch Druck auf die Aufhaltenden ausgeübt wird, ist ebenso verständlich. — Aktion und Reaktion bleiben in Wechselwirkung.
Wiederum muß festgestellt werden, daß nach Weisung des prophetischen Wortes die Bosheitswelt nicht immer gewaltmäßig, brutal und plump gegen die Aufhaltenden vorgehen wird. “Große Macht und viel List sein grausam Rüstung ist.” Und das aus ganz triftigen Gründen. Paulus stellt fest, daß der “Widersacher” aus dem “Abfall” erwächst (2. Thess. 2, 3). Der Abfall ist für das Offenbarwerden des Boshaften von ausschlaggebender Bedeutung. Der “Abfall” hat eine zweifache Bedeutung, denn die Namenchristen werden von Christus abfallen, und dem Antichristentum zufallen! — Wer den “Abfall” anders versteht, versteht ihn falsch. Beachten wir die Tatsache: Soll der Antichrist auf dem Boden des Abfalls erstehen, dann muß der Abfall ihm zuträglich sein. Das ist die große prophetische Warnung an die Gläubigen, daß sie in ihrer Bestimmung als Aufhaltende gleichzeitig in der größten Gefahr des Abfalls stehen und — oft unmerklich — dem Antichristentum zufallen (vergl. 1. Joh. 2, 18-27)!
Das prophetische Wort sagt auch zur Genüge, daß der Abfall in überraschender und sehr verfänglicher Weise stattfinden wird. Denn wenn der Versucher als “Engel des Lichts” auftritt und die Versuchten im “Schein der Gottseligkeiten” leben werden, dann ist der Abfall wahrhaftig leicht ausführbar. Jesus weist mit aller Dringlichkeit darauf hin, daß am Tage seiner Wiederkunft viele zu ihm sagen werden: “Herr, Herr, haben wir nicht …” (Matth. 7, 21-23). Dieses Wort beweist, daß viele Gläubige einer unerhörten Täuschung anheimfallen werden. Ohne daß sie es wußten, haben sie “geglaubt der Lüge”!
Mögen die Gläubigen der Gegenwart — denn nur die kommen in Frage — diese prophetische Weisung ja beachten, damit sie “nicht in Versuchung fallen.” — Wie bedauerlich, daß gerade diese prophetische Warnung, die ausgerechnet der Gemeinde Jesu Christi gilt, so wenig beachtet und beleuchtet wird. Es ist dem Teufel gelungen, die Prophetie für die Gegenwart ganz zu verschleiern.
Wie wird sich der Abfall praktisch auswirken? Zunächst mit ganz inneren und verborgenen Vorgängen. “Das verborgene Leben mit Christo in Gott” wird getrübt und gestört. Unendlich viel Gründe werden da mitreden. Dafür einige Andeutungen:
- Nachlassen wird das unbedingt notwendige Leben im Wort. Mangel an Zeit, Fernbleibenmüssen von den Gottesdiensten und Bibelstunden usw. sind angebliche Gründe (Hebr. 10, 25).
- Nachlassen wird das Gebetsleben. Das echte und notwendige Gespräch mit Gott wird vernachlässigt. Das Hersagen eines Sprüchleins (sprich: Plappern) genügt.
- Nachlassen wird der “Drang der Liebe Jesu Christi” zum Bruder. Der moderne Sozialismus macht schon seine Sache, oft geschickter und tiefgründiger als wir (Matth. 24, 12).
- Nachlassen wird “die Liebe zur Wahrheit”. Wenn alles lügt und nur noch lügen kann, dann können sich die Christen dem Lügen-Leben nicht entziehen. Mindestens werden sie zur Lüge schweigen.
- Nachlassen wird die klare Haltung in Sitte und Moral.
Für dieses “Nachlassen” könnten wir einen unübersehbaren Katalog aufstellen, der uns gewiß erschüttern könnte. Dieses Nachlassen ist aber heute unter den Gläubigen auf der ganzen Linie sichtbar. Erschüttert es sie auch? Etwa nicht? Ist dieses Nachlassen nicht ein klarer Abfall?
Mit diesem verborgenen “Abfall” ist aber gleichzeitig ein verborgener “Zufall” verbunden. Der Abfall hat eben diese doppelte Bewegung. Das Zufallen zum antichristlichen Wesen macht ebenfalls keinen so erschreckenden und erschütternden Eindruck, weil dieser Vorgang auch versteckt vor sich geht. Das Zufallen ist sogar beliebt und sehr erwünscht, weil es die Bewegung hin zum welterkannten Christentum, zum “modernen Christentum” ist.
Übrigens werden die “Zugefallenen” die besten Diener des Antichristentums sein. Infolge ihrer großen Sach- und Bibelkenntnis wissen sie den “Abfall” und den “Zufall” äußerst geschickt zu betreiben. Was sie sagen und was sie tun, ist “biblisch” begründet. Ihre ganze Handlungsweise ist “schriftgemäß”. — Ihr kommender großer Bruder, der Antichrist, wird ebenfalls sehr bibelkundig sein.
