Wenn die Schrift bezeugt, daß Gott die Welt liebt, so ist damit gar
nichts darüber ausgesagt, wie die Welt ist, sondern nur, wie Gott ist.
Das gilt es einmal ganz klar mit allen Konsequenzen zu fassen.


Adolf Heller (1895 - 1973)
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Verherrlicht nun Gott in eurem Leibe!

Autor: Geyer, Karl  |  Kategorie(n): Gemeinde, Glaubensleben & Wandel, Heiligung, Hingabe, Versuchung & Verführung  |  979 x gelesen

(1. Kor. 6, 20)

Alles Geistige drängt danach, Gestalt anzunehmen. An und für sich ist der Geist unsichtbar. Darum wird auch Gott, der Geist ist, der unsichtbare Gott genannt (Kol. 1, 15; 1. Tim. 1, 17; Hebr. 11, 27; Röm. 1, 20; 1. Tim. 6, 16; Joh. 1, 14-18; 14, 8-11 u.a.). — Um sichtbar zu werden, mußte Er leibhaftig werden, d. h. in einem Leibe erscheinen, sichtbare Gestalt annehmen. Nur in dieser Form und Wesenheit ist die Liebes-Einheit zwischen Gott und Menschen restlos vollziehbar. Bis dahin ist sie nur geist- und glaubensmäßig wirksam. — In der Vollendung, wenn wir Ihn sehen, wie Er ist, wird die Liebes-Einung in der neuen Geistleiblichkeit schaubar vollzogen. Im Blick auf diesen Zukunftsstand sagt Oetinger mit vollem Recht: “Geistleiblichkeit ist das Endziel der Wege Gottes.”

Als Gott im Sohne ins Fleisch kam, so daß wir Seine Herrlichkeit in leibhaftiger Gestalt sehen konnten, jauchzte der Sohn in glückseliger Freude Seines gottseligen Herzens: “Schlachtopfer und Brandopfer hast Du nicht gewollt; aber einen Leib hast Du Mir bereitet!” (Hebr. 10, 5).

Sein Kommen in diese Welt diente also zunächst nicht der Befriedigung der Bedürfnisse der Menschen, sondern der Stillung des Liebesverlangens und des innersten Geistesdranges des Vaters, der sich im Sohne offenbaren und sichtbar darstellen wollte, und zwar so, daß der Sohn bekennen konnte: “Wer mich sieht, der sieht den Vater!” (Joh. 14, 8-11).

Darum sang auch die alte Gemeinde, die Ekklesia Gottes, die Er in 1. Tim. 3, 15 den Pfeiler und die Grundfeste der Wahrheit nennt: “Anerkannt groß ist das Geheimnis der Gottseligkeit: Gott ist geoffenbart worden im Fleische, gerechtfertigt im Geiste, gesehen von den Engeln, gepredigt unter den Nationen, geglaubt in der Welt, aufgenommen in Herrlichkeit” (1. Tim. 3, 16).

Im Sohn der Liebe wohnte nicht nur so ein Stück göttlichen Wesens, sondern die ganze Fülle der Gottheit leibhaftig (Kol. 2, 9). Im gleichen Brief bezeugt uns der Heilige Geist durch den Apostel Paulus, daß dieses Wohnen der ganzen Fülle im Sohne seinen Ursprung hatte in dem Wohlgefallen des Vaters (Kol. 1, 19). Es war des Vaters Wonne, Seine Lust, Sein Wohlgefallen, Seine Eudokia, das ist die Höchstlust der Wonne Seiner Liebe, im Sohne zu wohnen. Hier waren wirklich Gottheit und Menschheit in Einem vereint, so daß in Ihm, dem Gottessohn Christus Jesus, alle vollkommene Fülle erscheinet. Der Sohn der Liebe ist der Mittler zwischen Gott und Menschen, der in der Mitte zwischen beiden Stehende und Vermittelnde, der aus beiden eines macht, der Mensch Christus Jesus, der wahre und wesenhafte Gottmensch (1. Tim. 2, 5).

An diesem Punkte scheiden sich daher auch die Geister. Wer da bekennet, daß der Sohn Gottes ins Fleisch kam, der ist aus Gott. Ein jeder Geist, der das nicht bekennet, ist nicht aus Gott. Dies ist der Geist des Antichrists (1. Joh. 4, 1-3).

Ohne Fleischwerdung Gottes im Sohne gibt es keine gültige Versöhnung am Kreuz. Dann war das Kreuz nur der Ort eines edlen menschlichen Märtyrertums, aber nicht der Ort, an dem Gott in Christo war und die Welt mit sich selbst versöhnte (2. Kor. 5, 17-21). — Und ohne Kreuzestod gibt es auch keine Auferstehung. Wenn Gott in Christo nicht Sein eigenes Gottesleben in den Tod gab, konnte es auch den Tod nicht überwinden; denn ein in seiner eigenen Sünde dahinsterbender Mensch vermag die Wehen des Todes nicht aufzulösen. Der Tod hat Macht über alles Fleisch. Nur über das Leben Gottes im Geiste hat der Tod, der doch selbst nur ein Geschöpf ist, keine Vollmacht. Darum mußte er sich vor dem Sohne Gottes, in dem die ganze Fülle der Gottheit leibhaftig wohnt und den niemand einer Sünde zeihen konnte, einfach beugen und Ihm, dem Herrn des Lebens, der alle Gewalt im Himmel und auf Erden hat, die Schlüssel des Totenreiches abliefern.

Fleischwerdung, Kreuzestod und Auferstehung sind die drei großen Grundpfeiler der Heilsgeschichte. Als Folge dieser drei Geschehnisse zeigen sich die drei weiteren Großereignisse: Himmelfahrt, Verherrlichung zur Rechten des Vaters und die bevorstehende herrliche Wiederkunft des Sohnes. Dann wird als letztes Großereignis der Sohn sich selbst dem Vater unterordnen, damit Gott sei alles in allem.

