Wenn die Schrift bezeugt, daß Gott die Welt liebt, so ist damit gar
nichts darüber ausgesagt, wie die Welt ist, sondern nur, wie Gott ist.
Das gilt es einmal ganz klar mit allen Konsequenzen zu fassen.


Adolf Heller (1895 - 1973)
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Gedanken aus dem Buch Josua

Autor: Geyer, Karl  |  Kategorie(n): Biblische Symbolik, Das prophetische Wort, Erkenntnis & Wesen Gottes, Wort Gottes (Bibel)  |  963 x gelesen

(Nach einer Tonbandaufnahme der Untertürkheimer Konferenz am 24.04.1955)

Die Schrift ist in allen ihren Teilen siebenfach geläutert (Ps. 12, 6). So wie der Geist, der sie heiligen Menschen Gottes eingab, ein siebenfacher ist (Jes. 11, 2; Offb. 3, 1), so hat auch sie eine siebenfältige Bedeutung. Und nur, wenn wir uns das Wort in dieser ganzen siebenfältigen Fülle dienen lassen, können wir einen vollen Ertrag davon haben.

So dürfen wir auch das Buch Josua zunächst einmal geschichtlich betrachten. Dabei erkennen wir aber immer nur die Außenseite der Dinge und sehen: dies oder jenes hat sich damals und dort ereignet, oder so und so hat Gott in einer bestimmten Lage zu Josua geredet.

Um aber einen unmittelbaren Glaubensertrag für unser geistliches Leben zu haben, dürfen wir weitergehen zur praktisch-erbaulichen Betrachtungsweise. Da sehen wir dann alle Geschehnisse als Vorbilder für unseren Glaubenslauf an, und die Ermahnungen und Ermunterungen Gottes an Josua als Ermahnungen und Ermunterungen für uns.

Leider bleibt man bei diesen ersten beiden Betrachtungsweisen der Schrift meistens stehen, statt sich auch die prophetischen und symbolischen Bedeutungen anzueignen. Das ist ein großer Verlust. Denn das Wichtigste bei der Betrachtung der Schrift ist nicht, daß ich mich darin finde und meine Unzulänglichkeit, sondern die prophetischen Linien und vor allen Dingen: Ihn selbst!

Schon Luther hat vor mehr als 400 Jahren erkannt und gesagt: Josua bedeutet dem Namen und der Geschichte (dem Geschehen) nach: Christus! Es ist mir eine tiefe Freude zu sehen, daß der, den Gott benützte, um die Wahrheit der Rechtfertigung aus dem Glauben wieder auf den Leuchter zu setzen, nicht bei der geschichtlichen und praktisch-erbaulichen Auslegung stehenblieb. Dieser Ausspruch Luthers beweist, daß er eine Schau besaß und nicht nur eine Lehre.

Wenn wir in Jos. 1, 5 lesen: “Es soll niemand vor dir bestehen alle Tage deines Lebens”, oder im 9. Vers: “Sei stark und mutig … erschrick nicht und fürchte dich nicht; denn Jehova, dein Gott, ist mit dir überall, wohin du gehst”, dann sind das Verheißungen bzw. Ermunterungen und Ermahnungen, die wir zunächst praktisch-erbaulich auch auf uns beziehen dürfen. Wie sehr wir dazu berechtigt sind, wird uns klar werden, wenn ich einmal ein paulinisches Wort aus Phil. 4, 13 danebenstelle: “Alles vermag ich in dem, der mich kräftigt”, oder nach der Lutherübersetzung: “Ich vermag alles durch den, der mich mächtig macht, Christus!” Welch eine Übereinstimmung mit Gottes Verheißung an Josua in Kap. 1, 5! Wir dürfen also ein solches Wort in der ganzen Füllebedeutung paulinischen Evangeliums auf uns hin lesen.

In ähnlicher Weise finden wir im Philipperbrief mehrmals Parallelen zu Jos. 1, 9, so etwa, wenn Paulus in Phil. 4, 4 sagt: “Freuet euch in dem Herrn allezeit! Wiederum will ich sagen: Freuet euch!” Der Philipperbrief ist ja überhaupt derjenige unter allen Paulusbriefen, der als der “Weg-Brief” in der Mitte der drei “Fülle-Briefe” an die Epheser, Philipper und Kolosser dem Buche Josua am meisten entspricht.

Der voranstehende Epheserbrief gebraucht auffallend oft das Wörtlein “in”, und zwar an den allermeisten Stellen nicht im Blick auf das, was “in uns”, sondern was “in Ihm” ist. “In Ihm” sind wir vollendet, haben wir die Erlösung durch Sein Blut, hat uns Gott auserwählt vor Grundlegung der Welt, werden wir gesegnet usw. In Ihm liegt die ganze Fülle beschlossen. Deshalb redet auch gerade der Epheserbrief in 3, 19 von der ganzen Gottesfülle, in 4, 13 von dem Vollmaß des Vollwuchses der Fülle des Christus und in 5, 18b vom Vollmaß oder von der Fülle des Geistes.

Im Kolosserbrief, dem letzten der drei “Fülle-Briefe”, verhält es sich gerade umgekehrt. Während wir im Epheserbrief hier unten stehen und nach oben hinaufschauen, was wir alles in Ihm haben, und daß wir in Ihm versetzt sind in die Himmelsregionen, schaut Gott im Kolosserbrief herunter auf das, was Er in uns hat, auf den “Christus in uns, die Hoffnung der Herrlichkeit”, das Vollendungsgeheimnis der Leibesgemeinde.

Zwischen diesen beiden liegt nun das “Wegbrieflein”, der Philipperbrief, als eine Parallele zu Josua und zeigt uns, wie es uns hier unten auf dem Wege ergeht. Ich brauche da nur an Phil. 2 zu erinnern, wo uns der Weg Christi gezeigt wird, der in Gottgestalt war, dann 7 Stufen herabstieg und in 7 Stufen wieder erhöht wird, bis schließlich alle Zungen bekennen, daß Er der Herr ist, zur Ehre Gottes, des Vaters.

