Wenn die Schrift bezeugt, daß Gott die Welt liebt, so ist damit gar
nichts darüber ausgesagt, wie die Welt ist, sondern nur, wie Gott ist.
Das gilt es einmal ganz klar mit allen Konsequenzen zu fassen.


Adolf Heller (1895 - 1973)
Beitrag per E-Mail weiterempfehlen   Beitrag drucken    0

Das All dient Ihm und uns!

Autor: Geyer, Karl  |  Kategorie(n): Erkenntnis & Wesen Gottes, Erwählung, Gemeinde, Lehre  |  813 x gelesen

“Alle Dinge dienen Dir (eigentlich: Dir dient das All, das Ganze, das ganze Weltall; vergl. Fußnote in der Elberfelder Übersetzung)!” (Psalm 119, 91).

“Wir wissen aber, daß denen, die Gott lieben, alle Dinge zusammenwirken zum Guten, denen, die nach Vorsatz berufen sind” (Röm. 8, 28).

Die kürzeste Weltgeschichte ließ der Heilige Geist durch den Apostel Paulus schreiben. Sie umfaßt nur einen Satz und lautet: “Aus Ihm und durch Ihn und zu Ihm hin ist das All” (Röm. 11, 36; man vergl. hierzu auch 1. Kor. 8, 6; Kol. 1, 16 u. a.).

Die Weltgeschichte der erneuerten und vollendeten Schöpfung ist ebenso kurz und lautet: “Gott wird sein alles in allem” (1. Kor. 15, 28). Auch diese ungeheure Zusammenballung aller zukünftigen Zustände in der vollendeten und verherrlichten Schöpfung durfte der Apostel der Leibesgemeinde schreiben, Paulus, dem Gott das offenbarte, was Er in den vorhergehenden Generationen (= Geschlechtern) den Söhnen der Menschen nicht kundgetan hatte.

Das All verdankt seine Existenz dem Willen Gottes. Ehe es Welten und Geschöpfe gab, faßte ER in sich selbst den Entschluß, das All ins Dasein zu rufen. Niemand war dabei Sein Mitberater (Röm. 11, 34). Außer Ihm war keiner da. Nichts existierte außer Ihm, was Ihm hätte eine Veranlassung geben können zu Seinem Entschluß, die Welt zu erschaffen. Sein eignes Inneres, Sein Gotteswesen, Sein Höchstadel des Geistes und der Liebe drängten Ihn dazu, sich zu entfalten in heiligem Liebestrieb, und in göttlich vollkommenem Vorsatz den Weltplan der Äonen festzustellen und Sein machtvolles schöpferisches Werde-Wort auszusprechen.

Darum huldigen Ihm auch in ehrfürchtiger Anerkennung dieser gewaltigen Wahrheiten und Gotteswirklichkeiten die Herrlichkeiten des Himmels (Neh. 9, 6) und werfen ihre Kronen vor Ihm nieder und bezeugen: “Du bist würdig, o unser Herr und unser Gott, zu nehmen die Herrlichkeit und die Ehre und die Macht; denn Du hast alle Dinge (wörtlich: ta panta = das All) erschaffen, und Deines Willens wegen waren sie und sind sie erschaffen worden” (Off. 4, 11).

Auf die Frage der Geschöpfe: Warum existiert diese Welt und wir in ihr? gibt es nur eine völlig richtige Antwort, nämlich die: Weil Gott es so wollte!

Jeder Versuch, die Antwort auf diese Grundfrage vom Geschöpf aus zu geben, muß dem Fluch der Lächerlichkeit verfallen. Nicht der Topf hat den Töpfer gemacht, sondern der Töpfer den Topf. Alles, was das irdene Gefäß über seinen geistigen Urheber auszusagen versucht, ist Größenwahn und Selbstüberhebung. Die Weisheit dieser Welt mit ihren philosophischen Kunstgriffen ist Selbstbetrug und zugleich Irreführung und Täuschung der Unwissenden (Kol. 2, 8; 1. Kor. 1, 19; Jes. 29, 14; Ap. 17, 21; Psalm 2, 4; Matth. 11, 25-27 u. v. a.). Dazu ist alles, was nicht aus dem Glauben kommt, Sünde (Röm. 14, 23).

Über die Beweggründe des Herzens Gottes, die zur Erschaffung der Welt führten, kann nur einer etwas aussagen: Er selbst. Nur die Offenbarung dessen, der allein am Anfang alles Weltgeschehens stand, hat authentischen Wert. Alles andere ist nur ein mit der Stange im Nebel Herumfahren und wird in dem Augenblick, in dem es nicht als geschöpfliche Meinung und Hypothese gekennzeichnet ist, zur bewußten Lüge gegenüber der Masse.

Aber Gott hat nicht nur die Welt erschaffen, sondern ihr auch ein Ziel gegeben: sich selbst! Ebenso hat Er auch die Wege zu diesem Ziel in Seinem ewigen Vorsatz festgelegt.

In seiner Rede auf dem Areopag zu Athen bezeugt Paulus den Athenern, die einen Altar gebaut hatten mit der wahrheitsgemäßen Inschrift “Dem unbekannten Gott!”, daß dieser Gott, der die Welt gemacht hat, sie auch ordnet und erhält, und daß Er sie auch dem Ziele ihrer Bestimmung zuführt (Ap. 17, 22-31).

Gott, der das All Seines Willens wegen erschuf, hat alles Erschaffene zu Seiner Absicht gemacht (Spr. 16, 4). Was aus Ihm kam, ist auch für Ihn da und geht auch zu Ihm hin. Nichts und niemand kann Ihn hindern, Seinen Willen zu vollenden, es sei in Gnade oder in Gericht. Selbst Satan kann und darf in seinen Zerstörungs- und Verderbenswegen nur soweit gehen, als dies den Absichten Gottes dienlich ist und von Ihm erlaubt wird (vergl. hierzu Hiob 1 und 2; 1. Kor. 5, 1-5; 1. Tim. 1, 20: 1. Kön. 22, 19-22; Jes. 54, 16; 45, 5-7; 41, 4; 26, 12; Amos 3, 6 u. v. a.).