Wie der Vater Seine ganze Gottesfülle in einen Leib ergoß, weil dies so Seine Wonne war, so jauchzt auch der Sohn in heiliger Freude darüber, daß Ihm der Vater einen Leib bereitet hat. Und ebenso erscheint auch der Heilige Geist nicht in unsichtbarer Weise, sondern in leibhaftiger Gestalt, in der Er auf Ihn herabstieg, um in Seiner ganzen Fülle in Ihm zu wohnen, bis das Werk auf Erden vollbracht war. Er blieb auf Ihm! Vergleiche das Zeugnis des Lukas in seinem Evangelium des Menschensohnes (Luk. 3, 21.22) mit dem Zeugnis des Johannes im Evangelium des Gottessohnes (Joh. 1, 32-34).

Der Vater offenbart sich im Fleisch, indem er Seine ganze Gottesfülle in einem Menschenleibe wohnen läßt. Der Sohn jauchzt, daß der Vater Ihm einen Leib bereitet hat. Und der Heilige Geist erscheint in leibhaftiger Gestalt, um im Sohne zu wohnen und auf Ihm zu bleiben.

Fürwahr, hier zeigt sich der letzte Grund dafür, warum die Wonne Gottes von jeher an den Menschenkindern war (Spr. 8, 30.31), während Er zu keinem der Engel sagte: “Du bist mein Sohn, heute habe ich dich gezeugt” (Hebr. 1, 4-14). Sie alle sind dienstbare Geister, ausgesandt zum Dienst um derer willen, welche die Seligkeit ererben sollen, aber nicht gezeugte Söhne, wie es der Erstgeborene (nicht Ersterschaffene) war, und wie es alle nachgeborenen Söhne auch sind, die durch Geisteszeugung das gleiche Leben haben wie der Vater und der Sohn (Gal. 3, 26; Röm. 8, 14-17 u.v.a.).

Was ist es daher für eine unbegreifbar hohe Herrlichkeit, wenn durch diese geist- und glaubensmäßige Neuzeugung Gott in unserem Leibe wohnt! Unser Leib ist ein Tempel Gottes (1. Kor. 3, 16.17; 2. Kor. 6, 16). Wenn jemand den Tempel Gottes verdirbt, den wird Gott verderben! Wir sind eine Behausung Gottes im Geiste, ein heiliger Tempel (Eph. 2, 20-22).

So, wie wir Gottes Tempel sind als Gemeinde, und zugleich der Leib eines jeden einzelnen Gotteskindes ein Tempel Gottes ist, so sind wir auch ein heiliger Tempel im Herrn (Eph. 2, 21), weil ja der Christus durch den Glauben in unseren Herzen wohnt. “Christus in uns, die Hoffnung der Herrlichkeit!”

Und ebenso, wie wir ein Tempel Gottes und ein Tempel Christi sind, sind unsere Leiber auch der Tempel des Heiligen Geistes, der in uns wohnt, so daß wir nicht mehr uns selbst gehören, sondern dem, der uns um einen Preis erkauft hat (1. Kor. 6, 19; 2. Kor. 6, 16; 2. Tim. 1, 14; 1. Petr. 4, 14b; Röm. 8, 9.11; 1. Kor. 3, 16; Joh. 3, 3-8).

Wie im Leibe des Sohnes der Vater in Seiner ganzen Fülle leibhaftig wohnte, und wie der Heilige Geist in leibhaftiger Gestalt auf den Sohn her abkam und auf Ihm blieb, so hat der Vater mit samt dem Sohne und dem Heiligen Geiste in uns Wohnung genommen (Joh. 14, 23: monê = Bleibestätte).

Kannst du ermessen, Kind Gottes, was es bedeutet, daß die drei höchsten Personen in dir wohnen? — Bist du dir überhaupt in deinem Leben Tag für Tag dessen bewußt, daß dies so ist, d. h. daß dein Leib ein heiliger Tempel ist, der gar nicht dir selbst gehört, sondern dem, der ihn für sich erkauft hat: dem Sohne; und dem, für den Er ihn erkauft hat: dem Vater; und ebenso dem, durch den Er die Neuzeugung bewirkte: dem Heiligen Geist.

Und bedenkst du täglich und stündlich, daß diese Innewohnung dazu dient, auch dich zu erfüllen zur ganzen Gottesfülle (Eph. 3, 19), wie sie im Sohne leibhaftig wohnt (Kol. 2, 9)?

Erkennst du daraus, wie überaus hoch Gott deinen Leib bewertet? — Und ersiehst du daran, warum Er nicht nur deinen Geist erretten will, der ja infolge der Gerechtmachung, der Rechtfertigung, der Gerechtsprechung schon Leben ist (Röm. 8, 9-11), während der Leib noch tot ist infolge der in uns wohnenden Sünde, sondern daß Er, der Gott des Friedens, nicht nur unseren ganzen Geist, sondern auch unsere Seele und unseren Leib tadellos bewahren will auf den Tag der Ankunft unseres Herrn Jesus Christus (1. Thess. 5, 23)? —

“Denn dies ist Gottes Wille: eure Heiligkeit, daß ihr euch der Hurerei enthaltet!” (1. Thess. 4, 3).

Vor der Hurerei sollen wir fliehen! Sie steckt von Jugend an in irgendeiner Form in jedem Menschen. Sie ist geradezu das Gelüste der Jugend. Jeder Kampf des Menschen gegen die Lust ist mit natürlichen Mitteln aussichtslos. Man kann nur vor ihr fliehen und sie in den Tod geben (1. Kor. 6, 18; 2. Tim. 2, 22; Tit. 2, 12; Röm. 6, 12; 13, 14; Gal. 5, 24; Eph. 2, 3; 4, 22; Tit. 3, 3; Jak. 4, 1; 4, 3; 1. Petr. 1, 14; 2, 11; 4, 2.3; 2. Petr. 1, 4; 2, 10; Jak. 1, 14. 15; Gal. 5, 16; 1. Thess. 4, 5; 1. Joh. 2, 15. 16 u.v.a.).

Wer irgendwie mit dem Fleische paktiert, geht im Fleische unter! Nur ein Wandel im Geiste bewahrt uns davor, die Lüste des Fleisches zu vollbringen (Gal. 5, 16). Sobald wir auf das Fleisch säen, d. h. die Lust, das Begehren des Fleisches bejahen (Jak. 1, 14-15), ernten wir vom Fleische Verderben (Gal. 6, 8).