Auch die im Philipperbrief immer wieder vorgetragene Ermunterung zur Freude hängt mit unserem Weg hier unten aufs engste zusammen; denn auf dem Wege braucht man Freude, weil Freude Kraft mit sich bringt. “Die Freude am Herrn ist eure Stärke” (Neh. 8, 10). Das ist geistliche Freude und geistliche Kraft.

Wenn weiter dem Josua verheißen wird: “Ich werde dich nicht versäumen und dich nicht verlassen” (Kap. 1, 5b), so finden wir ja auch dazu unzählige Bestätigungen im Neuen Testament und in Erfahrungen und Erlebnissen unseres Lebens. Unser Vater im Himmel weiß, was wir bedürfen, schon ehe wir Ihn bitten. Und mit Seinem Sohn hat Er uns alles in betreff des Lebens und der Gottseligkeit geschenkt (2. Petr. 1, 3; Röm 8, 32).

Wir könnten so praktisch-erbaulich fortfahren und würden ermuntert und erquickt, wenn wir sähen, wie alles das, was im Josuabuche an Großem und Herrlichem verheißen ist und geschieht, dir und mir genau so gilt. Doch das ist noch lange nicht das Beste und Letzte. Das Letzte ist das, worauf wir schon hingewiesen wurden: daß wir Christus im Josuabuch finden. “Ihr erforschet die Schriften, denn ihr meinet in ihnen ewiges Leben zu haben, und sie sind es, die von Mir zeugen”, sagt der Herr in Joh. 5, 39 den Jüngern. Damit will Er ihnen sagen: “Ihr sucht immer nur etwas, womit ihr euch erbauen und erquicken wollt; dabei zeugt aber die Schrift letztlich immer von Mir. Solange ihr das nicht erkennt, geht ihr am Eigentlichen und Wesentlichen vorüber.” Zwar lebt ja der Mensch von einem jeglichen Wort, das aus dem Munde Gottes geht (Matth. 4, 4), und es ist daher recht, daraus zu leben und sich zu erbauen. Aber das Letzte ist, daß wir Ihn finden und nicht uns, auch nicht etwas für uns. Selbst ein Wort zum Leben ist nicht das Wichtigste und Letzte, denn letztlich geht es nicht darum, daß du lebst, sondern daß Er lebt, und daß wir dann aus Ihm heraus all das füllemäßig empfangen, was notwendig ist. —

In Kap. 1, 6 wird nun dem Josua verheißen, daß er dem Volke das Land als Erbe austeilen soll. Auch dieses Wort kann uns praktisch und vorbildlich mancherlei sagen, weil ja auch uns ein Erbteil gegeben ist, ein himmlisches Losteil, das uns der Heilige Geist heute als Angeld und Unterpfand garantiert, bis es einmal voll ausbezahlt wird (Eph. 1, 14). Auf diesen Zeitpunkt wartet die ganze Schöpfung, weil sie ahnt, daß durch die vollendete Söhnegemeinde auch ihr die Freiheit der Herrlichkeit geschenkt wird (Röm. 8, 19-21). Alle Verheißungen Gottes sind ja in Christo Ja und Amen, Gott zur Herrlichkeit durch uns (2. Kor. 1, 20). Das schließt in sich, daß auch einmal aller Fluch, der auf der Schöpfung lastete, in Segen umgewandelt wird, weil Er ein Fluch geworden ist.

So war vor Christi Auferstehung Sterben immer der größte Verlust, den es für einen Menschen geben konnte. Paulus aber kann in Phil. 1, 21 und 23 sagen, daß ihm Sterben Gewinn ist und er Lust hat abzuscheiden und bei Christo zu sein. — Welch ein Wandel! Früher hieß es: mit Leid fahre ich hinab (1. Mose 37, 35), jetzt aber: mit Lust hinauf, weil Christus dem Tode die Macht genommen und damit die Todesfurcht, die uns immer knechtete, weggenommen hat. Dadurch wurde für uns das, was Fluch war, Segen, ohne den wir niemals Gott von Angesicht sehen könnten. Denn niemand hat Ihn bisher gesehen als nur der Sohn, der Ihn auch kundgemacht hat (Joh. 1, 18). Wenn es aber erscheinen wird, was wir sein werden, dann werden wir Ihm gleich sein; denn wir werden Ihn sehen, wie Er ist (1. Joh. 3, 2). Deshalb erwarten wir heute die Sohnschaft, die Erlösung unseres Leibes, und sehnen uns, aus diesem Zelthaus, das uns bedrückt und beschwert, herauszukommen (Röm. 8, 23; 2. Kor. 5, 2).

Viele Gläubige glauben gar nicht, daß einmal wirklich alle Verheißungen eingelöst werden. Aber Er hat es gesagt, und deshalb trauen wir Ihm auch zu, daß noch einmal jeder Fluch in Segen verwandelt wird, und daß auch das, was uns heute als das Furchtbarste erscheint, Tod, Grab und Hölle, unter Seinen Segenshänden Segen wird.

Das Erbe, das Gott den Vätern geschworen hat, geht auch uns ganz praktisch an. So lesen wir in Röm. 4, 13, daß Abraham der Welt, des Kosmos Erbe sein soll, und 10 Verse später wird gesagt, daß dies nicht allein um seinetwegen, sondern auch um unsretwegen geschrieben steht, denen es zugute kommen soll. Wenn wir Kinder und Söhne sind, dann auch Erben Gottes und Miterben Christi (Röm. 8, 17). Ja, sollte Er uns dann mit Christo nicht auch alles (wörtlich: das All) schenken (Röm. 8, 32)? Daß also Abraham der Welt Erbe sein soll, gilt nicht allein ihm, sondern auch allen denen, die durch den Glauben Abrahams Söhne geworden sind und nach der Verheißung Erben (Gal. 3, 29).