Wenn dies völlig ausnahmslos für alle und alles gilt, wievielmehr gilt das Besorgtsein des Ewigtreuen, der sich selbst nie verleugnen kann, im besonderen Seinen Kindern und dem Weg, den Er mit ihnen geht!

Dies zu wissen, ist wahre Wissenschaft! Und dieses Wissen, diese von Gott uns geschenkte Vollgewißheit, daß niemand und nichts uns von unserem Vatergott und Seiner Liebe trennen kann, ist unserem Herzen die köstlichste aller Wissenschaften, weil sie nicht aus dem Bereich menschlichen Denkens und Meinens stammt, sondern ein Ausfluß des ewigen Vaterherzens selbst ist. Darauf beruht unser Friede, unser Geborgensein inmitten der Hetze und Unsicherheit der Zeit und der Welt. Während die Menschheit verschmachtet vor Furcht und Erwartung der Dinge, die da kommen sollen und angesichts der sich in unheimlichem Tempo entwickelnden Zeitereignisse und Zukunftsmöglichkeiten in immer größere Angst und Ratlosigkeit versinkt, steht der Glaubende in Gott und damit im Zentrum aller Dinge und Geschehnisse. Gott im Mittelpunkt! Und wir in Ihm! Das ist der einzige Standort, in dem Ruhe herrscht! Wer dort steht, der ist zur Ruhe gekommen, gleichwie Gott! (Hebr. 4, 10).

Nur die, die in Gott geborgen sind, können sagen: “Wir wissen aber, daß denen, die Gott lieben, alle Dinge zusammenwirken zum Guten, denen, die nach Vorsatz berufen sind.”

“Wir wissen aber …” — Der Glaube ist eine gewisse Zuversicht, ein völliges überzeugtsein, ein zuversichtliches Wissen, eine Vollgewißheit, ein höchstes Wissen, ein Wissen um Höchstes und Letztes! Er hat es ja nicht mit den flüchtigen Erscheinungen des jetzigen Zeitlaufs und den sichtbaren Ereignissen dieser niedrigen, vergänglichen Welt zu tun, sondern mit den wesenhaften und unvergänglichen und bleibenden Dingen der kommenden neuen Schöpfung.

Man denke doch nur einmal an den jetzigen Leib, den wir tragen, der unseren Sinnen wahrnehmbar ist! Wieviel Mühe gaben sich seit Jahrtausenden Ärzte, Naturforscher u. a., seinen Aufbau und seine Funktionen zu erforschen! Unzählige unter ihnen opferten für diese Forschungen ihr Leben. Und doch zerfällt er! — Der Leib aus den Himmeln aber, den wir einmal anziehen werden, ist unzerstörbar und unverweslich (1. Kor. 15, 44; 2. Kor. 5, 1-4; Phil. 3, 20.21; Röm. 8, 23 u. a.). — Und mit diesem Leib der Herrlichkeit befaßt sich unser Glauben, während die Wissenschaft nur den Leib der Niedrigkeit erforschen kann.

Und so, wie es mit dem sichtbaren Leib der Niedrigkeit ist, ist es auch mit allen anderen Dingen dieser vergänglichen Welt. Was wir von ihnen wissen, hat nur zeitliche Bedeutung. Sie alle vergehen, wenn die Welt vergeht, und damit erlischt auch das Wissen um sie und hat keine Bedeutung mehr. Es ist nur ein bedingtes und relatives Wissen, kein absolutes. Das Wissen aus Gott aber ist absolut und bleibt ewig und unveränderlich. Zwar erkennen wir es nur stückweise, aber es vergeht nicht, sondern vertieft sich wachstümlich bis zur ganzen Gottesfülle und zur Erkenntnis aller Wahrheit, in die der Geist uns hineinführt.

Der Glaubende, der Geistesmensch, lebt und west in Christus. Christus ist sein Leben, sein Lebenselement. Sein Leben ist mit Christo verborgen in Gott (Kol. 3, 1-3). Mit Christus lebt er in den ewigen, bleibenden Dingen und Zuständen, und der Geist, der alle Dinge erforscht, auch die Tiefen Gottes, leitet ihn in die ganze Wahrheit, in alles Wesenhafte, und läßt ihn die Dinge erkennen, die uns von Gott geschenkt sind (1. Kor. 2, 6-16). Es sind dies jene Dinge, die nicht von dieser Schöpfung sind und daher auch nicht mit dieser Welt vergehen, sondern erst mit der Erscheinung der wesenhaften und unvergänglichen Welt hervortreten.

So schaut der Glaube das, was vor aller Zeit war und daher auch nach aller Zeit noch da sein wird. Rückschauend erkennt der Glaube das, was vor aller Zeit im Herzen Gottes vorging. Sodann schaut der Glaube um sich und erkennt die tiefsten Hintergründe und Zusammenhänge alles Weltgeschehens. Denn alles, was im Sichtbaren vor sich geht, hat seinen geistigen Ursprung im Unsichtbaren (Hebr. 11, 3). Endlich und zuletzt aber schaut der Glaube über alles Zeitliche hinweg und hinüber und hinauf in das Bleibende, das Überzeitliche, das Kommende, das Ewige, das bereit steht, geoffenbart zu werden.

Auf diese Weise erkennt der Glaubende durch die Erleuchtung des Geistes den vorzeitlichen Uranfang der Gemeinde, weiterhin ihren zeitlichen Beginn und Bestand und dann ebenso auch ihre überzeitliche Stellung.