Solange wir als Kinder Gottes im Geiste wandeln, stehen wir unter der Gnade, und das Gesetz ist ausgeschaltet und hat keinerlei Rechtsbefugnis gegen uns. Es kann uns nicht verurteilen, weil es gegen den Geist und Sein Wesen und Seine Gesinnung und Seine Frucht keinerlei Gesetz gibt (Gal. 5, 22.23; vergl. dazu Gal. 5, 16-21; weiter: Röm. 6, 14; siehe auch das ganze Kapitel!). Unter Gesetz kann man nicht über die Sünde herrschen. Das kann man nur unter der Gnade (Röm. 5, 17; 6, 14). Sobald wir aber die Lust des Fleisches mit unserem Willen bejahen, haben wir auf das Fleisch gesät und ernten daher auch vom Fleische Verderben. Der Boden der Gnade ist verlassen, und wir sind in unserer eigenen Kraftlosigkeit der Wirksamkeit der Sünde ausgeliefert. Darum richtet sich sofort das Gesetz gegen uns; nicht etwa gegen unseren Geist, der gerechtfertigt ist, sondern gegen unser Fleisch, das dem Urteil verfallen ist.

Deshalb übergibt Paulus (in 1. Kor. 5, 1-5) den Hurer dem Satan zum Verderben des Fleisches, auf daß der Geist errettet werde an jenem Tage. Und im gleichen Kapitel fordert er die Gläubigen auf, mit keinem Bruder Umgang zu haben, der ein Hurer ist (1. Kor. 5, 9-13; vergl. auch 2. Thess. 3, 6).

Wie ernst sind die Worte, die Paulus in Gal. 5, 19-21 spricht! Da steht unter den Werken des Fleisches die Hurerei an erster Stelle! Der Schluß aber heißt: “… daß, die solches tun, das Reich Gottes nicht ererben.” — Ebenso klar und eindeutig sagt Er uns in 1. Kor. 6, 9: “Irret euch nicht! Weder Hurer, noch Götzendiener, noch Ehebrecher, noch Wollüstlinge … werden das Reich Gottes ererben.” — Oder in 1. Kor. 3, 16-17: “Wisset ihr nicht, daß ihr Gottes Tempel seid, und der Geist Gottes in euch wohnt? Wenn jemand den Tempel Gottes verdirbt, den wird Gott verderben; denn der Tempel Gottes ist heilig, und solche seid ihr!” — Oder in 1. Kor. 6, 13b-20: “Der Leib aber nicht für die Hurerei, sondern für den Herrn, und der Herr für den Leib! … Wisset ihr nicht, daß eure Leiber Christi Glieder sind? — Soll ich denn die Glieder Christi nehmen und zu Gliedern einer Hure machen? — Das sei ferne! — Oder wisset ihr nicht, daß, wer der Hure anhängt, ein Leib mit ihr ist? — ‘Denn es werden’, spricht Er, ‘die zwei ein Fleisch sein.’ Wer aber dem Herrn anhängt, ist ein Geist mit Ihm. Fliehet die Hurerei! Jede Sünde, die ein Mensch begehen mag, ist außerhalb des Leibes; wer aber hurt, sündigt wider seinen eigenen Leib. Oder wisset ihr nicht, daß euer Leib der Tempel des Heiligen Geistes ist, der in euch wohnt, den ihr von Gott habt, und daß ihr nicht euer selbst seid? — Denn ihr seid um einen Preis erkauft worden. Verherrlicht nun Gott in eurem Leibe!”

Wir sind erlöst durch das ein für allemal geschehene Opfer des Leibes Jesu Christi (Hebr. 10, 10). Hierdurch sind wir für Gott erkauft und Ihm geweiht, d. h. geheiligt. Als Gottes geliebte Kinder sollen wir nun Seine Nachahmer sein. Das bedeutet aber auch, daß wir heilig sind, weil Er heilig ist. Darum sollen wir auch unseren Leib für Ihn als Schlachtopfer dahingeben, wie Christus den Seinigen für uns dahingab, Gott zu einem duftenden Wohlgeruch (Eph. 5, 1.2).

In den folgenden Versen (Eph. 5, 3-7) beschreibt uns Paulus, worin diese Darbringung als Schlachtopfer, Gott zum duftenden Wohlgeruch, besteht. Da soll nichts sein, was den Duft dieses Gott wohlgefälligen Opfers stört. Das erste, was ihn stört oder vernichtet, ist die Hurerei. “Hurerei aber und alle Unreinigkeit oder Habsucht werde nicht einmal unter euch genannt, gleichwie es Heiligen geziemt; auch Schändlichkeit und albernes Geschwätz oder Witzelei, welche sich nicht geziemen, sondern vielmehr Danksagung. Denn dieses wisset und erkennet ihr, daß kein Hurer oder Unreiner oder Habsüchtiger, (welcher ein Götzendiener ist), ein Erbteil hat im Reiche Christi und Gottes. Niemand verführe euch mit eitlen Worten, denn dieser Dinge wegen kommt der Zorn Gottes über die Söhne des Ungehorsams. Seid nun nicht ihre Mitgenossen.”

Daß in diesem Zusammenhang mit der Hurerei auch die Witzelei genannt wird, zeigt, daß jeder Mensch, der nicht mit seiner Unreinigkeit fertig wird, sie durch oberflächliches Gerede zu überdecken sucht. Denn Witzelei ist der Versuch der Seele, unbequeme Dinge, deren man nicht Herr wird, auf diese Weise abzureagieren oder zu überdecken. Im tiefsten Grunde ist dies Selbstbetrug und Lüge und Heuchelei, wenn auch meist unbewußt. Keinesfalls aber dient Witzelei dazu, Gott zu verherrlichen in unserem Leibe. Sie ist ja der wahrnehmbare Ausdruck einer niedrigen seelischen Verfassung, genau wie die Hurerei der sichtbare Ausdruck einer seelischen Gier ist.

Demgegenüber ist Danksagung das Zeugnis einer befreiten Seele, die mit den Führungen Gottes in ihrem Leben nicht nur zufrieden ist, sondern weit mehr als das: die Ihm huldigt, weil Er es nicht besser mit uns machen könnte, als Er es tatsächlich tut, so daß denen, die Gott lieben, alle Dinge zum Besten dienen.

Nach einer unserer Jugend-Freizeiten schrieb mir ein jugendlicher Teilnehmer: “Bei der Jugend-Freizeit hat mich kein Satz so getroffen, als der: ‘Man kann nicht zu gleicher Zeit vor Gott stehen und im Geiste anbeten und danksagen und dabei im Leibe huren’!”