Welches Verhältnis haben aber die, die den Standpunkt des “Aufhaltens” nicht verlassen haben und die da ausharren bis ans Ende? Sie bleiben der Hemmschuh, der Bremsklotz, das Skandalon, weil sie die beglückende Welthaltung mit ihrem widrigen und unerhörten NEIN fortgesetzt durchkreuzen. Das Kreuz, das sie in einer so “unverantwortlichen” Weise dauernd “fabrizieren”, wird ihnen mit Hohngelächter auferlegt. Das Kreuz bleibt ihr Lebens-Zeichen. — Sie haben es nicht mehr nötig, sich mit symbolischen Kreuzen zu behängen, denn sie weist das Lebens-Kreuz zur Genüge aus. Sie werden zwangsläufig immer mehr vom Symbolhaften zum Wesenhaften geführt. Der “Ruhm des Kreuzes” ist bei ihnen weniger Lippensache, aber weit mehr Lebenssache. Ihr ganzes Leben ist kreuzgeartet und kreuzgestaltet.
Ihre Endhaltung und Endmeinung ist weniger auf das Zeitliche gerichtet, auch nicht auf das, was die ganze Welt (= Juden und Nationen) betrifft. Sie leben nach dem paulinischen Richtsatz: “Unser Bürgertum ist im Himmel”, oder: “Wir warten auf die Zukunft unseres Herrn Jesu Christi.” Nationengeschichten, Kriegsgeschichten, Solidaritäts- und Vereinigungsgeschichten, Naturkatastrophengeschichten und alle möglichen und unmöglichen Weltengeschichten gehen sie nur indirekt an. Endgeschichtliche Rechnungen und Berechnungen, auch die prophetischen Zeichen und Zahlenangaben, liegen nicht in ihrem Lebensbereich. Der prophetische Kalender hat es mit den irdischen Körperschaften (= Juden und Nationen), jedoch nicht mit der himmlischen Körperschaft (= Ekklesia) zu tun. Die Gemeinde Jesu Christi ist für die endgeschichtlichen Vorgänge nicht der mittreibende Faktor, sondern im wahrsten Sinne des Wortes das “Aufhaltende”! Ihr Grundprinzip ist “Aufhalten”. — Nur soweit die Glieder der Gemeinde die Aufhaltenden sind, bleiben sie bewahrt von dem Abfall von Christus und von dem Zufall zum Antichristus.
Und wenn dann der Augenblick da ist, in dem “das Aufhaltende hinweggetan sein wird”, dann wird ein befreiendes Aufatmen durch die “christliche Welt” gehen, weil dann der lang ersehnte und hoffnungsreiche “Mann” sich ohne Widerspruch offenbaren kann, der dem gesamten Weltwesen entsprechend die “Herrschaft” antreten wird. Diese Herrschaft wird so überzeugend und so mitreißend sein, daß man die von Paulus angedeutete Friedensstimmung in einer Welt-Nationalhymne besingen wird. Die Welt-Christen werden über das Verschwinden der Aufhaltenden triumphieren! — Doch wie lange? Ihr Jubilieren wird bald ein Ende finden, denn “sie haben geglaubt der Lüge!” Darum wird der Christus sie “umbringen mit dem Hauch seines Mundes” (vergl. 2. Thess. 2, 3-12).
Wenn aber der Leib dem Haupte entgegengerückt sein wird, alsdann nimmt der “Leib” endgültig das “himmlische Wesen” an. Der Fülle-Christus feiert vor dem “Preisrichterstuhl” seine Vollausgestaltung und tritt gleichzeitig sein “Richtamt an”, wie es Paulus in 1. Kor. 6, 2.3 andeutet. Diese Gerichte sind selbstverständlich nicht im irdischen Sinne des Hinrichtens zu verstehen, sondern im himmlischen Sinne des Herrichtens. Wie umfassend diese Herrichtungen durchgeführt werden, besagt Paulus in 1. Kor. 15, 24-28. Diese äonischen Richtdienste des Vollmaßchristus sind in ihrem Ausmaß für uns zunächst unfaßbar. Sie sind aber von dem Gemeindepropheten eindeutig angezeigt.
Die Prophetie für die Gemeinde Jesu Christi ist so dimensional und so universal, so erhebend und so beglückend, so lichtvoll und so kraftvoll, daß man nur ganz bescheiden, und doch in Würde mit Paulus sagen kann: “Was kein Auge gesehen hat und kein Ohr gehöret hat und in keines Menschen Herz gekommen ist, was Gott bereitet hat denen, die ihn lieben” (1. Kor. 2, 9). Möge diese paulinische Prophetie noch vielen Christen wirklich lebendig werden.
[Prophetie für die Gemeinde Jesu Christi | Prophetie für Israel | Prophetie für die Nationen]
(Quelle: “Gnade und Herrlichkeit”, 2/1955; Paulus-Verlag, Heilbronn)


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