Den vorzeitlichen Uranfang der Gemeinde setzte Gott in Seinem Vorsatz fest, den Er in Christo faßte vor den Zeiten der Äonen (Eph. 1, 4-6; 3, 11; Röm. 8, 28). — Sein Beweggrund war die Liebe, die nicht das Ihre sucht, sondern das, was des Andern ist. Sie ist die Höchstlust Seines Willens, Seine Eudokia, das Wohlgefallen Seines Willens und das Wohlgefühl Seines Geistes über die absolute Reinheit und Heiligkeit und Vollkommenheit und Herrlichkeit und gottgemäße Würde Seiner Beweggründe und Absichten und Entschlüsse und Ziele, sowohl im Blick auf sich selbst, als auch im Blick auf den Andern, den Menschen, das Geschöpf, die Kreatur (vergl. hierzu Eph. 1, 4-6; Luk. 3, 6 nach Elberfeld, Menge, Knoch u. a.; Röm. 8, 19; 1. Kor. 15, 28; 2. Tim. 1, 9; 1. Petr. 1, 20; 1. Kor. 2, 7; Röm. 16, 26; Eph. 3, 8-11; 1, 9-11; Kol. 1, 26 u. a.).

Der zeitliche Beginn der Gemeinde wurde verwirklicht, als mit der Auferstehung Jesu Christi, des Erstgeborenen aus den Toten (Kol. 1, 18; Off. 1, 5), das unvergängliche Leben Gottes und der kommenden Welt siegreich alle Fesseln und Bande des Kreatürlichen und des Todes durchbrach. Damit begann der neue Äon, das Leben der zukünftigen Welt, das heute schon gewissermaßen vorzeitig von den Glaubenden gelebt wird. Während die Welt noch der Wiedergeburt (palingenesia) harrt, haben die Glaubenden diese bereits erlebt und stehen im neuen Wesen des Geistes. Das Wesen der Gemeinde in der Jetztzeit ist darum die Darstellung des Auferstehungslebens und der Auferstehungskraft des Christus als dessen Mitauferstandenen (Kol. 3, 1-3; Gal. 2, 20; Eph. 1, 19-23; 3, 10; 3, 19; Phil. 1, 20; 2, 14-16; Kol. 1, 10.11.27-29; 2, 6; 2. Kor. 5, 14-16; 4, 6; 1. Kor. 6, 19.20; 1. Petr. 4, 14; Röm. 8, 28). Damit ist die Gemeinde das Modell der kommenden Erneuerung für die ganze Schöpfung, ein Schauspiel der Welt, ein Theatron dem Kosmos, Engeln und Menschen (1. Kor. 4, 9b; Eph. 3, 10; 1. Petr. 1, 12b; vergl. 2. Kor. 2, 14; Röm. 8, 32; 8, 19).

Die überzeitliche Stellung der Gemeinde tritt in Erscheinung, wenn mit der Erlösung des Leibes die Glaubenden in das gleiche Herrlichkeitswesen des Vaters und des Sohnes versetzt sind und in dieser Lichtsklarheit und Wesensherrlichkeit der Geistleiblichkeit mit Christo offenbar werden (Röm. 8, 23; Phil. 3, 20.21; Kol. 3, 4; 2. Thess. 1, 10; 1. Joh. 3, 2; Matth. 5, 48; Röm. 8, 29; 8, 18-23; vergl. auch Joh. 17, 20-23; 1. Petr. 4, 14 u. a.).

So umfaßt der Glaube das Vorzeitliche, die Innenziele Gottes, die Er in Seinem Vorsatz vor den Äonen beschloß; dazu die Grundlagen alles Zeitgeschehens; über allem aber erkennt er die Endziele der Äonen (1. Kor. 10, 11; 15, 28).

Der ganze Ratschluß Gottes ist dem Glauben geoffenbart (Eph. 1, 9-11), und der Glaubende hält bei der Verkündigung des ganzen Ratschlusses Gottes nichts davon zurück (Ap. 20, 26.27), weil er sonst schuldig würde am Blut der Brüder. Siehe auch Röm. 15, 19; Kol. 1. 24-29.

Der Geist erforscht alle Dinge, auch die Tiefen Gottes (1. Kor. 2, 6-16), und leitet den Glaubenden in die ganze Wahrheit, in alles Wesenhafte (Joh. 16, 12). Gerade das, was der Weisheit dieser Welt verborgen ist (Matth. 11, 25-27), ist dem Glaubenden geoffenbart. Darum ist der Glaube die Zentralschau in das Wesen Gottes selbst und zugleich die Universalschau in das Wesen aller Dinge, in die beide kein erschaffener Geist hineinzuschauen vermag.

Was der natürliche Mensch nie von sich selbst aus sein kann, wird der Glaubende durch die Salbung und die Erleuchtung des Geistes: Verwalter (oder: Haushalter) der Geheimnisse Gottes (1. Kor. 4, 1). Vergl. hierzu Röm. 11, 25.26; 16, 26; 1. Kor. 15, 51.52; 2. Kor. 12, 1-4; (1. Kor. 14, 1); Gal. 1, 11.12.15.16; 2, 2; Eph. 1, 9-11.17-23; 3, 1-11.14-21; 4, 7-16; 5, 32; Kol. 1, 9.10; 2, 1-4.9.10; 3, 1-4; 1. Thess. 4, 13-18; 2. Thess. 2, 1-12; 1. Tim. 3, 16 u. a. — Siehe auch Dan. 2; Psalm 25, 14; Amos 3, 7; 1. Mose 18, 17; Hebr. 8, 5; 2. Mo. 25, 9; Dan. 9, 21-27; Ap. 2, 25-31; 3, 19-21 u. v. a.

Glaubende sind Wissende um die Dinge der Ewigkeit und um das Göttliche selbst. Darum ist Glaube höchstes Wissen, gegen das jegliches Wissen des natürlichen, unerneuerten Menschen sich verhält wie der schwache Funken des glimmenden Dochtes gegenüber dem Lichte der Herrlichkeit Gottes, das auf dem Berge der Verklärung von dem Angesichte Jesu Christi strahlte, und das auch einmal von unserem Angesicht strahlen wird, wenn wir Ihm gleich sein werden und heller leuchten als die Sonne, dann, wenn wir mit Ihm in Seines Vaters Reich offenbar werden.