Wenn demgegenüber ein Lehrbruder, Vater von drei Kindern, der mit einem jungen Mädchen seiner Gemeinde in Hurerei und Ehebruch lebte, auf die flehentlichen Bitten dreier Brüder, solches doch um der Ehre des Herrn und um der Reinheit der Gemeinde und um des Zeugnisses der Welt gegenüber zu unterlassen, die Antwort gab: “Ich will lieber in eine grobe Sünde fallen, als in einer Lehrfrage irren!”, so überfällt einem ein Grausen.

“Wer auf das Fleisch sät, wird vom Fleisch Verderben ernten!” Und: “Wenn jemand den Tempel Gottes verdirbt, den wird Gott verderben; denn der Tempel Gottes ist heilig, und solche seid ihr!”Ihr also, — nicht die Welt! Die Leiber der Weltmenschen, in denen der Geist Gottes noch gar nicht wohnt, sind keine heiligen Gottes-Tempel. Wenn wir aber gläubig geworden sind, und Christus wohnt durch den Glauben in unseren Herzen und macht mit dem Vater Wohnung darinnen und läßt Seinen Heiligen Geist in uns wohnen, dann sind wir, du und ich gemeint, wenn Paulus warnt, den Tempel Gottes nicht zu verderben. Das ist ein heiliges Gebot! Und wer es mißachtet, beweist damit, daß er den Vater und den Sohn nicht liebt. Denn wer den Sohn liebt, der hält Seine Gebote. Und Seine Gebote sind nicht schwer! (Joh. 14, 15.21; 15, 10; 1. Joh. 2, 3.4; 3, 22; 3, 24; 5, 2-4.)

Der Glaubende überwindet im Glaubensgehorsam durch die Macht (wörtlich: Übermacht) der Gnade die Sünde und durch die Vollmacht des Geistes die gesamte Welt.

Als Kinder des Gehorsams stehen wir unter dem Wohlgefallen des Vaters. Sobald wir ungehorsam sind, stellt Er uns unter Zucht. — Deshalb ist das Gesetz solange praktisch, außer Kraft gesetzt, als mir im Geiste wandeln und unter der Gnade stehen. Sobald wir aber die Grenze überschreiten und uns auf das Gebiet des Fleisches begeben, wird das Gesetz wirksam.

Es ist genau so, wie wenn ein Bürger in der Freiheit seines Landes wandelt und dabei von der Polizei unangetastet bleibt. Sobald er aber ohne Ausweispapiere eine fremde Landesgrenze überschreitet, wird er von der Polizei des fremden Staates festgenommen. Dafür ist gerade die Grenzpolizei da.

So gibt es auch im geistlichen Leben viele Grenzgänger, die ständig mit dem satanischen Ausland des Fleisches liebäugeln, und die von ihrer neuen Heimat, wo sie Bürgerrecht haben, längst den Reisepaß entzogen bekamen, mit dem sie fremde Gebiete betreten konnten. Versuchen sie es nun, wieder über die Grenze zu gehen, d. h. vom Bereich des Geistes auf das Gebiet des Fleisches hinüber zu wechseln, so unterstehen sie der fremden Gerichtsbarkeit und fallen unter Zucht und Strafe.

Deshalb sagt auch Paulus in 1. Tim. 1, 8-11: “Wir wissen aber, daß das Gesetz gut ist, wenn jemand es gesetzmäßig gebraucht, indem er dieses weiß, daß für einen Gerechten das Gesetz nicht bestimmt ist, sondern für Gesetzlose und Zügellose, für Gottlose und Sünder, für Unheilige und Ungöttliche, Vaterschläger und Mutterschläger, Menschenmörder, Hurer, Knabenschänder, Menschenräuber, Lügner, Meineidige, und wenn sonst etwas der gesunden Lehre zuwider ist, nach dem Evangelium der Herrlichkeit des seligen Gottes, welches mir anvertraut worden ist.” — Die Hurer und Ehebrecher wird Gott richten (Hebr. 13, 4).

Es ist ein heilig-ernstes Wort: “Draußen sind die Hunde und die Zauberer und die Hurer und die Mörder und die Götzendiener und jeder, der die Lüge liebt und tut” (Off. 22, 15; siehe auch Off. 21, 8).

Als der Herr in Seiner überwältigenden Barmherzigkeit dem im Ehebruch ergriffenen Weibe sagte: “Weib, wo sind sie, deine Verkläger? … Verurteilen sie dich nicht, verurteile Ich dich auch nicht”, setzte Er in heiliger Vollmacht die Worte dazu: “Geh hin, und sündige nicht mehr!” Und dem Kranken am Teiche Bethesda sagte Er: “Sündige nicht mehr, auf daß dir nicht Ärgeres widerfahre!”

Petrus aber schreibt in 2. Petr. 2, 20-22: “Denn wenn sie, entflohen den Befleckungen der Welt durch die Erkenntnis des Herrn und Heilandes Jesus Christus, aber wiederum in diese verwickelt, überwältigt werden, so ist ihr Letztes ärger geworden als das Erste. Denn es wäre ihnen besser, den Weg der Gerechtigkeit nicht erkannt zu haben, als, nachdem sie ihn erkannt haben, umzukehren von dem ihnen überlieferten heiligen Gebot. Es ist ihnen aber nach dem wahren Sprichwort ergangen: Der Hund kehrte um zu seinem eigenen Gespei und die gewaschene Sau zum Wälzen im Kot.”

Ungezählten Menschen, die sich oft lange Zeit zu den Gläubigen halten, geht es im tiefsten Grunde nur darum, aus den Depressionen herauszukommen, unter die sie durch ihre Sünde kamen. Um eine Entscheidung im Geiste und eine bewußte Ganzübergabe geht es ihnen nicht. Sie wollen durch einen billigen Gnadenakt nur Straflosigkeit durch Erlaß ihrer Schuld. Sobald ihnen diese durch den Zuspruch eines Bruders theoretisch-verstandesmäßig klar geworden ist, verschwinden die seelischen Depressionen, und mit dem Nachlassen des Gemütsdruckes atmet das Fleisch auf und beginnt langsam und unmerklich, die Freiheit des Geistes als Freiheit für das Fleisch zu benutzen. Das Kreuz, durch das wir mitsamt unserem Fleisch der Welt gekreuzigt sind und die Welt uns, ist ihnen zu unbequem. Sie werden Feinde des Kreuzes und gehen wieder von uns aus. Wären sie von uns gewesen, so wären sie bei uns geblieben. Eine verstandesmäßige Erkenntnis der Lehre von der Rechtfertigung genügt eben nicht. Es muß eine wahrhafte Lebensübergabe erfolgen und eine Neuzeugung im Geiste. Sonst ist alles nur Selbstbetrug.