Von all den alttestamentlichen Glaubenshelden, die uns in Hebr. 11 vor Augen geführt werden, unter denen sich ja auch Abraham befindet, heißt es am Ende dieses Kapitels in den Versen 39 und 40: “Und diese alle, die durch den Glauben ein Zeugnis erlangten, haben die Verheißung nicht empfangen, da Gott für uns etwas Besseres vorgesehen hat, auf daß sie nicht ohne uns vollkommen gemacht würden.”

So hat auch Abraham niemals auch nur einen Fußbreit des verheißenen Landes in Besitz genommen (Apg. 7, 5). Vielmehr zog er aus, ohne zu wissen, wohin er kommt, und wohnte zusammen mit Isaak und Jakob, den Miterben derselben Verheißung, als Fremdling im Lande der Verheißung (Hebr. 11, 8.9). — Wann kommt nun endlich der Abraham zu dem Erbe, das ihm Gott zugeschworen hat? Er nicht ohne uns! Denn alle Gottesverheißungen, also auch die an Abraham, werden ja ausgeführt Gott zum Lobe durch uns. Sie sind garantiert in Christus, dem Haupte, und werden einmal verwirklicht durch die Glieder, die denselben Namen tragen, den Er trägt (1. Kor. 12, 12; Apg. 15, 14). Christus der Gesalbte, die Christen die Gesalbten. Und wer darum Christi Geist nicht hat, der ist nicht Sein (Röm. 8, 9). Das heißt nicht, daß ein solcher verloren bleiben müßte, sondern zunächst nur, daß er nicht in den Leib eingefügt ist, denn dafür ist der Geist das Kennzeichen. —

Wer ist darum im tiefsten Grunde der Josua, der einmal das Erbe austeilt? Jesus ist der Erbe, und du und ich sind Miterben und Teilhaber Seiner Verheißung. Darum entspricht ja auch das hebräische “Josua” (= Jehoschua: der Herr ist Heil oder Heiland oder Retter) dem griechischen Namen “Jesus”.

Zuerst aber muß Christus selbst Sein Erbe bekommen. Diesen herrlichen Reichtum Seines Erbes hat Er in Seinen Heiligen. Das zu erkennen und zu erfassen bedarf es aber erleuchteter Herzensaugen (Eph. 1, 18). Erst wenn Christus zu diesem Seinem Erbteil gekommen ist, kann auch ein Abraham, der nun schon etwa 4000 Jahre darauf wartet, zu seinem Verheißungsgut kommen, und ebenso ein Abel, Seth, Henoch usw., die ja alle nicht ohne uns vollendet werden können.

Was wird es sein, wenn einmal die ganze Christusgemeinde, der ganze Christusorganismus, der ganze Christusleib, Haupt samt Gliedern, erscheint, um das Erbe auszuteilen! Wie verblaßt dahinter das Gesetz mit seinen Forderungen! Das Evangelium gibt, und geben ist seliger als nehmen. Wie Gott selbst uns eine unaussprechliche Gabe gegeben hat, so wird es auch unsere Zukunftsaufgabe sein zu geben.

Es erscheint uns fast zu groß, wenn wir an Abraham emporschauen, daß wir ihm, dem Vater der Gläubigen, einmal das Erbe austeilen sollen! Und doch hat es Gott so geordnet, einfach deshalb, weil wir den Christus kennen. Jene aber sind im Glauben gestorben und haben Ihn in der Weise, wie wir Ihn kennen, noch nicht gekannt. Darum müssen sich die Herzen der Väter einmal bekehren zu den Kindern (Luk. 1, 17).

Josua 1, 8: “Dieses Buch des Gesetzes soll nicht von deinem Munde weichen, und du sollst darüber sinnen Tag und Nacht, auf daß du darauf achtest, zu tun nach allem, was darin geschrieben ist; denn alsdann wirst du auf deinem Wege Erfolg haben, und alsdann wird es dir gelingen.” — Es gibt einen, der hat Tag und Nacht darüber nachgesonnen, der Mann, der auch im 1. Psalm glückselig gepriesen wird, weil er “seine Lust hat am Gesetz des Herrn und über Sein Gesetz sinnt Tag und Nacht”. Da ist nicht die Rede von Männern, die über das Gesetz nachsinnen, sondern von dem einen glückseligen Mann, der schon in den Äonen, ehe Er auf diese Erde kam, darüber nachgesonnen hat. Alles, was dieser Eine tut, das gerät wohl (Psalm 1, 3). Und weil Er dieser glückselige Mann ist, der Tag und Nacht wacht über Sein Wort, der auch von sich sagen konnte: “Meine Speise ist, daß Ich den Willen dessen tue, der Mich gesandt hat, und vollende Sein Werk”, und weil alles, was Er tut, gelingt, deshalb schließt auch das ganze Psalmbuch mit den Worten: “Alles, was Odem hat, lobe den Herrn!” Welch wunderbare Prophetie offenbart sich uns hier im Buch der Lobgesänge Israels!

Josua 1, 11: “Bereitet euch Zehrung; denn in noch drei Tagen werdet ihr über diesen Jordan ziehen, um hinzukommen, das Land in Besitz zu nehmen, welches Jehova, euer Gott, euch gibt, es zu besitzen.” — In drei Tagen können solche über den Jordan gehen, die dem wahren Josua, dem Jesus, dem Christus Gottes, angehören. Jordan bedeutet Todesstrom; er führt hinab in das Tote Meer. Der Tod holt die Menschen alle hinab in sein dunkles Reich. Manche liegen schon seit Jahrtausenden in den Gräbern. Wie lange willst du dort liegen?