Der Glaube ist eine gewisse Zuversicht, ist eine Vollgewißheit des überzeitlichen, ist Höchstmaß des Wissens, weil ihm die Erkenntnis des Göttlichen Selbst anvertraut ist. Das Wissen des Glaubenden ist daher nicht nur ein bloßes Kennen von Sachen und Dingen. Indem der Glaubende sich in liebender Hingabe in der Inbrunst des Geistes eins macht mit den unvergänglichen Wesenheiten der kommenden neuen Welt, erkennt er sie in zeugungsmäßiger Einswerdung. Es ist also kein verstandesmäßiges seelisches Wissen oder Kennen, sondern ein geistliches Erkennen, das über jede natürliche Kenntnis weit hinausgeht. Durch den Akt der Erkenntnis wird der Glaubende wesensmäßig eins mit dem zu Erkennenden. Deshalb besitzt der Glaube das Kommende bereits in wesensmäßiger Verwirklichung im Geiste und genießt so die Dinge der Ewigkeit schon jetzt voraus.

Wenn Paulus in den dritten Himmel entrückt war, bis ins Paradies, oder wenn Johannes das himmlische Jerusalem im Geiste schaute, so ist für sie die Tatsache, daß diese Dinge vorhanden und von ihnen geschaut wurden, das Wesentliche; die Zeit der Herabkunft der Gottesstadt auf die Erde aber, wie auch das Herniederkommen des Paradieses, ist für die beiden Seher nebensächlich. Was sie sahen, ist da, ist ewige Gotteswirklichkeit. Die Dinge stehen bereit, geoffenbart zu werden. Ihr Erscheinen ist nur eine Frage der Zeit, die gegenüber der Tatsache der vorhandenen Wesenhaftigkeit unwesentlich ist.

So genießt der Glaube im Voraus die Gaben und Kräfte des kommenden Äons und erfährt hierdurch ständig in höchster Wirklichkeit, in unwandelbarer Geistlichkeit die Wesenhaftigkeit der unsichtbaren Welt.

Was ist demgegenüber alles Wissen um die Dinge dieser Welt? — Sie vergehen alle einmal, und mit ihnen versinken die Ordnungen und Regeln und Gesetze, denen sie unterworfen waren und nach denen sich ihre Veränderungen und Erscheinungen vollzogen. Im großen Weltenbrand wird alles ausgelöscht. Da steht das Geschöpf am Ende aller seiner Werke, und schaurig bestätigt sich die Wahrheit der Schrift hinsichtlich alles fleischlichen Wirkens der Gesamtmenschheit: “Was die Nationen wirken, ist alles doch für das Feuer.” Im Zeitalter der Atombombe sollte dies zuletzt auch der Harmloseste begreifen lernen!

Das Wissen um die jetzige Welt und ihre Ordnungen ist zweifellos notwendig, ja, es ist gut und nützlich, wenn es von den Wissenden als das gewertet wird, was es ist, nämlich als ein Wissen um das, was wieder hinweggetan wird (vergl. hierzu 2. Kor. 3, 11). Auch das Vergängliche dient seiner vorübergehenden Aufgabe in einer großen, aber vorübergehenden Herrlichkeit, die jedoch nicht im entferntesten verglichen werden kann mit der Herrlichkeit des Bleibenden, das im Begriff steht, geoffenbart zu werden. Um diese Herrlichkeit des Wesenhaften aber weiß der Glaube, und er steht bereits lebens- und wesensmäßig in ihr. Er kennt und erkennt das Kommende, das Unvergängliche. Darum vergeht dieses Wissen des Glaubenden nimmer und ist so schon heute die einzige Gewißheit, die diesen Namen verdient. Der Glaube ist eine gewisse Zuversicht (Luther) oder, nach dem Grundtext, die Verwirklichung (= Wesentlichmachnung) unseres Erwartungsgutes (Hebr. 11, 1), das in den Himmeln bereits vorhanden ist von Anfang der Welt an und bereitgestellt ist, geoffenbart zu werden.

Es ist also ein unendlicher Unterschied zwischen dem Wissen des natürlichen Menschen und der Glaubensgewißheit des erneuerten Menschen. Wenn er aus der ihm zuteil gewordenen Gotteswirklichkeit heraus es ausspricht: “Wir wissen aber …”, so schaut er alles im Lichte Gottes und stellt alles in dieses Licht. Er schaut alle Dinge im Lichte der Ewigkeit und mißt sie mit dem Maßstab des Glaubens nach ihrem ewigen Wert. Alles Unwesenhafte stellt er nebenaus und rückt alles Wesenhafte in den Mittelpunkt. Ja, alles, auch das Kleinste in der Welt und in unserem eigenen Leben, erhält seinen Sinn durch die Beziehung, die es im Plane Gottes für uns einnimmt.

Gott hat alle Dinge so geordnet, daß alles Ihm dient. Und zugleich hat Er alles so geordnet, daß es auch Seinen Kindern zum Besten dient. Das Kennzeichen aber der Kindschaft ist die Liebe. Wer Gott nicht liebt und seinen Bruder nicht liebt, ist noch im Tode. Liebe ist das Höchstmerkmal geistlichen Lebens! Darum kann nur der in Wahrheit und Wirklichkeit lieben, der ins Leben gezeugt ist. Alles Kreatürliche sucht sich selbst.

Wir alle konnten Gott einst von uns aus überhaupt nicht lieben, solange wir, wie auch die übrigen, in der alten Art unserer unerneuerten Gesinnung standen. Denn die Gesinnung des Fleisches ist Feindschaft gegen Gott (Röm. 8, 5-9). Das Fleisch steht in der Selbstbehauptung. Es lebt in dem Wahn, der von Satan im Paradiese in uns hineingepflanzt wurde, wir Geschöpfe könnten in uns selbst existieren. Jede Unterwerfung unter Gott bedeutet daher Aufgabe des Selbstwahns, Preisgabe der Wahnidee der Eigenständigkeit, Aufgabe der Täuschung, in sich selbst ewig zu sein und sich selbst durchsetzen zu können bis in die andere Welt, die Welt der Ewigkeit.