Aber auch dem wahrhaft Gläubigen bleibt es nicht erspart, lebenslang die Tatsache des Mitgekreuzigtseins im Glauben nachzuvollziehen. Sonst wird auch er zum unberechtigten Grenzgänger und kommt unter Zucht und Gericht, wiewohl sein Geist Leben hat und gerechtfertigt ist und daher auch errettet wird an jenem Tage (1. Kor. 5, 5), aber nur so, wie ein Brand aus dem Feuer (1. Kor. 3, 11-15). Gekrönt werden solche unbewährten Gläubigen nicht (2. Tim. 2, 5) und erhalten auch keinerlei Regierungs-Vollmachten zum Mitherrschen (2. Tim. 2, 12). Sie sind errettet aus Gnaden durch den Glauben, aber unbewährt in der Heiligung. Weil sie aber Gott nicht verherrlichten in ihrem Leibe, verherrlicht auch Er sie nicht als Mitregenten in den kommenden Äonen. — Hier betrügen sich unzählige Gläubige selbst, die sich eine Lehr-Theorie von einer mechanisch wirkenden Gnade machten, mit der sie ihr Gewissen narkotisieren und einschläfern, wenn es sie auf ihren falschen Wegen warnen will. Dadurch geht ihnen allmählich jegliche Einsicht in das Geheimnis des Evangeliums verloren, weil dieses nur in einem reinen Gewissen bewahrt bleiben kann (1. Tim. 3, 9), während alle, die ein gutes Gewissen verletzen oder gar von sich stoßen, unbedingt am Glauben Schiffbruch leiden (1. Tim. 1, 19).

Wie wichtig der dauernde Nachvollzug des Mitgekreuzigt- und Mitgestorbenseins ist, geht aus Kol. 3 hervor. Da lesen wir in Vers 3: “Denn ihr seid gestorben, und euer Leben ist verborgen mit dem Christus in Gott.” Die Folgerung hieraus lautet in Vers 5: “So tötet nun eure Glieder, die auf der Erde sind: Hurerei, Unreinigkeit, Leidenschaft, böse Lust und Habsucht, welche Götzendienst ist.” Alle diese Dinge sollen wir dauernd im Todeszustand halten. Und auch hier steht die Hurerei an erster Stelle.

Die Zentralsünde gegen den Leib ist die Hurerei. Jede andere Sünde geschieht ausserhalb des Leibes. Wer aber hurt, sündigt wider seinen eigenen Leib. — Wenn dies schon im allgemeinen gilt für alle Menschen, wieviel mehr dann für den Leib des Gläubigen, der ein Tempel Gottes und ein Tempel des Herrn und ein Tempel des Heiligen Geistes ist!

Hurerei ist die völlige Preisgabe der gesamten Persönlichkeit des Menschen an die Hure oder an den Hurer und hat für die Gefallenen die gegenseitige entehrendste und schmachvollste Abhängigkeit zur Folge. Der durch die Innewohnung des Heiligen Geistes zum Tempel Gottes geweihte Leib wird durch die Hurerei, die eine Einswerdung im Fleisch der Sünde ist, zum Götzentempel und damit zur Auswirkung dämonischer Mächte.

Wo dies geschah, entweicht mit dem Verlust des guten Gewissens zugleich die Freude; und wo kein Friede mehr ist, weil der Heilige Geist betrübt und gedämpft wurde, kehrt die Not der Seele mit der schaurigen Nacht der Selbstvorwürfe ein, und der Geist zermartert sich in höllischer Pein.

Hier gibt es nur einen Weg der Zurechtbringung! Der gefallene Gläubige kann nur durch tiefste Reue und Buße und durch klares Bekenntnis und durch vollmächtiges Gebet geheiligter Brüder die verlorene Reinheit wiedererlangen und die Heilung des Schadens an Geist und Seele und Leib empfangen.

Jakobus, der leibliche Bruder des Herrn, schreibt hierzu in seinem Briefe: “Bekennet denn einander die Vergehungen und betet füreinander, damit ihr geheilt werdet; das inbrünstige Gebet eines Gerechten vermag viel” (Jak. 5, 16). — Und Paulus schreibt in Eph. 5, 13: “Alles aber, was offenbar wird, ist Licht!”

Wer aber seine Sünde verschweigt, empfängt keine Heilung. Ihm verschmachten die Gebeine; sein Saft verwandelt sich in Sommerdürre, und seine Kraft verfällt; denn zurückgehaltene Sünde wirkt wie Eiter in den Gebeinen und vergiftet den ganzen Menschen mit Todes- und Verwesungsprodukten (Ps. 32, 3.4; 31, 9.10, bei Luther: 31, 10.11).

Lies hierzu auch das ergreifende Bußgebet Davids im 51. Psalm! Es gibt wenige Stellen der Schrift, in denen die unheimliche Wirksamkeit unbekannter Sünde so klar und umfassend dargestellt wird. In heiliger Rücksichtslosigkeit gegen sich selbst bekennt und nennt David die Sünde, die er tat, als er zu Bathseba einging. Tief ergreifend ist die Beugung des großen Königs, und erschütternd ist sein Ruf: “Laß mir wiederkehren die Freude meines Heils!” (Vers 12 nach der Elberfelder Übersetzung; bei Luther Vers 14).

Verlust der Heilsfreude! Nicht des Heiles selbst. Aber der gefallene Mensch steht so lange nicht mehr im Frieden des Geistes und der Freude des Heils, als die Dinge, die Gottes Mißfallen erregen, nicht klar und bewußt hinweggetan sind. Der im Gehorsam wandelnde Sohn steht unter dem Wohlgefallen des Vaters; der ungehorsame Sohn wird unter Zucht gestellt, bis er zurückkehrt zum Gehorsam. Aber welche Not durchleidet der Mensch, solange er diese Zurechtbringung nicht sucht!