Wer einmal Phil. 3, 7-14 angefangen hat zu verstehen, der weiß, daß wir auch jener Christusverheißung mitteilhaftig werden können: “Du wirst Meine Seele nicht im Hades zurücklassen, noch zugeben, daß Dein Heiliger Verwesung sehe” (Apg. 2, 27).

Der Welt gelten solche Verheißungen nicht; über sie ist ja das “katakrima”, das Verdammungsurteil, nicht aufgehoben. Für dich und mich aber ist das Gesetz der Sünde und des Todes aufgehoben durch das Gesetz des Geistes des Lebens (Röm 8, 2).

Josua 1, 12.13: “Und zu den Rubenitern und zu den Gaditern und zu dem halben Stamm Manasse sprach Josua und sagte: ‘Gedenket des Wortes, das Mose, der Knecht Gottes, euch geboten hat’.” — Daß hier auch ein halber Stamm aufgeführt wird, beweist gerade genug. Das sind solche, die auf halbem Wege zwischen Ägypten und dem Lande der Verheißung stehengeblieben sind. Auch sie bekamen ein Erbteil, aber diesseits des Todesstromes; die andern, die über den Jordan zogen, jenseits. So gibt es auch irdische und himmlische Verheißungen, Erben des Diesseits und Erben des Jenseits. Aber wenn schon ein Dichterwort sagt: “Die Freiheit und das Himmelreich gewinnen keine Halben”, so gilt das erst recht für das Gewinnen eines Erbteils im Jenseits. Die Halben bleiben im Diesseits stecken. Die streitbaren Männer aber kämpfen “drüben”. Ihr Kampf ist nicht wider Fleisch und Blut, sondern wider die Fürstentümer, wider die Gewalten, wider die Weltbeherrscher dieser Finsternis, wider die Geistlichen der Bosheit inmitten der Himmlischen. Himmlische Fronten (Eph. 6, 12), himmlische Berufung (Hebr. 3, 1), himmlische Stellung (Eph. 2, 1), himmlische Erwartung (Phil. 3, 20.21) — das ist nur für solche, die im ganzen Einsatz stehen. —

Aus dem Kapitel Josua 7 lese ich den 1. Vers: “Und die Kinder Israel begingen Untreue an dem Verbannten; und Achan, der Sohn Karmis, des Sohnes Sabdis, des Sohnes Serachs, vom Stamme Juda, nahm von dem Verbannten; und der Zorn Jehovas entbrannte wider die Kinder Israel.”

Wenn in der Gemeinde Gottes irgendetwas geschieht, was die Ehre Gottes antastet, dann ist jedesmal die ganze Gemeinde dafür haftbar. Denn auch umgekehrt ist es ja so: Wenn ein Glied leidet, dann leiden alle Glieder mit, und wenn ein Glied gesegnet wird, dann werden alle mitgesegnet und freuen sich alle mit (1. Kor. 12, 26). Denn wir sind nun einmal eine Körperschaft. Israel war eine Körperschaft nach dem Fleische, aus einem Fleisch, dem Abraham, hervorgegangen. Wir sind eine Körperschaft nach dem Geiste, durch den einen Geist zu einem Leibe getauft (1. Kor. 12, 13).

Wenn uns jemand einen Schlag auf die Hand oder auf den Rücken oder auf den Kopf versetzt, dann sagen wir nicht: der hat meine Hand oder meinen Rücken oder meinen Kopf geschlagen, sondern: der hat mich geschlagen. Damit wollen wir zum Ausdruck bringen: Welche Stelle meines Körpers betroffen wurde, das spielt keine Rolle, es gilt mir. Es gilt dem Ganzen.

Wie sie darum Christus gehaßt haben, so werden sie auch uns hassen um Seines Namens willen. Dazu brauchen wir gar nichts anzustellen. Die Tatsache, daß wir Ihm gehören und nicht mehr von dieser Welt sind dem neuen Menschen nach, genügt dazu. Und deshalb besteht auch bei uns, ob wir das wahrhaben wollen oder nicht, eine Solidarität, eine Gemeinschaft, Gemeinschaft des Geistes, Einheit des Geistes, Gemeinschaft mit allen Heiligen. Die ist einfach da. Deshalb leiden wir auch dann, wenn ein Bruder, der in Australien sündigt, durch den Geist gestraft wird, oder einer in Amerika. Und deshalb ist es töricht zu sagen, wenn irgendwo etwas vorkommt, z. B. ein Bruder wegen Unterschlagung bestraft wird: Welch ein Glück, daß der nicht zu unserer Kirche oder Gemeinschaft gehört! Der gehört ja zu diesem oder jenem Kreis. Solche Äußerungen sollten wir niemals tun. Gehört ein solcher dem Herrn, dann gehört er zu dir und mir, ganz einerlei, zu welcher Gemeinschaft oder zu welchem Kreis er gehört. Und deshalb leiden wir mit, tragen wir mit, lieben wir mit, dulden wir mit, auch wenn der Name des Kreises, dem jemand angehört, ein ganz anderer ist als der unsrige. Wir können uns einander nicht entziehen. Gott sei Dank ist das gar nicht möglich. Wir sind durch den Geist zu einem Leibe getauft, und diese Gemeinschaft ist die Gemeinschaft eines unauflösliehen Lebens. Und jeder Versuch, uns bei der Sünde eines Gotteskindes davonzumachen und zu sagen: Der gehört ja nicht zu uns, ist nichts als feige Flucht. Der Antichrist wird später einmal nicht fragen, zu welcher Kirche oder Gemeinschaft jemand gehört, sondern ob er zu Christus gehört. “Haben sie Mich verfolgt, werden sie auch euch verfolgen.” Deshalb: die Solidarität untereinander und mit dem Haupte können wir gar nicht aufheben.