Diesen Wahn hält das Geschöpf eigensinnig und eigenwillig fest und verteidigt diese Stellung verzweifelt, selbst gegen Gott, ja, gerade gegen Ihn, weil es sich von keiner anderen Seite aus so bedroht fühlt, wie von der Seite der Allmacht Gottes aus. Das engt das Geschöpf seelisch auf das empfindlichste ein. Und Minderwertigkeit ist der sumpfige Untergrund für das Aufschießen hochmütigen Begehrens.

Eigenwille aber ist Abgötterei und Götzendienst, weil dadurch das Geschöpf versucht, sich selbst an Stelle der letzten Instanz zu setzen. Oder, um es mit unserem Beispiel von weiter oben zu veranschaulichen: Der Topf versucht die Rolle des Töpfers zu spielen (vergl. Röm. 8, 5-9 mit 1. Sam. 15, 23 u. a.).

Wer aber aus der Stellung der Feindschaft des Fleisches gegen Gott in die Stellung der Liebe des Geistes zu Gott gekommen ist, trägt damit in sich selbst den Erweis, daß er aus dem geistlichen Tode zum wesenhaften Leben durchgedrungen ist. Weil die wahre, geistliche Liebe aus Gott ist, ist jeder wahrhaft Liebende aus Gott und bleibt in Gott (1. Joh. 4, 19; Röm. 5, 5; 1. Joh. 4, 7-16; 5, 1.2; 3, 14 u. a.).

Nur dadurch, daß die Liebe Gottes in unsere Herzen ausgegossen ist, vermögen wir Ihn wieder zu lieben und auch Seine Kinder zu lieben. Liebe zu Gott und zu den Brüdern ist darum der Erfahrungsbeweis für die Tatsache, daß man aus der Feindschaftsstellung des Fleisches, die es gegen Gott einnimmt, herausgekommen ist und dafür hineinversetzt wurde in die Liebesstellung des Geistes.

Darum sind die, die Gott lieben, die wahrhaft Wissenden. Ihre Liebe erweist es, daß sie in einem neuen Wesen stehen. Ihnen dient nun alles zum Besten! Alle Geschehnisse im gesamten Kosmos wirken nach dem Vorsatz Gottes zusammen, sie, die Ihn Liebenden, vollenden zu helfen und dem Ziel ihrer Bestimmung entgegen zu führen und zu tragen.

Wer liebt, ist aus Gott und steht in Gott und bleibt in Gott. Er steht damit im Zentrum aller Dinge, im Mittelpunkt des Weltalls, im Ursprung des Lebens, in der Befehlsstelle des Kosmos, in Gott selbst.

Das All ist ja nicht nur aus Gott, sondern auch zu Ihm hin. Alle Dinge sind in ihrer Grundrichtung auf Gott hin erschaffen und angelegt und bewegen sich trotz aller Widerstände der Geschöpfe zuletzt und zutiefst auf Ihn zu, der einmal sein wird alles in allen. Wer daher in Gott steht, steht in dem Punkt, auf den zu sich alles hinbewegt. Der Glaubende steht in Gott und daher im Mittelpunkt alles Geschehens. Darum schaut er auch alles aus der Sicht Gottes, gewissermaßen mit den Augen Gottes. Er darf schauen, wie das ganze All auf Gott zukommt und damit auch auf ihn, den Glaubenden, der ja in Gott steht.

Weil der Glaubende in Gott steht und damit im Zentrum aller Dinge, wirft ihn nichts aus der Bahn, schleudert ihn nichts fort, drängt ihn nichts aus Gott heraus, sondern höchstens in Ihn hinein. Alles strömt ja dem Zentrum zu und hilft so dazu, jeden nach dem Zentrum zu sich Bewegenden näher zum Ziel zu schieben, näher zu Gott.

Alle Dinge, sie mögen heißen, wie sie wollen, Freud und Leid, Krieg und Frieden, Hunger und Sattsein, Himmlisches und Irdisches, Leben und Tod dienen denen zum Besten, die Gott lieben und an dieser Liebe selbst erkennen, daß sie nach dem Vorsatz Berufene sind.

Wären sie nicht nach dem Vorsatz berufen, so könnten sie ja gar nicht Gott lieben. Nur die Herausgerufenen stehen im neuen Leben und Wesen des Geistes und der Liebe. Darum ist Liebe der Zentralbeweis der Gotteskindschaft (1. Joh. 3, 14). Sie ist sowohl für uns selbst der Hauptbeweis, als auch für die Welt. Denn auch die Welt, der Kosmos, soll daran erkennen, daß wir Seine Jünger sind, daß wir Liebe untereinander haben.

Damit aber, daß die Liebe der Zentralbeweis der Gotteskindschaft ist, ist sie zugleich auch der Hauptbeweis für die in der Zeit erfolgte Berufung, die ja an uns geschah auf Grund des vorzeitlichen ewigen Vorsatzes Gottes. Auf Grund dieses Vorsatzes dient uns nun alles zum Besten. Nicht auf Grund unserer Liebe! Sie ist nur der Erweis dafür, daß wir berufen sind nach dem Vorsatz Gottes. Das Weltgeschehen aber, das uns zum Besten dient, vollzieht sich nicht vermöge unserer Liebe, sondern auf Grund des Vorsatzes Gottes selbst.