Und dies alles infolge der Preisgabe des Tempels Gottes an die Hure! Wie der Krebs um sich frißt, so zerstört die Hurerei den Menschen nach Geist und Seele und Leib.

Sollte dies für den Zerstörer der Erstgeburt, den Verkläger der Brüder, Satan, nicht der beste Ansatzpunkt sein, die Gemeinde unfruchtbar zu machen in ihrem Zeugnis, indem er sie zur Hurerei verführt? —

Mit dieser Sünde verführte einst Balak (= Verwüster) auf den Rat Bileams (= Volksverderber) das Volk Israel und brachte es unter ein furchtbares Gericht (4. Mose 31, 8.16; 25, 1-9). —

Deshalb geht Satans Methode dahin, die gesamte Menschheit für die herannahende Endzeit so vor- und zuzubereiten, daß jener Zustand wieder erreicht wird, der in den Tagen Noahs herrschte, als die Söhne Gottes zu den Töchtern der Menschen eingingen und sich erwählten, wen sie wollten. Damals kam das Gericht der großen Flut über die Erde und vernichtete die gesamte Menscheit bis auf acht Seelen, Noah und seine Familie.

Auf die Wiederkehr dieses Zustandes macht der Herr selbst ausdrücklich aufmerksam (Matth. 24, 37; Luk. 17, 26). Sollten wir diese Charakterisierung der Tage der Endzeit, die der Mund der Wahrheit uns gibt, irgendwie leichtfertig nehmen? — Sollten wir nicht vielmehr darauf achten, daß dieses stärkste Gift der Endzeit nicht auch uns irgendwie schädigt? — Die Gefahr, vom Gifthauch der Welt infiziert zu werden, besteht für jeden von uns. Die Abendschatten dieses Äons legen sich bereits heute in der sogenannten Vor-Endzeit immer dunkler auf die Welt. Weithin stehen auch die Gläubigen schon in der die Liebe verkühlenden Kälte der Finsternis. Einer der Hauptgründe aber ist der, daß sie sich scheuen, ins Licht zu treten und als Kinder des Lichtes auch im Lichte zu wandeln. Dies ist eine der tiefsten Ursachen des allgemeinen Verfalls unter dem Volke Gottes. Vergleiche auch hierzu die prophetische Bedeutung von 2. Kor. 12, 21.

Frieden erlangen wir durch die Rechtfertigung, die im Vorhof geschieht an dem Opferaltar des Kreuzes. Vollmacht aber erlangen wir nicht auf der Stufe der Kindheit, sondern erst im Jünglingsstande, wenn wir den Bösen überwinden. Darum schwindet auch die Kraft der Gemeinschaftsbewegung in demselben Maße, als sie nur noch Bekehrungs- oder Evangelisations-Bewegung ist und nicht mehr zielstrebige Heiligungs-Bewegung wie in ihren Anfängen. Und diese Kraft und Vollmacht, die wir in den kommenden Zeiten gegen das Ende hin viel notwendiger brauchen, als jede vorhergehende Generation, empfangen wir alle nur in dem Maße wieder, als wir in die bewußte Heiligung eingehen, ohne die man den Bösen nicht überwinden kann. Mit Sünden beladene Gläubige bilden für den Satan keine Gefahr. Sie haben sich mit ihrem Grenzübertritt ja wieder auf das Gebiet begeben, für das er zuständig ist. Er weiß, daß sie ihm von Gottes und Rechts wegen dem Fleische nach verfallen sind (1. Kor. 5, 5 u.a.; vergl. auch 1. Tim. 1, 18-20). Darum läßt er die ganze Kraft des Gesetzes als Stachel eines Skorpions an ihnen sich auswirken. So wird es für sie im wörtlichsten Sinne ein Dienst des Todes und der Verdammnis.

Der vom Weib geborene Mensch kann nur sündigen. Der aus Gott geborene aber kann an der Sünde keine Freude mehr haben. Er bewahrt sich deshalb, und der Böse tastet ihn nicht an (1. Joh. 5, 18)!

Wir werden durch Gottes Macht bewahrt, solange wir im Glaubensgehorsam stehen (1. Petr. 1, 5). Versuchen wir es aber, in bewußtem Ungehorsam den Weg des Fleisches zu gehen, so übergibt Er uns dem Satan zum Verderben des Fleisches, damit der Geist gerettet wird an jenem Tage. Denn wir, die legitim gezeugten Söhne, die nachgeborenen Brüder des Erstgeborenen, werden vom Herrn gezüchtigt, damit wir nicht mitsamt der Welt verdammt bzw. verurteilt werden (1. Kor. 11, 30-32; siehe auch Hebr. 12, 5-11).

Warum aber soll es erst soweit kommen, daß Er, der Vater der Liebe, Seine Kinder, die Söhne der Liebe, die Er versetzt hat in das Reich des Sohnes der Liebe (Kol. 1, 13), dem Satan übergeben muß, damit dieser das Fleisch der Ungehorsamen wegen ihrer dauernden und anhaltenden bewußten Grenzübertritte verdirbt? —

Sollten wir nicht allein schon aus Liebe zu unserem Gott und Vater und unserem Herrn und Haupt Jesus Christus den Weg der Heiligung gehen, von dem uns in 1. Thess. 4, 3 ausdrücklich gesagt ist: “Denn dies ist Gottes Wille: eure Heiligkeit, daß ihr euch enthaltet von der Hurerei!”?

In Röm. 12, 1.2 wird uns der Weg der Güte und des Wohlgefallens und der Vollkommenheit geschildert. Der Heilige Geist sagt dort durch den Mund des Paulus: “Ich ermahne euch nun, Brüder, durch die Erbarmungen Gottes, eure Leiber darzustellen als ein lebendiges, heiliges, Gott wohlgefälliges Schlachtopfer, welches euer vernünftiger Gottesdienst ist. Und seid nicht gleichförmig dieser Welt (eigentlich: diesem Zeitlauf), sondern werdet verwandelt durch die Erneuerung eures Sinnes (nous = Denksinn, Denkungsart, Gesinnung, Gemüt; vergl. Eph. 4, 23), damit ihr prüfen möget, was der Wille Gottes sei, — der gute und wohlgefällige und vollkommene” (vergl. hierzu Eph. 5, 10).