Das zur Erklärung, damit nicht jemand denkt: Wie ungerecht! Jetzt hat der eine, Achan, etwas angestellt, und alle miteinander müssen so lange darunter leiden, bis sie den einen hinausgetan haben. — Schreibt nicht auch Paulus in 1. Kor. 5, 13: “Tut den Bösen von euch selbst hinaus”? Nicht, die in der Welt sind, sollen wir hinaustun, sondern die drinnen sind. “Was richtest du die, die draußen sind? Richtet ihr die, die drinnen sind!” Aus der Welt können wir das Böse nicht wegschaffen. Damit will uns der Teufel immer beschäftigen. Seine Parole lautet, wir müßten doch dafür sorgen, daß die Menschen anständiger, besser, moralischer werden, daß nicht so viel gestohlen und gemordet wird usw. Er will uns damit beschäftigen, daß wir das Fleisch frisieren, anstatt zuzunehmen im Geist. Wir sollen aber nach Gottes Willen im Geiste zur Fülle gebracht werden und weder unser Fleisch frisieren noch das Fremder. Wenn wir im Geiste wandeln, stirbt das Fleisch von selbst, und zwar an dir und mir. Für das Fleisch der Weltmenschen aber sind wir nicht verantwortlich. Daher können wir nicht dadurch Gottes Willen erfüllen, daß wir die Welt moralisch bessern wollen. Vielmehr kommt es darauf an, daß wir uns zubereiten lassen. Gott will überall in der Welt Modelle stehen haben, an denen man erkennen kann, wie Menschen Gottes aussehen. —

In dem 1. Vers von Josua 7, der sich so unschön anhört, liegen ganz wunderbare Zusammenhänge. Wenn wir lesen: “Und Achan, der Sohn Karmis, des Sohnes Sabdis, des Sohnes Serachs, vom Stamme Juda, nahm von dem Verbannten”, dann erscheint es uns zunächst merkwürdig, warum es nicht einfach heißt: “Und Achan nahm von dem Verbannten.” Warum wird da auch noch sein Vater, sein Großvater und sein Urgroßvater genannt? Von denen lebte doch keiner mehr! Denn alle die, die beim Auszug aus Ägypten älter als 20 Jahre waren, sind doch in der Wüste gestorben. Warum redet aber die Schrift noch von ihnen?

Dazu muß ich zunächst einmal sagen, was “Achan” bedeutet. Achan heißt Verwirrung oder Verwirrungstiftender, Unglückstifter. Daß er tatsächlich Verwirrung und Unglück gestiftet hat, sehen wir an seinem Verhalten.

Karmi bedeutet “mein Weinberg”. — Der Herr nennt Israel “Seinen Weinberg”. “Mein Geliebter hatte einen Weinberg auf einem fetten Hügel. Und Er grub ihn um und säuberte ihn von Steinen und bepflanzte ihn mit Edelreben; und Er baute einen Turm in seine Mitte und hieb auch eine Kelter darin aus; und Er erwartete, daß er Trauben brächte, aber er brachte Herlinge. Nun denn, Bewohner von Jerusalem und Männer von Juda, richtet doch zwischen Mir und Meinem Weinberge! Was war noch an Meinem Weinberge zu tun, das Ich nicht an ihm getan hätte? Warum habe Ich erwartet, daß er Trauben brächte, und er brachte Herlinge?” — Da muß Er den Weinberg ausrotten. Und was geschieht, wenn der Weinberg ausgerottet ist? Dann gibt es nach unserer Meinung nichts mehr.

Doch nach Karmi wird Sabdi genannt. Sabdi heißt “mein Geschenk”. Und zwar ist das Wort Geschenk in einem speziellen Sinne zu verstehen, als Verlobungs- oder Hochzeitsgeschenk; es heißt eigentlich “Aussteuer”, wörtlich sogar “meine Aussteuer”.

Als vierter wird daraufhin Serach genannt. Serach heißt “Aufgang”. Es hat uns einmal einer besucht, der hieß der “Aufgang aus der Höhe” (Luk. 1, 78). “Serach” begegnet uns noch in einem anderen Zusammenhang im Josuabuche, und zwar, wenn wir das Erbe Josuas betrachten. In Jos. 19, 49 und 50 lesen wir, daß Josua als Erbteil “Timnath-Serach” im Gebirge Ephraim bekam.

Achan bedeutet also Verwirrer oder Unglücksstifter, und sein Vater Karmi heißt “mein Weinberg”. — Ich lese dazu Jos. 7, 25b und 26: “Und ganz Israel steinigte ihn (nämlich Achan) … und sie errichteten einen großen Steinhaufen über ihm, der bis auf diesen Tag da ist. Und Jehova wandte sich von der Glut Seines Zornes. Darum gab man jenem Orte den Namen ‘Tal Achor’ bis auf diesen Tag.” Wie die Fußnote in der Elbf. Übersetzung bestätigt, heißt Tal Achor “Tal der Trübsal” oder “Tal des Unglücks”. Achan — der Unglücksstifter, Tal Achor — Tal des Unglücks oder des Unglücksstifters.

Nun sagt uns aber Hosea 2, 14.15 von Israel und dem Tal Achor folgendes: “Denn siehe, Ich werde sie locken und sie in die Wüste führen und ihr zum Herzen reden; und Ich werde ihr von dort aus ihre Weinberge geben, und das Tal Achor zu einer Tür der Hoffnung.” — Der Weinberg gehört eigentlich Ihm, dem Herrn. Dort im Tal des Unglücks, dort, wo das ungetreue Israel gesündigt hat, will Er ihnen ihren Weinberg wiedergeben, und zwar als Aussteuer, Heiratsgut, Geschenk, nämlich dann, wenn die Hure wieder Weib der Jugend wird (vgl. Hos. 2, 16.17.19.20). Dann bekommt sie als Verlobungs- und Hochzeitsgeschenk von Ihm all das, was Er ihr einmal genommen hat. Wenn wir in diesem Lichte die Worte “Achan, der Sohn Karmis, des Sohnes Sabdis” betrachten, dann sagen uns diese 3 Namen: Im “Tal des Unglücks” werde Ich ihr ihren Weinberg, der ja “Mein Weinberg” ist, als “Aussteuer” wiedergeben.