Der Vorsatz Gottes besteht nun nach Eph. 1, 9-11 darin, das All unter ein Haupt zu bringen in Christo. Der Sohn der Liebe ist ja der Grundstein des Alls und zugleich auch der Eckstein, das Haupt der Ecke. Wie bei einer Pyramide der ganze Bau von einem Grundstein aus begonnen wird, von da aus wächst und ausgerichtet wird und zuletzt mit dem Schlußstein gekrönt und abgeschlossen wird, in dem alle nach oben strebenden Linien und Kanten und Flächen zusammenlaufen, so ist das ganze All auf Christus hin angelegt. Aus Ihm ist es! Es ist für Ihn da! Und es bewegt sich auf Ihn zu! Er ist der Grundstein der Schöpfung Gottes, der Erstgeborene vor aller Kreatur (Kol. 1, 15), und zugleich nach dem Vorsatz Gottes ihr Herr und ihr Haupt, der krönende Schlußstein des ganzen Weltgebäudes, das Haupt der Ecke.

Es ist daher ohne weiteres verständlich, daß nach dem Vorsatz Gottes, den Er in sich selbst faßte vor Grundlegung der Welt, alle Dinge ihren bestimmten Platz in diesem Weltenplan haben; und da der ganze Plan auf den Sohn der Liebe aufgebaut ist und von Ihm durchgeführt wird und durch Ihn vollendet wird, so haben sie alle ihren Platz erhalten nach dem Zweck, den Er ihnen zugedacht hat, den sie für Ihn haben bei der Ausführung des Weltenplanes Gottes.

Alle Dinge dienen Ihm! Das gilt zunächst in seinem vollsten Umfang für den Sohn selbst. Dann aber gilt es auch den Mitteilhabern Seiner Verheißungen, den Gliedern Seines Leibes, die der Vater Ihm zur Durchführung Seiner Verheißungen gab (2. Kor. 1, 20; Eph. 3, 6).

Nachdem der Sohn das Ihm vom Vater übertragene Werk auf Erden vollendete und den Platz zur Rechten des Vaters einnahm, gilt das Augenmerk Gottes der Zubereitung des Leibes Christi als des Organes, durch das der Sohn Seine Zukunftsaufgabe in dem kommenden Äon durchführt. Darum konzentriert sich auch das Interesse der ganzen Schöpfung auf diese Heilskörperschaft, und die gesamte Kreatur sehnt sich, mit vorgerecktem Halse ausschauend, nach der Offenbarung der Söhne Gottes, wie der unserem Verse vorausgehende Abschnitt (Röm. 8, 18-23) klar und deutlich bezeugt. — Selbst die Glaubenshelden des Alten Bundes können nicht ohne uns vollendet werden (Hebr. 11, 39.40), und lagern daher als Wolke von Zeugen um uns (Hebr. 12, 1). Sie, die von Gott Zeugnis empfingen hinsichtlich ihres Glaubens, dürfen nun, uns umlagernd, Zeugen unseres Wachstums, unserer Zubereitung und Vollendung sein.

Es ist klar, daß der Schöpfer, der den Gliedern der Leibesgemeinde diese zentrale Stellung in Seinem Heilsratschluß gab, von jeher in Seinem Vorsatz geeignete Maßnahmen traf, die genügend Sicherheit dafür bieten, daß die Vollendung dieser Heilskörperschaft auch garantiert und sichergestellt ist. Darum hat Er bei der Aufstellung Seines Weltplanes die Ordnung aller Dinge und den Lauf des gesamten Weltgeschehens so geregelt, daß alles zusammenwirkt zur bestmöglichen Förderung und Entwicklung der Leibesglieder.

Nach Seinem göttlichen Vorsatz sind sie berufen, und nach eben demselben Vorsatz vollzieht sich ihre Vollendung. Er, der Ewigtreue, der sich aller Seiner Werke von jeher bewußt ist, und alle Tage Seiner Geschöpfe in Sein Buch schrieb, ehe es Tage gab, hat den Ablauf der Weltgeschichte so geordnet und festgelegt, daß jede Sekunde des gesamten Weltgeschehens der Schnittpunkt der höchsten Interessen aller ist. Er hat in Seiner göttlichen Mathematik die unzähligen Nenner aller Bruchteile des Universums auf einen General-Hauptnenner gebracht. Und dieser Hauptnenner steht seit jeher für jede Sekunde aller Zeitalter fest, so daß in jedem Augenblick das höchste Interesse jedes einzelnen Geschöpfes im Einklang steht mit dem höchsten Gesamtinteresse der ganzen Schöpfung und zugleich auch mit den letzten und höchsten Zielen des Schöpfers selbst.

Im Mittelpunkt des gegenwärtigen Zeitalters steht nun die Zubereitung der Leibesgemeinde. Am Werk ihrer Vollendung wirkt deshalb alles mit, was geschieht. Dies gilt ebensowohl für die einzelnen Glieder auf ihrem Glaubensweg durch diese Welt, als auch für den Gesamtorganismus des Körpers Christi. Alle Heiligen, die im Himmel und die auf Erden, stehen in einer unauflöslichen Lebensgemeinschaft und wachsen miteinander das Wachstum Gottes (Hebr. 12, 22-24; Eph. 2, 21; Kol. 2, 19; 1. Kor. 12, 12-26; 2. Kor. 5, 14-16; Eph. 4, 25; Gal. 2, 20; Phil. 1, 21 u. a.). — Auch die Heiligen, die schon ausheimisch sind von diesem Erdenleibe und einheimisch (oder: daheim) beim Herrn, bemühen sich dort weiter, Ihm wohlzugefallen (2. Kor. 5, 9). Hierbei schauen sie, die schon befreit sind von der verhüllenden Decke des Niedrigkeitsleibes, mit der ganzen Wolke von Zeugen auf uns, die wir noch den gegenwärtigen Wettlauf laufen. So ist die Gemeinschaft der Heiligen eine lebendige Wirklichkeit, denn sie sind in der Gemeinschaft mit dem Vater und dem Sohn und ebenso auch in der Gemeinschaft untereinander verbunden in der Kraft eines unauflöslichen Lebens, so daß auch der Tod sie nicht aus dieser Liebesverbindung mit dem Herrn und den Seinen herausdrängen kann. Niemand und nichts kann sie von der Liebe Gottes scheiden, die in Christo Jesu ist, unserem Herrn und Haupt (vergl. Röm. 8, 38.39). So gewiß der Herr Seine eigene Seele ausschüttete in den Tod, ebenso gewiß brauchte ein Henoch den Tod nicht zu sehen (vergl. Hebr. 2, 9 mit Hebr. 11, 5), und ebensowenig werden die mit Christus in der Kraft eines unauflöslichen Lebens verbundenen Glieder den Tod sehen (Joh. 8, 51.52). Sie leben, auch wenn sie gestorben sind (Joh. 11, 25). Für sie ist das Sterben Gewinn (Phil. 1, 21), und sie haben Lust, abzuscheiden und bei Christo zu sein, denn dies ist weit besser (Phil. 1, 23). Für sie, (nicht für die unerneuerte Welt!), ist das Gesetz der Sünde und des Todes aufgehoben (Röm. 8, 1.2). Sie bemühen sich daher auch nach ihrem Ausheimischwerden aus diesem Leibe weiter, dem Herrn wohlzugefallen (2. Kor. 5, 9). Sie werden auch gar nicht von dem Tode abgeholt, sondern entschlafen durch Jesum (1. Thess. 4, 14) und sind deshalb auch nicht Tote im Hades, wie die ungläubig Verstorbenen, sondern Tote in Christo (1. Thess. 4, 16). Ihre Gemeinschaft untereinander ist daher ebenso unauflöslich, wie ihre Gemeinschaft mit dem Vater und Seinem Sohne Jesus Christus.