Unsere Leiber sollen wir als lebendige Schlachtopfer darstellen, damit wir wahrhaft Gott dienen und der Welt ein Zeugnis sind, indem sie unsere innere geistliche Gesinnung an unserem äußeren Werk und Wandel sieht und dadurch doch mancher Mensch dahingebracht wird, Gott um unserer guten Werke willen zu preisen.

Das Geistige wird nur sichtbar in seiner Verleiblichung. Darum bedarf Gott unseres Leibes, um an uns und durch uns Sein Wesen vor der Welt darzustellen. Nach 1. Kor. 4, 9b sind wir ein Schauspiel der Welt, ein Theatron dem Kosmos, Engeln und Menschen, d. h. Gott stellt uns als Darsteller Seines Wesens und Ausführer Seines Willens sichtbar hin vor die gesamte Welt, den ganzen Kosmos. An der Gemeinde soll den Fürstentümern und Gewalten im Lufthimmel die mannigfaltige Weisheit Gottes dargestellt werden (Eph. 3, 10). In diese körperhafte Darstellung des Wesens Gottes durch die Glieder der Leibesgemeinde, die ja nach 2. Petr. 1, 4 Teilhaber der göttlichen Natur sind, begehren die Engel hineinzuschauen (1. Petr. 1, 12), gleichwie die Menge der himmlischen Heerscharen bei dem Kommen des Sohnes Gottes ins Fleisch, als der Vater Ihm einen Leib bereitete aus dem Fleisch der Jungfrau Maria, ihre himmlischen Räume verließ und in der Heiligen Nacht auf Bethlehems Fluren erschien, um das unfaßbare Wunder zu schauen: “Gott gekommen ins Fleisch!”

Was damals die Welt bei der Geburt des Erstgeborenen erlebte, wiederholt sich bei jeder Neuzeugung eines Menschen aus Wasser und Geist. Da geraten die Himmel in freudige Erregung (so nach dem Grundtext!), und es herrscht Freude bei den Engeln Gottes über jeden einzelnen Sünder, der Buße tut.

Und wie das Kindlein wuchs und zunahm an Alter, Weisheit und Gnade bei Gott und den Menschen, so sollen auch wir aus dem Stadium des unmündigen Kindleins herauswachsen und zunehmen an Gnade und Erkenntnis, bis wir hinankommen zu göttlicher Größe, zum Vollmaß des Vollwuchses der Fülle des Christus, zum vollkommenen Mannesalter in Christo, erfüllt mit der ganzen Fülle Gottes.

Diesem Schauspiel sehen alle Engel und äonischen Fürsten zu. Sie begehren hineinzuschauen in das, was Gott in uns und an uns und durch uns tut; und immer wieder heißt es da Tag für Tag bei all unseren Handlungen und all unserem Wandel: “gesehen von den Engeln!”

So sind wir ein Schauspiel der Welt, ein Theatron dem Kosmos, oder, wie Paulus in Phil. 2, 15-18 sagt: Himmelslichter im Kosmos, darstellend das Wort des Lebens.

Und so, wie Paulus diese Darstellung in seinem Leibe vollzog (Phil. 1, 19-21), in seinem Körper (sóma), nicht nur im Innern seines Geistes (pneuma) und der Seele (psychê), so soll auch an unserem sterblichen Leibe Jesus Christus hoch erhoben werden, sei es durch Leben oder durch Tod.

Wenn der Christushasser Nietzsche sagte: “Sie müßten mir erlöster aussehen, diese Christen, wenn ich an ihren Erlöser glauben sollte”, so ist dies eine sehr bittere Kritik, die aber leider weithin berechtigt ist. Denn nicht nur bei der Masse des Namenchristentums ist es durchgängig so, daß man glaubt, mit der Zahlung seiner Kirchensteuer und dem Besuch etlicher Gottesdienste seiner Kirchenpflicht in der Hauptsache genügt zu haben, — nein, auch bis weit in die Kreise der Gemeinschaftsleute hinein ist von heiliger Hingabe, vom Nichtlieben des eigenen Lebens (Joh. 12, 24-26) und der Darbringung des eigenen Körpers als lebendiges, heiliges, Gott wohlgefälliges Schlachtopfer wenig zu sehen und zu verspüren.

Gott sei Dank! gibt es aber auch überall in allen christlichen Kreisen und Benennungen “Stille im Lande”, die sich bewußt und ohne Auftun ihres Mundes gegenüber ihren Peinigern auf den Altar legen und sich in aller Stille hinopfern für den Herrn und die Brüder, ihr Blut als Trankopfer sprengend über den Dienst der anderen. — Als Zeuge hierfür sei aus der Letztezeit nur einer unter den vielen genannt: Prof. Traugott Hahn, der sein Leben hätte in Sicherheit bringen können, aber als Hirte bei seiner Herde blieb, obwohl er wußte, daß dies für ihn den Tod bedeutete.

Es muß aber gar nicht sein, daß wir alle den Märtyrertod erleiden. Oft ist es viel schwerer, jahrzehntelang täglich zu sterben (1. Kor. 15, 34), als in Sekundenbruchteilen erschossen zu werden.

Zu diesem Zweck ist es notwendig, sich in bewußter Ganzhingabe auf den Opferaltar des Lebens zu legen und dort festbinden zu lassen für immer, damit jede Möglichkeit genommen ist, wieder herunter zu steigen, wenn es zu unbequem werden sollte. Als Isaak gebunden auf dem Altar lag, hatte er keine Möglichkeit mehr, von selbst dort herunter zu kommen. Von solchen Ganzopfern sagt der Psalmist in Ps. 118, 27, dem Lieblingspsalm Luthers: “Bindet das Festopfer mit Stricken bis an die Hörner des Altars!” (nach Elberfeld; siehe auch die Anmerkung in der Stuttgarter Jubiläums-Bibel zu diesem Vers).

“Wer sein Leben liebt, wird es verlieren! Wer sein Leben hingibt, der wird es finden!”