Die letzte Ursache dafür aber enthüllt uns der Name des Urgroßvaters Serach. All das bekommt Israel nur um dessentwillen, der uns als der “Aufgang aus der Höhe” besucht hat. Er wird sie dann nicht mehr nur besuchen, sondern unter ihnen wohnen und bleiben. Josua ist ja der Sohn Nuns, und Nun oder Non heißt “Bleibestätte”. “Der Vater und Ich werden kommen und Wohnung bei ihm machen” (Joh. 14, 23; wörtlich: Bleibestätte).

Das alles aber wird sich erst im Tausendjahrreich erfüllen. Deshalb steht das Wort von der Bleibestätte auch nicht in den drei ersten Evangelien, die nur Jesu Kommen ins Fleisch beschreiben und ausgesprochene Gerichtsevangelien sind, sondern im Johannes-Evangelium, dem Herrlichkeits-Evangelium, das dauernd hinweist auf das zweite Kommen Christi zu Israel, das deshalb auch 50 “Amen” enthält, aber zusammengefaßt in 25 “Amen-Amen” (wahrlich, wahrlich). Das weist uns darauf hin, daß bei Seinem zweiten Kommen Seine Gnade unsere ganze Schwachheit ausfüllen wird (5 x 5). Weil das Johannes-Evangelium das Herrlichkeits-Evangelium ist, finden sich auch nur dort die Worte “Wir sahen Seine Herrlichkeit” (Joh. 1, 14) und “Er offenbarte Seine Herrlichkeit” (2, 11) und Seinen Gebetswunsch “Und nun verherrliche Du, Vater, Mich bei Dir selbst mit der Herrlichkeit, die Ich bei Dir hatte, ehe die Welt war” (17, 5). —

An demselben Orte, wo Achan getötet wurde, will Gott einmal zum Herzen Israels reden. Dann gibt Er ihm das Tal Achor zu einer Tür der Hoffnung (Hos. 2, 15). Wo Gott unsere Sünde richtet, dort ist Hoffnung. Das glauben wir Ihm so wenig. Aber selbst in 1. Kor. 5, 1-5, wo Paulus davon redet, daß er jenen Blutschänder in der Korinthergemeinde dem Satan übergeben will zum Verderben des Fleisches, wird uns sogleich der Zweck genannt: “Auf daß der Geist errettet werde am Tage des Herrn Jesu.” Auch die Gerichte Gottes haben einen positiven Endzweck! Denn Er führt das Gericht hinaus zum Siege. Erst läßt Er die Menschen bankrott werden, und dann baut Er mit den Scherben dessen, was sie bauten, Sein Reich, nicht mit ihren Heldentaten.

Es sollte uns innerlich bewegen, zu sehen, wie der Geist Gottes etwas vor ungefähr 4000 Jahren aufschreiben läßt, was sich heute noch nicht einmal voll erfüllt hat, sondern erst im Kommen ist. Deshalb ist das feste prophetische Wort das Fundament, auf dem wir stehen. Während wir immerdar tasten, weiß Er, was kommt. Er hat es geplant und entworfen, und Er führt es auch aus. Und von Seinen Eidschwüren wird kein Wort zurückgenommen.

Wie ich schon anführte, begegnet uns der Name Serach noch einmal in Josua 19. Dort heißt es in den Versen 49 und 50: “Und als sie die Verteilung des Landes nach seinen Grenzen vollendet hatten, gaben die Kinder Israel Josua, dem Sohne Nuns, ein Erbteil in ihrer Mitte. Nach dem Befehle Jehovas gaben sie ihm die Stadt, die er verlangte, Timnath-Serach im Gebirge Ephraim; und er baute die Stadt und wohnte darin.” — Die Kinder Israel hatten ihre Losanteile bekommen, als letzter der Stamm Dan, von dem in 1. Mose 49, 17 gesagt ist: “Dan wird eine Schlange sein am Wege, eine Hornotter am Pfade, die da beißt in die Fersen des Rosses, und rücklings fällt sein Reiter.” Aus Dan ging der erste Flucher hervor, der erste Sabbatschänder und der erste Götzendiener. Dieser Stamm wird bei der Verteilung des Erbes zuletzt berücksichtigt.

Und doch kommt einer noch später an die Reihe, wenn alle schon ihr Teil bekommen haben: Josua. Er ist ja das Bild des Christus, sowohl dem Namen als auch dem Geschehen seines Lebens nach. Der Christus soll einmal alles ererben (Hebr. 1, 2). Und auch dir und mir will der Vater einmal mit Seinem Sohne alles schenken (Röm. 8, 32). Dies kann aber erst am Ende geschehen, wenn alle anderen schon ihr Erbteil haben.

Die verschiedenen Losteile der einzelnen Heilskörperschaften werden uns auch in dem Leben Abrahams vorgeschattet. Abraham hatte ja drei Frauen. Auf den Rat der Sara hatte er seine Magd Hagar genommen, die ihm den Ismael gebar. Aber der Sohn der Verheißung wurde doch von der Sara geboren. Nach ihrem Tode nahm er die Ketura, die ihm noch einmal 6 Söhne gebar.