Er, der Herr, das Haupt Seines Körpers, vermittelte Seinem Körper das gleiche unauflösliche Leben, das der Vater Ihm gab. Diese Vermittelung geschah, als Er uns Seinen Geist gab und uns damit zu Teilhabern Seiner eigenen Gottnatur machte (2. Petr. 1, 4). Dieses Leben ist nicht von dieser Welt (Joh. 17, 16) und kann daher auch nicht mehr nach den Ordnungen dieser Welt vergehen. Es ist aus Gott (Joh. 1, 13). Und alles, was aus Gott geboren ist, überwindet die Welt (1. Joh. 5, 4). Das ist Sohnschaft! Jeder Versuch, die Leibesglieder ihrer Teilhaberschaft an der göttlichen Natur irgendwie entkleiden zu wollen, ist Schmähung des Werkes des Sohnes. Der in uns lebende Christus kann nicht mehr sterben! Einem Geschöpfe, sei es auch der Tod oder der, der des Todes Gewalt hat, der Teufel, irgendeine Rechtsbefugnis oder eine Vollmacht über die einräumen zu wollen, die samt Christo hinaufgesetzt sind über alle Gewalten, Kräfte und Mächte, ist ein Antasten der Herrlichkeit des Christus und Seines Körpers (vergl. Eph. 1, 19-23; 2, 1-10; Kol. 2, 10; Hebr. 2, 14-15; Röm. 6, 9-11; 8, 2; Eph. 3, 6 u. v. a.).

Alle, die den Geist empfingen, stehen in der Einheit des Geistes, sowohl mit dem Herrn, der der Geist ist (2. Kor. 3, 17.18), als auch mit allen denen, die Ihn empfingen. Wer aber den Geist Christi nicht hat, der ist nicht Sein!

Dieses Seines Leibes wartet der Herr, wie nie ein Mensch seines eigenen Leibes gewartet hat. Christus ist des Leibes Heiland. Wir sind Sein Leib, von Seinem Fleisch und Seinen Gebeinen (Eph. 5, 23.29-32). Alles, was an diesem Leibe getan werden muß, tut Er selbst! Während Er einst Israel sammeln läßt durch Engel, holt Er Seinen Leib selbst ab. Er züchtigt und erzieht uns auch und zerschlägt zu diesem Endziel auch Seinen Leib, viel mehr als dies Sein Darsteller Paulus tat. Und Gott, der Vater Selbst, handelt durchaus mit uns als mit Söhnen (Hebr. 12, 7).

Der Vater ist für uns! Der Sohn ist für uns! Der Geist verwendet sich mit unaussprechlichen Seufzern für uns! Und das ganze All ist so geordnet, daß es mit allen seinen Vorgängen und Ereignissen uns dient!

Der Geist ist nicht nur Verheißung, wie das Wort der Verheißung, sondern Er ist die Wahrheit, die Wesenhaftigkeit, und damit ist Er zugleich auch Unterpfand dafür, daß auch unser Leib einmal ebenso lebendig gemacht wird, wie wir es im Geiste jetzt schon sind (Eph. 1, 14; Röm. 8, 23; Phil. 3, 20.21 u. a.). — Bis zur Auferstehung des Leibes aber tragen wir das Zwischengewand aus den Himmeln, damit wir nach dem Entkleiden (Sterben) nicht nackt erfunden werden, sondern uns weiter bemühen können, dem Herrn wohlzugefallen (siehe auch Offb. 6, 9-11).

Wer den Geist besitzt, steht im Wesenhaften. Darum ist die Gemeinschaft der Heiligen die einzige wesenhafte Körperschaft im gesamten All. Wir tragen den Geist als Erstling. Deshalb hängt auch die Hoffnung aller Kreatur, die ja auch von der Vergänglichkeit befreit und in das Wesenhafte umgestaltet werden möchte, davon ab, daß die Gemeinde vollendet und die Söhne Gottes offenbar gemacht werden in Herrlichkeit mit ihrem Haupte, Christus.

Es konnte daher, von Gott aus gesehen, gar nicht anders sein, als daß Er in Seinem Vorsatz alle Dinge um diesen Erstling des Geistes gruppierte, daß sie die notwendige Kulisse bilden für die Vollendung des Erstlings und ihn vorwärts tragen und treiben helfen auf dem Weg zu Seinem Ziel, damit dieser Organismus dann nach seiner Vollendung auch sie zur Vollendung führe, damit sie zur gleichen Freiheit der Herrlichkeit gelangen wie Er auch.