Sind wir, du und ich, Gebundene Christi Jesu? — Paulus war einer! Äußerlich war er ein Gebundener des römischen Kaisers, und zwar durch die Schuld der Juden. Innerlich aber war er ein Gebundener Christi Jesu für uns, die Nationen (Eph. 3, 1; 4, 1; Philem. 1 u. 9). — Und bindet uns das Band der Vollkommenheit, die Liebe (Kol. 3, 14), an den, der uns mit Seilen der Liebe zu sich zog (Hos. 11, 4)? — Und ist unsere Liebesbindung an Ihn so stark, daß wir um Seinetwillen auch die Brüder nicht lassen können und bereit sind, für sie das Leben darzulegen? —

Und wie reagieren wir Tag für Tag, wenn man uns bei lebendigem Leibe opfert? — Lassen wir die Leiden dieses lebendigen Opferweges und dieses Opfertums nur seufzend über uns ergehen, wie es die meisten tun, oder bewirkt das Geopfertwerden in uns die gleiche heilige Freude, wie sie Paulus in Phil. 2, 17.18 von sich bezeugt und ebenso auch von den Philippern erwartet (vergl. auch Phil. 1, 19-21 und 1, 29.30, sowie Kol. 1, 24-29)? —

Nur auf diesem Wege der Darstellung als lebendiges, heiliges und Gott wohlgefälliges Schlachtopfer auf allen Lebensgebieten machen die Berufenen und Ermählten ihre Berufung und Erwählung fest (2. Petr. 1, 10), wie auch eine Ehe nur vollzogen werden kann durch die dauernde liebesmäßige Hingabe beider Teile aneinander, nicht aber etwa nur durch die standesamtliche Erklärung der Ehe.

Die meisten Gläubigen lassen sich an der Erklärung ihres Kindesstandes genügen (vergl. Hebr. 5, 12-14; 6, 1.2; 1. Kor. 3, 1-3 u.a.), ohne ihren praktischen Zustand dem hohen Stande der Berufung anzupassen bzw. durch die Kraftwirkung des in uns wohnenden Christus anpassen zu lassen. Statt dessen gleichen sie sich in einem weltförmigen Wandel langsam aber stetig wieder diesem Zeitlauf an wie ein Demas (2. Tim. 4, 10) oder wie viele der Philipper (Phil. 3, 17-21), die Feinde des Kreuzes Christi geworden waren.

Wer seinen Leib als ein lebendiges, heiliges, Gott wohlgefälliges Schlachtopfer auf den Altar legt, begehrt nicht mehr, von dort wieder herunter zu steigen und in die Welt zurück zu gehen, wie es Demas tat.

Ein hingeopferter Leib aber ist ein duftender Wohlgeruch für Gott. Die Liebe des Geistes verhindert es, daß er wieder loskommen möchte von Gott und sich vom Altar losreißt und das Band der Vollkommenheit zerschneidet und dafür die zeitliche Ergötzung der Sünde sucht und ein Fleisch mit der Hure wird und der Welt anhangt.

Bei dem sich selbst Aufopfernden ist es wahr geworden: “Nicht mehr lebe ich! Christus lebt in mir!”
Ein hingeopferter Leib kann sich aber auch nicht mehr als ein zur öffentlichen Schau getragenes Modegestell betätigen, behängt mit den Fetzen der weltlichen Eitelkeit oder bemalt und lackiert mit den giftigen Tollkirschenfarben kindischer Affigkeit.

Der Glaube wirkt durch Echtheit und Würde, durch einfache, aber gerade dadurch vornehme Linien, durch edle Formen in Gewand und Benehmen, durch Qualität und Ehrlichkeit, durch Selbstbeherrschung und Anstand, durch Reinheit des Wesens und Adel des Geistes, durch Sauberkeit des Wandels und Güte des Herzens, nicht aber durch äußeren Bluff und Effekthascherei.

Es gehört zu unserer Christenpflicht, bei der hohen Bedeutung, die der Herr Seinem und unserem Leibe beimißt, auch des Leibes zu warten und ihn zu pflegen, doch so, daß er nicht geil werde, d. h., daß sich unsere Leibespflege nicht darauf richtet, Vorsorge zu treiben für die Erregung und die Erfüllung seiner Lüste (Röm. 13, 14 nach Luther und Elberfeld).

Wenn wir von dem Leibe in seiner Gesamtheit reden, so wäre notwendigerweise auch etwas zu sagen über die Betätigung der einzelnen Glieder unseres Leibes, so z. B. vom rechten Gebrauch der Augen, der Ohren, der Lippen, der Zunge, der Arme, der Beine, der Hände, der Füße, des Bauches und der Brust, der Leber, der Nieren und vor allem auch der rechten Gesinnung des Herzens. Das ist im Rahmen dieses Artikels nicht mehr möglich. Vielleicht geschieht es gelegentlich in einer Fortsetzung.

Weihen mir unseren ganzen Leib dem als Schlachtopfer, der Herzen und Nieren erforscht und prüft! Dann wird kein Giftpfeil der Unzucht uns die Leber spalten (Spr. 7, 22.23).

Bewahren wir unsere Füße vor falschem Weg und Wandel und unsere Zunge vor falschen Worten, die des Nächsten guten Namen und seine Ehre antasten und sein Glück unterwühlen. Denn dieses kleine Glied ist ein unstetes Übel voll tödlichen Giftes (Jak. 3, 5-9) und richtet furchtbare Verwüstungen an. Dabei genügt schon ein Reden widereinander, um unter Gesetz und Gericht zu kommen (Jak. 4, 11.12; 5, 9; vergleiche hierzu auch Spr. 6, 16-19; Jak. 1, 26).

Wir alle straucheln oft, d. h. viel und in jeder Hinsicht (Jak. 3, 2). Dies hängt zunächst einmal mit der Schwachheit unseres kreatürlichen Wesens und Daseins und Soseins zusammen. Wenn wir aber die großen, göttlichen Verheißungen in unserem Leben wirksam werden lassen, durch die wir ja Teilhaber der göttlichen Natur wurden, so machen wir unsere Berufung und Erwählung fest, und so werden wir dann niemals straucheln (2. Petr. 1, 10; vergl. 1, 3-10).

Ein hingeopferter Körper gehört völlig dem Herrn; und so verherrlichen mir Gott in unserem Leibe.

(Quelle: “Gnade und Herrlichkeit”, 1/1955; Paulus-Verlag, Heilbronn)

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