Diese 3 Ehebündnisse schatten 3 Arten von Segnungen ab: Segen der Nationen, Segen Israels, Segen der Leibesgemeinde. Die Ketura mit ihren 6 Söhnen (6 = Zahl der Menschheit) weist auf die große Masse der Nationen hin. Ismael, der nach dem Fleische Geborene, ist nach Gal. 4, 23-25 ein Bild des irdischen Jerusalems und des sinaitischen Bündnisses, das zur Knechtschaft gebiert. Isaak aber, der Sohn der Verheißung und der Sohn der Freien, schattet die Gemeinde ab (Gal. 4, 28.31).

Diesem Isaak gab Abraham alles, was er hatte (1. Mose 25, 5). Den Söhnen seiner Kebsweiber aber gab er Geschenke und ließ sie noch zu seinen Lebzeiten wegziehen nach Osten (1. Mose 25, 6). Denn der Sohn bleibt für immer im Hause (vgl. Josua, der Sohn Nuns = Sohn der Bleibestätte!), aber nicht der Knecht. Zwar bekommen auch die Söhne der Hagar und Ketura ein Erbteil, aber Herr über das Ganze bleibt doch einer: der Isaak. So ist auch Israel und den Nationen ein Erbe verheißen, das ganze All aber nur Christus und denen, die mit Ihm zu einem Leibe vereinigt sind. Ihr Erbteil ist das letzte und größte.

Als das ganze Land Kanaan verteilt war, kam schließlich auch Josua an die Reihe. Er bekam Timnath-Serach. Timnath heißt Bild, und Serach heißt Aufgang, beides demnach Bild des Aufgangs. Das Bild dessen, der der “Aufgang aus der Höhe” genannt wird, wird nach 1. Joh. 3, 2 und Röm. 8, 29 einmal unser größtes Erbteil sein. Denn das Größte, was Gott überhaupt zu geben hat, ist die Verwandlung in das Bild des Erstgeborenen. Das ist aber letztlich Sein eigenes Bild; denn Christus ist nach Hebr. 1, 3 das Strahlbild der Herrlichkeit Gottes, und Er konnte von sich sagen: “Wer Mich sieht, der sieht den Vater”. Deshalb sollen wir einmal vollkommen sein, wie unser Vater im Himmel vollkommen ist (Matth. 5, 48).

Timnath-Serach liegt im Gebirge Ephraim, d. h. Fruchtbarkeit, wörtlich: doppelte Fruchtbarkeit. Das ist das zweite, das wir erwarten in Verbindung mit dem ersten: Wenn man das Bild des Vaters und des Sohnes an sich trägt, wird man auch fruchtbar für Ihn. Das Haupt ist fruchtbar, und der Leib wird fruchtbar: doppelte Fruchtbarkeit. Dann werden wir erkennen, gleichwie wir erkannt worden sind (1. Kor. 13, 12), alle Gottesverheißungen ausführen (2. Kor. 1, 20) und das All ins Leben zeugen (1. Tim. 6, 13 wörtlich). —

Schon das erste Wort des Buches Josua hat uns viel zu sagen. Es ist das Wörtlein “und”. Das nächste Buch, das Buch der Richter, beginnt auch mit “und”, und ebenso das Buch Ruth. Wir sehen schon daraus, daß die Heilsgeschichte ein zusammenhängendes Ganzes ist. Gott läßt jeweils eine Zeit sich erfüllen und dann eine andere kommen.

Das Buch Josua ist das 6. Buch in unserer Bibel. Es entspricht auch der 6. Haushaltung. Im Paradies hat Gott mit dem ungefallenen Menschen einen Haushalt begonnen, den Haushalt des Paradieses, den Stand der Unschuld. Nach dem Sündenfall folgt das Gericht der Austreibung und beendet diesen Haushalt, wie ja jeder Haushalt mit einem Gericht abschließt. Dann fängt Gott außerhalb des Paradieses mit dem gefallenen Menschen einen neuen Haushalt an. Der Mensch soll sich jetzt nähren vom grünen Kraut des Feldes und im Schweiße seines Angesichts sein Brot essen. In 1. Mose 6 ist die Menschheit, die sich vom Geiste Gottes nicht mehr strafen lassen will, schon wieder gerichtsreif geworden, und Gott bringt die Katastrophe der großen Flut über die Erde. Dann folgt als 3. Haushaltung die mit Noah und seinen Söhnen. In 1. Mose 11 sind auch diese Geschlechter in die Auflehnung gegen Gott getreten durch den Turmbau zu Babel, und durch die Zerstörung des Turmes, die Sprachenverwirrung und Vertreibung muß Gott Gericht üben.

Mit Abraham fängt Gott sodann die 4. Haushaltung an, die der “Väter”. Doch auch bei ihnen läßt die Sünde nicht auf sich warten; wir brauchen nur an einen Jakob zu denken. Israel kommt 400 Jahre in den feurigen Schmelzofen Ägypten und wird schließlich nach dem Auszug aus Ägypten und dem Durchzug durchs Rote Meer bis auf zwei Männer, Josua und Kaleb, in der Wüste hingestreckt. Das war das Ende auch der 4. Haushaltung.

Die 5. Haushaltung begann mit der Gesetzgebung am Sinai. Sie läuft bis auf Johannes den Täufer (Luk. 16, 16). In diese Zeit fällt das Gericht der assyrisch-babylonischen Gefangenschaft. Die 6. Haushaltung ist gekennzeichnet durch das Auftreten Jesu unter Seinem Volk und den Ruf: “Tut Buße, denn das Reich der Himmel ist nahe herbeigekommen.” Sie endete mit der Tötung Christi und der Zerstreuung des Volkes Israel unter alle Völker im Jahre 70 durch Titus.