Könnte es für einen Gläubigen, der den heiligen Ruf Gottes im Evangelium hörte, eine festere Grundlage und eine größere Sicherheit geben als die Tatsache, daß der unwandelbare Gott schon vor Grundlegung der Welt, als niemand Sein Mitberater war, den Lauf aller Dinge so ordnete, daß sie uns alle zum Besten dienen? —

Welche Ruhe gibt dies dem Glauben! — Welcher Friede zieht hierdurch in unser Herz! — Gott hat nicht nur mein eigenes Leben geordnet, sondern auch das All der Dinge so um mich herumgestellt, daß sie alle mir zum Besten dienen! — Sollte meine Seele sich nicht freuen in heiliger Freude? — Sollte mein Geist Ihn dafür nicht anbeten? —

Ist es nicht Glückseligkeit, erkennen zu dürfen, daß der Ruf des Evangeliums gerade deshalb im rechten Augenblick unser Ohr und unser Herz erreichte, weil ja unsere Berufung nach dem Vorsatz Gottes erfolgte, und weil nach diesem Vorsatz unsere Zeit erfüllet war, die Zeit, in der wir gerufen bzw. berufen werden sollten, so, wie die Zeit für Paulus erfüllt war, als er in die Nähe von Damaskus kam? —

Steht nicht von dem Sohne Gottes geschrieben, daß Er durch Samaria reisen mußte (Joh. 4, 4)? — Der Vater hatte dies vor den Äonen so bestimmt, weil an diesem Tage ein sündenbeladenes und erlösungsbedürftiges Weib zur Quelle Jakobs kam, um Wasser zu schöpfen. Um diese Stunde mußte Er, der Sohn und Gesandte des Vaters, ebenfalls dort sein am Brunnen, an der Quelle, und zwar allein, ohne die Jünger, die weggehen mußten, um Speise zu kaufen. So konnte Er dem Weibe lebendiges Wasser geben. Darüber ließ sie ihren Krug stehen und lief in die Stadt hinauf, das Wasser des Lebens weitergebend, das in ihr zu einer Quelle lebendigen Wassers geworden war.

So genau geht die Uhr der Weltgeschichte, daß auch der Sohn, der nichts von sich selbst tun konnte, Seinen Weg einrichten mußte nach dem ewigen Heils- und Liebesplan des Vaters.

Nach diesem Plan verläuft auch unser Weg. Wer den Ruf Gottes hörte, weiß es, daß sein Leben eingeordnet ist in den Vorsatz Gottes, und daß er berufen wurde nach diesem Vorsatz.

Weil Gott es so wollte, und weil Er selbst der Planer und Berufer ist, konnte Er auch schon vor den Zeiten der Äonen uns in Christo erwählen und uns jene Gnade beilegen, deren wir in unserem Laufe bedürfen (2. Tim. 1. 9).

So geht uns die Erkenntnis, daß das All uns dient, dadurch auf, daß wir, die wir einst Feinde Gottes und Sünder waren, nun ständig erfahren an uns selbst, daß wir keine Feinde Gottes mehr sind, sondern Ihn lieben. Die Voraussetzung zu dieser Liebe aber ist die Liebe Gottes zu uns! Sie stellte uns, da wir noch gar nicht da waren, in Seinen Vorsatz hinein, und diesem Vorsatz entsprechend berief Er uns zu Seiner Zeit, die damit auch unsere Zeit wurde. Er, der in allem den Vorrang haben muß, legte vor der Zeit die Grundlage zu unserer Errettung, Zurechtbringung und Vollendung, damit dieses Heil dann in der Zeit an uns ausgewirkt werden konnte.

Der das All erschuf, ist unser Vater! Ihm dient es, weil Er es so für sich selbst einrichtete. Denn alle Dinge sind um Seinetwillen da (Hebr. 2, 10; Off. 4, 11; Röm. 11, 36 u. a.). Aber er ordnete alles so, daß alle Dinge zugleich auch den Söhnen dienen, die Er in Liebe zuvorbestimmt hat für sich selbst nach dem Wohlgefallen Seines Willens (Eph. 1, 3-5), damit so die Herrlichkeit Seiner Gnade gepriesen werde (Eph. 1, 6).

Laß auch uns Ihn preisen und segnen, der uns so gesegnet hat!

(Quelle: “Gnade und Herrlichkeit”, 2/1955; Paulus-Verlag, Heilbronn)

Sagen Sie uns Ihre Meinung!

Wichtige Hinweise:
1.) Eingereichte Leser-Kommentare geben nicht zwangsweise die geistliche Sicht und Meinung des Betreibers dieser Website wider.
2.) Der Betreiber hält sich vor, dem Wesen und Anliegen dieser Website zuwiderlaufende Kommentare nicht freizugeben resp. zu löschen. Dies geschieht selbstverständlich auf jeden Fall bei Kommentaren mit antichristlichen, beleidigenden, obszönen oder anderweitig gegen die guten Sitten oder den christlichen Geist verstoßenden Inhalten. Eine kritische und/oder kontroverse Haltung zu einem der hier verfügbaren Artikel und Texte ist dagegen keineswegs Grund für eine Nichtfreigabe, solange diese sachlich erfolgt und begründet wird.
3.) Bitte erwarten Sie nicht, dass der Betreiber dieser Website generell auf jeden abgegebenen Leser-Kommentar eingeht.
4.) Gelegentlich landen Kommentare auch ohne Spam-verdächtigem Inhalt im Moderationsordner. Woran das liegt, wissen wir nicht. Erstkommentatoren gehen generell über die Moderation. In diesen Fällen bitten wir um Nachsicht und ein wenig Geduld. Ihr Kommentar wird schnellstmöglich freigeschaltet.
5.) Wenn Sie ggf. einzusetzende Links nicht über das Quicktag/den Button "link" einbinden, bitte die URLs vorher bei short4u.de oder tinyurl.com kürzen!


468 Artikel online •
6 Besucher online