Heute leben wir in der Zeit der 7. Haushaltung, die dem Buch der Richter entspricht: Israel steht unter Gericht. Das ist die Zeit, von der es heißt: Damals war kein König in Israel; ein jeder tat, was recht war in seinen Augen. Die Menschen gebrauchen nämlich ihre Freiheit immer zu einem Anlaß für das Fleisch. Daher kann Demokratie nur recht gebraucht werden von solchen, die unter Geisteszucht stehen. Bei allen anderen endet sie damit, daß einmal jeder gegen jeden sein wird. Doch jedes andere Regierungssystem, es mag heißen, wie es will, wird am Ende genau so zerbrechen, bis man endlich einsieht: Es ist nur einer über diese Erde gegangen, der nicht das Seine gesucht hat, nämlich der Sohn der Liebe. Und Ihm wird man dann einmal bekennen: Du allein bist würdig … Dazu ist es aber notwendig, daß vorher alle einmal an die Reihe kommen und Schiffbruch leiden.

Die 8. Haushaltung entspricht dann dem Büchlein Ruth. Nach dem Gericht schenkt Gott einen neuen Anfang: Der Herr hat Sein Volk heimgesucht und Seinem Volke Brot gegeben.

Noch wenige Worte möchte ich zu den einzelnen Kapiteln des Buches Josua sagen. In Kap. 2 begegnet uns die Hure Rahab. Sie verbirgt die Kundschafter in ihrem Hause und sagt ihnen: “Ich weiß, daß Jehova euch das Land gegeben hat … denn wir haben gehört, daß Jehova die Wasser des Schilfmeeres vor euch ausgetrocknet hat.” In Hiob 8, 11.12 wird uns gesagt, daß das Schilfgras am Sumpf wächst und schneller verdorrt als irgendein anderes Gras. Das Schilfgras ist ein Bild für das Fleisch, das sich immer aufhält in der Nähe des Sumpfes der Sünde. Gott aber vermag die Wasser des Schilfmeeres auszutrocknen. Er kann die Menschen auf dem Sterbenswege loslösen von der zeitlichen Ergötzung der Sünde. “Ihr seid der Sünde gestorben” (Röm. 6, 2). Das sind die Menschen, vor denen sich Satan fürchtet. Denn soweit wir selber losgebunden sind von unseren Bindungen, vermögen wir dann auch anderen zu dienen.

Daher folgt dann auch im 6. Kapitel die Einnahme Jerichos. Jericho heißt Mondstadt. Während Christus einmal aufgehen wird als “Sonne der Gerechtigkeit”, ist der Mond als das Licht, das die Nacht regiert, ein Bild für den Obrigkeitsherr der Finsternis. Er hat kein eigenes Licht, sondern nur entlehntes Licht. Und während die Sonne ihre Gestalt beibehält, wechselt er sie dauernd. Er verstellt sich in einen Engel des Lichts — und hüllt sich wieder in Finsternis (Vollmond — Neumond).

Vor der Einnahme der Mondstadt aber mußte noch das geschehen, was uns in Kap. 3 berichtet wird: Die Lade des Bundes zog vor Israel her in den Jordan, und die Wasser des Jordan blieben stehen, so daß das ganze Volk trockenen Fußes hinüberziehen konnte. Das geschah am 10. des ersten Monats. Am 14. desselben Monats fand die jährliche große Passahfeier statt. Der 10. des ersten Monats, ein Donnerstag, entspricht dem Gründonnerstag, als die wahre Lade, der Christus, den Gott als “Sühnedeckel” oder “Gnadenstuhl” dargestellt hat (Röm. 3, 25), im Begriff stand, in den
Tod zu gehen und den Tod zu besiegen.

Damit aber der Tod und der des Todes Gewalt hat, der Teufel, auch von uns besiegt werden können, ist noch etwas nötig, was wir in Jos. 5, 2 lesen: “Zu selbiger Zeit sprach Jehova zu Josua: Mache dir Steinmesser und beschneide wiederum die Kinder Israel zum zweiten Male!” Das ist der Nachvollzug. Die erste Beschneidung geschah in Ihm: “Ihr seid beschnitten worden … in der Beschneidung des Christus” (Kol. 2, 11). Dann aber heißt es: “Tötet nun eure Glieder …” (Kol. 3, 5). Wir sollen die Tatsache, daß wir in Ihm gestorben sind, festhalten und uns der Sünde für gestorben und für tot erachten. Das ist glaubensmäßiger Nachvollzug. Das ist die zweite Beschneidung. Erst als diese vorgenommen war, konnten die Israeliten das Passah in Reinheit feiern und Jericho erledigen.

Wer Dämonen austreiben will, muß selber frei sein von Dämonen. Wer andere losbinden will, muß selber losgebunden sein.

Wir sehen so in dem Bilde des Josua von dem Heiligen Geiste schon vor etwa 4000 Jahren so vieles niedergelegt und ausgeprägt an Zügen unseres Herrn, des wahren Josua, und an Geschehnissen, die auch in unserem Glaubensleben liegen, daß man nur staunen kann. Uns kommt dabei eines immer neu zum Bewußtsein: Wir können uns auf Sein Wort verlassen. Und wenn man das weiß, kann man seinen Weg wieder gehen in der Gewißheit: Ich kann mich mit beiden Füßen auf dieses Wort stellen. “Jeder Ort, auf den eure Fußsohle treten wird, euch habe Ich ihn gegeben.”

Wenn du vor deinem allgemeinen Erbteil schon etwas voraus haben willst, dann geh’ als Kundschafter in das Land, dann geh’ ins Wort! Und jede Verheißung, die du unter deine Füße bekommst, wird dir angerechnet, als hättest du sie erfüllt. Laßt uns feste und gewisse Tritte im Glauben tun und mit unseren Fußsohlen auf jede Verheißung treten! Dann dürfen wir’s erleben, daß Er sie erfüllt.

(Quelle: “Gnade und Herrlichkeit”, 1956; Paulus-Verlag, Heilbronn)

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